Überall sehen Kinder jetzt böse Männer ...
Überall sehen Kinder jetzt böse Männer
Aachen. «Die Polizei ist an einem Punkt angekommen, der es ihr nicht mehr möglich macht, die Spreu vom Weizen zu trennen», sagt Paul Kemen. Was ist objektiv wahr und was nicht?
Im Klartext: «Überall haben Kinder jetzt böse Männer gesehen, unterwegs in dunklen Autos», fügt der Sprecher der Aachener Polizei hinzu, die in einem Dilemma steckt. Nach den versuchten Kindesentführungen in Simmerath, Herzogenrath und im niederländischen Geleen wird einerseits auf Hochtouren ermittelt und jedem noch so kleinen der zahlreichen Hinweise nachgegangen.
Andererseits gibt es Fälle wie den am Mittwochabend in Würselen, der letztlich gar keiner war. Ein 13-Jähriger hatte mitgeteilt, einer versuchten Entführung entronnen zu sein. Seine beiden Freunde hätte ihn gerade noch gerettet, als ein Mann ihn in ein Auto habe zerren wollen. Als aber die Polizei kam, war der Junge verschwunden.
Aus gutem Grund: Die Jugendlichen hatten sich die Geschichte nämlich nur ausgedacht, wie eine Mutter gestern der Polizei mitteilte. Ein Glück für die Jungen, dass sie noch nicht strafmündig sind, sonst hätten sie jetzt eine Anzeige wegen Vortäuschung einer Straftat am Hals. Die Kosten für den Polizeieinsatz werden sie dennoch bezahlen müssen. Immerhin war bereits die gesamte Fahndungsmaschinerie angelaufen.
Das Vortäuschen derartig ernster Taten sei gerade in der jetzigen Situation fatal, so die Polizei. Denn die Ermittlungen der Aachener Polizei in den anderen Fällen gehen unter Hochdruck weiter. In beiden Fällen konnten die Kinder - ein 13-jähriges Mädchen und ein elfjähriger Junge - durch entschlossenes Handeln verhindern, dass sie von unbekannten Autofahrern mitgenommen wurden.
«Die Polizei nimmt die Besorgnis erregenden Vorfälle sehr ernst, in der Prioritätenliste der Ermittlungen stehen sie ganz oben. Da die Ermittler immer vom Wahrheitsgehalt der Aussagen ausgehen, ist der betriebene Ermittlungsaufwand entsprechend», so Paul Kemen am Donnerstag in einer Zwischenbilanz.
So hat man auch Kontakt mit anderen Behörden im In- und Ausland aufgenommen. Etwa nach Geleen. Für Aachen relevante Erkenntnisse ergaben sich aus diesen Kontakten bisher nicht. Keine neuen Erkenntnisse gibt es auch im Fall eines Mädchens, das in Aachen von einem Auto verfolgt worden war.
Um unabhängige Zeugen zu gewinnen, waren die Ermittler in Herzogenrath und Simmerath zu Hausbefragungen unterwegs. Deren Aussagen ließen jedoch keine heiße Spur erkennen.
Auf die Erstellung eines Phantombildes mussten die Ermittler aufgrund der vagen und unterschiedlichen Täterbeschreibungen verzichten. Die Verwirrung in der Bevölkerung wäre zu groß geworden, erklärt Kemen.
Das Kommissariat Vorbeugung hat unterdessen ein Handlungskonzept für Erzieher, Lehrer und Eltern erstellt und es an alle Schulen in Stadt und Kreis Aachen verteilt. Verstärkte Präsenz zeigten uniformierte Beamte. «Klar gesagt werden musste aber auch, dass es nicht möglich ist, großflächig vor allen Schulen und Kindergärten verstärkt Streife zu fahren», schränkt der Behördensprecher ein.
Zahlreiche Hinweise gingen im Laufe der Tage bei dem für Sittlichkeitsdelikte und Vermisste zuständigen Kommissariat ein. Telefonate, Befragungen, Kennzeichenabgleiche und weitere Ermittlungen waren die Folge. Viele besorgte Eltern informieren sich nach wie vor bei der Polizei.
«Absolut verständlich und akzeptabel, dafür sind wir schließlich da», sagt Kemen. Er fügt hinzu: «Die Verunsicherung und die Ängste sind groß. Eltern kennen ihre Kinder am besten. Rücken die Kinder mit Sachverhalten heraus, erkennen Eltern schnell, ob die Polizei benachrichtigt werden muss.»
Quelle: http://www.aachener-zeitung.de/sixcms/detail.php?id=418704&_wo=News:Wirtschaft&...
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