Lehrer und Jungen - früher Verbündete, heute Gegner
Einblicke in die Welt der Männer
Bis zu 150 Eltern und Lehrer bei Vortrag / Götz Haindorff überraschte mit provokanten Ansichten
BASSUM (bbk) · "Das muss ich mir nicht mehr anhören, diese Lehrerschelte geht zu weit." Mit diesen Worten verließ eine Lehrerin nach etwa einer Stunde wütend und enttäuscht den Vortrag von Götz Haindorff zum Thema "Wie kann ich einfacher mit Jungs umgehen?". Sie war nicht die einzige, die mit den Betrachtungsweisen des Referenten nicht einverstanden war. Alle anderen allerdings blieben, bis aus Zeitgründen gegen 22 Uhr die Veranstaltung am Dienstagabend in der Bassumer Volksbank beendet werden musste.
Haindorff war auf Einladung des Präventionsrates der Stadt Bassum gekommen, um Eltern, Erziehern und Lehrern seine Ansicht über den Umgang mit Jungen näher zu bringen. Er stellte viele Fragen an den Anfang, bot Einstiegsmöglichkeiten an, erläuterte das Grundwesen von Jungen und stellte Alltagssituationen dar. Der Referent beließ es dabei nicht nur bei Tipps und Anregungen. Er versuchte, den Problemen mit Jungs auf die Spur zu kommen, Ursachenforschung zu betreiben.
Dabei stellte Haindorff immer wieder die Kompetenz vieler Lehrer in Frage, die seiner Ansicht nach nicht genügend auf das Lehramt mit seinen aktuellen Anforderungen vorbereitet werden. Das löste im Auditorium immer wieder leise und auch laute Proteste aus.
"Lassen Sie es zu, wenn Ihre Jungen oder auch Ihre männlichen Partner sich zu verändern suchen. Schenken Sie dem Sohn Vertrauen, er wird seinen Weg gehen", waren Kernaussagen von Götz Haindorff. Er konstatierte, dass Jungen schon früh damit anfangen, siegen zu wollen, Meisterschaften zu erringen, auf jeden Fall aber nicht zu verlieren. "Haben Sie mal beobachtet, wie happy ein Junge ist, der gewinnt? Gewinnen ist nicht allein die Lust an der Konkurrenz, gewinnen, bedeutet auch die Erkenntnis, die richtige Strategie entwickelt zu haben. Das sind Erfolgserlebnisse und damit positive Mosaiksteine in der Entwicklung der Jungen."
Mädchen und Frauen machen im Vergleich meistens kein Aufhebens über ihre Erfolge. Jungen und Männer dagegen sprechen noch Tage und Wochen über das Erreichte. Wehe, ihnen wird nicht zugehört, so Haindorff, und Zuhören als Voraussetzung zum Verstehen will gelernt sein. Belehrungen helfen seiner Ansicht nach nicht weiter.
"Wir brauchen unkonventionelle und kreative Querdenker, um ein Umdenken in unserer Gesellschaft zu bewirken. Jungen schießen oft über das Ziel, über gesetzte Grenzen hinaus, während Mädchen meistens die gestellten Regeln einhalten. Nicht verstandene Jungen geraten dabei mehr und mehr ins Abseits. Langeweile kommt auf, Aggressionen bauen sich auf, Schmerzgrenzen werden überschritten." Haindorff stellte fest, dass sich das Verhältnis zwischen Eltern oder Lehrern zu Jungen im Laufe der letzten 20 bis 30 Jahre umgekehrt hat. War man früher Verbündete, so sei man heute Gegner.
Mit Patentlösungen konnte Haindorff an diesem Abend nicht dienen. Aufgrund der vielen Fragen und zum Teil kritischen Einwürfe aus dem Kreis der Zuhörer wurde auch das Zeitlimit überschritten, so dass die große Zufriedenheit auf beiden Seiten ausblieb. Fragen blieben offen, Ansichten kontrovers. Dennoch eine Veranstaltung, die die Wichtigkeit der Problematik im Umgang mit der heutigen Jungenwelt offenbarte.
Sehr gut! Es tut sich was (n/t)
Als Antwort auf: Lehrer und Jungen - früher Verbündete, heute Gegner von Sven am 04. Dezember 2004 11:37:23:
Re: Lehrer und Jungen - ... Sehr, sehr zweischneidig
Als Antwort auf: Lehrer und Jungen - früher Verbündete, heute Gegner von Sven am 04. Dezember 2004 11:37:23:
Hallo allerseits!
Der zitierte Text hat bei mir äußerst zwiespältige Eindrücke hinterlassen.
Einerseits forderte der Referent dazu auf, die Siegslust von Jungen zu fördern:
"Lassen Sie es zu, wenn Ihre Jungen oder auch Ihre männlichen Partner sich zu verändern suchen. Schenken Sie dem Sohn Vertrauen, er wird seinen Weg gehen", waren Kernaussagen von Götz Haindorff. Er konstatierte, dass Jungen schon früh damit anfangen, siegen zu wollen, Meisterschaften zu erringen, auf jeden Fall aber nicht zu verlieren. "Haben Sie mal beobachtet, wie happy ein Junge ist, der gewinnt? Gewinnen ist nicht allein die Lust an der Konkurrenz, gewinnen, bedeutet auch die Erkenntnis, die richtige Strategie entwickelt zu haben. Das sind Erfolgserlebnisse und damit positive Mosaiksteine in der Entwicklung der Jungen."
Unmittelbar hinterher heißt es allerdings:
Mädchen und Frauen machen im Vergleich meistens kein Aufhebens über ihre Erfolge.[/i][/u] Jungen und Männer dagegen sprechen noch Tage und Wochen über das Erreichte. Wehe, ihnen wird nicht zugehört,[/i][/u] so Haindorff, und Zuhören als Voraussetzung zum Verstehen will gelernt sein. Belehrungen helfen seiner Ansicht nach nicht weiter.
Hierzu zwei Punkte:
1) Das "Wehe, ihnen wird nicht zugehört" ist zwar einerseits eindeutig als Aufforderung zu verstehen, den Jungen zuzuhören. Andererseits kommt hier unterschwellig durch, daß es nach Meinung des Referenten bei Jungen ein Aggressionspotential gibt, daß es zu zügeln gilt und das bei Mädchen nicht vorhanden ist.
2) Was den Punkt betrifft, daß Frauen und Mädchen angeblich weniger Aufhebens um ihre Erfolge machen, so hat eben dies - kein Aufhebens um die Erfolge zu machen - zu meiner Erziehung gehört. Es war wohl auch dezidierter Bestandteil der protestantischen Ethik. Aus eigener Beobachtung kann ich nicht bestätigen, daß das Angeben mit Erfolgen für Jungen typischer sei als für Mädchen oder umgekehrt.
Zusammenfassend:
Einerseits[/i][/u] ruft der Referent zum Verständnis für Jungen auf, andererseits[/i][/u] attestiert er ihnen Verhaltensweisen, die in der Wahrnehmung der meisten Menschen negativ besetzt sein dürften.
Der Referent ist damit zwar nicht ganz so extrem, wie diejenigen "Männer-Wissenschaftler", die in einer Anpassung der Männer an die weibliche Psyche die einzige und letzte Rettung für die Männer erblicken, aber tendenziell angelegt ist diese Haltung auch beim ihm.
Gruß
Ekki