Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Mädchenkonferenz

IBGM, Sunday, 26.09.2004, 11:30 (vor 7803 Tagen)

Hallo!

Im Oktober 2000 fand für behinderte junge Frauen in Bad Arolsen (Hessen) statt, der vom Bundesverband für Behinderte e.V. initiiert wurde.

Auf die schriftliche Anfrage der IBGM, wann denn nun eine Jungenkonferenz stattfände, kam folgende Antwort des Verbandes:

(Antwortschreiben des Bundesverbandes für Behinderte e.V.)

Sehr geehrte Herren,

mit Ihrem o.g. Schreiben übersandten Sie mir einen Zeitungsbericht der HNA über die Mäd-chenkonferenz, die Anfang Oktober 2000 in Bad Arolsen stattfand.

Hierfür möchte ich Ih-nen zunächst danken und mich gleichzeitig für die späte Beantwortung Ihres Schreibens entschuldigen.

Ich wollte Ihnen gerne die Ausgabe 4 unseres Mitmach-Mädchenmagazins-Mittendrin übersenden, dem Sie weitere Informationen über die Mädchenkonferenz ent-nehmen können. Die Zeitschrift ist leider erst um den Jahreswechsel herausgekommen, so dass ich erst heute zur Beantwortung Ihres Schreibens komme.

Der Bundesverband bietet ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm für behinderte Men-schen, Eltern behinderter Kinder und Fachkräfte aus dem Bereich der Rehabilitation an. Die Erfahrung in der Vergangenheit bei den Veranstaltungen für behinderte junge Menschen haben gezeigt, dass diese Angebote zumeist von behinderten jungen Männern und nur zu einem geringen Teil von jungen Frauen in Anspruch genommen werden. Dies war ein Grund, das Projekt ,,Mittendrin - Lebenswelten behinderter Mädchen und junger Frauen'~ zu beantragen und die Betroffenen zur Vertretung ihrer Interessen und zur Partizipation zu er-mutigen.

Wie Sie dem Zeitungsabschnitt und der beigefügten MIMMI entnehmen können, hat das Projekt nach dreijähriger Laufzeit durchaus Wirkung gezeigt.

Ich stehe auf dem Standpunkt <und meine Projekterfahrung bestätigt dieses>, dass Mäd-chenarbeit von Frauen und Jungenarbeit von Männer initiiert und geleitet werden sollte. Sie werden also sicherlich Verständnis dafür haben, dass ich es nicht als meine Aufgabe anse-he, eine Jungenkonferenz zu konzipieren und zu organisieren.

Gerne stehe ich aber denjeni-gen, die nach dem Motto ,,Es gibt nichts Gutes, außer man tut es~ eine Jungenkonferenz Jür Jungen und junge Männer mit Behinderung durchführen möchten, mit meinen Erfahrun-gen bezüglich der behindertengerechten Organisation einer derartigen Veranstaltung zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

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Kommentar:

Mit anderen Worten: hilf dir selbst, dann hilft dir Gott! Eine so unverschämte Antwort von einem Verein für Behinderte hätte wohl kaum jemand erwartet. Wenn ein Bundesverband für Behinderte keine Jungenkonferenz ins Leben rufen will, wer soll es sonst tun ohne Mittel?

Ich werde die Veröffentlichung des Schreibens hier beim Bundesverband kundtun und hoffe auf regen Meinungsaustausch, damit der Verband was zu lesen und zum nachdenken hat.

Mit freundlichem Gruß
IBGM
J. Dreier, Vfa.

Re: Mädchenkonferenz

Martin, Sunday, 26.09.2004, 15:24 (vor 7802 Tagen) @ IBGM

Als Antwort auf: Mädchenkonferenz von IBGM am 26. September 2004 08:30:47:

Die Erfahrung in der Vergangenheit bei den Veranstaltungen für behinderte junge Menschen haben gezeigt, dass diese Angebote zumeist von behinderten jungen Männern und nur zu einem geringen Teil von jungen Frauen in Anspruch genommen werden. Dies war ein Grund, das Projekt ,,Mittendrin - Lebenswelten behinderter Mädchen und junger Frauen'~ zu beantragen und die Betroffenen zur Vertretung ihrer Interessen und zur Partizipation zu er-mutigen.

Siehe Mädchen-Tag,Quote,et. al. Gäääähn! Was hindert die Mädchen daran, da mit zu machen? Und wie ist überhaupt die Geschlechterverteilung bei den Behinderten? Gibt's da vielleicht aufgrund größerer Risikobereitschaft in Freizeit, Verkehr und Beruf mehr Männer...?

Ich stehe auf dem Standpunkt <und meine Projekterfahrung bestätigt dieses>, dass Mäd-chenarbeit von Frauen und Jungenarbeit von Männer initiiert und geleitet werden sollte.

Auch alles wie gehabt: Fein säuberlich spalten statt zusammen führen! Das ist Geschlechterpolitik heute auf allen Ebenen!

Martin

Re: Mädchenkonferenz

Eugen Prinz, Sunday, 26.09.2004, 16:28 (vor 7802 Tagen) @ IBGM

Als Antwort auf: Mädchenkonferenz von IBGM am 26. September 2004 08:30:47:

Hallo J. Dreier,

man schrieb dir:

Ich stehe auf dem Standpunkt <und meine Projekterfahrung bestätigt dieses>, dass Mäd-chenarbeit von Frauen und Jungenarbeit von Männer initiiert und geleitet werden sollte. Sie werden also sicherlich Verständnis dafür haben, dass ich es nicht als meine Aufgabe anse-he, eine Jungenkonferenz zu konzipieren und zu organisieren.
Gerne stehe ich aber denjeni-gen, die nach dem Motto ,,Es gibt nichts Gutes, außer man tut es~ eine Jungenkonferenz Jür Jungen und junge Männer mit Behinderung durchführen möchten, mit meinen Erfahrun-gen bezüglich der behindertengerechten Organisation einer derartigen Veranstaltung zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen

Das ist ein häufig wiederkehrendes Antwortschema, das man auch bei Politikerinnen erlebt, z.B.: "Gleichberechtigung für Männer - da müssen sich Männer jetzt erst mal selbst drum kümmern."

Die Feindseligkeit und der Zynismus solcher Antworten enthüllt sich in den Floskeln: "Sie werden also sicherlich Verständnis dafür haben..." Nein, wir haben überhaupt kein Verständnis! Man kann vielleicht noch darüber diskutieren, ob Mädchenarbeit von Frauen und Jungenarbeit von Männer durchgeführt werden soll. Aber wenn Vertreterinnen von Gewerkschaften, Behindertenverbänden oder Politikerinnen ungeniert die Auffassung verkünden, sie seien nur für eine Hälfte der Menschheit zuständig, wenn es um die Beseitigung von Misständen oder um Hilfeangebote für Betroffene geht, dann ist das eine Unverschämtheit.

Man muss sich überlegen, wie man sich gegen eine solche Denke schon im Voraus verwahrt, damit man seine Briefe nicht in den Wind geschrieben hat.

Vielleicht so:

"Bitte ersparen Sie uns die Belehrung, Sie seien für Männeranliegen nicht zuständig. Eine solche Haltung ist nicht nur gesetzwidrig, sie zeugt auch von einem unterentwickelten oder verkümmerten Gefühl für soziale Gerechtigkeit."

oder so:

"Bitte machen Sie sich nicht die Mühe, uns unsere Benachteiligungen zu erläutern. Wir wollen nur einfach, dass Sie sie beseitigen."

Ob es was nützt, sei dahin gestellt. Zumindest aber wissen Sie dann, dass man ihnen ihren Schmuß nicht abkauft.

Viel Erfolg wünscht dir

Eugen

www.manndat.de

Re: Mädchenkonferenz

Odin, Sunday, 26.09.2004, 19:07 (vor 7802 Tagen) @ Eugen Prinz

Als Antwort auf: Re: Mädchenkonferenz von Eugen Prinz am 26. September 2004 13:28:39:

Das ist ein häufig wiederkehrendes Antwortschema, das man auch bei Politikerinnen erlebt, z.B.: "Gleichberechtigung für Männer - da müssen sich Männer jetzt erst mal selbst drum kümmern."

Natürlich müssen sich dann aber Männer, die Jungenarbeit machen, auch dafür rechtfertigen. Jungenarbeit muß begründet werden.
Zitat: "Ja haben sie denn was gegen Mädchen?" - letzte Woche mir gegenüber geäußert, als ich sagte, ich möchte eine Jungengruppe machen.

Re: Mädchenkonferenz

Eugen Prinz, Monday, 27.09.2004, 13:19 (vor 7801 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Re: Mädchenkonferenz von Odin am 26. September 2004 16:07:05:

Zitat: "Ja haben sie denn was gegen Mädchen?" - letzte Woche mir gegenüber geäußert, als ich sagte, ich möchte eine Jungengruppe machen.

Was hast du denn geantwortet?

Re: Mädchenkonferenz

Odin, Monday, 27.09.2004, 17:49 (vor 7801 Tagen) @ Eugen Prinz

Als Antwort auf: Re: Mädchenkonferenz von Eugen Prinz am 27. September 2004 10:19:14:

>Zitat: "Ja haben sie denn was gegen Mädchen?" - letzte Woche mir gegenüber geäußert, als ich sagte, ich möchte eine Jungengruppe machen.
Was hast du denn geantwortet?

Ich mache jetzt ein Angebot für Jungen und Mädchen (wobei die Thematik eher für Jungen geeignet ist), um überhaupt erstmal zu starten. Nächstes Jahr kann ich das vielleicht ändern, bzw. habe ich dasselbe Angebot an eine Einrichtung gemacht, von der ich weiß, daß sie Mädchen- UND Jungenarbeit macht.

Bei der jetzigen Stelle gibt es aber auch bis jetzt keine spezifische Mädchenarbeit, so daß ich das jetzt weniger problematisch finde.

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