Machtfrage
Max, Sunday, 31.10.2004, 10:14 (vor 7767 Tagen)
Hallo Leute,
ist hier irgendeiner der Ansicht, daß gesetzliche Benachteiligungen von Männern "saudumme Zufälle" sind, "handwerkliche Fehler" vielleicht, die umgehend behoben würden, wenn sie denn erst einmal als solche erkannt sind?
Glaubt einer, daß die herrschende politische "Klasse" in dieser Hinsicht an "Umsetzung von Erkenntnis" überhaupt interessiert ist?
Oder ist es nicht vielmehr so, daß es jeder Regierung um den Machterhalt geht und daß dabei die weiblichen Wählerstimmen (es gibt mehr wahlberechtigte Frauen als Männer) unerlässlich sind? Wenn es denn so wäre: Welche Aussichten räumen wir dann einer "Männerarbeit" ein, die argumentativ vorgeht und dabei die "demokratisch legitimen" Mittel nutzt, die ihr zur Verfügung stehen?
Große Aussichten? Kleine? Gar keine?
Geht es - bspw. beim Gender-Mainstreaming - wirklich um Gerechtigkeit oder geht es eher um die Zementierung von Ungerechtigkeiten, denen nunmehr das Etikett "Ausgewogen und für gerecht befunden" angeklebt werden soll? Und wer definiert diese seltsame "neue" Gerechtigkeit, die da Gesetzeskraft verliehen bekommt? Sind das nicht dieselben "Männer" und Frauen, die sich vorher schon mit Gleichstellungs- und Frauenförderungsaufgaben beschäftigten und dazu Umfragen und Forschungsarbeiten in Auftrag gegeben haben, deren Wunschergebnisse sie entweder vordefiniert- oder bei unpassendem Ergebnis kaltschnäuzig ignoriert hatten (Gutachten Prof.Dr. Bock zum Gewaltschutzgesetz bspw.)?
Wenn es dieselben sind und wenn Gender-Mainstreaming "was Neues" sein soll: Heißt das dann, daß diese Herrschaften vorher Mist gebaut haben und sozusagen eine "zweite Chance" kriegen? - Warum?
Oder ist das alles lediglich eine Machtfrage?
Wenn es denn lediglich eine Machtfrage ist, welche Schlüsse müßten Männer dann hinsichtlich ihres zukünftigen Handelns ziehen?
Meinungen dazu? - Max
Re: Machtfrage
Eugen Prinz, Sunday, 31.10.2004, 16:19 (vor 7767 Tagen) @ Max
Als Antwort auf: Machtfrage von Max am 31. Oktober 2004 08:14:34:
Damit es nicht heißt, ich stänkere nur herum:
Die rhetorischen Fragen lasse ich mal aus. Es geht garnicht um Wählerstimmen. Es ist ja auch völlig egal, wer dran ist. Die Parteien machen alle mehr oder weniger das gleiche und nehmen sich ja gegenseitg auch die Frauenstimmen weg.
Es geht ja auch nicht nur um Gender-Mainstreaming. Es gibt noch mehr solche Kuckuckseier, die omnimöse.. äh, ominöse Agenda21 zum Beispiel. Schlage sie auf und du liest darin wie in einem Buche die Handschrift einer grün-feministischen Lobby. Nachhaltigkeit für Frauen, außerdem für Frauen und zusätzlich noch für Frauen. Nicht dass das mehr wert wäre, als das Papier, auf dem es steht, aber es ist ein Beispiel(!), wie die Besetzung öffentlicher Plätze funktioniert. Die sind eben hingegangen nach Rio und haben mitgemischt.
Klar, es macht viel mehr Spaß, am Wochenende sein Lieblingsspielzeug auf Hochglanz zu polieren. Aber dann ist man oder der Mann eben draußen. Die Politik wird ja nicht mit Wählerstimmen entschieden. Das sollen wir vielleicht glauben, aber wer ist noch so blöd? Die Hälfte jedenfalls nicht mehr. Die geht schon garnicht mehr hin zum Wählen.
Männerarbeit, wie ich sie verstehe, bedeutet, dass WIR (damit meine ich UNS) Plätze wieder besetzen, die wir preisgegeben, um nicht zu sagen: verschlafen haben. Das muss nicht bedeuten, dass wir versuchen, von dem Kuchen, den andere backen, etwas für UNS abzubeißen. Es kann auch bedeuten, dass wir selbst in die Bäckerei einsteigen, mit Initiativen... mit Agenden25, Gender-Downstreaming-Programmen, mit Koalitionen mit anderen, wasweißich... Aber dazu brauchen wir Kompetenzen, Zeit, Leute, Beharrlichkeit, wenn wir die öffentlichen Plätze nicht verschenken wollen.
Das Resultat ist Macht. Jedenfalls funktioniert es so, hierzulande. Man mischt mit und gewinnt Einfluss, oder man tut es nicht und hat keinen.
Wenn beim Tauziehen eine Partei nichts macht, bleibt auch nichts, wie es ist.
Ich gebe es gerne zu: Was hat mich vor zwanzig Jahren die Frauen/Männerkiste interessiert, außer in einer Hinsicht, hehe. Und noch heute kann ich mir zwanzig schönere Zeitvertreibe vorstellen, bevor ich an Politik denke. Aber das ist, wie sich zeigt, eine gefährliche Ignoranz.
Die alten Griechen hatten für den unpolitischen Menschen das Wort: Idiot
So wollen wir doch wohl nicht dastehen.
Ich jedenfalls nicht.
Eugen
Re: Machtfrage
Max, Sunday, 31.10.2004, 17:58 (vor 7767 Tagen) @ Eugen Prinz
Als Antwort auf: Re: Machtfrage von Eugen Prinz am 31. Oktober 2004 14:19:40:
Hallo Eugen,
Damit es nicht heißt, ich stänkere nur herum:
...was nun wirklich weit hergeholt wäre...
Die rhetorischen Fragen lasse ich mal aus. Es geht garnicht um Wählerstimmen.
...nicht? Ohne daß ich es genau wüßte, aber: Fast möchte ich wetten, daß die Grünen den höchsten Anteil weiblicher Wähler haben. Und in den Nachrichten kannst du z.Zt. jeden Tag "Women for Kerry" - Plakate sehen.
Es ist ja auch völlig egal, wer dran ist. Die Parteien machen alle mehr oder weniger das gleiche und nehmen sich ja gegenseitig auch die Frauenstimmen weg.
...na ja - sie buhlen alle um Frauenstimmen eben weil Frauen die Mehrzahl der Wähler stellen. Zwar weiß ich nicht, ob die Wahlbeteiligung unter Frauen höher ist als die unter Männern, dennoch vermute ich, daß sich eben diejenige Partei die höchsten Siegchancen ausrechnen darf, die sich am "frauenbewegtesten" geriert. Daß dann hinterher eh alle mehr oder weniger dasselbe machen ist eine andere Geschichte, oder?
Es geht ja auch nicht nur um Gender-Mainstreaming. Es gibt noch mehr solche Kuckuckseier, die omnimöse.. äh, ominöse Agenda21 zum Beispiel. Schlage sie auf und du liest darin wie in einem Buche die Handschrift einer grün-feministischen Lobby. Nachhaltigkeit für Frauen, außerdem für Frauen und zusätzlich noch für Frauen. Nicht dass das mehr wert wäre, als das Papier, auf dem es steht, aber es ist ein Beispiel(!), wie die Besetzung öffentlicher Plätze funktioniert. Die sind eben hingegangen nach Rio und haben mitgemischt.
...ja schon, aber das ist ja meine Frage: Begeben wir uns, wenn wir da mitmischen, in ein Endlos-Tauziehen, das letzlich um seiner selbst Willen betrieben wird, da gerechte Ergebnisse im Hinblick auf die bereits erfolgte und etablierte "Besetzung öffentlicher Plätze" und der daraus resultierenden (Medien)machtverteilung illusorisch sind?
Klar, es macht viel mehr Spaß, am Wochenende sein Lieblingsspielzeug auf Hochglanz zu polieren. Aber dann ist man oder der Mann eben draußen.
...das ist schon wahr. Auch wahr ist aber, daß ein Scheißspiel ein Scheißspiel bleibt, selbst wenn ich notgedrungen mitspiele. Warum nicht kategorisch die Einmischung des Staates in das Geschlechterverhältnis ablehnen und diese Einmischung "bekämpfen", anstatt in das "Scheißspiel" mit einzusteigen? Ich bin mir nicht so sicher, daß "mitspielen" andere Ergebnisse zeitigen würde, als nur die Bindung von Kräften, die letztlich wirkungslos verpuffen - die Gründe habe ich oben genannt.
Die Politik wird ja nicht mit Wählerstimmen entschieden.
...die nicht. Aber die Politiker, die zum Einsatz kommen schon.
Das sollen wir vielleicht glauben, aber wer ist noch so blöd? Die Hälfte jedenfalls nicht mehr. Die geht schon garnicht mehr hin zum Wählen.
...ob es wohl diese Einsicht ist, die sie vom Wählen abhält? Ich kann mir da eine Menge anderer Gründe vorstellen. Schlechtwetter am Wahltag, Bequemlichkeit, Indifferenz u.v.m....
Männerarbeit, wie ich sie verstehe, bedeutet, dass WIR (damit meine ich UNS) Plätze wieder besetzen, die wir preisgegeben, um nicht zu sagen: verschlafen haben. Das muss nicht bedeuten, dass wir versuchen, von dem Kuchen, den andere backen, etwas für UNS abzubeißen. Es kann auch bedeuten, dass wir selbst in die Bäckerei einsteigen, mit Initiativen... mit Agenden25, Gender-Downstreaming-Programmen, mit Koalitionen mit anderen, wasweißich... Aber dazu brauchen wir Kompetenzen, Zeit, Leute, Beharrlichkeit, wenn wir die öffentlichen Plätze nicht verschenken wollen.
...die öffentlichen Plätze, um die wir uns Deiner Ansicht nach bemühen sollten, die dürfte es meiner Ansicht nach ( zu einem guten Teil jedenfalls)gar nicht geben.
Das Resultat ist Macht. Jedenfalls funktioniert es so, hierzulande. Man mischt mit und gewinnt Einfluss, oder man tut es nicht und hat keinen.
...Das ist aber doch kein Zustand!?...äh... Zustände sind das! Ich finde es absolut nicht in Ordnung, daß man neuerdings wo mitmischen soll, um nicht über den Löffel balbiert zu werden. Wozu habe ich denn schließlich Volksvertreter?
Wenn beim Tauziehen eine Partei nichts macht, bleibt auch nichts, wie es ist.
...wohl wahr! Wenn man allerdings beim Tauziehen keine Chance hat, weil man bspw. gar keine haben soll, dann kann man auch gleich los lassen und zuschauen, wie es die Gegenseite "siegreich auf den Arsch setzt". Sodann geht man einfach über die Linie und "haut ihr ein paar auf die Nuß".
Ich gebe es gerne zu: Was hat mich vor zwanzig Jahren die Frauen/Männerkiste interessiert, außer in einer Hinsicht, hehe. Und noch heute kann ich mir zwanzig schönere Zeitvertreibe vorstellen, bevor ich an Politik denke. Aber das ist, wie sich zeigt, eine gefährliche Ignoranz.
...deswegen bin ich dafür, die Kräfte zu unterstützen, die sich allgemeiner gegen die Anmassungen des Staates engagieren (Stichwort "Neoliberale" - "was auch immer das sein soll"... hehehe), da Fehlentwicklungen - bspw. in der Wirtschafts-, Gesellschafts- und Bildungspolitik - viel größere Resonanz finden dürften als rein geschlechterbezogene Themen. Und eines ist sicher: Im Zuge weitreichender Deregulierung (und die ist unausweichlich) hätte es der totalitäre Staatsfeminismus samt seiner Frauensubventions - und Quotierungspolitik gleich mit verschissen.
Die alten Griechen hatten für den unpolitischen Menschen das Wort: Idiot
So wollen wir doch wohl nicht dastehen.
Ich jedenfalls nicht.
Eugen
...na ja, das waren die alten Griechen. Unter denen gab es auch die Stoiker. Ich bleibe jedenfalls stoisch dabei, ein von mir als solches erkanntes "Scheißspiel" nicht mitzuspielen. Wenn ich mich für etwas engagiere, dann dafür, daß sich Staat und Politik aus dem Geschlechterverhältnis strikt raushalten. Das heißt also, gegen die Staatsgläubigkeit allgemein etwas zu unternehmen und dabei mehrere Fliegen mit einer Klappe zu erschlagen.
Gruß - Max
Re: Machtfrage
Eugen Prinz, Sunday, 31.10.2004, 19:01 (vor 7767 Tagen) @ Max
Als Antwort auf: Re: Machtfrage von Max am 31. Oktober 2004 15:58:52:
Warum nicht kategorisch die Einmischung des Staates in das Geschlechterverhältnis ablehnen und diese Einmischung "bekämpfen", anstatt in das "Scheißspiel" mit einzusteigen?
Aber dagegen habe ich doch überhaupt keine Einwände! Nur - das muss eben auch von irgend jemandem gemacht werden. Meine Kapazitäten sind bedauerlicherweise schon ausgelastet... näsel, näsel... Aber wenn sich jemand fände, der etwas Vernünftiges auf die Beine stellte, dann wäre ich mir nicht zu schade, dort die Briefmarken zu lecken oder sonstwas. Einstweilen backe ich halt meine kleinen Brötchen.
Das Resultat ist Macht. Jedenfalls funktioniert es so, hierzulande. Man mischt mit und gewinnt Einfluss, oder man tut es nicht und hat keinen.
...Das ist aber doch kein Zustand!?...äh... Zustände sind das! Ich finde es absolut nicht in Ordnung, daß man neuerdings wo mitmischen soll, um nicht über den Löffel balbiert zu werden. Wozu habe ich denn schließlich Volksvertreter?[/i]
Wer erzählt denn sowas? Wir haben keine Volksvertreter! Wir haben Abgeordnete, die "nur ihrem Gewissen" verantwortlich sind 
Es gibt diese Vorstellung, "die da oben" würden doch von uns bezahlt, damit sie ihren Job ordentlich machen. Da brauche ich hoffentlich nichts mehr dazu zu sagen.
...deswegen bin ich dafür, die Kräfte zu unterstützen, die sich allgemeiner gegen die Anmassungen des Staates engagieren (Stichwort "Neoliberale" - "was auch immer das sein soll"... hehehe), da Fehlentwicklungen - bspw. in der Wirtschafts-, Gesellschafts- und Bildungspolitik - viel größere Resonanz finden dürften als rein geschlechterbezogene Themen.
Ich bin sehr für Koalitionen. Aber jeder Ansatz muss letztlich umgesetzt werden, d.h. man muss sich mit Leuten treffen, Vorgehensweisen abstimmen, usw., lauter unerfreuliche Sachen...
Ich bleibe jedenfalls stoisch dabei, ein von mir als solches erkanntes "Scheißspiel" nicht mitzuspielen. Wenn ich mich für etwas engagiere, dann dafür, daß sich Staat und Politik aus dem Geschlechterverhältnis strikt raushalten. Das heißt also, gegen die Staatsgläubigkeit allgemein etwas zu unternehmen und dabei mehrere Fliegen mit einer Klappe zu erschlagen.
Immer zu. Das genau ist das Scheißspiel. Und ich habe auch nicht behauptet, dass es Spaß macht.
Eugen
Re: Machtfrage (auch @ Max)
Rüdiger, Sunday, 31.10.2004, 22:58 (vor 7767 Tagen) @ Eugen Prinz
Als Antwort auf: Re: Machtfrage von Eugen Prinz am 31. Oktober 2004 17:01:00:
Das Resultat ist Macht. Jedenfalls funktioniert es so, hierzulande. Man mischt mit und gewinnt Einfluss, oder man tut es nicht und hat keinen.
...Das ist aber doch kein Zustand!?...äh... Zustände sind das! Ich finde es absolut nicht in Ordnung, daß man neuerdings wo mitmischen soll, um nicht über den Löffel balbiert zu werden. Wozu habe ich denn schließlich Volksvertreter?[/i]
Wer erzählt denn sowas?
Das Grundgesetz: "Abgeordnete sind Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen" (oder so ähnlich). Sie sollen stellvertretend für uns handeln, weil es zu umständlich wäre, für jedes kleine Gesetz 80 Mio. Menschen zu befragen, und dabei eben nicht nach Fraktionsdisziplin oder Lobbyansichten stimmen, sondern nach ihrem besten Wissen und Gewissen. Sollen. Max schreibt: "Ich finde es nicht in Ordnung, daß man NEUERDINGS wo mitmischen soll, um nicht über den Löffel balbiert zu werden" - Max, das ist nicht neuerdings so, sondern schon ziemlich lange - es sei denn, du empfindest die Demokratie noch als etwas Neues, was sie historisch ja auch ist - erst ca. 100 Jahre ... Schon die Römer wußten: "Qui tacet, consentire videtur" - "Wer schweigt, scheint zuzustimmen". Wer nicht das Maul aufreißt und seine Unzufriedenheit mit gewissen Zuständen laut und deutlich und immer wieder verkündet, der wird nicht gehört, dem wird unterstellt, er sei mit allem zufrieden. Wenn Du Abgeordneter wärst, und alle Bürger wären leis, dann würdest Du doch wohl auch denken, die sind zufrieden damit, wie's so läuft, nicht wahr? Gedankenleser sind die ja schließlich auch nicht. Und der Maskulismus ist ja noch was relativ Neues. Und dann muß man halt auch noch den Schritt vom lauten Maulen zum Sich-Organisieren hinkriegen und mit Wählerstimmen drohen, erst das bringt die Politik wirklich auf Trab. Dabei können auch relativ kleine Lobby-Gruppen (etwa Bergleute oder Bauern) etwas ausrichten, wenn sie das Zünglein an der Waage sind. Oder glaubst Du, Politiker in NRW werden vor den Wahlen an die Kohlesubventionen rühren? (In Israel etwa ist das Unglück, daß relativ radikale Gruppen "Zünglein an der Waage" sind). Daß auch kleine Gruppen erfolgreich Druck ausüben können, macht deutlich, daß man(n) sich vor der größeren Zahl der weiblichen Wählerstimmen nicht übermäßig zu fürchten braucht. Nötig dazu ist allerdings eine gewisse Geschlossenheit; da aber vielen Männern noch völlig das Bewußtsein fehlt, ist die momentan leider noch nicht in Sicht ...
Wir haben keine Volksvertreter! Wir haben Abgeordnete, die "nur ihrem Gewissen" verantwortlich sind 
Siehe oben.
Herzliche Grüße
Rüdiger
Re: Machtfrage (auch @ Max)
Max, Monday, 01.11.2004, 01:25 (vor 7767 Tagen) @ Rüdiger
Als Antwort auf: Re: Machtfrage (auch @ Max) von Rüdiger am 31. Oktober 2004 20:58:59:
Hi Rüdiger,
Max schreibt: "Ich finde es nicht in Ordnung, daß man NEUERDINGS wo mitmischen soll, um nicht über den Löffel balbiert zu werden" - Max, das ist nicht neuerdings so, sondern schon ziemlich lange - es sei denn, du empfindest die Demokratie noch als etwas Neues, was sie historisch ja auch ist - erst ca. 100 Jahre
...ich hatte das seltsame Konzept des "Gender-Mainstreaming" im Sinn, als ich meine Verwunderung darüber äußerte, daß man da wohl neuerdings mitmischen müsse, um Ungerechtigkeiten gegen Männer zu verhindern.
Schon die Römer wußten: "Qui tacet, consentire videtur" - "Wer schweigt, scheint zuzustimmen". Wer nicht das Maul aufreißt und seine Unzufriedenheit mit gewissen Zuständen laut und deutlich und immer wieder verkündet, der wird nicht gehört, dem wird unterstellt, er sei mit allem zufrieden.
...was vielleicht skandalöse Realität, keinesfalls jedoch akzeptabel ist. Es gilt, diese Realität dem "demokratischen Anstand" anzupassen, anstatt dem "Skandal" durch das eigene Verhalten Vorschub zu leisten. Was die Römer da zu bedenken gaben, ist nichts anderes als die Beschreibung eines änderungswürdigen Zustandes.
Wenn Du Abgeordneter wärst, und alle Bürger wären leis, dann würdest Du doch wohl auch denken, die sind zufrieden damit, wie's so läuft, nicht wahr?
...Nein. Ich würde nachfragen. Gezielt. Und Männer kann man überall fragen.
Gedankenleser sind die ja schließlich auch nicht.
...das nicht, aber Leute, an die man wohl hohe moralische Forderungen stellen darf.
Und der Maskulismus ist ja noch was relativ Neues.
...ja, eine Reaktion auf Ungerechtigkeiten, die eigentlich auch ohne Maskulismus erkannt werden müßten. Daß sie es nicht werden, liegt daran, daß sie nicht erkannt werden sollen. Eine Machtfrage. Vielleicht auch kulturelle Blindheit oder einfach Barbarei.
Und dann muß man halt auch noch den Schritt vom lauten Maulen zum Sich-Organisieren hinkriegen und mit Wählerstimmen drohen, erst das bringt die Politik wirklich auf Trab.
...ich verstehe zwar den Hang, gewisse Realitäten zur Kenntnis zu nehmen und pragmatisch darauf zu reagieren. Das ist auch eine Möglichkeit, zu Resultaten zu kommen. Daß nicht die Sache an sich, sondern die Drohung mit dem Machtverlust zu Änderungen führen wird - das finde ich bedenklich und ich sähe lieber diese Tatsache abgeschafft, als ihr Rechnung zu tragen. Aber ich gebe Dir und Eugen schon recht: Wenn man Resultate will, dann wird man sich wohl auf dieses "Scheißspiel" einlassen müssen. Oder man wird Privatier...
Dabei können auch relativ kleine Lobby-Gruppen (etwa Bergleute oder Bauern) etwas ausrichten, wenn sie das Zünglein an der Waage sind. Oder glaubst Du, Politiker in NRW werden vor den Wahlen an die Kohlesubventionen rühren? (In Israel etwa ist das Unglück, daß relativ radikale Gruppen "Zünglein an der Waage" sind).
...sicher richtig und im Falle NRW nichts als Volksverarschung. Notwendigkeiten bleiben schließlich welche, ganz unabhängig von Wahltagen.
Daß auch kleine Gruppen erfolgreich Druck ausüben können, macht deutlich, daß man(n) sich vor der größeren Zahl der weiblichen Wählerstimmen nicht übermäßig zu fürchten braucht.
...ich kenne keine Beispiele. Glaubst du, daß die "Männerbewegung" jemals das Zünglein an der Waage werden könnte? Eine entsprechende Faktenkonstellation kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Ich glaube, die bundesdeutschen Karnickelzüchter sind sich einiger als "die Männer".
Nötig dazu ist allerdings eine gewisse Geschlossenheit; da aber vielen Männern noch völlig das Bewußtsein fehlt, ist die momentan leider noch nicht in Sicht ...
...gerade sagte ich es noch. Und ich finde es auch völlig absurd, eine politisch relevante "Teilmenge Männer" zu formen, wenn ich schon die "Frauen" für eine überflüssige Teilmenge halte. Freie Menschen, vom Staat weitgehend unbehelligt, will ich. Das können Männer und Frauen sein.
Herzlicher Gruß - Max
Re: Machtfrage
synergie, Monday, 01.11.2004, 19:06 (vor 7766 Tagen) @ Max
Als Antwort auf: Machtfrage von Max am 31. Oktober 2004 08:14:34:
Guten Tag!
Geht es - bspw. beim Gender-Mainstreaming - wirklich um Gerechtigkeit oder geht es eher um die Zementierung von Ungerechtigkeiten, denen nunmehr das Etikett "Ausgewogen und für gerecht befunden" angeklebt werden soll?
"Gender-Mainstreaming", über Anti-Diskriminierungsgesetze umgesetzt, ist ein sehr wirkungsvolles Instrument, um staatliche Eingriffe in das Privateigentum zu legitimieren. Darum geht es --- ich kenne doch die linken Pappenheimer in D und der EU.
Wenn Firmeninhaber nicht mehr einstellen dürfen, wen sie möchten, wenn sie eine Mindestzahl einer bestimmten Gruppe beschäftigen müssen und ähnliche Scherze, dann können sie ihr Recht aus Eigentum nicht ausschöpfen. Zum Kern des Privateigentums gehört aber nunmal die alleinige Verfügungsgewalt; jeder Eigentümer muß selbst darüber bestimmen dürfen, mit wem er einen Vertrag abschließt, nicht abschließt oder auflöst.
"Gender-Mainstreaming" ist streng genommen sogar eine Menschenrechtsverletzung, denn Menschenrechte sind nichts anderes als Eigentumsrechte.
Oder ist das alles lediglich eine Machtfrage?
Ja, zwischen Sozialisten jeder Couleur und Liberalen/Libertären.
Gruß
s
Wann ist es denn bitte mal KEINE Machtfrage? n/t
Leser, Monday, 01.11.2004, 20:33 (vor 7766 Tagen) @ Max
Als Antwort auf: Machtfrage von Max am 31. Oktober 2004 08:14:34:
Hallo Leute,
ist hier irgendeiner der Ansicht, daß gesetzliche Benachteiligungen von Männern "saudumme Zufälle" sind, "handwerkliche Fehler" vielleicht, die umgehend behoben würden, wenn sie denn erst einmal als solche erkannt sind?
Glaubt einer, daß die herrschende politische "Klasse" in dieser Hinsicht an "Umsetzung von Erkenntnis" überhaupt interessiert ist?
Oder ist es nicht vielmehr so, daß es jeder Regierung um den Machterhalt geht und daß dabei die weiblichen Wählerstimmen (es gibt mehr wahlberechtigte Frauen als Männer) unerlässlich sind? Wenn es denn so wäre: Welche Aussichten räumen wir dann einer "Männerarbeit" ein, die argumentativ vorgeht und dabei die "demokratisch legitimen" Mittel nutzt, die ihr zur Verfügung stehen?
Große Aussichten? Kleine? Gar keine?
Geht es - bspw. beim Gender-Mainstreaming - wirklich um Gerechtigkeit oder geht es eher um die Zementierung von Ungerechtigkeiten, denen nunmehr das Etikett "Ausgewogen und für gerecht befunden" angeklebt werden soll? Und wer definiert diese seltsame "neue" Gerechtigkeit, die da Gesetzeskraft verliehen bekommt? Sind das nicht dieselben "Männer" und Frauen, die sich vorher schon mit Gleichstellungs- und Frauenförderungsaufgaben beschäftigten und dazu Umfragen und Forschungsarbeiten in Auftrag gegeben haben, deren Wunschergebnisse sie entweder vordefiniert- oder bei unpassendem Ergebnis kaltschnäuzig ignoriert hatten (Gutachten Prof.Dr. Bock zum Gewaltschutzgesetz bspw.)?
Wenn es dieselben sind und wenn Gender-Mainstreaming "was Neues" sein soll: Heißt das dann, daß diese Herrschaften vorher Mist gebaut haben und sozusagen eine "zweite Chance" kriegen? - Warum?
Oder ist das alles lediglich eine Machtfrage?
Wenn es denn lediglich eine Machtfrage ist, welche Schlüsse müßten Männer dann hinsichtlich ihres zukünftigen Handelns ziehen?
Meinungen dazu? - Max