Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Gestern bei "PHOENIX"

Ekki, Friday, 22.10.2004, 12:49 (vor 7777 Tagen)

Hallo allerseits!

Man klagt doch alle Nase lang darüber, daß die beiden großen Volksparteien nicht mehr unterscheidbar seien und dies zur Politikverdrossenheit sowie zum Erstarken radikaler Parteien führe.

Gestern kam frohe Kunde auf PHOENIX. Wir kriegten ein einer Angelegenheit, die zum Forenthema gehört, einen knallharten ideologischen Unterschied vor die Schnauze gehauen, daß es krachte. (Für Interessierte und Nachtschwärmer: Wiederholungen Dienstagnacht, 00.00, 02.30, 05.00 Uhr)

Es ging um "Bilden statt Bauen", m.a.W.: Soll man die Eigenheimzulage streichen, um die Bildung zu finanzieren.

Diskutanten waren:

Bundesbildungsministerin Edelgard Buhlman

und

der Staatsminister für Wissenschaft und Forschung des Freistaates Bayern, Thomas Goppel.

Goppel sagte in seinem ersten Beitrag Sätze, die man in dieser dankenswerten Klarheit selten zu hören bekommt:

1.) "Die wichtigste Ressource unseres Landes ist nicht Bildung. Die wichtigste Ressource unseres Landes sind Kinder."

2.) "Wenn es schon so ist, daß es immer weniger Familien gibt, dann muß man die wenigen, die es gibt, besonders fördern. In 80% aller Fälle sind es junge Familien, die eine Eigenheimzulage in Anspruch nehmen wollen, wodurch sie ihren Kindern die optimale Geborgenheit schaffen, innerhalb derer sich die Gaben eines Kindes richtig entfalten können."

Den Satz unter 1 kann man ohne allzugroße Böswilligkeit folgendermaßen umschreiben:

"Die Leute sollen nicht denken, sondern zeugen, und die gezeugten Kinder sollen keine Bildungskoryphäen werden, sondern zu Hause die Milch der frommen Denkungsart einsaugen und treue Kirchgänger sowie brave Unionswähler werden."

Ab mit Goppel nach Südamerika, da findet er sein Ideal in den Slums verwirklicht! Wie bitte, ein Slum ist kein Eigenheim? Äh, eigentlich schon, und außerdem: Hauptsache, es wird ausgekalbt. Das einzig wirklich Schlimme sind diese intellektuellen Intelligenzbestien, die nicht zeugen wollen.

Was den Satz unter 2 betrifft, so habe ich damit endlich die klare Antwort auf eine Frage erhalten, die ich in verschiedenen Foren schier bis zum Überdruß strapaziert habe:

Wieso treibt angesichts der Versingelung der Gesellschaft niemand profunde Ursachenforschung? Warum spricht man von der Förderung der Familie, während die Familien immer weniger werden?

Jetzt hab' ich die Antwort aus berufenstem Munde:

Man muß dafür sorgen, daß die verdammten Zeugungsunwilligen grün und gelb vor Neid werden:

"Boah ey, so ein geiles Eigenheim will ich auch haben. Wo krieg' ich jemand zum Begatten her?"

Und außerdem muß man den Bau der Art von Wohnungen, die sich die verdammten Zeugungsunwilligen wünschen würden, gezielt vernachlässigen. Sollen die doch zusehen, wo sie bleiben! Sozialneid + Leidensdruck = Zeugungswilligkeit.

Das Letztere wird nicht funktionieren, da braucht man sich keine Sorgen zu machen. Für die überwältigende Mehrheit der willentlich Kinderlosen wird eine Familiengründung immer das größere Übel sein.

Bedrohlicher dagegen ist der erste Punkt.

Die gezielte Vernachlässigung von Bildung zugunsten des Junge-Werfens ist tatsächlich eine Bedrohung für die Gesellschaft.

Im Übrigen stehen Goppels Worte in merkwürdigem Widerspruch zu der im Freistaat Bayern betriebenen Politik, die bekanntlich konsequent auf Leistungsprinzip setzt und die bundesweit höchsten Anforderungen im Abitur hat.

Und auch die Linken haben sich in dieser Hinsicht schwer versündigt, indem sie die Larifari-Bildung ohne Leistungsprinzip predigten und durchsetzten.

Mit anderen Worten: Notwendig sind

- eine konsequent am Leistungsprinzip und der Elitenbildung ausgerichtete Bildungspolitik;

- eine Bevölkerungspolitik, die angesichts des sowieso schon krassen Mißverhältnisses zwischen angebotenenen Arbeitsplätzen und Arbeitssuchenden nicht blindlings auf ein "Seid fruchtbar und mehret euch" setzt, sondern ausländischen hochqualifizierten Arbeitskräften (mitsamt Familien) den roten Teppich ausrollt.

Gegenwärtig ist vor allem der letzte Punkt nicht gegeben. Vielmehr besteht eine äußerst unappetittliche Allianz zwischen konserativem "Wir-Deutschen-wollen-unter-uns-bleiben" und linkem "Bloß-keine-hoch-qualifizierten-Ausländer-die-uns-zeigen-wie-blöd-wir-selber-sind".

Um zum Ausangspunkt zurückzukommen:

Wir haben hier einen der seltenen und wertvollen Punkte, bei denen dem Wähler von den großen Volksparteien kraß gegensätzliche Alternativen angeboten werden.

Die Worte von Goppel sollte man tagtäglich auf allen Sendern wiederholen.

Und die Linken sollten Goppel und Konsorten diese Worte um die Ohren hauen und der Union einen Dauerwahlkampf zu diesem Thema liefern, der sich mehr als gewaschen hat.

Gruß

Ekki

Autsch!

Paul, Friday, 22.10.2004, 13:33 (vor 7777 Tagen) @ Ekki

Als Antwort auf: Gestern bei "PHOENIX" von Ekki am 22. Oktober 2004 09:49:55:

Goppel sagte in seinem ersten Beitrag Sätze, die man in dieser dankenswerten Klarheit selten zu hören bekommt:

1.) "Die wichtigste Ressource unseres Landes ist nicht Bildung. Die wichtigste Ressource unseres Landes sind Kinder."

Seine Aussage mag ja "dankenswert klar sein" sein, aber leider ist sie auch - ebenfalls ganz klar - vollkommen FALSCH.

Nationen im allgemeinen (und Deutschland im speziellen, aufgrund der hohen Verschuldung) sind vor allem darauf angewiesen, daß die PRODUKTIVITÄT jeder nachfolgenden Generation insgesamt höher ist als die der vorhergehenden Generation. Die Menge der Kinder ist dafür aber nicht allein entscheidend, sondern auch die Produktivität jedes einzelnen Nachkommen, und hierfür ist die vor allem die Ausbildung wesentlich. Hinzu kommt, daß im Zuge immer stärkerer Automatisierung die niedrig qualifizierten Jobs immer weniger werden (meine Rede seit langem: prinzipiell ist jede nicht-kreative Arbeit automatisierbar).

Das heisst, daß viele Kinder absolut NICHTS nützen, wenn diese nicht gut ausgebildet werden. Im Gegenteil: Legt man nur auf Quantität (der Nachkommen) wert, und vergisst dabei die Qualität (der Ausbildung), potenziert man die heutigen Probleme noch. Was man sich da heranzüchtet, ist ein Heer von Arbeitslosen, die sicher nicht zur internationalen Konkurrenzfähigkeit Deutschlands beitragen.

Der umgekehrte Fall - wenige Kinder, die aber exzellent ausgebildet werden - kann dagegen sehr gut funktionieren, solange Gesamtproduktivität der nachfolgenden Generation nicht geringer ist als die der vorhergehenden. Tatsächlich gibt es dabei sogar mehrere positive Effekte: Die Arbeitslosenquote lässt sich durch die insgesamt höhere Qualifizierung der Arbeitskräfte verringern. Weniger Menschen (die aber produktiver sind) bedeuten auch eine geringere Belastung der Infrastruktur, der Umwelt, und weniger Verwaltungsaufwand (auch wenn es hier natürlich noch ganz andere Ursachen für den gewaltigen Overhead gibt), was die gesamtgesellschaftliche/wirtschaftliche "Effizienz" steigert.

Goppel ist leider ein weiteres Beispiel für totale wirtschaftliche Inkompetenz der meisten Politiker, die keinerlei Verständnis für die entsprechenden Zusammenhänge haben.

Gruss,
Paul

Re: Autsch!

Odin, Friday, 22.10.2004, 15:15 (vor 7777 Tagen) @ Paul

Als Antwort auf: Autsch! von Paul am 22. Oktober 2004 10:33:16:

Das heisst, daß viele Kinder absolut NICHTS nützen, wenn diese nicht gut ausgebildet werden. Im Gegenteil: Legt man nur auf Quantität (der Nachkommen) wert, und vergisst dabei die Qualität (der Ausbildung), potenziert man die heutigen Probleme noch. Was man sich da heranzüchtet, ist ein Heer von Arbeitslosen, die sicher nicht zur internationalen Konkurrenzfähigkeit Deutschlands beitragen.

Das wird noch ein großes Problem für uns werden.
Die ganzen Geldförderungen für Kinder und die mögliche soziale Absicherung DURCH Kinder haben dazu geführt, daß gerade Geringverdienende Kinder bekommen und viele Kinder von Sozialhilfe leben. Die Förderungen gerade in dieser sozialen Schicht, sind natürlich sehr gering, so dass diese Kinder wohl später auch zur unteren sozialen Schicht gehören werden.
Die Idee eines Elterngehalts von Renate Schmidt, mit der auch gut verdienende Eltern einen Anreiz hätten (und auch Väter einen Anreiz hätten, sich ebenfalls Elternzeit zu nehmen) wäre IMO ein guter Ansatz.
Vor allem aber sollte die Erziehungszeit drastisch verkürzt werden auf max ein Jahr, teilbar in Mutter UND Vater (nimmt einer der beiden keine Erziehungszeit, verfällt der Anteil)

Falscher Rückschluß

Norbert, Friday, 22.10.2004, 14:46 (vor 7777 Tagen) @ Ekki

Als Antwort auf: Gestern bei "PHOENIX" von Ekki am 22. Oktober 2004 09:49:55:

Hi Ekki
Leider übersiehst du laufend eines:
Die Familien, bzw. vor allem die als Lastesel mißbrauchten/überbeanspruchten Zahlväter( geschieden oder auch noch nicht) werden in der Gesellschaft massiv benachteiligt.
Die Ausmaße sind den meisten Menschen gar nicht klar.
Maßnahmen gegen diese Benachteiligung sind zu begrüßen, auch wenn sie unter der Flagge 'Familien besser stellen fährt'.

Richtiger wäre die Flagge: 'Schlechterstellung der Familien beenden'

Zum lebenlangen Zahlesel verdammt
Norbert

Re: Gestern bei "PHOENIX"

Garfield, Friday, 22.10.2004, 22:11 (vor 7776 Tagen) @ Ekki

Als Antwort auf: Gestern bei "PHOENIX" von Ekki am 22. Oktober 2004 09:49:55:

Hallo Ekki!

Es gibt überhaupt keine einzige Partei in Deutschland, die angesichts der von dir erwähnten Probleme ein brauchbares Konzept hat. Allen Parteien geht es nur darum, irgendwelchen Gruppierungen in der Bevölkerung Versprechungen zu machen, in der Hoffnung, so Anhänger zu gewinnen oder zumindest zu halten.

Ich greife mal einige der immer wieder propagierten Lösungsvorschläge heraus:

1. Wir brauchen mehr Kinder, um die Renten- und Sozialkassen auch in Zukunft zu füllen.

Das ist eine Milchmädchenrechnung, denn Renten- und Sozialbeiträge bezahlt nur, wer (legal) arbeitet. Wenn wir jetzt Arbeitskräftemangel hätten, würde das anders aussehen. Dann wäre es in der Tat richtig, die Geburtenzahlen mit allen Mitteln zu erhöhen. Wir haben aber ganz im Gegenteil ein zunehmendes Überangebot von Arbeitskräften. So werden viele der Kinder von heute die Arbeitslosen von morgen sein und so nicht nur keinen Cent in die Renten- und Sozialkassen einzahlen, sondern diesen Kassen noch zur Last fallen.

Dieses Problem ist schon seit den 70er Jahren absehbar. Getan wurde leider nichts dagegen.

Lösen läßt es sich in der Tat durch mehr Eigenverantwortung der jetzigen Pflichtversicherten. Das wird angeblich ja auch angestrebt. Nur in der Praxis sieht das dann so aus, daß die Pflichtversicherten ihre hohen Beiträge für die diversen Pflichtversicherungen weiterhin zahlen und obendrein trotz stagnierenden Einkommen und steigenden Lebenshaltungskosten noch Geld für private Versicherungen aufbringen sollen. Daß das so nicht funktionieren kann, sollte doch eigentlich jedem klar sein.

Hilfreich wäre natürlich auch, wenn der Staat mit den Beiträgen der Pflichtversicherten endlich vernünftig wirtschaften würde. Das hätte schon vor Jahrzehnten eingeleitet werden müssen.

2. Wir müssen mehr Geld für Bildung ausgeben.

Das ist absoluter Schwachsinn. Die Qualität der Bildung wächst nicht zwangsläufig mit den Geldsummen, die man hineinpumpt. Und sie wächst auch nicht zwangsläufig mit der Länge der Ausbildung.

Das gesamte deutsche Ausbildungssystem muß dringend entmüllt werden. Wozu muß man eine jahrelange Ausbildung zum Gebäudereiniger machen? Wieso muß man immer noch in manchen Branchen einen Meisterbrief haben oder machen, wenn man ein Unternehmen führen möchte? Muß sich ein Facharbeiter etwa nicht mit den aktuellen Sicherheitsstandards auskennen? Und erledigt etwa in den von Meistern geführten Betrieben der Meister alle wichtigen Aufgaben selbst?

Es wird immer verlangt, daß die Deutschen mehr berufliche Flexibilität zeigen sollen, und man verweist gern auf das Beispiel USA. Viele Arbeitssuchende wären gern flexibel und würden auch mal in ganz anderen Berufen arbeiten - solange die Wirtschaft aber nur Bewerber mit dem exakt passenden Zeugnis oder Diplom einstellt, und solange ein Zeugnis oder Diplom als wertlos gilt, wenn man einige Jahre aus dem Beruf raus ist, sind Arbeitssuchende eben gezwungen, eine Stelle in dem Beruf zu suchen, den sie erlernt haben. So ist das nun einmal.

3. Wir brauchen mehr ausländische Fachkräfte.

Das würde stimmen, wenn wir Arbeitskräftemangel hätten. Den haben wir aber nicht. Wie wäre es, wenn die Wirtschaft auch mal Bewerbern eine Chance gibt, die nicht die exakt passenden Zeugnisse oder Diplome und/oder nicht viel Berufserfahrung haben? Wie wäre es, wenn die Wirtschaft da mal so flexibel wäre wie die US-Unternehmen und den Arbeitssuchenden damit dieselbe Flexibilität ermöglichen würde, anstatt sich gemütlich zurück zu lehnen und die Lage auf dem Arbeitsmarkt zu nutzen, um immer höhere Forderungen zu stellen?

Wenn man etwas Bestimmtes erreichen will, dann muß man eben dafür möglichst gute Rahmenbedingungen schaffen. Schafft man diese Bedingungen nicht, wird man nichts erreichen. Und da hilft es dann auch nicht, wenn man herumlamentiert und an der falschen Stelle schiebt.

Wieso setzen nun immer weniger Menschen Kinder in die Welt?

Das kann ich sehr gut beantworten. Meine Frau und ich haben nämlich auch keine Kinder. Zum einen liegt das daran, daß meine Frau aus medizinischen Gründen momentan nicht schwanger werden darf. Aber auch wenn es nicht so wäre, würden wir im Moment keine Kinder wollen, und zwar aus folgenden Gründen:

1. Haben wir uns gerade ein Haus gekauft und zahlen dafür nun den Kredit ab. Mit Kind könnten wir das dafür nötige Geld nicht mehr aufbringen. Gar nicht so sehr, weil ein Kind direkt zuviel kostet. Das würde ja durch Kindergeld, Steuerfreibeträge usw. ausgeglichen werden. Aber man muß erst einmal Betreuungsmöglichkeiten für das Kind finden. Das ist zum einen schwierig, zum anderen aber auch teuer. Früher zahlten viele Unternehmen Zuschüsse für Kindergartenplätze. Das hält man heute immer seltener für nötig. Auf dem Arbeitsmarkt gibt es ja genug Bewerber, und so spart man sich dieses Geld lieber. So müßte also einer von uns zu Hause bleiben, und das würde ein zu großes Loch in die Kasse reißen.

Nun hätten wir natürlich auch auf das Haus verzichten können. Aber dann müßten wir statt der Kreditraten eben Miete zahlen. Das wäre auch nicht viel weniger, denn mit Kind braucht man ja schon eine Wohnung, die nicht zu klein sein kann. Und da wir nicht erwarten, für die hohen Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung später im Alter eine ausreichende Rente zu bekommen, glauben wir auch nicht, daß wir uns im Alter die Miete noch leisten können. Das Haus brauchen wir also zur Altersvorsorge, um im Alter wenigstens mietfrei leben zu können.

2. Gibt es in der Gegend, in der wir leben (NRW), relativ viele Ausländer. Deren Integrationswilligkeit läßt häufig zu wünschen übrig. Gerade unter Türken gibt es Hausfrauen, die sich grundsätzlich weigern, die deutsche Sprache zu erlernen. Die unterhalten sich nur mit Türken, gehen zum türkischen Händler einkaufen und verständigen sich ansonsten mit Händen und Füßen oder über Verwandte, die deutsch sprechen. Ihren Kindern bringen sie dann natürlich auch kein Deutsch bei, und so haben die dann enorme Probleme, wenn sie in die Schule kommen. Die Lehrer müssen ihnen erst einmal die deutsche Sprache beibringen, und das bremst den ganzen Unterricht enorm aus. Deshalb versuchen viele Eltern (auch Ausländer wie z.B. ein Kollege meiner Frau, der aus Spanien stammt), ihre Kinder auf Schulen zu schicken, in denen der Ausländeranteil niedriger ist. Nicht weil sie Vorurteile gegen Ausländer haben, sondern weil sie möchten, daß ihre Kinder in der Schule etwas lernen und dann eine gute Ausbildung machen können. In Zukunft wird es immer weniger Schulen geben, und so wie ich das sehe, wird man im Bildungswesen auch weiterhin wild herumkaspern, anstatt den Kindern wieder etwas beizubringen. So wird man seine Kinder in Zukunft, wenn man ihnen auf dem enger werdenden Arbeitsmarkt noch eine Chance verschaffen möchte, auf private Schulen schicken müssen. Das wird dann aber teuer... Anderenfalls riskiert man, daß sie in den öffentlichen Schulen nicht nur nichts lernen, sondern auch noch in Kontakt mit Kriminalität und Drogen kommen.

3. Sehe ich in meinem Umfeld immer wieder, daß Ehen bald geschieden werden, nachdem ein Kind geboren wurde. Das liegt wahrscheinlich daran, daß viele Menschen - vor allem Frauen - sich heute gewaltige Illusionen in Bezug auf die Ehe machen. Sie lernen sich kennen, schweben auf rosaroten Wolken, glauben, daß das ewig so bleibt und heiraten. Irgendwann stellen sie dann fest, daß plötzlich alles alltäglich und langweilig ist. Das glauben sie dann durch ein Kind lösen zu können. Ein Kind ist süß, niedlich, ein Kind schweißt die Eltern zusammen - glauben sie. Wenn das Kind aber da ist, macht es Arbeit, ist lästig und kostet Geld. Die Mutter stört das erst einmal nicht, denn ihre Hormone sorgen dafür, daß sie das alles trotzdem toll findet. Also bleibt sie mit dem Kind zu Hause, während der Vater für drei knüppeln kann. Irgendwann normalisiert sich der Hormonpegel der Mutter wieder, und sie erkennt, daß es irgendwie doch nicht so ganz erfüllend ist, den ganzen Tag mit dem Kind zu Hause zu sitzen. Dann gibt es zwei Möglichkeiten: Gleich das nächste Kind zu kriegen oder aber wieder abeiten zu gehen. Letzteres ist dann häufig ein Problem, und irgendwie will die Mutter das ja auch nicht so richtig... Genaugenommen weiß sie gar nicht, was sie will. Sie sieht nur, daß ihr Mann arbeitet, damit offenbar auch zufrieden ist, und weil man immer das am erstrebenswertesten findet, was man gerade nicht hat, kommt dann schnell der Vorwurf hoch, daß er sich auf der Arbeit einen schönen Lenz macht, während sie sich zu Hause für seine Karriere am Fabrikfließband aufopfern muß. Dann nörgelt sie ständig herum, wirft ihm vor, sie zu Hause allein zu lassen und nie da zu sein. Er versteht gar nichts mehr, denn er war der Meinung, ihr einen Traum zu verwirklichen, wenn er arbeitet, während sie mit dem Kind zu Hause bleiben kann. Und die vielen Überstunden sind doch gut für die Haushaltskasse... So wächst der Frust auf beiden Seiten, zumal sexuell ja auch nichts mehr läuft, und so kommt es dann bald zur Scheidung. Dann ist sie alleinerziehende Mutter, er darf weiterhin für drei knüppeln und kann froh sein, wenn sie ihm die Gnade erweist, das gemeinsame Kind noch ab und zu sehen zu dürfen. Um sie gnädig zu stimmen, zahlt er freiwillig mehr Unterhalt und hat so leider kein Geld mehr für eine neue Familie übrig, da er seiner Ex natürlich auch noch Unterhalt zahlen muß und da er seit der Scheidung wieder als Alleinstehender besteuert wird.

Und so möchte ich nicht enden. Zwar traue ich meiner Frau so etwas nicht zu, aber die vielen Männer, denen es schon so ergangen ist, haben sich das wohl ursprünglich auch nicht so vorgestellt.

Wenn man also mehr Kinder möchte, dann muß man erstmal die dazu nötigen Rahmenbedingungen schaffen:

1. Muß das Problem der Arbeitslosigkeit gelöst werden, um allen Menschen wieder eine Perspektive zu bieten. Dazu ist ein ganzes Bündel von Maßnahmen nötig.

2. Müssen das Sozialversicherungs- und Rentensystem umgestaltet werden, und zwar nicht wie bisher immer wieder nur auf Kosten der Pflichtversicherten. Die müssen ganz im Gegenteil entlastet werden, um ihnen ausreichende private Vorsorge überhaupt erst zu ermöglichen.

3. Muß man entweder dafür sorgen, daß die Real-Einkommen effektiv zumindest nicht weiter sinken oder aber man muß den Anstieg der Lebenshaltungskosten stoppen. Es kann nicht sein, daß Gas-, Strom- und Benzin-Anbieter ihre Preise ständig grundlos und gleichzeitig erhöhen können, so die Lebenshaltungskosten immer weiter in die Höhe treiben und damit gleichzeitig die Kaufkraft der breiten Masse noch mehr schwächen. Auch die Steuerlast muß runter, dafür muß selbstverständlich gespart werden, und zwar an den richtigen Stellen. Wer wissen möchte, welche Stellen das sind, muß sich nur an den Bund der Steuerzahler und den Bundesrechnungshof wenden. Da werden seit Jahrzehnten sinnvolle Vorschläge gemacht und leider üblicherweise ignoriert, seitdem der Bundesrechnungshof keinerlei echte Kompetenzen mehr hat.

4. Müssen die Ungerechtigkeiten im deutschen Scheidungs-, Unterhalts- und Sorgerecht endlich beseitigt werden.

Wenn man den Menschen so wieder ein günstiges Umfeld schafft, dann kommen die Kinder von ganz allein. Wenn man das Umfeld aber weiter verschlechtert, dann hilft es auch nicht, Eltern finanziell zu alimentieren. Das motiviert nur diejenigen, die von ihren Kindern leben möchten. Diejenigen, die hier wirklich effektiv etwas leisten und den Hauptteil der Steuer- und Abgabenlast tragen, motiviert man am besten dadurch, indem man ihnen die Möglichkeit gibt, durch ihre eigene Arbeit gut zu leben. Dann werden sie auch wieder gern Kinder in die Welt setzen.

Meine Frau und ich finden es wirklich schade, daß Kinder uns im Moment nicht möglich sind. Meine Frau sagte neulich noch, daß sie es schon schade findet, wenn nach uns niemand mehr kommt, und ich finde das auch nicht toll. Aber - siehe oben. Je mehr Geld man uns für nichts aus den Taschen zieht und je mehr wir trotz passablem Einkommen und durchaus nicht hohen Ansprüchen an allen Ecken und Enden sparen müssen, um unsere Rechnungen zu bezahlen, umso weniger können wir uns Kinder leisten.

Frustrierte Grüße
von Garfield

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