Re: "Ich will doch nur spielen."
Als Antwort auf: "Ich will doch nur spielen." von Sven am 13. November 2004 09:22:35:
Ich hab das Album ein paarmal durchgehört und ich glaube, ich weiß was Du zum Ausdruck bringen willst.
Die niedliche kleine Stimme des blonden Engelchens säuselt im Grunde nichts anderes heraus als die übliche Haltung eines Prinzeßchens, dem wahrscheinlich von Kleinkindesbeinen an Zucker in den Arsch geblasen worden ist. Und nun bewegt sie sich in einer (haha) Männerwelt wie eine verwöhnte Millionärsgöre im Einkaufszentrum.
Selbst will sie nur herumspielen, tut ein Mann dasselbe, wird er ein paar Songs weiter als Blender tituliert. Immerhin räumt sie in "Das Spiel" freiwillig das Feld, weil sie keine Gefühle verletzen will. Soso.
In einem anderen Song zahlt ein Typ ihre Miete und sie ist untreu und haltlos und lebt auf Kredit. Aber aufhören kann sie nicht. Wozu auch, Kerle richtens doch immer. Man sieht förmlich vor sich, wie sie im strategisch angelegten Miniröckchen vor dem Schreibtisch des Kreditsachbearbeiters den Saum nach unten zupft.
Das Kätzchen lebt sowieso, wie es will und immer auf andere Kosten. Nee, ist klar. Für Frauen natürlich und erstrebenswert.
Dass sie tausend Herzen bricht, ist natürlich "Daddys" Schuld, schöne Kerle sind blöd, sobald sie den Mund aufmachen, taugen aber immerhin noch als zeitweiser Schmuck und Bettgefährte und manchmal muss Frau einfach einen ganzen Tag vertrödeln. So ist das in der Prinzeßchenwelt. Völlig normal auch, dass der Kerl die Feier auszurichten, den Ring zu besorgen, Nest zu bauen, Kind zu zeugen und das Leben zu sichern hat. Aber nur heute, wohlgemerkt, morgen vielleicht schon nicht mehr. Ach ja.
Das Liebeslied und "Das Gefühl" sind herausragend.
Annettchen hat eine noch etwas angestrengte Stimme ohne Kraft, aber die Technik gleicht das aus. Die Arrangements sind so sauber, dass ich sie einer Schrammelgitarre nicht so recht zutrauen mag und auch die Texte schreibt ein Mann. Wenn sie nicht den Fehler macht, sich von dieser Unterstützung abzuschneiden, wird sie sicher eine kleine Sängerkarriere hinlegen.
Die Lieder sind fein gedrechselt und eben diese Feinheiten legen den Verdacht sehr nahe, dass hier wirklich eigene Erfahrungen verarbeitet und beschrieben wurden. Handwerklich recht gut und vor allem melodiös einprägsam sind alle Songs, nur das Lied "Der Blender" sticht negativ heraus mit der wütend zerhackten Unmelodie eines Endlosprotestsongs der Friedensbewegung. Nichts als zusammengestotterte Schuldzuweisung. Mérde.
Ich bin gespannt, ob sie sich als deutschen Abklatsch von Sophie Zelmani vermarkten lässt oder nach der zweiten, rasch zusammengeschusterten CD in der Versenkung ihres Kunststudiums verschwindet. Wahrscheinlicher ist aber, dass irgend ein reicher Kinderschänder schon in der Garderobe wartet.
Schade eigentlich. Sie singt wirklich nicht schlecht. Und ich mag Frauen, die es wagen, Scheiße zu sagen.
Aber ein paar Gitarrengriffe und ein nettes Stimmchen machen noch keine Sängerin. Und auch, wenn ihr wahrscheinlich schon früh die Pille verschrieben wurde, sie ist noch lange keine Frau.
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- "Ich will doch nur spielen." -
Sven,
13.11.2004, 11:22
- Re: "Ich will doch nur spielen." - michail, 13.11.2004, 13:22
- Re: "Ich will doch nur spielen." -
Jeremin,
14.11.2004, 13:48
- Re: "Ich will doch nur spielen." - Sven, 14.11.2004, 20:37