Männergewalt an Frauen noch immer totgeschwiegen
"Tatort"-Komissare gegen Gewalt an Frauen
Eigentlich ist Unterhaltung ihr Metier, doch bei dem ernsten Thema häusliche Gewalt tauschen sieben Fernsehkommissare der ARD-Serie "Tatort" gern die Rolle. "Sehen Sie fern, aber nicht weg" - mit diesem Slogan engagieren sich die Schauspieler in einer großen Plakatkampagne für mehr Zivilcourage. Organisiert wird die Aktion von der Berliner Initiative gegen Gewalt gegen Frauen (BIG e.V.), die sich gegen das Totschweigen von Gewalt gegen Frauen und Kinder im privaten Umfeld stark macht (...). Morgen früh erhalten die Fernsehkommissare Unterstützung aus der Politik: Am Internationalen Aktionstag gegen Gewalt an Frauen verkaufen die Bürgermeister der zwölf Berliner Bezirke in Bäckereien und Supermärkten Brötchen. Das Motto: "Gewalt kommt nicht in die Tüte". (...)
http://morgenpost.berlin1.de/content/2004/11/24/berlin/718031.html
******
"NEIN! zur Gewalt an Frauen" ist das Motto des internationalen Aktionstages, der am Donnerstag, 25. November, auf die furchtbare Situation vieler Frauen aufmerksam machen will. Ins Leben gerufen wurde die Aktion durch Terre de Femmes (ka-news berichtete). Mit Veranstaltungen und einer Fahne am Gebäude des Evangelischen Oberkirchenrates beteiligt sich auch die Frauenarbeit der Evangelische Landeskirche Badens daran.
In einer Veranstaltung im Lichthof des Evangelischen Oberkirchenrates in der Blumenstraße geht es an diesem Tag um 20 Uhr um das Thema "Frauen als Opfer von Folter und Krieg". Dabei geht es unter anderem um die Frage wie traumatische Erlebnisse erkannt werden können und wie sie sich auf Frauen auswirken. Moderiert wird er von Uta Klee, die das Behandlungshaus für Folteropfer in Karlsruhe leitet und von Heide Meier-Menzel vom Verein "Freunde für Fremde"
http://www.ka-news.de/karlsruhe/news.php4?show=pwm20041123-365J
********
Nach einer Studie des Bundesfamilienministeriums haben 37 Prozent der Frauen in der Bundesrepublik seit ihrem 16. Lebensjahr körperliche Gewalt erfahren. Rund 13 Prozent waren Opfer sexueller Gewalt. Der Gedenktag wird seit 1981 jährlich am 25. November begangen.
http://de.news.yahoo.com/041124/336/4b5op.html
***************
Am Donnerstag, dem internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, findet auch in Stuttgart eine Aktion statt. Von 17 bis 19 Uhr treffen sich Mitarbeiterinnen der Beratungsstellen und Frauenhäuser aus Baden-Württemberg auf dem Marktplatz in Bad Cannstatt. Unter dem Motto "Ein Licht für jede Frau" werden Kerzen angezündet, die symbolisch für all jene Frauen stehen, die bereits Beratungs- oder Betreuungsbedarf hatten.
http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/detail.php/835232
*************
"Nicht der dunkle Park ist der gefährlichste Ort für Frauen, sondern das eigene Heim", hielt die Grazer Frauenstadträtin Tatjana Kaltenbeck-Michl (S) im Vorfeld des "Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen" am 25. November fest. In Österreich würden laut der Kriminalstatistik der Inneministeriums rund 300.000 Mal pro Jahr Frauen Opfer von familiärer Gewalt. 90 Prozent aller Gewalttaten an Frauen würden "im sozialen Nahraum" verübt, so die Stadträtin: "Die Täter sind mehrheitlich die Ehemänner, die Lebensgefährten, männliche Verwandte".
http://www.kurier.at/chronik/808010.php
************
Für Frauenstadträtin Sonja Wehsely hat der Kampf gegen Gewalt an Frauen höchste Priorität: "Durch das Gewaltschutzgesetz 1997 können Frauen wesentlich besser als früher gegen Gewalt geschützt werden. Nicht mehr die Opfer müssen flüchten, sondern die Täter, die mit dem Opfer im gemeinsamen Haushalt leben, können von der Polizei weggewiesen werden und es kann ein Betretungsverbot ausgesprochen werden."
http://www.magwien.gv.at/vtx/vtx-rk-xlink?SEITE=020041124014
**********
Das Nein zu Gewalt gegen Frauen soll nach Ansicht der badischen evangelischen Landeskirche über den Internationalen Aktionstag hinaus stärker thematisiert werden. Misshandlung, Vertreibung und Folter seien Erfahrungen, die viele Flüchtlingsfrauen bedrückten, sagte die Theologin Idilko Mumm von der Frauenarbeit der badischen Landeskirche dem epd.
http://www.epd.de/suedwest/suedwest_index_31730.html
**********
Viele Männer sind es nicht, die sich gegen Männergewalt einsetzen. (...)
Die Täter sind überall. Sie sind unauffällig, unscheinbar, überangepasst. Und sie sind viele, vielleicht fünf Millionen. Jeder fünfte deutsche Mann, der in einer heterosexuellen Beziehung lebt, verübt körperliche Gewalt an Frauen, schätzt der Hamburger Gewaltberater Joachim Lempert: »In jedem Bus, in jeder Kinovorstellung ist man von Gewalttätern umgeben.« Obendrein begegnen viele Opfer ihrem Peiniger täglich in der eigenen Wohnung. Weltweit protestieren Frauenorganisationen am 25. November gegen die ungebrochene Männergewalt. (...) Auf deutsche Männer etwa, von denen rund 20 Prozent vorübergehend oder dauerhaft eine Frau misshandeln. Erst vor wenigen Wochen veröffentlichte die Bundesregierung eine Studie, die zwar nichts grundlegend Neues enthält, aber das hohe Gewaltniveau in Deutschland regierungsamtlich bestätigt (...) Rund ein Viertel aller Frauen in Deutschland, gut zehn Millionen also, werden oder wurden von ihrem aktuellen oder früheren Lebenspartner misshandelt. (...)
Würden die Untersuchungsergebnisse aus einer übel beleumundeten Diktatur gemeldet, verfiele Deutschland am 25. November wohl in einen Sturm der Empörung. (...) »Männer nehmen die eigenen Grenzen nicht wahr, und auch nicht die Grenzen von anderen. Auf unmännliche Gefühle wie Hilflosigkeit, Angst oder Trauer reagieren viele mit Gewalt.«
http://www.jungle-world.com/seiten/2004/48/4391.php
*********
Anlässlich des morgigen "Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen" machen Kölner Projekte darauf aufmerksam, dass für Frauen Gewalterfahrungen Alltag sind. (...) Dass die Fälle von häuslicher Gewalt laut Statistik steigen, führt sie vor allem auf die Einführung des Gewaltschutzgesetzes im Januar 2002 zurück. Dieses Gesetz, nach dem die Polizei etwa einen gewalttätigen Mann aus der Wohnung weisen kann, ist für Claudia Schrimpf ein großer "Erfolg der Fraueneinrichtungen".
http://www.taz.de/pt/2004/11/24/a0044.nf/text.ges,1
Undsoweiter undosofort in heute anscheinend so ziemlich jeder Zeitung Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. Tja, dieses "Totschweigen der Gewalt an Frauen" ist wirklich ein Problem ...
Zur Erinnerung Professor Gerhard Amendts (Leiter des Instituts für Geschlechter- und Generationenforschung in Bremen) Gastartikel in der "Welt" vom 24. September: "Dabei wissen wir doch - nicht erst aus meiner Scheidungsforschung mit 3600 Männern -, dass allein in der Scheidungskrise, sicher eine der schwersten im privaten Leben, 64,4 Prozent der vielfältig abgestuften psychischen und körperlichen Gewalthandlungen von der Partnerin ausgehen, 14,8 Prozent von beiden und 14 Prozent von den Männern. ( ) Die Büchse der Pandora wird geöffnet und sichtbar wird - wie die ersten Ergebnisse zeigen -, dass es vielen Männern im privaten Bereich nicht viel anders als vielen Frauen ergeht, wenn die sprachliche Verständigung in sich zusammenstürzt."
Bei den deutschen Medien scheint wenig davon angekommen zu sein. Die Backlash-Propagandawelle rollt. Es gibt eben wirklich höher- und minderwertige Opfer.
Arne