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carlos
Montag 25. Oktober 2004, 11:37 Uhr
«Wer ist mein Vater?» - Münchner Autorenteam beschäftigt sich in «Der Kuckucksfaktor» mit untergeschobenen Kindern
München (ddp-bay). Vaterschaftstests boomen. Väter wollen wissen, ob sie wirklich der Erzeuger ihrer Töchter oder Söhne sind. Kinder möchten herausfinden, woher sie stammen. Kommen Zweifel auf, ist es heutzutage einfach, mit Hilfe von Gentests Gewissheit zu bekommen. In den meisten Fällen werden die Befürchtungen nicht bestätigt: 75 Prozent der untersuchten Männer sind entgegen ihrer Zweifel tatsächlich der leibliche Vater. Sehr oft jedoch wird die Vaterschaft gar nicht erst in Frage gestellt. Experten schätzen, dass jedes zehnte Kind in Deutschland ein «Kuckuckskind» ist. Das eben erschienene Buch «Der Kuckucksfaktor - Raffinierte Frauen? Verheimlichte Kinder? Zweifelnde Väter?» aus dem Priener Gennethos-Verlag will sich dem brisanten Thema nähern.
Herausgegeben haben das Buch Hildegard Haas und Claus Waldenmaier, die als Vorreiter in der Durchführung der privaten Vaterschaftsanalyse gelten. Haas ist Laborverantwortliche des Münchner Gentestlabors Genedia AG. Waldenmaier, der sich 1978 in München als Kinderarzt und Humangenetiker niedergelassen hat, arbeitet in den Bereichen genetische Diagnostik und genetische Beratung. Anlass für das Buch war die ihrer Meinung nach oberflächlich geführte öffentliche Diskussion des Themas Kuckuckskind und Vaterschaftstest. Sie vermissen das «Menschliche» und fordern eine «ethische Sicht». Diese Aspekte berücksichtigen sie auch bei ihrer Arbeit. Waldenmaier betont: «Uns ist klar, dass nicht alles medizinisch und technisch Machbare auch immer erstrebenswert ist. Andererseits gilt es, mit den Errungenschaften unserer Zeit sinnvoll umzugehen.»
Auf über 350 Seiten beschäftigen sich Haas und Waldenmaier sowie fünf weitere Autoren nicht nur mit den rechtlichen Fragen (in Deutschland, der Schweiz oder in Österreich). Die Biologin und der Mediziner erläutern auch die Möglichkeiten der DNA-Analyse, liefern «Streifzüge durch die Geschichte der Vaterschaftslüge», versuchen, den Seitensprung mit Hilfe der Evolutionspsychologie zu erklären, und definieren die wichtigsten Begriffe wie die Düsseldorfer Tabelle (Richtlinie für die Bemessung von Unterhaltsbeiträgen), den pränatalen Vaterschaftstest oder das Gen.
Kein Problem sehen die Herausgeber darin, dass die Gentests ohne Zustimmung des Kindes oder der Eltern durchgeführt werden können. Sie sind der Meinung, jeder habe ein Recht auf Identität und ein Recht zu wissen, wohin sein Erbgut wandere. «Um allen Auswirkungen und Folgeerscheinungen, die sich aus einem »Kuckuckskind« ergeben, einen übergeordneten Namen zu geben», haben die Autoren den titelgebenden Begriff «Kuckucksfaktor» gewählt und ihn als Marke schützen lassen. Der «Kuckucksfaktor» beziehe beispielsweise die Ursachen des Seitensprungs und die psychologischen Folgen ebenso mit ein wie die rechtlichen Aspekte.
Im Zentrum des Buches stehen fünf «Geschichten, die die Gene schrieben». In diesen Beispielen schildern die Autoren exemplarische Konstellationen rund um verheimlichte und untergeschobene Folgen eines Seitensprungs. Inspiriert wurden sie dabei von Schicksalen, die sie kennen. Haas und Waldenmaier betonen: Die fiktiven Kurzgeschichten um Liebe, Betrug, Eifersucht und Familiengeheimnisse sollen aber ganz bewusst vermeiden, die Betroffenen zur Schau zu stellen.
Einige mögen mit Hilfe der fünf Fallbeispiele die mal mehr oder weniger verzweifelte Situation der Mütter oder Väter besser verstehen. Anderen werden die Geschichten, die «die zum Teil dramatischen Konsequenzen einer verheimlichten Vaterschaft veranschaulichen und den geschätzten zehn Prozent Kuckuckskindern in Deutschland ein Gesicht geben» sollen, weniger helfen. Spannend und unterhaltsam geschrieben, erinnern sie eher an Drehbuchvorschläge für Fernsehfilme. Eine hilfreichere Zusammenstellung ist dagegen das letzte Kapitel, das einen Überblick rund um das Thema «Kuckucksfaktor» bietet. Zudem hat das Autorenteam als Service im Anhang die wichtigsten Anlaufstellen mit Internetadressen zusammengestellt.
(Hildegard Haas und Claus Waldenmaier. Der Kuckucksfaktor - Raffinierte Frauen? Verheimlichte Kinder? Zweifelnde Väter? Gennethos Verlag, München. Euro 39,80. Seiten 352
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