Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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"Jungen haben's heute schwerer"

Collantix, Wednesday, 06.10.2004, 20:19 (vor 7792 Tagen)

"Jungen haben's heute schwerer"

0DREI FRAGEN AN: Christoph Bösch von "Wendepunkt"

Lange war Jugendarbeit "Jungenarbeit". Längst ist es mittlerweile selbstverständlich, dass Mädchen eigene geschlechtsspezifische Angebote brauchen. Doch erst ganz allmählich setzt sich in der Kinder- und Jugendhilfe die Erkenntnis durch, wie notwendig heute auch eine geschlechtsbewusste Jungenarbeit ist. Vor einer Tagung zu diesem Thema sprach deshalb Gerhard M. Kirk mit Christoph Bösch, Mitorganisator der Tagung und Berater bei "Wendepunkt".

BZ: Haben es denn heute die Jungs nötig, sich zu emanzipieren?
Bösch: Ich denke: Ja. Denn auf einem äußeren Niveau geht's immer noch - und zwar zu Recht - um die Emanzipation der Mädchen. Auf dem inneren Niveau aber haben es die Jungen schwerer, zu Gefühlen zu kommen und wirklich zu einer Persönlichkeit zu werden. Jungen stehen viel mehr unter Erfolgsdruck, müssen toll und richtige Männer sein - und haben es deshalb schwerer wahrzunehmen, was sie eigentlich sein wollen.

BZ: Was unterscheidet demnach eine eigene Jungenarbeit von der Jugendarbeit?
Bösch: Jugendarbeit, wie sie ewig stattfand, war, Jungen vor allem Aktionsfelder zu bieten wie Kicker und Fußball. Zielorientierte Jungenarbeit fragt dagegen: Was brauchen Jungen, um zum Mann zu werden? Welche Charaktereigenschaften sind wichtig? Dabei geht es vor allem um einen konstruktiven Umgang mit Aggressionen, mit der Gefühlswelt, mit einem Engagement für Beziehungen. Das alles ist als Anlage in den Jungen drin, aber es braucht eine gezielte Förderung, die an einem Ziel ausgerichtet ist. Die Tagung soll deshalb einen Anstoß geben, dies mehr ins Bewusstsein zu rücken - bei Pädagogen wie bei Politikern.

BZ: Mädchenarbeit, Jungenarbeit - gibt es denn da überhaupt noch Raum für gemeinsame Angebote?
Bösch: Letztlich betrachte ich es als das Ziel, dass es gemeinsame Angebote geben soll. Denn es ist nicht das Ziel, Jungen und Mädchen zu trennen, sondern sie jeweils spezifisch zu stärken und sie so zu befähigen, mit dem anderen Geschlecht umgehen zu können. Oberstes Ziel ist letztlich das Miteinander.

Quelle: Badische Zeitung

Gruß
Collantix

Buäh, wie eklig... (n/t)

Texaco, Wednesday, 06.10.2004, 20:40 (vor 7792 Tagen) @ Collantix

Als Antwort auf: "Jungen haben's heute schwerer" von Collantix am 06. Oktober 2004 17:19:36:

Warum? (n/T) (n/t)

Garp, Wednesday, 06.10.2004, 23:08 (vor 7792 Tagen) @ Texaco

Als Antwort auf: Buäh, wie eklig... (n/t) von Texaco am 06. Oktober 2004 17:40:34:

Re: Warum? (n/T) (n/t)

michail, Wednesday, 06.10.2004, 23:26 (vor 7792 Tagen) @ Garp

Als Antwort auf: Warum? (n/T) (n/t) von Garp am 06. Oktober 2004 20:08:22:

Ich vermute mal, weil solche Ansätze der feministischen Anthropologie und dem Gender-Geschlechterverständis Zugeständnisse machen, durch welche die Männerbewegung schnurstracks auf den Leim ihrer Gegner gehen könnte. Aber ich vermute nur, bin ja nicht Texaco.

Michail

Re: Warum

Garp, Thursday, 07.10.2004, 00:41 (vor 7792 Tagen) @ michail

Als Antwort auf: Re: Warum? (n/T) (n/t) von michail am 06. Oktober 2004 20:26:46:

Hallo Michail,

dazu müsste man zuerst herausarbeiten, welcher Ansatz in dem Interview überhaupt vertreten wird.

<i/>Denn es ist nicht das Ziel, Jungen und Mädchen zu trennen, sondern sie jeweils spezifisch zu stärken[/i]

Dem stimme ich zu!

<i/> Die Tagung soll deshalb einen Anstoß geben, dies mehr ins Bewusstsein zu rücken - bei Pädagogen wie bei Politikern.[/i]

Dem stimme ich auch zu

<i/>Welche Charaktereigenschaften sind wichtig? Dabei geht es vor allem um einen konstruktiven Umgang mit Aggressionen, mit der Gefühlswelt, mit einem Engagement für Beziehungen. [/i]

Dem stimme ich auch zu. Denn mir gefällt es nicht, wenn sich Jungen gegenseitig die Köpfe einschlagen und aufgrund mangelnder Umgangsformen keinen Ausbildungsplatz finden.
(Ist jetzt zugespitzt, beschreibt nur eine Teilgruppe von Jungen)

<i/>Ich denke: Ja. Denn auf einem äußeren Niveau geht's immer noch - und zwar zu Recht - um die Emanzipation der Mädchen. Auf dem inneren Niveau aber haben es die Jungen schwerer, zu Gefühlen zu kommen und wirklich zu einer Persönlichkeit zu werden. Jungen stehen viel mehr unter Erfolgsdruck, müssen toll und richtige Männer sein - und haben es deshalb schwerer wahrzunehmen, was sie eigentlich sein wollen. [/i]

Ich glaube hier liegt das Problem. Dem ersten Satz würde ich so nicht zustimmen. Im Folgenden beschreibt der Interviewte einen Ansatz der so genannten „geschlechter-reflektierenden“ Jugendarbeit. Muss es ein Schaden sein über seine eigene Geschlechterrolle nachzudenken? Ich glaube nicht!
Allerdings liegt dieser Ansatz auch nahe an einer feministischen Jungenarbeit. Insofern hinterlässt das Interview einen zwiespältigen Eindruck. Für mich aber kein Grund den Text als „eklig“ zu bezeichnen.

Grüße
Garp

Re: Warum? (n/T) (n/t)

Texaco, Thursday, 07.10.2004, 01:28 (vor 7792 Tagen) @ Garp

Als Antwort auf: Warum? (n/T) (n/t) von Garp am 06. Oktober 2004 20:08:22:

Hallo Garp!

Wenn es dich wirklich so ärgert, dann antworte ich auch, aber nicht sehr ausführlich. "Wuäh" sollte ja gerade bedeuten, daß mich das Interview eher abschreckt. Vielleicht habe ich es ja falsch gelesen.

Beim drüberfliegen habe ich ausgemacht:

1. Den Funktionärs-Sprech von Pädagogen, immer schön in der Sprache des Gender Mainstreaming. Das ist sicher nützlich, wenn jemand Fördermittel will, also hat es auch seine Berechtigung. Problem: Man tut so, als habe GM als solches auch seine Berechtigung.

2. Der Artikel beginnt schon im ersten Satz mit einem Kniefall vor dem Feminismus.

3. Dann bringt der Funktionär Argumente vor, die auch ein Feminist vorbringen kann - ist er also einer oder nicht? Ganz sicher ist das nicht.

Für mich klang das so: Leider sind Jungen nicht mädchenhaft genug, also werden sie leider auch zu Männern, und nicht zu "neuen Männern" heranwachsen. Dagegen muss die Jugendarbeit was tun! Symptomatisch: Physische Aktivität, Fußball und vielleicht sogar Raufereien sind von gestern - jetzt kommen die Pädagogen!

Vielleicht irre ich mich da. Aber so klang es für mich. Und bei einem solchen Ansatz kann ich nicht sagen: Hurra, es wird endlich was für Jungs getan, nicht nur für Mädchen! Im Gegenteil.

Es kommt auf den Standpunkt an, von dem man die Sache aus betreibt. Teilt man die feministische Sicht? Dann gibt es keinen Grund, das zu unterstützen.

Zum Thema: Ich habe mal was über eine Boxschule an der deutsch-polnischen Grenze gelesen. Die Jugendlichen lernen dort kämpfen. Nicht von einem Pädagogen. Und genau das macht sie toleranter und weniger aggressiv. Selbstvertrauen steigt, Respekt vor dem Gegner wird erlernt, und Regeln werden verinnerlicht. Kann sich dieser Pädagoge sowas vorstellen?

Re: Warum?

Garp, Thursday, 07.10.2004, 02:46 (vor 7792 Tagen) @ Texaco

Als Antwort auf: Re: Warum? (n/T) (n/t) von Texaco am 06. Oktober 2004 22:28:55:

Hallo Texaco,

deine Antwort ärgert mich nicht. Ganz im Gegenteil. Deinen Eindruck hatte ich zunächst auch. Ich glaube nur, dass wir für den Start einer Jungenarbeit jede Unterstützung benötigen die es gibt.
Wenn sich daher ein Pädagoge aufmacht, um für mehr Aufmerksamkeit für eine Jungenarbeit einzutreten, ist dies zunächst positiv. Vielleicht sind seine „feministischen Lippenbekenntnisse“ auch nur Taktik um an staatliche „Finanztöpfe“ zu gelangen:-)
Jedenfalls würde ich in diesen Personen eher „Verbündete“ als „Gegner“ sehen.
Aber ich denke dein Beispiel mit dem Boxen, könnte man sicher auch gut in eine Jungenarbeit einbauen. Am Ende zählt was den Jungen wirklich hilft. Aber leider wissen wir darüber noch zu wenig.
Grüße
Garp

Re: Warum?

Texaco, Thursday, 07.10.2004, 15:25 (vor 7792 Tagen) @ Garp

Als Antwort auf: Re: Warum? von Garp am 06. Oktober 2004 23:46:04:

Hallo Garp!

Es besteht zumindestens die Gefahr, daß es dabei schlicht um die zielgruppengerechte Vermittlung feministischer Inhalte gehen soll. In dem Fall wäre nichts gewonnen, aber viel verloren.

Aber leider wissen wir darüber noch zu wenig.

Da hast Du natürlich völlig recht. Meine erste Antwort war auch eher launig. Aber sieh es mal so: Es reagieren bestimmt viele Leute so wie ich, sogar wenn sie auf vernünftige Angebote treffen, weil sie dahinter wieder die feministische Umerziehung des Mannes wittern. Man muß also auch den Eltern die Unterschiede vermitteln, anstatt nur in Deckung vor den Geldgebern zu gehen.

Re: "Jungen haben's heute schwerer"

Max, Thursday, 07.10.2004, 11:13 (vor 7792 Tagen) @ Collantix

Als Antwort auf: "Jungen haben's heute schwerer" von Collantix am 06. Oktober 2004 17:19:36:

Nicht so schwer zu durchschauen: Die neueste Masche des internationalen Feministentums.
Buben sollen zu Mädchen gemacht werden und damit das Ganze dann GM-mässig korrekt dasteht, heißt es halt "Jungenarbeit".

Holzauge, sei wachsam! - Max

Re: "Jungen haben's heute schwerer"

Odin, Friday, 08.10.2004, 16:00 (vor 7791 Tagen) @ Max

Als Antwort auf: Re: "Jungen haben's heute schwerer" von Max am 07. Oktober 2004 08:13:51:

Nicht so schwer zu durchschauen: Die neueste Masche des internationalen Feministentums.
Buben sollen zu Mädchen gemacht werden und damit das Ganze dann GM-mässig korrekt dasteht, heißt es halt "Jungenarbeit".
Holzauge, sei wachsam! - Max

Jungenarbeit heißt nicht Jungenarbeit, weil man mit Jungen arbeitet, sondern weil man gezielt geschlechtsspezifisch arbeitet und sich als Mann als Identifikationsobjekt anbietet. Dies bedeutet natürlich, daß man sich in seiner Position als Mann auch hinterfragt hat und weiß, was ein Mann und was man als Mann ist.

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