Bundeswehr-Extremsituationen
pumajäger, Friday, 03.12.2004, 18:44 (vor 7734 Tagen)
Eigentlich ein schöner Artikel
Re: Bundeswehr-Extremsituationen
Max, Saturday, 04.12.2004, 09:24 (vor 7733 Tagen) @ pumajäger
Als Antwort auf: Bundeswehr-Extremsituationen von pumajäger am 03. Dezember 2004 16:44:13:
Eigentlich ein schöner Artikel
http://www.sueddeutsche.de/deutschland/artikel/106/44062/
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Hi Pumajäger,
wirklich ein bedenkenswerter Artikel! Es ist in der Bundeswehr nicht viel anders als im Leben des deutschen Zivilisten: Man darf ja über alles reden, nicht aber über den Tod, das Sterben, das Töten und das Getötetwerden. Wundern würde es mich nicht, wenn sich bei der Bundeswehr Leute fänden, die dann, wenn sie töten sollen oder getötet werden sollen, sich entrüstet fragen, warum ihnen das vorher keiner gesagt hat. Das sehr fragwürdige, archaisch-männliche Verständnis vom Mann als einem, der erst dann einer ist, wenn er wenigstens einmal einen anderen Mann getötet hat, das gab´s jedenfalls mal. Und die holde Weiblichkeit, die dem Sieger ihre Gunst zu schenken geneigt war, ebenfalls - offiziell gab, tatsächlich gibt.
Durchaus denkbar, wie in dem Artikel angedeutet, ist es für mich, daß die Folterszenarien in deutschen Kasernen deswegen stattgefunden haben, weil da eine "Spannung" in der Luft liegt, über die keiner redet, die viele aber spüren können und die sich so zu lösen versuchte. Sicher nicht der einzige Grund, aber vielleicht einer von mehreren...
Zum Glück gibt es ja nun schon seit einiger Zeit "FrauKalbes" (Frau kann alles besser) selbst beim Bund und die dürfte damit viel weniger Probleme haben.
Vielleicht ist aber FrauKalbes nur deswegen beim Bund, weil das Töten und Getötetwerden in unserer, als der ersten Armee weltweit und überhaupt, per stillschweigender gesellschaftlicher Übereinkunft abgeschafft worden ist?
Na, vielleicht ist´s ja das...
Mir persönlich ist es überdies seit jeher ein Rätsel gewesen, wie Leute gestrickt sein müssen, die "Gehorchen und Befehlen" als Prinzip akzeptieren und obendrein noch hierarchisch denken. Ich weiß nicht, was das sein soll - eine "menschliche" Streitmacht.
Freundlicher Gruß - Max
Re: Bundeswehr-Extremsituationen
AJM, Saturday, 04.12.2004, 11:50 (vor 7733 Tagen) @ Max
Als Antwort auf: Re: Bundeswehr-Extremsituationen von Max am 04. Dezember 2004 07:24:22:
Wundern würde es mich nicht, wenn sich bei der Bundeswehr Leute fänden, die dann, wenn sie töten sollen oder getötet werden sollen, sich entrüstet fragen, warum ihnen das vorher keiner gesagt hat.<
Nun, DIESE Diskussion, bzw. Fragetsellung gab es doch schon, nämlich als die ersten Auslandseinsätze der Bundeswehr bevorstanden und die Frage gestellt wurde, ob auch Wehrpflichtige mit dort hin sollen. Denn immerhin KÖNNTEN sie dort getötet werden. Das war auch der Zeitpunkt, als die Anzahl der Verweigerungen etwas anstieg. Abgesehen von der Tatsache, daß ich, wie die meisten hier, einseitige Zwangsdienste ablehne, hatte ich damals eher die Neigung zu sagen: Jawoll, schicht die "Spatenpaulis" nur dort hin. Wer ohne vorher nachzudenken seine Monate "abreißt" anstatt was Sinnvolles zu tun, kann auch ruhig zum echten Einsatz.
Durchaus denkbar, wie in dem Artikel angedeutet, ist es für mich, daß die Folterszenarien in deutschen Kasernen deswegen stattgefunden haben, weil da eine "Spannung" in der Luft liegt, über die keiner redet, die viele aber spüren können und die sich so zu lösen versuchte.<
Ich denke, "Folterszenarien" und eines zivilisierten Menschen unwürdige Handlungen (ein geistig gesunder Erwachsener muß nicht andere anschreien, dadurch werden "Argumente" auch nicht besser) geschehen einfach nur aus einer Machtposition heraus. Menschen können mit Macht im Allgemeinen nicht besonders gut umgehen. Und in starren, militärischen Hierarchien, wo im Gegensatz zu Wirtschaftsunternehmen, Eigeninitiative und Mitdenken nicht erwünscht sind, kommt dann dieses "Ich-hole-mir-einen-runter-mit-meiner-Macht" am Deutlichsten heraus. Eigentlich weiß man das schon vorher, daß sich trotzdem so viele junge Männer dort hinbegeben, wundert dafür um so mehr. Andererseits: Vielleicht ist es eine gute Vorbereitung auf das, was später im Zusammenleben mit einer Frau geschieht, denn bei der heutigen Gesetzeslage ist der Mann ja dort ebenfalls in der schwächeren Position (vulgo: Am Arsch, wenn er nicht spurt).
Gruß
AJM
Bundeswehr und so
Marki, Saturday, 04.12.2004, 17:51 (vor 7733 Tagen) @ AJM
Als Antwort auf: Re: Bundeswehr-Extremsituationen von AJM am 04. Dezember 2004 09:50:37:
Ich hatte meinerzeit den Eindruck selbst erhalten und ein Bekannter (ehem. Zeitsoldat und Offizier) hat es mir durch ihm vorliegende Statistiken bestätigt.
Der Wehrpflichtige ist ein Querschnitt der Bevölkerung. Zwar tendieren Intellektuelle etwas häufiger zur Verweigerung aber ein großer Unterschied besteht nicht. Hingegen sind die Unteroffiziere der Bundeswehr deutlich überdurchschnittlich oft gering begabt und in zivilen Berufen chancenlos. Uffz. kann jeder werden der eine große Fresse hat und sich nicht grad beim Manöverpinkeln selbst in den Fuß schießt. Erst bei den Feldwebeldienstgraden kann man wieder von "normalem Intelligenzniveau" reden, wobei auch bei diesen naturgemäß das Militär eine starke Anziehungskraft vor allem für aggressivere Persönlichkeit haben dürfte.
Mit anderen Worten: Unter den Soldaten, denen der Großteil der praktischen Ausbildung von Rekruten obliegt, findet man erschreckend oft gewalttätige oder minderbegabte Individuen, die aufgrund ihrer Persönlichkeitsdefizite einem Machtrausch erliegen oder das Überschreiten ihrer Kompetenzen nicht zu erkennen vermögen. Welcher Hilfsschüler träumt nicht davon, eine Gruppe von Abiturienten mal so richtig in den Arsch zu treten? Als Uffz beim Bund hat er die Möglichkeit dazu. Müssen wir uns wundern wenn einige davon das schliesslich auch tun?