Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Oh Gott, eine Frau wurde getötet...

gibsmir, Thursday, 18.11.2004, 12:56 (vor 7748 Tagen)

"Mit der Britin Margaret Hassan haben Geiselnehmer im Irak erstmals eine Frau getötet. Damit wurde eine neue Stufe der Gewalt erreicht ... Die Nachricht dieser Grenzüberschreitung sei: Die Terroristen sind zu grenzenloser Brutalität entschlossen."

Eben in SPON gesehen... einfach nur zum Kotzen. Die unzähligen vorher getöten Männer zählen wohl nicht...

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,328413,00.html

Re: Oh Gott, eine Frau wurde getötet...

Andreas d.a., Thursday, 18.11.2004, 13:16 (vor 7748 Tagen) @ gibsmir

Als Antwort auf: Oh Gott, eine Frau wurde getötet... von gibsmir am 18. November 2004 10:56:32:

Hallo Du,

ich verstehe Deine Empörung über diese Art von Bericht, die ich für einen weiterern Beleg für die Tendenziosität der Spiegel-Berichterstattung ist, indem sie Opfer in schlimm und weniger schlimme Kategorien einteilt.

Interessant ist dabei dieser Satz: "Indem sie Frauen töten, was absolut unislamisch ist, wollen sie möglicherweise auch dokumentieren: 'Wir sind zu allem bereit.'", denn er führt den ansonsten unterlegten Tenor, "dass sei im Islam ja ganz normal" ad absurdum. Ist das nun etwas Aussergewöhnliches oder die Regel? - Diesen Widerspruch wird aber kaum einer bemerken (wollen).

Allerdings - und dass ist keine Übertreibung - bekomme ich bereits ein Magengeschwür, wenn ich nur wieder in den täglichen Nachrichten höre, dass erneut eins dieser Videos aufgetaucht ist (möglichst noch mit Verweis, wo im Netz man es sich herunterladen kann - die deutschen Medien sind sehr hilfreich). Von der Existenz dieser Videos zu wissen, raubt mir den Schlaf, und es ist dabei absolut nebensächlich, ob es ein Mann oder eine Frau ist. Es ist jedesmal unvorstellbar und durch nichts wieder gutzumachen. Lasst uns die mroalische Unterscheidung der Medien kritisieren, aber bitte nicht selbst mitmachen, okay?

Andreas

Würdige und unwürdige Opfer

Sam, Saturday, 20.11.2004, 18:42 (vor 7746 Tagen) @ Andreas d.a.

Als Antwort auf: Re: Oh Gott, eine Frau wurde getötet... von Andreas d.a. am 18. November 2004 11:16:14:

Hallo Du,
ich verstehe Deine Empörung über diese Art von Bericht, die ich für einen weiterern Beleg für die Tendenziosität der Spiegel-Berichterstattung ist, indem sie Opfer in schlimm und weniger schlimme Kategorien einteilt.

Edward Herman und Noam Chomsky sprechen in diesem Zusammenhang von "würdigen" und "unwürdigen" Opfern. Kurzes Zitat hier.

Re: Würdige und unwürdige Opfer

Sam, Monday, 22.11.2004, 16:19 (vor 7744 Tagen) @ Sam

Als Antwort auf: Würdige und unwürdige Opfer von Sam am 20. November 2004 16:42:01:

Kurzes Zitat hier.

Aus diesem Link:

"In a study of more than 1200 headlines from seven high circulation Canadian newspapers, women were referred to as victims of violence thirty-five times for each one reference to men as victims."

Die Studie findet sich hier: http://equality.netfirms.com/boycecnt.html

Bin nicht sicher, ob es eine solche Untersuchung auch für den deutschen Sprachraum gibt, vermutlich eher nicht. Ein einfaches Experiment kann allerdings jeder selbst machen: Wenn man bei Google-News nach frauen, männer oder frauen+männer sucht und die reinen Sportergebnisse aussortiert, lassen sich für einen bestimmten Zeitraum Aussagen über die von Google erfassten deutschsprachigen Online-Medien treffen (und das dürften die meisten und meistgelesenen sein).

Re: Würdige und unwürdige Opfer

Eugen Prinz, Monday, 22.11.2004, 20:32 (vor 7744 Tagen) @ Sam

Als Antwort auf: Re: Würdige und unwürdige Opfer von Sam am 22. November 2004 14:19:16:

>Kurzes Zitat hier.
Aus diesem Link:
"In a study of more than 1200 headlines from seven high circulation Canadian newspapers, women were referred to as victims of violence thirty-five times for each one reference to men as victims."

Nicht verwunderlich, aber immer wieder beeindruckend! Danke für die Zahlen.

Eugen

Zur Gedankenkontrolle in demokratischen Gesellschaften

Sam, Thursday, 25.11.2004, 01:13 (vor 7741 Tagen) @ Sam

Als Antwort auf: Würdige und unwürdige Opfer von Sam am 20. November 2004 16:42:01:

Edward Herman und Noam Chomsky sprechen in diesem Zusammenhang von "würdigen" und "unwürdigen" Opfern. Kurzes Zitat hier.

Weiteres zum Thema:

http://www.tu-berlin.de/fb1/AGiW/Scriptorium/S18.htm

Zitat:
"Es geht nicht etwa darum, für alle Fälle des Unbehagens an der Politik oder der Kultur einfache Erklärungen oder leicht identifizierbare Gegner in einem 'neuartigen Verschwörungszusammenhang' zu suchen und scheinbar zu finden, sondern darum, ein intolerables politisch-struktuelles Phänomen genau einzukreisen und, wenn möglich, zu beseitigen."

Re: Zur Gedankenkontrolle in demokratischen Gesellschaften

Max, Thursday, 25.11.2004, 11:26 (vor 7741 Tagen) @ Sam

Als Antwort auf: Zur Gedankenkontrolle in demokratischen Gesellschaften von Sam am 24. November 2004 23:13:46:

Hi Sam,

"Es geht nicht etwa darum, für alle Fälle des Unbehagens an der Politik oder der Kultur einfache Erklärungen oder leicht identifizierbare Gegner in einem 'neuartigen Verschwörungszusammenhang' zu suchen und scheinbar zu finden, sondern darum, ein intolerables politisch-struktuelles Phänomen genau einzukreisen und, wenn möglich, zu beseitigen."

...mein Reden, die ganze Zeit!

For the birds - Max

Re: Zur Gedankenkontrolle in demokratischen Gesellschaften

Paul, Thursday, 25.11.2004, 12:48 (vor 7741 Tagen) @ Max

Als Antwort auf: Re: Zur Gedankenkontrolle in demokratischen Gesellschaften von Max am 25. November 2004 09:26:27:

Hi Sam,
"Es geht nicht etwa darum, für alle Fälle des Unbehagens an der Politik oder der Kultur einfache Erklärungen oder leicht identifizierbare Gegner in einem 'neuartigen Verschwörungszusammenhang' zu suchen und scheinbar zu finden, sondern darum, ein intolerables politisch-struktuelles Phänomen genau einzukreisen und, wenn möglich, zu beseitigen."
...mein Reden, die ganze Zeit!
For the birds - Max

Zum Thema Chomsky: Er ist schon genial. Der einzige Wermutstropfen ist, dass er politisch extrem links steht. Ich finde aber, daß tut der Grossartigkeit seiner Analysen keinen Abbruch. "Manufacturing Consent" (deutscher Titel ist mir leider nicht bekannt, habe es auf englisch gelesen) sollte Pflichtlektüre sein. Vielleicht würden dann endlich mehr Menschen verstehen, daß die "Medienrealität" und die "wirkliche" Realität zwei vollkommen unterschiedliche Dinge sind.

Gruss,
Paul

Re: Zur Gedankenkontrolle in demokratischen Gesellschaften

Ekki, Thursday, 25.11.2004, 19:48 (vor 7741 Tagen) @ Paul

Als Antwort auf: Re: Zur Gedankenkontrolle in demokratischen Gesellschaften von Paul am 25. November 2004 10:48:26:

Hi Sam,
"Es geht nicht etwa darum, für alle Fälle des Unbehagens an der Politik oder der Kultur einfache Erklärungen oder leicht identifizierbare Gegner in einem 'neuartigen Verschwörungszusammenhang' zu suchen und scheinbar zu finden, sondern darum, ein intolerables politisch-struktuelles Phänomen genau einzukreisen und, wenn möglich, zu beseitigen."
...mein Reden, die ganze Zeit!
For the birds - Max

Zum Thema Chomsky: Er ist schon genial. Der einzige Wermutstropfen ist, dass er politisch extrem links steht. Ich finde aber, daß tut der Grossartigkeit seiner Analysen keinen Abbruch. "Manufacturing Consent" (deutscher Titel ist mir leider nicht bekannt, habe es auf englisch gelesen) sollte Pflichtlektüre sein. Vielleicht würden dann endlich mehr Menschen verstehen, daß die "Medienrealität" und die "wirkliche" Realität zwei vollkommen unterschiedliche Dinge sind.
Gruss,
Paul

Hallo Paul und alle!

Die Frage, die ich mir bezüglich des fett formatierten Satzes stelle, lautet:

Ist es logisch gesehen überhaupt denkbar, dies zu ändern?

Zunächst einmal wage ich zu bezweifeln, daß es Individuen oder Gruppen von Individuen geben könnten, die der Versuchung zu widerstehen vermöchten, ihren Einfluß auf Medien, einmal erlangt, zur Herstellung einer mehr oder weniger subtil daherkommenden Meinungsführerschaft zu gestalten.

Aber abgesehen einmal von meinem Zweifel an der Überwindbarkeit elementarer menschlicher Schwächen - geht das überhaupt?[/u]

Irgendwo muß man sich ja doch letzten Endes in jedem Diskurs positionieren, will man die Fragen, die Gegenstand des Diskurses sind, einer Lösung zuführen. Daß man dabei die Probleme von möglichst vielen Seiten beleuchten sollte, steht dem nicht entgegen.

Und selbst wenn wir einmal von der Frage der Problemlösung absehen und uns einen Diskurs vorstellen, der ganz und gar Selbstzweck ist - würde ein solcher Diskurs bei den Beteiligten auf Dauer Interesse finden, wenn man (sofern dies möglich ist) jedem Beteiligten wirksam verböte, irgendwie Stellung zu nehmen, sondern alle Diskursteilnehmer zwänge, sich auf die Referierung unterschiedlicher Aspekte zu beschränken, ohne jede Wertung?

Und schließlich ist da noch das klitzekleine Problem, daß auch die klügsten Köpfe der Menschheit zusammengenommen letztendlich immer nur Teilwahrheiten ergründen könnten.

Genau genommen steht hier im Hintergrund ein unauflösliches Paradox, das schon die alten Griechen so formulierten:

[/i]"Wer behauptet, es gäbe keine letzten Wahrheiten, hat sich eben damit schon angemaßt, eine letzte Wahrheit erkannt zu haben."[/i]

Und hier scheint mir etwas von enormer Bedeutung zu sein, was Chomsky ganz am Anfang seines Aufsatzes schreibt:

Es geht demgegenüber um ein Handeln aus einer freiheitsbewußten Abneigung gegen angemaßte öffentliche Meinungsherrschaft. Dieses Motiv fußt genaugenommen auf zwei Grundpositionen - und keine von beiden sollte übersehen werden - nämlich:
1. der Anerkennung, daß trotz der angesprochenen Defekte 'demokratische Systeme' keine 'Militärstaaten', 'Feudelstaaten' oder 'totalitäre' Systeme sind, d. h. daß sie insoweit Zustimmung und Loyalität verdienen, als sie die entsprechenden freiheitlichen und gewaltenteiligen Verfassungszustände mit ihren Prinzipien und in der Praxis zu sichern vermögen, und
2. der kritischen Aussage, daß innerhalb gegenwärtiger 'demokratischer Systeme' faktische Formen der öffentlichen Meinungsherrschaft und Sprachregelung zu existieren, ja zu dominieren pflegen, welche sich mit wichtigen demokratischen Verfassungsprinzipien nicht vertragen, insbesondere nicht mit dem der institutionellen allgemeinen Meinungsfreiheit und mit dem der Einbindung aller effektiven politischen Macht in das öffentliche Gewaltenteilungs- und -kontrollsystem.

Ich will hier schon eine ganz klare Gewichtung vornehmen und feststellen, daß für mich der erste Punkt bei weitem schwerer ins Gewicht fällt als der zweite. Mag auch die subkutan existierende Meinungsführerschaft in einer Demokratie schwer zu entlarven sein - ich ziehe doch in jedem Fall eine Demokratie jeder Staatsform vor, die mir ans Leben geht, wenn ich aufmucke.

Um es vollends zuzuspitzen:

Auch ein funktionierendes demokratisches System ist ein Nebeneinander von vielen Untersystemen, die intern durchaus undemokratisch sind, in dem sie z.B. Vertreter bestimmter Positionen aus ihren Reihen ausschließen. Der Unterschied zu einer Diktatur besteht "lediglich" darin, daß in einer Demokratie ein Individuum, das von einem Untersystem ausgeschlossen wurde, sich einem anderen Untersystem anschließen bzw. ein solches selbst ins Leben rufen kann. In einer Diktatur hat sich eine Gruppe als alleiniges System etabliert, das keinerlei Untersysteme zuläßt ("Gleichschaltung" hieß das bei den Nazis, "Kollektivierung" bei den Kommunisten).

Die Existenz dieses Forums ist der Beleg dafür, daß wir trotz allen Unheils, das durch männerfeindlich unterwanderte Massenmedien zweifelsohne angerichtet wird, immer noch in einer Demokratie leben.[/i]

Im faschistischen China (so beliebe ich die "VR" China zu titulieren) werden mißliebige Internet-Seiten gesperrt.

Daß wir trotzdem den Eindruck haben, mit unseren Auffassungen häufig nicht durchzudringen, ist ein Problem, das auch in Demokratien irgendwelche Gruppen immer haben werden.

Wenn wir (Anti-Feministen) eines Tages die Meinungsführerschaft erlangt hätten, würden sich die Feministinnen an den Rand gedrängt fühlen - und außerdem gäbe es viele andere gesellschaftliche Gruppen, die auch den Eindruck haben, sich nicht genügend Gehör verschaffen zu können (die gibt es, wie gesagt, auch heute und wird es immer geben).

Wie Churchill schon sagte;

"Democracy is the worst system we know - except for all the others."[/i]

Gruß

Ekki

Re: Zur Gedankenkontrolle in demokratischen Gesellschaften

Sam, Thursday, 25.11.2004, 23:55 (vor 7741 Tagen) @ Ekki

Als Antwort auf: Re: Zur Gedankenkontrolle in demokratischen Gesellschaften von Ekki am 25. November 2004 17:48:23:

Daß wir trotzdem den Eindruck haben, mit unseren Auffassungen häufig nicht durchzudringen, ist ein Problem, das auch in Demokratien irgendwelche Gruppen immer haben werden.

Sehe ich prinzipiell ähnlich. Letztlich ist das Argument mangelnder demokratischer Legitimation auch nicht stichhaltig. Die Bild-Zeitung etwa wird ja gewissermaßen jeden Morgen am Zeitungskiosk "demokratisch legitimiert". Niemand ist gezwungen, sie zu kaufen - sie wird aber nun einmal von Millionen gekauft und auch gelesen.

Re: Zur Gedankenkontrolle in demokratischen Gesellschaften

Max, Friday, 26.11.2004, 00:59 (vor 7741 Tagen) @ Sam

Als Antwort auf: Re: Zur Gedankenkontrolle in demokratischen Gesellschaften von Sam am 25. November 2004 21:55:13:

>Daß wir trotzdem den Eindruck haben, mit unseren Auffassungen häufig nicht durchzudringen, ist ein Problem, das auch in Demokratien irgendwelche Gruppen immer haben werden.
Sehe ich prinzipiell ähnlich. Letztlich ist das Argument mangelnder demokratischer Legitimation auch nicht stichhaltig. Die Bild-Zeitung etwa wird ja gewissermaßen jeden Morgen am Zeitungskiosk "demokratisch legitimiert". Niemand ist gezwungen, sie zu kaufen - sie wird aber nun einmal von Millionen gekauft und auch gelesen.

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Genau. Was für eine Demokratie soll denn bitteschön eine "Demokratie von BILD-Lesern" sein? Eine supertolle womöglich? Eine mit Stil und Klasse?
Geh´fort....

Für die "Sun" - i.A. Max

Re: Zur Gedankenkontrolle in demokratischen Gesellschaften

Sam, Thursday, 25.11.2004, 16:38 (vor 7741 Tagen) @ Max

Als Antwort auf: Re: Zur Gedankenkontrolle in demokratischen Gesellschaften von Max am 25. November 2004 09:26:27:

...mein Reden, die ganze Zeit!

Wobei mir der Gedanke einer "intellektuellen Selbstverteidigung" wesentlich besser gefällt als die etwas abwegige Idee einer "Restrukturierung des gesamten Medien- und Parteiensystems". Das Internet ist diesbezüglich ein Segen.

... faschistoid?!

Robert, Thursday, 18.11.2004, 19:22 (vor 7748 Tagen) @ gibsmir

Als Antwort auf: Oh Gott, eine Frau wurde getötet... von gibsmir am 18. November 2004 10:56:32:

"Mit der Britin Margaret Hassan haben Geiselnehmer im Irak erstmals eine Frau getötet. Damit wurde eine neue Stufe der Gewalt erreicht ... Die Nachricht dieser Grenzüberschreitung sei: Die Terroristen sind zu grenzenloser Brutalität entschlossen."
Eben in SPON gesehen... einfach nur zum Kotzen. Die unzähligen vorher getöten Männer zählen wohl nicht...

Bei solchen Meldungen bin ich immer wieder darüber entsetzt, welche Menschen-/Männerverachtung sich inzwischen entwickelt hat.

Den Medienvertretern und Frauenaktivistinnen ist es gar nicht mehr bewußt, dass sie Männerleben als "minder-wertvoll" einordnen. Das ist Faschismus, und zwar in seiner reinsten Art.

Hoffentlich geht der Spuk vorüber - und hoffentlich ist es kein Spuk!

Robert

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