"Jungen haben's heute schwer"
"Jungen haben's heute schwerer"
0DREI FRAGEN AN: Christoph Bösch von "Wendepunkt"
Lange war Jugendarbeit "Jungenarbeit". Längst ist es mittlerweile selbstverständlich, dass Mädchen eigene geschlechtsspezifische Angebote brauchen. Doch erst ganz allmählich setzt sich in der Kinder- und Jugendhilfe die Erkenntnis durch, wie notwendig heute auch eine geschlechtsbewusste Jungenarbeit ist. Vor einer Tagung zu diesem Thema sprach deshalb Gerhard M. Kirk mit Christoph Bösch, Mitorganisator der Tagung und Berater bei "Wendepunkt".
BZ: Haben es denn heute die Jungs nötig, sich zu emanzipieren?
Bösch: Ich denke: Ja. Denn auf einem äußeren Niveau geht's immer noch - und zwar zu Recht - um die Emanzipation der Mädchen. Auf dem inneren Niveau aber haben es die Jungen schwerer, zu Gefühlen zu kommen und wirklich zu einer Persönlichkeit zu werden. Jungen stehen viel mehr unter Erfolgsdruck, müssen toll und richtige Männer sein - und haben es deshalb schwerer wahrzunehmen, was sie eigentlich sein wollen.
BZ: Was unterscheidet demnach eine eigene Jungenarbeit von der Jugendarbeit?
Bösch: Jugendarbeit, wie sie ewig stattfand, war, Jungen vor allem Aktionsfelder zu bieten wie Kicker und Fußball. Zielorientierte Jungenarbeit fragt dagegen: Was brauchen Jungen, um zum Mann zu werden? Welche Charaktereigenschaften sind wichtig? Dabei geht es vor allem um einen konstruktiven Umgang mit Aggressionen, mit der Gefühlswelt, mit einem Engagement für Beziehungen. Das alles ist als Anlage in den Jungen drin, aber es braucht eine gezielte Förderung, die an einem Ziel ausgerichtet ist. Die Tagung soll deshalb einen Anstoß geben, dies mehr ins Bewusstsein zu rücken - bei Pädagogen wie bei Politikern.
BZ: Mädchenarbeit, Jungenarbeit - gibt es denn da überhaupt noch Raum für gemeinsame Angebote?
Bösch: Letztlich betrachte ich es als das Ziel, dass es gemeinsame Angebote geben soll. Denn es ist nicht das Ziel, Jungen und Mädchen zu trennen, sondern sie jeweils spezifisch zu stärken und sie so zu befähigen, mit dem anderen Geschlecht umgehen zu können. Oberstes Ziel ist letztlich das Miteinander.</tt>
Quelle: Badische Zeitung
Gruß
Collantix
Re: Kann gelöscht werden, weil unvollständig... (n/t)
Als Antwort auf: "Jungen haben's heute schwer" von Collantix am 06. Oktober 2004 17:18:49: