Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Hilfe für Soldaten in Deutschland?

Alex, Sunday, 28.11.2004, 13:24 (vor 7739 Tagen)

Hallo!
Struck will gesamte Bundeswehr überprüfen:
http://de.news.yahoo.com/041127/3/4bbjv.html

Weiß einer von euch, wie wir da irgendwie aktiv helfen könnten? Ich meine jetzt nicht bei der Untersuchung, da kann man wohl nicht viel machen, sondern vielleicht direkt den Soldaten. Ich weiß es ja auch nicht... aber ich denk, man muss denen ja auch irgendwie entgegen kommen.

«Aber betroffen macht mich genauso, dass die Rekruten so lange geschwiegen haben. Ein solches Klima darf sich in der Bundeswehr nicht breit machen», mahnte Struck.

Na vielen Dank Herr Struck! Also: wie kann ich aktiv dazu beitragen, dass den Soldaten geholfen wird? Mich machts verrückt! Das sind Jungs so in meinem Alter. Um ein Haar hätte es mich genauso erwischen können!

-Gruß Alex

Re: Hilfe für Soldaten in Deutschland?

michail, Sunday, 28.11.2004, 18:50 (vor 7739 Tagen) @ Alex

Als Antwort auf: Hilfe für Soldaten in Deutschland? von Alex am 28. November 2004 11:24:35:

Soldaten schweigen, weil sie verschwiegen und (endlich dies Wort einmal an richtiger Stelle) unterdrückt werden. Von vornherein, apriori.

Wäre eine der bedepperten Journaillen, die sich 'investigativ' wähnen, bereit, eine garantiert anonyme Umfrage unter den Soldaten zu machen, deren Ergebnisse sie danach natürlich schonungslos veröffentlichte, hätten wir einen Skandal da – einen guten und sehr nützlichen Skandal. So etwas könnte aber auch eine Männerorganisation anstreben.

Als ich mal mit zwei Jungs von der Luftwaffe in einem Kafee sprach, sagten sie zu mir, daß 90% der Soldaten, so über das Thema dachten wie ich. Und sie zeigten die Empörung insbesondere über die geschlechtsspezifischen Zustände in der Armee und danach, die wir auch kennen.

Schönen Sonntagsgruß

Re: Hilfe für Soldaten in Deutschland?

susu, Sunday, 28.11.2004, 20:54 (vor 7739 Tagen) @ michail

Als Antwort auf: Re: Hilfe für Soldaten in Deutschland? von michail am 28. November 2004 16:50:14:

Huhu

Wäre eine der bedepperten Journaillen, die sich 'investigativ' wähnen, bereit, eine garantiert anonyme Umfrage unter den Soldaten zu machen, deren Ergebnisse sie danach natürlich schonungslos veröffentlichte, hätten wir einen Skandal da – einen guten und sehr nützlichen Skandal. So etwas könnte aber auch eine Männerorganisation anstreben.

Wozu? Immerhin gibt es die Pilotstudie im Auftrag des BMFSFJ zur Gewalt gegen Männer und da finden sich Ergebnisse der anonymen Befragung von Wehrdienstleistenden:
60% berichten schikaniert, schwer beleidigt, unterdrückt oder gedemütigt worden zu sein.
30% geben an gezwungen worden zu sein etwas zu sagen oder zu tun, daß sie absolut nicht wollten
und
17% geben an eingesperrt, gefesselt oder auf andere Art und Weise in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt geworden zu sein.

Vieleicht sollte auch auf die bestehenden Rechtsnormen Bezug genommen werden, immerhin sind Wehr- und Zivildienst mehr als eine Zwangsverpflichtung, sie setzten außerdem unveräußerliche Grundrechte außer Kraft.

§ 51 WPflG Einschränkung von Grundrechten

Die Grundrechte der körperlichen Unversehrtheit (Artikel 2 Abs. 2 Satz 1 des Grundgesetzes), der Freiheit der Person (Artikel 2 Abs. 2 Satz 2 des Grundgesetzes), der Freizügigkeit (Artikel 11 Abs. 1 des Grundgesetzes) und der Unverletzlichkeit der Wohnung (Artikel 13 des Grundgesetzes) werden nach Maßgabe dieses Gesetzes eingeschränkt.

§ 80 ZDG Einschränkung von Grundrechten

Die Grundrechte der körperlichen Unversehrtheit (Artikel 2 Abs. 2 Satz 1 des Grundgesetzes), der Freiheit der Person (Artikel 2 Abs. 2 Satz 2 des Grundgesetzes), der Freizügigkeit (Artikel 11 Abs. 1 des Grundgesetzes) und der Unverletzlichkeit der Wohnung (Artikel 13 des Grundgesetzes) sowie das Petitionsrecht (Artikel 17 des Grundgesetzes) werden nach Maßgabe dieses Gesetzes eingeschränkt.

susu

Re: Hilfe für Soldaten in Deutschland?

michail, Monday, 29.11.2004, 01:29 (vor 7739 Tagen) @ susu

Als Antwort auf: Re: Hilfe für Soldaten in Deutschland? von susu am 28. November 2004 18:54:11:

Das alles schon! Bliebe aber noch, nach der Publizierung von Daten, auch die Thematisierung der Betroffenheiten. Und das natürlich mehr in meinem (unserem?) genderspezifischen Sinn.

Fragen wie: "Ab Januar 2005 werden nach dem neuen Gesetz für die Gleichstellung der Frauen bei den Streitkräften weibliche Soldaten bei Beförderungen mehrfach über das Maß ihrer tatsächlichen Präsenz hinaus bevorzugt. Entspricht das Ihrer Vorstellung von Geschlechtergerechtigkeit?"

Und viele-viele andere Fragen natürlich...

Re: Hilfe für Soldaten in Deutschland?

susu, Monday, 29.11.2004, 03:25 (vor 7738 Tagen) @ michail

Als Antwort auf: Re: Hilfe für Soldaten in Deutschland? von michail am 28. November 2004 23:29:23:

Das alles schon! Bliebe aber noch, nach der Publizierung von Daten, auch die Thematisierung der Betroffenheiten. Und das natürlich mehr in meinem (unserem?) genderspezifischen Sinn.
Fragen wie: "Ab Januar 2005 werden nach dem neuen Gesetz für die Gleichstellung der Frauen bei den Streitkräften weibliche Soldaten bei Beförderungen mehrfach über das Maß ihrer tatsächlichen Präsenz hinaus bevorzugt. Entspricht das Ihrer Vorstellung von Geschlechtergerechtigkeit?"
Und viele-viele andere Fragen natürlich...

Ich hab noch eine besonders gute: Warum ist die Verbrechensrate bei Männern, die in den vom Wehrdienst befreiten Jahregängen geboren wurden (also zwischen die fallen, die im 3.Reich Soldaten waren und jenen, die bei der Wiederbewaffnung herangezogen wurden) und insbesondere die Rate an Gewaltverbrechen signifikant geringer als bei den Jahrgängen die Dienst an der Waffe leisten mußten? Die "Delle" ist selbt bei der groben Kriminalstatistik sichtbar, die nur 10-Jahres-Einteilungen beim Alter vornimmt (und bei der der Effekt durch den Anteil derer verringert wird, die in der DDR anderen Richtlinien unterworfen waren) und nur bei Männern vorhanden.

Der Effekt ist sogar eindeutiger als entsprechende Studien aus den USA, die bei Ex-Militärs höhere Gewaltbereitschaft feststellten, weil sich da die Frage nach Henne und Ei ergibt (macht das Militär Leute brutal, oder gehen brutale Leute eher zum Militär), denn es kann bei der großen Zahl der Personen in einem Jahrgang von insignifikanten Unterschieden in der ursprünglichen Gewaltbereitschaft ausgegangen werden. Bei anderen sozielen Effekten wäre die Frage: Warum betrifft es nur Männer in den von Wehrdienst befreiten Jahrgängen? angebracht. Eine geistige Abkehr von Gewalt nach dem 2. Weltkrieg würde geschlechtsneutral erwartet und die scharfen Grenzen zwischen den Jahrgängen wären so nicht gegeben.

susu

Re: Hilfe für Soldaten in Deutschland?

michail, Monday, 29.11.2004, 09:20 (vor 7738 Tagen) @ susu

Als Antwort auf: Re: Hilfe für Soldaten in Deutschland? von susu am 29. November 2004 01:25:27:

Ja susu!

Ich hätte natürlich nicht das Geringste gegen eine Erweiterung der von mir vorgestellten Untersuchung im Sinn solcher Fragen.

Das ginge die intentionale Ebene der Gender-Gepflogenheiten an (was bewirkt was? Welche Psychologie hinterlassen Kriege in Soldatenseelen etc.)

Ich müßte aber nicht gleich zu Beginn unser forscherisches Schreiberlingentum von SPEIGEL und co. derart herausfordern.

Die müßten doch erst von der 'Krankheit namens Mann' auskurieren.

Michail

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