Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Häusliche Gewalt gegen Maenner, Veranstaltung in Saarbruecken

Andreax, Monday, 06.12.2004, 00:52 (vor 7731 Tagen)

Hallo,

hier ein Bericht zu der Veranstaltung "Männliche
Opfer häuslicher Gewalt" am 02. Dezember 2004, 19.00 Uhr, Konferenzgebäude des Saarländischen Rundfunks, Saarbrücken:

Einleitend sollte ich vielleicht erwähnen, daß die Veranstaltung in
keiner Presseveröffentlichung angekündigt wurde. Daß ich überhaupt davon erfahren habe, war reiner Zufall. Einziger öffentlich
zugänglicher Hinweis findet sich in der Pressemitteilung des
Ministeriums vom 30.11. (also nur ein Tag vorher!). Die offensichtlich vorgefertigte Pressemeldung mit dem Ergebnis, daß alles doch nicht ernst zu nehmen sei, wurd noch am Abend der Veranstaltung veröffentlicht!

Dementsprechend war auch das Publikum. Etwa 40 Personen aus
einschlägigen Bereichen der Frauenszene, aber auch einige von der
Polizei, einer von der Telefonseelsorge, Rest unbekannt.

Alles in allem immerhin der innere Zirkel der
Frauensindopferunddavonlebenwirgut-Fraktion des Saarlandes.
Im Saarland ist halt alles etwas überschaubarer.

Ich war wohl der einzige Außenstehende.

Nun zum Ablauf:

Als erstes sprach der Staatssekretär einige salbungsvolle Worte,
inhaltlich wenig erwähnenswert, er ist wenig von Detailwissen belastet.
Er freut sich, daß "alle Interessengruppen vertreten sind".

Danach leitet Frau Ernst von der Koordinierungsstelle
gegen häusliche Gewalt das Thema ein. Vorsichtig fängt Sie schon mal an,
die Zahlen der Studie (die noch gar nicht vorgestellt waren)
anzuzweifeln, sieht gar auf einmal eine Mißbrauchsgefahr des Themas
durch Männer.
Das kann ja lustig werden, denke ich mir und versuche, meinen Blutdruck
zu senken.

Danach kam der eigentliche Vortrag von Dr. Ralf Puchert von Dissens
e.V., Berlin.
Der Dissens e.V., nicht gerade als Maskulistische Truppe bekannt, kommt
laut Puchert aus der Jungenarbeit. Er berichtet, daß es intern zu
Diskussionen kam, ob man sich überhaupt auf die Ausschreibung zur Studie
bewerben sollte (man ist ja schließlich eher profeministisch [Anm. d.
Verfassers]). Dissens hatte vorher keine Erfahrung mit dem Thema "Gewalt
gegen Männer".
Er stellte dar, daß es sich um eine Pilot- und "Übersichts"-Studie
handelt, die vom Umfang her nicht representativ ist. Das gab der Auftrag
und der Etat nicht her.
Dennoch wurden die Daten representativ erfasst, d.h. die
Interviewpartner wurden representativ im gesamten Bundesgebiet
ausgewählt. Die Anzahl der befragten betrug 266.

Ausführlich stellt Puchert die Methoden der Studie dar. Insbesondere
Interessant - was später noch wichtig wird - ist, daß Methode und
Fragenkatalog möglichst identisch mit der parallel laufenden
Frauenstudie sind.

Anschließend werden die einzelnen Felder erklärt:
-öffentliche Gewalt
-Arbeitswelt
-Wehr- und Zivildienst
interessant hierbei: Puchert benennt dies als "Zwangsdienst auf
unterster Hierarchieebene"

-Gewalt in Lebensgemeinschaft, das heutige Hauptthema.
Hauptaussagen: Ein Viertel aller Männer wurden Opfer ihrer Partnerin
bezüglich körperlicher Gewalt. Psychische gealt ist häufiger. Kein
Einziger der Befragten ging zur Polizei.

Anschließend empfiehlt er Maßnahmen:
-mehr Wissen (Klartext vom Verfasser: beauftragt eine größere Studie ;-))
-Hilfesystem für Männer
-öffentliches Bewußtsein
-Institutionelle und politische Verortung

Interessant auch die abschließende, sehr diplomatische Kritik an der
Koordinierungsstelle gegen häusliche Gewalt im Saarland:
"Die Verleugnung männlicher Opfer fördert männliche Täterschaft"

Ein interessanter Hinweis war noch, daß die gesamte Studie nächste Woche
im Internet beim Frauenministerium abrufbar sein soll.

Anschließend Diskussion:

Zunächst versuchen einige anwesende Frauen, die Methoden der Studie
kritisch zu hinterfragen. Puchert gibt kompetent Auskunft und bietet
keine Angriffspunkte. Insbesondere der Hinweis auf die gleiche Methodik
der Frauenstudie wirkt.
Trotzdem wird immer wieder versucht, die Zahlen in Zweifel zu ziehen und
darzustellen, daß die Frauen ja wohl die waren Opfer sind.

Ich fragte, was denn nun das Saarland und insbesondere die Koordinierungsstelle ändert oder ob männlichen Opfern immer noch das Obdachlosenasyl als Anlaufstelle empfohlen wird.
Frau Ernst: das kann nicht sein, sowas hätte sie nie behauptet, auch der
Staatsektretär ist sehr überrascht. Ob ich von dieser Gruppe aus Tier
käme, da hätte sich mal jemand beschwert (interessante Info, Danke). Ich
lese also die Passage des Schreibens der Koordinierungsstelle vor.
Betretenes Schweigen, danach Ablenken vom Thema. Ich trete auch nicht
mehr nach, die Sache hat aber gesessen . Der Staatssekretär ist
daraufhin deutlich spürbar von seinen Damen abgerückt.

Die Diskussion ging wenig ergiebeig weiter, ich habe noch die Frage
gestellt, ob nun eine vertiefende, representative Studie in konkreter
Planung sei (ist nicht), dann war Ende.

Interessant war noch die Aussage der Staatsanwältin Kräuter-Stockton, über deren Tisch alle Anzeigen wg. häuslicher Gealt im Saarland laufen.
Sinngemäß: "Sie würde alle Anzeigen von Männern sehr genau prüfen, ob diese nicht doch in Wahrheit die Täter seien."

Anschließend kamen noch zwei Teilnehmer auf mich zu mit wehr oder weniger interessanten Informationen, die ich aber hier nicht veröffentlichen möchte.

Hier noch einige Links:

Ankündigung der Veranstaltung (Pressemitteilung):
http://www.justiz-soziales.saarland.de/detail.html?mid=6765

Bericht zur Veranstaltung:
http://www.justiz-soziales.saarland.de/detail.html?mid=6785

Koordinierungsstelle gegen häusliche Gewalt:
http://www.justiz-soziales.saarland.de/justiz/10624.htm

Aktion des MANNdat e.V. gegen die o.g. Koordinierungsstelle
http://www.manndat.de/saarland.htm

Viele Grüße
Andreax

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