Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Frohe Kunde für Unterhaltssklaven!

Mischa, Tuesday, 19.10.2004, 17:52 (vor 7780 Tagen)

Hi,

na das ist doch was die Unterhaltsverweigerer, wer ALGII bezieht, muß keinen Unterhalt mehr für seine Kinder zahlen.
Auch wer einen Partner hat, der ins ALGII fällt, darf diesen zuerst bedienen, noch vor den eigenen Kindern.
Bislang waren Kinder immer vorrangig, das wurde jetzt mit HIV gekippt. He, merkt jemand was an der Akü? Klingt wie Krankheit und ist es wohl auch.

Egal, ab sofort dürfen Arbeitslose kindern was das Zeug hält, kost ja nix mehr, das Sozialamt hat's ja.

Mischa, froh, den Mist in D nicht bezahlen zu müssen

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,323846,00.html

Re: kaum Aenderung für Unterhaltssklaven!

Peter, Tuesday, 19.10.2004, 18:22 (vor 7780 Tagen) @ Mischa

Als Antwort auf: Frohe Kunde für Unterhaltssklaven! von Mischa am 19. Oktober 2004 14:52:15:

na das ist doch was die Unterhaltsverweigerer, wer ALGII bezieht, muß keinen Unterhalt mehr für seine Kinder zahlen.

Wer ALGII bezieht, verweigert KU nicht sondern kann nicht.

Bislang waren Kinder immer vorrangig, das wurde jetzt mit HIV gekippt.

Vor allem die Geldkanaele wurden geaendert: Statt dem Vater Hilfe auszuzahlen, die dieser den Kindern ueberweist, muessen die Kinder die Hilfe selbst beantragen. Wenn die Mutter oder ein Stiefvater selber Geld hat, gibt's keine Hilfe mehr, und der Staat spart.

Egal, ab sofort dürfen Arbeitslose kindern was das Zeug hält, kost ja nix mehr, das Sozialamt hat's ja.
Mischa, froh, den Mist in D nicht bezahlen zu müssen

Wer am unteren Rand der Gesellschaft lebte, erhielt auch bisher schon staatliche Hilfe fuer mehr Kinder, damit er nicht aus der Gesellschaft faellt.

Gruss,

Peter

Auszug aus dem neuen Duden...

Martin, Tuesday, 19.10.2004, 20:34 (vor 7779 Tagen) @ Mischa

Als Antwort auf: Frohe Kunde für Unterhaltssklaven! von Mischa am 19. Oktober 2004 14:52:15:

Egal, ab sofort dürfen Arbeitslose kindern was das Zeug hält

Ich kindere
Du kinderst
Er/Sie/Es kindert
Wir kindern
Ihr kindert
Sie kindern
Kindere!
Kindern Sie!
Gekindert werden
Kinderung
Das Kindern
Etwas/Jmd. erkindern
Ungekindert

Re: Auszug aus dem neuen Duden... - So neu ist das nicht:

Ekki, Tuesday, 19.10.2004, 21:04 (vor 7779 Tagen) @ Martin

Als Antwort auf: Auszug aus dem neuen Duden... von Martin am 19. Oktober 2004 17:34:02:

Egal, ab sofort dürfen Arbeitslose kindern was das Zeug hält

Ich kindere
Du kinderst
Er/Sie/Es kindert
Wir kindern
Ihr kindert
Sie kindern
Kindere!
Kindern Sie!
Gekindert werden
Kinderung
Das Kindern
Etwas/Jmd. erkindern
Ungekindert

In der DDR sprach man von "Abkindern" der Wohnungskredite.

Wie sich die Bilder (der Spießbürgerlichkeit) gleichen!

Gruß

Ekki

Re: kaum Aenderung für Unterhaltssklaven!

Max, Tuesday, 19.10.2004, 21:48 (vor 7779 Tagen) @ Peter

Als Antwort auf: Re: kaum Aenderung für Unterhaltssklaven! von Peter am 19. Oktober 2004 15:22:43:

Hi Peter,

Wer am unteren Rand der Gesellschaft lebte, erhielt auch bisher schon staatliche Hilfe fuer mehr Kinder, damit er nicht aus der Gesellschaft faellt.

...wer aus dieser Gesellschaft faellt, der besiegt die Schwerkraft. Aus dieser Gesellschaft rausfallen, bedeutet, einen steilen Aufstieg vor sich zu haben - zugegeben nicht unbedingt materiell, aber auch nicht ausgeschlossen. Wer in dieser Gesellschaft drinbleiben will, der hat einen an der Klatsche oder ist sonstwie verbloedet.

Gruesse aus der Freiheit - Max

Inwiefern ist das eine frohe Kunde fuer Unterhaltssklaven? n/t

Maesi, Tuesday, 19.10.2004, 22:17 (vor 7779 Tagen) @ Mischa

Als Antwort auf: Frohe Kunde für Unterhaltssklaven! von Mischa am 19. Oktober 2004 14:52:15:

Re: kaum Aenderung für Unterhaltssklaven!

Rüdiger, Wednesday, 20.10.2004, 22:57 (vor 7778 Tagen) @ Max

Als Antwort auf: Re: kaum Aenderung für Unterhaltssklaven! von Max am 19. Oktober 2004 18:48:29:

Hi Peter,
Wer am unteren Rand der Gesellschaft lebte, erhielt auch bisher schon staatliche Hilfe fuer mehr Kinder, damit er nicht aus der Gesellschaft faellt.
...wer aus dieser Gesellschaft faellt, der besiegt die Schwerkraft. Aus dieser Gesellschaft rausfallen, bedeutet, einen steilen Aufstieg vor sich zu haben - zugegeben nicht unbedingt materiell, aber auch nicht ausgeschlossen. Wer in dieser Gesellschaft drinbleiben will, der hat einen an der Klatsche oder ist sonstwie verbloedet.
Gruesse aus der Freiheit - Max

Ach Max - auch DU bist ein Teil dieser Gesellschaft, du hast einen Job hier, zahlst Steuern, lebst hier, bist sozusagen "voll integriert" - die Tatsache, daß du in vielen Dingen so quasi "Dissident" bist, nonkonform zu den vorherrschenden Anschauungen, ändert daran auch nicht viel.

Herzliche, aufmunternde Grüße

Rüdiger

Re: kaum Aenderung für Unterhaltssklaven!

Max, Thursday, 21.10.2004, 00:14 (vor 7778 Tagen) @ Rüdiger

Als Antwort auf: Re: kaum Aenderung für Unterhaltssklaven! von Rüdiger am 20. Oktober 2004 19:57:08:

Ach Max - auch DU bist ein Teil dieser Gesellschaft, du hast einen Job hier, zahlst Steuern, lebst hier, bist sozusagen "voll integriert" - die Tatsache, daß du in vielen Dingen so quasi "Dissident" bist, nonkonform zu den vorherrschenden Anschauungen, ändert daran auch nicht viel.
Herzliche, aufmunternde Grüße
Rüdiger

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Ach Ruediger, schon wieder alles falsch. Bisher dachte ich bloss: "Na ja, mit dem Auto fahren hat er's halt nicht so..."

- Also: Ich bin die wenigste Zeit in Deutschland, die meiste in Italien, die zweitmeiste in Frankreich und dann abgestuft in allen anderen Laendern Europas. Das erweitert den Horizont und ausserdem den Blickwinkel auf Deutschland ganz ungemein.
Unter den Europaern rangieren die Deutschen bei den Sympathiewerten ganz unten, die Italiener ganz oben - und glaube mir: Ich weiss mittlerweile, woran das liegt. Deutsche sind gottverdammte Klugscheisser. Italiener sind bloss gottverdammt liebenswuerdig.

Meinen Job habe ich bei mir selbst, ich selbst bin im Ausland, also habe ich meinen Job im Ausland. Und dass die in Deutschland Steuern von mir wollen: So what? Kein Finanzbeamter kennt so viele Ausnahmetatbestaende wie ich. Voll integriert bin ich auch nicht und wenn ich an meine wunderschoene fraenkische Heimat denke, dann steigt mir schon mal eine Traene ins Auge - eingedenk der Tatsache, von welchen Arschgesichtern meine wunderschoene fraenkische Heimat regiert wird.

Ich bleibe dabei: Die Deutschen von heute sind das Furunkel am Arsch der Weltgeschichte von morgen. Das ist hart: Auf die Schweden traefe das naemlich noch viel eher zu, aber - es sind halt einfach zu wenige. Winziger Pickel, sozusagen, - kaum der Rede wert. Der eigentliche Arsch allerdings, wo sich Furunkel und Pickel in trauter Nachbarschaft befinden, das sind - nicht so schwer zu erraten - die U.S. of A.

Ich erzaehle dir am Schluss noch eine schoenen Witz:

Maenner verschiedener Nationalitaeten sitzen beisammen und wetteifern darum, wer denn nun die schoenste Sprache spraeche.
Der Englaender: "Battoeflaihhh...Battoeflaihhh...." - isn't that wonderful?
Der Franzose: "Papijoh(ng)...Papijoh(ng)..." - siegessicher strahlt er in die Runde. Dann der Spanier: "Ripoh-sa. Ripoh-sa"
Alle finden "Ripoh-sa" wundervoll. Und dann der Italiener: "Farrrrfalllllle...farrrrfalllle" Die Runde hoert foermlioch das Flirren der Fluegel im heissen Sommerwind.
Dann kommt der Deutsche: " SCHMAETTTTAERRR-LINKKK!"

Du verstehst, was ich meine?

Herzlich - Max

Re: kaum Aenderung für Unterhaltssklaven!

Rüdiger, Thursday, 21.10.2004, 00:58 (vor 7778 Tagen) @ Max

Als Antwort auf: Re: kaum Aenderung für Unterhaltssklaven! von Max am 20. Oktober 2004 21:14:35:

Hallo Max,

- Also: Ich bin die wenigste Zeit in Deutschland, die meiste in Italien, die zweitmeiste in Frankreich und dann abgestuft in allen anderen Laendern Europas. Das erweitert den Horizont und ausserdem den Blickwinkel auf Deutschland ganz ungemein.

Zweifellos, aber ändern tut's auch nicht viel. Zumindest in den hochentwickelten westlichen Ländern ist das mit dem Feminismus auch nicht viel anders oder besser als Schweden. Wie viele Beispiele bescheuerter Anschauungen hat Arne aus den USA oder GB gebracht! Oder schau dir nur mal Schweden an!

Unter den Europaern rangieren die Deutschen bei den Sympathiewerten ganz unten, die Italiener ganz oben - und glaube mir: Ich weiss mittlerweile, woran das liegt. Deutsche sind gottverdammte Klugscheisser.

Auch du bist oft der Ansicht, es besser zu wissen als andere :-)

Meinen Job habe ich bei mir selbst, ich selbst bin im Ausland, also habe ich meinen Job im Ausland. Und dass die in Deutschland Steuern von mir wollen: So what?

Also ist dein Unternehmen noch in D registriert?

>Kein Finanzbeamter kennt so viele Ausnahmetatbestaende wie ich. Voll integriert bin ich auch nicht und wenn ich an meine wunderschoene fraenkische Heimat denke, dann steigt mir schon mal eine Traene ins Auge - eingedenk der Tatsache, von welchen Arschgesichtern meine wunderschoene fraenkische Heimat regiert wird.

Das mögen Arschgesichter sein, aber diejenigen, die Andalusien oder die Toscana regieren, sind auch nicht besser. Denk an Blair (Bushs Pudel), denk an den bescheuerten Berlusconi, denk an .... (Auswahl beliebig erweiterbar). Neulich schrieb mir eine in Amsterdam ansässige Deutsche: "Glaub bloß nicht, daß es hier besser ist. Das Gras in Nachbars Garten erscheint immer grüner, ist es aber nicht."

Ich bleibe dabei: Die Deutschen von heute sind das Furunkel am Arsch der Weltgeschichte von morgen. Das ist hart: Auf die Schweden traefe das naemlich noch viel eher zu, aber - es sind halt einfach zu wenige. Winziger Pickel, sozusagen, - kaum der Rede wert.

Diesen deutschen Selbsthaß konnte ich noch nie teilen. Auch den deutschen "Schmetterling" finde ich nicht häßlich als die entsprechenden Wörter in anderen Sprachen. Ja, hier mag vieles bescheuert und viele Leute doof sein, aber anderswo sind sie auch nicht besser oder schlechter.

Du verstehst, was ich meine?

Nö.

Herzliche Grüße

Rüdiger

Worte zur Mitternacht

Nick, Thursday, 21.10.2004, 03:35 (vor 7778 Tagen) @ Rüdiger

Als Antwort auf: Re: kaum Aenderung für Unterhaltssklaven! von Rüdiger am 20. Oktober 2004 21:58:38:

"Diesen deutschen Selbsthaß konnte ich noch nie teilen."

Die Deutschen sind zwar im Grunde ziemlich nette Leut. Bloß wissen sie es leider meistens nicht. Also muß es ihnen vielleicht mal jemand mitteilen? Hernach schaut u.U. sogar dieser ganze, grauslige Feminismus etwas weniger grauslig aus. Keine Panik, Leute! Immer noch hinreichend grauslig genug. Es geht einem also bestimmt nichts wirklich Wichtiges verloren. Er wird dann bloß einfach so, daß man noch eine klitzekleine Hoffnung haben kann. Und die braucht man, sonst ist man nämlich zu deutsch. Und das wäre tatsächlich ungesund.

Es ist im Grunde recht einfach. Wer sich selber haßt, ruiniert sich. Wenn das aber wechselseitig geschieht, haben wir in etwa die anatomische Feinstruktur des deutschen Mutterwitzes und seine innere Balance: Klugscheißer heißen sich gegenseitig Klugscheißer und haben genau deswegen beide vollkommen recht damit. "Recht haben" ist aber auch ziemlich wichtig, weil es die momentanen Nachteile des Angeklugscheißertwordenseins wieder ausgleicht... und so weiter... also in etwa so, wie Sauerkraut hergestellt wird.

Dieses ulkige Elend möchte sich vielleicht ein kleines bißchen bessern (cool bleiben: wirklich nur ganz wenig!), wenn wir uns stattdessen zum Humor entschließen würden. Es muß ja nicht gerade jüdisch (also meisterhaft) sein. Ein Anfang könnte darin bestehen, daß wir jetzt alle zusammen über uns selber herzhaft lachen: "Wir haben einfach alle miteinander fürchterlich einen an der Klatsche!" [...und dabei bitte diesmal nicht an andere, sondern ein jeder ganz ernsthaft und ganz verbissen an sich selber denken!]

Danach sieht man dann weiter.

Recht damit hat
Pater Nick

Re: Worte zur Mitternacht /...auch @ Ruediger

Max, Thursday, 21.10.2004, 21:40 (vor 7777 Tagen) @ Nick

Als Antwort auf: Worte zur Mitternacht von Nick am 21. Oktober 2004 00:35:02:

Lieber Pater Nick,

schoen. Darueber sollten wir alle ein wenig nachdenken und es dann genau so machen. Auch der Ruediger.

Vorher moechte ich aber noch betonen, dass sich dieser "deutsche Selbsthass", den Ruediger bei mir konstatierte, nur deswegen als ein solcher darstellte, weil ich nunmal Deutscher bin. Dass es in Andalusien oder in der Toskana nicht viel besser ausschaut, ist mir auch klar. Und wenn ich mir ueberlege, was die gottverdammten Sozialisten suedlich Siena mit der Landschaft angestellt haben, dann "hasse" ich natuerlich auch die.

Aber mit den Deutschen ist es wirklich seltsam: Erst wollen sie die ganzen Juden ausrotten und als naechstes schaemen sie sich gleich derartig, dass sie sich selbst ihre eigene Fortpflanzung verweigern. Tod durch unterbliebene Geburt, sozusagen. Na ja, bei den Italienern schaut's auch nicht anders aus...warum bloss? Was soll's - ich kenne die Antwort.
Hier wie dort glauben die Frauen, dass es keine Rolle spielt, dass sie als Maedchen auf die Welt gekommen sind. Sie glauben, sie haetten auch als Mann geboren werden koennen. Ich frage mich, warum sie nicht glauben, dass sie auch ein Auto oder ein Hotelzimmer haetten werden koennen. Das ist schon bloed, wenn die Bloeden das Sagen haben.

Aber: Bei aller Gemeinsamkeit - ein wesentlicher Unterschied besteht doch zwischen Italienern und Deutschen. Dem Italiener kann der Staat den Buckel runter rutschen und dass das auch bei seinem Nachbarn, seinen Bekannten und seinen Freunden so ist, das setzt der Italiener als selbstverstaendlich voraus. Den Deutschen kann der Staat auch mal....aber nur ihn selbst. Alle anderen Deutschen haben sich staatstragende Belehrungen anzuhoeren, so nach dem Motto "Wo kaemen wir denn da hin, wenn alle...*gaehn*". Das ist wirklich ein grosser Unterschied!

Lobet den Herrn! - Max

Re: Worte zur Mitternacht /...auch @ Ruediger

Nick, Friday, 22.10.2004, 05:43 (vor 7777 Tagen) @ Max

Als Antwort auf: Re: Worte zur Mitternacht /...auch @ Ruediger von Max am 21. Oktober 2004 18:40:22:

Lieber König Max,

ich erinnere mich an eine abendliche Taxifahrt durch Verona vor gut 3 Jahren. Der Taxifahrer hatte den Kassettenrecorder laufen. Es sprach - Silvio Berlusconi. Von Band! Das muß man sich mal vorstellen! Da wirkt ersichtlich der Duce noch nach in der 3. oder 4. Generation und rührt so einen dummen Jungen fast zu Tränen der Verehrung für den starken Mann. Soviel naiver, pathetischer Staatsfetischismus ist in Deutschland absolut undenkbar.

Das notorische Phänomen der "staatstragenden Belehrungen", das du erwähnst, hat meinem Dafürhalten nach wenig mit dem Staat, aber alles mit der Regression auf's eigene Ego zu tun, das so in Mode gekommen ist. Für diesen schmuddeligen Zweck wird dann eben auch der Staat gerne mal eingespannt, wenn es sich halt so ergibt. Mit dem Staat selbst als Ideal hatten es die Deutschen aber eigentlich nie so besonders. Sie hatten nur in jüngerer Zeit leider öfter mal einen Staat, der es mit ihnen hatte. Und Schreihälse, die lange schreien konnten, bevor sie heiser wurden. Das war unser großes Pech.

Die Deutschen haben die Neigung, viel mehr als andere "bei sich" zu sein (sogar während des Weltuntergangs): ihre berühmte 'Innerlichkeit'. Das scheint ein Fluch, ist aber im Wahrheit eine Begabung, die es zu erlösen gilt. Der Nationalismus und ganz besonders Adolf Hitler waren gerade nicht "typisch deutsch"! Deshalb haben die Leute es zum Beispiel auch erst nachher richtig mitbekommen, was da eigentlich die ganze Zeit alles abgelaufen ist während ihrer eigenen Apokalypse und schämen sich nun, sogar für etwas, was sie gar nicht selber gemacht haben...

Ein weites Feld. Aber über den Staat versteht man die Deutschen eben gerade nicht. Im Grunde ist er uns nämlich viel gleichgültiger als allen anderen europäischen Völkern. Unter pragmatischen Gesichtspunkten ist das natürlich höchstens ein Vorzug und ein Nachteil zugleich. Schade ist's aber, wenn unsere Neigung zum 'Ich' nun in so geistlosem, kleinlichem Egoismus verkümmert, wie wir es wieder erleben - gerade weil es die Möglichkeit gäbe, zur "selbstlosen Person" [paradox?] zu reifen.

Das sind jedoch immer individuelle, ganz persönliche Entwicklungen, jedenfalls niemals kollektiv vermittelte, die dazu führen könnten, sein Leben freiwillig für andere zu leben, ohne daß dies eigens durch einen Staat erzwungen wird, wie es sonst überall üblich und notwendig ist. Daß es völlig verrückt ist, sein Leben "nur für sich selbst zu leben", erkennt man, sobald es massenhaft geschieht (wir reden hier darüber, namentlich wo es die Weiber betrifft).

"Rein politische" Lösungen haben in Deutschland aus o.g. Gründen immer die fatale Neigung zum Desaster. Auch deshalb wird es meiner Ansicht nach keine "staatlichen" Lösungen in Deutschland für derartige Probleme geben. Am besten ist es, wenn der Staat möglichst wenig 'löst'. Jedenfalls darf man nie die individuelle Seite der Problematik übersehen, sowohl für das Gelingen des eigenen Lebens(!), als auch für die Überwindung kollektiver Fehlentwicklungen, wie es der gegenwärtige Genderwahn selbstverständlich darstellt. Man muß Klarheit darüber gewinnen, was gut und recht ist und es dann konsequent und unbekümmert leben. Das geht! Und in Deutschland kann man damit tatsächlich "die Welt verändern": die Form wird dem Inhalt folgen, sobald die Sache einmal wirklich klar ist.

Die Frage: "Wohin kämen wir, wenn...?", ist manchmal auch nur die Stimme der Vernunft. Das muß man ggf. sauber unterscheiden.

Das sind diesmal recht ideelle, vielleicht sogar etwas "abstrakte" Argumente dafür, warum ich persönlich vom Staat wenig fordere (und gefordert sehen will) - außer daß er sich rigoros heraushält aus allen Angelegenheiten, die nur mich (und ihn nichts!) angehen. Entgegen dem allgemeinen Klischee halte ich diese Haltung für "typisch deutsch". Man müßte dazu nur wieder mehr ermutigen. Dann wird das schon wieder... :-)

Meint und findet
der Nick

Re: Worte zur Mitternacht /...auch @ Ruediger

Max, Sunday, 24.10.2004, 12:19 (vor 7775 Tagen) @ Nick

Als Antwort auf: Re: Worte zur Mitternacht /...auch @ Ruediger von Nick am 22. Oktober 2004 02:43:42:

Lieber König Max,

...jaja, schon gut....erhebe er sich.

ich erinnere mich an eine abendliche Taxifahrt durch Verona vor gut 3 Jahren. Der Taxifahrer hatte den Kassettenrecorder laufen. Es sprach - Silvio Berlusconi. Von Band! Das muß man sich mal vorstellen! Da wirkt ersichtlich der Duce noch nach in der 3. oder 4. Generation und rührt so einen dummen Jungen fast zu Tränen der Verehrung für den starken Mann. Soviel naiver, pathetischer Staatsfetischismus ist in Deutschland absolut undenkbar.

...in der hinteren Oberpfalz gibt es bestimmt Leute, die sich die Aschermittwochsreden des grossen Franz Josef Strauss nach dem sonntäglichen Mittagsmahl nostalgisch verzückt zur Erbauung anhören, vom Band und nach Abpfeifen des bayerischen Defiliermarsches.

Das notorische Phänomen der "staatstragenden Belehrungen", das du erwähnst, hat meinem Dafürhalten nach wenig mit dem Staat, aber alles mit der Regression auf's eigene Ego zu tun, das so in Mode gekommen ist. Für diesen schmuddeligen Zweck wird dann eben auch der Staat gerne mal eingespannt, wenn es sich halt so ergibt.

...stimmt. Absolut widerlich...

Mit dem Staat selbst als Ideal hatten es die Deutschen aber eigentlich nie so besonders. Sie hatten nur in jüngerer Zeit leider öfter mal einen Staat, der es mit ihnen hatte. Und Schreihälse, die lange schreien konnten, bevor sie heiser wurden. Das war unser großes Pech.

...na ja. Nach 1871 waren die Deutschen doch ziemlich plötzlich und ziemlich unappetitlich zu regelrechten Staatsfetischisten mutiert? So nach dem Motto: Endlich dürfen wir auch bei den Grossen am Tisch sitzen. Und denen werden wir zeigen, wie man anstaendig isst. "Ausflug nach Paris" - ein paar Jahre später....

Die Deutschen haben die Neigung, viel mehr als andere "bei sich" zu sein (sogar während des Weltuntergangs): ihre berühmte 'Innerlichkeit'. Das scheint ein Fluch, ist aber im Wahrheit eine Begabung, die es zu erlösen gilt.

...ich halte das für eine aus der Not geborenen, über wenigstens zwei Jahrhunderte hin "kultivierte" pseudo-moralische Haltung, die der internationalen politischen Bedeutungslosigkeit eine "schöne Gestalt" nach aussen verleihen sollte. Es mag noch andere Gründe geben, z.B. die Resignation des Individuums vor der Willkür einer Obrigkeit, die nicht kontrolliert werden konte.

Der Nationalismus und ganz besonders Adolf Hitler waren gerade nicht "typisch deutsch"! Deshalb haben die Leute es zum Beispiel auch erst nachher richtig mitbekommen, was da eigentlich die ganze Zeit alles abgelaufen ist während ihrer eigenen Apokalypse und schämen sich nun, sogar für etwas, was sie gar nicht selber gemacht haben...

...kann ich nicht ganz nachvollziehen. Der Nationalsozialismus und A.H. wurden von den Deutschen schon als verbrecherisch und verwerflich erkannt. Es ist ihnen aber egal gewesen, weil sie (zumindest bis Mitte ´42, Dumme auch länger) davon ausgehen konnten, daß es niemals einen Richter geben wuerde. Das Verschwinden der Juden konnte nicht unbemerkt geblieben sein und die Reichskristallnacht war auch nicht gerade ein lautloses Unternehmen. Dass die Zahl der todesstrafenwuerdigen Verbrechen unter der Herrschaft der Nazis auf ueber 200 Tatbestaende gestiegen war, konnte auch niemandem verborgen geblieben sein. "Lieber Gott, mach´mich stumm, dass ich nicht nach Dachau kumm" - war ein Abendgebet, das von den Kindern im Nordwesten Münchens schon in den 30er-Jahren gesprochen worden ist. Die Haeftlingskolonnen für Buchenwald kamen am Bahnhof von Weimar an und zogen in grosser Zahl durch die Stadt hinauf auf den grossen Ettersberg. Diese Apokalypse der Menschlichkeit und der Zivilisation wurde von den Deutschen sehr wohl bemerkt. Und es ist ihnen egal gewesen, konnten sie sich doch einreden (lassen) diese ganze Barbarei diene einem höheren Zweck.
Was sie dann als ihre eigene Apokalypse begreifen mussten, war nur die Folge einer Barbarei, die sie billigend in Kauf genommen hatten.
Moegen der Nationalsozialismus und A.H. vielleicht bis zur Machtergreifung nicht typisch deutsch gewesen sein - danach sind sie es dann gewesen. Typischer als alles andere, das ich mir in geschichtlichen Zusammenhaengen vorstellen kann.

Ein weites Feld. Aber über den Staat versteht man die Deutschen eben gerade nicht. Im Grunde ist er uns nämlich viel gleichgültiger als allen anderen europäischen Völkern.

...gerade ueber den Staat versteht man den Deutschen! Denn der Staat ist des Deutschen Sehnsucht! Wie gerne wuerde der Deutsche mit dem Franzosen tauschen und Citoyen einer Grande Nation sein, anstatt in sich staendig den völkischen Kretin erkennen zu muessen. Daß dem Deutschen der Staat gleichgültig sei, dem stimme ich unter dem Zusatz zu, daß es deswegen so ist, weil er überhaupt keine Vorstellung hat von einem Staat, der ihm etwas anderes vor Augen stellt als seine eigene Machtlosigkeit. Der Deutsche ist seit eh und je ein Untertan, seit gut fünfzig Jahren ist er ein Untertan mit dem Wunsch, wie ein Demokrat auszusehen, ohne dabei selbst einer sein zu müssen, bei all´der Verantwortung, die das mit sich brächte und die zu tragen er keineswegs bereit ist.

Unter pragmatischen Gesichtspunkten ist das natürlich höchstens ein Vorzug und ein Nachteil zugleich. Schade ist's aber, wenn unsere Neigung zum 'Ich' nun in so geistlosem, kleinlichem Egoismus verkümmert, wie wir es wieder erleben - gerade weil es die Möglichkeit gäbe, zur "selbstlosen Person" [paradox?] zu reifen.

...dieser völlig geistlose, kleinliche Egoismus: Das ist der Deutsche. Und ein selbstloser Deutscher? Was soll das sein? Ist der überhaupt denkbar? Hast du neulich den phantastischen, über die Massen bewegenden Fernsehfilm "Das Lied vom traurigen Sonntag" gesehen? Das war eine Parabel des Deutschen, wie er die grosse, nicht greifbare Liebe, diesen Odem, der über allem schweben könnte und nach dem er sich verzehrt, versucht hat für sich zu "materialisieren", wie er die Liebe (und nebenbei noch das Leben von real existierenden Liebenden)dabei zerstört und wie ihn die späte Rache trifft. Ganz großartiger Film! Und problemlos auf Heute übertragbar.

Das sind jedoch immer individuelle, ganz persönliche Entwicklungen, jedenfalls niemals kollektiv vermittelte, die dazu führen könnten, sein Leben freiwillig für andere zu leben, ohne daß dies eigens durch einen Staat erzwungen wird, wie es sonst überall üblich und notwendig ist. Daß es völlig verrückt ist, sein Leben "nur für sich selbst zu leben", erkennt man, sobald es massenhaft geschieht (wir reden hier darüber, namentlich wo es die Weiber betrifft).

...da stimme ich Dir absolut zu. Diese individuellen, persönlichen Entwicklungen könnten aber, wenn schon nicht staatlich gefördert, wenigstens nicht auch noch bekaempft werden! Und genau das aber tun die Ideologen von heute.

"Rein politische" Lösungen haben in Deutschland aus o.g. Gründen immer die fatale Neigung zum Desaster. Auch deshalb wird es meiner Ansicht nach keine "staatlichen" Lösungen in Deutschland für derartige Probleme geben.

...genau.

Am besten ist es, wenn der Staat möglichst wenig 'löst'.

...aber hallo!

Jedenfalls darf man nie die individuelle Seite der Problematik übersehen, sowohl für das Gelingen des eigenen Lebens(!), als auch für die Überwindung kollektiver Fehlentwicklungen, wie es der gegenwärtige Genderwahn selbstverständlich darstellt.

...hinter die Ohren geschrieben!

Man muß Klarheit darüber gewinnen, was gut und recht ist und es dann konsequent und unbekümmert leben. Das geht!

...und man muss, selbst wenn man dabei der vermeintlich "Dumme" wird.

Und in Deutschland kann man damit tatsächlich "die Welt verändern": die Form wird dem Inhalt folgen, sobald die Sache einmal wirklich klar ist.

...eine Machtfrage also? Heutzutage besser: Eine Medienmachtfrage?

Die Frage: "Wohin kämen wir, wenn...?", ist manchmal auch nur die Stimme der Vernunft. Das muß man ggf. sauber unterscheiden.

...ja, aber nicht, wenn sie in dem Zusammenhang steht mit "...wenn jeder eine durchgezogene Linie ueberfahren wuerde."

Das sind diesmal recht ideelle, vielleicht sogar etwas "abstrakte" Argumente dafür, warum ich persönlich vom Staat wenig fordere (und gefordert sehen will) - außer daß er sich rigoros heraushält aus allen Angelegenheiten, die nur mich (und ihn nichts!) angehen. Entgegen dem allgemeinen Klischee halte ich diese Haltung für "typisch deutsch". Man müßte dazu nur wieder mehr ermutigen. Dann wird das schon wieder... :-)

...wenn du meinst.

Meint und findet

....ach so, da steht´s ja.

der Nick

mit sonntäglichem Grusse zum Lobe des Herrn - Max

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