Die Verlierer der Gesellschaft wählten Radikale
Joseph S, Tuesday, 21.09.2004, 01:48 (vor 7808 Tagen)
... wurde heute in den Nachrichten über die Wahlen in Serbien berichtet.
In Sachsen und Brandenburg soll der Zuspruch der NPD und DVU bei den jungen Männern am größten
gewesen sein.
Gruß
Joseph
Re: Die Verlierer der Gesellschaft wählten Radikale
Eugen Prinz, Tuesday, 21.09.2004, 03:27 (vor 7808 Tagen) @ Joseph S
Als Antwort auf: Die Verlierer der Gesellschaft wählten Radikale von Joseph S am 20. September 2004 22:48:22:
... wurde heute in den Nachrichten über die Wahlen in Serbien berichtet.
In Sachsen und Brandenburg soll der Zuspruch der NPD und DVU bei den jungen Männern am größten
gewesen sein.
Gruß
Joseph
wundert mich nicht. Beraubt man das Individuum sämtlicher Handlungsmöglichkeiten, dann kollabiert oder explodiert es. Wer weiß, ob es noch eine Wahl gibt.
Eugen
Re: Die Verlierer der Gesellschaft wählten Radikale
Jolanda, Tuesday, 21.09.2004, 11:17 (vor 7808 Tagen) @ Eugen Prinz
Als Antwort auf: Re: Die Verlierer der Gesellschaft wählten Radikale von Eugen Prinz am 21. September 2004 00:27:47:
wundert mich nicht. Beraubt man das Individuum sämtlicher Handlungsmöglichkeiten, dann kollabiert oder explodiert es. Wer weiß, ob es noch eine Wahl gibt.
Eugen
---Du meinst also, wenn der Mensch keine Vorbilder mehr hat, dann wird er primitiv? Nun ja, Hitler hatte unter anderem ja auch so viel Macht, weil er für alles eine Lösung anbot und auch sofort ein paar Schuldige hatte, die für alles Uebel verantwortlich waren. Suche einen Sündenbock und man wird dir zujubeln, erteile der Masse die Absolution und sie werden für dich kreischen.
Gruss
Jolanda
Das schlimme war nur:
Magnus, Tuesday, 21.09.2004, 15:33 (vor 7808 Tagen) @ Jolanda
Als Antwort auf: Re: Die Verlierer der Gesellschaft wählten Radikale von Jolanda am 21. September 2004 08:17:29:
wundert mich nicht. Beraubt man das Individuum sämtlicher Handlungsmöglichkeiten, dann kollabiert oder explodiert es. Wer weiß, ob es noch eine Wahl gibt.
Eugen
---Du meinst also, wenn der Mensch keine Vorbilder mehr hat, dann wird er primitiv? Nun ja, Hitler hatte unter anderem ja auch so viel Macht, weil er für alles eine Lösung anbot und auch sofort ein paar Schuldige hatte, die für alles Uebel verantwortlich waren. Suche einen Sündenbock und man wird dir zujubeln, erteile der Masse die Absolution und sie werden für dich kreischen.
Er hatte tatsächlich für viele Problem eine Lösung. Arbeitslosigkeit besiegt, Kriegsschulden eingestellt, Verlorene Gebiete wie das Elsaß - alles vor 1938 wieder zurückgeholt, Urlaub den Menschen ermöglicht etc. Vermutlich haben deswegen so viele geflissentlich über seine Äußerungen über die Juden hinweggesehen - und viele Dumme, die nun glaubten allein wegen ihrer Abstammung wegen zu einer höheren Rasse zu gehören oder etwas besonderes zu sein, sind ihm gefolgt.
Magnus
Re: Das schlimme war nur:
Arne Hoffmann, Tuesday, 21.09.2004, 15:45 (vor 7808 Tagen) @ Magnus
Als Antwort auf: Das schlimme war nur: von Magnus am 21. September 2004 12:33:57:
Er hatte tatsächlich für viele Problem eine Lösung. Arbeitslosigkeit besiegt, Kriegsschulden eingestellt, Verlorene Gebiete wie das Elsaß - alles vor 1938 wieder zurückgeholt, Urlaub den Menschen ermöglicht etc.
Ich bin kein Historiker, aber Eichborns "Lexikon der Geschichtsirrtümer" zufolge, das von einem renommierten Historiker geschrieben wurde, war der anfängliche Aufschwung unter Hitler noch Nachwirkungen aus der Weimarer Zeit zu verdanken, deren Maßnahmen erst mit einigen Jahren Verzögerung griffen. Dann legten die Nationalsozialisten den Unternehmen enge Fesseln an, woraufhin sich vor allem in den Städten die Qualität der Ernährung und der Gesundheitszustand der Bevölkerung spürbar verschlechterten und die Sterblichkeitsrate stark anstieg.
Arne
Re: Das schlimme war nur:
Magnus, Tuesday, 21.09.2004, 16:33 (vor 7808 Tagen) @ Arne Hoffmann
Als Antwort auf: Re: Das schlimme war nur: von Arne Hoffmann am 21. September 2004 12:45:39:
Ich bin kein Historiker, aber Eichborns "Lexikon der Geschichtsirrtümer" zufolge, das von einem renommierten Historiker geschrieben wurde, war der anfängliche Aufschwung unter Hitler noch Nachwirkungen aus der Weimarer Zeit zu verdanken, deren Maßnahmen erst mit einigen Jahren Verzögerung griffen. Dann legten die Nationalsozialisten den Unternehmen enge Fesseln an, woraufhin sich vor allem in den Städten die Qualität der Ernährung und der Gesundheitszustand der Bevölkerung spürbar verschlechterten und die Sterblichkeitsrate stark anstieg.
Aha, interessant. Das mit dem Gesundheitszustand und Lebensstandard der Bevölkerung ist mir zwar neu, aber das mit wirtschaftlichen Aufschwung kann schon stimmen und Hitler hat es als seinen Verdienst verkauft - wie es jeder Politiker macht. Erfolg rechnet man auf seine Münze und am Mißerfolg sind die Vorgänger schuld.
Allerdings muss noch folgendes berücksichtigt werden. 1929 war die Weltwirtschaftskriese und 1932 gab es 6 Mio. Arbeitslose (da wurde dann die NSDAP stärkste Partei im Reichstag, da viele das Vertrauen zu den Demokratischen Parteien verloren haben - und die auch kein Konzept dagegen hatte). Da die NSDAP allerdings gewerkschaftsfeindlich war, wurde sie auch von den Großunternehmen finanziell unterstützt. Trotzdem: Hitler baute seinen ganzen Wirtschaftsaufschwung auf Schulden auf. Die Arbeitslosenzahlen sanken bis 1939 auf 119 Tausend von knapp 5 Mio im Jahr 1933. Gegen eine zentralisierte Kriegswirtschaft, die erst 1940 eingeführt wurde, konnten sich die Großunternehmen relativ gut wehren. Die Verbrauchsgüter hingegen unterlagen keinem Abschlag und sind auch bis mindesten 1940 gestiegen. Die Schulden hoffte Hitler dann wieder durch den Kriegsgewinne abzubauen, durch Zwangsarbeiter etc.
Magnus
Re: Das schlimme war nur:
Rüdiger, Wednesday, 22.09.2004, 16:03 (vor 7807 Tagen) @ Arne Hoffmann
Als Antwort auf: Re: Das schlimme war nur: von Arne Hoffmann am 21. September 2004 12:45:39:
Er hatte tatsächlich für viele Problem eine Lösung. Arbeitslosigkeit besiegt, Kriegsschulden eingestellt, Verlorene Gebiete wie das Elsaß - alles vor 1938 wieder zurückgeholt, Urlaub den Menschen ermöglicht etc.
Ich bin kein Historiker, aber Eichborns "Lexikon der Geschichtsirrtümer" zufolge, das von einem renommierten Historiker geschrieben wurde, war der anfängliche Aufschwung unter Hitler noch Nachwirkungen aus der Weimarer Zeit zu verdanken, deren Maßnahmen erst mit einigen Jahren Verzögerung griffen. Dann legten die Nationalsozialisten den Unternehmen enge Fesseln an, woraufhin sich vor allem in den Städten die Qualität der Ernährung und der Gesundheitszustand der Bevölkerung spürbar verschlechterten und die Sterblichkeitsrate stark anstieg.
Arne
Ich würde sagen: Hitler nutzte die sowieso gerade wieder einsetzende Erholung der Weltkonjunktur. Auch anderswo (F, USA, GB) fielen ja die Arbeitslosenzahlen - wobei ich allerdings zu den USA mal gelesen habe: "Die Vollbeschäftigung wurde dort erst wieder durch die Kriegswirtschaft erreicht" - das gäbe ja jenen Kritikern recht, die meinen, schon damals sei die Unterbeschäftigung in Industrienationen chronisch gewesen und Vollbeschäftigung eher die Ausnahme ....
Hitler hat manchmal durchaus direkt in die Wirtschaft eingegriffen. So bot Opel, seit 1929 unter amerikanischer Leitung, damals sein Modell P 4 für 1600,- Reichsmark an. Das war damals das billigste vollwertige Auto. Als Opel nun den Preis auf 1440,- RM senken wollte, untersagte Hitler das: Ein Ami-Unternehmen sollte KEINEN "Volkswagen" anbieten, das sollte allein IHM vorbehalten bleiben ....
Schon vor Kriegsbeginn gab es Lebensmittelrationierungen. Hitler: "Eisen und Stahl haben oft ein Volk groß gemacht, Butter hat es hingegen immer nur fett gemacht." (Oder so ähnlich). Ein britischer Karikaturist zeichnete dazu das Bild einer deutschen Familie, die statt eines Bratens ein Metallrohr zersägt und genüßlich darauf herumkaut: "Hurra!"
Gruß, Rüdiger
Verlorene Gebiete wie das Elsaß - alles vor 1938 --- ...
Advocatus Feminae, Tuesday, 21.09.2004, 21:46 (vor 7807 Tagen) @ Magnus
Als Antwort auf: Das schlimme war nur: von Magnus am 21. September 2004 12:33:57:
Das Elsass wurde 1940 im Krieg besetzt.
Re: Verlorene Gebiete wie das Elsaß - alles vor 1938 --- ...
Magnus, Wednesday, 22.09.2004, 13:10 (vor 7807 Tagen) @ Advocatus Feminae
Als Antwort auf: Verlorene Gebiete wie das Elsaß - alles vor 1938 --- ... von Advocatus Feminae am 21. September 2004 18:46:17:
Das Elsass wurde 1940 im Krieg besetzt.
Ups, das hast du wohl Recht. Da hatte ich wohl was falsch in Erinnerung. Danke für die Korrektur.
Magnus
Re: Die Verlierer der Gesellschaft wählten Radikale
Guildo, Tuesday, 21.09.2004, 16:06 (vor 7808 Tagen) @ Jolanda
Als Antwort auf: Re: Die Verlierer der Gesellschaft wählten Radikale von Jolanda am 21. September 2004 08:17:29:
Hallo, Jolanda!
---Du meinst also, wenn der Mensch keine Vorbilder mehr hat, dann wird er primitiv? Nun ja, Hitler hatte unter anderem ja auch so viel Macht, weil er für alles eine Lösung anbot und auch sofort ein paar Schuldige hatte, die für alles Uebel verantwortlich waren. Suche einen Sündenbock und man wird dir zujubeln, erteile der Masse die Absolution und sie werden für dich kreischen.
Hier geht es nicht um Vorbilder, hier geht es um die eigene Existenz. Wer von der Politik als Schmarotzer abqualifiziert wird und von Arbeitgeberseite als Versager oder Altersschrott entsorgt wird, hat nicht viele Alternativen.
Ich habe mir mal die Positionen der NPD zur Globalisierung herausgesucht:
"12 Thesen zum Globalismus
These 1: Globalismus ist der Versuch, Staaten zu entmachten
Globalismus ist das Bestreben, staatliche Souveränität durch Zerstörung staatlicher Steuerungsmechanismen zu zerstören. Maßgebliche Entscheidungen, die Ausdruck staatlicher Souveränität sind, können nicht mehr getroffen werden, da sie die Wirtschaft eines globalisierten Staates nachhaltig schädigen würden. Globalisierung ist der Prozeß, dessen sich die Globalisten zur Durchsetzung ihrer Ziele bedienen.
These 2: Globalismus ist kein Verteilungskonflikt zwischen Nord und Süd
Die Auswirkungen des Globalismus sind nicht lokal beschränkbar, sie sind global. Lediglich die Fortschritte, die die mit dem Globalismus verbundenen Entdemokratisierungs-, Naturzerstörungs-, Entrechtungs- und Verelendungstendenzen in einzelnen Regionen der Erde gemacht haben, sind gegenwärtig noch unterschiedlich. Auf der Südhalbkugel lassen sich die Auswirkungen des Globalismus, die auch die Nordhalbkugel treffen werden, besonders deutlich beobachten.
These 3: Globalisierung schafft Arbeitslosigkeit
Ziel eines Staates ist es, Vollbeschäftigung zu schaffen. Ziel eines Unternehmens ist es, möglichst große Profite zu erwirtschaften. Globalisierung drängt den Einfluß des Staates zunehmend zurück. An seine Stelle treten die Interessen der Kapitalisten. Diese haben Interesse an einem lokalen Überangebot an Arbeitskräften, da dies die Lohnkosten senkt und sie so auf dem globalen Markt wettbewerbsfähig bleiben und ihre Profite maximieren. Aus diesem Grunde werden weltweit Migrationswellen in Gang gesetzt.
These 4: Globalisierung bedingt Sozialabbau
Durch den grenzenlosen Wettbewerb steigt der Druck auf die Staaten, ihr Sozialsystem zu beseitigen, um so global "wettbewerbsfähiger" zu sein. Infrastrukturelle Vorteile können diesen Druck mildern, aber nicht beseitigen. Die Entwicklungen in der BRD auf diesem Sektor sind auch eine Folge der Globalisierungspolitik der herrschenden Parteien. Statt eines Wachstums des sozialen Wohlstandes schafft diese Politik Massenarmut.
These 5: Globalisierung zerstört die Natur
Der "Kostendruck", den die Globalisierung in allen Bereichen verursacht, wirkt sich auch bei Maßnahmen der Erhaltung der menschlichen Lebensumwelt aus. Wieder stehen sich staatliches Interesse, die Bewahrung der Natur und Volksgesundheit durch Naturschutzmaßnahmen, und wirtschaftliches Interesse, Erlangung von "Wettbewerbsvorteilen" durch Einsparen von Naturschutzmaßnahmen, diametral gegenüber.
These 6: Globalisierung zerstört die menschliche Kultur
Die von den Globalisten hervorgerufenen Migrationsströme führen ebenso wie die Uniformität der Märkte, ihrer Produkte und ihrer Kommunikation, zur Zerstörung gewachsener Sprachen und Kulturen. Brauchtum, Traditionen und Werte werden vom Uniformitätsdruck des globalen "Marktes" überrollt. Die Vielfalt menschlichen Daseins wird vernichtet.
These 7: Keine Globalisierung ohne Lohndumping
Volkswirtschaften, die im schrankenlosen Wettbewerb mit Staaten stehen, deren Bevölkerung durch Kapitalisten brutal ausgebeutet werden, verspüren einen enormen Druck, das eigene Lohnniveau zu senken. Der lange anhaltende Stillstand in der Reallohnentwicklung in der BRD hat auch hierin seine Ursache.
These 8: Globalisierung ist undemokratisch
Die Staatsgewalt muß Ausdruck des Volkswillens sein. Globalisierung verdrängt Staatsgewalt durch Marktgewalt und Kapitalistenherrschaft. Aus Demokratie wird Oligarchie, aus Mitbestimmung wird medial diktierte Fremdbestimmung.
These 9: Globalisierung schafft gesellschaftliche Entsolidarisierung
Globalisierung ist ohne äußere militärische Gewaltanwendung undurchführbar. Sozialabbau, Lohndumping, Steuererhöhungen, Kapitalflucht und Migarationswellen können gegen einen geschlossenen Volkswillen nicht durchgesetzt werden. Globalisierung benötigt daher die totale Atomisierung der Gesellschaft, den schrankenlosen Individualismus.
These 10: Globalismus ist Imperialismus
Während die klassischen Formen des Fremdherrschaftsstrebens sich militärischer Machtmittel bedienten, um den Unterworfenen ihren Willen aufzuzwingen, bedienen sich die Globalisten der modernsten Methoden psychologischer Kriegführung. Die Kontrolle der Wirtschaft verleiht ihnen auch Herrschaft über die Kommunikationskanäle. Tributleistungen werden als Standortstärkung vermarktet.
These 11: Hauptträger des Imperialismus sind die USA
In letzter Konsequenz können auch Globalisierer nicht auf eine militärische Untermauerung ihrer Herrschaftsansprüche verzichten. Sie sind stets bestrebt, Staaten, die eine "Bedrohung" der Interessen der Globalisierer darstellen könnten, als "Schurkenstaaten" zu diffamieren und zu unterwerfen. Eine reale Bedrohung stellen nach Auffassung der Globalisierer Staaten dar, die dem Spekulationskapital Hindernisse in den Weg legen, die Kapitalbesitzer an Lohndumping, Sozialabbau und Naturzerstörung zu hindern versuchen, die sich gegen die Verschiebung von Arbeitskräften wehren, die sich gegen eine Ausbeutung ihrer Rohstoffreserven zur Wehr setzen und die flankierende Maßnahmen zur Durchsetzung dieser Politik behindern. Hauptträger des militärischen Globalisierungsimperialismus sind die USA und die ihr hörige NATO, auf wirtschaftlicher Ebene hat in Europa die EU diese Rolle inne.
These 12: Es gibt keine gerechte Globalisierung
Aus den oben genannten Gründen kann es keine "gerechte Globalisierung" geben. Globalisierung ist immer ungerecht, da sie die Interessen weniger Kapitalbesitzer über die Interessen gewachsener Völker stellt."
Jede These beschreibt genau das, was wir momentan in Deutschland erleben. Ich bin sicher, hätte eine der großen Volksparteien diese Thesen in ihr Parteiprogramm aufgenommen, es gebe keine Arbeitslosigkeit und Armut und die NPD wär wieder der "Dritte-Reich-Nostalgie-Verein" mit einigen hundert Wählern.
Ich will hier weder Wahlkampf für die NPD machen, noch habe ich diese Partei gewählt. Aber ich bin seit drei Monaten arbeitslos, mit viel Glück kann ich vielleicht einen Job zur Hälfte meines vorherigen Lohnes ergattern. Wenn sich in einem Jahr nichts ändert, wer weiß? Vielleicht werde ich dann auch primitiv!
Gruß von Guildo
Re: Die Verlierer der Gesellschaft wählten Radikale
Magnus, Tuesday, 21.09.2004, 17:18 (vor 7808 Tagen) @ Guildo
Als Antwort auf: Re: Die Verlierer der Gesellschaft wählten Radikale von Guildo am 21. September 2004 13:06:37:
Hi!
In der Tat: die wesentlichen Thesen der Globalisierung entsprechen der Nr. 3 und der Nr. 4. Im Jahr 2003 gab es ca. 7000 Firmenabwanderungen nach China - nur um das mal zu verdeutlichen. Allein das Kapital, welches letzten Endes immer noch hier erwirtschaftet wird, aber dann ins Ausland abfließt, erzeugt zwangsweise in Krise im eigenen Land.
Allerdings ist dieser Asien Markt auch nicht gesichert. Da die meisten Produktionen in China für den westlichen Markt bestimmt sind, kann hier auf längere Sicht ein Teufelskreis entstehen, weil durch den Abzug der Unternehmen der eigentliche Absatzmarkt zunehmend zunichte gemacht wird. Wer durch Investitionen viel Geld ins Ausland bringt - das Geld von dort aber nicht wieder hierher zurückkommt, verringert die Kaufkraft im Heimatland. Das Geld wird ja schließlich nicht mehr, sondern es wird nur verteilt. Da in China die Menschen 6-7 Tage die Woche mit 10-12 h am Tag arbeiten, 2 Wochen Ferien im Jahr haben, es keine gesetzlichen Krankenversicherungen und auch kein Kündigungsschutz gibt, gibt es nur zwei Möglichkeiten der Firmenabwanderung entgegenzuwirken:
1. Kürzungen des Sozialstaates und Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen -> Verminderung des Lebensstandartes, verminderung der Kaufkraft und entwertung des Absatzmarktes, was wieder eine erneute Abwanderung begünstigt.
2. Verhinderungen der Abwanderung durch Einfuhrzölle, Importbeschränkungen und ähnlichem. Die USA haben z.B. - um IHRE Texttielindustrie zu sichern und im Land zu behalten - eine starke Importbeschränkung für Kleidung aus China eingeführt.
Solange man den Investionsfluss ins Ausland nicht unterbinden kann, wird es weiterhin eine enorme Verschlechterung der einheimischen Wirtschaft geben. Da jetzt Polen zur EU gehört, wird hier vermutlich ähnliches passieren.
Die Tatsache, dass derzeit soviele junge Männer arbeitslos werden liegt daran, dass die Produktionen vorzugsweise nach China oder ins Ausland abwandern und Männer meißt in den Produktionen gearbeitet haben.
Trotzdem: Probleme in China existieren mit Erdölknappheit, Armut der Bauern, dem System, Nahrungsmittelunterproduktion etc., so dass die nächste Krise in Asien vermutlich bevorsteht.
Liest man hingegen Thesen 10 und 11 könnte man meinen, das sind die Positinen der PDS.
Dass die Union nun auch noch von der Position gegen den Türkei-Eintritt abrückt, ist der größte Fehler und führte vermutlich auch zur Protestwahl der NPD.
Warum allerdings die PDS so stark war, wo doch die Brandenburgische Kandidaten sich für eine eventuelle Kriegsreperationsausgleich für Polen aussprach, um auch den Lebensstandard der Polen zu erhöhen, bleibt für mich ein Rätsel. Ist es doch viel wichtiger, erstmal die Probleme im eigenen Land zu lösen - deswegen wäre der Türkeibeitritt ein riesen, wirtschaftlicher Fehler - wie es schon ein wirtschaftlicher Fehler war, Polen u.a. JETZT schon beitreten zu lassen.
SO wird Deutschland jedenfalls nicht seine Probleme lösen können. Was fehlt, ist gesunder Egoismus - und das wird die Menschen weiter in die radikalen Parteien treiben, wenn sie sich von den großen Volksparteien, die offenbar wenig in der Lage sind die volkseigenen Interessen zu vertreten, nicht mehr angesprochen fühlen. Man muss auch ein bißchen Verständnis für die Umstände derer haben, die Angst um ihre Zukunft haben. Politiker haben diese Angst um ihr Gehalt und ihrere gesicherte Rente offenbar nicht, deswegen sind sie auch so eine schlechte Vertretung - wie können sei die Sorgen des Volkes verstehen, wenn sie diese persönlich gar nicht haben müssen?
Magnus
"12 Thesen zum Globalismus
These 1: Globalismus ist der Versuch, Staaten zu entmachten
Globalismus ist das Bestreben, staatliche Souveränität durch Zerstörung staatlicher Steuerungsmechanismen zu zerstören. Maßgebliche Entscheidungen, die Ausdruck staatlicher Souveränität sind, können nicht mehr getroffen werden, da sie die Wirtschaft eines globalisierten Staates nachhaltig schädigen würden. Globalisierung ist der Prozeß, dessen sich die Globalisten zur Durchsetzung ihrer Ziele bedienen.
These 2: Globalismus ist kein Verteilungskonflikt zwischen Nord und Süd
Die Auswirkungen des Globalismus sind nicht lokal beschränkbar, sie sind global. Lediglich die Fortschritte, die die mit dem Globalismus verbundenen Entdemokratisierungs-, Naturzerstörungs-, Entrechtungs- und Verelendungstendenzen in einzelnen Regionen der Erde gemacht haben, sind gegenwärtig noch unterschiedlich. Auf der Südhalbkugel lassen sich die Auswirkungen des Globalismus, die auch die Nordhalbkugel treffen werden, besonders deutlich beobachten.
These 3: Globalisierung schafft Arbeitslosigkeit
Ziel eines Staates ist es, Vollbeschäftigung zu schaffen. Ziel eines Unternehmens ist es, möglichst große Profite zu erwirtschaften. Globalisierung drängt den Einfluß des Staates zunehmend zurück. An seine Stelle treten die Interessen der Kapitalisten. Diese haben Interesse an einem lokalen Überangebot an Arbeitskräften, da dies die Lohnkosten senkt und sie so auf dem globalen Markt wettbewerbsfähig bleiben und ihre Profite maximieren. Aus diesem Grunde werden weltweit Migrationswellen in Gang gesetzt.
These 4: Globalisierung bedingt Sozialabbau
Durch den grenzenlosen Wettbewerb steigt der Druck auf die Staaten, ihr Sozialsystem zu beseitigen, um so global "wettbewerbsfähiger" zu sein. Infrastrukturelle Vorteile können diesen Druck mildern, aber nicht beseitigen. Die Entwicklungen in der BRD auf diesem Sektor sind auch eine Folge der Globalisierungspolitik der herrschenden Parteien. Statt eines Wachstums des sozialen Wohlstandes schafft diese Politik Massenarmut.
These 5: Globalisierung zerstört die Natur
Der "Kostendruck", den die Globalisierung in allen Bereichen verursacht, wirkt sich auch bei Maßnahmen der Erhaltung der menschlichen Lebensumwelt aus. Wieder stehen sich staatliches Interesse, die Bewahrung der Natur und Volksgesundheit durch Naturschutzmaßnahmen, und wirtschaftliches Interesse, Erlangung von "Wettbewerbsvorteilen" durch Einsparen von Naturschutzmaßnahmen, diametral gegenüber.
These 6: Globalisierung zerstört die menschliche Kultur
Die von den Globalisten hervorgerufenen Migrationsströme führen ebenso wie die Uniformität der Märkte, ihrer Produkte und ihrer Kommunikation, zur Zerstörung gewachsener Sprachen und Kulturen. Brauchtum, Traditionen und Werte werden vom Uniformitätsdruck des globalen "Marktes" überrollt. Die Vielfalt menschlichen Daseins wird vernichtet.
These 7: Keine Globalisierung ohne Lohndumping
Volkswirtschaften, die im schrankenlosen Wettbewerb mit Staaten stehen, deren Bevölkerung durch Kapitalisten brutal ausgebeutet werden, verspüren einen enormen Druck, das eigene Lohnniveau zu senken. Der lange anhaltende Stillstand in der Reallohnentwicklung in der BRD hat auch hierin seine Ursache.
These 8: Globalisierung ist undemokratisch
Die Staatsgewalt muß Ausdruck des Volkswillens sein. Globalisierung verdrängt Staatsgewalt durch Marktgewalt und Kapitalistenherrschaft. Aus Demokratie wird Oligarchie, aus Mitbestimmung wird medial diktierte Fremdbestimmung.
These 9: Globalisierung schafft gesellschaftliche Entsolidarisierung
Globalisierung ist ohne äußere militärische Gewaltanwendung undurchführbar. Sozialabbau, Lohndumping, Steuererhöhungen, Kapitalflucht und Migarationswellen können gegen einen geschlossenen Volkswillen nicht durchgesetzt werden. Globalisierung benötigt daher die totale Atomisierung der Gesellschaft, den schrankenlosen Individualismus.
These 10: Globalismus ist Imperialismus
Während die klassischen Formen des Fremdherrschaftsstrebens sich militärischer Machtmittel bedienten, um den Unterworfenen ihren Willen aufzuzwingen, bedienen sich die Globalisten der modernsten Methoden psychologischer Kriegführung. Die Kontrolle der Wirtschaft verleiht ihnen auch Herrschaft über die Kommunikationskanäle. Tributleistungen werden als Standortstärkung vermarktet.
These 11: Hauptträger des Imperialismus sind die USA
In letzter Konsequenz können auch Globalisierer nicht auf eine militärische Untermauerung ihrer Herrschaftsansprüche verzichten. Sie sind stets bestrebt, Staaten, die eine "Bedrohung" der Interessen der Globalisierer darstellen könnten, als "Schurkenstaaten" zu diffamieren und zu unterwerfen. Eine reale Bedrohung stellen nach Auffassung der Globalisierer Staaten dar, die dem Spekulationskapital Hindernisse in den Weg legen, die Kapitalbesitzer an Lohndumping, Sozialabbau und Naturzerstörung zu hindern versuchen, die sich gegen die Verschiebung von Arbeitskräften wehren, die sich gegen eine Ausbeutung ihrer Rohstoffreserven zur Wehr setzen und die flankierende Maßnahmen zur Durchsetzung dieser Politik behindern. Hauptträger des militärischen Globalisierungsimperialismus sind die USA und die ihr hörige NATO, auf wirtschaftlicher Ebene hat in Europa die EU diese Rolle inne.
These 12: Es gibt keine gerechte Globalisierung
Aus den oben genannten Gründen kann es keine "gerechte Globalisierung" geben. Globalisierung ist immer ungerecht, da sie die Interessen weniger Kapitalbesitzer über die Interessen gewachsener Völker stellt."
Jede These beschreibt genau das, was wir momentan in Deutschland erleben. Ich bin sicher, hätte eine der großen Volksparteien diese Thesen in ihr Parteiprogramm aufgenommen, es gebe keine Arbeitslosigkeit und Armut und die NPD wär wieder der "Dritte-Reich-Nostalgie-Verein" mit einigen hundert Wählern.
Ich will hier weder Wahlkampf für die NPD machen, noch habe ich diese Partei gewählt. Aber ich bin seit drei Monaten arbeitslos, mit viel Glück kann ich vielleicht einen Job zur Hälfte meines vorherigen Lohnes ergattern. Wenn sich in einem Jahr nichts ändert, wer weiß? Vielleicht werde ich dann auch primitiv!
Gruß von Guildo
Re: Die Verlierer der Gesellschaft w&37586;lten Radikale
carlos, Wednesday, 22.09.2004, 16:57 (vor 7807 Tagen) @ Magnus
Als Antwort auf: Re: Die Verlierer der Gesellschaft w鋒lten Radikale von Magnus am 21. September 2004 14:18:19:
Servus!
*Allerdings ist dieser Asien Markt auch nicht gesichert. Da die meisten Produktionen in China für den westlichen Markt bestimmt sind, kann hier auf laengere Sicht ein Teufelskreis entstehen, weil durch den Abzug der Unternehmen der eigentliche Absatzmarkt zunehmend zunichte gemacht wird. Wer durch Investitionen viel Geld ins Ausland bringt - das Geld von dort aber nicht wieder hierher zurueckkommt, verringert die Kaufkraft im Heimatland. Das Geld wird ja schliesslich nicht mehr, sondern es wird nur verteilt. Da in China die Menschen 6=7 Tage die Woche mit 10=12 h am Tag arbeiten, 2 Wochen Ferien im Jahr haben, es keine gesetzlichen Krankenversicherungen und auch kein Kuendigungsschutz gibt, gibt es nur zwei Moeglichkeiten der Firmenabwanderung entgegenzuwirken:
1. Kuerzungen des Sozialstaates und Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen -> Verminderung des Lebensstandartes, verminderung der Kaufkraft und entwertung des Absatzmarktes, was wieder eine erneute Abwanderung beguenstigt.
2. Verhinderungen der Abwanderung durch Einfuhrzoelle, Importbeschraenkungen und aehnlichem. Die USA haben z.B. - um IHRE Texttielindustrie zu sichern und im Land zu behalten - eine starke Importbeschraenkung für Kleidung aus China eingefuehrt.
Solange man den Investionsfluss ins Ausland nicht unterbinden kann, wird es weiterhin eine enorme Verschlechterung der einheimischen Wirtschaft geben. Da jetzt Polen zur EU gehört, wird hier vermutlich ähnliches passieren.
Die Tatsache, dass derzeit soviele junge Maenner arbeitslos werden liegt daran, dass die Produktionen vorzugsweise nach China oder ins Ausland abwandern und Männer meißt in den Produktionen gearbeitet haben.
Trotzdem: Probleme in China existieren mit Erdoelknappheit, Armut der Bauern, dem System, Nahrungsmittelunterproduktion etc., so dass die nächste Krise in Asien vermutlich bevorsteht.*
Davon ist vieles richtig, wobei Chinas Hauptproblem das marode Bankensystem mit seinen vielen faulen Krediten ist. Gleichwohl, das Hauptproblem hierzulande wurde Ende der 60=er Jahre geschaffen unter der Aegide des damaligen Dummkopfs Willy Brandt. Weil der einzige faehige Kopf der vorherigen Grossen Koalition, Karl Schiller als Wirtschaftsminister, die verdammte Schuldenmacherei seines neuen Chefs nicht mittragen wollte, wurde er vom zutiefst beleidigten Willy Brandt (der konnte genauso wenig rechnen wie der dicke Kohl: Wirtschaftspolitik und Finanzmathematik waren fuer den Schimpfworte) aus Amt und Wuerden geekelt; dann konnte so richtig in die vollen gegriffen werden, und das wie. Der dilettierende Brandt war der erste richtige Schuldenmacher, den sich Bumsrepublik Dummland gegoennt hatte; aber alle Arschloecher liebten Willy, was nichts anderes bedeutet als: Die beschissensten Politiker fallen nicht vom Himmel wie die sieben biblischen Plagen, sondern werden von einem dummes Land per Wahlkreuz dazu ermaechtigt und immer wieder ermaechtigt (Siehe auch den dicken Kohl). Wir haetten es ja auch anders haben koennen, wenn wir denn wirklich gewollt haetten; damals schon. Willy Brandt aber versprach den Trotteln im Lande, die ihrem Maerchenonkel brav glaubten, nicht nur das Blaue vom Himmel herunter, sondern sorgte in Staat, Verwaltung und Oeffentlichem Dienst fuer eine nie gekannte Aufblaehung. Vom puenktlichen Bezahlen der Rechnungen wetterte allenfalls Franz Josef Strauss (*Solch ein Saustall!*; und Willy war wieder einmal beleidigt...), und so verschob man das Bezahlen auf die übernaechste Generation. Und die sind halt wir. Pech. Unnoetig zu erwaehnen, dass der Schuldenberg jahrzehntelang und bis dato lustig weiter wuchs; seit 1965 wird nicht mehr getilgt, sondern nur noch *umgeschuldet (welch netter Euphemismus: Alte Schulden werden flugs mit neuen bezahlt...)*
Zudem drehte man eins ums andere Mal kraeftiger an der Schraube der Lohnkosten =die allfaelligen Steuern kann Vater Staat praktischerweise ja immer sofort abgreifen= und hob die Sozialabgaben in den Himmel. Was mir dabei nie in den Kopf ging: Von jeder zusaetzlich erstreikten Mark verbleibt beim abhaengig Beschaeftigten maximal 40%. Warum, zum Teufel, haben die Arschficker aus den Gewerkschaften immer nur die armen Unternehmen bestreikt (heute sogar bis in die Pleite) und nicht diesen Wixerstaat und seine Politik? Ich weiss aus Erfahrung um die enttaeuschten Gesichter von Angestellten, wenn sie nach einer Gehaltserhoehung auf den Gehaltszettel blicken.
Willy hat den Leuten die selbstaendige Denke aberzogen. Im Westen hatten wir einen sanften Sozialismus, der Osten hatte einen knallharten. Einem Idioten ist es alle Male lieber, wenn sich an seiner Statt jemand anders den Kopf zerbricht: Taeglich einmal die Bloedzeitung, ein paar Liter Bier und tuechtig was zu fressen, ab und an was zu voegeln (okay... das ist ein Problem...lol), moeglichst viele PS unterm Arsch und ein bis zwei Mal pro Jahr an den Ballermann... das reicht dem Stimmvieh locker aus, und wer als Politiker das hinkriegt, der wird auch gewaehlt; voellig egal, ob er ausschliesslich an seine Wiederwahl oder auch an die Zukunft denkt. Vielleicht kennt ja der eine oder andere von euch den Film *Der Fall Serrano* mit Alain Delon, Klaus Kinski und Ornella Muti; dann wisst ihr, was ich meine. Und heute ist die Sache noch viel schlimmer geworden; heute erleben wir den Niedergang eines ganzes Landes, einer kompletten Kulturnation, die uebersaettigt und unterfordert in Agonie und schleichender Verbloedung erstarrt bleibt.
Bleibt es bei den gegenwaertigen Zustaenden, dann ist es auch kuenftig unmoeglich, Investitionen in China zu verhindern; hierzulande brauchen wir einen Alexander den Grossen, der unseren Gordischen Knoten zerhaut. Niemand weiss auch nur im entferntesten, wie der in Jahrzehnten gewachsene Schuldenberg je wieder abgetragen werden koennte. Ich hoere bereits jetzt schon wieder das Lied einer Waehrungsreform erklingen... Das waere dann die vierte nach 1945 (Die zweite: 1990 der Eins=zu=Eins=Umtausch von Ossimark in Westmark, damit ueber Nacht faktische Gesamtstaatspleite, und 1992 die dritte mit dem Teuro...), nur dass diese vierte uns alle ueber Nacht an den Bettelstab bringen wird.
Dazu kommt eine immer noch zu starke Zuwanderung; nicht etwa benoetigter Fachkraefte hinein in den Arbeitsmarkt, sondern Kostgaenger und Kriminelle aus aller Herren Laender direkt in unsere sozialen Sicherungssysteme und die Knaeste (laut SPD=Henning Voscherau). Das kostet halt. Das Schaerfste: Nach der EU=Osterweiterung hat zwar keiner dort zwar das Recht, bei uns zu arbeiten, aber jeder hat das Recht auf Sozialleistungen (siehe ifo=Bericht), wenn er kommt. Die Konsequenzen lassen sich plastisch und am besten beschreiben mit dem Prinzip des osmotischen Druck in Biologie und Chemie...
Zur Erinnerung: Letztes Jahr im Herbst runzelte die Weltbank ihre Stirn heftigst in Richtung Deutschland wegen seiner Staatsschulden und seiner geringen Investitionsquote, und heuer im April stufte sie Italien, immerhin Euro=Teilnehmer, von Stufe 1 auf Stufe 2 in Sachen Kreditwuerdigkeit herab... Wir kriegen noch die volle Packung und sind wegen unserer jahrzehntelangen Denkfaulheit selber schuld.
*Dass die Union nun auch noch von der Position gegen den Tuerkei-Eintritt abrueckt, ist der groesste Fehler und fuehrte vermutlich auch zur Protestwahl der NPD.*
Die Union? Stimmt das wirklich? Wo hast Du denn das gelesen? Die ganze Erfolgsgeschichte mit der NPD ist zwar nicht nett, aber nachvollziehbar. Vollkommen unter den Tisch faellt das gigantische Abschneiden der perfiden Mauermoerderpartei PDS; aber klar doch: Die ist links, die ist gut, die gehoert ja qua dummdeutscher Absolution mittlerweile zu den Guten, obwohl sich die Partei bei ihren Opfern je weder entschuldigt, noch geschweige denn sie je entschaedigt haette: Aber, den moralinsauren Oberlehrern in der PDS sei Dank, wissen wir: Wir muessen ja Polen entschaedigen. Die PDS ist die reichste Partei Deutschlands; man kann nur schaetzen, wieviel Kohle in die Schweiz und woandershin verschafft worden ist. Und das Erstaunlichste daran: IM Lothar und andere geben die Hans Wurschten in allen Gassen und Talkshows, und der Staat laesst sie voellig in Ruhe. Ich schaetze, wenn die PDS=Oberen auspacken wuerden ueber das Spielchen Wer=Mit=Wem aus der Zeit, als die praktische Mauer noch stand, dann wuerde wohl die halbe Republik in den Knast wandern. Moeglicherweise hat auch noch der eine oder andere volldepperte Geschlechtsgenosse einen dicken Staender gehabt, als er in Brandenburg sein Kreuzerl bei der feschen Spitzenkandidatin der PDS gemacht hat...
*Warum allerdings die PDS so stark war, wo doch die Brandenburgische Kandidaten sich für eine eventuelle Kriegsreperationsausgleich für Polen aussprach, um auch den Lebensstandard der Polen zu erhoehen, bleibt für mich ein Raetsel. Ist es doch viel wichtiger, erstmal die Probleme im eigenen Land zu loesen - deswegen waere der Tuerkeibeitritt ein riesen, wirtschaftlicher Fehler - wie es schon ein wirtschaftlicher Fehler war, Polen u.a. JETZT schon beitreten zu lassen.*
Platte Doofheit, ich sags ja... Die duemmsten Kaelber waehlen ihren Metzger auch noch selbst... Die staatlich verordneten Jubelorgien anlaesslich der EU=Osterweiterung waren ein Paradebeispiel fuer die Bloedheit des Gutmenschen=Poebels, sowie fuer gelungene, staatliche Desinformation und Manipulation. Verheugen in Bruessel hat da leicht jubeln: Er muss den Leuten ja nicht erklaeren, wie das alles bezahlt werden soll. Lassen wir die ethnischen Spannungen, die mit einem Tuerkei-Beitritt zwangslaeufig expoldieren werden, beiseite: Allein die tuerkische Landwirtschaft zu subventionieren wuerde mehr als alle bisherigen Mittel beanspruchen, die auf diesem Sektor bereits heutzutage EU=weit insgesamt und nach der Osterweiterung ausgegeben werden; aber wir habens ja. Dass ich nicht lache: Der Beitritt der Tuerkei liege im Interesse Deutschlands, weil hierzulande so viele Tuerken wohnen. Die Tuerkei waere aus wirtschaftlicher Sicht ausschliesslich interessant als weiterer Produktionsstandort mit Billigloehnen (weswegen Multis ja fuer den Beitritt sind), aber nicht als Kaeufermarkt. Die Leute dort verfuegen gar nicht die Kaufkraft, sich unsere hochwertigen Produkte leisten zu koennen. Und daran wird sich auch ueberhaupt nichts aendern. Was qualifiziert eigentlich einen Idioten wie jenen Verheugen fuer den Posten des EU=Wirtschaftskommissars, wenn der nicht einmal die Grundrechenarten, Prozent= und Dreisatzrechnen beherrscht? Ich wage zu prognostizieren: Rechte und auch rechtsextreme Parteien werden hierzulande noch mehr Zulauf erhalten; Sachsen und Brandenburg waren da erst der Anfang und nicht das Ende. Das mit der Verelendung und dem Abwandern insbesondere grenznaher Arbeitsplaetze = und mittel= und langfristig natürlich nicht nur der grenznahen = hat etwas mit dem erwaehnten osmotischen Druck zu tun und nicht mit Bosheiten oder Vorurteilen: Kein Rauch ohne Feuer, und der Fisch stinkt immer vom Kopf her.
*SO wird Deutschland jedenfalls nicht seine Probleme loesen können. Was fehlt, ist gesunder Egoismus - und das wird die Menschen weiter in die radikalen Parteien treiben, wenn sie sich von den großen Volksparteien, die offenbar wenig in der Lage sind die volkseigenen Interessen zu vertreten, nicht mehr angesprochen fuehlen. Man muss auch ein bisschen Verstaendnis für die Umstaende derer haben, die Angst um ihre Zukunft haben. Politiker haben diese Angst um ihr Gehalt und ihrere gesicherte Rente offenbar nicht, deswegen sind sie auch so eine schlechte Vertretung - wie koennen sei die Sorgen des Volkes verstehen, wenn sie diese persoenlich gar nicht haben muessen?*
Auch das stimmt nicht erst seit gestern. Aber, dank Godwins Gesetz (oder wie der Kerl heisst) landet jede diesbezuegliche Diskussion hierzulande automatisch bei Hitler. Damit ist sie erledigt, die notwendige Diskussion, und wir sind es dank unserem idiotischen Gutmenschen=Selbsthass bald auch...
Jodeldi!
carlos
Re: Die Verlierer der Gesellschaft wählten Radikale
Jolanda, Tuesday, 21.09.2004, 18:17 (vor 7808 Tagen) @ Guildo
Als Antwort auf: Re: Die Verlierer der Gesellschaft wählten Radikale von Guildo am 21. September 2004 13:06:37:
Lieber Guildo
Ja, vielleicht, wer weiss, kann jedem von uns passieren, dass mal nur vorweg.
Scheint menschlich zu sein, da es ja immer wieder passiert. Sei mir nicht böse wenn ich primitiv schreibe, ich könnte auch "einfach" schreiben und primitiv damit meinen.
Ich empfinde es als primitiv, ja. Ich würde auch aus Protest nie rechts wählen. Dann eher ungültig abgeben. Damit ich zu den Wählern zähle, meine Stimme aber nicht zählt.
Aber rechts wählen, das würde ich nicht mal in meiner grössten Verzweiflung, nein.
Ist sehr subjektiv, ist mir schon klar. Aber ich schreibe hier ja auch über meine Ansichten.
Herzlicher Gruss
Jolanda
NPD begeht auch den Fehler, eine "Verschwörung" zu bemühen
Paul, Tuesday, 21.09.2004, 18:20 (vor 7808 Tagen) @ Guildo
Als Antwort auf: Re: Die Verlierer der Gesellschaft wählten Radikale von Guildo am 21. September 2004 13:06:37:
Hi Guildo,
es ist der Tat interessant, diese Thesen beschreiben nicht nur die Probleme der Globalisierung relativ gut, es ist eben auch eine Seltenheit, daß diese so deutlich ausgesprochen werden. Allenfalls von Gruppen am linken Rand des politischen Spektrums ist man dies gewöhnt. Auch dort allerdings mit einer kruden, menschenverachtenden Ideologie im Schlepptau.
Aber die NPD unterliegt, ebenso wie eigentlich auch alle linke Gruppierungen einem gewaltigen Irrtum: Es ist eben keine "Verschwörung" von bösen Kapitalisten, die hinter der Globalisierung und den damit verbundenen Problemen steckt. Im Gegenteil, es ist so, daß es zu diesen Problemen vor allem deshalb kommt, weil _keine_ Absprachen (jedenfalls keine konstruktiven) von Unternehmen und Staaten aufgrund gegenseitiger Konkurrenz geben kann. Ausnahmen in bestimmten Branchen bestätigen wie immer die Regel.
Das klingt zuerst vollkommen unlogisch, ist es aber nicht. Denn man muß sich klar sein, daß der Prozess des Lohndumpings und Sozialabbaus mir nur dann Vorteile (egal ob als Staat oder Unternehmen) bringt, solange es noch irgendjemanden gibt, bei dem dieser Prozess weniger fortgeschritten ist, und an den ich die (billiger) erzeugten Produkte verkaufen kann (d.h. ich brauche ein Exportland, in dem die Bevölkerung über eine relativ hohe Kaufkraft verfügt). Diese Abnehmerländer werden aber ebenfalls verschwinden, da diese längerfristig auch nur zwei Alternativen haben: Sie machen beim Dumping mit, dann sinkt die Kaufkraft deren Bevölkerung ebenfalls. Oder sie verweigern sich dem Dumping, dann verarmen sie aufgrund fehlender Wettbewerbsfähigkeit.
Nun ist es aber spieltheoretisch so, daß die Teilnahme am "Dumping" zumindest einen kleinen Vorteil bietet: Sie ist _relativ_ zur Konkurrenz eine etwas günstigere Strategie, als sich dem globalen Wettbewerb zu verweigern, sofern man nicht weiß, wie sich die Konkurrenz verhält und aufgrund des Wettbewerbs in der Regel auch keine Absprachen mit der Konkurrenz möglich sind (was in der Realität der Fall ist). Dies gilt für Unternehmen ebenso wie für Staaten.
Nennen wir mal die zwei Strategien "Globalisierungteilnahme" und "Globalisierungsverweigerung", und überlegen, wohin sie uns führen, wenn wir _nicht_ wissen, was die Konkurrenz macht (in diesem speziellen Fall aus der Pespektive von Staaten)
"Globalisierungsteilnahme" führt bei
a) Globalisierungsteilnahme der anderen Staaten zu
--> Kurzfristig: Keine Veränderung der Wettbewerbsitutation zu anderen Staaten
--> Langfristig: Vernichtender Wettbewerb zwischen den Staaten
b) Globalisierungsverweigerung der anderen Staaten zu
--> Kurzfristig: Wettbewerbsvorteilen gegenüber der anderen Staaten
--> Langfristig: Andere Staaten fallen aufgrund deren Verarmung infolge von Wettbewerbsunfähigkeit als Nachfrager weg
"Globalisierungsverweigerung" führt bei
a) Globalisierungsteilnahme der anderen Staaten zu
--> Kurzfristig: Wettbewerbsnachteilen im Vergleich zu anderen Staaten
--> Langfristig: Verarmung infolge von Wettbewerbsunfähigkeit
b) Globalisierungsverweigerung der anderen Staaten zu
--> Kurzfristig: Keine Veränderungerung der Wettbewerbsituation
--> Langfristig: Keine Veränbderung der Wettbewerbsitutation
Wenn man sich alle Varianten anschaut, sieht man sofort, daß die einzige Strategie, die mir kurzfristig Vorteile bringen kann "Globalisierungsteilnahme" ist - aber auch nur, solange die Konkurrenz sich der Globalisierung verweigert. Sobald alle diese Strategie fahren, führt diese insgesamt zu einem vernichtenden Wettbewerb.
Ein Unternehmen oder Staat wird allerdings die Strategie wählen müssen, die unabhängig von dem, was die anderen tun, die günstigste ist, und zwar deswegen, weil es aufgrund des Wettbewerbs untereinander keine Vertändigung über die für ALLE beste Strategie gibt. Erschwerend kommt hinzu, daß sowohl in Politik und Unternehmen aufgrund der Wettbewerbssituation auch immer kurzfristiger gedacht wird, also nur bis zu den nächsten Wahlen oder in Bezug auf den "Shareholder value". Wenn man nur die kurzfristigen Ergebnisse der Strategien anschaut, sieht man nämlich, daß "Globalisierungsteilnahme" kurzfristig _mindestens_ ein neutrales Ergebnis bringt, "Globalisierungsverweigerung" _maximal_ ein neutrales Ergebins.
Das ganze sind keine bahnbrechend neuen Überlegungen, und ich wette, daß diese den meisten Verantwortlichen und Wirtschaft und Politik bekannt sind. Allerdings ist es kaum möglich, eine Lösung für dieses Dilemma zu finden, da es unmittelbar mit einer der Grundvoraussetzungen für ein marktwirtschaftliches System, nämlich dem Wettbewerb zusammenhängt. Der Wettbewerb ist nicht nur der Grund, warum dieses System lange Zeit das beste und anpassungsfäähigste aller denkbaren Systeme war, er ist jetzt ironischerweise auch der Grund, warum das System aufgrund veränderter "Umgebungsvariablen" ("Globalisierung" wurde ja primär aufgrund technischer und gesellschaftlicher Veränderungen erst möglich) vor einer seiner schwersten Krisen steht.
Gruss,
Paul
Globalisierung unvermeidlich?
Rüdiger, Wednesday, 22.09.2004, 21:55 (vor 7806 Tagen) @ Paul
Als Antwort auf: NPD begeht auch den Fehler, eine "Verschwörung" zu bemühen von Paul am 21. September 2004 15:20:00:
Hallo Foris,
Aber die NPD unterliegt, ebenso wie eigentlich auch alle linke Gruppierungen einem gewaltigen Irrtum: Es ist eben keine "Verschwörung" von bösen Kapitalisten, die hinter der Globalisierung und den damit verbundenen Problemen steckt. Im Gegenteil, es ist so, daß es zu diesen Problemen vor allem deshalb kommt, weil _keine_ Absprachen (jedenfalls keine konstruktiven) von Unternehmen und Staaten aufgrund gegenseitiger Konkurrenz geben kann.
Das ist so nicht richtig. Seit 1945 hat es immer wieder Welthandelskonferenzen zur Senkung der Zölle gegeben, geboren aus dem alten Geiste des Adam Smith, wonach mehr internationaler Handelsaustausch auch letztlich mehr Wohlstand bedeuten, wenn schon nicht in jedem Land, so doch global. Zumindest dieser Teil der Globalisierung war nicht unvermeidlich, sondern POLITISCH GEWOLLT.
Ich z. B. als Verleger werde wahrscheinlich meinen ersten Bildband nicht in Deutschland drucken lassen, sondern in Lettland. Dort kosten 2000 Stück 7000 Euro, hier über 10.000 Euro. Eine leichte Entscheidung. Ja, mir ist auch klar: Wenn das alle so machen, bricht hier bald die Kaufkraft weg. Aber wenn ich's nicht mache, haben meine lieben Konkurrenten einen Kostenvorteil... Dann sagen die Konsumenten stirnrunzelnd: "Was, 20 Euro für einen Bildband? Da gibt's aber ähnliche von anderen Verlagen für nur 17 Euro!" Und Geiz ist ja bekanntlich geil .... Im Grunde machen wir doch alle dasselbe: Der Supermarktkunde, der statt eines deutschen Hemds für 40 Euro das für 15 Euro aus Hongkong kauft, und der Unternehmer, der sich statt in Deutschland in Estland niederläßt, weil halt dort die Unternehmenssteuern so schön niedrig sind. Wenn's an den Geldbeutel geht, sind wir alle uns selbst die nächsten, alle "unpatriotisch" (Schröder über abwandernde Unternehmer). Diese Abwanderung führt in Deutschland zu einem Kaufkraftverlust, aber in Lettland und Estland zu einem Wohlstandsgewinn. Und irgendwie müssen diese Länder ja aufholen. Auch die Zollunion USA - Mexiko hat zu vorhersagbaren Effekten geführt: Wie bei einem Bewässerungsgraben-Schieber, den man aufmacht, strömt das Wasser (der Reichtum) vom hohen ins niedrige Niveau, bis es sich irgendwann einpendelt. Bitter für die bisher Reichen, gut für die bisher Armen. Ich fürchte, es hilft nichts, gegen diese Vorgänge zu wettern, man muß sehen, wie man das beste daraus macht. Kommen wird es so oder so.
Herzliche Grüße
Rüdiger
Re: Globalisierung unvermeidlich?
Paul, Wednesday, 22.09.2004, 23:12 (vor 7806 Tagen) @ Rüdiger
Als Antwort auf: Globalisierung unvermeidlich? von Rüdiger am 22. September 2004 18:55:32:
Hi Rüdiger,
Du hast natürlich recht, es gab bisher auch immer wieder politische Bemühungen, die den Prozess der "Globalisierung" (bzw. hier im speziellen den Freihandel) zu erleichtern. Das ganze passierte sicherlich zu einem gewissen Teil aus (fehlgeleitetem) Idealismus, weil man tatsächlich dachte, damit etwas Gutes zu tun. Daß es sich bei der zugrundliegendem Denke, der neoklassischen Ökonomie, um ein _in sich geschlossenes Wahnsystem_ handelt, welches mit der Realität so gut wie nichts zu tun hat - was soll man dazu sagen, es ist nicht das erste Mal, das sich Ideologien erst viel zu spät als Fahrkarte in die Katastrophe herausstellen.
Allerdings sollte man auch nicht vergessen, daß hinter vielen dieser vordergründig politischen Entscheidungen nichts anderes als Druck durch mächtige Lobbies steht. Und diese Lobbies vertreten zwar nicht nur Einzelunternehmen, sie kriegen aber nur solange Unterstützung, solange jedes einzelne Unternehmen _für sich_ Vorteile aus der Lobbyarbeit ziehen zu können glaubt. Und in diesem Moment greift eben das spieltheoretische Dilemma wieder, daß man aus Eigennutz eine Politik forciert, die letztendlich für alle langfristig fatal ist. In deinem letzten Absatz zeigst Du ja sehr deutlich, daß in dieser Zwickmühle eben nicht nur große Unternehmer, sondern eigentlich jeder drin steckt, der eine wirtschaftliche Entscheidung treffen muss - sogar jeder einzelne Konsument. Niemand würde klaren Verstandes aber deswegen z.B. auf die Idee kommen, daß es eine "Verschwörung von Konsumenten" gibt, nur noch billige Importware zu kaufen und damit den Binnenmarkt zu schwächen.
Die Feindbilder, egal wie diese geartet sind, verstellen letztendlich nur den Blick auf wirklich funktionierende Lösungen, weil sie das Problem immer bei in einem bestimmten Teilnehmer des Wirtschaftssystems vermuten. Das ist aber m.E. nicht der Fall - der Problem liegt IM System selbst, bzw. in den Wechselwirkungen zwischen allen Teilnehmern. Die Politik, die Gewerkschaften, die Unternehmerverbände - die können sich noch Ewigkeiten gegenseitig die Schuld in die Schuhe schieben, ohne dass dies _irgendetwas_ ändert. Und selbst wenn sich die alle zusammensetzen würden, bringt dies auch nur was, wenn diese Kooperation international erfolgt - was leider wohl erst einmal eine Wunschvorstellung bleiben wird. Vielleicht muß es tatsächlich erst zu einer wirklich großen Krise kommen, bevor man aufwacht.
Gruss,
Paul
Re: Globalisierung unvermeidlich?
Andreas, Thursday, 23.09.2004, 18:52 (vor 7805 Tagen) @ Paul
Als Antwort auf: Re: Globalisierung unvermeidlich? von Paul am 22. September 2004 20:12:05:
Hallo Magnus, Hallo Paul!
Das Ganze wird aber nun arg off-topic. Mir ist ja durchaus klar, daß sich aus den Ausgangsbeiträgen - je nach Interessenlage der Teilnehmer - oftmals Diskussion ergeben, die über das Forenthema hinausgehen. Aber solche Diskussionen sollten das Forenthema nicht zu stark überlagern. Ich erinnere daran, daß sich susu gestern die Mühe gemacht hat, ein eigenes Forum einzurichten. Dort können auch Themen besprochen werden, die nicht unbedingt etwas mit dem Themenkomplex "Gleichberechtigung" zu tun haben.
schöne Grüße
Andreas
Re: Globalisierung unvermeidlich?
Ekki, Thursday, 23.09.2004, 19:19 (vor 7805 Tagen) @ Andreas
Als Antwort auf: Re: Globalisierung unvermeidlich? von Andreas am 23. September 2004 15:52:21:
Hallo Magnus, Hallo Paul!
Das Ganze wird aber nun arg off-topic. ... Ich erinnere daran, daß sich susu gestern die Mühe gemacht hat, ein eigenes Forum einzurichten. Dort können auch Themen besprochen werden, die nicht unbedingt etwas mit dem Themenkomplex "Gleichberechtigung" zu tun haben.
schöne Grüße
Andreas
Hallo Andreas!
Könntest Du mir die URL dieses neuen Forums mitteilen?
Vielen Dank im Voraus!
Gruß
Ekki
Re: Globalisierung unvermeidlich?
Andreas, Thursday, 23.09.2004, 19:30 (vor 7805 Tagen) @ Ekki
Als Antwort auf: Re: Globalisierung unvermeidlich? von Ekki am 23. September 2004 16:19:03:
Hallo Ekki,
Hallo Andreas!
Könntest Du mir die URL dieses neuen Forums mitteilen?
Vielen Dank im Voraus!
Selbstverständlich:
http://www.f27.parsimony.net/forum67817/index.htm
Gruß
Andreas
Genau das ist der Vorgang....
Magnus, Thursday, 23.09.2004, 16:41 (vor 7806 Tagen) @ Rüdiger
Als Antwort auf: Globalisierung unvermeidlich? von Rüdiger am 22. September 2004 18:55:32:
Ich z. B. als Verleger werde wahrscheinlich meinen ersten Bildband nicht in Deutschland drucken lassen, sondern in Lettland. Dort kosten 2000 Stück 7000 Euro, hier über 10.000 Euro. Eine leichte Entscheidung. Ja, mir ist auch klar: Wenn das alle so machen, bricht hier bald die Kaufkraft weg. Aber wenn ich's nicht mache, haben meine lieben Konkurrenten einen Kostenvorteil... Dann sagen die Konsumenten stirnrunzelnd: "Was, 20 Euro für einen Bildband? Da gibt's aber ähnliche von anderen Verlagen für nur 17 Euro!" Und Geiz ist ja bekanntlich geil .... Im Grunde machen wir doch alle dasselbe: Der Supermarktkunde, der statt eines deutschen Hemds für 40 Euro das für 15 Euro aus Hongkong kauft, und der Unternehmer, der sich statt in Deutschland in Estland niederläßt, weil halt dort die Unternehmenssteuern so schön niedrig sind. Wenn's an den Geldbeutel geht, sind wir alle uns selbst die nächsten, alle "unpatriotisch" (Schröder über abwandernde Unternehmer).
Zum einen ist der Anbieter durch das "unpatriotische" Verhalten der Käufer - welches definitiv existiert, da stets ein Preis-Leistungs-Vergleich stattfindet - gezwungen, mit der Konkurrenz gleichzuziehen und billiger zu produzieren, auf der anderen Seite wird dadurch die Wirtschaft hier geschwächt (Druckereien hier müssen schließen-> mehr Arbeitslose, die von Steuern bezahlt werden müssen), was indirekt jedem weniger Geld im Geldbeutel lässt und die Käufer in ihrem "unpatriotischem" Kaufverhalten stärkt. Der Teufelskreis ist somit nur durch politische Maßnahmen aufzuhalten, die z.B. einen solchen Einfuhrzoll auf Produkte dieser Art erhebt, dass sich der Druck im Ausland inklusiv der Überführungskosten nicht mehr lohnt. Gleichzeitig müsste man den Käufer zu einem patriotischem Kaufverhalten überreden - was schwer ist. Das Gütesiegel "Made in Germany" müsste dementsprechend neu bewertet werden. Ich achte in letzter Zeit häufiger auf dieses Zeichen und stelle mit erschrecken fest, welchem Wandel alles unterliegt. So war das Aufladegerät eines Handys vor vier jahren noch "made in Germany", war es bereits vor 2 Jahren "made in china" (und sah genauso aus) - das ist kein Witz.
Diese Abwanderung führt in Deutschland zu einem Kaufkraftverlust, aber in Lettland und Estland zu einem Wohlstandsgewinn.
Klar, das Geld wird umverteilt. Es wird ja nicht im Sinne der Kaufkraft auf der Welt mehr.
Und irgendwie müssen diese Länder ja aufholen.
Wenns geht jedoch, nicht auf unsere Kosten, sondern am besten auf deren Innovationen. So hat es Japan gemacht. Den Markt mit eigenen Erfindungen erobern.
Auch die Zollunion USA - Mexiko hat zu vorhersagbaren Effekten geführt: Wie bei einem Bewässerungsgraben-Schieber, den man aufmacht, strömt das Wasser (der Reichtum) vom hohen ins niedrige Niveau, bis es sich irgendwann einpendelt. Bitter für die bisher Reichen, gut für die bisher Armen. Ich fürchte, es hilft nichts, gegen diese Vorgänge zu wettern, man muß sehen, wie man das beste daraus macht. Kommen wird es so oder so.
Stimmt. Um es ganz klar zu sagen: die junge Generation muss sich auf foldendes einstellen: Unsichere Job+Arbeitslosigkeit (egal welcher Bereich), keine gesicherten Renten und Armut im Alter. Die schwindende Bevölkerung in Deutschland und der fehlende Nachwuchs tut sein übriges (->weniger Absatz für Windeln, Spielzeug, Fahrräder, Autos, weniger kluge Köpfe, weniger Erfindungen+Innovationen -> Untergang eines reichen Landes, von der eigenen Dekadenz besiegt. Feminismus gehört zu dieser Dekadenz.)
Magnus
Re: Genau das ist der Vorgang....
Paul, Thursday, 23.09.2004, 17:17 (vor 7806 Tagen) @ Magnus
Als Antwort auf: Genau das ist der Vorgang.... von Magnus am 23. September 2004 13:41:07:
Hi Magnus,
"Gleichzeitig müsste man den Käufer zu einem patriotischem Kaufverhalten überreden - was schwer ist. "
Das ist nicht nur schwer, das ist praktisch unmöglich. Genauso gut könntest Du übrigens Unternehmen zu patriotischem Verhalten "überreden" versuchen, das klappt genau so wenig. Wie gesagt: Jeder ist sich selbst der nächste, das gilt für Konsumenten genau so wie für Unternehmer.
Ausserdem - obwohl ich wie gesagt nichts von Feindbildern halte - wäre es reichlich unverforen, ausgerechnet vom Konsumenten Patriotismus zu fordern, angesichts der Tatsache, daß die Lohnquote in Deutschland seit Jahren sinkt.
Und man sollte nicht vergessen, daß speziell die niedrigen Einkommensschichten oft überhaupt gar keine Wahl haben "patriotisch" zu handeln, einfach deswegen, weil sie es sich gar nicht leisten könnten. Hartz IV wird diese Problematik noch verschärfen. Man hätte ja an so vielen Ecken sparen können. Beispielsweise werden pro Jahr 15 Mrd. Euro für die offene und versteckte Subventionierung der Kirchen rausgeworfen, nur ca. 400 Mio. fliessen davon tatsächlich in karitative Zwecke. Desweiteren werden rund 30 Mrd. laut Steuerzahlerbund einfach sinnlos verschwendet, hier könnte auch Abhilfe geschaffen werden, in dem man endlich Steuerverschwendung zum Straftatbestand macht. Von anderen Schwachsinnigkeiten, wie dem Erhalt von Arbeitsplätzen in Kohlezechen, bei denen der Erhalt eines Arbeitsplatzes deutlich mehr kostet, als wenn man den Betroffenen ihren Lohn "einfach so" weiterzahlen würde, mal ganz abgesehen.
Genau bei solchen Sachen müsste man ansetzen! Dummerweise würde man sich bei diesen Vorhaben mit Interessengruppen (Kirchen, Gewerkschaften, Beamte) anlegen, bei denen der zu erwartende Widerstand deutlich höher als bei denen ist, die ohnehin am Rande der Gesellschaft stehen. Kurz: Es ist zum Kotzen 
Gruss,
Paul
Re: Genau das ist der Vorgang....
Norbert, Friday, 24.09.2004, 11:12 (vor 7805 Tagen) @ Paul
Als Antwort auf: Re: Genau das ist der Vorgang.... von Paul am 23. September 2004 14:17:49:
Hi
Außerdem sollte man nicht unterschlagen, wie viele Gelder regierungsseitig für alles Mögliche ins Ausland verschenkt wurde und wird.
Vieles noch als versteckte Reparationszahlungen für verlorene Kriege.
Die Politiker hatten/haben die Spendierhosen an, wenn sie irgend etwas im Ausland 'erkaufen' können, wie z.B. die Zustimmung zur deutschen Wiedervereinigung.
Häufig nicht einmal mit irgend einer Gegenleistung.
Aber wir Deutschen müssen weiterhin Buße tun, und unsere vitalen Interessen preisgeben.
Gruß
Norbert
Re: deutsche Aussenpolitik
Peter, Friday, 24.09.2004, 18:12 (vor 7805 Tagen) @ Norbert
Als Antwort auf: Re: Genau das ist der Vorgang.... von Norbert am 24. September 2004 08:12:30:
Außerdem sollte man nicht unterschlagen, wie viele Gelder regierungsseitig für alles Mögliche ins Ausland verschenkt wurde und wird.
Vieles noch als versteckte Reparationszahlungen für verlorene Kriege.
Die Politiker hatten/haben die Spendierhosen an, wenn sie irgend etwas im Ausland 'erkaufen' können, wie z.B. die Zustimmung zur deutschen Wiedervereinigung.
Häufig nicht einmal mit irgend einer Gegenleistung.
Das Grossteil des Geldes ging nach Russsland. Russlands Einwilligung in die Wiedervereinigung war politisch wichtig, insbesondere, weil sie von Frankreich und England nicht gewollt wurde. Die Wiedervereinigung haette sowohl von Russland (militaerisch) als auch von den USA (politisch) gestoppt werden koennen. Da sollten wir froh sein, dass die Russen eher Geld wollten und die USA sich wegen ihrer Groesse auch vor einem wiedervereinigten Deutschland nicht fuerchteten. Auf lange Sicht kommt uns Wiedervereinigung und Abruestung billiger als kalter Krieg.
Aber wir Deutschen müssen weiterhin Buße tun, und unsere vitalen Interessen preisgeben.
Bitte vergiss nicht, wieviel Hass gegen Deutschland noch virulent ist in den ehemals deutsch besetzten Staaten. Deutsche Aussenpolitik ist ein Gang auf duennem Eis. Unsere vitalen Interessen liegen in friedlichem Ausgleich und bluehendem Handel, was am besten durch die EU garantiert wird, und in der EU zahlen die reichen Laender eben mehr ein als die armen. Das heisst nicht, nicht auf eine hoehere Kostenbeteiligung Frankreichs und Englands zu dringen.
Gruss,
Peter
Re: deutsche Aussenpolitik
Norbert, Friday, 24.09.2004, 19:07 (vor 7804 Tagen) @ Peter
Als Antwort auf: Re: deutsche Aussenpolitik von Peter am 24. September 2004 15:12:49:
Außerdem sollte man nicht unterschlagen, wie viele Gelder regierungsseitig für alles Mögliche ins Ausland verschenkt wurde und wird.
Vieles noch als versteckte Reparationszahlungen für verlorene Kriege.
Die Politiker hatten/haben die Spendierhosen an, wenn sie irgend etwas im Ausland 'erkaufen' können, wie z.B. die Zustimmung zur deutschen Wiedervereinigung.
Häufig nicht einmal mit irgend einer Gegenleistung.
Das Grossteil des Geldes ging nach Russsland. Russlands Einwilligung in die Wiedervereinigung war politisch wichtig, insbesondere, weil sie von Frankreich und England nicht gewollt wurde. Die Wiedervereinigung haette sowohl von Russland (militaerisch) als auch von den USA (politisch) gestoppt werden koennen. Da sollten wir froh sein, dass die Russen eher Geld wollten und die USA sich wegen ihrer Groesse auch vor einem wiedervereinigten Deutschland nicht fuerchteten. Auf lange Sicht kommt uns Wiedervereinigung und Abruestung billiger als kalter Krieg.
Aber wir Deutschen müssen weiterhin Buße tun, und unsere vitalen Interessen preisgeben.
Bitte vergiss nicht, wieviel Hass gegen Deutschland noch virulent ist in den ehemals deutsch besetzten Staaten. Deutsche Aussenpolitik ist ein Gang auf duennem Eis. Unsere vitalen Interessen liegen in friedlichem Ausgleich und bluehendem Handel, was am besten durch die EU garantiert wird, und in der EU zahlen die reichen Laender eben mehr ein als die armen. Das heisst nicht, nicht auf eine hoehere Kostenbeteiligung Frankreichs und Englands zu dringen.
Gruss,
Peter
Hi Peter.
So lange der Hass gegen Deutschland sich in klingender Münze von Deutschland auszahlt, wird er nicht weniger werden.
Fast 60 Jahre nach Kriegsende.
Wie viel Prozent der heutigen Politiker oder Einwohner waren da schon geboren, geschweige denn politisch verantwortlich?
Ich halte es für ausgemachten Schwachsinn, immer als Büßer aufzutreten, ganz besonders wenn man erst lange nach diesem Krieg geboren wurde.
Und wenn man sieht, welchen Einfluß z.B. Frankreich in der EU hat, und um wie viel geringer der von Deutschland ist, dann wundert man sich irgenwann auch nicht mehr, dass Frankreich Nettonehmer und Deutschland Nettozahler ist.
Und das Lebensniveau von Deutschland gehört längst nicht mehr zur Spitzengruppe, eher zum unteren Mittelfeld.
Aber wir zahlen lustig weiter?
Im Gegensatz z.B. zu Dänemark.
Ca. 25% des EU-Haushalts berappt Deutschland, mit ca. 80 Mio Einwohnern, bei ca. 480 Mio Einwohnern in der EU.
Während andere Staaten (bei denen nebenbei, nicht wenige auch genügend Dreck am Stecken haben) lächelnd die Hand aufhalten, aber sich über die bösen Deutschen beschweren?
Auch hier funktioniert die Taktik: böses Gewissen schaffen, Hand aufhalten.
Kennen wir auch von anderen Themen.
Nein, deutsche Politiker wollten England in der EU haben, zahlten auch dafür, weil England ja soooo arm ist. schon seit mehr als 20 Jahren.
Und hierfür gibt es noch etliche andere, ähnlich gelagerte Fälle.
Deutsche Politiker sind nicht gewillt und gewohnt, die Interessen der Deutschen gegenüber dem Egoismus anderer Staaten in angemessener Weise zu vertreten. Sie erkaufen es sich lieber, auf Kosten der eigenen Bürger.
Und damit sollte einmal Schluß sein.
Gruß
Norbert
Zur Verteidigung des Kapitalismus (@ Guildo, Paul, Rüdiger, Magnus, Carlos)
Daddeldu, Friday, 24.09.2004, 03:48 (vor 7805 Tagen) @ Guildo
Als Antwort auf: Re: Die Verlierer der Gesellschaft wählten Radikale von Guildo am 21. September 2004 13:06:37:
Hallo,
ich habe Euch eine Antwort ins Metaforum Neben den Geschlechtern geschrieben.
Gruß, Daddeldu
Re: Verlierer wählten Radikale ... wen wunderts?
Eugen Prinz, Tuesday, 21.09.2004, 16:34 (vor 7808 Tagen) @ Jolanda
Als Antwort auf: Re: Die Verlierer der Gesellschaft wählten Radikale von Jolanda am 21. September 2004 08:17:29:
>wundert mich nicht. Beraubt man das Individuum sämtlicher Handlungsmöglichkeiten, dann kollabiert oder explodiert es. Wer weiß, ob es noch eine Wahl gibt.
Eugen[/i]
---Du meinst also, wenn der Mensch keine Vorbilder mehr hat, dann wird er primitiv?
Nein, das habe ich nicht gemeint.
Wir haben bei uns einerseits eine staatliche Überregulierung, andererseits eine steigende Arbeitslosigkeit. Durch beides werden die Kontroll- und Handlungsbedürfnisse der Individuen stark eingeschränkt. Da werden sie entweder depressiv oder cholerisch. Das bedeutet auf politischer Ebene: Sie wählen nicht mehr, ziehen sich in private Konsumwelten zurück. Oder sie wählen radikal, wenn sie nicht gleich Häuser anzünden und harmlose Leute totschlagen.
Hitler hat den Menschen Handlungs- und Kontrollmöglichkeiten geboten - im Arbeitsdienst, in der Wehrmacht, gegen die Juden, gegen die Intellektuellen; wenn man so will: Ventile gegen den Frust des verlorenen Weltkrieges und der Arbeitlosigkeit, und als Entschädigung für den Verlust der politischen Freiheiten und die Gleichschaltung. Das haben sie nicht durchschaut, jedenfalls zu wenige, und so kam es zur Katastrophe.
Die Politik hierzulande muss den Menschen brauchbare Perspektiven bieten, oder sie wenigstens nicht daran hindern, welche zu entwickeln, dann brauchen die Politiker auch nicht dauernd das Gespenst Hitlers an die Wand zu malen.
Von diesen Perspektiven interessiert mich vor allem der Teilbereich des Geschlechterverhältnisses. Den jungen Frauen werden Perspektiven geboten. Sie werden großgeschwätzt, sie kriegen Quoten und Ministerien, sie kriegen einen girls-day und rote Teppiche ins Internet, sie kriegen eine bevorzugte Gesundheitsführsorge, dürfen zum Militär und müssen garnichts mehr.
Wenn man den jungen Männer all dies verweigert, dann wundert es mich nicht, wenn sie radikal wählen.
Eugen
Re: Verlierer wählten Radikale ... wen wunderts?
Jolanda, Tuesday, 21.09.2004, 18:23 (vor 7808 Tagen) @ Eugen Prinz
Als Antwort auf: Re: Verlierer wählten Radikale ... wen wunderts? von Eugen Prinz am 21. September 2004 13:34:26:
--- und damit kann man etwas ändern, indem man die Rechten stärkt?
Kann mir das jemand erklären, ich scheine hier zu doof dafür zu sein. Ich meine, einfach nur Rechts wählen, damit man seinem Missmut genüge getan hat, das kann es ja nicht sein ...oder?
Was ändere ich damit wirklich, indem ich fremdenfeindliche Parteien wähle? Brauche ich um meinen Protest gegen aussen zu manifestieren, brauche ich dafür Menschen, die dann darunter leiden, z.B. Ausländer?
Oder denkt ihr, das hat auf die Ausländer keinen Einfluss, wenn die rechten Kräfte verstärkt werden?
Ich lasse mich ja gerne eines besseren belehren, ich möchte einfach gerne verstehen, was dieser Prodest dennn schlussendlicht bewirken soll?
Herzlicher Gruss
Jolanda
Re: Verlierer wählten Radikale ... wen wunderts?
Eugen Prinz, Tuesday, 21.09.2004, 19:38 (vor 7807 Tagen) @ Jolanda
Als Antwort auf: Re: Verlierer wählten Radikale ... wen wunderts? von Jolanda am 21. September 2004 15:23:59:
<i/>--- und damit kann man etwas ändern, indem man die Rechten stärkt?[/i]
Wer stärkt sie denn? Die Politik treibt die Wähler den radikalen Parteien in die Arme.
Kann mir das jemand erklären, ich scheine hier zu doof dafür zu sein. Ich meine, einfach nur Rechts wählen, damit man seinem Missmut genüge getan hat, das kann es ja nicht sein ...oder?
Das musst du die Rechten fragen, nicht mich.
Oder denkt ihr, das hat auf die Ausländer keinen Einfluss, wenn die rechten Kräfte verstärkt werden?
Ich lasse mich ja gerne eines besseren belehren, ich möchte einfach gerne verstehen, was dieser Prodest dennn schlussendlicht bewirken soll?
Herzlicher Gruss
Jolanda
Das ist doch ganz einfach. Man hat eben protestiert. Man hat "denen da oben" einen Denkzettel gegeben. Die Leute haben ja nur die Wahl, die Parteien zu wählen oder sie nicht zu wählen. Wenn die Leute gar nicht wählen gehen, dann liegt das m.E. daran, dass die Politik nichts anbietet, was man wählen kann. Es ist bei uns nicht vorgesehen, dass man Parteien abwählen darf. Also machen es die Leute mit dem Mittel der Protestwahl, d.h. sie nehmen den amtierenden Parteien wenigstens Stimmen weg, entziehen ihnen Legitimität. Bei den letzte Wahlen in Bayern rühmte sich die CSU, soweit ich mich erinnere, einer satten Mehrheit. Tatsächlich regiert sie, betrachtet man die Wahlbeteiligung, mit den Stimmen von gerade mal etwa 25% der Wähler. Da dünkt es manchen doch besser, irgendeine Scheißpartei zu wählen, in der Hoffnung, dass die etablierten sich etwas in Bewegung setzen.
Das zu verstehen oder zu erklären, heißt nicht, es zu rechtfertigen oder gar zu billigen. Ich hoffe, du verstehst den Unterschied.
Gruß, Eugen
Re: Verlierer wählten Radikale ... wen wunderts?
Ferdi, Tuesday, 21.09.2004, 21:38 (vor 7807 Tagen) @ Eugen Prinz
Als Antwort auf: Re: Verlierer wählten Radikale ... wen wunderts? von Eugen Prinz am 21. September 2004 16:38:02:
Hallo zusammen!
Die deutschen Politiker sind inzwischen dermassen abgekocht, dass sie nichts mehr erschüttern kann, ausser ein starkes Wahlergebnis für rechtsradikale Parteien. Das ist das einzige, was denen die Bohnen aus den Ohren knallt, auf Grund derer sie des Volkes Stimme schon lange nicht mehr wahrnehmen. Denn wenn eine Hartz-IV-Befürworterpartei bei einer Landtagswahl fast das gleiche Ergebnis hat wie eine braune Rechtsaussenpartei, dann wirkt das wie eine Atomexplosion in den zugehartzten Gehörgängen dieser selbstgefälligen und sich selbst beweihräuchernden Bande.
Sehr interessant in diesem Zusammenhang ist das, was ein Meinungsforscher am Wahlabend im Fernsehen gesagt hat. Das Forschungsinstitut hat Wähler interviewt, die aus den Wahllokalen herauskamen. Von denen, die zugegeben haben, NPD gewählt zu haben, sagten über 95%, dass sie diese Partei ablehnten und keine braune Gesinnung hätten, dass sie aber keine andere Möglichkeit sehen, den Politikern ihr Nichteinverständnis mit der herrschenden Politik vernehmlich klarzumachen. Also reine Protestwähler und keine Gesinnungswähler.
Uns fehlt in Deutschland direkte Demokratie, also die Möglichkeit, Volksbegehren und Volksentscheide einzuleiten und durchzuführen. Die Berufspolitker lehnen das aus sehr nachvollziehbaren Gründen ab und fühlen sich daher auf ihren unverhartzten Plätzen an den Fleischtöpfen des Landes sehr sicher - bis ihnen nun die Wähler fast 10%ige Ergebnisse der rechtsradikalen Parteien um die Ohren gehauen haben.
Das ist der Grund für die hohen Wahlergebnisse von NPD und DVU, und nicht eine grassierende Ausländerfeindlichkeit oder braune Gesinnung.
Gruss,
Ferdi
Re: Verlierer wählten Radikale ... wen wunderts?
Eugen Prinz, Tuesday, 21.09.2004, 22:17 (vor 7807 Tagen) @ Ferdi
Als Antwort auf: Re: Verlierer wählten Radikale ... wen wunderts? von Ferdi am 21. September 2004 18:38:11:
Hallo Ferdi,
Sehr interessant ...Von denen, die zugegeben haben, NPD gewählt zu haben, sagten über 95%, dass sie diese Partei ablehnten und keine braune Gesinnung hätten, dass sie aber keine andere Möglichkeit sehen, den Politikern ihr Nichteinverständnis mit der herrschenden Politik vernehmlich klarzumachen. Also reine Protestwähler und keine Gesinnungswähler.
Eben! Den Wahlzettel als Denkzettel.
Uns fehlt in Deutschland direkte Demokratie, also die Möglichkeit, Volksbegehren und Volksentscheide einzuleiten und durchzuführen. ...
Das ist der Grund für die hohen Wahlergebnisse von NPD und DVU, und nicht eine grassierende Ausländerfeindlichkeit oder braune Gesinnung.
Gruss,
Ferdi
genau so sehe ich das auch. Mit den fehlenden Mitbestimmungsmöglichkeiten hast du einen weiteren wichtigen Punkt genannt. Es gäbe hunderte von Fragen die - wenigstens auf kommunaler, regionaler oder Länderebene - zur Abstimung gebracht werden könnten.
Auch dir einen Gruß,
Eugen
Re: Verlierer wählten Radikale ... wen wunderts?
Max, Monday, 27.09.2004, 18:30 (vor 7801 Tagen) @ Eugen Prinz
Als Antwort auf: Re: Verlierer wählten Radikale ... wen wunderts? von Eugen Prinz am 21. September 2004 19:17:27:
Hallo Ferdi, hallo Eugen,
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Sehr interessant ...Von denen, die zugegeben haben, NPD gewählt zu haben, sagten über 95%, dass sie diese Partei ablehnten und keine braune Gesinnung hätten, dass sie aber keine andere Möglichkeit sehen, den Politikern ihr Nichteinverständnis mit der herrschenden Politik vernehmlich klarzumachen. Also reine Protestwähler und keine Gesinnungswähler.
Eben! Den Wahlzettel als Denkzettel.
Uns fehlt in Deutschland direkte Demokratie, also die Möglichkeit, Volksbegehren und Volksentscheide einzuleiten und durchzuführen. ...
Das ist der Grund für die hohen Wahlergebnisse von NPD und DVU, und nicht eine grassierende Ausländerfeindlichkeit oder braune Gesinnung.
Gruss,
Ferdi[/i]
genau so sehe ich das auch. Mit den fehlenden Mitbestimmungsmöglichkeiten hast du einen weiteren wichtigen Punkt genannt. Es gäbe hunderte von Fragen die - wenigstens auf kommunaler, regionaler oder Länderebene - zur Abstimung gebracht werden könnten.
Auch dir einen Gruß,
Eugen
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...eine direkte Demokratie wäre das allerletzte, was wir uns wünschen sollten. Euereiner fragt: "Warum?"
Dazu muß man sich das Volk nur mal genau anschauen und sieht den Horror förmlich aufsteigen. Wie hoch ist die Auflage der BILD?
Wieviel ahnungslose Klugscheisser rennen da draußen rum und meinen, sie hätten die Weisheit mit Löffeln gefressen, weil sie sich ja eine Meinung geBILD haben? Was soll dabei rauskommen, wenn ein Volk direkt entscheidet, das zu dämlich ist, eine dreispurige Autobahn effizient zu nutzen? Kluge Entscheidungen etwa? Harr-harr-harr...
Ich sage euch was anderes: Deutschland braucht eine konstitutionelle Monarchie! Mit einem gütigen, weisen König an der Spitze, einem Wächter, der darüber wacht, daß unter ihm eine parlamentarische Demokratie funktioniert, so wie sie im Grundgesetz mal vorgesehen gewesen ist. Das ist alles, was der deutsche Untertan braucht. Das Volk selbst entscheiden lassen? Grundgütiger! Was für ein bizarrer Einfall...
Übrigens: Ich würde mich für den Königsjob schon opfern...wo ich doch derartig den Durchblick schiebe.
Staatstragend - Max
Re: Verlierer wählten Radikale ... wen wunderts?
Odin, Tuesday, 21.09.2004, 23:02 (vor 7807 Tagen) @ Ferdi
Als Antwort auf: Re: Verlierer wählten Radikale ... wen wunderts? von Ferdi am 21. September 2004 18:38:11:
Uns fehlt in Deutschland direkte Demokratie, also die Möglichkeit, Volksbegehren und Volksentscheide einzuleiten und durchzuführen. Die Berufspolitker lehnen das aus sehr nachvollziehbaren Gründen ab und fühlen sich daher auf ihren unverhartzten Plätzen an den Fleischtöpfen des Landes sehr sicher - bis ihnen nun die Wähler fast 10%ige Ergebnisse der rechtsradikalen Parteien um die Ohren gehauen haben.
Das ist der Grund für die hohen Wahlergebnisse von NPD und DVU, und nicht eine grassierende Ausländerfeindlichkeit oder braune Gesinnung.
Nun, das Verhalten der Wähler, gerade bei diesen Wahlen, zeigt aber sehr deutlich, daß es gut ist, daß sie so wenig mitzubestimmen haben. Wenn ich als erwachsener Mensch beleidigte Leberwurscht spiele und sage: Jetzt gebe ichs denen aber und wähle NPD, aber hoffentlich sind wir nicht zu viele - dann frage ich mich (wie schon lange) nach der Demokratiefähigkeit unserer Bevölkerung und insbesondere derjenigen im Osten.
Re: Verlierer wählten Radikale ... wen wunderts?
Eugen Prinz, Tuesday, 21.09.2004, 23:28 (vor 7807 Tagen) @ Odin
Als Antwort auf: Re: Verlierer wählten Radikale ... wen wunderts? von Odin am 21. September 2004 20:02:08:
Nun, das Verhalten der Wähler, gerade bei diesen Wahlen, zeigt aber sehr deutlich, daß es gut ist, daß sie so wenig mitzubestimmen haben. Wenn ich als erwachsener Mensch beleidigte Leberwurscht spiele und sage: Jetzt gebe ichs denen aber und wähle NPD, aber hoffentlich sind wir nicht zu viele - dann frage ich mich (wie schon lange) nach der Demokratiefähigkeit unserer Bevölkerung und insbesondere derjenigen im Osten.
Hallo Odin,
ich bin mir ganz sicher, dass wir in der Bewertung der NPD keine Differenzen haben. Und natürlich - es ist ein Balanceakt, wenn man als Wähler "taktiert". Aber man wird ja dazu gezwungen.
Mir ist auch mal sowas passiert. Als die Grünen gerade im Aufkommen waren, da dachte mir: Jetzt wählst du die Grünen, damit die etablierten Parteien gezwungen werden, ökologische Fragen endlich anzugehen. Das Ergebnis kennst du: Die Etablierten wurden plötzlich ganz grün (vor Neid über die vielen Stimmen, die die Grünen bekamen), und die Grünen wurden furchtbar etabliert und belästigen uns nun mit geistiger Umweltverschmutzung in Frauen- und Männerfragen.
Was in unserer Debatte hier ausgelassen wird - vom Protestwahlverhalten hat nicht nur die NPD profitiert, sondern z.B. auch in ganz erheblichem Maße die Familienpartei. Die haben für mein Dafürhalten auch ein paar sehr extreme Positionen, aber darüber regt sich komischerweise niemand auf.
Einen schönen Gruß von Eugen
Re: Verlierer wählten Radikale ... wen wunderts?
Ferdi, Wednesday, 22.09.2004, 17:11 (vor 7807 Tagen) @ Odin
Als Antwort auf: Re: Verlierer wählten Radikale ... wen wunderts? von Odin am 21. September 2004 20:02:08:
Hallo Odin, guten Tag zusammen!
Verwechselst Du nicht Ursache und Wirkung? Die Wähler haben doch nur die rechtsradikalen Parteien gewählt, weil sie eben nicht die wesentlich besseren Instrumente des Volksbegehrens und Volksentscheides haben und ihnen anders keiner mehr zuhört. Ihnen jetzt zu unterstellen, es wäre besser, dass sie nicht mehr mitzubestimmen hätten, bedeutet doch, dass Du ihnen Urteilsfähigkeit absprichst. Gäbe es diese basisdemokratischen Elemente, hätte wohl niemand oder kaum jemand diese Parteien gewählt. Aber da in einem solchen Falle die Politiker nicht mehr machen könnten was sie wollten, weigern sie sich beharrlich, diese demokratischen Elemente einzuführen. Sie haben Angst vor dem Souverän "Volk".
Demokratiefähigkeit kann eine Bevölkerung erst beweisen, wenn sie die Möglichkeiten dazu hat. Dass Basisdemokratie funktioniert, zeigt uns doch die Schweiz. Dort fällen die Stimmbürger durchaus akzeptable und praktikable Entscheidungen. Ausserdem bezweifele ich doch sehr, dass unsere Politiker fachlich qualifizierter sind, ein grosses Land zu regieren, als das Volk. Die sind vielmehr nur an ihren eigenen Pfründen interessiert.
Gruss,
Ferdi
Re: Verlierer wählten Radikale ... wen wunderts?
Jolanda, Wednesday, 22.09.2004, 17:35 (vor 7807 Tagen) @ Ferdi
Als Antwort auf: Re: Verlierer wählten Radikale ... wen wunderts? von Ferdi am 22. September 2004 14:11:13:
Hallo zusammen
Ja, wir haben in der Schweiz die Möglichkeit gegen Beschlüsse der Regierung ein Referendum einzureichen, wir müssen dann eine bestimmte Anzahl Unterschriften in einer bestimmten Zeit sammeln und dann kommt es zu einer Volksabstimmung. Wir können also Beschlüsse sehr wohl korrigieren, indem wir eine Volksabstimmung erzwingen.
Das geschieht gerade wegen dem Betäubungsmittelgesetz, unser Bundesrat möchte ja Hanf in dem Sinne legalisieren, dass es straffrei unter gewissen Bedingungen abgegeben werden darf.
Man möchte es auf eine ähnliche Stufe stellen, wie den Alkohol, zumal in der Schweiz sehr viele Menschen kiffen. Man möchte die nicht alle "kriminalisieren". Es wurden über Jahre viele Studien gemacht und man ist zur Erkenntnis gekommen, dass diese ganze restrektive Drogenpolitik nichts gebracht hat. Dass die neuen Wege viel grössere Erfolge aufzeigen, also wollte man mutig diesen Schritt gehen.
Aber ein paar konservative Kräfte haben es geschafft, dass es bei der Abstimmung ich bin nun nicht mehr sicher, vom National- oder vom Ständerat, abgelehnt wurde.
Und nun kommt die Bevölkerung und sagt, wir wollen das selber bestimmen, wir wollen darüber abstimmen, wir das Volk werden das entscheiden.
Das hat Vorteile für uns, das Volk, ja. Aber dieses System macht es dem Bundesrat oft auch nicht leichter unpopuläre Gesetze durchzubringen. Es dauert dann alles einfach viel länger.
Zudem ist der Schweizer Wähler schon eher noch konservativ, wir haben es noch immer nicht geschafft, eine Mutterschaftsversicherung per Gesetz zu verankern, obwohl wir seit 50 Jahren die Order dazu hätten.
Also wir haben schon noch starke konservative Kräfte in unserem Land. Das mag manchmal gut sein, aber manchmal auch sehr mühsam.
Ich finde unser System jedoch ganz gut. Doch, ich finde es schon gut, dass wir so viel mitbestimmen können. Und wenn man so vergleicht mit anderen Ländern, ich denke, dann fahren wir gar nicht so schlecht.
Herzlicher Gruss
Jolanda
Re: Verlierer wählten Radikale ... wen wunderts?
Joseph S, Tuesday, 21.09.2004, 23:39 (vor 7807 Tagen) @ Ferdi
Als Antwort auf: Re: Verlierer wählten Radikale ... wen wunderts? von Ferdi am 21. September 2004 18:38:11:
Hallo Ferdi,
Deine Motivationsanalyse der Rechtswähler halte ich für vollkommen richtig.
Ich habe nur darauf hingewiesen, wer anscheinend Grund zum Protestieren hat.
Gruß
Joseph
Re: Verlierer wählten Radikale ... wen wunderts?
Christian, Tuesday, 21.09.2004, 22:35 (vor 7807 Tagen) @ Jolanda
Als Antwort auf: Re: Verlierer wählten Radikale ... wen wunderts? von Jolanda am 21. September 2004 15:23:59:
Hallo Jolanda,
--- und damit kann man etwas ändern, indem man die Rechten stärkt?
Was hat überwiegend die Frauen in den 70er Jahren dazu getrieben dass sie zu TerroristInnen wurden und Politiker, Wirtschaftsbosse usw. ermordet haben und Sprengstoffanschläge verübten?
Für Alles gibt es eine Erklärung bzw. Ursachen und wenn man nur die Menschen beschimpft und die Ursachen einfach ignoriert, dann kommt es eben zum Protest bzw. zur Gewalt!
fragt und meint,
Christian
Re: Verlierer wählten Radikale ... wen wunderts?
Jolanda, Wednesday, 22.09.2004, 05:25 (vor 7807 Tagen) @ Christian
Als Antwort auf: Re: Verlierer wählten Radikale ... wen wunderts? von Christian am 21. September 2004 19:35:31:
Hallo Christian,
Was hat überwiegend die Frauen in den 70er Jahren dazu getrieben dass sie zu TerroristInnen wurden und Politiker, Wirtschaftsbosse usw. ermordet haben und Sprengstoffanschläge verübten?
--Ja was denn? Weisst du es? Ich weiss es nicht, was einen Menschen wirklich dazu bewegen kann andere Menschen zu ermorden. Ich weiss es nicht Christian.
Zudem sage ich ja nicht, dass Menschen nicht immer wieder so was tun, überall, nur finde ich es nicht gut, das ist alles.
Klar haben Menschen Gründe, dass sie etwas tun. Nur gibt es doch Grenzen oder gibt es die nicht!?
Ich meine, man ist unzufrieden mit der Regierung und will das bei den Wahlen kund tun. Das kann ich ja verstehen, sicher. Nur ich habe mich gefragt, ob es da nur diese eine Möglichkeit gibt, dass man "rechts" wählt?!
Gibt es keine andere Möglichkeit. Wie ist es denn, wenn man ungültig stimmt. Dann zählt man zum Wähleranteil, aber die Stimme zählt nicht. Ist das zu wenig? Ich meine, wenn man den Parteien keine Stimmen gibt. Wenn viele Wählen gehen, aber die Stimmen nicht zählen, ist das nicht auch ein Prodest?
Ich kann den Protest verstehen, ich würde aber deswegen nicht "rechts" wählen, für mich ist das eine Grenze, die ich nicht überschreiten würde.
Für Alles gibt es eine Erklärung bzw. Ursachen und wenn man nur die Menschen beschimpft und die Ursachen einfach ignoriert, dann kommt es eben zum Protest bzw. zur Gewalt!
Ich finde Protest auch in Ordnung, Gewalt weniger, bin mir aber bewusst, dass ein Pulverfass eben auch mal explodieren kann. Ich frage mich nur, ob es nicht andere Wege gibt sich zu wehren und zu protestieren.
Freundlicher Gruss
Jolanda
Es wird ja auch mit ihnen radikal umgegangen (1-Euro-Jobs etc)
Sven, Tuesday, 21.09.2004, 11:39 (vor 7808 Tagen) @ Joseph S
Als Antwort auf: Die Verlierer der Gesellschaft wählten Radikale von Joseph S am 20. September 2004 22:48:22:
also braucht man sich da nicht zu wundern...
... wurde heute in den Nachrichten über die Wahlen in Serbien berichtet.
In Sachsen und Brandenburg soll der Zuspruch der NPD und DVU bei den jungen Männern am größten
gewesen sein.
Gruß
Joseph
Re: Die Verlierer der Gesellschaft wählten Radikale
Jeremin, Tuesday, 21.09.2004, 13:15 (vor 7808 Tagen) @ Joseph S
Als Antwort auf: Die Verlierer der Gesellschaft wählten Radikale von Joseph S am 20. September 2004 22:48:22:
Das war die reine Protestwahl. Ich habe mich mit vielen unterhalten und ziemlich viele hatten mit einer Stimme PDS und mit der anderen NPD gewählt.
Re: Die Verlierer der Gesellschaft wählten Radikale
pit b., Tuesday, 21.09.2004, 15:18 (vor 7808 Tagen) @ Joseph S
Als Antwort auf: Die Verlierer der Gesellschaft wählten Radikale von Joseph S am 20. September 2004 22:48:22:
Also ich habe in den Sat.1 Nachrichten, glaube ich, eine Statistik gesehen.
Die Radikalen wurden irgendwo zu 17% von 17-29 Jährigen gewählt.
So, wenn ich das richtig verstanden habe waren von diesen 17% der jungen Radikalwähler 20% Männer. Das wurde besonders hervorgehoben.
"Ganze 20% waren Männer"
Jetzt könnte es sein das ich das falsch verstanden habe weil, wenn 20% der jungen Radikalwähler Mäner sind, dann mussten doch 80% Frauen sein.
Das wurde aber nicht angedeutet.
Re: Die Verlierer der Gesellschaft wählten Radikale
Joseph S, Tuesday, 21.09.2004, 23:38 (vor 7807 Tagen) @ pit b.
Als Antwort auf: Re: Die Verlierer der Gesellschaft wählten Radikale von pit b. am 21. September 2004 12:18:23:
Hallo pit b,
Zahlen habe ich deswegen nicht genannt, weil ich das ganze nur im Radio gehört habe.
Dort habe ich das so verstanden, daß ca 20% der jungen Männer rechts gewählt haben,
und somit in dieser Bevölkerungsgruppe der höchste Rechtswähleranteil ist. Das halte ich
von der Größenordnung für plausibel, insbesondere wenn man die Begründung für radikales
Wählen betrachtet.
Gruß
Joseph
Re: Die Verlierer der Gesellschaft wählten Radikale
Odin, Tuesday, 21.09.2004, 23:56 (vor 7807 Tagen) @ Joseph S
Als Antwort auf: Re: Die Verlierer der Gesellschaft wählten Radikale von Joseph S am 21. September 2004 20:38:19:
Hallo pit b,
Zahlen habe ich deswegen nicht genannt, weil ich das ganze nur im Radio gehört habe.
Dort habe ich das so verstanden, daß ca 20% der jungen Männer rechts gewählt haben,
und somit in dieser Bevölkerungsgruppe der höchste Rechtswähleranteil ist. Das halte ich
von der Größenordnung für plausibel, insbesondere wenn man die Begründung für radikales
Ich denke, wir sollten hier ein bischen vorsichtiger sein. Die Rechtswähler auf die Jungenvernachlässigung zu schieben ist gerade im Osten fehl am Platz. Ich glaube das liegt eher daran, daß im Osten der Staat noch eher als "Versorgungspflichtiger" gesehen wird und der Protest also eher einer "Verwöhnhaltung" entspringt. Gerade diese ist aber dem Feminismus - oder allgemeiner der Abwertung männlicher Werte - entsprungen.