Gut getarnte Sexual-Täterinnen
Gut getarnte Sexual-Täterinnen
(rog) Ursula Enders, Leiterin der Kölner Opferberatungsstelle "Zartbitter",
packte in ihrem Vortrag gleich zwei heiße Eisen an: 15 bis 25 Prozent aller
Täter, die Kinder sexuell missbrauchen, seien demnach Frauen. Nicht wenige
der Täterinnen fänden sich in Jugendeinrichtungen und Kindertagesstätten.
Dort könnten die Pädagoginnen und Therapeutinnen oft jahrelang ihren
Machenschaften nachgehen, ohne Gefahr zu laufen, entdeckt zu werden. Denn:
"Das Ausmaß der Gewalt durch Frauen wird in der Öffentlichkeit noch immer
stark verkannt", betonte Enders. Allein in Köln hätte "Zartbitter" in den
vergangenen drei Jahren 14 Tagesstätten beraten, in deren Teams Täterinnen
und Täter entlarvt wurden. Besonders perfide sei es, wenn sich die
Täterinnen die Maske der 'Fachfrau gegen sexualisierte Gewalt 'aufsetzten.
Meist flögen die sexuellen Übergriffe erst auf, wenn der männliche Kollege
aus gemischt-geschlechtlichen Teams von den Kindern als Täter benannt worden
sei. "Die Gewalttaten seiner Kollegin wurden von den Kindern erst viel
später berichtet", so Enders. Ein äußerst niedriges Entdeckungsrisiko habe
auch die missbrauchende Großmutter eines Kindes, die Schwester, allein
erziehende Mutter oder Babysitterin. Hinter der fürsorglich, engagierten
Maske versteckten sich Frauen, die hinsichtlich ihrer Gewaltbereitschaft und
Skrupellosigkeit mit männlichen Tätern gleichzögen.