Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Wehrpflicht am Ende

Odin, Tuesday, 09.11.2004, 20:23 (vor 7758 Tagen)

Die Wehrpflicht kippt wohl noch vor der nächsten Wahl, war heute in mehreren Zeitungen zu lesen.
Interview mit Ute Vogt: http://www.mysan.de/article25670.html

Die Grünen schlagen als Übergangslösung einen freiwilligen Kurzdienst vor:
http://www.welt.de/data/2004/11/09/357842.html

Auch immer mehr SPD-Politiker wollen die Wehrpflicht abschaffen:
http://de.news.yahoo.com/041106/12/4a7nz.html

Front gegen Wehrpflicht wird immer breiter:
http://www.svz.de/newsdw/DWPolitik/08.11.04/458420/458420.html

Volker Beck: Wehrpflicht ist verfassungsmäßig nicht mehr legitimiert:
http://morgenpost.berlin1.de/content/2004/11/07/politik/714601.html

Rot/Grün rückt allmählich von der Wehrpflicht ab:
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/politik/391729.html

Re: Wehrpflicht am Ende

XRay, Tuesday, 09.11.2004, 23:11 (vor 7758 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Wehrpflicht am Ende von Odin am 09. November 2004 18:23:26:

Dagegen aber:
----------
Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) hält dagegen unverändert an der Wehrpflicht fest. Der «Neuen Presse» vom Samstag sagte er: «Wer die Wehrpflicht abschaffen will, muss wissen, dass bis zu 60 weitere Standorte geschlossen werden müssen. Ich werde weiter für die Wehrpflicht kämpfen.» (nz)
--
Hingegen sagte Müntefering laut Teilnehmern vor der SPD-Fraktion: «Ich bin überzeugt, die Wehrpflicht ist ein zukunftsfähiges Prinzip.» Es müsse klar bleiben: «Die Sozialdemokratie steht zur Bundeswehr als einer der Demokratie verpflichteten Armee.» Struck lehnte den Vorschlag des Grünen-Koalitionspartners ab, als Alternative zur Wehrpflicht einen freiwilligen Kurzdienst von ein bis zwei Jahren für Männer und Frauen einzuführen. Von «so aufgeregten Vorschlägen» halte er nichts, sagte er bei einer Veranstaltung in Berlin.
--
Vogt, die auch Staatssekretärin im Bundesinnenministerium ist, sagte: «Die Älteren in der SPD hängen sehr emotional an der demokratischen Verankerung der Bundeswehr in der Gesellschaft durch die Wehrpflicht....Es gebe keine Rechtfertigung mehr dafür, einen kleinen Teil der wehrpflichtigen Männer eines Jahrgangs einzuziehen und damit in ihre persönlichen Freiheitsrechte einzugreifen. Oberste Priorität der Bundeswehr sei nicht mehr die Landesverteidigung. Diese sei aber die im Grundgesetz verankerte Grundlage für die Wehrpflicht...
Der Wehrdienst könne allerdings erst in der nächsten Legislaturperiode abgeschafft werden. «Wenn wir uns von der Wehrpflicht verabschieden, brauchen wir dafür eine lange Vorbereitung. Man kann das nicht zusammenzimmern.»

Die Wehrpflicht werde zwar kein Wahlkampfthema werden. Dennoch wäre eine Abschaffung «ein Argument mehr, die SPD zu wählen».
--

Wir fassen also zusammen:
Das Grundgesetz wird -nicht erst seit gesterm - verletzt, aber das
intressiert die SPD frühestens in der nächsten Legislaturperiode und
auch nur dann, wenn dadurch keine Bundeswehrstandorte geschlossen
werden müssen.. man andere Wege gefunden hat, wie man Soldaten anwirbt...
oder, oder...

Hinauszörgern scheint die Devise zu sein.. und irgendwann kommen dann
die geburtenschwächeren Jahrgänge und man kann sich dann vielleicht wieder
etwas von "Wehrgerechtigkeit" einreden...

Re: Wehrpflicht am Ende

Odin, Wednesday, 10.11.2004, 02:02 (vor 7758 Tagen) @ XRay

Als Antwort auf: Re: Wehrpflicht am Ende von XRay am 09. November 2004 21:11:20:

Du findest immer paar Gegenstimmen. Ich wette, die Wehrpflicht ist noch vor der nächsten Wahl weg.

Re: Wehrpflicht am Ende

Alex, Wednesday, 10.11.2004, 14:26 (vor 7757 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Re: Wehrpflicht am Ende von Odin am 10. November 2004 00:02:31:

Du findest immer paar Gegenstimmen. Ich wette, die Wehrpflicht ist noch >vor der nächsten Wahl weg.

Hallo!
Ist euch schon mal aufgefallen, wie das mit der Wehrgerichtigkeit ist? Ich lese immer wieder, es sei ungerecht, dass nur 10% der Jungen eingezogen werden... Ist doch seltsam, ich finde es nämlich viel ungerechter,dass nur 50% der Geschlechter eingezogen werden. Hm, traurig.

Darf ich mich hier eigentlich beschweren? Immerhin wurde ich im letzten Moment doch nicht eingezogen. Das war eine gemeine Geschichte: Ich hatte es zwar nicht akzeptiert, aber hatte schon damit gerechnet, dass ich zum Militär muss. Deswegen hab ich mich auch nicht weiter umgesehen nach einem Studienplatz. Irgendwann hab ich angerufen, wieso ich nichts vom KWEA höre. Sie wollten mich dann doch nicht haben und ich steh mit quasi gar nichts da.

Kann ich vielleicht irgendwo aktiv dafür kämpfen, dass diese Ungerechtigkeit abgeschafft wird?

An Arne: Ich weiß nicht, ob du mich noch kennst. Ich hab dir vor knapp 1 Jahren glaub ich von meiner Lehrerin geschrieben, die mich immer wieder angemault hab, wenn ich für Männerrechte eingetreten bin. Ich wollte dir nur sagen, dass ich seit knapp 2 Jahren das "Sind Frauen besser Menschen"-Buch habe, aber immer noch nicht durch bin. Mich macht es jedesmal so fertig wenn ich nur ein paar Seiten lese, dass ich es mir einfach nicht antun kann.

Das selbe gilt übrigens für dieses Forum. Ich war hier eine zeitlang täglich, aber ich irgendwie macht es mich so traurig, von diesen andauernden Ungerechtigkeiten zu lesen, die mich uU sogar selbst betreffen (wie eben die Wehrpflicht zB).

Gruß, Alex

Re: Wehrpflicht am Ende

hansol, Wednesday, 10.11.2004, 15:04 (vor 7757 Tagen) @ Alex

Als Antwort auf: Re: Wehrpflicht am Ende von Alex am 10. November 2004 12:26:53:

Ich wollte dir nur sagen, dass ich seit knapp 2 Jahren das "Sind Frauen besser Menschen"-Buch habe, aber immer noch nicht durch bin. Mich macht es jedesmal so fertig wenn ich nur ein paar Seiten lese, dass ich es mir einfach nicht antun kann.
Das selbe gilt übrigens für dieses Forum. Ich war hier eine zeitlang täglich, aber ich irgendwie macht es mich so traurig, von diesen andauernden Ungerechtigkeiten zu lesen, die mich uU sogar selbst betreffen (wie eben die Wehrpflicht zB).
Gruß, Alex

Seit Ewigkeiten versuche ich das Buch "Der gebrauchte Mann" von Karin Jäckel zu Ende zu lesen. Alle zehn Seiten brauche ich jeweils eine Woche "Erholungspause"!

Re: Wehrpflicht am Ende

Jörg Rupp, Wednesday, 10.11.2004, 15:18 (vor 7757 Tagen) @ Alex

Als Antwort auf: Re: Wehrpflicht am Ende von Alex am 10. November 2004 12:26:53:

Ist euch schon mal aufgefallen, wie das mit der Wehrgerichtigkeit ist? Ich lese immer wieder, es sei ungerecht, dass nur 10% der Jungen eingezogen werden... Ist doch seltsam, ich finde es nämlich viel ungerechter,dass nur 50% der Geschlechter eingezogen werden.

In allen ernsthaften Debatten und Beiträgen findet man zwischenzeitlich das, was du angeblich vermisst. Man sollte sich beit informieren, finde ich.

Hm, traurig.

Eben...und nur für Dich was von denen, die ja angeblich für die Wehrpflicht sind (Vorsicht, lang!)

Winfried Nachtwei, sicherheitspolitischer Sprecher
Krista Sager, Fraktionsvorsitzende
Ludger Volmer, außenpolitischer Sprecher
Alexander Bonde, Mitglied im Haushalts- und Verteidigungsausschuss
Marianne Tritz, Mitglied im Auswärtigen und Verteidigungsausschuss

Berlin, den 08.11.2004

Übergang zur Freiwilligenarmee zügig fortsetzen

Ein Beitrag zur Diskussion um die Rest-Wehrpflicht

1. Der Ausstieg aus der Wehrpflicht ist weit voran geschritten
Das Ende des Ost-West-Konflikts war gleichzeitig der Beginn des Abschieds von der Wehrpflicht. Viele
Bündnispartner haben angesichts neuer sicherheitspolitischer Herausforderungen die Wehrpflicht
ausgesetzt oder abgeschafft. Mit den Verteidigungspolitischen Richtlinien (VPR) ist nicht mehr die traditionelle
Landesverteidigung, sondern die Teilnahme an multinationaler Krisenbewältigung für die
Bundeswehr strukturbestimmend. Die Bundeswehr wurde signifikant verkleinert und der Wehrpflichtigenanteil
reduziert. Inzwischen leistet nur noch eine kleine Minderheit den obligatorischen Grundwehrdienst.
Durch die Personalreduzierungen der vergangenen 15 Jahre gibt es in Deutschland nur noch eine
Rest- oder „Pseudo-Wehrpflicht“ (Haltiner). 1989 waren noch 44% (218.000) der 490.000 Bundeswehrsoldaten
Wehrpflichtige, die 15 Monate Grundwehrdienst leisteten. In der neuen Zielstruktur von
maximal 250.000 militärischen Dienstposten sind nur noch bis zu 30.000 Stellen (12%) für Grundwehrdienstleistende
(GWDL) und bis zu 25.000 Stellen (10%) für freiwillig länger dienende Wehrdienstleistende
(FWDL, bis zu 23 Monate) vorgesehen. Diese Zielstruktur hat die Bundeswehr bereits
im nächsten Jahr beinahe erreicht. Bei einem 9-monatigen Wehrdienst können künftig jährlich maximal
40.000 Wehrpflichtige zum Grundwehrdienst und, bei Verpflichtungszeiten von ca. 21 Monaten,
14.000 zum freiwilligen Wehrdienst einberufen werden. Bei einer durchschnittlichen Jahrgangsstärke
von ca. 415.000 Männern, sind dies lediglich noch 13 Prozent aller Wehrpflichtigen.
In Deutschland sprechen sich inzwischen alle kleineren Parteien für ein Ende der Wehrpflicht aus.
Auch in SPD und Union mehren sich die Stimmen gegen die Wehrpflicht. In der rotgrünen Koalition ist
die Zukunft der Wehrpflicht von Anfang an ein offener Dissens. In der Koalitionsvereinbarung von
2002 wurde festgelegt, dass die Wehrform vor Ende der Legislaturperiode, also bis 2006 überprüft
werden soll.
2. Freiwilliger flexibler Kurzdienst
Eine wichtige Brücke von der Wehrpflicht zur Freiwilligenarmee ist die Einführung eines freiwilligen,
flexiblen und attraktiven Kurzdienstes von 12 bis 24 Monaten mit einer Probephase von sechs Monaten.
Er müsste auch Frauen offen stehen und nach solider Ausbildung einen Auslandseinsatz ermöglichen.
Die Einstiegsbesoldung sollte angehoben werden.
In dieser Zeit könnten sich Kurzdiener und Bundeswehr gegenseitig „erproben“. Der Kurzdienst würde
die FWDL sowie schrittweise die Grundwehrdienstleistenden ersetzen und damit auch die von ihnen
geleisteten Funktionen abdecken. Er würde den Adressatenkreis auf Frauen und jene jungen Männer
ausdehnen, die zwar von der Wehrpflicht befreit, dennoch aber an einem attraktiven Dienst in den
Streitkräften interessiert sind.
Die höhere Attraktivität und Effizienz des Kurzdienstes würde eine Reduzierung des Gesamtumfanges
der Streitkräfte erlauben. Die Weizsäcker-Kommission bestätigte in ihrem Bericht vom Mai 2000, dass
eine Freiwilligenarmee von 220.000 Zeit- und Berufssoldaten den sicherheitspolitischen Anforderungen
in vollem Umfang entspreche. Der Kurzdienst ermöglicht ein sanftes Umsteuern ohne abrupte
Brüche. Er muss in ein verbessertes Konzept der Nachwuchsgewinnung, Personalbetreuung und Be2
rufsförderung integriert sein. Die Umstellungen hierfür müssen zügig und unabhängig von der Entscheidung
in der Wehrformfrage eingeleitet werden.
3. Neue Rekrutierungsmöglichkeiten erschließen
Ausschlaggebend für die Nachwuchsgewinnung der Bundeswehr ist
• eine verantwortliche Sicherheitspolitik, die auf militärische Abenteuer verzichtet, Auslandseinsätze
überzeugend und mit Familien und sozialen Bindungen vereinbar gestaltet
• die Attraktivität des Arbeits- und Ausbildungsplatzes Bundeswehr, der auf dem Arbeitsmarkt konkurrenzfähig
sein muss, und die Verwertbarkeit der dort erworbenen Qualifikationen für einen Zivilberuf
• das internationale und gesellschaftliche Image der Bundeswehr
• die Praxis der Inneren Führung, wo Soldaten trotz ihrer spezifischen Aufgaben und Auslandseinsätze
Staatsbürger in Uniform bleiben
Eine Bundeswehr, die eindeutig und verbindlich nur für die Ziele, den Geist und nach den Regeln des
VN-Systems zur Kriegsverhütung und Gewalteindämmung eingesetzt wird, müsste als Arbeitsplatz für
ein politisch breiteres Spektrum von jungen Leuten in Frage kommen. Wo eine rotgrüne Koalition
Soldaten inzwischen seit mehr als fünf Jahren in friedensbewahrende Einsätze schickt und durch Ablehnung
des Irak-Krieges an Glaubwürdigkeit gewonnen hat, müsste ein zeitweiliger Dienst in der
Bundeswehr auch für junge Leute z. B. aus dem grünen Spektrum eine erwägenswerte Option werden
können. Für eine Armee von Staatsbürgern in Uniform wären jedenfalls mehr kritische und friedenspolitisch
orientierte Köpfe eine große Bereicherung.
Aber längst nicht nur die Bundeswehr braucht guten Nachwuchs. Die gewachsene internationale Rolle
und Verantwortung der Bundesrepublik erfordert insgesamt viel mehr qualifiziertes Personal für internationale
Organisationen, Entwicklungszusammenarbeit, Friedensfachdienste und Diplomatie. Das ist
im Schul- und Ausbildungswesen noch längst nicht ausreichend angekommen und auch nicht in der
Öffentlichkeitsarbeit der Bundesregierung. Außen- und Sicherheitspolitik, die einem effektiven Multilateralismus
dienen und Friedenspolitik sein soll, braucht ausgewogene zivile und militärische Fähigkeiten.
Für diese VN-Fähigkeit gibt es noch sehr viel zu tun.
4. Konversion des Zivildienstes
Die Wehrpflicht kann selbstverständlich nicht über den „Ersatzdienst“ Zivildienst begründet werden,
auch nicht über das soziale Lernen, das viele Zivildienstplätze ermöglichen. Zugleich darf der Ausstieg
aus Wehrpflicht und Zivildienst nicht ohne Rücksicht auf Verluste erfolgen.
Die schrumpfende und ungewisse Wehrpflicht ist für die Träger des Zivildienstes immer weniger von
Nutzen und sie haben sich längst auf die Suche nach Alternativen gemacht. Vorschläge zur Konversion
des Zivildienstes liegen auf dem Tisch. (vgl. „Frei will ich. Freiwilligendienste ausbauen“, Bundestagsfraktion
Bündnis 90/Die Grünen; Bericht der Kommission „Impulse für die Zivilgesellschaft – Perspektiven
für Freiwilligendienste und Zivildienst in Deutschland“, Januar 2004)
Notwendig ist der Ausbau von Freiwilligendiensten und ehrenamtlichem Engagement einerseits, die
Schaffung sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplätze andererseits. Dafür braucht es einen gewissen
zeitlichen Vorlauf und unbedingt die Finanzmittel, die bisher in den Zivildienst gingen.
5. Verantwortung übernehmen - Integration neu begründen
Unabhängig von der jeweiligen Wehrform geht es künftig auch darum, die Verantwortung von Politik
und Gesellschaft für die Streitkräfte neu zu bestimmen. Mit dem Prinzip der Parlamentsarmee sind die
Voraussetzungen dafür so gut wie in kaum einem anderen Land. Denn es ist falsch und kurzsichtig,
die Verantwortung für die gesellschaftliche und rechtsstaatliche Integration der Streitkräfte und ihren
zurückhaltenden Einsatz auf die Wehrpflicht und die Wehrpflichtigen abzuschieben. Und falsch ist
umgekehrt die Haltung mancher Wehrpflichtgegner, die über die Abschaffung der Wehrpflicht das Militär
einfach loswerden wollen. Das teuerste und riskanteste Instrument des staatlichen Gewaltmono3
pols bedarf auch weiterhin besonderer Obacht und Kontrolle. Politik und Gesellschaft insgesamt stehen
hier in der Pflicht.
Die Integration der Bundeswehr in unsere Gesellschaft ist eine Daueraufgabe, die gerade angesichts
der Verkleinerung und der Auslandseinsätze nicht leichter wird. Die Bundeswehr leistet ihren Teil dabei
u. a. durch die notwendige Weiterentwicklung der Inneren Führung und Politischen Bildung. Diese
Integration ist aber nicht nur eine Aufgabe der Bundeswehr, sondern der Gesellschaft. Politik und Zivilgesellschaft
müssen ihrerseits stärker zur gesellschaftlichen Verankerung der Streitkräfte beitragen
und sich mit ihnen auseinandersetzen. Dazu gehört, sich immer wieder aufs Neue (selbst-)kritisch mit
den Aufgaben der Streitkräfte, ihren Einsätzen, aber auch ihrer Struktur und ihren Problemen auseinanderzusetzen
und in einen breiten Dialog zu treten. Dieser Dialog kann nicht als Ersatzdienst an die
noch verbliebenen Grundwehrdienstleistenden delegiert werden. Hier gibt es auf verschiedenen Ebenen
Nachholbedarf.
• Nachholbedarf gibt es in den Schulen, wo die Zeitansätze für Sozialkunde/Politik reduziert
wurden und Unterrichtsmaterialien wie Lehrpersonen mit dem rasanten sicherheitspolitischen
Wandel meistens nicht mithalten.
• Nachholbedarf gibt es in Wissenschaft, Gesellschaft und nicht zuletzt auch im bündnisgrünen
Umfeld, wo eine vergleichsweise hohe Zustimmung zu humanitär begründeten Auslandseinsätzen
einher geht mit einem überwiegenden Nichtverhältnis zu den realen Streitkräften
und einer kulturellen Distanz zu Militär generell.
• Nachholbedarf gibt es bei jenen Gruppen der Friedensbewegung, die noch eine fundamental
antimilitärische Haltung pflegen und die sich im Unterschied zur Friedensbewegung der 80er
Jahre aus jedem kritischen Dialog um Sicherheitspolitik und mit den Streitkräften ausschließen.
Hier sind neue Wege und Formen des „Kennenlernens“ angesagt. Voraussetzung hierfür ist eine gewisse
Offenheit und Neugier aller Beteiligten. Hier ist nicht zuletzt auch die Politik gefragt.
6. Auftrag der Bundeswehr klären und begrenzen
Verantwortung für die Streitkräfte übernehmen heißt auch, den Auftrag der Bundeswehr klarer zu
bestimmen und zu begrenzen. Nach dem 11. September und mit den VPR, als Reaktion auf die neuen
globalen Gefährdungslagen, erfuhr deutsche Sicherheits- und Militärpolitik eine enorme Entgrenzung.
Angesichts ernüchternder Einsatzerfahrungen von Kosovo bis Afghanistan – vom Irak ganz zu
schweigen - angesichts des Ausbaus schneller Interventionsfähigkeiten von NATO und EU, angesichts
immer häufigerer Spekulationen über neue Einsätze stellt sich vor allem bei Soldaten, aber
auch in der Öffentlichkeit vermehrt die Frage nach den „neuen Grenzen“ von Auslandseinsätzen.
Hierzu haben sich inzwischen in der rotgrünen Sicherheitspolitik bestimmte Grundlinien herauskristallisiert.
Eine verbindliche und vertrauenswürdige Verständigung über diese Grenzen steht aber noch
aus.
Es bleibt der Widerspruch, dass die verfassungsrechtliche Kernbegründung der Bundeswehr („Der
Bund stellt Streitkräfte zur Verteidigung auf.“ Art. 87a) und der reale Hauptauftrag der Bundeswehr
auseinander fallen. Das bleibt wohl im Verfassungsrahmen, weil das Grundgesetz als weitere
Einsatzmöglichkeit die „Wahrung des Friedens“ in einem System gegenseitiger kollektiver Sicherheit
(Art. 87a, 2 in Verbindung mit Art. 24, 2) eröffnet und Friedensstörung ausdrücklich verbietet. Es bedurfte
aber der höchstrichterlichen Interpretation durch das Bundsverfassungsgericht, um dieses klarzustellen.
Dieses Defizit an Klarheit wird durch den „erweiterten Verteidigungsbegriff“ der VPR („Verteidigung
Deutschlands am Hindukusch“) keineswegs aufgehoben, im Gegenteil.
Hierzu steht eine breite Debatte und Verständigung in Politik und Gesellschaft noch aus. Das neue
„Weißbuch der Bundesregierung zur Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland und zur Lage und
Zukunft der Bundeswehr“ sowie die Diskussion über ein Bundeswehraufgaben-Gesetz könnten Katalysatoren
in diesem dringenden Klärungsprozess sein. Der Staatsbürger in Uniform braucht – unabhängig
von der Wehrform - einen klaren und immer wieder neu überzeugenden Auftrag. Er muss begründet
darauf vertrauen können, dass die Bundesregierung alles für die nichtmilitärische Krisenbewältigung
tut und Streitkräfte nicht etwa aus Sekundärmotiven (z.B. zu Kompensationszwecken) einsetzt.
Alles andere würde den Boden für Söldnermentalitäten bereiten.
4
Rest-Wehrpflicht nüchtern betrachten
1. Anforderungen
Das Grundgesetz bestimmt die Möglichkeit der Wehrpflicht für Männer, schreibt sie aber nicht vor.
Dieses geschieht durch das Wehrpflichtgesetz, das mit einfacher Mehrheit geändert werden könnte.
Die Wahl einer Wehrform, ob Armee mit Wehrpflicht oder Freiwilligenarmee, ist eine Frage der Legitimation
und Effizienz. Jede Wehrform muss vor allem folgende Anforderungen erfüllen:
• Die Wehrform soll die Einsatzfähigkeit der Bundeswehr im Hinblick auf ihren politisch definierten
Auftrag sowie eine quantitativ und qualitativ zureichende Nachwuchsgewinnung sicherstellen.
Konsens ist, dass Wehrpflichtige nur auf freiwilliger Grundlage und nur nach solider Ausbildung an
internationalen Einsätzen teilnehmen können.
• Die rechtlich möglichen Verpflichtungen und Grundrechtseingriffe der Wehrpflicht müssen legitimiert,
verhältnismäßig und gerecht sein.
Politischer Konsens ist, dass die Wehrform vereinbar sein soll mit der Integration der Streitkräfte in
Rechtsstaat und Gesellschaft sowie mit einer zurückhaltenden Militärpolitik. Sie darf diese Errungenschaften
bundesdeutscher Sicherheitspolitik nicht in Frage stellen. Wir wollen keine hemmungslos
einsetzbare Söldnertruppe. Insofern geht es bei der Wehrform auch um die Schlüsselfrage, wofür wir
welche Streitkräfte haben wollen.
2. Sicherheitspolitisch unverzichtbar?
Die Wehrpflicht ist das Rekrutierungsinstrument für eine Massenarmee mit großem Reservistenpotenzial
für den „großen“ Verteidigungsfall. Das ist Vergangenheit. Hauptauftrag der Bundeswehr ist, dem
Schutz der Bundesrepublik und ihrer Verbündeten durch Beteiligung an multilateraler Krisenbewältigung
im Rahmen des VN-Systems zu dienen. Dafür bedarf es kleinerer, hochprofessioneller, schnell
einsatzbereiter und durchhaltefähiger Streitkräfte. Das Anforderungsprofil an die Soldaten steigt.
GWDL, die nach ihren Ausbildungsphasen nur wenige Monate zur Verfügung stehen, werden immer
weniger gebraucht. Die geradezu im Sturzflug sinkenden Einberufungen von GWDL belegen, dass ein
rascher Verzicht möglich und machbar ist. Die Funktionen, die heute von FWDL auch in Auslandseinsätzen
ausgeübt werden, bedürfen nicht der Wehrpflicht. Eine sinnvolle und machbare Alternative
wäre ein freiwilliger Kurzdienst.
Die Wehrpflicht erleichtert unzweifelhaft die Nachwuchsgewinnung der Bundeswehr. Sie ist dafür aber
keineswegs unverzichtbar. Allein über die Nachwuchsgewinnung kann die Wehrpflicht nicht begründet
werden. Sie muss schon für die unmittelbare Aufgabenerfüllung der Bundeswehr notwendig und unersetzbar
sein. Ansonsten ist sie hinfällig.
Streitkräfte brauchen immer ein gewisses Reservistenpotenzial, um die präsenten Kräfte bei Bedarf
verstärken zu können. Die Weizsäcker-Kommission hat zu Recht festgestellt, dass auch eine Freiwilligenarmee
Reservisten produziert – nur im kleineren Umfang. Ein relativ hoher Anteil an kürzer dienenden
und Zeitsoldaten könnte ein Reservistenpotenzial gewährleisten, aus dem bei sich grundlegend
verschlechternder Sicherheitslage zeitgerecht die Fähigkeit zur „großen Landesverteidigung“
wieder aufgebaut werden könnte (Rekonstitution). Deshalb aber die Wehrpflicht zu erhalten, hieße, für
einen Zeitraum jenseits der nächsten zehn Jahre massenhaft Reservisten „auf Halde“ zu produzieren
und die Wehrpflicht auf ewig festzuschreiben.
3. Einschränkung der Grundfreiheiten noch verhältnismäßig?
Die Wehrpflicht ist zur Sicherheit der Bundesrepublik und des Bündnisses nicht mehr zwingend notwendig.
Das müsste sie aber sein, um den massiven Eingriff in die Grundrechte und Lebensplanung
junger Männer zu rechtfertigen, den die Wehrpflicht immer noch darstellt. Hunderttausende Wehrpflichtige
und ihre Angehörigen sind von der Verzögerung von Studium oder Ausbildung, der Gefährdung
von Arbeitsplätzen, der Nichtgenehmigung von Auslandsaufenthalten, geringeren Verdienstmöglichkeiten
usw. betroffen. Für Wehr- und Zivildienstleistende sind zwangsweise die Grundrechte der
Berufsfreiheit, Freizügigkeit, Meinungsfreiheit, der Versammlungsfreiheit eingeschränkt, für Soldaten
faktisch auch das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Auch wenn hiervon inzwischen viel
5
weniger junge Männer betroffen sind und es mehr Elemente von Freiwilligkeit und Wahlfreiheit gibt, so
ist das kein Grund, diese Dimension des Grundrechtseingriffs so systematisch auszublenden, wie das
die meisten Wehrpflichtbefürworter heute tun.
4. Wo bleibt die Gerechtigkeit?
Hinzu kommt, dass durch die Öffnung der Bundeswehr für den freiwilligen Dienst von Frauen auch die
Aspekte von Gleichheit und Gerechtigkeit verfassungsrechtlich relevant geworden sind. Das Bundesverfassungsgericht
definiert die Wehrpflicht als „gleich belastende Pflicht“. Bei 30.000 Dienstposten
und maximal 40.000 jährlichen Einberufungen von Grundwehrdienstleistenden ist eine Gleichbelastung
für alle Wehrpflichtigen nicht einmal im Ansatz mehr herstellbar. Daran ändert auch die Tatsache
nichts, dass die Geburtsjahrgänge der 18-jährigen Männer nach einem Anstieg auf 454.000 bis 2006
ab 2009 auf 374.000 in 2013 absinken. Auch dann können nur etwas mehr als 10 % eines (männlichen)
Geburtsjahrgangs Grundwehrdienst leisten.
Die Wehrpflicht in ihrer heutigen Form ist in höchstem Maße ungerecht und damit verfassungsrechtlich
problematisch. Das wird durch den Widerspruch „Freiwilligendienst für Frauen – Zwangsdienst für
Männer“ verstärkt. Ökonomisch betrachtet ist die Wehrpflicht eine Naturalsteuer, wo der „Steuerpflichtige“
eine Abgabe in Form einer Dienstleistung erbringt. Wo diese aber nur noch von einer schrumpfenden
Minderheit erbracht werden muss, wird das Gebot der Allgemeinheit einer Steuer massiv verletzt.
Mit dem „2. Zivildienständerungsgesetz“ wurden Ehemänner, Lebenspartner und Väter von der Wehrpflicht
freigestellt und schlagartig 190.000 taugliche und verfügbare Männer aus der Wehrpflicht entlassen.
Wo ein subjektiv beeinflussbares Kriterium wie der Trauschein über die Befreiung von der
Wehrpflicht entscheidet und nur noch Junggesellen im Verteidigungsfall der Wehrpflicht unterliegen,
ist die Allgemeine Wehrpflicht faktisch ausgesetzt. Eine solche Praxis ist nur für eine sehr kurze Übergangsphase
hinnehmbar.
Die Koalitionsvereinbarung von 2002 versprach „größtmögliche Gerechtigkeit und Gleichbehandlung
zwischen Wehr- und Zivildienstleistenden“. Das wurde umgesetzt durch die Angleichung der Dauer
des Zivildienstes an die des Wehrdienstes. Von einer Angleichung der Anzahl der Dienstplätze kann
aber noch keine Rede sein. Wenn im Haushaltsjahr 2004 78.343 Wehrpflichtige zum Wehrdienst eingezogen
werden und 91.408 zum Zivildienst (2005: 66.700/109.000), dann nimmt hier die Ungleichbehandlung
sogar krass zu.
Die reale Wehrpflicht bewegt sich angesichts der eklatanten Ungleichbehandlung und Ungerechtigkeit
verfassungsrechtlich auf immer dünnerem Eis. Sie nimmt den Treueschwüren zur Wehrpflicht jede
Glaubwürdigkeit und zerstört die Reste von Akzeptanz unter Jüngeren.
5. Garant einer integrierten und rechtsstaatlichen Bundeswehr?
Die Wehrpflicht früherer Jahrzehnte hat zu einem breiten Personalaustausch, zu kontroversem Interesse
an den Streitkräften und ihrer Integration in die Gesellschaft beigetragen. Demgegenüber steht
die gesellschaftliche Wirkung des KDV-Verfahrens: Wo eine grundsätzliche, weltanschauliche Absage
an Krieg und Militär Voraussetzung der KDV-Anerkennung ist, wird eine politische Auseinandersetzung
mit den Streitkräften erschwert und fundamentale Distanzierung gefördert. Ausschlaggebend für
die erfolgreiche Integration der Bundeswehr in Rechtsstaat und Gesellschaft waren vor allem die gelebte
„Innere Führung“ mit dem Leitbild des mündigen „Staatsbürgers in Uniform“ und das Prinzip der
„Parlamentsarmee“. Das prägte die vergleichsweise unmilitaristische Mentalität in der Bundeswehr
und unterscheidet ihre Militärkultur von der vieler anderer Verbündeter.
Wo nur noch eine sozial nicht repräsentative Minderheit Wehrdienst leistet, wo junge Männer mit höheren
Bildungsabschlüssen und mehr linken/grünen Orientierungen sehr unterproportional Wehrdienst
leisten, kann aber von einer breiten Aufmerksamkeits- und Integrationswirkung der Wehrpflicht längst
keine Rede mehr sein. Die heutige Rest-Wehrpflicht ist ungeeignet, einer wachsenden Distanzierung
von Gesellschaft und Bundeswehr entgegenzuwirken.
6
6. Garant für militärische Zurückhaltung?
Die Behauptung, die Wehrpflicht fördere militärische Zurückhaltung, ist so beliebt wie falsch. Bei allen
bisherigen Einsatzentscheidungen spielte die Frage der Wehrpflichtigen nie eine Rolle, ging es ausschließlich
um Zeit- und Berufssoldaten sowie FWDL. Es ist abwegig, gerade von der untersten
Schicht der Militärhierarchie zu erwarten, dass diese die Entsendebereitschaft der Politik „bändigt“.
Diese Erwartung ist vollends unglaubwürdig aus dem Mund derjenigen, die zugleich eine Lockerung
des Parlamentsvorbehalts z.B. für die NATO Response Force befürworten.
Armeen mit einem großen Wehrpflichtigenanteil waren die deutsche Wehrmacht, die US-Armee in
Vietnam, die Rote Armee in Afghanistan. Der Grundsatz militärischer Zurückhaltung ist nicht aus der
Struktur der Streitkräfte oder der Staatsform abzuleiten. Dieser muss vielmehr fest in der politischen
Kultur von Staat und Gesellschaft verankert sein. Statt die Verantwortung auf die Wehrdienstleistenden
oder die Exekutive zu delegieren, muss die Bundeswehr eine „Parlamentsarmee“ bleiben.
7. Kostengünstiger?
Wehrpflichtige sind auf Grund des niedrigeren Wehrsoldes pro Kopf „billiger“, aber keineswegs kosteneffizienter.
Denn die Grundwehrdienstleistenden binden viel Ausbildungspersonal und Ressourcen,
sind der Bundeswehr auf Funktionsposten aber nur für wenige Monate „von Nutzen“. Für Auslandseinsätze
stehen sie wegen nicht zureichender Ausbildung gar nicht zur Verfügung. Das ist ein
Musterbeispiel für den ineffizienten Einsatz von Arbeitskräften. Die Wehrpflicht verursacht volkswirtschaftlich
höhere Kosten. (vgl. DIW-Wochenbericht 4/04)
Die niedrigeren Personalkosten von Wehrpflichtigen sind für einen Ressortminister in Zeiten knapper
Kassen ein in der Öffentlichkeit gerne verwendetes Argument. Die Beibehaltung der Wehrpflicht und
des personal- und kostenintensiven Erfassungs- und Rekrutierungsapparates können sie aber keineswegs
begründen. Sie stellen nur einen Teil der Kosten dar. Und nicht jeder Wehrpflichtige muss
durch einen Berufssoldaten ersetzt werden. Bislang haben die Befürworter der Wehrpflicht auch noch
keine überprüfbaren Berechnungen vorgelegt, welche Mehrkosten ihrer Auffassung nach eine Freiwilligenarmee
mit sich bringen würde. Studien, die von Befürwortern einer Freiwilligenarmee vorgelegt
wurden, kommen zu dem Ergebnis, dass diese – z.B. bei 220.000 Soldaten incl. Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung
und Nachwuchsgewinnung – kostengünstiger wäre als das jetzige Modell.
8. Verbündete Freiwilligenarmeen: nur teurer und dümmer?
Der Trend in NATO und EU geht eindeutig Richtung Freiwilligenarmee. Deshalb muss Deutschland
dem keineswegs folgen. Aber es gilt, aus den Erfahrungen der anderen zu lernen, im Positiven und im
Negativen. Die Bundeswehr kann selbstbewusst auf ihre friedensbewahrenden Einsätze auf dem Balkan
und in Afghanistan sehen. Sie hat sich als Armee der Inneren Führung bewährt und hohes Ansehen
erworben. Allerdings ist es verkürzt, überheblich und ausgesprochen bündnisunfreundlich, sie der
Wehrpflicht wegen als die intelligentere und bessere Armee hoch zu stilisieren – und die Freiwilligenarmeen
pauschal als dümmer, brutaler, älter und teurer abzuqualifizieren. Wer Freiwilligenarmeen
grundsätzlich unter Söldner-, gar Folterverdacht stellt, verkennt die höchst unterschiedlichen Militärkulturen
(parlamentarische Kontrolle, Innere Führung, Auftragstaktik), negiert, dass der Bundeswehr die
schlimmsten Herausforderungen – ein Kriegseinsatz auf Land – bisher erspart blieb, und beleidigt die
Verbündeten wie die freiwilligen Bundeswehrangehörigen.
9. Akzeptanz
Die Kluft ist unübersehbar: Die Wehrpflicht findet relativ hohe Akzeptanz bei denjenigen, die von ihr
nicht oder nicht mehr betroffen sind. Demgegenüber stellen die Jugendoffiziere der Bundeswehr in
ihrem Jahresbericht 2003 fest: „Die Akzeptanz der allgemeinen Wehrpflicht ist unter Jugendlichen fast
gänzlich geschwunden. (...) für die junge Generation auch nur noch eine Frage der Zeit, bis sich die
Bundesrepublik Deutschland für eine Freiwilligenarmee entscheidet.“ Nach der Änderung der Einberufungskriterien
sei „das Gefühl der Wehrgerechtigkeit so gut wie nicht mehr zu vermitteln“. Das jahrelange
Bemühen, die Wehrpflicht „neu zu begründen“ hat offenbar nichts gefruchtet. Der Anspruch, die
Wehrpflicht sei Ausdruck der gemeinsamen Verantwortung aller Bürgerinnen und Bürger für unser
Gemeinwesen, ist Ideologie, nicht Wirklichkeit. Immerhin engagieren sich nach Feststellung des
7
„Zweiten Freiwilligensurveys 2004“ 35% der 14- bis 25-Jährigen bürgerschaftlich! Unter den von der
Bundeswehr unabhängigen Fachjournalisten findet die Wehrpflicht nahezu keine Fürsprecher mehr.
10. Untaugliche Rettungsversuche
Die Vorschläge zur Rettung der Wehrpflicht werden wohl zahlreicher, aber keineswegs durchdachter.
• Einige SPD-KollegInnen empfehlen eine weitere Reduzierung der Wehrdienstdauer auf sechs,
gar drei Monate. Damit würde zwar der „Durchlauf“ erhöht, aber die Bundeswehr hätte in erster
Linie viel Ausbildungslast und keinerlei direkten Nutzen von Wehrdienstleistenden. Heraus
käme eine „Halde“ von nur ansatzweise ausgebildeten Hilfssoldaten. Der Zivildienst würde auf
ein kaum noch nützliches Zwangspraktikum reduziert werden.
• Aus der Union kommen Forderungen, Wehrpflichtige vermehrt im „Heimatschutz“ und zur Terrorabwehr
einzusetzen, gar einer „sicherheitspolitischen Dienstpflicht“. Der Einsatz von Wehrpflichtigen
zur Terrorabwehr wäre sinnlos und verantwortungslos. Sie wären nur einsetzbar
als angelernte Personalreserve für Polizei und BGS beim Objekt- und Raumschutz – mit der
Waffe und Hoheitsbefugnissen auf der Straße, konfrontiert mit höchst unterschiedlichen Herausforderungen.
Das liefe auf eine ständige Überforderung hinaus und hätte erheblich Risiken
zur Folge. Hinzu kommt, dass Wehrpflichtige den Rest an Dienstmotivation verlieren, wenn
sie zunehmend im Wach- und Sicherungsdienst eingesetzt würden.
• Für eine allgemeine Dienstpflicht gibt es Stimmen im ganzen politischen Spektrum, am meisten
bei der Union, aber auch bei Rot-Grün. Seit Jahren betonen die Wohlfahrtsverbände nachdrücklich,
dass diese gut gemeinte Idee nicht nur dem Verfassungs- und internationalen Recht
(Europäische Menschenrechtskonvention, Konventionen 29 und 105 der Internationalen Arbeitsorganisation
zur Zwangsarbeit) widersprechen würde, sondern sehr problematische Folgen
hätte: Wo Hunderttausende kurzfristige Einsatzplätze gefunden und staatlich besetzt werden
müssten, wäre eine breite Entprofessionalisierung die zwangsläufige Folge. Für den Bund
würden ein erheblicher Verwaltungsaufwand und Mehrkosten von mehreren Milliarden Euro
entstehen. Der Grundimpuls, dass möglichst viele Menschen sich sozial und ehrenamtlich
engagieren sollen, ist Konsens bei Rot-Grün. Allerdings hat sich überwiegend die Auffassung
durchgesetzt, dass dies auf freiwilliger Basis und altersoffen organisiert werden sollte.
Fazit: Übergang zur Freiwilligenarmee zügig fortsetzen
Die Dynamik von Streitkräftereformen und gesellschaftlichem Wandel gehen in Richtung Freiwilligenarmee.
Statt sich in aussichtslosen Rückzugsgefechten zu verlieren oder die Angelegenheit dem Bundesverfassungsgericht
zu überlassen, ist die Politik in der Pflicht, die Initiative zu ergreifen. Der SPD,
die unter der Überschrift „Innovation und Gerechtigkeit“ angetreten ist, den Politikwandel in Deutschland
gestalten, wird es nicht gelingen, die Wehrpflicht glaubhaft und überzeugend zu begründen. Insofern
wären die Wehrpflichtbefürworter in der SPD gut beraten, die Wehrpflicht im Eifer ihrer Verteidigung
nicht so zu überhöhen, dass spätere Kurskorrekturen nur noch mit erheblichen Begleitschäden
möglich sind.
Im Interesse einer konsequenten und tragfähigen Bundeswehrtransformation muss die Koalition zügig
zu einer Klärung der künftigen Wehrform kommen. Eine Bekräftigung der Wehrpflicht ist außerhalb
jeder Realität. Auf der Tagesordnung steht nicht mehr das OB sondern das WIE des Übergangs zur
Freiwilligenarmee und wie der bereits eingeleitete Wandel zur Freiwilligenarmee effizient, bündniskompatibel,
friedensfördernd, demokratie- und sozialverträglich gestaltet werden kann. Die Verbesserung
der Nachwuchsgewinnung und die Einführung eines attraktiven, freiwilligen und flexiblen Kurzdienstes
sind hierfür wichtige nächste Schritte.

Re: Wehrpflicht am Ende

Odin, Wednesday, 10.11.2004, 17:05 (vor 7757 Tagen) @ Jörg Rupp

Als Antwort auf: Re: Wehrpflicht am Ende von Jörg Rupp am 10. November 2004 13:18:18:

Ist euch schon mal aufgefallen, wie das mit der Wehrgerichtigkeit ist? Ich lese immer wieder, es sei ungerecht, dass nur 10% der Jungen eingezogen werden... Ist doch seltsam, ich finde es nämlich viel ungerechter,dass nur 50% der Geschlechter eingezogen werden.
In allen ernsthaften Debatten und Beiträgen findet man zwischenzeitlich das, was du angeblich vermisst. Man sollte sich beit informieren, finde ich.

Ich habe in keinem einzigen der Zeitungsartikel, die ich gelesen habe, um dieses Thema vorzubereiten, etwas davon gelesen, dass es ungerecht waere, dass nur Maenner betroffen sind.
Nur als es um einen freiwilligen Ersatzdienst ging, wurde ganz selbstverstaendlich angemerkt, dass dieser beiden Geschlechtern offen stehen soll.

Re: Wehrpflicht am Ende

Eugen Prinz, Wednesday, 10.11.2004, 17:10 (vor 7757 Tagen) @ Jörg Rupp

Als Antwort auf: Re: Wehrpflicht am Ende von Jörg Rupp am 10. November 2004 13:18:18:

Ist euch schon mal aufgefallen, wie das mit der Wehrgerichtigkeit ist? Ich lese immer wieder, es sei ungerecht, dass nur 10% der Jungen eingezogen werden... Ist doch seltsam, ich finde es nämlich viel ungerechter,dass nur 50% der Geschlechter eingezogen werden.

In allen ernsthaften Debatten und Beiträgen findet man zwischenzeitlich das, was du angeblich vermisst.[/i]

Das stimmt bedauerlicherweise nicht. Bislang wird "Wehrgerechtigkeit" beinahe ausnahmslos als Männersache angesehen, Gleichberechtigung aber als Frauensache. Das ist aber eine üble Vermischung der Begrifflichkeiten. Wehrpflicht abschaffen oder beibehalten ist eine Sache - Geschlechtergerechtigkeit eine ganz andere! Wenn es bei der Wehrpflicht bleibt, werde ich fordern, dass auch Frauen Wehrpflichtdienst leisten müssen.

Im übrigen stimme ich Bruno zu seinem Beitrag "Vorsicht Falle" völlig zu. Für vage Versprechungen werde ich die rot/grüne Koalition nicht wählen.

Wehrpflicht abschaffen oder Wehrpflicht auch für Frauen! Jetzt! Nicht nach der Wahl!

Eugen

www.manndat.de

Re: Wehrpflicht am Ende, typisch Rupp

Friedwilli, Thursday, 11.11.2004, 00:13 (vor 7757 Tagen) @ Jörg Rupp

Als Antwort auf: Re: Wehrpflicht am Ende von Jörg Rupp am 10. November 2004 13:18:18:

Ist euch schon mal aufgefallen, wie das mit der Wehrgerichtigkeit ist? Ich lese immer wieder, es sei ungerecht, dass nur 10% der Jungen eingezogen werden... Ist doch seltsam, ich finde es nämlich viel ungerechter,dass nur 50% der Geschlechter eingezogen werden.
In allen ernsthaften Debatten und Beiträgen findet man zwischenzeitlich das, was du angeblich vermisst. Man sollte sich beit informieren, finde ich.
Hm, traurig.
Eben...und nur für Dich was von denen, die ja angeblich für die Wehrpflicht sind (Vorsicht, lang!)
Winfried Nachtwei, sicherheitspolitischer Sprecher
Krista Sager, Fraktionsvorsitzende
Ludger Volmer, außenpolitischer Sprecher
Alexander Bonde, Mitglied im Haushalts- und Verteidigungsausschuss
Marianne Tritz, Mitglied im Auswärtigen und Verteidigungsausschuss
Berlin, den 08.11.2004
Übergang zur Freiwilligenarmee zügig fortsetzen
Ein Beitrag zur Diskussion um die Rest-Wehrpflicht
1. Der Ausstieg aus der Wehrpflicht ist weit voran geschritten
Das Ende des Ost-West-Konflikts war gleichzeitig der Beginn des Abschieds von der Wehrpflicht. Viele
Bündnispartner haben angesichts neuer sicherheitspolitischer Herausforderungen die Wehrpflicht
ausgesetzt oder abgeschafft. Mit den Verteidigungspolitischen Richtlinien (VPR) ist nicht mehr die traditionelle
Landesverteidigung, sondern die Teilnahme an multinationaler Krisenbewältigung für die
Bundeswehr strukturbestimmend. Die Bundeswehr wurde signifikant verkleinert und der Wehrpflichtigenanteil
reduziert. Inzwischen leistet nur noch eine kleine Minderheit den obligatorischen Grundwehrdienst.
Durch die Personalreduzierungen der vergangenen 15 Jahre gibt es in Deutschland nur noch eine
Rest- oder „Pseudo-Wehrpflicht“ (Haltiner). 1989 waren noch 44% (218.000) der 490.000 Bundeswehrsoldaten
Wehrpflichtige, die 15 Monate Grundwehrdienst leisteten. In der neuen Zielstruktur von
maximal 250.000 militärischen Dienstposten sind nur noch bis zu 30.000 Stellen (12%) für Grundwehrdienstleistende
(GWDL) und bis zu 25.000 Stellen (10%) für freiwillig länger dienende Wehrdienstleistende
(FWDL, bis zu 23 Monate) vorgesehen. Diese Zielstruktur hat die Bundeswehr bereits
im nächsten Jahr beinahe erreicht. Bei einem 9-monatigen Wehrdienst können künftig jährlich maximal
40.000 Wehrpflichtige zum Grundwehrdienst und, bei Verpflichtungszeiten von ca. 21 Monaten,
14.000 zum freiwilligen Wehrdienst einberufen werden. Bei einer durchschnittlichen Jahrgangsstärke
von ca. 415.000 Männern, sind dies lediglich noch 13 Prozent aller Wehrpflichtigen.
In Deutschland sprechen sich inzwischen alle kleineren Parteien für ein Ende der Wehrpflicht aus.
Auch in SPD und Union mehren sich die Stimmen gegen die Wehrpflicht. In der rotgrünen Koalition ist
die Zukunft der Wehrpflicht von Anfang an ein offener Dissens. In der Koalitionsvereinbarung von
2002 wurde festgelegt, dass die Wehrform vor Ende der Legislaturperiode, also bis 2006 überprüft
werden soll.
2. Freiwilliger flexibler Kurzdienst
Eine wichtige Brücke von der Wehrpflicht zur Freiwilligenarmee ist die Einführung eines freiwilligen,
flexiblen und attraktiven Kurzdienstes von 12 bis 24 Monaten mit einer Probephase von sechs Monaten.
Er müsste auch Frauen offen stehen und nach solider Ausbildung einen Auslandseinsatz ermöglichen.
Die Einstiegsbesoldung sollte angehoben werden.
In dieser Zeit könnten sich Kurzdiener und Bundeswehr gegenseitig „erproben“. Der Kurzdienst würde
die FWDL sowie schrittweise die Grundwehrdienstleistenden ersetzen und damit auch die von ihnen
geleisteten Funktionen abdecken. Er würde den Adressatenkreis auf Frauen und jene jungen Männer
ausdehnen, die zwar von der Wehrpflicht befreit, dennoch aber an einem attraktiven Dienst in den
Streitkräften interessiert sind.
Die höhere Attraktivität und Effizienz des Kurzdienstes würde eine Reduzierung des Gesamtumfanges
der Streitkräfte erlauben. Die Weizsäcker-Kommission bestätigte in ihrem Bericht vom Mai 2000, dass
eine Freiwilligenarmee von 220.000 Zeit- und Berufssoldaten den sicherheitspolitischen Anforderungen
in vollem Umfang entspreche. Der Kurzdienst ermöglicht ein sanftes Umsteuern ohne abrupte
Brüche. Er muss in ein verbessertes Konzept der Nachwuchsgewinnung, Personalbetreuung und Be2
rufsförderung integriert sein. Die Umstellungen hierfür müssen zügig und unabhängig von der Entscheidung
in der Wehrformfrage eingeleitet werden.
3. Neue Rekrutierungsmöglichkeiten erschließen
Ausschlaggebend für die Nachwuchsgewinnung der Bundeswehr ist
• eine verantwortliche Sicherheitspolitik, die auf militärische Abenteuer verzichtet, Auslandseinsätze
überzeugend und mit Familien und sozialen Bindungen vereinbar gestaltet
• die Attraktivität des Arbeits- und Ausbildungsplatzes Bundeswehr, der auf dem Arbeitsmarkt konkurrenzfähig
sein muss, und die Verwertbarkeit der dort erworbenen Qualifikationen für einen Zivilberuf
• das internationale und gesellschaftliche Image der Bundeswehr
• die Praxis der Inneren Führung, wo Soldaten trotz ihrer spezifischen Aufgaben und Auslandseinsätze
Staatsbürger in Uniform bleiben
Eine Bundeswehr, die eindeutig und verbindlich nur für die Ziele, den Geist und nach den Regeln des
VN-Systems zur Kriegsverhütung und Gewalteindämmung eingesetzt wird, müsste als Arbeitsplatz für
ein politisch breiteres Spektrum von jungen Leuten in Frage kommen. Wo eine rotgrüne Koalition
Soldaten inzwischen seit mehr als fünf Jahren in friedensbewahrende Einsätze schickt und durch Ablehnung
des Irak-Krieges an Glaubwürdigkeit gewonnen hat, müsste ein zeitweiliger Dienst in der
Bundeswehr auch für junge Leute z. B. aus dem grünen Spektrum eine erwägenswerte Option werden
können. Für eine Armee von Staatsbürgern in Uniform wären jedenfalls mehr kritische und friedenspolitisch
orientierte Köpfe eine große Bereicherung.
Aber längst nicht nur die Bundeswehr braucht guten Nachwuchs. Die gewachsene internationale Rolle
und Verantwortung der Bundesrepublik erfordert insgesamt viel mehr qualifiziertes Personal für internationale
Organisationen, Entwicklungszusammenarbeit, Friedensfachdienste und Diplomatie. Das ist
im Schul- und Ausbildungswesen noch längst nicht ausreichend angekommen und auch nicht in der
Öffentlichkeitsarbeit der Bundesregierung. Außen- und Sicherheitspolitik, die einem effektiven Multilateralismus
dienen und Friedenspolitik sein soll, braucht ausgewogene zivile und militärische Fähigkeiten.
Für diese VN-Fähigkeit gibt es noch sehr viel zu tun.
4. Konversion des Zivildienstes
Die Wehrpflicht kann selbstverständlich nicht über den „Ersatzdienst“ Zivildienst begründet werden,
auch nicht über das soziale Lernen, das viele Zivildienstplätze ermöglichen. Zugleich darf der Ausstieg
aus Wehrpflicht und Zivildienst nicht ohne Rücksicht auf Verluste erfolgen.
Die schrumpfende und ungewisse Wehrpflicht ist für die Träger des Zivildienstes immer weniger von
Nutzen und sie haben sich längst auf die Suche nach Alternativen gemacht. Vorschläge zur Konversion
des Zivildienstes liegen auf dem Tisch. (vgl. „Frei will ich. Freiwilligendienste ausbauen“, Bundestagsfraktion
Bündnis 90/Die Grünen; Bericht der Kommission „Impulse für die Zivilgesellschaft – Perspektiven
für Freiwilligendienste und Zivildienst in Deutschland“, Januar 2004)
Notwendig ist der Ausbau von Freiwilligendiensten und ehrenamtlichem Engagement einerseits, die
Schaffung sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplätze andererseits. Dafür braucht es einen gewissen
zeitlichen Vorlauf und unbedingt die Finanzmittel, die bisher in den Zivildienst gingen.
5. Verantwortung übernehmen - Integration neu begründen
Unabhängig von der jeweiligen Wehrform geht es künftig auch darum, die Verantwortung von Politik
und Gesellschaft für die Streitkräfte neu zu bestimmen. Mit dem Prinzip der Parlamentsarmee sind die
Voraussetzungen dafür so gut wie in kaum einem anderen Land. Denn es ist falsch und kurzsichtig,
die Verantwortung für die gesellschaftliche und rechtsstaatliche Integration der Streitkräfte und ihren
zurückhaltenden Einsatz auf die Wehrpflicht und die Wehrpflichtigen abzuschieben. Und falsch ist
umgekehrt die Haltung mancher Wehrpflichtgegner, die über die Abschaffung der Wehrpflicht das Militär
einfach loswerden wollen. Das teuerste und riskanteste Instrument des staatlichen Gewaltmono3
pols bedarf auch weiterhin besonderer Obacht und Kontrolle. Politik und Gesellschaft insgesamt stehen
hier in der Pflicht.
Die Integration der Bundeswehr in unsere Gesellschaft ist eine Daueraufgabe, die gerade angesichts
der Verkleinerung und der Auslandseinsätze nicht leichter wird. Die Bundeswehr leistet ihren Teil dabei
u. a. durch die notwendige Weiterentwicklung der Inneren Führung und Politischen Bildung. Diese
Integration ist aber nicht nur eine Aufgabe der Bundeswehr, sondern der Gesellschaft. Politik und Zivilgesellschaft
müssen ihrerseits stärker zur gesellschaftlichen Verankerung der Streitkräfte beitragen
und sich mit ihnen auseinandersetzen. Dazu gehört, sich immer wieder aufs Neue (selbst-)kritisch mit
den Aufgaben der Streitkräfte, ihren Einsätzen, aber auch ihrer Struktur und ihren Problemen auseinanderzusetzen
und in einen breiten Dialog zu treten. Dieser Dialog kann nicht als Ersatzdienst an die
noch verbliebenen Grundwehrdienstleistenden delegiert werden. Hier gibt es auf verschiedenen Ebenen
Nachholbedarf.
• Nachholbedarf gibt es in den Schulen, wo die Zeitansätze für Sozialkunde/Politik reduziert
wurden und Unterrichtsmaterialien wie Lehrpersonen mit dem rasanten sicherheitspolitischen
Wandel meistens nicht mithalten.
• Nachholbedarf gibt es in Wissenschaft, Gesellschaft und nicht zuletzt auch im bündnisgrünen
Umfeld, wo eine vergleichsweise hohe Zustimmung zu humanitär begründeten Auslandseinsätzen
einher geht mit einem überwiegenden Nichtverhältnis zu den realen Streitkräften
und einer kulturellen Distanz zu Militär generell.
• Nachholbedarf gibt es bei jenen Gruppen der Friedensbewegung, die noch eine fundamental
antimilitärische Haltung pflegen und die sich im Unterschied zur Friedensbewegung der 80er
Jahre aus jedem kritischen Dialog um Sicherheitspolitik und mit den Streitkräften ausschließen.
Hier sind neue Wege und Formen des „Kennenlernens“ angesagt. Voraussetzung hierfür ist eine gewisse
Offenheit und Neugier aller Beteiligten. Hier ist nicht zuletzt auch die Politik gefragt.
6. Auftrag der Bundeswehr klären und begrenzen
Verantwortung für die Streitkräfte übernehmen heißt auch, den Auftrag der Bundeswehr klarer zu
bestimmen und zu begrenzen. Nach dem 11. September und mit den VPR, als Reaktion auf die neuen
globalen Gefährdungslagen, erfuhr deutsche Sicherheits- und Militärpolitik eine enorme Entgrenzung.
Angesichts ernüchternder Einsatzerfahrungen von Kosovo bis Afghanistan – vom Irak ganz zu
schweigen - angesichts des Ausbaus schneller Interventionsfähigkeiten von NATO und EU, angesichts
immer häufigerer Spekulationen über neue Einsätze stellt sich vor allem bei Soldaten, aber
auch in der Öffentlichkeit vermehrt die Frage nach den „neuen Grenzen“ von Auslandseinsätzen.
Hierzu haben sich inzwischen in der rotgrünen Sicherheitspolitik bestimmte Grundlinien herauskristallisiert.
Eine verbindliche und vertrauenswürdige Verständigung über diese Grenzen steht aber noch
aus.
Es bleibt der Widerspruch, dass die verfassungsrechtliche Kernbegründung der Bundeswehr („Der
Bund stellt Streitkräfte zur Verteidigung auf.“ Art. 87a) und der reale Hauptauftrag der Bundeswehr
auseinander fallen. Das bleibt wohl im Verfassungsrahmen, weil das Grundgesetz als weitere
Einsatzmöglichkeit die „Wahrung des Friedens“ in einem System gegenseitiger kollektiver Sicherheit
(Art. 87a, 2 in Verbindung mit Art. 24, 2) eröffnet und Friedensstörung ausdrücklich verbietet. Es bedurfte
aber der höchstrichterlichen Interpretation durch das Bundsverfassungsgericht, um dieses klarzustellen.
Dieses Defizit an Klarheit wird durch den „erweiterten Verteidigungsbegriff“ der VPR („Verteidigung
Deutschlands am Hindukusch“) keineswegs aufgehoben, im Gegenteil.
Hierzu steht eine breite Debatte und Verständigung in Politik und Gesellschaft noch aus. Das neue
„Weißbuch der Bundesregierung zur Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland und zur Lage und
Zukunft der Bundeswehr“ sowie die Diskussion über ein Bundeswehraufgaben-Gesetz könnten Katalysatoren
in diesem dringenden Klärungsprozess sein. Der Staatsbürger in Uniform braucht – unabhängig
von der Wehrform - einen klaren und immer wieder neu überzeugenden Auftrag. Er muss begründet
darauf vertrauen können, dass die Bundesregierung alles für die nichtmilitärische Krisenbewältigung
tut und Streitkräfte nicht etwa aus Sekundärmotiven (z.B. zu Kompensationszwecken) einsetzt.
Alles andere würde den Boden für Söldnermentalitäten bereiten.
4
Rest-Wehrpflicht nüchtern betrachten
1. Anforderungen
Das Grundgesetz bestimmt die Möglichkeit der Wehrpflicht für Männer, schreibt sie aber nicht vor.
Dieses geschieht durch das Wehrpflichtgesetz, das mit einfacher Mehrheit geändert werden könnte.
Die Wahl einer Wehrform, ob Armee mit Wehrpflicht oder Freiwilligenarmee, ist eine Frage der Legitimation
und Effizienz. Jede Wehrform muss vor allem folgende Anforderungen erfüllen:
• Die Wehrform soll die Einsatzfähigkeit der Bundeswehr im Hinblick auf ihren politisch definierten
Auftrag sowie eine quantitativ und qualitativ zureichende Nachwuchsgewinnung sicherstellen.
Konsens ist, dass Wehrpflichtige nur auf freiwilliger Grundlage und nur nach solider Ausbildung an
internationalen Einsätzen teilnehmen können.
• Die rechtlich möglichen Verpflichtungen und Grundrechtseingriffe der Wehrpflicht müssen legitimiert,
verhältnismäßig und gerecht sein.
Politischer Konsens ist, dass die Wehrform vereinbar sein soll mit der Integration der Streitkräfte in
Rechtsstaat und Gesellschaft sowie mit einer zurückhaltenden Militärpolitik. Sie darf diese Errungenschaften
bundesdeutscher Sicherheitspolitik nicht in Frage stellen. Wir wollen keine hemmungslos
einsetzbare Söldnertruppe. Insofern geht es bei der Wehrform auch um die Schlüsselfrage, wofür wir
welche Streitkräfte haben wollen.
2. Sicherheitspolitisch unverzichtbar?
Die Wehrpflicht ist das Rekrutierungsinstrument für eine Massenarmee mit großem Reservistenpotenzial
für den „großen“ Verteidigungsfall. Das ist Vergangenheit. Hauptauftrag der Bundeswehr ist, dem
Schutz der Bundesrepublik und ihrer Verbündeten durch Beteiligung an multilateraler Krisenbewältigung
im Rahmen des VN-Systems zu dienen. Dafür bedarf es kleinerer, hochprofessioneller, schnell
einsatzbereiter und durchhaltefähiger Streitkräfte. Das Anforderungsprofil an die Soldaten steigt.
GWDL, die nach ihren Ausbildungsphasen nur wenige Monate zur Verfügung stehen, werden immer
weniger gebraucht. Die geradezu im Sturzflug sinkenden Einberufungen von GWDL belegen, dass ein
rascher Verzicht möglich und machbar ist. Die Funktionen, die heute von FWDL auch in Auslandseinsätzen
ausgeübt werden, bedürfen nicht der Wehrpflicht. Eine sinnvolle und machbare Alternative
wäre ein freiwilliger Kurzdienst.
Die Wehrpflicht erleichtert unzweifelhaft die Nachwuchsgewinnung der Bundeswehr. Sie ist dafür aber
keineswegs unverzichtbar. Allein über die Nachwuchsgewinnung kann die Wehrpflicht nicht begründet
werden. Sie muss schon für die unmittelbare Aufgabenerfüllung der Bundeswehr notwendig und unersetzbar
sein. Ansonsten ist sie hinfällig.
Streitkräfte brauchen immer ein gewisses Reservistenpotenzial, um die präsenten Kräfte bei Bedarf
verstärken zu können. Die Weizsäcker-Kommission hat zu Recht festgestellt, dass auch eine Freiwilligenarmee
Reservisten produziert – nur im kleineren Umfang. Ein relativ hoher Anteil an kürzer dienenden
und Zeitsoldaten könnte ein Reservistenpotenzial gewährleisten, aus dem bei sich grundlegend
verschlechternder Sicherheitslage zeitgerecht die Fähigkeit zur „großen Landesverteidigung“
wieder aufgebaut werden könnte (Rekonstitution). Deshalb aber die Wehrpflicht zu erhalten, hieße, für
einen Zeitraum jenseits der nächsten zehn Jahre massenhaft Reservisten „auf Halde“ zu produzieren
und die Wehrpflicht auf ewig festzuschreiben.
3. Einschränkung der Grundfreiheiten noch verhältnismäßig?
Die Wehrpflicht ist zur Sicherheit der Bundesrepublik und des Bündnisses nicht mehr zwingend notwendig.
Das müsste sie aber sein, um den massiven Eingriff in die Grundrechte und Lebensplanung
junger Männer zu rechtfertigen, den die Wehrpflicht immer noch darstellt. Hunderttausende Wehrpflichtige
und ihre Angehörigen sind von der Verzögerung von Studium oder Ausbildung, der Gefährdung
von Arbeitsplätzen, der Nichtgenehmigung von Auslandsaufenthalten, geringeren Verdienstmöglichkeiten
usw. betroffen. Für Wehr- und Zivildienstleistende sind zwangsweise die Grundrechte der
Berufsfreiheit, Freizügigkeit, Meinungsfreiheit, der Versammlungsfreiheit eingeschränkt, für Soldaten
faktisch auch das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Auch wenn hiervon inzwischen viel
5
weniger junge Männer betroffen sind und es mehr Elemente von Freiwilligkeit und Wahlfreiheit gibt, so
ist das kein Grund, diese Dimension des Grundrechtseingriffs so systematisch auszublenden, wie das
die meisten Wehrpflichtbefürworter heute tun.
4. Wo bleibt die Gerechtigkeit?
Hinzu kommt, dass durch die Öffnung der Bundeswehr für den freiwilligen Dienst von Frauen auch die
Aspekte von Gleichheit und Gerechtigkeit verfassungsrechtlich relevant geworden sind. Das Bundesverfassungsgericht
definiert die Wehrpflicht als „gleich belastende Pflicht“. Bei 30.000 Dienstposten
und maximal 40.000 jährlichen Einberufungen von Grundwehrdienstleistenden ist eine Gleichbelastung
für alle Wehrpflichtigen nicht einmal im Ansatz mehr herstellbar. Daran ändert auch die Tatsache
nichts, dass die Geburtsjahrgänge der 18-jährigen Männer nach einem Anstieg auf 454.000 bis 2006
ab 2009 auf 374.000 in 2013 absinken. Auch dann können nur etwas mehr als 10 % eines (männlichen)
Geburtsjahrgangs Grundwehrdienst leisten.
Die Wehrpflicht in ihrer heutigen Form ist in höchstem Maße ungerecht und damit verfassungsrechtlich
problematisch. Das wird durch den Widerspruch „Freiwilligendienst für Frauen – Zwangsdienst für
Männer“ verstärkt. Ökonomisch betrachtet ist die Wehrpflicht eine Naturalsteuer, wo der „Steuerpflichtige“
eine Abgabe in Form einer Dienstleistung erbringt. Wo diese aber nur noch von einer schrumpfenden
Minderheit erbracht werden muss, wird das Gebot der Allgemeinheit einer Steuer massiv verletzt.
Mit dem „2. Zivildienständerungsgesetz“ wurden Ehemänner, Lebenspartner und Väter von der Wehrpflicht
freigestellt und schlagartig 190.000 taugliche und verfügbare Männer aus der Wehrpflicht entlassen.
Wo ein subjektiv beeinflussbares Kriterium wie der Trauschein über die Befreiung von der
Wehrpflicht entscheidet und nur noch Junggesellen im Verteidigungsfall der Wehrpflicht unterliegen,
ist die Allgemeine Wehrpflicht faktisch ausgesetzt. Eine solche Praxis ist nur für eine sehr kurze Übergangsphase
hinnehmbar.
Die Koalitionsvereinbarung von 2002 versprach „größtmögliche Gerechtigkeit und Gleichbehandlung
zwischen Wehr- und Zivildienstleistenden“. Das wurde umgesetzt durch die Angleichung der Dauer
des Zivildienstes an die des Wehrdienstes. Von einer Angleichung der Anzahl der Dienstplätze kann
aber noch keine Rede sein. Wenn im Haushaltsjahr 2004 78.343 Wehrpflichtige zum Wehrdienst eingezogen
werden und 91.408 zum Zivildienst (2005: 66.700/109.000), dann nimmt hier die Ungleichbehandlung
sogar krass zu.
Die reale Wehrpflicht bewegt sich angesichts der eklatanten Ungleichbehandlung und Ungerechtigkeit
verfassungsrechtlich auf immer dünnerem Eis. Sie nimmt den Treueschwüren zur Wehrpflicht jede
Glaubwürdigkeit und zerstört die Reste von Akzeptanz unter Jüngeren.
5. Garant einer integrierten und rechtsstaatlichen Bundeswehr?
Die Wehrpflicht früherer Jahrzehnte hat zu einem breiten Personalaustausch, zu kontroversem Interesse
an den Streitkräften und ihrer Integration in die Gesellschaft beigetragen. Demgegenüber steht
die gesellschaftliche Wirkung des KDV-Verfahrens: Wo eine grundsätzliche, weltanschauliche Absage
an Krieg und Militär Voraussetzung der KDV-Anerkennung ist, wird eine politische Auseinandersetzung
mit den Streitkräften erschwert und fundamentale Distanzierung gefördert. Ausschlaggebend für
die erfolgreiche Integration der Bundeswehr in Rechtsstaat und Gesellschaft waren vor allem die gelebte
„Innere Führung“ mit dem Leitbild des mündigen „Staatsbürgers in Uniform“ und das Prinzip der
„Parlamentsarmee“. Das prägte die vergleichsweise unmilitaristische Mentalität in der Bundeswehr
und unterscheidet ihre Militärkultur von der vieler anderer Verbündeter.
Wo nur noch eine sozial nicht repräsentative Minderheit Wehrdienst leistet, wo junge Männer mit höheren
Bildungsabschlüssen und mehr linken/grünen Orientierungen sehr unterproportional Wehrdienst
leisten, kann aber von einer breiten Aufmerksamkeits- und Integrationswirkung der Wehrpflicht längst
keine Rede mehr sein. Die heutige Rest-Wehrpflicht ist ungeeignet, einer wachsenden Distanzierung
von Gesellschaft und Bundeswehr entgegenzuwirken.
6
6. Garant für militärische Zurückhaltung?
Die Behauptung, die Wehrpflicht fördere militärische Zurückhaltung, ist so beliebt wie falsch. Bei allen
bisherigen Einsatzentscheidungen spielte die Frage der Wehrpflichtigen nie eine Rolle, ging es ausschließlich
um Zeit- und Berufssoldaten sowie FWDL. Es ist abwegig, gerade von der untersten
Schicht der Militärhierarchie zu erwarten, dass diese die Entsendebereitschaft der Politik „bändigt“.
Diese Erwartung ist vollends unglaubwürdig aus dem Mund derjenigen, die zugleich eine Lockerung
des Parlamentsvorbehalts z.B. für die NATO Response Force befürworten.
Armeen mit einem großen Wehrpflichtigenanteil waren die deutsche Wehrmacht, die US-Armee in
Vietnam, die Rote Armee in Afghanistan. Der Grundsatz militärischer Zurückhaltung ist nicht aus der
Struktur der Streitkräfte oder der Staatsform abzuleiten. Dieser muss vielmehr fest in der politischen
Kultur von Staat und Gesellschaft verankert sein. Statt die Verantwortung auf die Wehrdienstleistenden
oder die Exekutive zu delegieren, muss die Bundeswehr eine „Parlamentsarmee“ bleiben.
7. Kostengünstiger?
Wehrpflichtige sind auf Grund des niedrigeren Wehrsoldes pro Kopf „billiger“, aber keineswegs kosteneffizienter.
Denn die Grundwehrdienstleistenden binden viel Ausbildungspersonal und Ressourcen,
sind der Bundeswehr auf Funktionsposten aber nur für wenige Monate „von Nutzen“. Für Auslandseinsätze
stehen sie wegen nicht zureichender Ausbildung gar nicht zur Verfügung. Das ist ein
Musterbeispiel für den ineffizienten Einsatz von Arbeitskräften. Die Wehrpflicht verursacht volkswirtschaftlich
höhere Kosten. (vgl. DIW-Wochenbericht 4/04)
Die niedrigeren Personalkosten von Wehrpflichtigen sind für einen Ressortminister in Zeiten knapper
Kassen ein in der Öffentlichkeit gerne verwendetes Argument. Die Beibehaltung der Wehrpflicht und
des personal- und kostenintensiven Erfassungs- und Rekrutierungsapparates können sie aber keineswegs
begründen. Sie stellen nur einen Teil der Kosten dar. Und nicht jeder Wehrpflichtige muss
durch einen Berufssoldaten ersetzt werden. Bislang haben die Befürworter der Wehrpflicht auch noch
keine überprüfbaren Berechnungen vorgelegt, welche Mehrkosten ihrer Auffassung nach eine Freiwilligenarmee
mit sich bringen würde. Studien, die von Befürwortern einer Freiwilligenarmee vorgelegt
wurden, kommen zu dem Ergebnis, dass diese – z.B. bei 220.000 Soldaten incl. Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung
und Nachwuchsgewinnung – kostengünstiger wäre als das jetzige Modell.
8. Verbündete Freiwilligenarmeen: nur teurer und dümmer?
Der Trend in NATO und EU geht eindeutig Richtung Freiwilligenarmee. Deshalb muss Deutschland
dem keineswegs folgen. Aber es gilt, aus den Erfahrungen der anderen zu lernen, im Positiven und im
Negativen. Die Bundeswehr kann selbstbewusst auf ihre friedensbewahrenden Einsätze auf dem Balkan
und in Afghanistan sehen. Sie hat sich als Armee der Inneren Führung bewährt und hohes Ansehen
erworben. Allerdings ist es verkürzt, überheblich und ausgesprochen bündnisunfreundlich, sie der
Wehrpflicht wegen als die intelligentere und bessere Armee hoch zu stilisieren – und die Freiwilligenarmeen
pauschal als dümmer, brutaler, älter und teurer abzuqualifizieren. Wer Freiwilligenarmeen
grundsätzlich unter Söldner-, gar Folterverdacht stellt, verkennt die höchst unterschiedlichen Militärkulturen
(parlamentarische Kontrolle, Innere Führung, Auftragstaktik), negiert, dass der Bundeswehr die
schlimmsten Herausforderungen – ein Kriegseinsatz auf Land – bisher erspart blieb, und beleidigt die
Verbündeten wie die freiwilligen Bundeswehrangehörigen.
9. Akzeptanz
Die Kluft ist unübersehbar: Die Wehrpflicht findet relativ hohe Akzeptanz bei denjenigen, die von ihr
nicht oder nicht mehr betroffen sind. Demgegenüber stellen die Jugendoffiziere der Bundeswehr in
ihrem Jahresbericht 2003 fest: „Die Akzeptanz der allgemeinen Wehrpflicht ist unter Jugendlichen fast
gänzlich geschwunden. (...) für die junge Generation auch nur noch eine Frage der Zeit, bis sich die
Bundesrepublik Deutschland für eine Freiwilligenarmee entscheidet.“ Nach der Änderung der Einberufungskriterien
sei „das Gefühl der Wehrgerechtigkeit so gut wie nicht mehr zu vermitteln“. Das jahrelange
Bemühen, die Wehrpflicht „neu zu begründen“ hat offenbar nichts gefruchtet. Der Anspruch, die
Wehrpflicht sei Ausdruck der gemeinsamen Verantwortung aller Bürgerinnen und Bürger für unser
Gemeinwesen, ist Ideologie, nicht Wirklichkeit. Immerhin engagieren sich nach Feststellung des
7
„Zweiten Freiwilligensurveys 2004“ 35% der 14- bis 25-Jährigen bürgerschaftlich! Unter den von der
Bundeswehr unabhängigen Fachjournalisten findet die Wehrpflicht nahezu keine Fürsprecher mehr.
10. Untaugliche Rettungsversuche
Die Vorschläge zur Rettung der Wehrpflicht werden wohl zahlreicher, aber keineswegs durchdachter.
• Einige SPD-KollegInnen empfehlen eine weitere Reduzierung der Wehrdienstdauer auf sechs,
gar drei Monate. Damit würde zwar der „Durchlauf“ erhöht, aber die Bundeswehr hätte in erster
Linie viel Ausbildungslast und keinerlei direkten Nutzen von Wehrdienstleistenden. Heraus
käme eine „Halde“ von nur ansatzweise ausgebildeten Hilfssoldaten. Der Zivildienst würde auf
ein kaum noch nützliches Zwangspraktikum reduziert werden.
• Aus der Union kommen Forderungen, Wehrpflichtige vermehrt im „Heimatschutz“ und zur Terrorabwehr
einzusetzen, gar einer „sicherheitspolitischen Dienstpflicht“. Der Einsatz von Wehrpflichtigen
zur Terrorabwehr wäre sinnlos und verantwortungslos. Sie wären nur einsetzbar
als angelernte Personalreserve für Polizei und BGS beim Objekt- und Raumschutz – mit der
Waffe und Hoheitsbefugnissen auf der Straße, konfrontiert mit höchst unterschiedlichen Herausforderungen.
Das liefe auf eine ständige Überforderung hinaus und hätte erheblich Risiken
zur Folge. Hinzu kommt, dass Wehrpflichtige den Rest an Dienstmotivation verlieren, wenn
sie zunehmend im Wach- und Sicherungsdienst eingesetzt würden.
• Für eine allgemeine Dienstpflicht gibt es Stimmen im ganzen politischen Spektrum, am meisten
bei der Union, aber auch bei Rot-Grün. Seit Jahren betonen die Wohlfahrtsverbände nachdrücklich,
dass diese gut gemeinte Idee nicht nur dem Verfassungs- und internationalen Recht
(Europäische Menschenrechtskonvention, Konventionen 29 und 105 der Internationalen Arbeitsorganisation
zur Zwangsarbeit) widersprechen würde, sondern sehr problematische Folgen
hätte: Wo Hunderttausende kurzfristige Einsatzplätze gefunden und staatlich besetzt werden
müssten, wäre eine breite Entprofessionalisierung die zwangsläufige Folge. Für den Bund
würden ein erheblicher Verwaltungsaufwand und Mehrkosten von mehreren Milliarden Euro
entstehen. Der Grundimpuls, dass möglichst viele Menschen sich sozial und ehrenamtlich
engagieren sollen, ist Konsens bei Rot-Grün. Allerdings hat sich überwiegend die Auffassung
durchgesetzt, dass dies auf freiwilliger Basis und altersoffen organisiert werden sollte.
Fazit: Übergang zur Freiwilligenarmee zügig fortsetzen
Die Dynamik von Streitkräftereformen und gesellschaftlichem Wandel gehen in Richtung Freiwilligenarmee.
Statt sich in aussichtslosen Rückzugsgefechten zu verlieren oder die Angelegenheit dem Bundesverfassungsgericht
zu überlassen, ist die Politik in der Pflicht, die Initiative zu ergreifen. Der SPD,
die unter der Überschrift „Innovation und Gerechtigkeit“ angetreten ist, den Politikwandel in Deutschland
gestalten, wird es nicht gelingen, die Wehrpflicht glaubhaft und überzeugend zu begründen. Insofern
wären die Wehrpflichtbefürworter in der SPD gut beraten, die Wehrpflicht im Eifer ihrer Verteidigung
nicht so zu überhöhen, dass spätere Kurskorrekturen nur noch mit erheblichen Begleitschäden
möglich sind.
Im Interesse einer konsequenten und tragfähigen Bundeswehrtransformation muss die Koalition zügig
zu einer Klärung der künftigen Wehrform kommen. Eine Bekräftigung der Wehrpflicht ist außerhalb
jeder Realität. Auf der Tagesordnung steht nicht mehr das OB sondern das WIE des Übergangs zur
Freiwilligenarmee und wie der bereits eingeleitete Wandel zur Freiwilligenarmee effizient, bündniskompatibel,
friedensfördernd, demokratie- und sozialverträglich gestaltet werden kann. Die Verbesserung
der Nachwuchsgewinnung und die Einführung eines attraktiven, freiwilligen und flexiblen Kurzdienstes
sind hierfür wichtige nächste Schritte.

Der liebe Jörg sollte keinen Aufsatz schreiben, um vom Thema abzulenken.
Eine Aüßerung vom Politikern, die Wehrpflicht ablehnen weil diese nicht für Frauen gilt, es nicht. Auch bei allen Aüßerungen über Wehrgerechtigkeit, die in der Zukunft zu hören sind, wird dieser Aspekt fehlen. Wo kämen wir den hin, in der Wehrpflicht eine Diskriminierung von Männern zu sehen und das auch nöch öffentlich zu machen. Oder hab ich was übersehen Herr Rupp, dann klären Sie mich auf.

Re: Wehrpflicht am Ende, typisch Rupp

Rüdiger, Thursday, 11.11.2004, 00:48 (vor 7757 Tagen) @ Friedwilli

Als Antwort auf: Re: Wehrpflicht am Ende, typisch Rupp von Friedwilli am 10. November 2004 22:13:58:

Der liebe Jörg sollte keinen Aufsatz schreiben, um vom Thema abzulenken.
Eine Aüßerung vom Politikern, die Wehrpflicht ablehnen weil diese nicht für Frauen gilt, es nicht. Auch bei allen Aüßerungen über Wehrgerechtigkeit, die in der Zukunft zu hören sind, wird dieser Aspekt fehlen. Wo kämen wir den hin, in der Wehrpflicht eine Diskriminierung von Männern zu sehen und das auch nöch öffentlich zu machen. Oder hab ich was übersehen Herr Rupp, dann klären Sie mich auf.

Hauptsache, sie fällt, warum und aus welchen Gründen, ist letztlich sekundär ....

Gruß, Rüdiger

Re: Wehrpflicht am Ende, typisch Rupp

Jörg Rupp, Thursday, 11.11.2004, 01:19 (vor 7757 Tagen) @ Friedwilli

Als Antwort auf: Re: Wehrpflicht am Ende, typisch Rupp von Friedwilli am 10. November 2004 22:13:58:


[quote]Der liebe Jörg sollte keinen Aufsatz schreiben, um vom Thema abzulenken.
Eine Aüßerung vom Politikern, die Wehrpflicht ablehnen weil diese nicht für Frauen gilt, es nicht. Auch bei allen Aüßerungen über Wehrgerechtigkeit, die in der Zukunft zu hören sind, wird dieser Aspekt fehlen. Wo kämen wir den hin, in der Wehrpflicht eine Diskriminierung von Männern zu sehen und das auch nöch öffentlich zu machen. Oder hab ich was übersehen Herr Rupp, dann klären Sie mich auf.
[/quote]

Hst Du überhaut gelesen, auf was Du antwortest:

Die Wehrpflicht in ihrer heutigen Form ist in höchstem Maße ungerecht und damit verfassungsrechtlich

problematisch. Das wird durch den Widerspruch „Freiwilligendienst für Frauen – Zwangsdienst für
Männer“ verstärkt. [...] Eine solche Praxis ist nur für eine sehr kurze Übergangsphase
hinnehmbar.

Jörg

Re: Wehrpflicht am Ende, typisch Rupp

reinecke54, Thursday, 11.11.2004, 10:46 (vor 7756 Tagen) @ Jörg Rupp

Als Antwort auf: Re: Wehrpflicht am Ende, typisch Rupp von Jörg Rupp am 10. November 2004 23:19:42:

Hst Du überhaut gelesen, auf was Du antwortest:
Die Wehrpflicht in ihrer heutigen Form ist in höchstem Maße ungerecht und damit verfassungsrechtlich

problematisch. Das wird durch den Widerspruch „Freiwilligendienst für Frauen – Zwangsdienst für
Männer“ verstärkt. [...] Eine solche Praxis ist nur für eine sehr kurze Übergangsphase
hinnehmbar.

Jörg

Ich denke, der letzte zitierte satz bezieht sich nicht auf
den vorstehend zitierten, sondern altbekannt auf wehrgerechtigkeit
unter maennern, also den ausgelassenen text. Trotzdem: ein schluessiges
und unaufgeregtes papier, das aber auch nur in ein, zwei saetzen auf die
wehrungerechtigkeit zwischen maennern & frauen eingeht.
Es ist also ein unscheinbares nebenargument. Und es wird
in der tat nur selten in der oeffentlichkeit geaeussert.

Der behauptung von Alex kann man also wohl kaum widersprechen.

Re: Wehrpflicht am Ende, typisch Rupp

Alex, Thursday, 11.11.2004, 11:38 (vor 7756 Tagen) @ reinecke54

Als Antwort auf: Re: Wehrpflicht am Ende, typisch Rupp von reinecke54 am 11. November 2004 08:46:59:

Der behauptung von Alex kann man also wohl kaum widersprechen.

Ich dachte es kommen wenigstens ein paar aufmunternde Worte! Aber wenn man da echt kaum widersprechen kann... umso schlimmer!
Alex

Re: Wehrpflicht am Ende, typisch Rupp

Friedwilli, Friday, 12.11.2004, 22:46 (vor 7755 Tagen) @ Jörg Rupp

Als Antwort auf: Re: Wehrpflicht am Ende, typisch Rupp von Jörg Rupp am 10. November 2004 23:19:42:

Der liebe Jörg sollte keinen Aufsatz schreiben, um vom Thema abzulenken.
Eine Aüßerung vom Politikern, die Wehrpflicht ablehnen weil diese nicht für Frauen gilt, es nicht. Auch bei allen Aüßerungen über Wehrgerechtigkeit, die in der Zukunft zu hören sind, wird dieser Aspekt fehlen. Wo kämen wir den hin, in der Wehrpflicht eine Diskriminierung von Männern zu sehen und das auch nöch öffentlich zu machen. Oder hab ich was übersehen Herr Rupp, dann klären Sie mich auf. [/i]

Hst Du überhaut gelesen, auf was Du antwortest:
Die Wehrpflicht in ihrer heutigen Form ist in höchstem Maße ungerecht und damit verfassungsrechtlich

problematisch. Das wird durch den Widerspruch „Freiwilligendienst für Frauen – Zwangsdienst für
Männer“ verstärkt. [...] Eine solche Praxis ist nur für eine sehr kurze Übergangsphase
hinnehmbar.

Jörg

Es geht nicht um irgendwelche abstrusen Schriftstücke Herr Rupp, es geht um die TV Sender, in denen grüne exakt die Diskriminierung von Männern gegenüber Frauen erwähnen konnten. Also jetzt mochmal, kennst du eine solche Aüßerung? Entweder kapierst du es nicht, oder du willst die Sache ein wenig verwässern. Warum tun grüne nicht einmal so, als gelte der Zwangsdienst für Frauen. Verstehst du jetzt was ich meine, deutlicher kann ich es nicht mehr audrücken.

Woher der Meinungswechsel?

Bruno, Thursday, 11.11.2004, 15:21 (vor 7756 Tagen) @ Jörg Rupp

Als Antwort auf: Re: Wehrpflicht am Ende von Jörg Rupp am 10. November 2004 13:18:18:

Lieber Jörg Rupp,

Fakt ist, dass auch die Grünen dieses Jahr schon zweimal gegen Anträge der FDP zur Aussetzung der Wehrpflicht abgelehnt haben. Damals hast du begründet, man kann die Wehrpflicht ja nicht so einfach aussetzen. Jetzt plötzlich, wenige Monate später ist es plötzlich möglich, die Wehrpflicht sogar so einfach abzuschaffen. Komisch, nicht? Das ganze klingt mir doch sehr nach Männernepp.

Und was die Motivation als Friedensbewegung betrifft, wie Odin dies erwähnt, muss man das Faktum sehen, dass unter einer rot-grünen Regierung und einem grünen Außenminister bundesdeutsche Soldaten zum ersten Mal aktiv in einen Krieg geschickt wurden. Wollte die Friedensbewegung nicht Frieden schaffen ohne Waffen? Oder war das nur ein Druckfehler damals und sie meinte "Frieden schaffen ohne Waffeln"?

Politik muss an den Taten, nicht an Worten gemessen werden. Und die Wehrpflicht existiert nach 6 Jahren rot-grün immer noch. Ich bezweifle nicht, dass es auch Grüne und sogar Rote gibt, die gegen Wehrpflicht sind, aber ob die wirklich in der Mehrheit sind, wage ich zu bezweifeln.

Und wenn die Wehrpflicht fallen sollte, dann, weil sich die Männer endlich einmal nicht jede Diskriminierung haben gefallen lassen und Druck gemacht haben.

Gruß

Bruno

Gleichberechtigung ist etwas Tolles. Schade, dass sie nur für Frauen gilt.

www.manndat.de

Re: Woher der Meinungswechsel?

Jörg Rupp, Thursday, 11.11.2004, 21:22 (vor 7756 Tagen) @ Bruno

Als Antwort auf: Woher der Meinungswechsel? von Bruno am 11. November 2004 13:21:04:

Lieber Jörg Rupp,
Fakt ist, dass auch die Grünen dieses Jahr schon zweimal gegen Anträge der FDP zur Aussetzung der Wehrpflicht abgelehnt haben. Damals hast du begründet, man kann die Wehrpflicht ja nicht so einfach aussetzen. Jetzt plötzlich, wenige Monate später ist es plötzlich möglich, die Wehrpflicht sogar so einfach abzuschaffen. Komisch, nicht? Das ganze klingt mir doch sehr nach Männernepp.

Die FDP wollte die Wehrpflicht kurzfristig abschaffen, das ist nach wie vor nicht möglich. Das steht in diesem Papier auch drin. Leider ist es kurzfristig nicht möglich. Das, was die FDP macht, ist Männernepp - oder Populismus.

Und was die Motivation als Friedensbewegung betrifft, wie Odin dies erwähnt, muss man das Faktum sehen, dass unter einer rot-grünen Regierung und einem grünen Außenminister bundesdeutsche Soldaten zum ersten Mal aktiv in einen Krieg geschickt wurden. Wollte die Friedensbewegung nicht Frieden schaffen ohne Waffen? Oder war das nur ein Druckfehler damals und sie meinte "Frieden schaffen ohne Waffeln"?

Du kannst mir glauben - oder auch nicht - das ich perönlich gegen jeden Kriegsensatz gestimmt habe und auch massiven innerparteilichen Widerstand geleistet habe und immer noch tue. Ich finde es auch unsäglich. Aber austreten deshalb werde ich nicht...

Politik muss an den Taten, nicht an Worten gemessen werden. Und die Wehrpflicht existiert nach 6 Jahren rot-grün immer noch. Ich bezweifle nicht, dass es auch Grüne und sogar Rote gibt, die gegen Wehrpflicht sind, aber ob die wirklich in der Mehrheit sind, wage ich zu bezweifeln.

Es sind in diesem Fall die Roten, die blockieren.

Und wenn die Wehrpflicht fallen sollte, dann, weil sich die Männer endlich einmal nicht jede Diskriminierung haben gefallen lassen und Druck gemacht haben.

Das ist sicherlich auch ein Verdienst derjenigen, die das immer wieder thematisiert haben, Männer, Grüne, APO, NGOs etc.pp.

Jörg

Re: Woher der Meinungswechsel?

Odin, Friday, 12.11.2004, 13:23 (vor 7755 Tagen) @ Jörg Rupp

Als Antwort auf: Re: Woher der Meinungswechsel? von Jörg Rupp am 11. November 2004 19:22:28:

Es kann natürlich niemand den Grünen vorwerfen, daß sie fähig sind, Kompromisse zu schließen. Gerade die Gegner der Grünen und der Koalition sind ja beträchtlich sauer darüber, weil sie gehofft hatten, die Grünen wären kompromisslos und die Koalition ist in ein paar Monaten beendet. Noch wichtigere Dinge, wie z.B. der Atomausstieg, konnte ja auch nicht hopplahopp geschehen.
Ich erwarte aber schon, daß die Koalitionszusage, das Thema noch vor 2006 zu behandeln, auch eingehalten wird und der Druck der Grünen auch spürbar. In einem Interview mit einer Grünenpolitikerin habe ich sogar von einer bevorstehenden Krise der Koalition gehört, wenn die SPD da nicht einen großen Schritt auf die Grünen zugehen sollte. Ein deutlicher Endpunkt muß gesetzt werden, genauso wie beim Atomausstieg! Dies ist möglich, weil es inzwischen auch genügend SPD-Politiker gibt, die gegen den Wehrdienst sind.

Re: Woher der Meinungswechsel?

delete, Friday, 12.11.2004, 14:03 (vor 7755 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Re: Woher der Meinungswechsel? von Odin am 12. November 2004 11:23:42:

In einem Interview mit einer Grünenpolitikerin habe ich sogar von einer bevorstehenden Krise der Koalition gehört, wenn die SPD da nicht einen großen Schritt auf die Grünen zugehen sollte.

Ankündigungen, Worte, nichts weiter. Taten zählen! Genau wie früher die FDP sind inzwischen die "grünen" zu an ihren Posten und Mandaten klebenden Anhängseln des großen Koalitionspartners geworden. Die nicken alles ab um nur ja in Amt und Würden zu bleiben. Rückgratloses Gesindel.

Re: Woher der Meinungswechsel?

Odin, Saturday, 13.11.2004, 02:21 (vor 7755 Tagen) @ delete

Als Antwort auf: Re: Woher der Meinungswechsel? von delete am 12. November 2004 12:03:26:

Ankündigungen, Worte, nichts weiter. Taten zählen! Genau wie früher die FDP sind inzwischen die "grünen" zu an ihren Posten und Mandaten klebenden Anhängseln des großen Koalitionspartners geworden. Die nicken alles ab um nur ja in Amt und Würden zu bleiben. Rückgratloses Gesindel.

Hast Du die Zeitungsartikel gelesen, die ich gepostet habe?
Hats auch nur in Ansätzen vor 5 oder 10 Jahren eine ähnliche Fülle von Meldungen gegeben?

Re: Woher der Meinungswechsel?

Bruno, Friday, 12.11.2004, 13:48 (vor 7755 Tagen) @ Jörg Rupp

Als Antwort auf: Re: Woher der Meinungswechsel? von Jörg Rupp am 11. November 2004 19:22:28:

Du kannst mir glauben - oder auch nicht - das ich perönlich gegen jeden Kriegsen-satz gestimmt habe und auch massiven innerparteilichen Widerstand geleistet habe und immer noch tue.

... Ich glaube dir. Aber den Grünen glaube ich nicht. Dass die Grünen jungen-, väter- und männerfeindlich sind, wird sicher niemand bestreiten wollen.

Jungenfeindlich z.B. wegen des Bestehens auf jungenausgrenzender Bildungs- und Jugendpolitik (z.B. Zukunftstag).

Väterfeindlich z.B. wegen einer Familienpolitik, die vom Menschrechtsgerichtshof als Menschrechtsvergehen gegen Väter nicht ehelicher Kinder verurteilt wird.

Männerfeindlich z.B. wegen der männerdiskriminierenden Gesundheitspolitik.

Warum sollten sich die Grünen nun auf einmal für männliche Mitbürger einsetzen wollen? Das muss doch einen ganz gewaltigen Haken haben. Also deshalb sollten wir die Grünen erst mal die Wehrpflicht abschaffen lassen, dann können wir sie loben.

Gleichberechtigung ist etwas Tolles. Schade, dass sie nur für Frauen gilt.

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Re: Wehrpflicht am Ende

XRay, Saturday, 13.11.2004, 20:06 (vor 7754 Tagen) @ Jörg Rupp

Als Antwort auf: Re: Wehrpflicht am Ende von Jörg Rupp am 10. November 2004 13:18:18:

Also mal Klartext:

Ich verstehe nicht, warum wir uns über
- Freiwillige Dienste
- Nachwuchsgewinnung bei der Armee
- Verankerung des Armee in der Bevölkerung
- Ersatzzwangs oder -freiwilligendienste
- und dgl. mehr
im Zusammenhang mit der Frag OB die Wehrpflicht abgeschafft
wird, überhaupt unterhalten müssen.

Klar ist, daß die heute praktizierte Wehrpflicht nicht
nur "verfassungsrechtlich bedenklich" ist, wie das gerne
umschrieben wird, sondern verfassungswidrig. BASTA.

Wenn wir hier in einem Staat lebten, in dem ein Grundgesetz
irgend eine Bedeutung hätte, dann brauchte es keine Diskussion
über das OB, sondern nur über das WIE und zwar SOFORT.

absolute Zustimmung! (n/t)

Andreas, Saturday, 13.11.2004, 20:21 (vor 7754 Tagen) @ XRay

Als Antwort auf: Re: Wehrpflicht am Ende von XRay am 13. November 2004 18:06:14:

Vorsicht Falle?

Bruno, Wednesday, 10.11.2004, 15:24 (vor 7757 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Wehrpflicht am Ende von Odin am 09. November 2004 18:23:26:

Aufgepasst,

2006 ist Bundestagswahl, also in 2 Jahren, d.h. langsam beginnen die Ausläufer des Wahlkampfes. Rot-Grün ist vor Bundestagswahlen immer für die Abschaffung der Wehrpflicht, nur um dann doch nichts zu tun.

Es kann natürlich sein, dass hier Rot-Grün mal nicht nur seinen üblichen Männer-Nepp durchzieht, aber das werden wir dann noch rechtzeitig erfahren. Ich bin deshalb dafür, diese politischen Scheindiskussionen nicht überzubewerten und davon auszugehen, dass Rot-Grün in den nächsten 2 Jahren das bezüglich Wehrpflicht macht, was sie in den letzten 6 Jahren gemacht haben, nämlich nichts.

Und was unseren lieben Herrn Volker Beck angeht, darf ich darauf hinweisen, dass er ja nach der Abschaffung der Wehrpflicht einen einseitigen Zwangssozialdienst für Männer einführen will, also Männer als billige Zwangsarbeiter benutzen möchte. Und das ist natürlich die andere Seite: Wenn diejenigen, die bisher jede Diskriminierung männlicher Mitbürger begrüßt und gefördert haben, plötzlich Anliegen männlicher Mitbürger entdecken, ist da nicht was faul? Ich sagte ja, dass viele dieser „Männerbefreier und Innen“ nichts anderes wollen als die Männer für billige Zwangsarbeit im Sozialbereich zu benutzen – Sozialismus halt.

Und denkt daran, die Frauenquote in der Wirtschaft wird kommen.

Gruß

Bruno

Gleichberechtigung ist etwas Tolles. Schade, dass sie nur für Frauen gilt.

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Re: Vorsicht Falle?

Odin, Wednesday, 10.11.2004, 16:59 (vor 7757 Tagen) @ Bruno

Als Antwort auf: Vorsicht Falle? von Bruno am 10. November 2004 13:24:08:

Ich denke eigentlich, dass es sich schon seit Jahren auf die Abschaffung der Wehrpflicht hinbewegt. Das war es ja auch, was die CDU an der letzten Umstrukturierung so bemaengelt hat, dass sie der Anfang vom Ende der Wehrpflicht sei.
Ich denke nicht, dass die SPD oder die Gruenen *verdammt, warum habe ich ploetzlich eine amerikanische Tastatur* hier bewusst ein 'Maennerthema' angehen. Den Gruenen gehts um die Wehrpflicht an sich, die sie als ehemalige Friedensbewegung nicht akzeptieren wollen.

Re: Vorsicht Falle?

Christian, Wednesday, 10.11.2004, 17:03 (vor 7757 Tagen) @ Bruno

Als Antwort auf: Vorsicht Falle? von Bruno am 10. November 2004 13:24:08:

Volle Zustimmung!
Ich frage mich auch, was haben die Grünen in den letzten 6 Jahren unternommen bzw. welche Aktionen durchgeführt um die einseitigen MännerZwangsdienste (Wehrpflicht /Zivildienst) abzuschaffen? Waren es bis jetzt nur Lippenbekenntnisse um Wählerstimmen zu fangen und die Grünen an einer Abschaffung der einseitigen MännerZwangsdienste überhaupt nicht ernsthaft daran interessiert sind? Ich glaube sogar, wenn Frauen statt Männer die Zwangsdienstleistenden gewesen wären, dann würde es seit 6 Jahren keine Zwangsdienste mehr geben, denn SPD & Grüne (Bundesregierung seit 1998) hätten diese Zwangsdienste als geschlechterrassistisch, menschenverachtend, menschenrechtsverletzend, frauenfeindlich und als Sexismus sehr scharf verurteilt und sofort abgeschafft! SPD & Grüne glaube ich nur noch dann ein Wort, wenn die MännerZwangsdienste (Wehrpflicht / Zivildienst) vor der nächsten Bundestagswahl komplett abgeschafft wurden!
Männerfeindliche, männerdiskriminierende, geschlechterrassistische Politiker und Parteien wähle ich grundsätzlich nicht mehr!

meint,
Christian

Re: Vorsicht Falle?

reinecke54, Wednesday, 10.11.2004, 19:21 (vor 7757 Tagen) @ Bruno

Als Antwort auf: Vorsicht Falle? von Bruno am 10. November 2004 13:24:08:

Und was unseren lieben Herrn Volker Beck angeht, darf ich darauf hinweisen, dass er ja nach der Abschaffung der Wehrpflicht einen einseitigen Zwangssozialdienst für Männer einführen will, also Männer als billige Zwangsarbeiter benutzen möchte.

War das nicht der ministerpraesident KURT Beck (SPD)? Volker
Beck ist Gruen.

Aber auch ich befuerchte eine dummy-diskussion, um junge
maenner einzuwickeln. Und die reform waere tot, wenn
in 2 jahren schwarz-gelb gewinnt. In der CDU/CSU gibt's
zu wenig wehrpflichtgegner.

Stimmt, Irrtum von mir

Bruno, Thursday, 11.11.2004, 15:18 (vor 7756 Tagen) @ reinecke54

Als Antwort auf: Re: Vorsicht Falle? von reinecke54 am 10. November 2004 17:21:55:

Stimmt, du hast Recht, ich meinte den roten, den pfälzer Beck. Der will junge Männer als billige Zwangsarbeiter im sozialen Bereich benutzen und somit einen großen Schritt in Richtung Sozialismus tun. Es ist schon beängstigend, mit welcher Selbstverständlichkeit viele Politiker und Innen meinen in einer Demokratie beliebig über das Selbstbestimmungsrecht freier, junger Männer bestimmen zu dürfen.

Gruß

Bruno

Gleichberechtigung ist etwas Tolles. Schade, dass sie nur für Frauen gilt.

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Darauf ein Beck's. Prost! (n/t)

reinecke54, Thursday, 11.11.2004, 16:13 (vor 7756 Tagen) @ Bruno

Als Antwort auf: Stimmt, Irrtum von mir von Bruno am 11. November 2004 13:18:07:

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