Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio
Max, Sunday, 26.09.2004, 15:20 (vor 7802 Tagen)
Hallo Leute,
in der SZ vom Wochenende ein hochinteressanter Artikel von Heribert Prantl mit dem Titel:
"Revolution auf dem Juristentag...aber der merkt es nicht: Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio schafft den Gleichheitssatz ab."
Der gute Heribert Prantl profiliert sich dabei zwar wiedermal als das, was man vor sechzig Jahren noch einen "Reichsbedenkenträger" genannt hätte, aber immerhin gibt er doch die Position di Fabios recht ausführlich wieder und die ist interessant, gerade für mich, da sie sich doch recht genau mit dem deckt, was ich schon die ganze Zeit sage - (Zitat): Udo di Fabio...nutzte das Sinnieren über die Güte der Gesetze dazu, eine Verfassungstheorie für Neoliberalismus und Globalisierung zu entwickeln. Sie läuft darauf hinaus, Verbraucher- und Umweltschutz als schädliche gesetzgeberische Moden zu betrachten - Und jetzt kommt´s: Er forderte also von der Politik, auf Gesellschaftsgestaltung durch Gesetzgebung letzlich zu verzichten. Sein Plädoyer war ein Abschied von einer auch vom Verfassungsgericht geprägten Rechtsentwicklung, die sich bemüht hat, Schwache und Minderheiten zu schützen und Ungleichheiten auszugleichen. Für die Fabio sind die "Differenzen, die das gesellschaftliche Leben hervorbringt,...Ergebnis der Freiheit"...Er stellt fest, die Gesetze hätten bisher versucht, der Diskriminierung entgegenzuwirken - die Gesetze würden aber erneut diskriminieren, weil sie unterscheiden "zwischen Männern und Frauen, Behinderten und Nichtbehinderten, Alten und Nichtalten, Kindern und Nichtkindern".
Ich kann nur sagen: Bravo, Herr di Fabio! So oder so ähnlich sehe ich das auch schon seit geraumer Zeit. Und dem Herrn Prantl von der SZ sei gesagt: Wer nichts wagt, der nichts gewinnt. Oder: Einem verzagten Arsche entweicht kein fröhlicher Furz (Luther). Deshalb, Herr Prantl, hätten Sie sich ihren verzagten Kommentar, der mit einem großen "Aber" treffend zusammengefasst ist, ruhig sparen können.
Es gibt doch noch Köpfe - Max
Re: Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio
Martin, Sunday, 26.09.2004, 15:40 (vor 7802 Tagen) @ Max
Als Antwort auf: Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio von Max am 26. September 2004 12:20:43:
Nichtbehinderten, Nichtalten, Nichtkindern
Da bewirbt sich wohl einer für das Unwort des Jahres...?
Die Dudenredaktion sollte auch aufmerken...
Wie wär's noch mit Nichtmännern? Oder entsprechend - zeitgemäß - Nichtfrauen? Die Nichtdeutschen gibt's ja schon lange. Gehört aber als politsich unkorrekt abgeschafft: Her mit den Nichtausländern (womit auch Ausländer wieder gesellschaftsfähig wäre...).
Weitere Optionen: Nichtschwarze (Achtung Tippfehler: nicht Nachtschwarze!), Nichtjuden, Nichtatheisten (Nichtnichtgläubige?), Nichtrau... oh, das gibt's schon.
Martin
Verleugnung der Realität
Paul, Sunday, 26.09.2004, 18:46 (vor 7802 Tagen) @ Max
Als Antwort auf: Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio von Max am 26. September 2004 12:20:43:
Hallo Leute,
in der SZ vom Wochenende ein hochinteressanter Artikel von Heribert Prantl mit dem Titel:
"Revolution auf dem Juristentag...aber der merkt es nicht: Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio schafft den Gleichheitssatz ab."
Der gute Heribert Prantl profiliert sich dabei zwar wiedermal als das, was man vor sechzig Jahren noch einen "Reichsbedenkenträger" genannt hätte, aber immerhin gibt er doch die Position di Fabios recht ausführlich wieder und die ist interessant, gerade für mich, da sie sich doch recht genau mit dem deckt, was ich schon die ganze Zeit sage - (Zitat): Udo di Fabio...nutzte das Sinnieren über die Güte der Gesetze dazu, eine Verfassungstheorie für Neoliberalismus und Globalisierung zu entwickeln. Sie läuft darauf hinaus, Verbraucher- und Umweltschutz als schädliche gesetzgeberische Moden zu betrachten - Und jetzt kommt´s: Er forderte also von der Politik, auf Gesellschaftsgestaltung durch Gesetzgebung letzlich zu verzichten. Sein Plädoyer war ein Abschied von einer auch vom Verfassungsgericht geprägten Rechtsentwicklung, die sich bemüht hat, Schwache und Minderheiten zu schützen und Ungleichheiten auszugleichen. Für die Fabio sind die "Differenzen, die das gesellschaftliche Leben hervorbringt,...Ergebnis der Freiheit"...Er stellt fest, die Gesetze hätten bisher versucht, der Diskriminierung entgegenzuwirken - die Gesetze würden aber erneut diskriminieren, weil sie unterscheiden "zwischen Männern und Frauen, Behinderten und Nichtbehinderten, Alten und Nichtalten, Kindern und Nichtkindern".
Ich kann nur sagen: Bravo, Herr di Fabio! So oder so ähnlich sehe ich das auch schon seit geraumer Zeit. Und dem Herrn Prantl von der SZ sei gesagt: Wer nichts wagt, der nichts gewinnt. Oder: Einem verzagten Arsche entweicht kein fröhlicher Furz (Luther). Deshalb, Herr Prantl, hätten Sie sich ihren verzagten Kommentar, der mit einem großen "Aber" treffend zusammengefasst ist, ruhig sparen können.
So ein Unsinn! Nicht die Gesetze diskriminieren doch - die Unterschiede sind doch schon vorher da. Gibt es einen Unterschied in der "realen Welt" zwischen Kindern und Erwachsenen? Natürlich. Gibt es einen Unterschied zwischen Männern und Frauen? Natürlich auch.
Das ganze ist wiedermal zu kurz gedacht. Warum, das kann man sich vorstellen, wenn man die Stelle "...Verfassungstheorie für Neoliberalismus und Globalisierung" liest. Da wird wieder versucht, die Beschaffenheit der Realität zu leugnen (siehe hierzu auch meine Ausführungen zum "Wahnsystem" der Neoklassischen Ökonomie, der wirtschaftlichen Grundlage des Neoliberalisismus, im "Neben den Geschlechtern"-Forum). Hier stimme ich 100% mit Nick überein: Menschen sind eben NICHT gleich. Und deshalb muss das Gesetz auf diese Unterschiede eingehen. Ansonsten könnte man problemlos Sex mit Kindern für legal erklären - denn wie liesse sich die Illegalität solcher Handlungen rechtfertigen, wenn es doch angeblich gar keinen Unterschied zwischen Kindern und "Nicht-Kindern" gibt?
Wie so oft, liegt die Wahrheit zwischen den Extremen. Es stimmt wohl, daß übertriebener Ergeiz, jegliche Art von "Ungerechtigkeit" auszubügeln, zu einer Art von "Social Engineering" führt, die mehr schadet als nützt. Dies trifft vor allem dann zu, wenn die Verhältnissmaessigkeit zwischen Einschränkungen der Freiheit der einen, und dem Nutzen der anderen (mit dem diese Einschränkung der Freiheit begründet wird) nicht gewahrt bleibt. Aber es gibt eben auch Fälle, in denen temporäre und/oder geringe Einschränkungen der Freiheit moralisch notwendig sind.
Ein Beispiel: Soll unterlassene Hilfeleistung strafbar sein? Für die meisten Menschen gibt es eine offensichtliche, moralisch richtige Antwort: Ja, sofern die Hilfeleistung möglich ist, ohne daß sich der Hilfeleistende selbst einer Gefahr aussetzt. Nun braucht man aber nur durch Web zu surfen, und wird dort ohne Probleme "libertäre" Auffassungen finden, die ungefähr folgendermassen lauten: Unterlassene Hilfeleistung soll _in keinem_ Fall strafbar sein, sogar dann nicht, wenn die Hilfeleistung nicht nur keine persönliche Gefahr für den Hilfeleistenden beinhaltet, sondern auch nicht, wenn sie nur einen extrem geringen Aufwand für den potentiell Hilfeleistenden bedeutet (z.b. einen Krankenwagen zu rufen). Nach dieser Auffassung ist es moralisch vollkommen vertretbar, beispielsweise einen Schwerverletzten verbluten zu lassen, selbst wenn dieses durch einen blossen Anruf beim Rettungsdienst zu verhindern wäre, denn dieser geringe Aufwand des Anrufes wäre ja schon eine Einschränkung der Freiheit des Hilfeleistenden(!)
Sind Auffassungen dieser Art nun nur geistig verwirrten eigen, die ohnehin kaum Einfluss auf unser Denken haben? Leider mitnichten. Di Fabio ist ein Beispiel, aber es gibt noch andere. Wer mit wachem Geist durch die Welt geht, wird eine ziemlich starke, unheilige Allianz zwischen solch menschenverachtendenden Vortellungen und dem im Prantl-Artikel schon erwähnten "Neoliberalismus" finden. Ich wiederhole es an dieser Stelle gerne nochmal: Der Mensch ist keine nutzenoptimierende, Maschine, kein "Homo oeconomicus" und deswegen darf er auch nicht so behandelt werden. Alles andere ist ein neuer Öffner für die Büchse der Pandora menschenverachtender Ideologien.
Die "Bedenkenträger" der Linken denken ohne Zweifel meistens zu kurz. Aber die scheinbar "progressiven" Kräfte der "neuen Rechten" denken deswegen fast immer auch nicht viel weiter, nur anders. Anders menschenverachtend vor allem.
BTW: An dieser Stelle sollten wir, falls Interesse besteht, die Diskussion in das "Neben den Geschlechtern"-Forum verlegen, damit Andreas keine Krise kriegt 
Gruss,
Paul
Re: Verleugnung der Realität
Max, Sunday, 26.09.2004, 20:39 (vor 7802 Tagen) @ Paul
Als Antwort auf: Verleugnung der Realität von Paul am 26. September 2004 15:46:40:
Hi Paul,
ich wüßte nicht, warum Andreas hier die Krise kriegen sollte. Schließlich geht es in einem erweiterten Sinne auch um die Frage der Gleichberechtigung. Es kann ja wohl nicht so furchtbar verkehrt sein, den Blick ein wenig zu weiten....
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von mir vorher:
in der SZ vom Wochenende ein hochinteressanter Artikel von Heribert Prantl mit dem Titel:
"Revolution auf dem Juristentag...aber der merkt es nicht: Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio schafft den Gleichheitssatz ab."
Der gute Heribert Prantl profiliert sich dabei zwar wiedermal als das, was man vor sechzig Jahren noch einen "Reichsbedenkenträger" genannt hätte, aber immerhin gibt er doch die Position di Fabios recht ausführlich wieder und die ist interessant, gerade für mich, da sie sich doch recht genau mit dem deckt, was ich schon die ganze Zeit sage - (Zitat): Udo di Fabio...nutzte das Sinnieren über die Güte der Gesetze dazu, eine Verfassungstheorie für Neoliberalismus und Globalisierung zu entwickeln. Sie läuft darauf hinaus, Verbraucher- und Umweltschutz als schädliche gesetzgeberische Moden zu betrachten - Und jetzt kommt´s: Er forderte also von der Politik, auf Gesellschaftsgestaltung durch Gesetzgebung letzlich zu verzichten. Sein Plädoyer war ein Abschied von einer auch vom Verfassungsgericht geprägten Rechtsentwicklung, die sich bemüht hat, Schwache und Minderheiten zu schützen und Ungleichheiten auszugleichen. Für die Fabio sind die "Differenzen, die das gesellschaftliche Leben hervorbringt,...Ergebnis der Freiheit"...Er stellt fest, die Gesetze hätten bisher versucht, der Diskriminierung entgegenzuwirken - die Gesetze würden aber erneut diskriminieren, weil sie unterscheiden "zwischen Männern und Frauen, Behinderten und Nichtbehinderten, Alten und Nichtalten, Kindern und Nichtkindern".
Ich kann nur sagen: Bravo, Herr di Fabio! So oder so ähnlich sehe ich das auch schon seit geraumer Zeit. Und dem Herrn Prantl von der SZ sei gesagt: Wer nichts wagt, der nichts gewinnt. Oder: Einem verzagten Arsche entweicht kein fröhlicher Furz (Luther). Deshalb, Herr Prantl, hätten Sie sich ihren verzagten Kommentar, der mit einem großen "Aber" treffend zusammengefasst ist, ruhig sparen können.
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von Dir darauf:
So ein Unsinn! Nicht die Gesetze diskriminieren doch - die Unterschiede sind doch schon vorher da. Gibt es einen Unterschied in der "realen Welt" zwischen Kindern und Erwachsenen? Natürlich. Gibt es einen Unterschied zwischen Männern und Frauen? Natürlich auch.
...genau darum geht´s doch!? Die Unterschiede sind vorher schon da, richtig. Warum sollte der Gesetzgeber sich also bemühen, gesetzliche Regelungen in schier unüberschaubarer Zahl dem Volk auf´s Auge zu drücken, wenn es sich bei diesem Volk doch um ein "zivilisiertes" handelt, das schon aus seiner Kultur heraus weiß, wie es mit diesen Unterschieden umzugehen hat. Wenn also der Gesetzgeber aktiv wird, dann sei die ketzerische Frage erlaubt: Für wie zivilisiert hält der Gesetzgeber das Volk, für das er diesbezüglich Gesetze macht? Na?
Und wenn er´s denn für so unzivilisiert hält, als daß er gesetzgeberisch vorgehen zu müssen glaubt: Müßte der Hebel dann nicht gleich ganz woanders angesetzt werden?
Das ganze ist wiedermal zu kurz gedacht.
...es ist möglicherweise noch nicht richtig ausformuliert. Die Gedanken weisen zumindest in eine vielversprechende Richtung.
Warum, das kann man sich vorstellen, wenn man die Stelle "...Verfassungstheorie für Neoliberalismus und Globalisierung" liest.
...bis jetzt habe ich gegen diese Begriffe noch keine Abneigung entwickelt. Du scheinbar schon?
Da wird wieder versucht, die Beschaffenheit der Realität zu leugnen (siehe hierzu auch meine Ausführungen zum "Wahnsystem" der Neoklassischen Ökonomie, der wirtschaftlichen Grundlage des Neoliberalisismus, im "Neben den Geschlechtern"-Forum). Hier stimme ich 100% mit Nick überein: Menschen sind eben NICHT gleich. Und deshalb muss das Gesetz auf diese Unterschiede eingehen.
...Entschiedener Einspruch! Das Gesetz MUSS keinesfalls auf die Unterschiede eingehen, die daraus resultieren, daß die Menschen eben nicht gleich sind. Es KANN darauf eingehen und es ist sicherlich sinnvoll, gesetzlichen Schutz denen zu gewähren, die ansonsten völlig schutzlos wären. Kinder zählen da sicherlich dazu, Unmündige, geistig Behinderte etc. auch.
Daß aber die Dummheit von wahlberechtigten Erwachsenen gesetzlich geschützt ist und daß es keinen Anreiz für die Dummen mehr gibt, endlich schlauer zu werden (Es gibt die Theorie, daß sich die Intelligenz dann entwickelt, wenn sie gebraucht wird - z.B. nach Esther Vilar), das ist in sich schon so saudumm, daß ich einen Schreikrampf kriegen könnte! Blumenerde gefressen statt Schokoladenstreuseln? Der Abfüller der Blumenerde ist schuld, weil er nicht auf die Packung geschrieben hat, daß es sich bei der Blumenerde um keine Schokoladenstreusel handelt, so wie es das Gesetz vorsieht? Geh´fort! Gesetzlich vorgeschrieben "Objects in mirror are closer than they appear"? Warum nicht gleich: "You are dumber than you think?" Soviel zum "Verbraucherschutz". Und dann gibt´s ja auch noch den gesetzlichen Frauenschutz. Und da hat der Gesetzgeber ja wohl endgültig und absolut, ja total grotesk überzogen, etwa nicht?
Ansonsten könnte man problemlos Sex mit Kindern für legal erklären - denn wie liesse sich die Illegalität solcher Handlungen rechtfertigen, wenn es doch angeblich gar keinen Unterschied zwischen Kindern und "Nicht-Kindern" gibt?
...Quatsch (mit Verlaub)! Wo läge denn der qualitative Unterschied zwischen Sex mit Kindern und Sex mit irgendwelchen anderweitig Unmündigen? Ich meine - juristisch gesehen? Es könnte in einem zivilisierten Volk einfach die Übereinkunft reichen, daß Sex mit Unmündigen ein absolutes No-No ist und aus! Und da zählen Kinder dazu.....
Wie so oft, liegt die Wahrheit zwischen den Extremen. Es stimmt wohl, daß übertriebener Ergeiz, jegliche Art von "Ungerechtigkeit" auszubügeln, zu einer Art von "Social Engineering" führt, die mehr schadet als nützt.
...aber hallo!
Dies trifft vor allem dann zu, wenn die Verhältnissmaessigkeit zwischen Einschränkungen der Freiheit der einen, und dem Nutzen der anderen (mit dem diese Einschränkung der Freiheit begründet wird) nicht gewahrt bleibt.
...d´accord!
Aber es gibt eben auch Fälle, in denen temporäre und/oder geringe Einschränkungen der Freiheit moralisch notwendig sind.
...Ah ja?
Ein Beispiel: Soll unterlassene Hilfeleistung strafbar sein?
...Interessante Frage.
Für die meisten Menschen gibt es eine offensichtliche, moralisch richtige Antwort: Ja, sofern die Hilfeleistung möglich ist, ohne daß sich der Hilfeleistende selbst einer Gefahr aussetzt.
...Warum? Warum nur dann, wenn der Hilfeleistende sich keiner Gefahr aussetzt? Eine potentielle Gefahr ist doch sicherlich niedriger einzustufen als der sichere Tod des Anderen durch unterlassene Hilfeleistung? Warum überhaupt? Warum Selbstverständlichkeiten gesetzlich regeln? Und wieder die Frage: Wozu Gesetze für ein unzivilisiertes Volk?
Nun braucht man aber nur durch Web zu surfen, und wird dort ohne Probleme "libertäre" Auffassungen finden, die ungefähr folgendermassen lauten: Unterlassene Hilfeleistung soll _in keinem_ Fall strafbar sein, sogar dann nicht, wenn die Hilfeleistung nicht nur keine persönliche Gefahr für den Hilfeleistenden beinhaltet, sondern auch nicht, wenn sie nur einen extrem geringen Aufwand für den potentiell Hilfeleistenden bedeutet (z.b. einen Krankenwagen zu rufen). Nach dieser Auffassung ist es moralisch vollkommen vertretbar, beispielsweise einen Schwerverletzten verbluten zu lassen, selbst wenn dieses durch einen blossen Anruf beim Rettungsdienst zu verhindern wäre, denn dieser geringe Aufwand des Anrufes wäre ja schon eine Einschränkung der Freiheit des Hilfeleistenden(!)
...moralisch vertretbar? Wohl kaum. Aber justitiabel? Das ist doch eine ganz andere Frage! Moral per Gesetz? Na, ich weiß nicht....
Sind Auffassungen dieser Art nun nur geistig verwirrten eigen, die ohnehin kaum Einfluss auf unser Denken haben? Leider mitnichten. Di Fabio ist ein Beispiel, aber es gibt noch andere. Wer mit wachem Geist durch die Welt geht, wird eine ziemlich starke, unheilige Allianz zwischen solch menschenverachtendenden Vortellungen und dem im Prantl-Artikel schon erwähnten "Neoliberalismus" finden. Ich wiederhole es an dieser Stelle gerne nochmal: Der Mensch ist keine nutzenoptimierende, Maschine, kein "Homo oeconomicus" und deswegen darf er auch nicht so behandelt werden. Alles andere ist ein neuer Öffner für die Büchse der Pandora menschenverachtender Ideologien.
...das ist schon richtig, daß man da aufpassen sollte. Aber wie so oft im Leben ist halt nie etwas genau so oder genau anders. Und es kann meiner Meinung nach nicht schaden, den herrschenden Sozialtotalitarismus ein bißchen kritischer zu durchleuchten....äh....entschlacken, sozusagen.
Die "Bedenkenträger" der Linken denken ohne Zweifel meistens zu kurz. Aber die scheinbar "progressiven" Kräfte der "neuen Rechten" denken deswegen fast immer auch nicht viel weiter, nur anders. Anders menschenverachtend vor allem.
...Jjjjjein. Aufmerksam beobachten sollte man die Diskussion aber durchaus. Weg vom linken Totalitarismus kann jedenfalls nicht ganz verkehrt sein. Näheres wird die Zukunft weisen, denn auch die läßt sich ja gestalten. Offen bleiben heißt das Gebot der Stunde.
Gruß - Max
Re: Verleugnung der Realität
Rüdiger, Sunday, 26.09.2004, 21:35 (vor 7802 Tagen) @ Max
Als Antwort auf: Re: Verleugnung der Realität von Max am 26. September 2004 17:39:34:
Gesetzlich vorgeschrieben "Objects in mirror are closer than they appear"? Warum nicht gleich: "You are dumber than you think?"
Nun, soweit ich weiß, gab's früher Spiegel, die NICHT verkleinerten; mein alter Passat und mein früheres Mopped Bj. 1979 hatten solche. Wenn man von so einem Fahrzeug auf ein neues mit diesen (konvexen?) Spiegeln umsteigt, kann so ein Hinweis schon gerechtfertigt sein, finde ich.
Gruß, Rüdiger
Re: Verleugnung der Realität
Rüdiger, Sunday, 26.09.2004, 21:29 (vor 7802 Tagen) @ Paul
Als Antwort auf: Verleugnung der Realität von Paul am 26. September 2004 15:46:40:
Ein Beispiel: Soll unterlassene Hilfeleistung strafbar sein? Für die meisten Menschen gibt es eine offensichtliche, moralisch richtige Antwort: Ja, sofern die Hilfeleistung möglich ist, ohne daß sich der Hilfeleistende selbst einer Gefahr aussetzt. Nun braucht man aber nur durch Web zu surfen, und wird dort ohne Probleme "libertäre" Auffassungen finden, die ungefähr folgendermassen lauten: Unterlassene Hilfeleistung soll _in keinem_ Fall strafbar sein
Irgendwo las ich mal, daß der Artikel zur "unterlassenen Hilfeleistung" erst von den Nazis 1935 ins Strafgesetzbuch aufgenommen worden sei, weil die es als untragbar empfanden, daß man sich innerhalb der "Volksgemeinschaft" untereinander nicht half. Ich sage das nicht, weil ich für die Abschaffung des Paragraphen einträte, sondern nur so als interessantes Detail am Rande. Weiß jemand, wie das in anderen Ländern geregelt ist?
Gruß, Rüdiger
Re: Verleugnung der Realität
Peter, Monday, 27.09.2004, 16:50 (vor 7801 Tagen) @ Rüdiger
Als Antwort auf: Re: Verleugnung der Realität von Rüdiger am 26. September 2004 18:29:06:
"unterlassenen Hilfeleistung" (...)
Ich sage das nicht, weil ich für die Abschaffung des Paragraphen einträte, sondern nur so als interessantes Detail am Rande. Weiß jemand, wie das in anderen Ländern geregelt ist?
In Frankreich macht sich so wie in Deutschland der strafbar, der nicht hilft, obwohl er sich dabei nicht gefaehrden wuerde und obwohl ein 'normaler' Mensch geholfen haette. In Schweden andererseits ist die unterlassene Hilfeleistung nicht strafbar. Ich las von beiden Laendern in einem Artikel ueber das schwedische Rechtssystem.
Gruss,
Peter
Re: Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio
Garfield, Wednesday, 29.09.2004, 14:27 (vor 7800 Tagen) @ Max
Als Antwort auf: Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio von Max am 26. September 2004 12:20:43:
Hallo Max!
Also, selbst wenn dieser di Fabio da mal einen unbewußten Geistesblitz hatte, finde ich seine Aussage insgesamt absolut schwachsinnig.
Wenn Neoliberale fordern, daß staatliche Regulierungen abgeschafft werden müßten, dann meinen sie damit lediglich diejenigen staatlichen Regulierungen, die der weiteren Profitmaximierung im Wege stehen. Von den staatlichen Regulierungen dagegen, die Profitmaximierung födern, kann es ihrer Meinung nach selbstverständlich gar nicht genug geben. Und wenn der Staat mal nichts reguliert, dann reguliert man eben selbst. Beispielsweise indem man Autohändler in Holland unter Druck setzt und sie dazu zwingt, Kunden aus Deutschland keine Autos zum billigeren holländischen Preis zu verkaufen. Oder indem man darauf hinarbeitet, mittels TCPA jedem Nutzer vorzuschreiben, welche Programme er auf seinem eigenen PC installieren darf und welche nicht. Da ist dann die sonst vehement geforderte persönliche Freiheit auf einmal vollkommen unerwünscht.
Vom Neoliberalismus und überhaupt von der Wirtschaft haben wir in puncto Feminismus keine Unterstützung zu erwarten. Ganz im Gegenteil: Die Unternehmen, die Frauen als ihre hauptsächliche Zielgruppe betrachten, tragen doch ganz wesentlich dazu bei, daß über Werbung und dafür als Rahmenprogramm gestaltete Medienbeiträge männerfeindliche Klischees immer wieder unter das Volk gebracht werden. Da können Männer noch soviele Protestbriefe und -mails schreiben: Wenn ein Unternehmen vor allem auf weibliche Kunden orientiert ist, dann interessiert das dort niemanden.
Das wirkt sich zwar inzwischen manchmal auch zuungunsten der Frauen aus. So stellen Supermärkte neuerdings bevorzugt junge Männer als Kassierer ein, weil sie hoffen, damit die überwiegend weibliche Kundschaft anzuziehen. Aber das nützt letztendlich nur den Männern, die eine Karriere als Supermarkt-Kassierer anstreben.
Freundliche Grüße
von Garfield
Re: Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio
Eugen Prinz, Wednesday, 29.09.2004, 14:50 (vor 7799 Tagen) @ Garfield
Als Antwort auf: Re: Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio von Garfield am 29. September 2004 11:27:08:
Hallo Garfield,
eine sehr realistische, treffende Einschätzung!
Einen freundlichen Gruß,
Eugen
Wenn Neoliberale fordern, daß staatliche Regulierungen abgeschafft werden müßten, dann meinen sie damit lediglich diejenigen staatlichen Regulierungen, die der weiteren Profitmaximierung im Wege stehen. Von den staatlichen Regulierungen dagegen, die Profitmaximierung födern, kann es ihrer Meinung nach selbstverständlich gar nicht genug geben. Und wenn der Staat mal nichts reguliert, dann reguliert man eben selbst. Beispielsweise indem man Autohändler in Holland unter Druck setzt und sie dazu zwingt, Kunden aus Deutschland keine Autos zum billigeren holländischen Preis zu verkaufen. Oder indem man darauf hinarbeitet, mittels TCPA jedem Nutzer vorzuschreiben, welche Programme er auf seinem eigenen PC installieren darf und welche nicht. Da ist dann die sonst vehement geforderte persönliche Freiheit auf einmal vollkommen unerwünscht.
Vom Neoliberalismus und überhaupt von der Wirtschaft haben wir in puncto Feminismus keine Unterstützung zu erwarten. Ganz im Gegenteil: Die Unternehmen, die Frauen als ihre hauptsächliche Zielgruppe betrachten, tragen doch ganz wesentlich dazu bei, daß über Werbung und dafür als Rahmenprogramm gestaltete Medienbeiträge männerfeindliche Klischees immer wieder unter das Volk gebracht werden. Da können Männer noch soviele Protestbriefe und -mails schreiben: Wenn ein Unternehmen vor allem auf weibliche Kunden orientiert ist, dann interessiert das dort niemanden.
Re: Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio
Max, Friday, 01.10.2004, 00:35 (vor 7798 Tagen) @ Eugen Prinz
Als Antwort auf: Re: Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio von Eugen Prinz am 29. September 2004 11:50:47:
Hallo Garfield,
eine sehr realistische, treffende Einschätzung!
Einen freundlichen Gruß,
Eugen
...A Wahnsinn, es zwoa. Ich seh euch schon wie die Angsthasen im Zickzack uebers Stoppelfeld tuermen - von einer tollwuetigen Deregulierung fast zu Tode gehetzt....
Der Jaegermeister - Max
Re: Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio
Garfield, Friday, 01.10.2004, 12:35 (vor 7798 Tagen) @ Max
Als Antwort auf: Re: Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio von Max am 30. September 2004 21:35:57:
Hallo Max!
Sicher gibt es unnötige Regulierungen. Aber darum geht es denjenigen, die sich gern als Neoliberale oder einfach als Liberale bezeichnen, üblicherweise nicht. Denen geht es schlicht und einfach um ihren persönlichen Reibach. Das ganze Gefasel von Überregulierung dient denen nur als Vorwand.
Freundliche Grüße
von Garfield
Re: Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio
Nick, Friday, 01.10.2004, 13:44 (vor 7798 Tagen) @ Garfield
Als Antwort auf: Re: Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio von Garfield am 01. Oktober 2004 09:35:28:
"Sicher gibt es unnötige Regulierungen. Aber darum geht es denjenigen, die sich gern als Neoliberale oder einfach als Liberale bezeichnen, üblicherweise nicht. Denen geht es schlicht und einfach um ihren persönlichen Reibach. Das ganze Gefasel von Überregulierung dient denen nur als Vorwand."
Hallo Garfield!
Denen schon! Aber niemand ist ja gezwungen, sich mit 'denen' in eine Schublade zu setzen (oder stecken zu lassen). Das Beenden der herrschenden Regulierungswut ist notwendige Voraussetzung für jede Art von Entwicklung - nicht zuletzt auch für die Beendigung des feministischen PolitkommisarInnen-Unwesens: das Ausräuchern der zahlreichen Hornissen-Nester in Verwaltungen, Behörden, Universitäten, in der Justiz und im Liebesministerium selbst.
Meint der
Nick
Re: Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio
Garfield, Friday, 01.10.2004, 15:40 (vor 7797 Tagen) @ Nick
Als Antwort auf: Re: Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio von Nick am 01. Oktober 2004 10:44:32:
Hallo Nick!
Die Beseitigung von Berufsfeministinnen und von Regulierungen, die von ihnen durchgesetzt wurden, wird ohne Zweifel kaum Schaden anrichten, eher im Gegenteil.
Man kann deshalb aber nicht einfach behaupten, daß sämtliche Regulierungen sinnlos wären und abgeschafft gehören.
Ein Beispiel:
Ich habe mal eine Reportage über einen Bratwurstverkäufer in einer US-Großstadt gesehen. Der Mann stammte aus Deutschland. Er verkaufte am Straßenrand Bratwürste und war damit so erfolgreich, daß er bereits ein Restaurant aufgemacht hatte und in einer anderen Stadt die Eröffnung eines zweiten Restaurants plante. Weil es ihm Spaß machte, betrieb er seinen Verkaufsstand an der Straße trotzdem noch weiter.
Dieser Mann hätte diese Karriere so in Deutschland nicht machen können. Erstens besaß er nicht die dazu in Deutschland geforderte Ausbildung, und auch andere Vorschriften hätten ihn daran gehindert.
Das legt nun natürlich nahe, solche hinderlichen Vorschriften für den Verkauf von Lebensmitteln abzuschaffen.
Wenn man das tun würde, dann würde das sicher bewirken, daß sich mehr Menschen als bisher im Gastronomiebereich selbstständig machen. Das würde die Konkurrenz auf dem Markt verschärfen, da die Kaufkraft in Deutschland ja allgemein sinkt, die Nachfrage also auch eher sinkt als steigt. Da es keine Regulierungen und Kontrollen mehr geben würde, könnten die Verkäufer tun und lassen, was immer sie möchten. Und durch den Konkurrenzdruck würden sie natürlich alles tun, um irgendwie Kosten zu sparen und so am Ende trotz niedriger Preise noch Gewinn zu machen.
Wenn man dann mal Ware nicht verkauft bekommt, würde es auch keinen interessieren, wie lange die noch haltbar ist. Die würde knallhart am nächsten Tag wieder angeboten werden.
Und dann käme es entsprechend öfter vor, daß eine Bratwurst mal etwas merkwürdig schmeckt und daß man sich, wenn man sie trotzdem ißt, danach im Krankenhaus wiederfindet.
Wir ärgern uns in Deutschland auch oft über die strengen deutschen Bauvorschriften. In manchen anderen Ländern baut man, wie man gerade Lust und Laune hat. Da bricht dann aber auch alles wie ein Kartenhaus zusammen, wenn es z.B. mal ein Erdbeben oder einen starken Sturm gibt. Da kann es sogar vorkommen, daß eine Decke einstürzt, nur weil zuviele Personen im Raum sind. Wer übrigens meint, daß Erdbeben in Deutschland doch keine Rolle spielen, der wohnt offenbar nicht nahe der Eifel.
Sicher gehört manche Regulierung auf den Prüfstand. Aber es wäre fatal, sämtliche Regulierungen abzuschaffen. Damit würde man nur das absolute Chaos erzeugen.
Freundliche Grüße
von Garfield
Re: Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio
Nick, Friday, 01.10.2004, 15:58 (vor 7797 Tagen) @ Garfield
Als Antwort auf: Re: Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio von Garfield am 01. Oktober 2004 12:40:49:
Hallo Garfield!
"Sicher gehört manche Regulierung auf den Prüfstand. Aber es wäre fatal, sämtliche Regulierungen abzuschaffen. Damit würde man nur das absolute Chaos erzeugen.
Mensch Meier! Das habe ich doch gar nicht gesagt! Was hat das bloß damit zu tun?
Natürlich muß es sinnvolle Regulierungen geben, das bestreite ich nicht. Warum muß ich mich aber dafür rechtfertigen, was irgendein Neoliberaler meinen könnte, wenn er gegen staatliche Regulierungen anredet?
Man darf doch nicht mit Hinweis auf sinnvolle Regulierungen und den fatalen Folgen ihrer Abschaffung gegen den Abbau der Regukierungswut argumentieren. Da gerät doch wieder mal die Unterscheidungskraft ins Schlingern, oder nicht?
Stell dir vor, eine feministische Politkommissarin würde folgendermaßen argumentieren: "Sie dürfen mich nicht wegregulieren, denn wenn es ein Erdbeben gibt und die Häuser stürzen ein, dann wäre das ja wohl auch nicht gut, oder?"
Logisch, oder?!?
ZEFIX ABER AUCH!
*grummel*
Nick 
Re: Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio
Garfield, Friday, 01.10.2004, 19:10 (vor 7797 Tagen) @ Nick
Als Antwort auf: Re: Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio von Nick am 01. Oktober 2004 12:58:04:
Ja, Nick,
das sehe ich ja genauso! Das Problem ist nur, daß diejenigen, die sich in den Medien gegen die Regulierungswut äußern, gern dieses eigentlich positive Anliegen als Vorwand benutzen, um tatsächlich ganz andere Dinge durch zu bekommen, die unsere Situation noch verschlimmern würden.
Wenn sich so etwas durchsetzt, dann haben wir am Ende die ganzen sinnlosen Überregulierungen immer noch, während viele sinnvolle Regulierungen zum Schaden der Allgemeinheit weg sein werden.
Freundliche Grüße
von Garfield
Re: Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio
Nick, Saturday, 02.10.2004, 04:29 (vor 7797 Tagen) @ Garfield
Als Antwort auf: Re: Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio von Garfield am 01. Oktober 2004 16:10:51:
Lieber Garfield!
Ich verstehe schon auch, worauf du hinaus willst. Es bestünde durchaus die Möglichkeit, daß das so kommen könnte und der sozialstaatliche Regulierungswahn sogar noch weiter anzieht, trotz "offizieller Deregulierung".
Es nutzt aber überhaupt nichts, deswegen mit Ideologen zu taktieren. Wenn man das macht, ist man immer der Hase und nie der Igel - denn die spielen grundsätzlich falsch!
Deshalb ist es ein Fehler, sich von Ideologen zu irgendetwas, egal was, drängen zu lassen, z.B. etwas zu sagen oder nicht zu sagen - oder gar wie man etwas sagt. Dann sitzt man nämlich schon mitten in deren Falle drin, egal wie rum man sich danach noch dreht.
Dabei ist man in Wahrheit immer frei - und muß es sein und bleiben! Und wenn mal trotzdem was daneben geht, na, dann lernt man etwas daraus, hat die Brüder wieder etwas besser kennengelernt und macht denselben Fehler ein andermal nicht mehr.
Konkret denke ich, man sollte sich hier nicht, z.B. aus lauter Furcht für einen "Neoliberalen" gehalten zu werden, oder aus Angst, die würden das "ausnutzen", von der notwendigen Kritik am Irrsinn der bürokratischen Regulierungswut abhalten lassen. Man kann ja so genau und präzise dabei sein, daß man das nicht "verwechseln" kann.
Ich will, daß diese Politkommisarinnen verschwinden! Ich will ,daß sich der Staat aus intimen Beziehungen heraushält und den Tugendterror unterläßt, der zur Zeit stattfindet! Ich will keine Tugendkampagnen gegen "Männergewalt"! Ich will keine Scheidungsregeln, die eine Scheidung 'risikolos' machen, denn dann halten die Ehen nicht mehr, weil es in ihnen ja nun mal auch die "dürren Jahre" gibt! Ich will keine "allmächtigen" Jugendämter, die über das Schicksal von Menschen nach Lust und Laune entscheiden! u.s.w. - das ist hier ja allen bekannt.
Manches davon löst sich nur durch Deregulierung, anderes durch bessere, menschengerechtere Regeln. Auch hier geht es also nicht um ein Generalschema "pro" oder "kontra". Und das ist in allen anderen Fragen genau so.
Es geht im Zusammenleben immer um konkrete Fragen. Und es sind immer die einzelnen Menschen, die etwas ausrichten, und nicht die toten Schablonenwesen mit ihren heimtückischen Hintergedanken. Vor denen braucht man aber in Wahrheit keine Angst zu haben, weil die früher oder später in ihre eigenen Fallen stürzen.
Man soll nur achtgeben, daß man nicht selber mitstürzt 
Freundliche Grüße
vom Nick
Re: Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio
Max, Saturday, 02.10.2004, 21:27 (vor 7796 Tagen) @ Nick
Als Antwort auf: Re: Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio von Nick am 02. Oktober 2004 01:29:18:
Hi Nick,
genauso. Du nahmst mir das Wort aus dem Mund...
Herzlicher Gruss - Max
Re: Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio
Garfield, Monday, 04.10.2004, 19:33 (vor 7794 Tagen) @ Nick
Als Antwort auf: Re: Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio von Nick am 02. Oktober 2004 01:29:18:
Hallo Nick!
"Es nutzt aber überhaupt nichts, deswegen mit Ideologen zu taktieren. Wenn man das macht, ist man immer der Hase und nie der Igel - denn die spielen grundsätzlich falsch!"
Ja, Nick, das sehe ich ganz genauso, und genau deshalb traue ich ja diesen Neoliberalen nicht über den Weg!
"Ich will, daß diese Politkommisarinnen verschwinden! Ich will ,daß sich der Staat aus intimen Beziehungen heraushält und den Tugendterror unterläßt, der zur Zeit stattfindet! Ich will keine Tugendkampagnen gegen "Männergewalt"! Ich will keine Scheidungsregeln, die eine Scheidung 'risikolos' machen, denn dann halten die Ehen nicht mehr, weil es in ihnen ja nun mal auch die "dürren Jahre" gibt! Ich will keine "allmächtigen" Jugendämter, die über das Schicksal von Menschen nach Lust und Laune entscheiden!"
Ja, das würde ich sofort unterschreiben. Nur wie du ja auch schon geschrieben hast, gibt es Leute, die solche und andere überflüssige Regulierungen nur thematisieren, weil sie sich davon mehr Zulauf erhoffen. Wenn man sie dabei unterstützt, ziehen die einfach nur ihr Ding durch, und wir können zusehen, wo wir mit unseren Anliegen bleiben.
Das läuft dann genauso ab wie bei den Grünen. Da war Umweltschutz mal ein wesentliches Anliegen. Sicher hat man dann auch etwas dafür getan - aber das waren und sind oft Show-Aktionen, die der Umwelt manchmal sogar mehr schaden als nützen. Wer beispielsweise Tempo 30 in Ortschaften fordert, fordert damit mehr Staus, mehr Lärm, höhere Kosten für alle Autofahrer und mehr Umweltverschmutzung. Trotzdem werden solche Forderungen oft damit begründet, daß das umweltschonend wäre.
Wem hat der Aufstieg der Grünen zur politischen Macht tatsächlich genutzt? Den Radikalfeministinnen, die sich durch die Dummheit oder Naivität des Durchschnitts-Grünen in der Partei breitmachen konnten. Die ziehen da jetzt ihr Ding durch und schaden uns allen damit. Man könnte natürlich auch Druck machen, um beispielsweise die Produktion alternativer Antriebe für Autos durchzusetzen. Aber dazu müßte man sich mit der Wirtschaft anlegen, die davor bislang zurück scheut. Das ist zuviel Aufwand und bringt den Verantwortlichen nichts ein. Also tut sich da auch nichts. Stattdessen behauptet man, daß umweltschonende Autos wie dieser 3-Liter-Lupo ja sowieso nicht gekauft werden würden und nimmt das als Anlaß, um gleich noch mehr "Öko-Steuern" zu fordern. Daß es aber nur sehr wenige Niedrigverbrauch-Autos auf dem Markt gibt und daß der 3-l-Lupo nicht deshalb nicht gekauft wird, weil er wenig verbraucht, sondern vor allem, weil er einen Diesel-Motor hat und weil Diesel-Autos sich durch die dafür fälligen hohen Steuern für viele Menschen, vor allem für den klassischen Kleinwagen-Fahrer, der oft nicht so lange Strecken fährt, finanziell nicht lohnen, läßt man dezent unter den Tisch fallen. Hauptsache, man hat einen Grund, um die Bürger noch mehr zu schröpfen. Irgendwoher muß ja das viele Geld für all die Frauen-Projekte, für hauptberufliche Frauenbeauftragte usw. kommen.
Freundliche Grüße
von Garfield
Re: Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio
Sven74, Monday, 04.10.2004, 20:04 (vor 7794 Tagen) @ Garfield
Als Antwort auf: Re: Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio von Garfield am 04. Oktober 2004 16:33:21:
Wem hat der Aufstieg der Grünen zur politischen Macht tatsächlich genutzt? Den Radikalfeministinnen, die sich durch die Dummheit oder Naivität des Durchschnitts-Grünen in der Partei breitmachen konnten. Die ziehen da jetzt ihr Ding durch und schaden uns allen damit. Man könnte natürlich auch Druck machen, um beispielsweise die Produktion alternativer Antriebe für Autos durchzusetzen. Aber dazu müßte man sich mit der Wirtschaft anlegen, die davor bislang zurück scheut. Das ist zuviel Aufwand und bringt den Verantwortlichen nichts ein. Also tut sich da auch nichts. Stattdessen behauptet man, daß umweltschonende Autos wie dieser 3-Liter-Lupo ja sowieso nicht gekauft werden würden und nimmt das als Anlaß, um gleich noch mehr "Öko-Steuern" zu fordern. Daß es aber nur sehr wenige Niedrigverbrauch-Autos auf dem Markt gibt und daß der 3-l-Lupo nicht deshalb nicht gekauft wird, weil er wenig verbraucht, sondern vor allem, weil er einen Diesel-Motor hat und weil Diesel-Autos sich durch die dafür fälligen hohen Steuern für viele Menschen, vor allem für den klassischen Kleinwagen-Fahrer, der oft nicht so lange Strecken fährt, finanziell nicht lohnen, läßt man dezent unter den Tisch fallen. Hauptsache, man hat einen Grund, um die Bürger noch mehr zu schröpfen. Irgendwoher muß ja das viele Geld für all die Frauen-Projekte, für hauptberufliche Frauenbeauftragte usw. kommen.
Freundliche Grüße
von Garfield
Bei den GrünINNEN kommt erst einmal Frauenpolitik, dann kommt noch einmal Frauenpolitik, dann kommt lange nichts und am Ende kommt noch ein bischen Umwelt- und Friedenspolitik.
Natürlich sind Umwelt- und Friedespolitik sehr gute Wahlkampfhemen und darum werden diese beiden Themen gerne bei gewissen Anlässen hervorgehoben und als ureigene grüne Themen behandelt (was sie früher ja wirklich einmal waren und heute nur noch von ein paar Dinos in der Partei vertreten werden).
Angenommen die GrünINNEN können eines von folgenden Problemen lösen:
1. Verhinderung der Schließung eines Frauenhauses für 20 Frauen
2. Abholzung des Regenwaldes sofort und dauerhaft stoppen
3. Verhinderung eines Bürgerkrieges in einem afrikanischen Land
4. Abschaffung der Männerwehrpflicht
Welches Problem würde wohl beseitigt werden?
Sven74
Re: Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio
Friedwilli, Friday, 01.10.2004, 21:19 (vor 7797 Tagen) @ Garfield
Als Antwort auf: Re: Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio von Garfield am 01. Oktober 2004 12:40:49:
Hallo Nick!
Die Beseitigung von Berufsfeministinnen und von Regulierungen, die von ihnen durchgesetzt wurden, wird ohne Zweifel kaum Schaden anrichten, eher im Gegenteil.
Man kann deshalb aber nicht einfach behaupten, daß sämtliche Regulierungen sinnlos wären und abgeschafft gehören.
Ein Beispiel:
Ich habe mal eine Reportage über einen Bratwurstverkäufer in einer US-Großstadt gesehen. Der Mann stammte aus Deutschland. Er verkaufte am Straßenrand Bratwürste und war damit so erfolgreich, daß er bereits ein Restaurant aufgemacht hatte und in einer anderen Stadt die Eröffnung eines zweiten Restaurants plante. Weil es ihm Spaß machte, betrieb er seinen Verkaufsstand an der Straße trotzdem noch weiter.
Dieser Mann hätte diese Karriere so in Deutschland nicht machen können. Erstens besaß er nicht die dazu in Deutschland geforderte Ausbildung, und auch andere Vorschriften hätten ihn daran gehindert.
Das legt nun natürlich nahe, solche hinderlichen Vorschriften für den Verkauf von Lebensmitteln abzuschaffen.
Wenn man das tun würde, dann würde das sicher bewirken, daß sich mehr Menschen als bisher im Gastronomiebereich selbstständig machen. Das würde die Konkurrenz auf dem Markt verschärfen, da die Kaufkraft in Deutschland ja allgemein sinkt, die Nachfrage also auch eher sinkt als steigt. Da es keine Regulierungen und Kontrollen mehr geben würde, könnten die Verkäufer tun und lassen, was immer sie möchten. Und durch den Konkurrenzdruck würden sie natürlich alles tun, um irgendwie Kosten zu sparen und so am Ende trotz niedriger Preise noch Gewinn zu machen.
Wenn man dann mal Ware nicht verkauft bekommt, würde es auch keinen interessieren, wie lange die noch haltbar ist. Die würde knallhart am nächsten Tag wieder angeboten werden.
Und dann käme es entsprechend öfter vor, daß eine Bratwurst mal etwas merkwürdig schmeckt und daß man sich, wenn man sie trotzdem ißt, danach im Krankenhaus wiederfindet.
Wir ärgern uns in Deutschland auch oft über die strengen deutschen Bauvorschriften. In manchen anderen Ländern baut man, wie man gerade Lust und Laune hat. Da bricht dann aber auch alles wie ein Kartenhaus zusammen, wenn es z.B. mal ein Erdbeben oder einen starken Sturm gibt. Da kann es sogar vorkommen, daß eine Decke einstürzt, nur weil zuviele Personen im Raum sind. Wer übrigens meint, daß Erdbeben in Deutschland doch keine Rolle spielen, der wohnt offenbar nicht nahe der Eifel.
Sicher gehört manche Regulierung auf den Prüfstand. Aber es wäre fatal, sämtliche Regulierungen abzuschaffen. Damit würde man nur das absolute Chaos erzeugen.
Freundliche Grüße
von Garfield
Hallo Garfield
Lebensmittel klarer Fall, aber DIN Normen am Bau kannst du vielfach vergessen. Dachstühle werden nicht selten dreifach dimensioniert, unnsinnige Verordnungen verteuern die handwerkliche Arbeit ohne erkennbaren Nutzen. Wer sich auskennt, kann Unnötiges einsparen, wer nicht kann auch böse Überraschungen erleben.
Freundliche Grüsse
Friedwilli