Rocco Buttiglione
Brüssel - Der designierte italienische EU-Kommissar für Justiz und Inneres, Rocco Buttiglione, hat mit Aussagen zur Homosexualität und zu Frauen und Familie heftige Kritik auf sich gezogen, die zu seiner Ablehnung im Ausschuss für Grundrechte geführt hat. Im Folgenden Wortlautauszüge der strittigsten Passagen in einer APA-Übersetzung aus dem Englischen.
"Wenn wir Politik machen, verzichten wir nicht auf das Recht moralischer Überzeugungen, und ich mag denken, dass Homosexualität eine Sünde ist, und das hat keinerlei Auswirkung auf die Politik, außer ich würde sagen, dass Homosexualität ein Verbrechen ist. Auf die gleiche Art sind Sie frei zu denken, dass ich in den meisten Bereichen des Lebens ein Sünder bin, und das hat keine Auswirkung auf unsere Beziehungen als Bürger. ... Wir können eine Gemeinschaft der Bürger aufbauen, selbst wenn wir in manchen moralischen Fragen unterschiedlicher Meinung sind. Der Staat hat kein Recht, seine Nase in diese Dinge zu stecken und niemand darf auf der Basis seiner sexuellen Orientierung oder irgend einer geschlechtlichen Orientierung diskriminiert werden. Das steht in der Charta der Grundrechte, das steht in der Verfassung und ich habe mich dazu bekannt, diese Verfassung zu verteidigen.
Das Wort Ehe (Marriage) kommt vom lateinischen ´Matrimonium´, was so viel heißt wie Schutz der Mutter und so existiert die Familie, um Frauen zu ermöglichen, Kinder zu haben und den Schutz eines Mannes zu haben, der sich um sie kümmert und das ist die traditionelle Sicht der Familie, die ich verteidige.
Ich glaube nicht, dass das in diesem Bereich [gemeint: Buttigliones ablehnende Haltung zur sog. 'Homo-Ehe'] besonders relevant ist, da die Definition der Ehe in die Kompetenz der Mitgliedsländer fällt. Ob ich also so denke oder ob ich anders denke, hat keine praktische Auswirkung. Übrigens ist das die Ansicht, die in 22 von 25 Mitgliedsländern heute akzeptiert ist. Es ist keine Angelegenheit der Union, es sollte keine Angelegenheit der Union werden, es ist eine Angelegenheit der Mitgliedsländer und soll das auch bleiben.
Ich denke die Rechte der Homosexuellen sollten auf der gleichen Grundlage verteidigt werden wie die Rechte aller anderen europäischen Bürger. Wenn es in Bezug auf Homosexuelle spezifische Probleme gibt, bin ich bereit diese spezifischen Probleme in Erwägung zu ziehen.
Wenn sie mir etwa sagen, dass es eine besondere Konzentration von Gewalt gegen Homosexuelle gibt, dann bin ich bereit, über eine spezifische Gesetzgebung zum Schutz der Homosexuellen gegen diese Gewalt nachzudenken, um das Recht auf Gleichberechtigung besser zu garantieren. Aber ich würde nicht akzeptieren, dass Homosexuelle eine eigene Kategorie sind und dass der Schutz ihrer Rechte auf einer Basis stattfinden soll, die anders ist als für die Europäischen Bürger insgesamt.
Eine multikulturelle Gesellschaft ist wie die Ehe. Wenn sie Kulturen zusammen bringen, die ein hohes Niveau gegenseitigen Verständnisses aufbauen können, dann kann das dem Paradies gleichen. Wenn nicht, dann kann das der Hölle gleichen. Wir kennen Beispiele multikultureller Gesellschaften der ersten und der zweiten Art.
Daher müssen wir uns alle darum bemühen, in Europa eine multikulturelle Gesellschaft aufzubauen. Das ist lebenswichtig. ... Ich glaube nicht, dass Menschen aufgrund ihrer Religion diskriminiert werden sollten.
Und ich denke, dass der Dialog zwischen Religionen so statt finden sollte, dass Menschen ermuntert werden, einander zu respektieren. Respekt zu haben heißt nicht, dass man glauben sollte, dass der andere recht hat und es kein Falsch und Richtig gibt. Sie können wohl zwischen richtig und falsch unterscheiden, Sie können denken, dass sie recht haben und jemand anderer irrt und dennoch glauben, dass er als menschliches Wesen einen unendlichen Wert hat und unendlichen Respekt verdient."
Quelle: "Der Standard" aus Wien http://derstandard.at/?url=/?id=1821823
Rocco Buttiglione - Interview mit der Süddeutschen Zeitung
Als Antwort auf: Rocco Buttiglione von Nick am 24. Oktober 2004 04:44:53:
SZ-Interview mit Rocco Buttiglione
"Sünde ist ein theologischer Begriff"
Der umstrittene Kandidat für das Amt des EU-Justiz-Kommissars pocht darauf, Politik und religiöse Überzeugungen trennen zu können.
Interview: Cornelia Bolesch
Homosexualität sei eine Sünde und die Ehe ein Schutzraum für Frauen, die Kinder großziehen wollen -- wegen dieser Äußerungen soll der italienische Europaminister und Papst-Vertraute Rocco Buttiglione nicht mehr neuer Justiz-Kommissar werden, finden immer mehr Abgeordnete im Europaparlament.
SZ: Haben Sie mit diesem Widerstand gerechnet?
Buttiglione: Nein. Ich hatte nicht die geringste Absicht, so einen Aufstand anzuzetteln. Aber im Grunde ist es gut, dass es so gekommen ist. Dieser Kampf führt uns zum Kern Europas.
SZ: Worum geht es in diesem Kampf?
Buttiglione: Um Gewissensfreiheit. Um Meinungsfreiheit. Wenn wir diese Werte nicht mehr achten, geht Europa zugrunde. Ich begreife nicht, warum ich als überzeugter Katholik nicht Justizkommissar sein kann.
SZ: Viele Parlamentarier sagen, Ihre Haltung sei unvereinbar mit den EU-Grundrechten.
Buttiglione: Dann müssten die Kritiker meine Politik beurteilen. In der Politik gibt es den Begriff der Sünde nicht. Würde Buttiglione jemals einen Homosexuellen diskriminieren? Die klare Antwort ist: Nein. Ist Buttiglione bereit, die unterschiedlichen Auffassungen, die es in Europa über die Institution der Ehe gibt, zu respektieren und, falls notwendig, zusammen mit den Mitgliedstaaten pragmatische, vernünftige Regeln zu entwickeln? Die klare Antwort ist: Ja. Buttiglione hat keine Definitionsmacht über den Begriff der Ehe.
SZ: Sie trennen also Politik und religiöse Überzeugung sehr genau?
Buttiglione: Richtig. Sünde ist ein theologischer Begriff. Bleiben wir noch eine Weile in der Welt der Theologie: Ist ein Christ wie Buttiglione, der Ehebruch und ein bestimmtes sexuelles Verhalten für Sünde hält, ein besserer Mensch als andere? Die klare Antwort ist: Nein. Wir sind alle Sünder vor Gott. Das sind theologische Fragen. Damit sollte sich ein Parlament nicht beschäftigen.
SZ: Stehen Sie jetzt in engem Kontakt mit Kommissionspräsident Barroso?
Buttiglione: Ich habe lange überlegt, ob ich ihn anrufen soll. Schon allein um mich für die Unterstützung zu bedanken, die er mir zukommen lässt. Doch das wäre nicht gut. Das könnte so aussehen, als wollte ich ihn unter Druck setzen.
SZ: Wie soll es jetzt weitergehen?
Buttiglione: Die Entscheidung liegt zunächst bei ihm, Barroso. Ich habe große Achtung vor ihm. Ich bin in seiner Hand.
SZ: Würden Sie auch ein anderes Amt in der Kommission übernehmen?
Buttiglione: Das ist eine hypothetische Frage. Ich will darauf nicht antworten. Ich weiß nur, dass ich mein Gewissen nicht für irgendein Amt in der Kommission preisgeben werde. Es gibt etwas im Leben, das wichtiger ist als Politik.
Re: Rocco Buttiglione - Interview mit der Süddeutschen Zeitung
Als Antwort auf: Rocco Buttiglione - Interview mit der Süddeutschen Zeitung von Nick am 24. Oktober 2004 05:28:54:
Hi Nick,
Buttiglione gilt als persoenlicher "Freund" des Papstes. Ich finde seine
Standpunkte aller Ehren wert - auch wenn ich der Meinung bin, dass Homosexualitaet keine Suende ist.
In der International Herald Tribune vom letzten Montag wurden uebrigens die Zusammenhänge nachgereicht, aus denen die Äusserungen Buttigliones gerissen worden waren, damit sie den links/gruen/femi/gutmensch - Ideologen zur inquisitorischen Hatz auf Buttiglione dienen konnten. Die Wertung dieser Hatz als "Inquisition" kam dabei bemerkenswerterweise und ausgerechnet vom Vatikan. Ich habe keinerlei Einwände gegen Buttiglione.
Freundlicher Gruss - Max
Re: Rocco Buttiglione - Interview mit der Süddeutschen Zeitung
Als Antwort auf: Re: Rocco Buttiglione - Interview mit der Süddeutschen Zeitung von Max am 24. Oktober 2004 07:45:31:
Hallo Max,
Ich finde es interessant, daß dieser Mann aufgrund seiner Äußerungen zur Homosexualität und Ehe als "ungeeignet" für den EU-Posten betrachtet wird, während in unserer Regierung Bundesministerinnen sitzen, die über Männer öffentlich den größten Schwachsinn ablassen - ohne irgendwelche Konsequenzen fürchten zu müssen.
Gruß
Andreas
Re: Rocco Buttiglione - Interview mit der Süddeutschen Zeitung
Als Antwort auf: Re: Rocco Buttiglione - Interview mit der Süddeutschen Zeitung von Andreas am 24. Oktober 2004 11:26:56:
Hallo Max,
Ich finde es interessant, daß dieser Mann aufgrund seiner Äußerungen zur Homosexualität und Ehe als "ungeeignet" für den EU-Posten betrachtet wird, während in unserer Regierung Bundesministerinnen sitzen, die über Männer öffentlich den größten Schwachsinn ablassen - ohne irgendwelche Konsequenzen fürchten zu müssen.
Gruß
Andreas
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Du sagst es, Andreas! Da sitzen die Totalitaristen und schwadronieren scheinheilig vom "Totalitarimus" eines Anderen. Langsam wird´s bizarr...
Gruß - Max
Re: Rocco Buttiglione - Interview mit der Süddeutschen Zeitung
Als Antwort auf: Re: Rocco Buttiglione - Interview mit der Süddeutschen Zeitung von Andreas am 24. Oktober 2004 11:26:56:
Lieber Andreas
Ich finde es interessant, daß dieser Mann aufgrund seiner Äußerungen zur Homosexualität und Ehe als "ungeeignet" für den EU-Posten betrachtet wird, während in unserer Regierung Bundesministerinnen sitzen, die über Männer öffentlich den größten Schwachsinn ablassen - ohne irgendwelche Konsequenzen fürchten zu müssen.
Gruß
Andreas
-- Diese Aussage hat was, wirklich.
Herzlicher Gruss
Jolanda
Re: Rocco Buttiglione - Interview mit der Süddeutschen Zeitung
Als Antwort auf: Re: Rocco Buttiglione - Interview mit der Süddeutschen Zeitung von Andreas am 24. Oktober 2004 11:26:56:
Hallo Max,
Ich finde es interessant, daß dieser Mann aufgrund seiner Äußerungen zur Homosexualität und Ehe als "ungeeignet" für den EU-Posten betrachtet wird, während in unserer Regierung Bundesministerinnen sitzen, die über Männer öffentlich den größten Schwachsinn ablassen - ohne irgendwelche Konsequenzen fürchten zu müssen.
Gruß
Andreas
Volle Zustimmung
Gruß
Norbert
Re: Rocco Buttiglione - Teils, teils
Als Antwort auf: Rocco Buttiglione von Nick am 24. Oktober 2004 04:44:53:
Hallo allerseits!
Ich für meinen Teil kann einen Teil von Buttigliones Äußerungen - nämlich den zur Homosexualität - nachvollziehen, lehne dagegen seine Aussagen zur Rolle der Frau ab.
Anderen geht es vielleicht genau umgekehrt.
Was nur zeigt:
Geschlossene Weltbilder haben ausgedient.
Und darüber kann zumindest ich mich nur freuen - unabhängig davon, welche Meinung ich gerade teile oder ablehne.
Denn die Freiheit, die immer die Freiheit des Andersdenkenden ist, ist letztlich auch meine Freiheit.
Gruß
Ekki
Re: Rocco Buttiglione - Teils, teils
Als Antwort auf: Re: Rocco Buttiglione - Teils, teils von Ekki am 25. Oktober 2004 09:47:45:
Hi Ekki,
Denn die Freiheit, die immer die Freiheit des Andersdenkenden ist, ist letztlich auch meine Freiheit.
...wobei wir aber das "- denkenden" in "Andersdenkenden" betonen müssen. Die Freiheit des Andersmeinenden, der anders meint, ohne vorher irgendwas gedacht zu haben sondern bloss eine gekaufte Meinung hat, die er sich für 50 Cent geBILD hat - die geht mir maximal am A**** vorbei und ich denke gar nicht daran, eine solche "Meinung" zu akzeptieren oder der meinen als gleichwertig gegenüber zu stellen. Es gibt auch so etwas wie das "Diktat der freien Beliebigkeit" - das Resultat einer Verwechslung von Freiheit und Beliebigkeit.
Freundlicher Gruss - Max