Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 1 - 20.06.2001 - 20.05.2006

67114 Postings in 8047 Threads

[Homepage] - [Archiv 1] - [Archiv 2] - [Forum]

Die Männer sind schuld

Sven, Saturday, 04.12.2004, 12:18 (vor 7733 Tagen)

Die Männer sind schuld

[Von ftd.de, 16:08, 03.12.04]

Immer wieder heißt es, kinderlose Akademikerinnen seien die Ursache der demografischen Entwicklung. Tatsächlich sind es die zeugungsunwilligen Männer.

Es passiert täglich, in irgendeiner Zeitung, einem Magazin oder in einer Diskussion. 40 Prozent der Akademikerinnen, heißt es da in leicht bedauerndem Ton, bekommen keine Kinder. Darauf müsse unbedingt und rasch reagiert werden. Betreuungsangebote und Betriebskindergärten sind deswegen Dauerthemen. Ganz abgesehen davon, dass Wissenschaftler die Zahl 40 Prozent für völlig falsch halten: Das Problem sind nicht die kinderlosen Frauen. Das Problem sind die kinderlosen Männer. Und wenn man unglücklich über die demografische Entwicklung ist, dann sollte man das Problem da anpacken, wo es liegt, und nicht auf andere abschieben.
Zunächst einmal: Als kinderlos gilt für Wissenschaftler eine Frau auch dann, wenn ihr Kind zum Zeitpunkt der Umfrage über einen längeren Zeitraum nicht im Haus ist. Also auch, wenn es in den USA ist, bei der Oma oder im Krankenhaus. Als kinderlos gilt auch die 36-jährige Akademikerin, die vier Jahre später zwei Kinder hat. Die Diagnose, Akademikerinnen haben seltener Kinder, stimmt zwar, die hohe Zahl indes nicht. Aber Frauen sind, wie gesagt, eh nicht das Problem.

Männer sind häufiger kinderlos

Wer nun aufheult, das seien überkommene urfeministische Theorien, dem seien ein paar Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) genannt, das der Sache in zwei Studien auf den Grund gegangen ist. Demnach sind 36,4 Prozent der Männer zwischen 35 und 40 Jahren, wenn also Ausbildung und promiskes Verhalten in der Regel beendet sind, kinderlos; bei den Frauen sind es in dieser Altersgruppe nur 19,1 Prozent. Selbst dann, wenn spät zeugende Männer, also die 50- bis 55-Jährigen, mit einbezogen werden, sind immer noch 18,1 Prozent der Männer kinderlos und 15,5 Prozent der Frauen. Fazit: Männer sind öfter kinderlos.
Manche Frau wird nun sagen: Wusste ich es doch, die wollen nicht. So einfach ist es nicht. Es handelt sich hier nicht um einen Zeugungsstreik einer bestimmten Gruppe, die einfach nicht aus der Pubertät kommt, und einer anderen Gruppe, die dafür ihr Gen möglichst weit streut.
Die Ursachen sind andere. Einfach skizziert sieht der kinderlose Mann nach Erkenntnissen des DIW so aus: unverheiratet, ohne Berufsabschluss, ohne Job oder mit geringem Einkommen, Westdeutscher und Städter. Demnach entscheiden sich Männer gegen ein Kind, weil sie zu wenig verdienen, also immer noch der Ernährerrolle anhängen. Zweitens trauen sich Männer nicht, ein Kind in die Welt zu setzen, wenn sie in unsicheren Beschäftigungsverhältnissen stecken, also ebenfalls der Meinung sind, sie könnten eine Familie auf Dauer nicht ernähren.

Männer schieben gerne auf

Und drittens: Männer schieben es gerne auf. Welche Frau hat den Satz "Jetzt nicht" noch nicht gehört? Für Frauen, die die biologische Uhr ticken hören, ist diese Verhaltensweise der Männer mindestens so fatal wie fehlende Betreuungsangebote. Wobei auch Männer selten nach dem 40. Lebensjahr noch Kinder in die Welt setzen. Denn im Gegensatz zu dem Klischee, dass alte Männer gerne junge Frauen haben, sind in der Realität die meisten Freundinnen und Ehefrauen doch nur zwei bis drei Jahre jünger als ihre Männer.

Am Rande ein Detail aus der DIW-Untersuchung: Besonders zeugungsunwillig sind FDP-Anhänger im besten Alter. In der Altersgruppe bis 45 sind 67,7 Prozent von ihnen kinderlos. Vom 46. Lebensjahr an überlassen die freiheitsliebenden Machos allerdings die Spitzenposition den Grünen-Anhängern. Von denen haben in diesem Alter 26,6 Prozent keine Kinder.
Da bei Akademikerinnen so ausführlich darüber nachgedacht wird, wie man sie zum Kinderkriegen animieren kann, sollte man das bei Männern auch tun. Aus den Zahlen ergibt sich: Wer an Löhnen und Kündigungsschutz rüttelt und nicht für einen Berufsabschluss bei Jungs sorgt, der bastelt mit an der demografischen Krise.

Auch Frauen können Ernährer sein

Vielleicht kann man Nicht- und Spätzeuger viel einfacher zur Zeugung animieren als karriereorientierte Akademikerinnen. Zum Beispiel so: Männer, die meinen, zu wenig zu verdienen, um eine Familie zu ernähren, sollten entweder mehr Geld bekommen oder lernen, dass Frauen auch Ernährer sein können - der Fantasie, über finanzielle Anreize oder Sanktionen nachzudenken, sind da keine Grenzen gesetzt. Klar ist, dass die bisherigen Steuererleichterungen und Kündigungsschutzmaßnahmen nicht ausreichen, um das Verhalten der Männer zu ändern.

Theoretisch laufen viele der heutigen Überlegungen zu Kindergeld, Elternzeit und Betreuung darauf hinaus, für beide Geschlechter Lösungen anzubieten. Aber de facto werden sie eingerichtet mit dem Argument, so könnten Frauen wieder Lust aufs Kinderkriegen bekommen. Inwieweit diese Instrumente das Verhalten der Männer beeinflussen, ist hingegen kein Thema. Mit den Ergebnissen des DIW sollte klar sein: Das Verhalten der Männer gehört genauso unter die Lupe. Nur bei einem Teil anzusetzen, sagen Forscher, hilft nicht weiter. Denn das tollste Betreuungsangebot bringt nichts, wenn der Mann Angst vorm Zeugen hat.

Quelle: http://www.capital.de/ftd/artikel.html?artikel_id=662593


gesamter Thread:

 

powered by my little forum