Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Die neue Spiegelin

Leser, Monday, 15.11.2004, 22:18 (vor 7752 Tagen)

"Allahs rechtlose Töchter - muslimische Frauen in Deutschland"

Re: Die neue Spiegelin

Arne Hoffmann, Monday, 15.11.2004, 23:45 (vor 7752 Tagen) @ Leser

Als Antwort auf: Die neue Spiegelin von Leser am 15. November 2004 20:18:00:

"Allahs rechtlose Töchter - muslimische Frauen in Deutschland"

Hab ich auch gesehen, ja. Scheint auch ansonsten verstärkt thematisiert zu werden. Hat das jemand gelesen? Ist der Artikel gut (jetzt nicht nur aus "maskulistischer" Sicht)?

Arne

Also, die islamischen Muttis, die ich kenne sind alles andere als wehrlos. (nT)

Sven, Tuesday, 16.11.2004, 11:19 (vor 7751 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: Re: Die neue Spiegelin von Arne Hoffmann am 15. November 2004 21:45:15:

"Allahs rechtlose Töchter - muslimische Frauen in Deutschland"

Hab ich auch gesehen, ja. Scheint auch ansonsten verstärkt thematisiert zu werden. Hat das jemand gelesen? Ist der Artikel gut (jetzt nicht nur aus "maskulistischer" Sicht)?
Arne

Re: Die neue Spiegelin

Martin, Tuesday, 16.11.2004, 13:19 (vor 7751 Tagen) @ Leser

Als Antwort auf: Die neue Spiegelin von Leser am 15. November 2004 20:18:00:

Ich habe das nicht gelesen, aber was hindert eine Frau in Deutschland daran, sich von einer rechtlosen in eine berechtete Tochter zu verwandeln, sie braucht doch nur auf den Islam zu pfeifen! Und sollte die Familienseilschaft das unterbinden, ist sie nicht Allahs, sondern Papas rechtlose Tochter, das ist dann wieder was anderes...

Re: Die neue Spiegelin

Ekki, Tuesday, 16.11.2004, 14:30 (vor 7751 Tagen) @ Leser

Als Antwort auf: Die neue Spiegelin von Leser am 15. November 2004 20:18:00:

"Allahs rechtlose Töchter - muslimische Frauen in Deutschland"

Hallo allerseits!

Ich werde mir den Artikel gründlichst durchlesen und mich dann melden.

Eines allerdings vorweg:

Einfach so "auf den Islam pfeifen" - das ist nicht nur nicht einfach, sondern mit Lebensgefahr verbunden.

Wir haben es zugelassen, daß in Deutschland Parallelwelten entstanden sind, in denen unsere Werte nicht mehr gelten. Das wird auch auf uns zurückschlagen - schlägt schon zurück! - und flapsige Bemerkungen vergehen mir dabei.

Gruß

Ekki

Re: Die neue Spiegelin

Andreas d. a., Tuesday, 16.11.2004, 20:52 (vor 7751 Tagen) @ Ekki

Als Antwort auf: Re: Die neue Spiegelin von Ekki am 16. November 2004 12:30:52:

Ich werde mir den Artikel gründlichst durchlesen und mich dann melden.

Ich werde mir den Artikel auch ansehen. - Ich kann aber nur dringend empfehlen, sich auch mit Publikationen der "Gegenseite" bzw. von Islamwissenschaftlern zwecks Korrekturlesens auseinanderzusetzen - allein schon deshalb, weil es naiv wäre, anzunehmen, unsere Wahrnehmung würde allein in bezug auf die Geschlechterproblematik manipuliert (aber Männerhaß und Xenophobie lassen sich bisweilen ganz passabel kreuzen).

Grüße, A.

Re: Die neue Spiegelin

Frank, Tuesday, 16.11.2004, 21:03 (vor 7751 Tagen) @ Leser

Als Antwort auf: Die neue Spiegelin von Leser am 15. November 2004 20:18:00:

Also, ich habe den Artikel gelesen. Auch wenn man berücksichtigt, dass es sich nunmal um einen "Spiegel"-Artikel handelt: als Maskulist braucht einem kein Zacken aus der Krone zu fallen, wenn man zugibt, dass die richtig altmodischen türkischen Männer ihre Frauen hierzulande ziemlich mies behandeln. Hier ist sogar der so inflationär und oft zu Unrecht gebrauchte Begriff "Patriarchat" nicht einmal fehl am Platze.
Das zeigt m.E., wie wichtig es ist, dass die Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern möglichst gut ausbalanciert sind. Wenn ein Geschlecht, egal welches, zuviel Macht über das andere bekommt, ist das dem gesellschaftlichen Frieden zutiefst abträglich.

Interessant fand ich, dass hierzulande die "ethnische Korrektheit" wohl noch stärker ausgeprägt ist als die feministische. D.h., weil man wegen "damals" immer noch Muffen hat, eine ethnische Minderheit schlecht zu behandeln, tolerieren deutsche Behörden sogar die Vielweiberei einiger muslimischer Männer, obwohl die ja zutiefst Frauen verachtend ist. Es gibt also, Adolf sei Dank, noch ehernere Grundsätze als den der bedingungslosen Frauenfreundlichkeit. Hätte ich nicht unbedingt gedacht.
Die türkische Rechtsanwältin Seyran Ates bringt diesen "deutschen Zustand von Unschuld nach dem Motto 'Seht, wir haben gelernt und dulden alles'" auf den Punkt: "Ich erlebe ihn ganz stark bei den Grünen, in der PDS und bei den Feministinnen. Es grenzt für mich an Missbrauch."

Ohne unser feministisches Operettenregime unbedingt mit der Herrschaft mittelalterlicher Muselmanen auf eine Stufe stellen zu wollen: gewisse Parallelen zeigen sich durchaus. So sind die Ehefrauen dieser konservativen türkischen Ehemänner vor deutschen Gerichten ähnlich rechtlos wie beispielsweise deutsche Scheidungsväter. Und so wie deutsche Eltern vor allem die Mädchen verhätscheln und verwöhnen, so dass aus ihnen neurotische Zicken werden, mit denen kein Mann es aushalten kann, so verhätscheln türkische Eltern ihre Söhne, auf dass aus ihnen Machos werden, mit denen es dann keine Frau aushält.

Das haut einem ja glatt von der Stühlin, und sowas in einer Zeitschriftin

Franz Frommheld, Tuesday, 16.11.2004, 21:44 (vor 7751 Tagen) @ Leser

Als Antwort auf: Die neue Spiegelin von Leser am 15. November 2004 20:18:00:

"Allahs rechtlose Töchter - muslimische Frauen in Deutschland"

Re: Die neue Spiegelin

Sam, Tuesday, 16.11.2004, 21:44 (vor 7751 Tagen) @ Leser

Als Antwort auf: Die neue Spiegelin von Leser am 15. November 2004 20:18:00:

"Allahs rechtlose Töchter - muslimische Frauen in Deutschland"

Wie glaubwürdig ist es, wenn ein Magazin dieses wichtige und berechtigte Thema zum Anlaß nimmt, um Menschen wie Alice Schwarzer als Verteidiger von Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Aufklärung(!) hinzustellen?

SPEGEL-Leser glauben alles.

Re: Also, die islamischen Muttis, die ich kenne sind alles andere als wehrlos. (nT)

Rüdiger, Tuesday, 16.11.2004, 22:18 (vor 7751 Tagen) @ Sven

Als Antwort auf: Also, die islamischen Muttis, die ich kenne sind alles andere als wehrlos. (nT) von Sven am 16. November 2004 09:19:09:

"Allahs rechtlose Töchter - muslimische Frauen in Deutschland"

Hab ich auch gesehen, ja. Scheint auch ansonsten verstärkt thematisiert zu werden. Hat das jemand gelesen? Ist der Artikel gut (jetzt nicht nur aus "maskulistischer" Sicht)?
Arne

Diejenigen, die rechtlos sind, die lernst Du auch nicht kennen .... Die werden von ihren Männern am Deutschlernen gehindert, die kennen oft kaum was außer ihrem Haus, ihrem Stadtviertel, wo die "soziale Kontrolle" durch das türkische Milieu oft recht stark ist; für eine 15jährige, die zwangsverheiratet werden soll und der bei Widerborstigkeit diverse Brüder etc. Mord androhen "wegen der Ehre", ist es sehr schwer, sich dem zu entziehen. Ich fand den Artikel im Großen und Ganzen gut.

Gruß, Rüdiger

Re: Die neue Spiegelin

Andreas d.a., Tuesday, 16.11.2004, 22:28 (vor 7751 Tagen) @ Sam

Als Antwort auf: Re: Die neue Spiegelin von Sam am 16. November 2004 19:44:46:

Wie glaubwürdig ist es, wenn ein Magazin dieses wichtige und berechtigte Thema zum Anlaß nimmt, um Menschen wie Alice Schwarzer als Verteidiger von Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Aufklärung(!) hinzustellen?

Zwei interessante Leserbriefe (nicht exakt zu diesem Artikel, aber zum Thema):

Mikail Troppenz: "Wieder brannte eine Moschee" - Der Vergleich mit den Juden hinkt?

Ich weiß, dass alle Vergleiche hinken. Trotzdem will ich daran erinnern, dass 1938 nach dem Mord an einem deutschen Diplomaten durch einen Juden in Deutschland die Synagogen brannten.

Ich hoffe, dass jetzt nicht eine ähnliche Entwicklung eintritt. Dazu ein Zitat von Dr. Susanne Schiffer (Universaität Erlangen): "Bei der Darstellung des Islams handelt es sich um einen diskriminatorischen Diskurs ähnlich dem über die Juden im 19. und frühen 20. Jahrhundert ... Bereits aus der Antisemitismusforschung ist bekannt, dass bestimmte Metaphern eine entmenschlichende Wirkung haben und eine Handlungsoption nahe legen können ...

Wenn also vom Islamismus als einem "Krebsgeschwür" (wie im Magazin "Der Spiegel") die Rede ist, dann impliziert diese Angst machende Bezeichnung bereits den Ausrottungsgedanken - oder wie würden Sie ein Krebsgeschwür behandeln?" Ich wünsche mir, dass es nicht so weit kommt. Aber sehr besorgt bin ich doch.

gefunden hier: http://www.islam.de/?site=articles&archive=leserbriefe&article_number=2292

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Sanya: Die Würde des Menschen ist unantastbar - auch der Muslime - Van Gogh könnte heute noch leben

Der Mord an Van Gogh ist dennoch unendlich bedauerlich und ich wünsche den Angehörigen mein aufrichtiges Beileid, denn der Mord an einem Menschen ist laut Koran so als ob man die gesamte Menschheit ausgelöscht hätte

In Zeiten, wie den jetzigen bei denen Menschen erhöhter Terrorgefahr ausgesetzt sind muss die Sicherheitspolitik auch längerfristige und subtile Gefahren berücksichtigen.

Aussagen, die im Namen der Meinungs-und Pressefreiheit gefällt werden können einen gesellschaftlichen Flächenbrand auf muslimischer und nichtmuslimischer Seite auslösen.

Van Gogh, der Filmemacher, der diese Woche Opfer eines durchgedrehten Muslims wurde, müsste nicht tot sein , wenn die Behörden und Presseräte Beleidigungen und Filmbeiträge, die so sehr die Ehre und das Ansehen einer grossen Minderheit ankratzen, unter Vorbehalt oder vielleicht gar nicht veröffentlichen lassen würden.

Die Aufklärung auf beiden Seiten muss so weit gehen, dass Menschen mit einem europäischen Wertehintergrund auch darüber aufgeklärt werden müssen, dass man nicht aus Kosten der Freiheit, Leben und Ehre anderer Menschen seine eigenen Werte verteidigen darf.

Jegliche gesellschaftliche Diskussion muss die Würde des Anderen unangetastet lassen.

Ein fanatischer Muslim wird nie zu kontrollieren sein, denn die Entschlossenheit eines emotional gedemütigten Menschen gegen seine Demütigung vorzugehen sollte und darf in Zukunft nicht unterschätzt werden.

Es ist traurig, dass es soweit kommen musste bis beide Seiten aufwachen und hoffentliche die richtigen Schlüsse aus diesem Vorfall ziehen.

Der europäische Westen ist es gewohnt, dass Ehrverletzung und Demütigung bislang immer nur im Rahmen einer individuell motivierten Tat gerächt wurden. Man vergisst dabei aber , dass besonders in der Diaspora- und Minderheitensituation die Menschen und besonders die Muslime ihre Identität und Ehre als gemeinschaftliches Anliegen betrachten und die Extremisten bereit sind diese notfalls mit Gewalt zu verteidigen.

Bei einer starken emotionalen Demütigung wird selbst der normal tickende Muslim zu einem Radikalen, wenn er dazu neigt.

Gott behüte uns vor weiteren Vorfällen dieser Art, denn sonst wird es nicht lange dauern bis Muslime öffentlich körperlich angegriffen und ihre Gotteshäuser in Brand gesetzt werden.

Van Gogh ist für mich kein Held , denn er hat durch eine unklug geführte öffentliche Diskussion sich selbst und viele andere Menschen in Zukunft in Gefahr gebracht.
Auch wenn ich dafür bin, dass eine gesellschaftliche Sensiblisierung und speziell der Muslime erreicht werden muss damit dieses Thema der Frauenunterdückung in unseren Kreisen kein Tabu mehr ist, glaube ich nicht, dass eine Van Gogh oder eine Alice Schwarzer diese Diskussion vernünftig führen können, da sie die Leute nicht ansprechen, die es betrifft , ohne sie zu beleidigen bzw. zu kriminalisieren.

Diese innermuslimische Diskussion ist zu sensibel , um damit Unfug zu treiben. Dieses sollte den Behörden ein ernsthaftes Anliegen bei der Planung ihrer Sicherheitspolitik sein.

gefunden hier: http://www.islam.de/?site=articles&archive=leserbriefe&article_number=2290

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Es ist sicher nicht verkehrt, in den Spiegel zu schauen. Aber bitte nicht nur.

Grüsse, Andreas

Re: Die neue Spiegelin

Andreas d.a., Tuesday, 16.11.2004, 22:37 (vor 7751 Tagen) @ Andreas d.a.

Als Antwort auf: Re: Die neue Spiegelin von Andreas d.a. am 16. November 2004 20:28:07:

Interessant ist auch dieser Artikel aus der NZZ:

http://www.nzz.ch/2004/11/12/al/page-article9ZDTC.html

Das sprengt jetzt aber schon wieder den Forenrahmen. - Verflixt, Susu - wieso?! ;-)

Re: Die neue Spiegelin

Leser, Tuesday, 16.11.2004, 23:01 (vor 7751 Tagen) @ Andreas d.a.

Als Antwort auf: Re: Die neue Spiegelin von Andreas d.a. am 16. November 2004 20:28:07:

Dieses sollte den Behörden ein ernsthaftes Anliegen bei der Planung >ihrer Sicherheitspolitik sein.

Wenn ich als (mal angenommen) Christ in ein muslimisches Land gehe, und mich über die muslimische Bevölkerung dort lustig mache, mir meine Familie nachhole und ansonsten mein eigenes Ding mache, würd hier kein Verständnis haben. Das ich mich da als Ausländer anpasse, wäre grundverständlich.

Umgekehrt können die Muslimen und Araber usw hier ganze Strassenzüge besetzen und abriegeln , alles verkommen lassen und die Leute terorrisieren und es soll sich keiner aufregen? mit welchem Recht? kein Wunder das den Niederländern der Kragen platzt, die lassen sich eben noch nicht alles gefallen.

Re: Die neue Spiegelin

Andreas d.a., Tuesday, 16.11.2004, 23:45 (vor 7751 Tagen) @ Leser

Als Antwort auf: Re: Die neue Spiegelin von Leser am 16. November 2004 21:01:02:

Wenn ich als (mal angenommen) Christ in ein muslimisches Land gehe, und mich über die muslimische Bevölkerung dort lustig mache, mir meine Familie nachhole und ansonsten mein eigenes Ding mache, würd hier kein Verständnis haben. Das ich mich da als Ausländer anpasse, wäre grundverständlich.
[quote]Umgekehrt können die Muslimen und Araber usw hier ganze Strassenzüge besetzen und abriegeln , alles verkommen lassen und die Leute terorrisieren und es soll sich keiner aufregen? mit welchem Recht? kein Wunder das den Niederländern der Kragen platzt, die lassen sich eben noch nicht alles gefallen.
[/quote]

Ähm - falls das als Antwort an mich gedacht war, wollte ich nur nochmal feststellen, dass es mir nicht darum geht, alles zu tolerieren, sondern nur um eine umfassendere Information. Auch der Spiegel neigt bisweilen dazu, Sachverhalte zu skandalisieren, indem aus leider realen Fällen eine Aussage mit Anspruch auf Allgemeingültigkeit gemacht wird. Das verstellt aber - wie auch schon bei verschiedenen Geschlechterthemen - einen relativierteren Blick auf die Lage, was einem konkreten Angehen der Probleme letztendlich vermutlich weniger dienlich sein dürfte.

Das Thema Frauen im Islam (was hier nur der Kürze halber als homogenes Feld bezeichnet werden soll) ist sicher kein Unproblematisches; diese Fälle, die da kritisiert werden, gibt es ganz ohne Frage. Andererseits muss man sich auch vor Augen halten, wo diese Debatte geführt wird. Für eine überzeugte Radikalfeministin muss dieses Thema ein Geschenk des Himmels sein: Sogar hier in Deutschland? Ausgezeichnet! Schrecklich! Die Möglichkeit, dieses Problem so zu instrumentalisieren, sollte uns zumindest skeptisch stimmen. Damit meine ich nicht, die Augen verschliessen, ebensowenig wie ich unterstellen möchte, an einem gewissen Islambild sei nur etwa Feministinnen gelegen. Es ist aber nunmal auch nicht zu leugnen, dass über nichts so gut wie über die Frauenfrage polarisiert werden kann und wird.

Dabei werden andere interessante, die Lage vielleicht etwas erhellende Parallelen weniger beachtet: Beim Zappen durch verschiedene Programme sah ich (dadurch) z.B. zwei Berichte hintereinander. Im ersten ging es um zunehmende (Rechts-)Radikalisierung junger deutscher Männer, in einem weiteren um die von Jugendlichen mit muslimischem Background. Streetworker, die zur Sprache kamen, maßen solchen Sachen wie Perspektivlosigkeit, geringere Chancen bzgl. eines Ausbildungsplatzes, auch unklare rechtliche Situationen etc. große Bedeutung bei. Ich fand die Parallelen interessant: Im einfachsten Fall kann man das hier in den Foren nachweisen, dass eine männerdiskriminierende Politik von links zum Teil dem Ganzen einen rechten Zug verleiht.

Also - wenn diskriminierende oder entmutigende Politik auf völlig unterschiedlichen Seiten stehende Gruppen dazu bringt, sich zu radikalisieren, und sich dabei bestimmte Ursachen zu wiederholen scheinen, dann würde ich mir Gedanken um die Ursachen machen. - Wo sich jetzt die Politik - und mit ihr ein Grossteil der Presse - als inkompetent erweist, diese Aufgabe zu leisten, versucht sie die Menschen statt dessen auszugrenzen, z.B. in Form von Definitionen von Gruppen. Dann konstatieren Politikerinnen und Politiker einen bedrohlichen Zuwachs an jungen Männern in der rechtsradikalen Szene und fragen sich kaum, wieso. (Liegt das bei denen auch an der mangelnden Kenntnis der deutschen Sprache?) Wichtiger erscheint zuerst das Verbot - natürlich notwendig! Aber die Ursachen werden damit natürlich nicht angegangen, und die Grenze zwischen In- und Out-Group wird immer stärker gezogen (werden müssen).

Re: Die neue Spiegelin

Eugen Prinz, Wednesday, 17.11.2004, 00:18 (vor 7751 Tagen) @ Frank

Als Antwort auf: Re: Die neue Spiegelin von Frank am 16. November 2004 19:03:29:

Hallo Frank,

...als Maskulist braucht einem kein Zacken aus der Krone zu fallen, wenn man zugibt, dass die richtig altmodischen türkischen Männer ihre Frauen hierzulande ziemlich mies behandeln. Hier ist sogar der so inflationär und oft zu Unrecht gebrauchte Begriff "Patriarchat" nicht einmal fehl am Platze.

Ich weiß nicht, ob das so stimmt "dass die richtig altmodischen türkischen Männer ihre Frauen hierzulande ziemlich mies behandeln". Nach meiner Kenntnis (Wand an Wand mit ihnen gewohnt) gibt es in türkischen Familien ein anderes, womöglich besser funktionierendes Rollenverständnis, als bei uns. Ich hätte nicht mal was gegen ein vernünftiges(!) Patriarchat. Derzeit haben wir bei uns ein Matriarchat, und die "Matris" bauen jedenfalls ziemlich viel Scheiße.

...tolerieren deutsche Behörden sogar die Vielweiberei einiger muslimischer Männer, obwohl die ja zutiefst Frauen verachtend ist.

Seit wann interessiert uns, ob eine Angelegenheit Frauen verachtend ist? Vor allem finde ich, dass der gesetzliche Zwang zur Monogamie hierzulande Männer verachtend ist ;-)

Und wieso - ehrlich gefragt - ist die Vielweiberei Frauen verachtend? Ich habe die Bekundungen afrikanischer Frauen im Ohr, interviewt von einer westlichen Reporterin, als sie darauf angesprochen wurden. "Wir? Unterdrückt? Wie stellen Sie sich das vor? Wir sind vier und er ist nur Einer. Hahaha."

Und ein ganz wichtiger Punkt - wenn wir uns hier schon über die Türken und die "Töchter Allahs" Gedanken machen: Wir sprechen ja von Leuten die - höflich gesagt - mit elementarsten Motiven nach Deutschland gekommen sind. Eine fortschrittliche gesellschaftliche Einstellung gehört sicher nicht dazu. Es ist sicher auch ein Schichtenproblem. Diese Leute leben traditionell. Wir können doch nicht einerseits den Islam tolerieren und gleichzeit die "Vielweiberei" verurteilen.

Die Vielweiberei ist eine elementare Freiheit (des Mannes, gewiss...) Die Monogamie ist jedenfalls ein Zwang unserer christlich-matriarchalen Gesellschaftsordnung.

Persönlich bevorzuge ich bekanntlich die Zerogamie ;-)

Eugen

Re: Die neue Spiegelin

Andreas d.a., Wednesday, 17.11.2004, 00:44 (vor 7751 Tagen) @ Eugen Prinz

Als Antwort auf: Re: Die neue Spiegelin von Eugen Prinz am 16. November 2004 22:18:42:

Die Monogamie ist jedenfalls ein Zwang unserer christlich-matriarchalen Gesellschaftsordnung.

Also ich weiss bei Dir nicht immer, wenn Du scherzt, aber dass es auch sowas wie einen Wunsch nach Monogamie geben kann, hälst Du schon für möglich, ne?

Re: Die neue Spiegelin

Eugen Prinz, Wednesday, 17.11.2004, 01:00 (vor 7751 Tagen) @ Andreas d.a.

Als Antwort auf: Re: Die neue Spiegelin von Andreas d.a. am 16. November 2004 22:44:59:

>Die Monogamie ist jedenfalls ein Zwang unserer christlich-matriarchalen Gesellschaftsordnung.
Also ich weiss bei Dir nicht immer, wenn Du scherzt, aber dass es auch sowas wie einen Wunsch nach Monogamie geben kann, hälst Du schon für möglich, ne?

Aber das ist doch überhaupt kein Widerspruch. Wenn zwei Leute einander genug sind - wer hätte dagegen etwas einzuwenden? Ich jedenfalls nicht.

Es funktioniert nur in die andere Richtung nicht. Das Problem ist die real existierende gesetzliche Vorschrift: Der Mann (de facot nur er) darf sich bei uns mit einer seriellen Abfolge von Ehen nach und nach ruinieren. Aber er darf nicht zugleich mit zwei Frauen verheiratet sein, selbst wenn er sich das leisten könnte.

Das muss eine Irre erfunden haben, oder eine ganz Durchtriebene.

meint Eugen, todernst ;-)

Re: Die neue Spiegelin

Frank, Wednesday, 17.11.2004, 18:19 (vor 7750 Tagen) @ Eugen Prinz

Als Antwort auf: Re: Die neue Spiegelin von Eugen Prinz am 16. November 2004 22:18:42:

Hallo Eugen,

Ich weiß nicht, ob das so stimmt "dass die richtig altmodischen türkischen Männer ihre Frauen hierzulande ziemlich mies behandeln". Nach meiner Kenntnis (Wand an Wand mit ihnen gewohnt) gibt es in türkischen Familien ein anderes, womöglich besser funktionierendes Rollenverständnis, als bei uns. Ich hätte nicht mal was gegen ein vernünftiges(!) Patriarchat. Derzeit haben wir bei uns ein Matriarchat, und die "Matris" bauen jedenfalls ziemlich viel Scheiße.

Ich weiß nicht, ob du deine Erfahrung so verallgemeinern kannst. Obwohl ich nach der Lektüre des "Spiegel"-Artikels immer noch nicht weiß, ob die brutalen türkischen Ehemänner nun eine verschwindende Minderheit oder die Mehrheit sind, glaube ich doch, dass viele Frauen bei denen nicht unbedingt viel zu lachen haben.
Trotzdem ist auch mir ein funktionierendes Rollenverständnis mit klar unterscheidbaren Geschlechterrollen tausendmal lieber als die Verhältnisse bei uns, wo man die Frauen in ihrer maskulinen Einheitsaufmachung kaum noch von den Männern unterscheiden kann. Extrem traurig, das Ganze.

Seit wann interessiert uns, ob eine Angelegenheit Frauen verachtend ist?

So ganz egal sollte uns das auch nicht sein. Schließlich gibt es auch ein paar vernünftige Frauen, bei denen es schade wäre, wenn Mann sie zu mies behandelt. Was du nicht willst, was man dir tu, das füg' auch keinem andern zu.

Vor allem finde ich, dass der gesetzliche Zwang zur Monogamie hierzulande Männer verachtend ist ;-)

Und wieso - ehrlich gefragt - ist die Vielweiberei Frauen verachtend? Ich habe die Bekundungen afrikanischer Frauen im Ohr, interviewt von einer westlichen Reporterin, als sie darauf angesprochen wurden. "Wir? Unterdrückt? Wie stellen Sie sich das vor? Wir sind vier und er ist nur Einer. Hahaha."

Interessanter Aspekt. Aus der Sicht kann man das auch sehen ;-)

Die Vielweiberei ist eine elementare Freiheit (des Mannes, gewiss...) Die Monogamie ist jedenfalls ein Zwang unserer christlich-matriarchalen Gesellschaftsordnung.
Persönlich bevorzuge ich bekanntlich die Zerogamie ;-)

Da gehe ich mit dir völlig chloroform.

Könnte bei unseren Nöl- und Jammerfeministinnen einen Lernprozeß auslösen

Achilles, Wednesday, 17.11.2004, 22:00 (vor 7750 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: Re: Die neue Spiegelin von Arne Hoffmann am 15. November 2004 21:45:15:

Der Artikel hat vor allem eines für sich: er zeigt unseren Nöl- und Jammerfeministinnen, was es heißt, als Frau unter der Herrschaft eines wirklichen Patriarchats leben zu müssen.

Allerdings sollte man realistischerweise davon ausgehen, dass sie diese Chance, ein wenig dazuzulernen, nicht nutzen werden, und dass sie sich auch in Zukunft als ein brutal gedemütigtes und geknechtetes Opfer des Patriarchats gerieren, wenn sie nur irgendwo ein Zeitschriftentitelbild sehen, das ihnen nicht passt. Als eingebildetes Opfer lebt es sich halt bequemer.

Re: Die neue Spiegelin

Eugen Prinz, Thursday, 18.11.2004, 01:34 (vor 7750 Tagen) @ Frank

Als Antwort auf: Re: Die neue Spiegelin von Frank am 17. November 2004 16:19:44:

Hallo Frank,

Ich weiß nicht, ob du deine Erfahrung so verallgemeinern kannst. Obwohl ich nach der Lektüre des "Spiegel"-Artikels immer noch nicht weiß, ob die brutalen türkischen Ehemänner nun eine verschwindende Minderheit oder die Mehrheit sind, glaube ich doch, dass viele Frauen bei denen nicht unbedingt viel zu lachen haben.

Nein, verallgemeinern kann ich meine Beobachtungen sicher nicht. Dazu kenne ich die Verhältnisse nun doch nicht gut genug. Aber da bleibt halt immer der Verdacht, dass solche Zustände bei uns ganz gerne von interessierter Seite instrumentalisiert werden. Wenn einer Feministin hier das Mieder zwickt, dann ist sie gleich mit zeitlich-räumlichen Exkursen zur Hand, mit Beschneidungen in Hinterägytistan oder mit Hexenvebrennungen im Mittelalter.

>Seit wann interessiert uns, ob eine Angelegenheit Frauen verachtend ist?
So ganz egal sollte uns das auch nicht sein. Schließlich gibt es auch ein paar vernünftige Frauen, bei denen es schade wäre, wenn Mann sie zu mies behandelt. Was du nicht willst, was man dir tu, das füg' auch keinem andern zu.

Das war natürlich von mir wieder mal etwas polemisch und ich stimme dir natürlich zu. Ich möchte ebenfalls weder Männer noch Frauen schlecht behandelt sehen.

Dir einen schönen Gruß,
Eugen

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