Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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ein Gedanke zur Bewertung der PISA-Studie

stiller Mitleser ;-), Tuesday, 07.12.2004, 12:16 (vor 7730 Tagen)

Es wurde öfter erwähnt, daß in D auffälligerweise die Leistung der Schüler stark vom Einkommen und sozialen Status der Eltern abhängen sollen - natürlich mit dem altbekannten Ruf nach mehr "Förderung" der Beachteiligten.

Ist es aber wirklich eine Frage des Geldes, das jemandem in den A**** geblasen wird? Es ist wohl eher eine Frage des Vorbildes, das die Kinder im Elternhaus vorgelebt bekommen. Eine intakte Familie - zu der eben auch ein Vater gehört - bietet eben das Vorbild, daß zu einem guten Einkommen ein guter Job gehört, der nur mit guter Bildung und Weiterbildung und Eigeninitiative zu erreichen ist.
Welches Vorbild bietet dagegen eine vom Unterhalt lebende Alleinerziehende, die es als ihre Lebensaufgabe sieht, ihr(e) Kind(er) gegen den zahlungsverpflichteten Erzeuger aufzuhetzen?

Re: ein Gedanke zur Bewertung der PISA-Studie

Norbert, Tuesday, 07.12.2004, 13:25 (vor 7730 Tagen) @ stiller Mitleser ;-)

Als Antwort auf: ein Gedanke zur Bewertung der PISA-Studie von stiller Mitleser ;-) am 07. Dezember 2004 10:16:01:

Es wurde öfter erwähnt, daß in D auffälligerweise die Leistung der Schüler stark vom Einkommen und sozialen Status der Eltern abhängen sollen - natürlich mit dem altbekannten Ruf nach mehr "Förderung" der Beachteiligten.
Ist es aber wirklich eine Frage des Geldes, das jemandem in den A**** geblasen wird? Es ist wohl eher eine Frage des Vorbildes, das die Kinder im Elternhaus vorgelebt bekommen. Eine intakte Familie - zu der eben auch ein Vater gehört - bietet eben das Vorbild, daß zu einem guten Einkommen ein guter Job gehört, der nur mit guter Bildung und Weiterbildung und Eigeninitiative zu erreichen ist.
Welches Vorbild bietet dagegen eine vom Unterhalt lebende Alleinerziehende, die es als ihre Lebensaufgabe sieht, ihr(e) Kind(er) gegen den zahlungsverpflichteten Erzeuger aufzuhetzen?

Ein klares Jein.
Ich stamme z.B. aus einer Arbeiterfamilie.
Im Gymnasium hatte ich u.a. das Fach Technisches Zeichnen.
Hier hatten natürlich diejenigen ein Vorteil, die teure Rotring-Stifte und entsprechende Zeichenbretter zur Verfügung hatten, die meine Eltern mir nicht zahlen konnten.
Versuche einmal die Strichdicke einzuhalten, aber gleichzeitig die Schwärzung zu erreichen, die ein Tuschestift locker bietet, aber kein noch so guter Graphitstift.
Ich habe mich manchmal mit solchen Stiften abgequält, die so hart waren, daß man damit fast Glas ritzen könnte.
Die Benotung der Tuschezeichnungen war dann auch durchweg besser.
Obwohl der Aufwand dann um ein etliches geringer war.
Nachdem ich mir ein Zeichenbrett leihen konnte, sowie einige wenige Tuschestifte erhalten hatte, konnte ich dieses feststellen.
Ebenso verhielt es sich mit den damals neu aufkommenden technischen Taschenrechnern. Die Betuchten hatten gleich die teuren Geräte, die anderen nur ein Blatt Papier.
Somit hat der Geldbeutel schon damit zu tun.
Auch wenn es heute andere Gegenstände betrifft.

Ich habe meinen Kindern erst einmal klar machen müssen, das ich das Geld nicht einfach von der Bank abholen kann, sondern etwas dafür tun muß, daß erst einmal Geld dort ist. Woher hätten sie es wissen sollen?
Den Zusammenhang zwischen 'Papa ist arbeiten' und 'Geld ist auf der Bank' ist für Kinder nicht sichtbar.

Das Thema Vorbildsfunktion der Eltern ist natürlich richtig und ganz wichtig.
Insoweit Zustimmung.

Gruß
Norbert

Re: ein Gedanke zur Bewertung der PISA-Studie

stiller Mitleser ;-), Tuesday, 07.12.2004, 18:36 (vor 7730 Tagen) @ Norbert

Als Antwort auf: Re: ein Gedanke zur Bewertung der PISA-Studie von Norbert am 07. Dezember 2004 11:25:30:

Geht es bei PISA um die reinen Noten? Ich hatte es so verstanden, daß es da um die Fähigkeit, Aufgaben zu verstehen und das Wissen anzuwenden, geht.

Ich denke mal: ein Lehrer, der eine Lösung schlechter bewertet, weil der Schüler nicht die Top-Gerätschaften hat, obwohl er im Rahmen seiner technischen Möglichkeiten das Maximale erreicht hat, so ein Lehrer hat irgendwie den Beruf verfehlt...

Re: ein Gedanke zur Bewertung der PISA-Studie

Norbert, Tuesday, 07.12.2004, 20:24 (vor 7730 Tagen) @ stiller Mitleser ;-)

Als Antwort auf: Re: ein Gedanke zur Bewertung der PISA-Studie von stiller Mitleser ;-) am 07. Dezember 2004 16:36:47:

Geht es bei PISA um die reinen Noten? Ich hatte es so verstanden, daß es da um die Fähigkeit, Aufgaben zu verstehen und das Wissen anzuwenden, geht.
Ich denke mal: ein Lehrer, der eine Lösung schlechter bewertet, weil der Schüler nicht die Top-Gerätschaften hat, obwohl er im Rahmen seiner technischen Möglichkeiten das Maximale erreicht hat, so ein Lehrer hat irgendwie den Beruf verfehlt...

Hi
Es ging mir um eine andere Frage:
Natürlich sind die Noten für die Einstufung, welche Schulart besucht werden soll maßgebend.
D.h. Kinder bekommen wegen schlechterer Ausstattung auch schlechtere Noten.
Deswegen werden sie dann eher auf die Schularten mit niedrigeren Anforderungen kommen. Unabhängig von ihrer Begabung.
Kinder höherer Einkommensschichten kommen dann aber auch aus Schulen, die ihre Fähigkeiten überfordern, während andere in die Hauptschule kommen und dort völlig unterfordert sind.

Diese Form der Selektion ist aber dabei das maßgebliche Problem.

Daß Lehrer eigentlich die unterschiedliche Werkzeuge werten, ist natürlich völliger Unsinn, aber für mich eine realle Tatsache gewesen.

Es gab natürlich damals gewisse Gegenreaktionen:
Mit Aufkommen der Taschenrechner wurden dann weniger die Rechenfähigkeiten der Schüler geprüft, sondern die Bewertung auf Verständnis / Lösungswege der Aufgaben umgestellt.

Aber das klappt natürlich auch nicht in jedem Fach.

Außerdem sollte berücksichtigt werden, daß z.B. Hausaufgaben gemacht werden müssen. Einkommensschwächere Schichten können schon dort nicht die adäquaten Räumlichkeiten zum konzentrierten arbeiten zur Verfügung stellen.
Ich mußte z.B. meine Hausaufgaben im Wohnzimmer machen.
Ich teilte mir ein 12 qm Zimmer mit einem Bruder. Für einen Schreibtisch war da kein Platz.

Gruß
Norbert

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