"Ich will doch nur spielen."
Sanfte Tiefschläge gegen die Männer: Annett Louisan
Annettchens liederliche Lieder
12. November 2004
Wann immer von Annett Louisan die Rede ist, und das ist in letzter Zeit
öfter der Fall, fällt das kleine Wörtchen süß. Und süß ist in der Tat,
was die fünfundzwanzigjährige Kunststudentin aus Hamburg mit ihrem
Debüt Bohème abgeliefert hat. Die Frage ist nur: lecker oder klebrig?
Es sind deutsche Chansons, sparsam instrumentalisiert mit Gitarre,
Kontrabaß, Streichern, auch Piano oder Mandoline. Entspannter
Boulevardjazz, ein bißchen Pop vielleicht. Annett singt mit zarter
Kleinmädchenstimme, ganz sanft, ganz nah am Ohr ihrer Zuhörer. Sie
wispert, zwitschert, haucht. Stimmgewaltig ist sie nicht. Und bahnbrechend
innovativ klingt der Sound ihres Albums auch nicht. Aber da ist etwas,
das Bohème trotzdem zum Erlebnis macht: die frivol-ironischen Texte, die
offenbar aus Annetts Erfahrungsschatz stammen und von Frank Ramond in
Reime gegossen wurden.
Sie will nur spielen
Die Single: "Das Spiel"
Daß du nicht mehr bist, was du einmal warst, seit du dich für mich
ausgezogen hast / Daß du alles schmeißt wegen einer Nacht und alles
verlierst, war so nicht gedacht, trällert sie tückisch-harmlos in Das
Spiel. Der Kontrast zwischen unaufgeregter Elfenstimme und gar nicht
elfenhaften Texten macht den Reiz von Bohème aus. Annett spielt die
liebe Lolita, um im nächsten Augenblick der Männerwelt zuckersüß verpackte
Tiefschläge zu verpassen.
Ich steh' nur so rum, tu so dies und das, fahr' mir durch das Haar und
schon willst du was. Oder in Die Dinge: Ich brauch' sehr viel Nähe und
die möglichst komplett, mit dir kann man gut reden, aber er ist gut im
Bett. Es sind liederliche Lieder, die Annettchen singt, von den kleinen
und großen Dramen zwischen Mann und Frau. Und der - auch das noch - blonde
Engel räumt dabei mit so manchen Vorurteilen auf. Das hat man so noch
nicht gehört. Also: lecker-süß.
Annett Louisan, Bohème. 105 Music 518837 (Sony)
Quelle: http://www.faz.net/s/RubE219BC35AB30426197C224F193F54B1B/
Doc~E9AB9F4A106EB47728686F48C473A47B2~ATpl~Ecommon~Scontent.html
Der Songtext:
das spiel
daß du nicht mehr bist
was du einmal warst
seit du dich für mich
ausgezogen hast
daß du alles schmeißt
wegen einer Nacht
und alles verlierst
war so nicht gedacht
du willst mich für dich
und du willst mich ganz
doch auf dem Niveau
machts mir keinen Spaß
das füllt mich nicht aus
ich fühl mich zu haus
nur zwischen den Stühlen
ich will doch nur spielen
ich tu doch nichts
daß du wegen mir
irgendwen verläßt
daß du manchmal weinst
weil es dich verletzt
daß es immer mal
jemand andren gibt
der sich hier und da in mein leben
schiebt
daß du dich verliebst
weil dus mit mir tust
daß es dich so trifft
hab ich nicht gewußt
es war nie geplant
daß du dich jetzt fühlst
wie einer von vielen
ich will doch nur spielen
ich tu doch nichts
daß du nicht mehr schläfst
weil es dich erregt
wenn ich mich beweg
wie ich mich beweg
daß du fast verbrennst
unter meiner Hand
wenn ich dich berühr
hab ich nicht geahnt
ich steh nur so rum
tu so dies und das
fahr mir durch das Haar und schon
willst du was
laß mal lieber sein
hab zuviel Respekt
vor deinen Gefühlen
ich will doch nur spielen
ich tu doch nichts
Re: "Ich will doch nur spielen."
Als Antwort auf: "Ich will doch nur spielen." von Sven am 13. November 2004 09:22:35:
Was ist denn da süß und was hat das mit Männern zu tun?
Ein bemitleidenswerter Versuch zur Rettung des eigenen Selbstwertgefühls. Von einem Weibchen, das sich allabendlich selbst kitzelt um ein beglückendes Gefühl zu bekommen und dabei verzweifelt phantasiert, Männer schmälzten nur so dahin, wenn es seine wabbeligen Orangenhäute selbst streichelt? Igitt!
Die sollte mal bei mir vorsingen.
Re: "Ich will doch nur spielen."
Als Antwort auf: "Ich will doch nur spielen." von Sven am 13. November 2004 09:22:35:
Ich hab das Album ein paarmal durchgehört und ich glaube, ich weiß was Du zum Ausdruck bringen willst.
Die niedliche kleine Stimme des blonden Engelchens säuselt im Grunde nichts anderes heraus als die übliche Haltung eines Prinzeßchens, dem wahrscheinlich von Kleinkindesbeinen an Zucker in den Arsch geblasen worden ist. Und nun bewegt sie sich in einer (haha) Männerwelt wie eine verwöhnte Millionärsgöre im Einkaufszentrum.
Selbst will sie nur herumspielen, tut ein Mann dasselbe, wird er ein paar Songs weiter als Blender tituliert. Immerhin räumt sie in "Das Spiel" freiwillig das Feld, weil sie keine Gefühle verletzen will. Soso.
In einem anderen Song zahlt ein Typ ihre Miete und sie ist untreu und haltlos und lebt auf Kredit. Aber aufhören kann sie nicht. Wozu auch, Kerle richtens doch immer. Man sieht förmlich vor sich, wie sie im strategisch angelegten Miniröckchen vor dem Schreibtisch des Kreditsachbearbeiters den Saum nach unten zupft.
Das Kätzchen lebt sowieso, wie es will und immer auf andere Kosten. Nee, ist klar. Für Frauen natürlich und erstrebenswert.
Dass sie tausend Herzen bricht, ist natürlich "Daddys" Schuld, schöne Kerle sind blöd, sobald sie den Mund aufmachen, taugen aber immerhin noch als zeitweiser Schmuck und Bettgefährte und manchmal muss Frau einfach einen ganzen Tag vertrödeln. So ist das in der Prinzeßchenwelt. Völlig normal auch, dass der Kerl die Feier auszurichten, den Ring zu besorgen, Nest zu bauen, Kind zu zeugen und das Leben zu sichern hat. Aber nur heute, wohlgemerkt, morgen vielleicht schon nicht mehr. Ach ja.
Das Liebeslied und "Das Gefühl" sind herausragend.
Annettchen hat eine noch etwas angestrengte Stimme ohne Kraft, aber die Technik gleicht das aus. Die Arrangements sind so sauber, dass ich sie einer Schrammelgitarre nicht so recht zutrauen mag und auch die Texte schreibt ein Mann. Wenn sie nicht den Fehler macht, sich von dieser Unterstützung abzuschneiden, wird sie sicher eine kleine Sängerkarriere hinlegen.
Die Lieder sind fein gedrechselt und eben diese Feinheiten legen den Verdacht sehr nahe, dass hier wirklich eigene Erfahrungen verarbeitet und beschrieben wurden. Handwerklich recht gut und vor allem melodiös einprägsam sind alle Songs, nur das Lied "Der Blender" sticht negativ heraus mit der wütend zerhackten Unmelodie eines Endlosprotestsongs der Friedensbewegung. Nichts als zusammengestotterte Schuldzuweisung. Mérde.
Ich bin gespannt, ob sie sich als deutschen Abklatsch von Sophie Zelmani vermarkten lässt oder nach der zweiten, rasch zusammengeschusterten CD in der Versenkung ihres Kunststudiums verschwindet. Wahrscheinlicher ist aber, dass irgend ein reicher Kinderschänder schon in der Garderobe wartet.
Schade eigentlich. Sie singt wirklich nicht schlecht. Und ich mag Frauen, die es wagen, Scheiße zu sagen.
Aber ein paar Gitarrengriffe und ein nettes Stimmchen machen noch keine Sängerin. Und auch, wenn ihr wahrscheinlich schon früh die Pille verschrieben wurde, sie ist noch lange keine Frau.
Re: "Ich will doch nur spielen."
Als Antwort auf: Re: "Ich will doch nur spielen." von Jeremin am 14. November 2004 11:48:33:
"Die niedliche kleine Stimme des blonden Engelchens säuselt im Grunde nichts anderes heraus als die übliche Haltung eines Prinzeßchens, dem wahrscheinlich von Kleinkindesbeinen an Zucker in den Arsch geblasen worden ist. Und nun bewegt sie sich in einer (haha) Männerwelt wie eine verwöhnte Millionärsgöre im Einkaufszentrum.
Selbst will sie nur herumspielen..."
Ich bin klein, mein Herz ist rein und ich bin nur ein kleines, unschuldiges Opferlein ...
Und dann gibts da die Männer, die blöd sind, nichts kapieren und das harmlose "Spiel" dieses kleinen Engelchens kaputtmachen ...
Männer sind halt Vollidioten, die nichts merken und auf die "Engelchen" dann auch noch Rücksicht nehmen muss.
So hätte man den Text auch singen können.
Es reimt sich nur nicht so schön.
Gruss,
Sven