Rote Männer Info Nr 78
RoteMänner!
Infizierte, Desinfizierte, Mumifizierte!
Einmal in der Woche googeln wir bestimmte Begriffsfolgen bei der
Recherche nach neuen Erkenntnissen für unser Info. Dazu gehört
regelmäßig die Begriffsfolge "Frauen besonders betroffen". Diesmal
bekamen wir dabei diese Nachricht: "Frauen in Deutschland sind von Aids
besonders betroffen." Natürlich lasen wir erschrocken weiter und ließen
uns darüber aufklären, dass 20 Prozent aller AIDS-Infizierten in
Deutschland Frauen sind. Zwanzig bloß? Aaaaaaber, klärt uns die
Deutsche AIDS-Stiftung auf, sie seien oft finanziell viel schlechter
gestellt als infizierte Männer. Na bitte! Wer das jetzt nicht glaubt,
es stand hier: http://www.taz.de/pt/2004/11/18/a0101.nf/text
Haben ist nämlich in Deutschland auch weiterhin viel wichtiger als Sein,
der Tauschwert viel bedeutender als der Gebrauchswert. Darum war auch
die Ausgabe der "Zeit", der neulich ein kostenloser erster Band einer
20teiligen Enzyklopädie beilag, schon Samstagmorgens nirgends mehr zu
haben. Selbst die blödesten Dödel und Dödeletten kauften plötzlich die
"Zeit", weil's dazu was UMSONST gab. Jetzt sitzen sie alle zu Hause mit
ihrem ersten Band, der aber nur von "Aac" bis "Bam" gehen dürfte, und
warten darauf, dass die anderen 19 auch noch irgendwo verschenkt
werden. Ein Thema für Samuel Beckett? Wir schweifen ab.
In Unterfranken wollte eine junge Frau wenige Tage vor ihrer Hochzeit
noch einmal "richtigen Scheiß" bauen - und hat versucht, einen
Bademeister zu vergewaltigen. Mit Gewalt musste dieser sich die Dame
vom Leibe halten. Lest und staunt:
http://www.welt.de/data/2004/11/10/358137.html Da kann der Bademeister
eigentlich nur von Glück reden - dass gegen ihn kein Verfahren
eingeleitet wurde!
Das Thema Männergewalt ist jüngst ein wenig aus dem Zentrum des
Interesses herausgetreten. Wir vermuten, dass es noch ein wenig dauern
wird, bis den einschlägig Interessierten neue Steigerungsformen
einfallen. In einem beachtenswerten Aufsatz von Sabine Beppler, der
nicht mehr ganz neu sein dürfte, lasen wir zu dem Thema dies: "Laut
Statistik sind in den USA 0,5% aller Frauen von häuslicher Gewalt
betroffen. (...) Die Behauptung, in Deutschland sei jede dritte Frau
von häuslicher Gewalt betroffen, ist eine fast hundertfache
Übertreibung und abstruse Konsequenz eines inflationären Gebrauchs des
Gewaltbegriffs. (.) Unter Gewalt wird hier so ziemlich alles
subsumiert, was in einer Zweierbeziehung auftreten kann und nicht als
eindeutig harmonisch zu bezeichnen ist."
http://www.kern-home.de/deutsch/gewalt1.htm
Aufschlussreich in diesem Zusammenhang auch Beate Kricheldorfs
Überlegungen, wieso sich so viele Männer an der Verbreitung der
Tatarenmeldungen beteiligen, "die die Unterdrückerthese brauchen und
aufrechterhalten, obwohl beide (Geschlechter, RMI) sehr wohl wissen,
dass dies nicht der Realität entspricht."
http://www.pappa.com/politik/BKDiffamierung.htm
"Belgien startet 2005 einen Versuch mit Mikrokrediten für Frauen, wie
sie in der Entwicklungshilfe üblich sind."
http://www.taz.de/pt/2004/11/09/a0091.nf/text Damit findet wenigstens
dort der Frauenprotektionismus endlich einen angemessenen Rahmen.
Dann mussten wir lesen, "dass in Deutschland und anderen
Industrienationen immer weniger Jungen geboren werden. Eine Erklärung
dafür liefern sie gleich mit: Stabile Partnerschaften erhöhen die
Wahrscheinlichkeit für die Geburt eines Sohnes um 14 Prozent. Und so
stabil wie früher seien Ehen heute eben nicht mehr ." Diese Aussage
könnte man fast schon einen Euphemismus nennen!
http://www.welt.de/data/2004/11/10/358300.html
Die Differenz in der Lebenserwartung zwischen Jungen und Mädchen hat
sich seit 1980 für das frühere Bundesgebiet langsam, aber
kontinuierlich verringert: Neugeborene Jungen werden nach der
Sterbetafel 2001/2003 inzwischen 75,6 Jahre alt und Mädchen 81,3 Jahre,
so das Statistische Bundesamt gestern. Im Zeitraum 2000/2002 waren 75,4
beziehungsweise 81,2 Jahre ermittelt worden.
www.destatis.de/download/d/bevoe/sterbetafel03.xls Der Fortschritt ist
bekanntlich eine Schnecke. Aber sie kriecht! Wir haben ausgerechnet,
dass Jungen und Mädchen in ca. 60 Jahren dieselbe Lebenserwartung
haben, falls diese Entwicklung sich ungebrochen so fortsetzt. Vollendet
jemand das 60. Lebensjahr, hat er als Mann schon heute "nur" noch 4,1
Jahre weniger zu leben als eine Frau. Dass sich die Diskrepanz für
60jährige reduziert, belegt wiederum dass Männer während ihres
vorangegangenen Berufslebens den weitaus größeren gesundheitlichen
Risiken ausgesetzt sind.
Übrigens gilt seit ein paar Tagen ein 111jähriger Düsseldorfer als
ältester Mann der Welt. Allerdings gebe es noch 26 Frauen, die älter
als er seien. http://www.welt.de/data/2004/11/22/363828.html
"Schwere Katastrophe: 50 Tote, gottseidank nur Männer!" ulkt Volker
Pispers in seinem Kabarettprogramm "Bis neulich" über das ständige
moralinsaure Betrauern der Tatsache, dass sich "unter den Opfern
unschuldige Frauen und Kinder" befanden. Vor allem sind die ja immer
unschuldig - ganz im Gegensatz zu den folgerichtig "schuldigen"
Männern! Wer die sarkastische Kritik an dem dummen Geschwätz von Medien
und Politik in diesem Zusammenhang für zynisch hält, sollte sich mit
der Berichterstattung über die Ermordung von Margaret Hassan im Irak
genauer befassen. Mehrere Dutzend geköpfter Männer haben nicht
annähernd denselben Wirbel verursacht wie die vermutete Erschießung
dieser (einen!) Frau. Das ging bis zu der Feststellung, dies sei
"unislamisch" gewesen. Heißt das wiederum, dass das Blutbad an Männern
durchaus als "islamisch" angesehen werden muss? "Spiegel-online"
stellte fest: "Mit der Britin Margaret Hassan haben Geiselnehmer im
Irak erstmals eine Frau getötet. Damit wurde eine neue Stufe der Gewalt
erreicht." In der Tat! Aber nicht, dass die (noch immer nicht
bewiesene) kaltschnäutzige Ermordung dieser Frau so aufschreckt, ist
der Skandal, sondern dass das Massakrieren von Dutzenden von Männern
offenbar als der normale Preis der Freiheit angesehen wird!
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,328413,00.html
Weihnachten steht vor der Tür, das Fest des Schenkens und
Beschenktwerdens. Aufschlussreich hierzu: "Männer sind bei
Weihnachtsgeschenken spendabler als Frauen. Einer ,Playboy'-Umfrage
zufolge ist dem deutschen Mann das Geschenk für die Partnerin
durchschnittlich 195 Euro wert. Frauen wollen dagegen nur 74 Euro für
ihren Mann ausgeben. Wenn es allerdings darum geht, sich selbst zu
beschenken, sitzt beim weiblichen Geschlecht das Geld lockerer." lasen
wir im ARD-Bildschirmtext. Wo es sowieso der Mann ist, von dessen Geld
die für ihn bestimmten Geschenke erworben werden, wird sich dessen
Unmut in Grenzen halten. Vermuten wir mal.
Aber auch Männer können sparsam sein: Eineiige kanadische
Zwillingsbrüder haben sich eine Geliebte geteilt. Inzwischen hat die
Dame von einem der Beiden einen bereits fünfjährigen Sohn. Nur von wem?
Die DNA der Brüder ist so weitgehend identisch, dass Vaterschaftstests
keinen Aufschluss geben konnten. Über die Frage des Unterhalts müssen
sich die sparsamen Jungs jetzt untereinander einigen. Was es nicht
alles gibt! http://www.welt.de/data/2004/11/13/359585.html
Männer, denen eine Vaterschaft untergeschoben werden soll, werden
zukünftig bei der Klärung des Sachverhalts erheblich stärker zur Kasse
gebeten. Sie müssen vor der Anerkennung ihrer Vaterschaft nämlich eine
teuere gerichtliche Klärung herbeiführen. Für argwöhnische Männer in
festen Partnerschaften, die Zweifel an ihrer Verantwortung für eine
Schwangerschaft haben, wird die Situation dagegen richtig prekär, wenn
die Bundesregierung ihr Vorhaben durchsetzt, DNA-Abstammungstests nur
noch mit Einwilligung des Kindes (vulgo: der Mutter!) zu legalisieren.
Bitten sie die Mutter um einen solchen Test und offenbaren damit ihr
Misstrauen, riskieren sie den familiären Zusammenhalt. Tun sie dies
nicht, steht ihnen ein Leben im Zweifel und mit Vorbehalten gegen das
eigene Kind bevor. Man fragt sich, welche wirklichen Beweggründe die
Ministerinnen Zypries und (Gesundheits-Ulla) Schmidt reiten, ein
solches Unternehmen in Gang zu setzen. Die vorgeschobenen Argumente
"Schutz der Familie" und "informationelle Selbstbestimmung des Kindes"
jedenfalls sind gleich zwei schlechte Witze! Die logische Konsequenz
wäre nämlich eigentlich, Promiskuität und das unkontrollierte Wechseln
von Geschlechtspartnern unter Strafe zu stellen, weil dies
verantwortungslos gegenüber potenziell daraus entstehenden Kindern und
der Familie ist. DAS aber würde wahrscheinlich den beiden Ministerinnen
zu Recht völlig absurd erscheinen.
http://www.taz.de/pt/2004/11/17/a0181.nf/text
Bevor uns jetzt allen ganz adventlich-vorweihnachtlich ums Herz wird,
wollen wir uns noch einmal in die Niederungen der deutschen Ideologie
begeben, wo wir bereits seit vielen Wochen mit Schokonikoläusen und
Spekulatius eingelullt werden. Suchtmittel dieser Art sind aber
zulässig, da sie nur Diabetes verursachen.
1. Schlimm ist es aber, wenn die Menschen sich König Alkohol ergeben.
Männer werden dadurch zu Landplagen, Frauen zu Suchtopfern. Erstere
trinken nämlich aus Bosheit, Letztere aus Verzweiflung - oft über die
bösen Männer.
2. "Männer in der Gesellschaft" - es scheint als seien sie endlich dort
angekommen. Eine Schwerpunktausgabe des "Parlaments" widmet sich - UNS!
Neben dem üblichen (und neuem) Blödsinn fanden sich dabei Beiträge, die
- ungewöhnlich genug - einen ganz unzeitgemäßen Respekt vor Männern an
den Tag legten.
3. Längst ist homosexuelles Zusammenleben in Deutschland kein Problem
mehr. Schwule und Lesben sind emanzipiert, jedenfalls
ordnungspolitisch. Aber jetzt stößt einigen Lesben auf, dass Schwule
viel cooler wirken als sie, und dass es in Amerika prominentere Lesben
gibt als hier - und finden das echt gemein!
TÄTER UND OPFER GANZ UNTEN:
MÄNNLICHE ALKOHOLIKER - UND WEIBLICHE SUCHTOPFER
Über die Ursachen von Sucht rätselt unsere Gesellschaft gerne bei ein
paar Gläsern Bier und einer Schachtel Zigaretten. Die Ursache von
gravierenderen Suchterscheinungen, schwerem Alkoholismus oder
Abhängigkeit von Opiaten, sind häufig - Probleme. Wer hätte das
gedacht? Männer, die ihren Job oder ihre Familie verlieren, fangen
gelegentlich schon mal mit dem Saufen an. Und Frauen? "Gewalt treibt
viele Frauen in die Sucht", dröhnt die medizinische Fachzeitschrift
"Medical Tribune":
http://www.medical-tribune.de/GMS/bericht/Ursachenforschung Natürlich
nicht die Gewalt, die von Frauen ausgeübt wird, sondern die, der sie
sich ausgesetzt fühlen! Auch in Medizinerkreisen gilt überwiegend der
Mythos von "der Frau" als Opfer. Dabei ignorieren unsere
Medizintheoretiker, dass auch umgekehrt ein Schuh draus wird: So stellt
eine Frau, die säuft, für ihre Familie durchaus kein geringeres Problem
dar als ein Mann, der dasselbe tut. Es gibt Menschen aller denkbaren
Geschlechter, die gerade unter dem Einfluss von Alkohol ziemlich
unangenehm werden.
"Als Motiv für den Gebrauch von Suchtmitteln gaben die Frauen am
häufigsten ,Vergessen negativer Erfahrungen' oder ,belastende
Lebenswirklichkeit' an." Das scheinen unsere Doktores für
unwahrscheinlich signifikante Aussagen zu halten. Wir wetten aber gerne
eine Flasche "Racke Rauchzart" darauf, dass das Ergebnis bei Männern
exakt dasselbe ist!
In Deutschland gibt es über eine halbe Million Frauen, die als
behandlungsbedüftige Alkoholikerinnen gelten. Im Gegensatz zu ihren
männlichen Pendants gelten Säuferinnen aber nicht als auszumerzendes
Übel, sondern als hilfsbedürftige Opfer. Säufer sind meistens Täter,
solange sie nicht ersichtlich selbst zusammengeschlagen wurden,
Säuferinnen bekommen jeden Beistand und jedes Verständnis, manchmal
sogar dann noch, wenn sie ihre Kinder haben verdursten lassen - ihr
erinnert euch!?
Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Wir sind FÜR eine
sozialpsychologische Unterstützung suchtkranker Frauen. Es geht aber
definitiv zu weit, wenn suchtkranke Männer gleichzeitig als
sozialunverträgliche Unholde verteufelt werden, und dabei keine
Unterstützung, geschweige denn Verständnis erfahren. Ist es denn nicht
zum Kotzen, wenn selbst psychische Unsicherheit bei Frauen noch als
Suchtursache verständnisheischend angeführt wird, um den Nebenaspekt,
dass manche weiblichen Suchtopfer (übrigens genau wie Männer)
Gewalterfahrungen haben, besonders in den Mittelpunkt zu stellen.
Die Chimäre "männliche Gewalt" - eigentlich ein Pleonasmus wie der
berühmte weiße Schimmel - ist inzwischen für so ziemlich jedes
gesellschaftliche Problem mindestens mitverantwortlich. Darüber kann
fast völlig in Vergessenheit geraten, dass es Gewalt - auch durch
Männer - ja zweifelsfrei gibt. Viele nehmen sie, so wie wir, nach den
unglaublichen feministischen Verdummungsexzessen der letzten beiden
Jahrzehnte bloß nicht mehr ganz ernst: Über zwei Drittel der in einer
spontanen Telefonumfrage angesprochenen Mitmenschinnen und Mitmenschen
halten Männergewalt für einen diskriminierenden Topos einschlägiger
Satire. Das muss zu denken geben! Die Frage, wie George W. Bush ein
weiteres Mal US-Präsident werden konnte, beantworteten bei derselben
Umfrage fast 80 Prozent der befragten Narkotiker mit einem hingelallten
"männliche Gewalt!". Auf unsere Nachfrage, welche Präferenz die
Befragten persönlich gehabt hätten, bekamen wir ebenfalls, sehr
unakzentuiert, nur "männliche Gewalt" zu hören. Und die Frage, was das
herausragende weltpolitische Problem der nächsten 50 Jahre sei,
antworteten wiederum mehr als drei Viertel: "Männliche Gewalt!" Die
Antworten auf die Frage, was die Befragten sich persönlich für die
Zukunft am meisten wünschen, haben wir nach eingehender Überprüfung der
Plausibilität schließlich gelöscht. Es hätte im Falle der
Veröffentlichung möglicherweise ein falsches Zeichen gesetzt.
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MÄNNER UNTER DER LUPE
DIE WOCHENZEITUNG "DAS PARLAMENT" ENTDECKT EIN VERSCHÜTTETES GESCHLECHT
Männer finden seit einigen Jahren peu à peu ein wenig mehr
Aufmerksamkeit. Sie werden tatsächlich ALS GESCHLECHT wahrgenommen, und
nicht mehr nur als der menschliche Normalfall. (Umso bemerkenswerter
eigentlich, dass Männer viel stärker als Frauen in der Gefahr stehen,
ihr Geschlecht "durch falsches Tun zu verfehlen", wie ein gewisser
Michael Meuser gesagt haben soll.) Neuestes Symptom für die wachsende
Aufmerksamkeit war vor wenigen Wochen eine Ausgabe der vom Deutschen
Bundestag höchstselbst herausgegebenen Wochenzeitschrift "Das
Parlament", das sich in geradezu epischer Ausführlichkeit, nämlich in
sage und schreibe ingesamt 41 Aufsätzen, dem Thema Männer widmete,
nachzulesen unter http://www.das-parlament.de/2004/46/Thema/index.html
und http://www.das-parlament.de/2004/46/Titelseite/index.html Und
darunter waren ein paar durchaus lesenswerte Teile!
Natürlich ist die Betrachtung ein wenig selektiv. Das macht sich
insbesondere in der Printausgabe bei einer Auflistung von
Internetkontakten und Literaturempfehlungen bemerkbar. Von Warren
Farrell haben offenkundig die Herausgeber und Autoren noch nichts
gehört, obwohl er doch eigentlich derjenige war, der für Männer mit
seinem Buch "Mythos Männermacht" (1993, dt. 1995) den Big Bang läutete
und klarstellte, dass man das Emanzipationsbegehren auch von der
anderen Seite betrachten und formulieren kann. Dasselbe gilt für
Paul-Hermann Gruners fulminanten Essay "Frauen und Kinder zuerst"
(erschienen 2000) oder auch Arne Hoffmanns monumentale und gründliche
Untersuchung der (rhetorischen) Frage "Sind Frauen die besseren
Menschen?" Die beiden Erstgenannten sind auf dem normalen Büchermarkt
längst nicht mehr erhältlich, aber antiquarisch noch zu haben. Im
Gegensatz zu ihnen wird ein Buch, das teilweise männliches
Flagellantentum theoretisch begründete, mit Theweleits
"Männerphantasien" erwähnt, das auch 20 Jahre nach seinem Stapellauf
auf dem deutschen Büchermarkt noch erhältlich ist.
Ein bisschen irre auch, dass unter den (insgesamt drei!) angegebenen
Internetkontakten für Väter zwar eine Kölner Schwulengruppe angegeben
ist, nicht jedoch "Pappa.com" und ebensowenig der Väteraufbruch
"VAfK.de". Irgendwie bezeichnend, denn man will "die" Männer schon ganz
gerne integrieren und ihnen zeigen, dass man sie immer noch liebhat;
aber doch bitte nicht die, die sich so lautstark und rüpelhaft - weil
feminismuskritisch - aufführen. Der Einzige, die eine Chance bekam und
im "Parlament" über den "Verdammungsfeminismus" räsonnieren durfte, war
Gerhard Amendt. Und schon im Blick auf diese Begrifflichkeit, die eine
klare Unterscheidung begründet zwischen dem egalitären,
emanzipatorischen Feminismus einerseits (dessen Grundgedanken - das mag
euch schockieren - auch das RoteMännerInfo vertritt) und dem die Frauen
zu grundsätzlichen Opfern stilisierenden Dummbeutel-Feminismus
andererseits, verbietet sich eigentlich der Anspruch, einen Überblick
über "profeministische, antisexistische, kritische Männerforschung"
geben zu wollen. Denn was heißt hier schon "profeministisch"? Auch der
Autor Willi Walter sagt es uns nicht, schreckt aber andererseits nicht
davor zurück, gleich drei nichtssagende Reizwörter zur Kennzeichnung
seiner Ambitionen ins Feld zu führen. "Profeministisch, antisexistisch,
kritisch"? Das ist inzwischen sogar meine Erbtante Karoline!
Ralf Puchert klagt in einem Beitrag Gleichstellungsbeauftragte für
Männer ein. Wir sind bis heute überhaupt nicht sicher, ob das ein
sympathischer oder aber höchst gruseliger Ansatz ist. Das jetzt auch
noch!? Puchert beschreibt die klassischen Dinosaurier des
Arbeitsalltags, Männer, die ihr ganzes Seelenheil in der Arbeit suchen
- und scheinbar finden. Die hat auch Amendt registriert: Auch
progressive Männer folgten erstaunlicherweise dem klassischen
Selbstbild eines Versorgers von Frau und Kind! Wir erleben natürlich
auf der Arbeit immer wieder die Seilschaften notorischer Wichtigtuer:
Aber ist das heute immer noch die überwiegend wirkliche Welt oder ein
soziologisches Mausoleum? Puchert sieht die Diskrepanz zwischen dem
Anspruch und der Lebenswirklichkeit vieler Männer, die mehrheitlich
"eine Gleichverteilung von Berufsarbeit in ihrer Partnerschaft"
anstreben. Dann wäre es in der Tat Zeit, dass diese Männer für ihr
Ideal auch mal auf den Tisch hauen - im Betrieb genauso gut wie zu
Hause. Was Puchert offenbar nicht weiß: Die praktische Gehemmtheit bei
der Umsetzung dessen, was als Ideal vollmundig propagiert wird, ist bei
denjenigen Frauen auch nicht geringer, die nörgelig die Familien- und
Hausarbeit monopolisieren und in Panik ausbrechen, wenn man ihnen
vorschlägt, dass auch sie einen Job annehmen könnten. Und deren gibt es
mehr als manch ein gutwilliger Männerforscher glaubt!
Wir erfahren tiefe, wenn auch eher feuilletonistische Wahrheiten in
einem schwungvollen und leichtgängigen Aufsatz von Fritz-Jochen Kopka:
"Wenn die großen Dinge misslingen, kann sich der Mann voller Hingabe in
das aktuelle Bundesliga-Tabellenbild vertiefen; einer Frau ist das
nicht gegeben." Es gebe daher ein männliches Talent zur Apathie in
angespannten Lagen, "das schließlich auch den Frauen Ruhe einflößt."
Wird also irgendwann der Verdummungs- und Verdammungsfeminismus an
unserer männlichen Lethargie ablaufen?
Eher schon scheitern Männer selbst daran, worauf Klaus Hurrelmann
hinweist, wenn er über den Raubbau von Männern an ihrer Gesundheit
schreibt: "Die drei ,K' des Mannes sind, spöttisch gesprochen,
Konkurrenz, Karriere und Kollaps." Das Scheitern im Beruf sei für
Männer gleichbedeutend mit dem Scheitern im Leben, weil sie keine
Ausweichmöglichkeiten für Selbstbetätigung und Selbstbestätigung haben:
"Erst wenn Männer vom Familienleben, vom häuslichen Kontext und von der
Kindererziehung nicht mehr ausgeschlossen werden und sich der breit
gefächerten Anforderung von Berufs- und Privatbereich, von Haushalt und
Kinderhaben stellen, können sie ihre Gesundheitsbilanz verbessern." Und
die beschert ihnen, wie wir vorhin bereits lesen konnten, noch immer
eine deutlich verkürzte (durchschnittliche) Lebenserwartung.
Ralf Puchert berichtet (in einem weiteren Beitrag) auch über die
Gewalterfahrungen von Männern - und ihr Schweigen darüber. Während
Frauen gelegentlich, wie eingangs dieses Infos zitiert, bereits die
Abwesenheit von Harmonie als Gewalt verkaufen, machen Männer in der
Regel (scheinbar) nicht viel Aufhebens um körperliche Übergriffe, denen
sie ausgesetzt wurden. Die Frage ist aber immer: In welchem Maße
sollten sie das? Wer definiert die Grenze, die nicht überschritten
werden darf? Kaum ein Mann wird gleich jede Rauferei, zumal unter
Jungen, zum gesellschaftlich relevanten Delikt erklären. Aber es gibt
eben auch die üblen Prügeleien, das buchstäbliche Zusammenschlagen
eines Anderen, ungeahndet und unerwähnt - das Gegenextrem zu solchen
Frauen, die sich schon bei einem halblauten Anraunzen (durch einen
Mann!) massivster Gewalt ausgesetzt wähnen.
Auch das gab es schließlich in der Männer-Ausgabe des "Parlaments": "Die
Eindämmung von männlicher Gewalt wird nur dann möglich sein, wenn diese
Fallstricke der männlichen Sexualität und die in ihnen zum Ausdruck
kommende, allgemein verbreitete Einstellung zur Weiblichkeit
systematisch berücksichtigt werden." schreibt ein gewisser Rolf Pohl
von der Uni Hannover, und fährt fort: "Grundsätzlich ist allerdings zu
bedenken, dass (männliche) Gewalt und ihre Akzeptanz in erster Linie
ein gesellschaftliches und politisches Problem darstellen..." Und dann
stellt Pohl einen blitzschnellen Bezug zur neuen "Logik militärischen
Denkens mit klaren Feindbezügen" in Deutschland her, die einer "typisch
männlichen Abwehr-Kampf-Haltung" entspreche.
Nun ja, was soll man dazu sagen? Wir lassen es dabei bewenden, Herrn
Pohl dazu zu gratulieren, dass wenigstens er (in seinem eigenen
Bewußtsein) den Grad der Erleuchtung erlangt hat, mit dem er jetzt gar
zu gerne den Rest der Republik beglücken würde. Eine "Akzeptanz"
männlicher Gewalt ist uns - ganz im Gegensatz zur offensichtlichen,
neuen Akzeptanz weiblicher Gewalt in manchen Medien - in den letzten
Jahrzehnten eher nicht mehr aufgefallen, um ehrlich zu sein. Aber
vielleicht hat Herr Pohl ja auch, wie einstmals Woody Allens
"Schläfer", die letzten 200 Jahre in Alufolie eingewickelt im
Tiefkühlfach verbracht. Bedauerlich, dass man offenbar nicht alle seine
Organe wieder aufgetaut hat!
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UNCOOL, LANGWEILIG, SCHLECHT GELAUNT:
WARUM SICH KEINER FÜR DAS LESBISCHE DEUTSCHLAND INTERESSIERT
Die Männergesellschaft hat offenbar einen neuen Höhepunkt an selektiver
Frauenverachtung hervorgebracht: "Während im Sommer die Bild-Zeitung in
rosa Lettern fragte: ,Wie schwul ist Deutschland?', interessiert sich
anscheinend kein Mensch für die Frage, wie lesbisch Deutschland
eigentlich ist." empört sich Frau Katrin Raetz - na, wo wohl? Natürlich
in der "taz"! http://www.taz.de/pt/2004/11/10/a0141.nf/text
Ach ja, die armen "Lesben werden meist übersehen. Gelten als uncool."
Wirklich? Wie furchtbar. Dabei dachten wir doch immer, SIE fänden UNS
uncool. Worunter WIR im Gegensatz zu IHNEN jetzt nicht gelitten haben.
Ist es am Ende genau DAS? Wollen "die Lesben" (auch die, die jetzt von
Frau Raetzens ungefragt mit in diese peinliche Nummer reingezogen
werden) denn, dass wir sie auch mögen und uns für sie interessieren?
Sie umflirten, blöde Witze machen, versuchen charmant zu sein, und am
Ende die Rechnung zahlen? Aber warum nur? Doch nicht wegen der paar
Euro?
Aber das Problem geht viel tiefer, wenn diese Anzüglichkeit nicht
bereits zu weit führt. Frau Raetz ist mit ihren deutschen Lesben nicht
zufrieden: "In den Vereinigten Staaten heißen sie so: Ellen DeGeneres,
Melissa Etheridge oder Martina Navratilova. (...) Besondere Idole, fast
Celebrities: Sie alle verschweigen nicht, lesbisch zu sein. In
Deutschland gibt es bloß Hella von Sinnen, Ulrike Folkerts und Maren
Kroymann. Lesbische Politikerinnen? Unbekannt oder nur
Hinterbänklerinnen."
Ist das nicht sehr undankbar? BLOSS? Wer ist denn überhaupt diese Ellen,
die auch noch "Degeneres" heißt? Ist die etwa besser als eine Frau, die
"von Sinnen" ist? Im Gegensatz zu Pamela Anderson, die wir klasse
finden als einzige Plastikbombe, die selbst in den USA problemlos in
jedes Verkehrsflugzeug kommt, und sogar wieder heraus!
"Alice Schwarzer hat unlängst im Editorial der Emma zu Recht nach
hochrangigen lesbischen Politikerinnen gefragt und ihre Antwort gleich
mitgeliefert: Der gesellschaftliche Druck auf Frauen sei eben ungleich
größer als der auf (schwule) Männer. So viel steht fest: Während sich
schwule Politiker medienwirksam öffentlich outen, ob zunächst
freiwillig oder nicht, ohne dabei Häme seitens der Presse befürchten zu
müssen, gibt es kaum prominente lesbische Frauen."
Also ist schwul vielleicht doch besser als lesbisch? Aber wo,
Dummerchen, bloß weil du sie nicht KENNST, heißt das doch nicht, dass
es sie nicht GIBT! Vielleicht gelingt es ja selbst im Zeitalter des
Kabelfernsehens noch manchen Menschen, ihre Schmeck- und
Leckgewohnheiten NICHT an die große Glocke zu hängen. Frau Reatz
insinuiert hier aber, lesbische Frauen müssten im Gegensatz zu schwulen
Männern Häme befürchten. Das ist wohl der Ursprungsirrtum: Schwule
Männer ignorieren diese Häme womöglich. Und was ist für Häme tödlicher,
als wenn man sie ignoriert? Ja, genau das ist wahrscheinlich das Coole:
die Souveränität. Unzweifelhaft und bei aller Schwulheit immer noch
eine sehr männliche Eigenschaft, nicht wahr? Und damit vermutlich das,
was den Lesben ein ganz klein wenig fehlt!
Aber ach: "Vom Lesbischsein ist nie die Rede. Es gibt eben keine
kompetenten Fachmänner, die über ihre beste lesbische Freundin Auskunft
erteilen könnten: Mit Lesben kann man so toll Fußball spielen und Bier
trinken gehen. Lesben haben keinen Kuschelbonus, sie sind nicht
,schrill', nicht ,immer gut drauf' und ,gut aussehend', zumindest nicht
in der öffentlichen Wahrnehmung." Seien Sie beruhigt, Frau Raetz, sie
sind es auch in der PRIVATEN Wahrnehmung nicht! Wir zitieren dazu einen
begnadeten Leserbrief, den die "taz" - und das war jetzt wirklich
verdienstvoll - ein paar Tage später abdruckte:
"Auch ich als schwuler Mann um die 50 empfinde seit 20 Jahren Lesben
unverändert als anstrengend, humorlos und unattraktiv. Uncool empfände
ich eher noch als geschmeichelt. Selbst diejenigen, die in den
70er-Jahren noch in der Mache waren, plappern die Sprüche aus jener so
feminismusbewegten Zeit nach, die sie selbst nie erlebt haben, und
übersehen dabei, dass die gesellschaftliche Entwicklung mittlerweile 30
bis 40 Jahre weiter ist.
Da haben schwule Männer die letzten 30 Jahre für die Entwicklung eines
modernen Selbstbewusstseins wahrlich besser genutzt und zudem eine
moderne, gut funktionierende, umfassende und allseits - auch von
Heteros - anerkannte Infrastruktur aufgebaut. Und warum die Lesben
nicht? Weil sie seit 30 Jahren ununterbrochen damit beschäftigt sind,
ihre Opferrolle in Stein zu meißeln, Männer (selbst schwule) per se als
Feinde zu definieren und dann unentwegt darüber Klage zu führen, dass
es ,das Patriarchat' sei, von dem sie ständig unterdrückt würden. Mir
kommen die Tränen. Ich kann nur sagen: Guten Morgen, Lesbendeutschland,
versucht es mal mit mehr Charme, Schwung und Selbstbewusstsein - und
anständigen Klamotten!" schrieb Hans Danielkewitz aus München und
zeigte damit, dass er ein ganzer Kerl ist.
http://www.taz.de/pt/2004/11/13/a0205.nf/text
"Lesben wollen unter sich bleiben." klagt die engagierte "taz"-Autorin
dann aber, obwohl: Genau das können sie doch, wo sie doch sowieso jeder
für uncool hält! Doch eben das will Frau Raetz ändern und schimpft
deswegen, "in Deutschland ... ist der eigentlich längst überholte
Differenzfeminismus aus den Siebzigerjahren immer noch populär,
besonders unter Lesben." Genau was unser schwuler Freund aus München
eben sagte. Denn im Prinzip hängt Frau Raetz dem selbst nach, wenn sie
etwa versucht, die Frauenfußball-Nationalmannschaft zum Bekenntnis für
ein besseres, nämlich lesbisches Deutschland zu überreden, und sich
dann wundert, wenn deren Trainerin "abwehrend-vorsichtig, ja giftig"
reagiert. Ob Frau Theune-Meier am Ende gar gedacht hat, dass das nun
wirklich niemanden was angeht?
"Dennoch haben Lesben in Deutschland ein Imageproblem. Anders als in den
USA gelten sie als langweilig und schlecht gelaunt." Vielleicht sind
sie das ja auch. Uns hat jedenfalls noch nie eine Lesbe einen guten
Witz erzählt. Guter Rat vom RoteMänner-PR-Team: Man sollte erst mal
klein anfangen, bevor man Stars hervorbringen will. Geht ganz einfach:
"Kommt'n Mann zum Arzt..." Und das dann üben, üben, üben.
Ein kleines bisschen Selbstdistanz würde aber schon reichen.
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Wir ziehen uns mit diesem Rat von der Kanzel zurück. Ob der Glühwein auf
den Weihnachtsmärkten reicht, ausreichende göttliche Eingebungen über
uns kommen zu lassen, die für ein weiteres vorweihnachtliches
RoteMännerInfo reichen, ist derzeit überhaupt nicht absehbar. Auch die
RotenMänner müssen schließlich mal shoppen gehen. Und das ist einfach
das Schöne an einem kostenlosen Elektro-Magazin: Keiner kann uns kommen
und bei der Redaktion für sein Geld fällige Ausgaben verlangen. Wir
sind sicher, ihr schafft es auch ohne uns, euch einen schönen Dezember
zu machen.
Aber wer weiß? Stellt halt mal alle fleißig euer Stiefelchen aufs
Fensterbrett!
Eine Empfehlung von euerem
RedManAlex, dem wahren "Bad Santa"!
(23.11.2004)
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