Rote Männer Info Nr. 75
RoteMänner!
Leidbringende und Leidtragende!
Herren und Frauenbeauftragte!
Im Rathaus der beschaulichen Hauptstadt des Landes der Bempel und des
Äppelwoi - richtig, wir sprechen von Wiesbaden, einer der
mitreißendsten Städte unserer Republik mit einem sich bis heute gerne
patrizisch gerierenden Einwohnermilieu - findet am 19. November eine
Fachtagung der kommunalen Frauenbeauftragten und eines "AK Prävention,
Schutz und Hilfe bei häuslicher Gewalt an der FH Wiesbaden" statt. Ziel
der Tagung ist es, der Frage nachzugehen, warum "Frauen, die Opfer
häuslicher Gewalt sind, die rechtlichen Möglichkeiten in so geringem
Umfang" nutzen. "Wir richten den Focus der Information auf die Frauen
als Opfer, um besser zu verstehen, a) wo die in der Frau selbst und
ihrer psycho-sozialen Situation begründeten Hindernisse liegen; b)
welchen institutionellen Barrieren sie begegnet; c) und welche Schritte
geeignet sind, um diese zu beseitigen."
www.wiesbaden.de/frauenbeauftragte
Seltsam, wo doch seitens der Landesfrauenminister allenthalben schon
gejubelt wurde ob der hohen Zahlen der ihrer Wohnung verwiesenen
Schläger. Wieso also jetzt die Klage über zu geringe Nutzung des
Gewaltschutzgesetzes? Wurden etwa im südlichen Hessen noch Haushalte
angetroffen, wo Männer mit am Tisch saßen? Dreifach verwünscht, haben
denn die Frauen immer noch nicht begriffen, dass jede Berührung Gewalt,
jedes Kompliment eine sexuelle Belästigung und jeder Beischlaf
Vergewaltigung ist? - Ihr könnt euch dort übrigens auch anmelden,
jedoch: "Wenn Ihre Anmeldung nicht berücksichtigt werden kann,
informieren wir Sie rechtzeitig." In Wiesbaden ist eben nicht jeder
gleichermaßen willkommen.
Die "Welt" sinnierte am 25. September über Männer, die keine Kinder
(mehr) wollen: "Sollte die deutsche Reproduktionskrise gar nicht auf
ein Vereinbarkeitsproblem von Frauen zurückzuführen sein, sondern unter
anderem darauf, dass es Männer gibt, die es nicht mit sich vereinbaren
können, der Alleinernährer zu sein, die sich die Frage stellen, warum
sie der Alleinernährer sein sollten, und, mehr noch, sich fragen, warum
sie Kinder haben und eine Frau für deren Erziehung bezahlen sollten?"
Tatsächlich eine originelle Frage. Jedenfalls viel origineller als die
Auflistung des Anteils von Frauen am Gesamtaufkommen der Hausarbeit,
für die sie selbst niemand Anderem eine hinreichende Kompetenz
zubilligen und hinterher behaupten, sie hätten den gaaaaanzen Tag nur
Stress gehabt. http://www.welt.de/data/2004/09/25/337308.html
Eigentlich wollten wir heute ausführlich die Erfahrungen einer guten
Freundin mit ihrer Frauen-Power-Walking-Gruppe zum Besten geben, die
uns herzlich lachen ließen. Wir müssen es jedoch bei diesem kurzen
Ausschnitt belassen, um niemanden zu kompromittieren: "Glaubt mir, die
brauchen nicht nur zum Einkaufen länger. Sieben Frauen, beim ersten
Termin zwei den Treffpunkt nicht gefunden, zwei deutlich später, eine
muss alle 10 Schritte erstmal aus ihrer mitgeführten Trinkflasche
trinken und die ganze Zeit ein einziges Gequatsche."
Bekanntlich reden Frauen täglich etwa drei- bis viermal soviel wie
Männer. Ist es nicht irgendwie erleichternd, dass dies nicht nur
unsereinem auf den Zünder geht? Manche Frauen haben aber auch wirklich
wichtige Probleme zu besprechen, wie jüngst auch wieder die Kölner
Oberquasselstrippe Alice Schwarzer, die sich in einer neueren Ausgabe
der "Emma" weitschweifig über die Frage auslässt, was besser ist:
schwul oder lesbisch? http://www.emma.de/04_5_editorial.html Unseres
Erachtens wäre diese Frage nur dann interessant, wenn man als Homo
ludens wählen könnte, ob man nun eine Mumu oder einen Schnaddelwatz
hat. Das aber können nur die Wenigsten. So läuft Schwarzers Deliberatio
nur darauf hinaus, dass - selbstverständlich - die Vagina dem Penis
haushoch überlegen ist. Wenn das wiederum so ist, warum hat manche Frau
dann solche Probleme damit, die beiden Racker zusammen in den Ring zu
lassen, hmmmm? Darüber solltet ihr mal nachdenken. Jedenfalls bevor
irgendjemand anfängt, an dem zu zweifeln, was er eh' nicht ändern
sollte: Stand by your man!
Substanzielleres gab neulich in der "taz" Kerstin Decker zu bedenken,
als sich einer an Goethe vergreifen wollte, indem er ihn perfide als
Kindermörderinnenhasser zu denunzieren trachtete: Ein Germanist aus
Freiburg - und schon dies ist eigentlich nicht mehr zu toppen! - habe
kürzlich vorgeschlagen, die Goethe-Institute umzubenennen, "da Goethe
die Menschenrechte verletzt habe. Er hätte als Geheimer Rat eine
Weimarer Kindsmörderin retten können. Er hat es nicht getan. Wolfgang
von Goethe als Menschenrechtsverletzer. Man sollte mal über den
Zusammenhang von zeitgenössischem Bewusstsein und Hirnerweichung
nachdenken. Die Tatsache, dass die Geschichte eine einzige große
Menschenrechtsverletzung ist - und es auch immer bleiben wird -, passt
nicht mehr in unseren avancierten Weltbegriff. Werden wir, je
zivilisierter wir werden, desto dümmer?" In Frau Deckers Frage steckt
eine Menge Weisheit. http://www.taz.de/pt/2004/09/29/a0179.nf/text
Indessen wächst sich das Verständnis, dass Kindermörderinnen HEUTE in
Deutschland finden, in geradezu obszöner Weise. Einer Berliner Mutter,
die ihren zweijährigen Sohn verdursten ließ, und die in erster Instanz
zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden war (s. RoteMännerInfo 74),
wird jetzt im neu aufgerollten Verfahren eine deutlich verminderte
Schuldunfähigkeit attestiert, weil sie während der Tat "eine
mittelgradig depressive Episode, die mit massivem Drogenkonsum
einherging," durchlebt habe.
http://www.taz.de/pt/2004/09/25/a0279.nf/text Ein Mann, der in einem
vergleichbaren Zustand, also traurig und besoffen, seine Frau auch nur
wegschubst, wird dagegen geradezu verteufelt - unter Umständen von
denselben Arschlöchern! Schlimmstenfalls von einem Freiburger
Germanisten.
Wir verkürzen heute unsere Präliminarien mal ein wenig und finden uns
gleich im Bestiarium des bundesdeutschen Gewaltbiotops wieder:
1. Berlin ist klamm und muss sparen. Wenn aber beim Geld für die
Frauenhäuser gekürzt wird, sieht die "taz" darin "finanzielle Gewalt"
gegen Frauen. Dabei sind die Häuser nach Aussage der
PDS-Frauenstaatssekretärin gar nicht ausgelastet.
2. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Rolf Stöckel antwortete uns auf unsere
Kritik am Alarmismus der immerneuen Tatarenmeldungen über Gewalt gegen
Frauen. Natürlich gaben daraufhin auch wir nochmal zu bedenken.
3. Es gibt Männer, die angeblich gegen jede Neigung (vergeblich)
versuchten, schwul zu werden, weil sie "keine Männer" mehr sein
wollten. Darüber berichtete weiland die Psychologin Astrid von Friesen
(Link im RoteMännerInfo 69). Jetzt machte sich Jörg Lau über Männerhass
und Männerselbsthass gründlichere Gedanken.
4. Die Bundesregierung reformiert das Unterhaltsrecht. Unterm Strich
wird das ausgehen wie das Hornberger Schießen. Eine konzeptionelle
Politik, die den eigenen Maßstäben treu bleibt, ist von keiner Partei
zu erwarten. Deswegen wird der nacheheliche Unterhalt für die früheren
Gattinnen auch diesmal nicht abgeschafft.
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GEISTIGE BLUMENKOHLGESCHWÜRE: "FINANZIELLE GEWALT GEGEN FRAUEN"
GEWALTSTUDIEN UND IHRE RHETORISCHEN FOLGEN:
Das Thema Gewalt gegen Männer ist nach Ansicht der Frankfurter Rundschau
wissenschaftliches Neuland und rührt an einem Tabu. "Alarmierend oft"
würden auch Männer Opfer von Gewalt - vorzugsweise jedoch im
öffentlichen Raum und durch gleichgeschlechtliche Täter. Allerdings:
"Jeder vierte von 200 dazu befragten Männern habe jedoch auch von
gewaltsamen Handlungen seiner aktuellen oder früheren Partnerin
berichtet." Hans-Joachim Lenz, einer der Autoren der Studie, schließt
daraus: "Der Skandal der Gewalt gegen Männer ist in der Politik bisher
nicht angekommen."
http://www.fr-aktuell.de/ressorts/nachrichten_und_politik/deutschland/?cnt=508370
Einerseits eine heilsame Erkenntnis. Vielleicht ist sogar die unangenehm
vertaute Schrillheit der Intonation die einzige Möglichkeit, ein wenig
Aufmerksamkeit zu binden. Endlich wird etwas wahrgenommen, was
tatsächlich alles andere als wissenschaftliches Neuland ist. Neu ist
nur die demgegenüber kurzzeitig nachlassende Ignoranz von Wissenschaft,
Medien und Politik. Andererseits stellt sich uns die bange Frage, ob
der irrationale und einseitige Gewaltdiskurs in einer hypochondrischen
Gesellschaft jetzt in eine neue Runde geht, wenn diese auch ein kleines
Bisschen weniger Einseitigkeit in Aussicht stellt. Sind wir fortan eine
Gesellschaft von lauter Opfern? Beginnt jetzt erst richtig der Wettlauf
um die überzeugendste Opferpose? Gruselige Perspektive. Aber im Prinzip
auch eher unwahrscheinlich, weil sich die Frauen ihre exklusive
Viktimisierung bestimmt nicht kampflos abhandeln lassen werden!
Wie dies eingetütet wird, mussten wir uns (wie schon in unserem letzten
RoteMännerInfo berichtet) rechtzeitig vor der Veröffentlichung der
Männerstudie in Bezug auf das allgegenwärtige Gewaltopfer Frau einmal
mehr antun: "So gaben 37 Prozent aller befragten Frauen an, sie hätten
seit ihrem 16. Lebensjahr einen oder mehrere körperliche Übergriffe
erlebt."
http://www.fr-aktuell.de/ressorts/nachrichten_und_politik/deutschland/?cnt=508369
Wir erinnern uns zudem an 58 Prozent, die schon einmal sexuell
belästigt worden sind. Eine spontane Umfrage unter den RotenMännern
ergab diesbezüglich übrigens eine ziemlich ähnliche Opferquote unter
Männern. Zwar ist noch keiner von uns bisher vergewaltigt worden,
unwillkommene sexuelle Avancen von Geschlechtern aller Art kannten
dagegen auch bei uns mehr als die Hälfte.
Die Frauenstudie zeige, dass "die Gewalterfahrungen von Frauen jedoch
noch dramatischer als bisher vermutet" seien. Mitverantwortlich für das
Elaborat ist übrigens Monika Schröttle vom Frauenforschungs-Zentrum der
Uni Bielefeld. Welches Ergebnis die Studie haben würde, wußte Frau
Schröttle schon sehr viel früher. 1999 veröffentlichte sie ein Buch
über "Gewalt in Partnerbeziehungen", in der es ausweislich des
Untertitels in Wirklichkeit nur um "Ausmaß, Ursachen und Hintergründe
von Gewalt gegen Frauen" ging. Ebensogut hätte man Osama bin Laden
beauftragen können, eine unabhängige Studie über die kulturhistorische
Bewertung der Vereinigten Staaten von Amerika zu verfassen!
Ein paar publizistische Lichtblicke waren zu diesem Thema nur der "Welt"
vorbehalten: Gewalt werde "von den Autorinnen der Uni Bielefeld doch
sehr weit gefasst. So gilt bereits ,Werfen von Gegenständen' und
,wütendes Wegschubsen' als statistisch relevantes Gewalterlebnis. Das
ist zwar alles nicht besonders freundlich - aber ob es die präzise
Grundlage für eine heutige Erfassung von Gewalt gegen Frauen ist, ist
doch fraglich. So betreibt das Ministerium einen Klassiker moderner
Klientelpolitik: Eine Opfergruppe wird künstlich ausgeweitet, auf dass
noch mehr Forschungs- und Aktionsgelder fließen. Sicher, so kann man
Politik begründen. Seriös ist das jedoch nicht. Und dem Anliegen
Tausender tatsächlich auch heute verprügelter Frauen ist damit auch
nicht gedient."
http://www.welt.de/data/2004/09/22/335851.html?search=Opfer&searchHILI=1
Lesenswert ebenso Gerhard Amendts Auseinandersetzung unter dem
trefflichen Titel "Jetzt leiden sie wieder": Viel Geld werde zum
Fenster hinausgeworfen, "um die Ideologie der männlichen
Gewalttätigkeit zu bestätigen."
http://www.welt.de/data/2004/09/24/336799.html?s=1
Über die Einträglichkeit der unterstellten Gewalt haben wir in unserer
letzten Ausgabe bereits einige Bemerkungen gemacht. Besonders
unverhohlen nutzten erwartungsgemäß auch einige
Betroffenheitsjournaletten die Studie (natürlich die über weibliche
Opfererfahrungen!): "Koalition zieht Kürzungen bei Frauenhäusern durch,
obwohl eine Studie des Frauenministeriums nach fortgesetztem Schutz
ruft." schwadronierte es übelriechend aus der "taz" unter der
denkwürdigen Überschrift "Finanzielle Gewalt gegen Frauen". Kranker
geht es eigentlich nicht mehr.
http://www.taz.de/pt/2004/09/23/a0259.nf/text (Dabei stellte die
Berliner PDS-Staatssekretärin für Frauenfragen Ahlers fest, eine volle
Auslastung der Berliner Frauenhäuser sei in den vergangenen Jahren nur
ein- oder zweimal vorgekommen. Rasch dementierte eine
Frauenhaussprecherin, ihr Haus sei allein 2003 dreimal voll belegt
gewesen. Angesichts einer solchen Debatte drängt sich die Frage auf,
ob, wie und durch wen eigentlich kontrolliert wird, dass es Gewaltopfer
und nicht bei Bedarf Statistinnen sind, die die Nachfrage künstlich
hoch halten - zur Sicherung von "Frauenarbeitsplätzen".)
Interessant ist nebenbei, welche Ressourcen für die beiden Studien zur
Verfügung standen. Zur Exploration des Themas Gewalt gegen Frauen
wurden 10.000 Frauen befragt, ein geradezu unglaublicher empirischer
Aufwand zur Erlangung von Erkenntnissen, an die ohnehin schon die
Meisten glauben. Für die Männerstudie konnten dagegen nicht mal 300
Befragungen durchgeführt werden. Und das hat natürlich eine Menge damit
zu tun, wieviel Geld der Staat dafür locker macht. Auch wenn das ganze
nur eine "Pilotstudie" ist (und zwar über "personale
Gewaltwiderfahrnisse von Männern"), auf deren Fortsetzungen wir
gespannt sind.
http://www.bmfsfj.de/Kategorien/Publikationen/Publikationen,did=20526.html
Obwohl Letztere aber nur eine kleine Studie war, musste mit
publizistischem Donnerfurzen dagegen angestunken werden, damit nur ja
niemand allzuviel Notiz davon nahm. Irre ist, dass der Initiator beider
Studien dasselbe Bundesministerium war, in dem offenbar ganze
Abteilungen der Meinung waren, dass das eintägige Piepsen zum Thema
"Gewalt gegen Männer" keinesfalls zu irgendwelchem Nachdenken führen
dürfte. Also hat man es mit zweitägigem Dauerbeschuss aus der
hauseigenen Artillerie dezent übertönt. Das ist gekonnte Medienpolitik!
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"STILBLÜTEN UND GROTESKE FOLGEN EMANZIPATORISCHER POLITIK"
Einen Auszug aus dem RoteMännerInfo 74 über die neuesten
Tatarenmeldungen aus dem Bundesfrauenministerium schickten wir auch
einigen Bundestagsabgeordneten zu. Rolf Stöckel, Abgeordneter der SPD
aus Unna, hat uns eine launige Antwort zukommen lassen - die wir
selbstverständlich auch nicht anstanden selbst nochmals zu
kommentieren. Hier der instruktive Schriftwechel:
Oh weh, ihr "roten" Männer,
genau ihr roten Kampfhähne als männliches Spiegelbild der Kampfhennen
habt der SPD im 21. Jahrhundert noch gefehlt. Fehlendes dialektisches
Denken und Bewußtsein über historische Entwicklungen im Rechtswesen und
Alltag sollten m. E. nicht durch eine neue männliche Opferideologie und
die Stilisierung männlicher Minderwertigkeitskomplexe ersetzt werden.
Mann muss kein "Frauenversteher" sein, wenn mann immer noch feststellen
muss, dass viele Frauen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft
benachteiligt sind, überwiegend bei häuslicher und sexualisierter Gewalt
die Opfer sind und nach wie vor zu 90% die Erziehungs- und Hausarbeit
ausüben. Davon können negative Männererfahrungen nach Scheidungen und
Trennungen wie ungerechte Sorge-und Umgangsrechtsentscheidungen auch
nicht ablenken. Hier sind konstruktive Vorschläge gefragt, die das
Miteinander verbessern.
Bei allen Stilblüten und grotesken Folgen, die eine emanzipatorische
Politik durch allzu formalistische Umsetzung verursacht und bei allem
Verständnis für einen humorvollen, ironischen Umgang damit bleibt es
bei der Erkenntnis, die Goethe etwa so formulierte:
"Bei zwei entgegengesetzten Meinungen liegt die Lösung des Problems
nicht in der Mitte, sondern das Problem dazwischen."
Nix für ungut,
Rolf Stöckel (auch ein roter Mann)
Lieber Rolf Stöckel,
der schlimmste Feind der Wahrheit ist nicht etwa die Lüge - sondern die
falsche Gewissheit. Hat Nietzsche, glaube ich, so oder ähnlich gesagt.
Die Ironie unseres Beitrages haben Sie ja verstanden. Dann sollten Sie
auch wissen, dass wir nicht bestreiten, dass es weibliche Opfer
häuslicher Gewalt gibt. Das wäre auch zu blöd, wenn wir das täten! Wenn
Sie allerdings das Ergebnis der Studie, die unserer Sottise Anlass gab,
wirklich glauben (und sich nicht wengstens ein paar Gedanken machen
über empirischen Grundlagen, die jede dritte Frau als Gewaltopfer
ausweisen), dann scheinen Sie aber in einem ziemlich prekären Milieu zu
leben. Entspricht es Ihrer Erfahrung, dass jede dritte Frau in Ihrer
Umgebung (denn angeblich verteilt sich das ja gleichmäßig auf alle
gesellschaftlichen Schichten!) ein Gewaltopfer ist? Und, die
entsprechenden Kriterien zugrunde gelegt, wird dann nicht auch
mindestens jeder dritte Mann als ein solches einzustufen sein?
Die Hölle, das sind aber bekanntlich immer die Anderen. Im "Treibhaus
Berlin" kommt das sicher nicht vor. Aber das erscheint uns schon als
seltsames Flagellantentum, wenn gar nicht so dumme männliche Menschen
die moderne Opfermythologie von den allenthalben viktimisierten Frauen
einfach schlucken.
Nebenbei, aber dennoch nicht nebensächlich: Die tatsächlichen Opfer von
Gewalt und Brutalität, gleich welchen Geschlechts, werden mit den
hirnlosen Tatarenmeldungen - leider auch aus unserem Frauenministerium
- noch einmal gedemütigt: durch die zweckgerichtete inflationäre
Gewalthysterie, die das wirkliche Elend relativiert.
Und schließlich: Den von Ihnen angesprochenen Anteil der Frauen an der
in Deutschland geleisteten Hausarbeit bestreiten wir eigentlich nicht.
Wie kommen Sie darauf? Aber versuchen Sie nur mal, einer "Frau und
Mutter" einen Teil davon streitig zu machen! Sie werden, je nach
Partnerin, sehr bald merken, dass nicht wenige Frauen sehr gut wissen,
was sie an diesem Monopol haben. Das ja immerhin der vielleicht letzte
verbliebene Bereich nicht entfremdeter Arbeit ist. (Der Begriff wird
Ihnen als rotem Mann sicher etwas sagen.) Sie nehmen's uns nicht übel,
wenn wir mal mutmaßen, dass Sie als Bundestagsabgeordneter da über ein
etwas schlechteres Gewissen als die Meisten verfügen dürften, allein
weil man in dem Job ja nun zu Hause wirklich nicht viel helfen kann...
Das sollte aber kein Grund sein, es ausgerechnet allen anderen Männern
vorzuwerfen! Andernfalls sollten Sie wenigstens die Konsequenz ziehen,
und Anderen nicht pauschal - zu etwa einem Drittel - vorzuwerfen, dass
sie ihre Frauen mehr schlagen als Sie selbst es tun!
Insofern auch von unserer Seite: Nichts für ungut. Weshalb auch? Und
ungeachtet unserer Meinungsverschiedenheit danke für Ihre Antwort!
Mit roten Grüßen
Alex Bark
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SELBSTHASS: DAS LEMMING-SYNDROM:
WENN MÄNNERN IHR MANNSEIN PEINLICH IST
über Jörg Laus Aufsatz "Männerhass und Männerselbsthass", in Merkur -
Zeitschrift für europäisches Denken, Sept./Okt. 2004.
(http://www.online-merkur.de)
Das Phänomen Männerhass ist uns nach 74 Ausgaben des RoteMännerInfos mit
eingehender Recherche in den medialen Spiegeln deutscher Kultur am
Anfang des 21. Jahrhunderts nicht allzu fremd. Schließlich gab es schon
genug Torfköppe, die uns genau deswegen "Frauenhass" vorwarfen, weil
wir Männerhass als solchen in seiner ganzen Lächerlichkeit und
Bigotterie kenntlich machten. Der Vorwurf des Frauenhasses ist aber
nicht annähernd so originell; er ist obendrein wohlfeil in einer Zeit,
da schon die schiere Vokabel über Jahrzehnte hinweg zum beliebten
rhetorischen Banneisen avanciert hat. Frauenfeindlichkeit aufzuspüren
(jawohl: aufzuspüren!), ist seit dem Ende der 1970er Jahre geradezu ein
Sport geworden in den akademischen Milieus nahe den
geisteswissenschaftlichen Fakultäten. Sie vor allem IN SICH SELBST
aufzuspüren, sich deswegen mit selbstquälerischen Gedanken zu martern,
das war in den studentischen Wohngemeinschaften zu Beginn der 1980er
das Größte. Als Mann konnte man damals "Jede kriegen", wenn man nur
lange genug den von Selbstzweifeln zerfressenen Macho möglichst
überzeugend und mit ein paar originellen Ideen gewürzt spielte. Wenn
ich Birgit erzählte, ich hätte echt Scheiße gebaut und mit Frederike
gebumst, "bloß so aus blinder Geilheit, du", und dass ich mich jetzt
wie ne Sau, ja sogar irgendwie faschistisch fühlte, dann nahm sie mir
das gleich ab und therapierte mich, indem ... na, ihr wisst schon!
Wir lernten unsere Lektionen wie Rhesusäffchen, die für das fehlerfreie
Bedienen einer Klingelleiste bei unterschiedlichen Anforderungen
jeweils eine Traube oder ein Stück Banane zur Belohnung bekommen. Für
besonders überzeugend vorgetragene Selbstkritik bekamen auch wir die
Banane geschält. Aber wehe, wir eckten an und erwiesen uns nicht als
bußfertig! Sofort wurde ein Schauprozess einberufen, dessen besondere
Folter darin bestand, dass er bei fortgesetzter Uneinsichtigkeit bis in
den nächsten Morgen hinein dauern konnte, selbst wenn schon kurz nach
Mitternacht die Biervorräte knapp wurden. Heute würde man sich dem
einfach entziehen und die Tür zuknallen. Aber damals versammelte sich
die komplette WG in der Küche, um darüber zu debattieren, dass du
einfach nicht bereit warst, im Sitzen zu pinkeln. Die meisten Männer
hattest du mit etwas Pech auch noch gegen dich, weil sie wegen dir
jetzt das Europapokalspiel verpassten. Rausrennen hätte emotionale
Verbannung auf ewig bedeutet, und angesichts der Wohnungsnot in dieser
Zeit wäre dies schlechterdings sozialer Selbstmord gewesen. Dinge
mussten "ausdiskutiert" werden. Wer dazu nicht bereit war, war in
dieser Gesellschaft unmöglich, ja viel schlimmer: der war nicht
"links". Mit anderen Worten, er war bürgerlich - ein Verdikt von einer
heute schwer nachvollziehbaren Tödlichkeit. Im Allgemeinen musste man
aber auch schon schwer borniert sein, um sich den neuen Regeln nicht zu
unterwerfen. Keinesfalls wollten wir so sein wie unsere Eltern, also
hatte ein Mann auch nicht im Stehen zu pinkeln.
In Jörg Laus Aufsatz "Männerhass und Männerselbsthass als kultureller
Mainstream" war das die Generation, die erstmalig offensiv den
männlichen Beitrag zum gesellschaftlichen Leben des
Nachkriegsbürgertums in Frage stellte. Ihre (unsere!) Motivation war
eine tiefsitzende Ablehnung jeder positiven Bezugnahme zur Nation - und
ihres dröhnend-soldatischen Männlichkeitsideals. War die
Elterngeneration nach dem Krieg vor allem konsterniert, beschämt,
lethargisch, unpolitisch, und mit existenziellen Aufgaben, später dann
dem Anfressen sogenannter Wohlstandbäuche, viel zu beschäftigt, um
immaterielle Werte zu entwickeln, so ging es jetzt darum, nicht nur
deren Verantwortung für den Nationalsozialismus anzuprangern, sondern
solche sozialen Strukturen, die augenfällig erschienen und
verantwortlich gemacht wurden, in demonstrativen Ritualen zu
konterkarrieren. Männer dieser Generation der Jahrgänge zwischen 1940
und 1960 trugen in den 1970er Jahren Haare und Klamotten, deren häufig
feminine Optik die Ablehnung eines Männerideals manifestierte, wie es
besonders von den Nazis kultiviert wurde. Knickerbocker und
Topfhaarschnitte als natürliches Gegenstück zu dem, was man nun zu sein
hatte. Zweierlei wollte man als Konsequenz aus den Erkenntnissen über
das "Tausendjährige Reich" partout nicht sein: Deutscher und Mann. Am
Beispiel von Klaus Theweleits Buch "Männerphantasien" belegt Lau, wie
eben diese Eigenschaften in grotesker Vereinfachung zu den
Grundingredienzien des Faschismus erklärt wurden. Man versuchte, auf
symbolische Weise zentrale Eigenschaften der Täter abzulegen.
Möglicherweise eine naheliegende Farce, konsequent deren optisches
Gegenteil als Opfer - und damit frei von Schuld - zu verklären. "Was
war mit den Abertausenden Liebesbriefen an den Führer, die deutsche
Frauen geschrieben hatten? Was war mit den sadistischen Aufseherinnen,
deren Brutalität der Auschwitz-Prozess ans Licht befördert hatte? Aber
seinerzeit fielen einem solche Einwände nicht ein." Es hätte sie auch
keiner gehört.
Die Frage ist aber, ob der "zur Faschismustheorie aufgemotzte männliche
Selbsthass, von dem Theweleits Schriften triefen", Ausfluss eines
besonders hypertrophen Generationenkonflikts oder doch einer
Zeitenwende ist. Zweifelsfrei ist jedenfalls, dass der Selbsthass bei
Männern auch 20 Jahre später als Phänomen vereinzelt festzustellen ist.
Wir erinnern nur an den irren Auftritt von "konkret"-Autor Magnus Klaue
im Frühjahr, den man als Beleg für das Fortbestehen des Phänomens
idealtypisch anführen kann. Nur annähernd vergleichbare Pathologien
allerdings fallen uns nicht ein. Man mag es als Theweleits Triumpf
ansehen, dass Klaues zerebrale Metastasen im Jahr 2004, 27 Jahre nach
den "Männerphantasien", tatsächlich noch möglich sind. Aber das könnte
man über einen von Millionen Amerikanern gewählten amerikanischen
Präsidenten auch sagen, den man vermutlich in so vollkommener
Verblödung zwei Jahrtausende nach Nero auch nicht mehr für möglich
gehalten hätte.
Männerselbsthass also doch eher als Einzelphänomen und Relikt der
ideologischen Verirrung einer Generation, die einfach nicht begreifen
und es buchstäblich nicht fassen konnte, was ihre Eltern und Großeltern
angerichtet hatten? Die überkompensatorische Abwendung angesichts des
Entsetzens vor der Vergegenwärtigung des eben erst Vergangenen kann ja
nicht wirklich verwundern. Außer Frage steht wohl, dass hier von einer
Generation mit einem überdurchschnittlichen intellektuellen Interesse
die Rede ist. Angesichts mancher ihrer Verirrungen mag man dies
besonders bedauern, wenn viele Einflüsse bis heute tragen und - nicht
zu vergessen - ein Großteil unserer politischen und kulturellen Elite
diese Sozialisation durchlaufen hat. Wer wird in 20 Jahren noch von
einer "Generation Golf" reden? Niemand. Die Achtundsechziger, sosehr
sie längst genervtes Aufstöhnen provozieren, sind dagegen schon
Kulturgeschichte.
Gegen Laus Theorie spricht, dass die Situation in anderen Ländern mit
gänzlich anderem geschichtlichen Hintergrund nicht grundsätzlich anders
ist als in Deutschland. Den Männerhass gibt es dort, etwa in den USA,
ebenso wie das Phänomen des Männerselbsthasses. Außer Zweifel dürfte
zwar stehen, dass sozialpsychologische Reaktionen auf den
Nationalsozialismus nicht nur in Deutschland festzustellen sind. Die
Auseinandersetzung damit, Teil oder doch wenigstens Abkömmling einer
Täterkultur zu sein, hat bei uns logischer (und berechtigter!) Weise
besonders intensiv stattgefunden. Je mehr dies in den unpolitischen
50er Jahren unter den ideologischen Teppich gekehrt wurde, umso stärker
wurde ein eher irrationaler, weil individualisierter Umgang mit der
Vergangenheit gefördert. Wer heute allein die "linken" Achtundsechziger
und ihre Aufarbeitung der deutschen Geschichte für die totalitären
Reflexe und psychologischen Deformierungen in der Folge verantwortlich
macht, darf die Unkultur des dröhnenden Schweigens, die dem
vorangegangen ist, nicht unterschlagen!
Jörg Laus Thematisierung des "Männerselbsthasses" öffnet einerseits eine
interessante neue Perspektive. Und sie wird doch andererseits schon in
ihrer Begrifflichkeit dem eigentlichen Problem nicht gerecht. Hass,
Selbsthass gar, mag eine zu starke Bezeichnung dessen sein, was viele
Männer heute nicht nur zu einer albernen Unterwerfungssymbolik
gegenüber einem amorphen Frauenbild verleitet. Dies variiert
schließlich von charmantem Komplimentieren in seinem ganzen Unernst bis
hin zu einer selbstgeisslerischen Unterwerfung unter feministische
Dogmen, seien diese auch noch so absurd und sexistisch. Letzteres kann
man durchaus als unterschwelligen Selbsthass ansehen. Aber es gibt ja
auch die nachgiebige Haltung derer, die aus jahrtausendealter Tradition
Frauen selbst in heftigsten Konflikten noch Belastungen ersparen
wollen. Man denke nur an den jüngst von uns dokumentierten Fall, wo ein
betrogener Mann nicht etwa die Betrügerin rauswirft, sondern ihr die
Wohnung quasi freiwillig überlässt, für die er jetzt weiter die Miete
aufbringen muss. Es ist vielfach schlicht ein Selbstverständnis von
"Ritterlichkeit", das tief verwurzelt ist und Männer dazu bringt, sich
in Ehe- bzw. Geschlechterkonflikten im Gegensatz zu ihren eigenen
Interessen zu verhalten. In den meisten Männern sitzt eine tiefe Panik,
sie könnten gegenüber einer Frau als rücksichtslos gelten. Lieber
würden sie sich selbst verstümmeln! Und das tun sie dann ja auch fast.
Wichtig wäre es, die Beratungssituation von Männern in familiären bzw.
häuslichen Konflikten entscheidend zu verbessern. Für Frauen gibt es
das längst und entsprechende Institutionen bis hin zu einer bestimmten
Sorte geschäftstüchtiger Anwälte wissen, dass es für sie selbst
einträglich ist, die Konflikte nicht etwa zu entschärfen - im
Gegenteil! Männer in Familienkonflikten gehen erst zum Anwalt, wenn
längst alles zu spät ist und sie die schlimmsten Fehler bereits gemacht
haben. Es geht hier weniger um Selbsthass, sondern um eine fast schon
selbstzerstörerische Arglosigkeit und Gleichgültigkeit, um eine Art
Lemming-Syndrom. Welcher Mann hätte heute noch nichts über infolge
ihrer Scheidung ausgeplünderte Geschlechtsgenossen gehört?!
Konsequenzen daraus: Keine. Jedes Jahr kommen etliche Zehntausend Neue
dazu, die oft genug im Scheidungskonflikt sogar noch freiwillig oder
doch jedenfalls fahrlässig den eigenen Kopf unters Fallbeil schieben.
Auch dies ist erklärlich: Männer gehen viel stärker, bis ins eigene
Verderben, davon aus, dass sie Liebe und Zuneigung durch
Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Entgegenkommen gewinnen - und
nicht wegen ihres Aussehens, Vermögens oder ihrer Fähigkeiten. Schon
die Bereitschaft zu heiraten ist für Männer in der heutigen Zeit
(angesichts der rechtlichen Situation sowie der nicht mehr vorhandenen
kulturellen Ächtung von Ehebruch und Scheidung) ein Akt der
Selbstopferung und Unterwerfung. Die steuerlichen Vorteile der Ehe
machen längst nicht mehr das immense ökonomische Risiko wett, dem sich
ein Mann auf dem Standesamt freiwillig ausliefert. Dieses Risiko ist
nur den Wenigsten NICHT bewußt, und sie betrachten - idiotischer Weise!
- ihre Bereitschaft zur Ehe als Beweis ihrer eigenen
Vertrauenswürdigkeit und Zuneigung. Was nicht mal falsch ist. Kurios
ist nur, dass die, die ihre naive Harmlosigkeit so demonstrativ
belegen, sich selbst so häufig mit einem reinen, grundlosen Glauben an
das Gute in der Umworbenen zufrieden geben.
Lemminge eben!
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GEPLANTE NEUREGELUNGEN BEIM UNTERHALTSRECHT:
AUCH WEITERHIN ÜBERDAUERN FÜR MÄNNER DIE NACHTEILE, NIE ABER DIE
VORTEILE EINE EHE
Geschiedene sollen zukünftig weniger Unterhalt bekommen, Kinder dafür
mehr. So will es die Bundesjustizministerin. "Die heutige
Privilegierung der ersten Ehefrau - unabhängig davon, ob sie Kinder zu
versorgen hat - ist nicht mehr zeitgemäß", sagte Frau Zypries. Da hat
sie zweifellos mal Recht! Bessere Zeiten also für kinderlos geschiedene
Unterhaltszahler. "Das laue Leben als kinderlose, geschiedene,
mittellose Ehefrau auf Kosten des Ex-Gatten soll bald vorbei sein."
kommentierte das die "taz".
http://www.taz.de/pt/2004/09/23/a0137.nf/text Schau mal einer an,
Vorbehalte dieser Art haben wir bisher dort eher selten vernommen,
allem Emanzipationsgeschwätz über 25 Jahre zum Trotz. Wer den Beitrag
liest, vernimmt allerdings seltsame Kunde. Etwa die Behauptung, dass
zwei Drittel der geschiedenen Frauen sowieso auf den Ehegattenunterhalt
verzichteten. Wenn dem wirklich so ist, kann man immerhin sagen, dass
offenbar sogar vielen Begünstigten eine Rechtslage peinlich ist, die
sie pauschal zu ökonomischen Pflegefällen degradiert.
Eine eigentlich steuersystematisch logische Konsequenz zieht die
Bundesregierung natürlich nicht, nämlich die gänzliche Abschaffung des
Ehegattenunterhalts - vermutlich weil dann in Tausenden von Fällen der
Sozialstaat wieder einspringen müsste. Es bleibt deswegen auch weiter
dabei, dass verlassene Ehemänner in der Regel zahlen müssen, aber die
ehelichen Steuervorteile (Splitting) in jedem Fall verlieren. Der
finanzielle Nachteil für den Unterhaltspflichtigen überdauert die Ehe,
der mit ihr verbundene Vorteil jedoch nicht: eine eigentlich
verfassungswidrige Ungleichbehandlung desselben Tatbestands. Bloß dass
dieser Aspekt des Sachverhalts dem Bundesverfassungsgericht unter
dieser Perspektive noch nicht vorgelegen haben dürfte!
Für die unterhaltspflichtig Geschiedenen mit Kindern wird sich -
jedenfalls finanziell - eher wenig ändern: Für die Ex zahlen sie
weniger, aber das dürfen sie den Kindern gleich wieder drauflegen.
Vielleicht ist es ein wenig leichter nachvollziehbar, Geld für die
eigenen Kinder zu zahlen anstatt für nicht arbeitsbereite Erwachsene,
aber im Grunde macht das solange keinen Unterschied, wie nicht mal
annähernd eine Chance besteht auch darüber zu entscheiden, wie dies im
Sinne des Kindes verwendet wird. Es bleibt also dabei: Der Papa darf
zahlen, zu bestimmen hat er nichts. Zahlungen, die unterm Strich höher
sein werden, kommen in Zukunft auf nicht verheiratete Väter zu.
http://www.tagesspiegel.de/politik/index.asp?gotos=http://archiv.tagesspiegel.de/toolbox-neu.php?ran=on&url=http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/22.09.2004/1374060.asp#art
Bleibt zweierlei abzuwarten: Erstens ob die Regelungen für eine
effizientere Durchsetzung des Umgangsrechts, die Frau Zypries ebenfalls
für das kommende Jahr plant, die stärkere Inpflichtnahme der Zahlväter
wenigstens annähernd rechtfertigt. Zweifel sind angebracht. Und
zweitens, ob die Bundesregierung auch die den Unterhalt sichernden
staatlichen Ersatzleistungen - etwa bei studierenden Eltern -
entsprechend dem neuen Anspruch der Kinder anheben wird. Bei der
letzten Anpassung der Düsseldorfer Tabelle sah das
Bundesjustizministerium dazu keine Veranlassung, weil ja die
Lebenshaltungskosten nicht in vergleichbarem Maße gestiegen wären. Es
greift sich halt - auch zum Zweck der barmherzigen staatlichen
Umverteilung - leichter in anderer Leute Tasche als in die eigene.
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Freundlichen Zuspruch bekommen wir häufiger, aber dieses Lob aus dem
tiefen Südwesten war schon gediegen: "Heute las ich zum zweiten Mal
Ihren Newsletter und ich möchte Ihnen mitteilen, dass er zum
Allerbesten gehört, was ich in meinen 62 Jahren in dieser Gesellschaft
erlebt habe. Ich gratuliere zu Ihrer Gabe, gegen das vermeintlich
Selbstverständliche anzudenken, die Menschenrechte für den Mann in
gleicher Gewichtung geltend zu machen und darüber hinaus den Mut zu
haben, hinzustehen und die Diskriminierungen auch noch öffentlich zu
benennen."
Das gibt Kraft. Aber damit ist unsere schmiedeeiserne Jubiläumsausgabe
dennoch am Ende angekommen. Wir hoffen, sie hat auch diesmal dazu
beigetragen, das Selbstverständliche ein wenig in Frage zu stellen.
Genau darum geht's nämlich. Sonst wäre die Erde bis heute eine Scheibe.
Nix weiter. Bis bald!
Euer RedManAlex
(05.10.2004)
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