Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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3sat - politisch korrekt zum Thema häusliche Gewalt

Max, Sunday, 14.11.2004, 22:15 (vor 7753 Tagen)

Hallo Leute,

gerade eben bei 3sat gesehen: Eine Reportage zum Thema der häuslichen Gewalt.
Wenn ich das richtig behalten habe, dann wurde die Polizei für das Gebiet Basel-Land ca. 240 mal im laufenden Jahr von geschlagenen oder bedrohten Frauen zur Hilfe gerufen, etwa 40 mal von Männern, die von ihren Partnerinnen bedroht oder geschlagen worden waren.

Natürlich wurde wieder einmal nicht erwähnt, daß es für Männer, wahrscheinlich kulturell bedingt, ungleich schwerer ist, sich zu einem Hilferuf zu entschliessen. Es geht also um die berühmte Dunkelziffer - und die dürfte nach meinem Dafürhalten bei männlichen Opfern weiblicher Gewalt um ein Vielfaches höher liegen als beim anderen Geschlecht. Wenn also 40 Fälle amtlich dokumentiert sind, dann dürfen wir wohl getrost davon ausgehen, daß die Realität mindestens doppelt so viele Fälle kennt.

Selbstverständlich ging es auch wieder um Therapien, die männliche Täter durchlaufen sollten, um den Punkt zu erkennen, an dem sie ihre Grenzen erreichen und an dem sie sich vom Streitort entfernen sollen, ehe es zur gewalttätigen Eskalation kommt. Sicherlich ist es richtig, daß jemand, der schlägt, auch die Verantwortung dafür zu tragen hat und daß es letztendlich weise ist, sich zurückzuziehen, bevor es richtig hässlich wird.
Aber: Es kotzt mich unendlich an, daß diese Therapien immer nur dem Schläger gelten und nie dem Geschlagenen (wobei ich in beiden Fällen natürlich Frauen mit einschliesse). Auch das potentielle Opfer physischer Gewalt könnte oftmals deeskalierende Maßnahmen erlernen.
Eine Frau z.B., die trotz mehrmaliger inständiger Bitten, ihre Verbalprovokationen einzustellen, immer weiter mault, nörgelt, droht und schimpft und die sich dann letzlich eine "einfängt", die hat meiner Meinung nach ordentlich zur Eskalation beigetragen und sollte in eine Therapie unbedingt mit einbezogen werden.

In der Sendung auf 3sat aber ging es wieder mal nur um die Therapien, die Männer zu durchlaufen haben, um nicht zu Schlägern zu werden. Opferverhalten war selbstverständlich kein Thema. So wird das nie was!

Sachkundig - Max

Ganz genau

pit b., Sunday, 14.11.2004, 22:38 (vor 7753 Tagen) @ Max

Als Antwort auf: 3sat - politisch korrekt zum Thema häusliche Gewalt von Max am 14. November 2004 20:15:49:

<Aber: Es kotzt mich unendlich an, daß diese Therapien immer nur dem Schläger gelten und nie dem Geschlagenen (wobei ich in beiden Fällen natürlich Frauen mit einschliesse). Auch das potentielle Opfer physischer Gewalt könnte oftmals deeskalierende Maßnahmen erlernen.
[quote]Eine Frau z.B., die trotz mehrmaliger inständiger Bitten, ihre Verbalprovokationen einzustellen, immer weiter mault, nörgelt, droht und schimpft und die sich dann letzlich eine "einfängt", die hat meiner Meinung nach ordentlich zur Eskalation beigetragen und sollte in eine Therapie unbedingt mit einbezogen werden.
[/quote]

Ganz Genau, das ist der Punkt.
Immer ist die Rede von den abgefakten Frauenschlägern.
Den Brutalos die die armen wehrlosen Frauen verprügeln und verdreschen.
Inwiefern sie aber von diesen Frauen vorher provoziert und gereizt werden,
danach fragt keiner. Und Frauen können das sehr gut (hab ne Schwester!),
gerade weil sie auch von dem Gewaltschutzgezetz geschützt werden, wissen
sie dass der Mann die Konsequenzen zu tragen hat wenn ihm die Hand
ausrutscht. Da sitzt die Zunge etwas lockerer.

Wann lernt die Gesellschaft das auch Frauen für ihr Handeln selber
verantwortlich sind?

Re: 3sat - politisch korrekt zum Thema häusliche Gewalt

Friedwilli, Monday, 15.11.2004, 15:50 (vor 7752 Tagen) @ Max

Als Antwort auf: 3sat - politisch korrekt zum Thema häusliche Gewalt von Max am 14. November 2004 20:15:49:

Hallo Leute,
gerade eben bei 3sat gesehen: Eine Reportage zum Thema der häuslichen Gewalt.
Wenn ich das richtig behalten habe, dann wurde die Polizei für das Gebiet Basel-Land ca. 240 mal im laufenden Jahr von geschlagenen oder bedrohten Frauen zur Hilfe gerufen, etwa 40 mal von Männern, die von ihren Partnerinnen bedroht oder geschlagen worden waren.
Natürlich wurde wieder einmal nicht erwähnt, daß es für Männer, wahrscheinlich kulturell bedingt, ungleich schwerer ist, sich zu einem Hilferuf zu entschliessen. Es geht also um die berühmte Dunkelziffer - und die dürfte nach meinem Dafürhalten bei männlichen Opfern weiblicher Gewalt um ein Vielfaches höher liegen als beim anderen Geschlecht. Wenn also 40 Fälle amtlich dokumentiert sind, dann dürfen wir wohl getrost davon ausgehen, daß die Realität mindestens doppelt so viele Fälle kennt.
Selbstverständlich ging es auch wieder um Therapien, die männliche Täter durchlaufen sollten, um den Punkt zu erkennen, an dem sie ihre Grenzen erreichen und an dem sie sich vom Streitort entfernen sollen, ehe es zur gewalttätigen Eskalation kommt. Sicherlich ist es richtig, daß jemand, der schlägt, auch die Verantwortung dafür zu tragen hat und daß es letztendlich weise ist, sich zurückzuziehen, bevor es richtig hässlich wird.
Aber: Es kotzt mich unendlich an, daß diese Therapien immer nur dem Schläger gelten und nie dem Geschlagenen (wobei ich in beiden Fällen natürlich Frauen mit einschliesse). Auch das potentielle Opfer physischer Gewalt könnte oftmals deeskalierende Maßnahmen erlernen.
Eine Frau z.B., die trotz mehrmaliger inständiger Bitten, ihre Verbalprovokationen einzustellen, immer weiter mault, nörgelt, droht und schimpft und die sich dann letzlich eine "einfängt", die hat meiner Meinung nach ordentlich zur Eskalation beigetragen und sollte in eine Therapie unbedingt mit einbezogen werden.
In der Sendung auf 3sat aber ging es wieder mal nur um die Therapien, die Männer zu durchlaufen haben, um nicht zu Schlägern zu werden. Opferverhalten war selbstverständlich kein Thema. So wird das nie was!
Sachkundig - Max

Und dann war da noch der Satz der Psychologin. Bei den Männern gehen sie nicht auf die selbst erlebte Gewalt ein, da sonst die Gefahr besteht, daß diese als Entschuldigung für Ihr Verhalten herhalten muß. Bei weiblicher Gewalt werden eigene Opfererfahrungen ständig mit einbezogen bzw. nach Erklärungen gesucht.
Sachverständiger - Friedwilli

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