Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Geichberechtigung, die das Land nicht braucht

michi, Wednesday, 22.09.2004, 01:05 (vor 7807 Tagen)

Der folgende Artikel war heute in der Stuttgarter Zeitung zu lesen.
Autorin: Anna Tomforde (dpa), London.

Wo Trinken zur Wochenendkultur gehört

Immer mehr Jugendliche in Großbritannien saufen bis zur Besinnungslosigkeit

Die Briten sind für ihr Kampftrinken berühmmt-berüchtigt. Weil der
Alkoholkonsum zunehmend zum Ordnungsproblem wird, startet die Regierung
nun eine neue Aufklärungskampagne.

Für Premierminister Tony Blair ist es "die neue englische Krankheit". Das
so genannte "binge drinking" - schnelles Trinken bis zum Umfallen - ist
nach Einschätzung der Regierung zur Bedrohung der öffentlichen Ordnung
geworden.

Besonders Frauen und Jugendliche tragen dazu bei, dass Großbritannien in
Europa Meister im Kampftrinken ist. Die Folge sind zunehmende Randale,
Kriminalität und Gewalt, die den Durchschnittsbürger verschrecken. "Wir
können nicht länger hinnehmen, dass unsere Stadtzentren am Wochenende zu
Sperrzonen werden", warnte Innenminister David Blunkett.

Eine von ihm in diesem Sommer gestartete Initiative, bei blitzartigen
Polizeikontrollen in Pubs und Bars alkoholisierten Rowdys an Ort und
Stelle das Handwerk zu legen, hatte Erfolg: Binnen vier Wochen wurden
1900 Geldstrafen wegen alkoholbedingter Straftaten verhängt. Um asoziales
Verhalten einzudämmen, hat die Regierung Berater entsandt, die den
Gemeinden im Umgang mit alkoholbedingter Gewalt helfen sollen.

Ein von der Regierung beauftragtes Expertengremium hat errechnet, dass
der britischen Volkswirtschaft jährlich 14 Millionen Arbeitstage durch
alkoholbedingte Krankheiten oder Blaumachen verloren gehen. Der
Produktivitätsverlust wird auf umgerechnet 9,75 Milliarden Euro beziffert.
Nochmal rund 10 Millionen Euro werden in die Reparatur von Sachschäden gesteckt.

Der staatliche Gesundheitsdienst gerät durch den Alkoholkonsum ganz
besonders unter Stress: Zwischen Mitternacht und fünf Uhr morgens stehen
70 Prozent der Notfälle in Verbindung mit Alkohol. "Nach fünf Bier bin
ich angeheitert und nach acht sturzbetrunken", offenbarte die 18 Jahre
alte Kosmetikstudentin Kayleigh vor kurzem im "Daily Mirror". Für Kayleigh
ist es normal, dreimal in der Woche mit Freunden auszugehen und zehn bis
zwölf Flaschen Bier zu trinken. "Das geht glatt runter, denn wir lachen
und haben Spaß dabei", sagt sie.

Keyleighs Verständnis von Spaß wird nach neusten Statistiken von immer
mehr Jugendlichen - besonders Frauen - geteilt. "Das Saufen gehört für
viele fest zur Wochenendkultur", sagt ein Experte. Der Anteil junger
Frauen zwischen 16 und 24, die mehr als 35 Alkoholeinheiten (eine Einheit
entspricht einem Glas Wein oder einem halben Liter Bier) pro Woche
trinken, hat sich nach jüngsten Erhebungen seit 1998 verdreifacht.

In Anlehnung an Kampagnen gegen Alkohol am Steuer oder Rauchen soll jetzt
eine Aufklärungskampagne gestartet werden, die Frauen zum
verantwortungsvollen Trinken erziehen soll. "Das 'binge drinking' gefährdet
Ihre Schönheit", heißt es auf Plakaten, die in Pubs, Bars und Cafes
aushängen. Saufen, so wird erklärt "trocknet die Haut aus und unterbricht
Ihren Schönheitsschlaf".

Anti-Alkohol-Gruppen werfen der Regierung indes vor, mit der geplanten
Aufhebung der traditionell strikten Begrenzung der Ausschankzeiten ihre
eigenen Bemühungen zur Eindämmung des Alkoholproblems zu unterwandern.
Anstelle der "Last Orders" soll nach dem Willen der Regierung bald rund
um die Uhr ausgeschenkt werden. Selbst Gesundheitsminister John Reid
räumte vor kurzem ein, dass der Erfolg im Sinne einer "Veränderung im
Trinkgebaren der Nation" nicht garantiert ist: "Bei manchen Entscheidungen
ist man eben erst hinterher schlau".


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