Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten?
Hallo Leute!
Mal eine Frage in die Runde! Wie würdet ihr euch verhalten, wenn eines Tages so ein Brief von den Behörden bei euch einlaufen würde, in dem man euch auffordert, bei einem Massengentest zu erscheinen. Das würde mich wirklich mal interessieren. Ich würde so einen Test schon aus prinzipiellen Gründen verweigern und notfalls auch juristisch dagegen vorgehen. Was denkt ihr denn so darüber?
Grüße
Andreas
Re: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten?
Als Antwort auf: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten? von Andreas am 29. November 2004 15:56:51:
Hallo Andreas!
Ich war sogar schon in der Situation, ernsthaft darüber nachdenken zu müssen. Viele hier werden sich vielleicht noch an den Mordfall "Tom und Sonja" in Eschweiler erinnern. Da haben zwei Irre diese beiden Geschwister weggefangen, den Jungen gleich umgebracht, das Mädchen entführt, sich an ihr sexuell vergangen und sie dann auch umgebracht.
Die Polizei tappte zunächst im Dunkeln, und dann meldeten sich Zeugen, die in einem schwarzen Kleinwagen ein Kind gesehen hatten, das in dem Auto wild gestikuliert hat. Das Auto soll auch in's Schleudern gekommen sein, so als hätte der Fahrer das Kind festhalten wollen. Es wurde gleich dazu gesagt, daß nun die Fahrer schwarzer Kleinwagen in der Gegend zum DNA-Test aufgefordert werden würden.
Ich wohnte damals in der Gegend, und zufällig fuhr ich zu der Zeit einen schwarzen FIAT "Cinquecento". Ich habe zunächst diese Nachricht gar nicht gehört. Als ich abends nach Hause kam, erzählte mir meine Frau gleich davon und meinte, daß die Polizei jetzt bestimmt auch zu mir kommen würde.
Ich habe dann darüber nachgedacht und beschlossen, den Test zu verweigern. Das von dir unten genannte Gerichtsurteil war mir bereits bekannt, und ich habe mir im Internet schon mal die Daten dafür heraus gesucht, um sie sofort parat zu haben.
Am nächsten Tag wurde dann aber gemeldet, daß die Polizei die beiden Irren bereits gefaßt hatte. Sie sind nervös geworden, wollten flüchten und haben sich dabei irgendwie verraten. Damit war die Sache mit dem DNA-Test glücklicherweise erledigt.
Dieser schwarze Kleinwagen, der der Polizei gemeldet worden war, hatte mit dem Mordfall überhaupt nichts zu tun. Als die Zeugen den gesehen haben, waren die beiden Kinder schon tot, wie sich später herausstellte.
Freundliche Grüße
von Garfield
Re: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten?
Als Antwort auf: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten? von Andreas am 29. November 2004 15:56:51:
Die Grundsätze der Unschuldsvermutung und der Beweislast des Anklägers sind rechtsstaatliche Errungenschaften, für die es sich zu kämpfen lohnt!
Grüße
Naismith
Re: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten?
Als Antwort auf: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten? von Andreas am 29. November 2004 15:56:51:
Hallo Leute!
Mal eine Frage in die Runde! Wie würdet ihr euch verhalten, wenn eines Tages so ein Brief von den Behörden bei euch einlaufen würde, in dem man euch auffordert, bei einem Massengentest zu erscheinen. Das würde mich wirklich mal interessieren. Ich würde so einen Test schon aus prinzipiellen Gründen verweigern und notfalls auch juristisch dagegen vorgehen. Was denkt ihr denn so darüber?
Ich denke, günstigstenfalls man kann den eigenen Gentest mit legalen Mitteln verweigern und so lange herauszögern, bis die Testreihe ausgewertet ist und der Täter feststeht. Danach kann ja seitens der Polizei kein begründetes Interesse mehr an einem Test bestehen.
Dumm wird es nur, wenn in allen anderen Tests keine Übereinstimmung mit den Täterspuren gefunden wird.
Erstens glaube ich, in dem Fall kann man sich auch juristisch nicht mehr gegen einen Test wehren.
Zweitens wäre mir wohl auch der Aufwand zu groß, mich besonders lange zu wehren. Man hat ja auch noch was anderes zu tun.
Drittens habe ich ja gar nichts dagegen, wenn ein Kapitalverbrecher gefaßt wird,wegen dem so ein Massentest angeleiert wird.
Viertens weiß ich ja, daß ICH nicht der Täter bin.
Fünftens der Datenschutz: Es ist natürlich bedenklich, wo die Ergebnisse der Tests überall abgespeichert und aufbewahrt werden. Wahrscheinlich erfährt das auch niemand so richtig. Andererseits ist der Durchschnittsbürger eh schon gründlich erfaßt. Gibt ja kaum noch was, wo man nicht seine Adresse, Alter, Name, Geschlecht, Bankverbindung usw. angeben muß.
MfG
Klaus
Grüße
Andreas
Re: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten?
Als Antwort auf: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten? von Andreas am 29. November 2004 15:56:51:
Hallo Leute!
Mal eine Frage in die Runde! Wie würdet ihr euch verhalten, wenn eines Tages so ein Brief von den Behörden bei euch einlaufen würde, in dem man euch auffordert, bei einem Massengentest zu erscheinen. Das würde mich wirklich mal interessieren. Ich würde so einen Test schon aus prinzipiellen Gründen verweigern und notfalls auch juristisch dagegen vorgehen. Was denkt ihr denn so darüber?
Grüße
Andreas
Frauen haben doch erfolgreich vor ein Gericht gegen einen Massengentest geklagt als Sie zu einem Gentest eingeladen wurden und es keinen Anfangsverdacht wegen Babymord gegen diese Frauen gegeben hat? Ein Beitrag wurde auch hier im Forum gepostet! Ich habe den schlimmen Verdacht, dass man mit Massengentests auf diese Art die Gendatenbank füllen will und nach einem angeordneten Massengentest diese Daten nicht gelöscht und für Forschungszwecke im Archiv aufbewahrt werden! Dies muss unter schwerster Strafe gestellt werden weil es ein Gendiebstahl ist!
Die wichtigste Frage ist doch, ob sich auch Polizisten, Richter, Staatsanwälte, PolitikerInnen und Frauen sich einem Gentest unterziehen wenn es in einer bestimmten Stadt oder Gemeinde angeordnet wird?
fragt und meint,
Christian
Re: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten?
Als Antwort auf: Re: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten? von Klaus am 29. November 2004 18:49:18:
Viertens weiß ich ja, daß ICH nicht der Täter bin.
Genau so eine Argumentation führt dazu, dass man sich extrem verdächtig macht, wenn man den Test verweigert. Darum argumentiere ich eher so:
4.) Ein Test ist sinnlos, das ICH weiß, daß ich nicht der Täter bin.
Re: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten?
Als Antwort auf: Re: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten? von Klaus am 29. November 2004 18:49:18:
Hallo Klaus,
Ich denke, günstigstenfalls man kann den eigenen Gentest mit legalen Mitteln verweigern und so lange herauszögern, bis die Testreihe ausgewertet ist und der Täter feststeht. Danach kann ja seitens der Polizei kein begründetes Interesse mehr an einem Test bestehen.
Dumm wird es nur, wenn in allen anderen Tests keine Übereinstimmung mit den Täterspuren gefunden wird.
Erstens glaube ich, in dem Fall kann man sich auch juristisch nicht mehr gegen einen Test wehren.
Das ist gerade die Frage. Ich würde notfalls alle Instanzen durchgehen und am Ende Verfassungsbeschwerde einreichen. Das hat übrigens auch schon jemand getan - wobei ich nicht weiß, was bei dieser Sache rauskam.
Mich würde auch mal interessieren, welche juristischen Möglichkeiten ich eigentlich darüber hinaus noch habe. Europäischer Gerichtshof?
Zweitens wäre mir wohl auch der Aufwand zu groß, mich besonders lange zu wehren. Man hat ja auch noch was anderes zu tun.
Naja, kommt immer darauf an. Gewisse Prinzipien sollte man verteidigen. Auch wenn es Zeit kostet. Außerdem würde in einem solchen Fall sowieso der Anwalt die meiste Arbeit erledigen.
Drittens habe ich ja gar nichts dagegen, wenn ein Kapitalverbrecher gefaßt wird,wegen dem so ein Massentest angeleiert wird.
Ich habe auch nichts dagegen, wenn ein Kapitalverbrecher gefaßt wird - aber bitte nicht unter Aufhebung rechtsstaatlicher Prinzipien.
Fünftens der Datenschutz: Es ist natürlich bedenklich, wo die Ergebnisse der Tests überall abgespeichert und aufbewahrt werden. Wahrscheinlich erfährt das auch niemand so richtig. Andererseits ist der Durchschnittsbürger eh schon gründlich erfaßt. Gibt ja kaum noch was, wo man nicht seine Adresse, Alter, Name, Geschlecht, Bankverbindung usw. angeben muß.
Das ist umso mehr ein Grund, Widerstand zu leisten.
Gruß
Andreas
Re: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten?
Als Antwort auf: Re: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten? von Andreas am 29. November 2004 19:25:43:
Fünftens der Datenschutz: Es ist natürlich bedenklich, wo die Ergebnisse der Tests überall abgespeichert und aufbewahrt werden. Wahrscheinlich erfährt das auch niemand so richtig. Andererseits ist der Durchschnittsbürger eh schon gründlich erfaßt. Gibt ja kaum noch was, wo man nicht seine Adresse, Alter, Name, Geschlecht, Bankverbindung usw. angeben muß.
Das ist umso mehr ein Grund, Widerstand zu leisten.
Ist das nicht ein Kampf gegen Windmühlen?
Überall lassen sich die Leute mit Freuden registrieren. Sei's bei ebay, der Einrichtung einer email-Adresse, für die Kaufhof-Kundenkarte, fürs Telefonbuch, für die Bahncard, im adult-check auf Schmuddelseiten... aber wenn in irgendeinem Computer meine Genaufschlüsselung liegt, dann haben wir plötzlich 1984?
MfG
Klaus
Re: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten?
Als Antwort auf: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten? von Andreas am 29. November 2004 15:56:51:
Hallo,
da ich einen ganz pfiffigen Anwalt habe, würde ich verweigern, verweigern, verweigern. Und da ich eh bald auswandern werde bin ich irgendwann ohnehin weg.
Ob es andere Möglichkeiten gibt, sich der Beweislastumkehr zu entziehen? Zumindest bei der Volkszählung Mitte der 80er Jahre konnte ich den Staatsschnüfflern ein Schnäppchen schlagen. Da der Stichtag der Zählung in etwa mit einem Umzug von mir zusammen kam, meldete ich ich zwei Wochen VOR dem termin ab und 2 Wochen DANACH erst wieder an. Diesen unsäglichen Fragebogen habe ich nie zu Gesicht bekommen.... Wird bei Massengentests aber eher nicht funktionieren, da die Meldeämter den Einzelnen ja heute viel besser überwachen. Und zur Not hat man ja noch die "Mautbrücken", um zu sehen, wo ich grad fahre....... Nur gut, daß mein Auto nicht auf meinen Namen läuft.....
Gruß
AJM
Re: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten?
Als Antwort auf: Re: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten? von Garfield am 29. November 2004 16:40:40:
Hallo Garfield,
Die Polizei tappte zunächst im Dunkeln, und dann meldeten sich Zeugen, die in einem schwarzen Kleinwagen ein Kind gesehen hatten, das in dem Auto wild gestikuliert hat. Das Auto soll auch in's Schleudern gekommen sein, so als hätte der Fahrer das Kind festhalten wollen. Es wurde gleich dazu gesagt, daß nun die Fahrer schwarzer Kleinwagen in der Gegend zum DNA-Test aufgefordert werden würden.
Das ist interessant. Da wird auf die bloße Meldung einiger unzuverlässiger Augenzeugen hin ein ganzer Massengentest in Gang gesetzt.
Ich wundere mich mittlerweile, daß nicht mehr Leute gegen ein solchen Vorgehen protestieren. Immerhin werden durch diese Zwangstests Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit untergraben. Heute sind es nur ein paar Männer, morgen die ganze Bevölkerung. Dann werden die Datenbanken zentralisiert und plötzlich haben dann alle Sicherheitsdienste Zugriff auf diese Informationen. Irgendwo muß man auch mal Grenzen setzen.
Gruß
Andreas
Re: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten?
Als Antwort auf: Re: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten? von Klaus am 29. November 2004 19:57:54:
Überall lassen sich die Leute mit Freuden registrieren. Sei's bei ebay, der Einrichtung einer email-Adresse, für die Kaufhof-Kundenkarte, fürs Telefonbuch, für die Bahncard, im adult-check auf Schmuddelseiten... aber wenn in irgendeinem Computer meine Genaufschlüsselung liegt, dann haben wir plötzlich 1984?
Da gibt es aber einen Unterschied. Wenn ich persönliche Informationen bei ebay preisgebe, dann ist das meine eigene freie Entscheidung. Bei Massengentests werden Männer gezwungen, persönliche Informationen preiszugeben. Ich habe allerdings kein Interesse daran, dererlei Informationen dem Staat zu überlassen - solange kein konkreter Anfangsverdacht vorliegt, der eine derartige Untersuchung unter Zwang rechtfertigen würde. Es geht hierbei auch darum, dem Staat gewisse Grenzen aufzuerlegen. Jede Regierung und jede Behörde neigt dazu, den eigenen Machtbereich auszudehnen. Wenn der Staat feststellt, er kann mit den Bürgern machen was er will, dann haben wir hier bald ein totalitäres Regime. Massengentests unter Zwang und ohne konkreten Anfangsverdacht sind dann sicherlich nur der Anfang. Denn wie heißt es so schön: der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert.
Gruß
Andreas
Re: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten?
Als Antwort auf: Re: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten? von AJM am 29. November 2004 20:01:05:
Wird bei Massengentests aber eher nicht funktionieren, da die Meldeämter den Einzelnen ja heute viel besser überwachen. Und zur Not hat man ja noch die "Mautbrücken", um zu sehen, wo ich grad fahre....... Nur gut, daß mein Auto nicht auf meinen Namen läuft.....
Hast du ein Handy, wenn ja, unter deinem Namen angemeldet?
Schreibst du emails in Klartext oder verschlüsselt?
Hast du ein eigenes Konto? Zahlst du mit der EC- oder Kredit-Karte? Wie oft hebst du vom Geldautomaten ab? Benutzt du Anonymiser für Internet?
Magnus
Re: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten?
Als Antwort auf: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten? von Andreas am 29. November 2004 15:56:51:
Moin Andreas,
ich mußte bereits an einem solchen Massengentest teilnehmen. Dazu waren alle Männer unseres Dorfes zu aufgefordert worden. Selbstverständlich "freiwillig"...
Es ging darum, den Mörder eines Jugendlichen in unserem Dorf damit zu überführen.
Ich hatte damals den Test, ist jetzt ca. 5 Jahre her, ohne weitere Aufforderung mitgemacht. Ob ich das heute wieder tun würde, bezweifele ich ob der Entwicklung seit dieser Zeit.
Männer, die nicht erschienen waren, wurden mit 2-Wöchiger Nachfrist aufgefordert, dies auf dem Amt nachzuholen. Wer danach immer noch nicht aufgetaucht war, wurde dann von den Herren in den grün-weißen Autos abgeholt... Soviel zum Thema "freiwillig"...
Das Gesamtergebnis war negativ. Der Mörder wurde zwar gefaßt, aber er stammte eben nicht aus unserem Dorf, und das, obwohl im Zuge der Ermittlungen der Täter bereits vor der Massenuntersuchung unter dringendem Tatverdacht stand.
Angeblich sollten die Proben nach Abschluß der Ermittlungen sowie deren Ergebnisse vernichtet werden... Komisch... Ob ihrs glaubt oder nicht: Ich glaube das nicht...
terVara
Re: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten?
Als Antwort auf: Re: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten? von Andreas am 29. November 2004 20:25:26:
Überall lassen sich die Leute mit Freuden registrieren. Sei's bei ebay, der Einrichtung einer email-Adresse, für die Kaufhof-Kundenkarte, fürs Telefonbuch, für die Bahncard, im adult-check auf Schmuddelseiten... aber wenn in irgendeinem Computer meine Genaufschlüsselung liegt, dann haben wir plötzlich 1984?
Da gibt es aber einen Unterschied. Wenn ich persönliche Informationen bei ebay preisgebe, dann ist das meine eigene freie Entscheidung. Bei Massengentests werden Männer gezwungen, persönliche Informationen preiszugeben.
Welche Informationen denn? Haar- und Augenfarbe, Schwanzlänge, Neigung zu Plattfüßen etc? Welche Informationen werden denn durch einen Gentest preisgegeben? Und zu was außer der Täterverfolgung bei einem Verbrechen können diese Informationen nützlich sein?
Zumindest glaube ich nicht, daß in einem ultrageheimen Medizinlabor an einer Armee von Klaus-Klonen gearbeitet wird *g*. Und wenn doch, wäre es für den Staat ein leichtes, einfach Proben aus Blutspenden zu ziehen oder Krankenhäuser anzuweisen, ab jetzt die Ergebnisse aller Blutproben an den BND zu melden. Ärztliche Schweigepflicht hin oder her.
Ich meine, wenn ein totalitärer Staat wirklich wollte, käme er an diese Informationen ohnehin heran, ohne daß der Betroffene das überhaupt mitkriegt. Und selbst dann bleibt noch die Frage nach dem "Wozu?" Was kann er denn mit den Gentestergebnissen konkret anfangen?
Ich habe allerdings kein Interesse daran, dererlei Informationen dem Staat zu überlassen - solange kein konkreter Anfangsverdacht vorliegt, der eine derartige Untersuchung unter Zwang rechtfertigen würde. Es geht hierbei auch darum, dem Staat gewisse Grenzen aufzuerlegen. Jede Regierung und jede Behörde neigt dazu, den eigenen Machtbereich auszudehnen. Wenn der Staat feststellt, er kann mit den Bürgern machen was er will, dann haben wir hier bald ein totalitäres Regime.
Also da halte ich die Preisgabe von Daten wie Bankverbindung, Personalausweisnummer usw. für wesentlich brisanter als einen Gentest.
Sowas bekannt zu geben, haben die Leute aber eigenartigerweise kein Problem, obwohl z.B. ebay oder die Bahn oder ein Internetwichsvorlagenanbieter oder die Schufa bestimmt auch nicht seriöser sind als der Staat, der bei Bedarf sowieso an die Datenbänke dieser Firmen herankommt.
Massengentests unter Zwang und ohne konkreten Anfangsverdacht sind dann sicherlich nur der Anfang. Denn wie heißt es so schön: der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert.
Aber um sich "dem Staat" wirklich zu entziehen, müßte man wohl komplett auswandern. Und dann bloß nicht die neue Adresse verraten oder sich bei der deutschen Botschaft im betreffenden Land melden und nicht seinen Perso abgeben... und im neuen Land illegal leben, da das ja auch nicht vertrauenswürdiger ist als Deutschland.
Oder anders: In jedem Paß ist ein Foto. Wäre jetzt die Fotografie erst vor ein paar Jahren erfunden worden, würden wir alle gegen das Ausweisfoto wettern und den Schritt in den totalitären Staat fürchten, wenn Ausweise mit Foto versehen würden. (So wie damals mit den maschinenlesbaren Ausweisen.) Das gleiche ist es doch auch jetzt mit den Gentests.
MfG
Klaus
Gruß
Andreas
Re: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten?
Als Antwort auf: Re: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten? von Naismith am 29. November 2004 16:47:42:
Naismith, was willst du damit sagen? Staatsanwälte und Polizisten sind zum Handeln verpflichtet. Eben weil der Staat die Schuld beweisen muss, muss er alle Hebel in Bewegung setzen, während der Verdächtige die Füße hoch legen kann. Keine Übereinstimmung der Proben - keine Verurteilung.
Re: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten?
Als Antwort auf: Re: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten? von Klaus am 29. November 2004 21:27:53:
Oder anders: In jedem Paß ist ein Foto. Wäre jetzt die Fotografie erst vor ein paar Jahren erfunden worden, würden wir alle gegen das Ausweisfoto wettern und den Schritt in den totalitären Staat fürchten, wenn Ausweise mit Foto versehen würden. (So wie damals mit den maschinenlesbaren Ausweisen.) Das gleiche ist es doch auch jetzt mit den Gentests.
So ist es! Ein Foto der Fres... äh des Antlitzes enthält mehr Informationen zur schnellen und unbürokratischen Personenidentifizierung als irgend was sonst (Stichwort Anprangerung von vermeintlichen Sittenstrolchen per Foto in Boulevardzeitungen etc.). Der Strich wird meist nicht zwischen Gut und Böse sondern zwischen Vertraut und Neu gezogen.
Re: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten?
Als Antwort auf: Re: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten? von AJM am 29. November 2004 20:01:05:
Ob es andere Möglichkeiten gibt, sich der Beweislastumkehr zu entziehen?
Das ist keine Beweislastumkehr. Potenzielle Täter auf Schuld oder Unschuld überprüfen ist gängige Kriminalpraxis.
Zumindest bei der Volkszählung Mitte der 80er Jahre konnte ich den
Staatsschnüfflern ein Schnäppchen schlagen.
Womit die Daten des Bundesamtes für Statistik der letzten 20 Jahre dann wohl umweltgerecht entsorgt werden können...
Re: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten?
Als Antwort auf: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten? von Andreas am 29. November 2004 15:56:51:
Wenn der Test als freiwillig angekündigt wäre, würde ich ihn verweigern, sofern kein konkreter Verdacht gegen mich besteht. Freiwillig ist nur, wenn kein Zwang folgen kann. Ansonsten muss es heißen widerstandslos. Wenn der Zwang folgen würde, wäre die Polizei - mal wieder - als falsch, verlogen und heuchlerisch entlarvt.
Ich bin ja, wie bekannt, schon lange dafür, dass der gen. Fingerabdruck aller Einwohner gespeichert und bei solchen Gelegenheiten abgerufen wird. Das spart Kosten und das Ergebnis wäre ruckzuck parat. Die gegensätzlichen Standpunkte hierzu zwischen mir und Garfield sind hier ja schon x-Mal ausgebreitet worden, siehe Archiv.
Martin
Re: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten?
Als Antwort auf: Re: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten? von Martin am 29. November 2004 22:34:32:
Hallo Martin,
Ob es andere Möglichkeiten gibt, sich der Beweislastumkehr zu entziehen?
Das ist keine Beweislastumkehr. Potenzielle Täter auf Schuld oder Unschuld überprüfen ist gängige Kriminalpraxis.
Das ist gerade der Punkt. Laut Zeitungsberichten wurden bereits Leute zu diesem Test gezwungen. Leider geht aus diesen Berichten nie hervor, ob gegen diese Männer ein Verdacht vorlag oder nicht.
Wenn es sich um potentielle Täter handelt - also Personen, gegen die ein konkreter Anfangsverdacht vorliegt, dann hätte ich mit diesem Test kein Problem. Wenn es aber so sein sollte, daß Männer ohne irgendeinen Verdachtsmoment zu diesem Test gezwungen werden, dann wird hier eine Grenze überschritten. Denn bei der konventionellen Abklärung wird man ja wohl kaum gegen einen vollkommen unbeteiligten Menschen ohne Verdacht Zwangsmaßnahmen einleiten, nur weil dieser die Fragen der Polizei nicht beantworten will. Oder sehe ich das falsch?
Gruß
Andreas
Re: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten?
Als Antwort auf: Re: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten? von Klaus am 29. November 2004 18:49:18:
Viertens weiß ich ja, daß ICH nicht der Täter bin.
Na, da wirds schon schwierig. Was machst Du, wenn Du mit der evtl. ermordeten Frau die Nacht vorher im Bett warst?
Re: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten?
Als Antwort auf: Re: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten? von Klaus am 29. November 2004 21:27:53:
Oder anders: In jedem Paß ist ein Foto. Wäre jetzt die Fotografie erst vor ein paar Jahren erfunden worden, würden wir alle gegen das Ausweisfoto wettern und den Schritt in den totalitären Staat fürchten, wenn Ausweise mit Foto versehen würden. (So wie damals mit den maschinenlesbaren Ausweisen.) Das gleiche ist es doch auch jetzt mit den Gentests.
Vielleicht, aber an das Foto HABEN wir uns eben schon gewöhnt und es wird von ALLEN gemacht - oder wie würdest Du dich fühlen, wenn es nur von Männern zwischen 16 und 70 gemacht würde?
Die nächste Stufe wären Fingerabdrücke. Ist auch noch reichlich ungewohnt, aber wenn von allen, dann von mir aus.
Aber wo ist dann die Grenze?
Soll man auch grundsätzlich von ALLEN auch mal einmal jährlich die Wohnung durchsuchen lassen, oder die Telefone abhören? Wer nichts zu verbergen hat...
Vielleicht wärs auch eine gute Idee, von jedem 10ten die Steuererklärung auf Niet und Nagel zu untersuchen - incl. der angegebenen Fahrkilometer...
Re: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten?
Als Antwort auf: Re: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten? von Odin am 30. November 2004 11:35:39:
Viertens weiß ich ja, daß ICH nicht der Täter bin.
Na, da wirds schon schwierig. Was machst Du, wenn Du mit der evtl. ermordeten Frau die Nacht vorher im Bett warst?
Das ist genau das Problem. Je besser die Nachweismethode wird, desto weniger genetisches Material braucht man, um eine Verbindung zwischen (vermeintlichem Täter) und Opfer herzustellen. Zusammen mit der "Unfehlbarkeitsaura" des gen. Fingerabdrucks ergibt sich so unter Umständen eine verhängnisvolle Kombination. Denn man wird letzendlich bei jedem Opfer mit entsprechenden Methoden genetisches Material von diversen anderen Personen finden können. Weitere Beispiele sind denkbar: Jemand bleibt mit seinen langen Haaren im Klettverschluss der Jacke einer anderen Person im dichten Gedränge hängen, die kurz daraufhin ermordet wird. Oder: Spaziergänger wirft eine speichelbehaftete Zigarette weg, kurze Zeit später passiert an diesem Ort ein Verbrechen - etc. Aufgrund dieser Tatsache und der Logik muss die Aussagekraft eines Gentests ALLEIN stark angezweifelt werden. Aber wegen der (von der Wissenchaft wohl auch gepflegten) "Unfehlbarkeitsaura" treten zusätzliche Verdachtsmomente wie Motiv und Möglichkeit zur Tat wohl immer mehr in den Hintergrund. Das Problem ist: Fehlurteile aufgrund dieser - logisch mangelhaften - Vorgehensweise werden vermutlich kaum aufgedeckt. Denn es gilt ja "ich weiss nicht, was ich nicht weiss."
Gruss,
Paul
PS: Abgesehen von menschlichem Versagen - also z.B. falsche Beschriftung einer Probe bei einem Massentest, was übrigens schon vorkam* - ist auch der Test selbst alles andere als 100% sicher, jedenfalls, wenn die Menge des Material sehr gering ist - so die Aussage einer befreundeten Biologin.
* Soweit ich weiss, konnte die Unschuld hier aufgrund eines privat finanzierten Gegentests bewiesen werden. Ein gesetzlicher Anspruch auf einen solchen 2. Test besteht nämlich meines Wissens nicht. Wer sich den also nicht leisten kann...
Re: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten?
Als Antwort auf: Re: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten? von Andreas am 29. November 2004 20:15:42:
Hallo Andreas!
Ich finde das alles auch sehr beunruhigend. Es würde mich überhaupt nicht wundern, wenn es z.B. beim Bundesverfassungsschutz längst geheime DNA-Datenbanken gibt, in die sämtliche DNA-Daten reinwandern, und zwar illegalerweise auch die bei diesen Massentests gespeicherten Daten, die eigentlich wieder gelöscht werden sollten.
Auffällig fand ich auch, daß kurz nach dem Attentat auf das World Trade Center damit begonnen wurde, DNA-Daten von Personen zu erfassen, die wegen irgendwelcher Gewalt-Delikte vorbestraft waren. Und zwar keineswegs nur von echten Schwerverbrechern, sondern auch von Leuten, die nur beispielsweise mal an einer Kneipenschlägerei beteiligt waren und dabei jemandem ein blaues Auge geschlagen haben. Das lief also nach dem Motto "soviele wie irgend möglich" ab.
Interessanterweise bestand die gesetzliche Grundlage dafür zu der Zeit schon seit Jahren. (Wenn ich mich recht erinnere, wurde ein entsprechendes Gesetz dafür schon 1998 erlassen.) Offensichtlich hat man sich aber zunächst nicht getraut, dieses Gesetz auch voll umzusetzen. Als dann nach diesem Attentat aber mehr Akzeptanz für solche Maßnahmen erwartet wurde, hat man das flugs nachgeholt. Allerdings hat man es dann auch nicht an die große Glocke gehängt. Ich habe es nur mitbekommen, weil ein Bekannter von mir davon betroffen war.
Noch 2002 fand ich im Internet eine Seite, auf der es eine Unterschriftenliste für die Einrichtung einer DNA-Datenbank für sämtliche Gewaltverbrecher gab. Die Betreiber dieser Seite hatten also auch noch nicht mitbekommen, daß diese Datenbank mittlerweile längst existierte.
Es wird ja auch immer wieder die Erfassung sämtlicher Männer in so einer DNA-Datenbank gefordert. Weil wir ja bekanntlich allesamt potenzielle Vergewaltiger sind. Das alles gibt mir das Gefühl, daß man versucht, nach und nach die ganze Bevölkerung mit DNA-Daten zu erfassen. Zuerst hatte man nur Sexualstraftäter und Exhibitionisten, jetzt hat man schon jeden, der wegen einem Gewaltdelikt vorbestraft ist, nach und nach kriegt man noch diverse Männer und einige Frauen über Massen-Tests zur Verbrechensaufklärung dazu...
Ja, und bald wundern sich dann einige darüber, daß sie bei Bewerbungen trotz bester Qualifikation und guter Berufserfahrung plötzlich nur noch Absagen bekommen, oder daß Anträge auf Versicherungen manchmal abgelehnt werden... Und irgendwann wird über irgendeinen 15jährigen Hacker berichtet, der es locker geschafft hat, in die Server mit den DNA-Daten einzudringen. Dann kann man sich ausrechnen, wer das sonst noch geschafft haben könnte.
Freundliche Grüße
von Garfield
Re: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten?
Als Antwort auf: Re: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten? von Paul am 30. November 2004 12:00:07:
Ein gen. Fingerabdruck beweist nur (und zwar mit hinreichender Sicherheit), dass zwei Proben übereinstimmen oder eben nicht. Nicht mehr und nicht weniger. Wie das Material an den Tatort oder das Opfer kommt, wird selbstverständlich gesondert untersucht und der Verdächtige danach gefragt. Da unterscheidet sich der gen. FA nicht vom klassischen FA. Auf den treffen nämlich die geschilderten Bedenken genau so zu. Schau ins Archiv, wo das haargenau so schon mal breit getreten worden ist.
Martin
Re: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten?
Als Antwort auf: Re: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten? von Martin am 30. November 2004 13:36:22:
Ein gen. Fingerabdruck beweist nur (und zwar mit hinreichender Sicherheit), dass zwei Proben übereinstimmen oder eben nicht. Nicht mehr und nicht weniger. Wie das Material an den Tatort oder das Opfer kommt, wird selbstverständlich gesondert untersucht und der Verdächtige danach gefragt. Da unterscheidet sich der gen. FA nicht vom klassischen FA. Auf den treffen nämlich die geschilderten Bedenken genau so zu. Schau ins Archiv, wo das haargenau so schon mal breit getreten worden ist.
Martin
Ja, das ist mir schon bekannt. Aber es gibt eben diese Aura der "100%igen Sicherheit" des genetischen Fingerabdrucks, die auf gesamt Tataufklärung "übergreift". Dies ist wohl bei den schon länger etablierten Methoden nicht - oder nicht so extrem - der Fall. Angenommen die Proben stimmen nämlich überein, dann kannst Du davon ausgehen, daß dem Verdächtigen gegenüber ab diesem Zeitpunkt keine Unschulds-, sondern eine Schuldsvermutung gilt. Und wenn der dann z.B. mal kein Alibi hat und es möglicherweise noch sogenannte Augenzeugen gibt, die glauben, etwas gesehen zu haben... Du siehst, worauf es hinausläuft.
Gruss,
Paul
Re: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten?
Als Antwort auf: Re: Massengentests: Wie würdet ihr euch verhalten? von Andreas am 29. November 2004 20:25:26:
Hallo Andreas!
Wenn ich persönliche Informationen bei ebay preisgebe, dann ist das meine eigene freie Entscheidung. Bei Massengentests werden Männer gezwungen, persönliche Informationen preiszugeben. Ich habe allerdings kein Interesse daran, dererlei Informationen dem Staat zu überlassen - solange kein konkreter Anfangsverdacht vorliegt, der eine derartige Untersuchung unter Zwang rechtfertigen würde. Es geht hierbei auch darum, dem Staat gewisse Grenzen aufzuerlegen. Jede Regierung und jede Behörde neigt dazu, den eigenen Machtbereich auszudehnen. Wenn der Staat feststellt, er kann mit den Bürgern machen was er will, dann haben wir hier bald ein totalitäres Regime. Massengentests unter Zwang und ohne konkreten Anfangsverdacht sind dann sicherlich nur der Anfang. Denn wie heißt es so schön: der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert.
Ich teile Deine Bedenken. Vor einigen Jahren sollte ja mal in
Deutschland eine Volkszählung durchgeführt werden, die letztlich
am Widerstand der Bevölkerung scheiterte. Heutzutage wäre das
sicher kein Problem mehr. Die Leute sind gewissen Dingen
gegenüber einfach zu gleichgültig geworden. Auch die Aufhebung
des Bankgeheimnisses ist längst beschlossene Sache. Eine
besorgniserregende Entwicklung ist das.
Gruß, Jörg