Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 1 - 20.06.2001 - 20.05.2006

67114 Postings in 8047 Threads

[Homepage] - [Archiv 1] - [Archiv 2] - [Forum]

Henne oder Ei - das Geschlechterbild in den Medien

Ekki, Friday, 17.09.2004, 22:50 (vor 7812 Tagen)

Hallo allerseits!

Medien bilden die Wirklichkeit ab. Aber sie gestalten sie auch.

Das gilt natürlich auch für die Beziehungen zwischen den Geschlechtern.

Und deshalb habe ich mir bezüglich der Realität des Geschlechterkampfes und der Darstellung der Geschlechterrollen in den Medien schon oft die alte Philosophen-Frage gestellt:

Was war zuerst da – die Henne oder das Ei?

Auf unser Thema bezogen:

Ist die Katastrophe, in die die Geschlechterbeziehungen in den vergangenen vier Jahrzehnten gestürzt sind, auf die Darstellung des Geschlechterbildes in den Medien zurückzuführen, oder haben diese nur abgebildet, was sich in der Gesellschaft tat?

Meine diesbezüglichen Überlegungen möchte ich am Genre des Krimis festmachen – zum einen, weil dies meine bevorzugte Filmsorte ist und ich deshalb hierzu am meisten sagen kann, zum anderen aber auch, weil Krimis – weit entfernt davon, eine ausschließlich Darstellung des Alltags in den Amtsstuben der Polizeiwachen zu sein – eine Darstellung gesamtgesellschaftlicher Entwicklungen durch die Jahrzehnte sind. Angesichts der Fülle dieser Art von Filmen und der noch größeren Fülle von Wiederholungen auf allen Kanälen kann man wohl davon ausgehen, dass Krimis für die Darstellung (Gestaltung?) des Geschlechterverhältnisses nicht minder wichtig sind als Seifenopern.

Wie werden nun Männer bzw. Frauen in Krimis dargestellt?

Sieht man sich die Krimis der ersten zwei, zweieinhalb Nachkriegsjahrzente an (Stahlnetz, Durbridge-Verfilmungen, „Der Kommissar“ mit Erik Ode, „Der Alte“ mit Siegfried Lowitz, „Derrick“ mit Horst Tappert, „Kommissar-Haferkamp“-Krimis mit Hansjörg Felmy), so ergibt sich folgendes Bild:

Sowohl die Guten als auch die Bösen waren auf hohem Niveau gut bzw. böse. Insbesondere die Kommissare waren nüchtern bis knochentrocken und unbestechlich. Keinesfalls waren sie „gebrochene Existenzen“, „Weicheier“, „große Kinder“ u.Ä. Ja, häufig rauchten sie nicht einmal. Und auch ihre Gegner waren, wie gesagt, gewiefte Verbrecher, so dass das Rätselraten bis zum Schluß spannend blieb.

Für die Frauen galt dasselbe. Sie waren entweder tapfere Mitstreiterinnen gegen das Böse, oder eben auf der Seite des Bösen engagiert. Jaja, schon die damalige „patriarchalische“ Zeit, „gestand“ den Frauen in der filmischen Darstellung ihren „fairen Anteil“ am Böse-Sein „zu“. Geschlechterkrieg jedenfalls war in diesen Filmen kein Thema.

Mit dem Aufkommen des Feminismus änderte sich das ziemlich schnell.

Geschlechterkrieg wurde Thema in den Krimis:

Sowohl auf Seiten der Guten als auch auf Seiten der Bösen waren die Frauen plötzlich diejenigen, die den „emotional unterbelichteten“ Männern zeigten, wo's langging. Massenweise gab es plötzlich Szenen, wo die Männer ausrasten und die Frauen ihnen mehr oder weniger souverän „den Kopf waschen“. Bei den männlichen Kommissaren wurde der Typ des „gebrochenen Helden“, des „liebenswerten großen Kindes“ gängig, der sich mit Beziehungskisten im Privatleben mehr schlecht als recht herumschlägt und dem seine weiblichen Mitarbeiterinnen stets um mindestens eine Nasenlänge voraus sind. In den ständigen Eheproblemen von Kommissar Haferkamp war dies tendenziell angelegt, obwohl gerade diese Figur noch aus der alten, männlich-souveränen Schule kam. Und schließlich tauchten dann auch die ersten weiblichen Hauptkommissare auf, selbstverständlich eine wie die andere ein Ausbund an Souveränität. Wer erinnert sich noch daran, wie Karin Anselm als Komissarin Hanna Wiegand in „Das Lederherz“ einen Mann überführte, der seiner Frau, die ihn ob ihrer Kinderlosigkeit und seines angeblich mangelnden beruflichen Erfolges ständig heruntergeputzt hatte, bei einem Fenstersturz die Hand losgelassen hatte?

Eine interessante Mischung war übrigens in diesem Zusammenhang der „Schimanski“ von Götz George, der zwar in gewisser Hinsicht den knallharten Macho geben darf, aber für mein Empfinden im Ganzen gesehen von den Drehbuchautoren doch eher zum Hanswurst gemacht wurde, vielleicht gerade deshalb, weil sein Machotum so überaus dick aufgetragen daherkam.

Außerdem – meiner Meinung nach nur scheinbar ein Nebenaspekt, auf den ich später noch zurückkomme – wurden auch die Kategorien „gut“ und „böse“ erstens vorhersehbar und zweitens schwammig. Vorhersehbar[/b], weil durch das Strickmuster der Handlung, in immer stärkerem Maße unterstützt von „sprechender Musik“ (war in den frühen Krimis nur ganz, ganz sparsam der Fall gewesen!), jeder Krimifan nach ein bißchen „Guck-Übung“ den Ausgang in den meisten Fällen vorhersagen konnte. Und schwammig[/b], weil es Mode wurde, zu zeigen, dass die Bösen durch eine schlimme Kindheit oder sonstige widrige Umwelteinflüsse böse geworden waren und zumindest Mitleid verdienten, während auch die Guten gebrochene Helden und keinesfalls mehr souveräne Vorbilder waren.

Interessant ist in diesem Zusammenhang übrigens, dass einige der erfolgreichsten Serien alter Schule sich bis in die 80-er oder sogar 90er Jahre hielten: Köster (Siegfried Lowitz) bekam mit Kreß (Rolf Schimpf) einen würdigen Nachfolger, und Derrick (Horst Tappert) ließ sich vom Zeitgeist kein Jota seiner Souveränität abkaufen.

Und seit einigen Jahren ist eine weitere Wandlung zu beobachten:

Die Szenen, in denen „unreife Männer“ von „souveränen Frauen“ zurechtgewiesen werden, sind fast verschwunden. Dagegen zeigen nunmehr auch Frauen die Schwächen, die früher von den Drehbuchautoren nur den Männern zugeschrieben wurden: Sie haben Problem mit Kindern und/oder Partnern, die sie wegen ihrem Beruf vernachlässigen (Wanda Rosenbaum, dargestellt von Jutta Hoffmann), oder sie kriegen sich mit ihresgleichen (sprich anderen Frauen) nach Zickenart in die Haare.

Daneben sind natürlich die liebenswerten männlichen Trottel nicht ausgestorben: Kommissar Schmücke (Jaecki Schwarz) kann auf einmal seine Wohnung nicht mehr aufschließen, weil seine Lebensabschnittsgefährtin das Schloß ausgewechselt und ihn auf diese Weise rausgeschmissen hat.

Und nun zurück zur Anfangsfrage:

Wer war zuerst da – die Henne oder das Ei? Haben die Krimis die gesellschaftlichen Veränderungen nur abgebildet, oder haben sie sie mitgeschaffen?

Als Denkanstoß bei der Beantwortung dieser Frage noch folgende Überlegung:

Der DDR-„Polizeiruf 110“, von den Medienpolitikern der DDR bewußt als Gegenstück zum „Tatort“ geschaffen, zeichnete sich m.E. durch folgende zwei Merkmale aus:

1.) „Geschlechterkrieg“ ist an dieser Serie, solange die DDR bestand, total vorbeigegangen.

2.) Bei aller Unterschiedlichkeit der politischen Systeme ist es geradezu frappierend, wie weitgehend die (nicht immer nur) unterschwelligen moralischen Fingerzeige in den DDR-„Polizeirufen“ mit dem übereinstimmten, was in den westdeutschen Krimis alter Schule zu sehen war. Das Bild vom braven Bürger und seinem Freund und Helfer, der (Volks-)Polizei, in Reinkultur.

Und die Realität in Deutschland heute?

1.) In Westdeutschland finden sich sowohl die meisten als auch die schlimmsten Emanzen-Zicken. Ostfrauen dagegen sind oft viel realistischer, selbstkritischer und für Männer liebenswerter.

2.) Ostdeutsche entsprechen in ihrer Mehrheit nicht trotz, sondern gerade wegen 40 Jahren sozialistischer Erziehung viel eher dem, was man unter „gutbürgerlich“ versteht, als die Mehrheit der Westdeutschen.

Könnte es sein, dass in Westdeutschland seit Ende der 60er Jahre in den Medien von einer linken Kamarilla ganz gezielt ein Gesellschaftsbild geschaffen wurde, das sich ohne diese mediale Beeinflussung nie hätte verwirklichen lassen und das letzten Endes auf die Zerstörung dessen abzielte, was die westdeutsche Nachkriegsgesellschaft stark gemacht hatte?

Und könnte es weiterhin sein, dass die besagte linke Kamarilla höchst aktiv aus der DDR unterstützt wurde, welche sich ihrerseits die zerstörerischen Tendenzen, die sie im Westen perfide förderte, konsequent vom Leibe hielt?

An dieser Stelle noch einmal zurück zur Vorhersehbarkeit des Ausgangs der Krimis sowie zum Verschwimmen der Kategorien von Gut und Böse:

Könnte es sein, dass in einer Gesellschaft, in der die Menschen durch gut gemachte Krimis dazu erzogen werden, durch Verstand und Instinkt auch das verborgene Böse zu erkennen, Kriminelle auch im realen Leben viel weniger Chancen auf Erfolg haben, als dies in einer Gesellschaft der Fall ist, in der durch eine grob oberflächliche Zeichnung von Gut und Böse Verstand und Instinkt eingeschläfert werden, und in der darüber hinaus durch ein Verwischen der Grenzen von Gut und Böse das Wertesystem subtil unterminiert wird?

Beides wäre jedenfalls im Sinne einer Macht, die nach geistiger Zersetzung einer Gesellschaft trachtet.

An dieser Stelle noch ein Blick über den großen Teich:

So unterschiedlich sich das US-amerikanische Filmschaffen auch gegenüber dem europäischen entwickelt haben mag – hier gleichen sich die Tendenzen:

Mein Gott, was war das für ein Hochgenuß, wenn Humphrey Bogart als cooler Detektiv die Verbrecherwelt das Fürchten lehrte. Nie werde ich einen Film vergessen, in dem Humphrey Bogart am Tatort eines gerade geschehenen Mordes auf die Täterin trifft, die ihm natürlich unter massivem Einsatz ihrer weiblichen Reize weiszumachen versucht, dass sie unschuldig sei, und Bogart sie mit Pokerface überführt.

Und das, was heute an Krimis aus den USA kommt? Gott bewahre – „Magnum“ und Co.!

Zum Schluß noch ein Blick in meine Wahlheimat Polen:

Hier hat sich das Filmschaffen unter so gänzlich anderen Auspizien entwickelt, dass man darüber ein eigenes Posting schreiben müßte. Die Liebe zwischen Mann und Frau war jedenfalls so gut wie immer tragisch, romantisch und patriotisch.

Bis Jerzy Stuhr kam.

Dieser auch international renommierte Schauspieler, Mitglied von Jurys bei internationalen Filmwettbewerben, besorgt auf das Abscheulichste das Geschäft derer, die den Mann als solchen ins Lächerliche ziehen wollen.

Seine Filme – z.B. „Historie mi³osne” („Liebesgeschichten”) oder „Spis cudzo³o¿nic” („Die Verschwörung der Ehebrecherinnen“) – zeigen den Mann als versoffenen, lebensunfähigen, bestenfalls ein bißchen liebenswerten Volltrottel, der durchs Leben torkelt und von jeder Frau auf jede nur erdenkliche Weise zum Narren gehalten wird.

So, das war's erst mal von mir zu diesem Thema. Jetzt bin ich gespannt auf Eure Beiträge. Vielleicht kann jemand ja meine Überlegungen zur Darstellung des Geschlechterverhältnisses in den Medien um Beiträge zur Gattung der Seifenoper ergänzen? Wie auch immer, ich freue mich auf die Diskussion mit Euch.

Herzliche Grüße

Ekki

Wirklichkeit und Fiktion befruchten sich immer gegenseitig

Paul, Saturday, 18.09.2004, 00:23 (vor 7811 Tagen) @ Ekki

Als Antwort auf: Henne oder Ei - das Geschlechterbild in den Medien von Ekki am 17. September 2004 19:50:49:

Hi Ekki,

zu Deiner Fragestelltung "Ist die Katastrophe, in die die Geschlechterbeziehungen in den vergangenen vier Jahrzehnten gestürzt sind, auf die Darstellung des Geschlechterbildes in den Medien zurückzuführen, oder haben diese nur abgebildet, was sich in der Gesellschaft tat?":

Beides trifft zu. Sowohl die Medien, als auch die gesellschaftliche Realität konsumieren, verabeiten und produzieren letzendlich Information. Die Medien nehmen gesellschaftliche Strömungen auf und verarbeiten sie, das Ergebnis fliesst in das Endprodukt ein - sei es nun eine Zeitung, ein Film oder was auch immer. Die Gesellschaft wiederum nimmt das Medienbild wahr, verarbeitet es und wird dadurch in seiner Entwicklung beeinflusst. Man kann auch davon ausgehen, daß es Situationen gibt, in denen dieser Mechanismus aufgrund einer "Feedback-Schleife" aus einem bisherigen Gleichgewicht herauskippt und sich ein persistenter Trend entwickelt. Deswegen halte ich auch sämtliche Arten von Verschwörungstheorien für unsinnig, sofern mit diesen das Entstehen jahrzehntelanger Trends in Medien oder Gesellschaft erklärt werden soll. An so etwas zu glauben, ist ähnlich unsinnig, wie anzunehmen, ein jahre- oder jahrzehntelanger Trend am Aktienmarkt (hier gibt es nämlich auch diesen Rückkopplungseffekt) wäre das Ergebnis irgendeiner Art von "Manipulation".

Nun zur konkreten Entwicklung: Es sicher richtig, daß speziell in den Spielfilmen und Serien in westlichen Staaten wie BRD oder USA - die Auswirkungen des Feminismus unübersehbar sind. Das ist meistens auch ziemlich ärgerlich, weil es eben immer die gleichen Stereotypen sind, die zu einer Vorhersehbarkeit von Handlungsstängen führt. Allerdings teile ich Deine Meinung nicht, daß das "intellektuelle" Niveau der Serien und Spielfilme tatsächlich abgenommen hat. Ein paar Gedanken dazu:

Du schreibst "Sowohl die Guten als auch die Bösen waren auf hohem Niveau gut bzw. böse. Insbesondere die Kommissare waren nüchtern bis knochentrocken und unbestechlich. Keinesfalls waren sie „gebrochene Existenzen“, „Weicheier“, „große Kinder“ u.Ä. Ja, häufig rauchten sie nicht einmal. Und auch ihre Gegner waren, wie gesagt, gewiefte Verbrecher, so dass das Rätselraten bis zum Schluß spannend blieb."

Tja, das finde ich eben nicht. Denn was Du als "auf hohem Niveau gut bzw. böse" bezeichnest, empfinde ich als hölzern geschnitzte, unglaubwürdige und realitätsferne Charaktere. Es ist klar, daß ein Spielfilm oder eine Serie nicht unbedingt einen Anspruch auf realitätstreue haben muß, solange sie unterhält. Aber ich kann mich mit diesen Personen auch nicht identifzieren, sie haben ja kaum etwas von lebenden, _echten_ Menschen an sich. Ich will damit damit ältere Filme und Serien nicht generell abwerten. Man muß sehen, daß sich das Medium Film und Fernsehen immer weiterentwickelt hat (obwohl man derzeit manchmal den Eindruck hat, es würde sich eher wieder zurückentwickeln :-)), und da eben irgendwann alle Basisgeschichten schon einmal erzählt worden waren, mussten immer neue Mittel und Wege gesucht werden, um das Interesse des Zuschauers zu wecken. Eines dieser Mittel ist die Entwicklung immer stärker ausdifferenzierter Charaktere. Solche Entwicklungen sind übrigens auch in allen anderen Medien zu beobachten. Wieviel Musikrichtungen gab es wohl um 1950? Vielleicht ein Dutzend. Wieviele gibt es heute? Hunderte. Das ganze ist das Ergebnis einer immer komplexer werdenden Gesellschaft, und die Medien spiegeln dies natürlich wieder.

Ich bin generell immer ziemlich kritisch, wenn mir jemand die Vergangenheit als erstrebenswertes Ideal verkaufen will. Bei näherem Betrachten ist sie das nämlich nicht. Es ist richtig, daß heutzutage viel Schrott produziert wird. Aber das war früher auch der Fall! Nur sehen wir das aus heutiger Perspektive nicht, da es ein Art von "Survivorship bias" gibt: Schlechte Filme werden vergessen, an gute erinnert man sich. Dies verzerrt unser Bild von der Vergangenheit und lässt sie bei unreflektierter Betrachtung als bessere Alternative zur Gegenwart erscheinen. Meiner Meinung nach ist dies einer der größten Fehler, die man machen kann.

Und zum Schluss noch eines - Du schreibst: "Und das, was heute an Krimis aus den USA kommt? Gott bewahre – „Magnum“ und Co.!". Also sorry, aber MAGNUM ist jetzt ungefähr 20 Jahre halt. Wenn "heute" für Dich dasselbe ist wie "vor 20 Jahren", dann solltest Du dich fragen, ob Du nicht schon zu lange in der Vergangenheit lebst :-)
Magnum ist m.E übrigens ziemlich gut. Die karikaturhafte Überzeichnung der Charaktere ist dort übrigens durchaus gewollt. Ich erinnere mich, daß dies bei der erstmaligen Ausstrahlung hierzulande auch von fast niemandem begriffen wurde, da "Humor" und "Krimi" für den Durchschnittsdeutschen eben durch die jahrelange Herbert Reinecker-Indoktrination zwei unvereinbare Begriffe waren.
Schau Dir übrigens mal - wenn Du auf dem aktuellen Stand sein willst - "CSI" und "24" an, beides ziemlich gute US-Serien, wobei speziell letztere mehr als gut ist - sie ist eigentlich schon als brilliant zu bezeichnen. Und von feministischen Stereotypen wird man dort auch größtenteils verschont. Bei "24" könnte man sogar durchaus zu dem Schluß kommen, daß die Frauen moralisch gesehen deutlich schlechter weggekommen als die Männer. Aber wie wir wissen, ist es ja nur eine Serie ;-)

Gruss,
Paul

Wichtig Ergänzung!

Paul, Saturday, 18.09.2004, 00:49 (vor 7811 Tagen) @ Paul

Als Antwort auf: Wirklichkeit und Fiktion befruchten sich immer gegenseitig von Paul am 17. September 2004 21:23:59:

Der Satz "Allerdings teile ich Deine Meinung nicht, daß das "intellektuelle" Niveau der Serien und Spielfilme tatsächlich abgenommen hat." sollte heissen "Allerdings teile ich Deine Meinung nicht, daß das "intellektuelle" Niveau der Serien und Spielfilme IM DURCHSCHNITT tatsächlich abgenommen hat."

Re: Henne oder Ei - das Geschlechterbild in den Medien

Max, Saturday, 18.09.2004, 01:15 (vor 7811 Tagen) @ Ekki

Als Antwort auf: Henne oder Ei - das Geschlechterbild in den Medien von Ekki am 17. September 2004 19:50:49:

Hi Ekki,

Lena Odenthal und ihre Kollegin - nicht zum aushalten. Bienzle und seine Lebensgefährtin - super! Zu den Krimis hast du ja selbst schon absolut nachvollziehbares geschrieben, alle Achtung!

Was mich interessiert, ist, ob im Fernsehen gezielt messages abgesetzt werden, die ins Unterbewußte abzielen, die also so kurz sind, daß man sie zwar wahrnimmt, sich in aller Regel aber nicht bewußt darüber ist, daß man sie wahrgenommen hat und die dennoch und gerade deshalb wirken. Ich habe schon Tausende solcher messages entdeckt, wie ich meine, aber ich halte es durchaus für möglich, daß ich lediglich ein bißchen paranoid bin. Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht schau ich einfach genauer hin?

Meiner Meinung nach ist es dadurch, daß Clips und Filme heute in aller Regel schneller geschnitten sind als noch vor dreissig Jahren (nicht nur mein Eindruck, oder?) viel leichter möglich, unterschwellige messages unterzubringen, z.B. durch einen ganz kurzen, ganz bestimmten Blick, der für Sekundenbruchteile auftaucht und dem ganzen Zusammenhang, in dem er steht, eine Richtung gibt, die man zwar wahrnimmt, deren Zustandekommen einem aber verborgen bleiben soll.

Gerade die Werbung arbeitet doch ganz bestimmt mit diesen Mitteln. Eigentlich muß sie damit arbeiten, wenn sie effektiv sein soll, etwa nicht?

Das mit den Krimnis stimmt absolut, so wie du das schreibst. Aber mich interessiert eigentlich die andere Frage mehr. Lenkt uns das Fernsehen über unser Unterbewußtsein, bzw. - wird das versucht?

Was meinst du? - Max

Subliminal Messages: Ein urbaner Mythos?

Paul, Saturday, 18.09.2004, 02:01 (vor 7811 Tagen) @ Max

Als Antwort auf: Re: Henne oder Ei - das Geschlechterbild in den Medien von Max am 17. September 2004 22:15:44:

Hi Max,

soweit ich weiß, gibt es einige Studien, die sich mit der Wirksamkeit sog. "subliminal messages", die in den USA vor einigen Jahrzehnten (50/60er Jahre) ziemlich in Mode waren, auseinandergesetzt haben. Nachgewiesen werden konnte da aber nichts. Nun ist Werbung aber keine exakte Wissenschaft, und schaden kann der Einsatz solcher Mittel normalerweise nicht. Ich muß gestehen, daß ich diesen Effekt selbst schon eingesetzt habe, allerdings handelte es sich dabei nicht um TV-Werbespots sondern um Werbebanner fürs Web. Es ging dabei aber nicht so sehr um die Beeinflussung (jedenfalls nicht mittels dieses speziellen Effektes), sondern primär darum, die Aufmerksamkeit des Benutzers auf das Banner zu lenken, und das geht am besten mit einem starken Kontrastwechsel = Schnitt. Und bei der Gelegenheit kann man in das dazwischengeschnittene Bild natürlich noch ein fettes "JETZT KAUFEN!" einbauen, auch wenn man dieses nicht bewußt lesen kann - wie gesagt, schaden kann's nicht. Da diese ganze Story mit den "Subliminal messages" schon zu einem urbanen Mythos geworden ist, kann ich mir auch vorstellen, daß viele Kreative bei den Agenturen diese einfach ab und zu mal als "Insidergag" einbauen...

Die stetige Geschwindgkeitsteigerung in Bezug auf Schnitt in Filmen und TV ist letztlich eine ganz natürlich Weiterentwicklung. Das hängt einerseits damit zusammen, daß immer mehr Informationen beim Betrachter als schon vorhanden vorausgesetzt werden können, weil sie aus anderen Filmen oder aus dem "populären" Allgemeinwissen bekannt sind und deswegen nicht mehr alles lang und breit ausgewalzt werden muß. Andererseits hat man erst nach und nach begriffen, daß das Auge/Gehirn Informationen sehr viel schneller wahrnehmen kann, als man früher dachte. Das ganze ist vergleichbar mit der Geschwindigkeitssteigerung bei der Verkehrsmitteln. Warnten vor den ersten Eisenbahnen noch "Wissenschaftler", die sagenhafte Geschwindigkeit von (ca.?) 30 km/h könnte zur Erblindung führen, so wissen wir heute, daß wir auch bei über 250 km/h auf der Autobahn immer noch problemlos sehen können. :-)

Gruss,
Paul

Re: Subliminal Messages: Ein urbaner Mythos?

Max, Saturday, 18.09.2004, 11:26 (vor 7811 Tagen) @ Paul

Als Antwort auf: Subliminal Messages: Ein urbaner Mythos? von Paul am 17. September 2004 23:01:47:

Hi Paul,

soweit ich weiß, gibt es einige Studien, die sich mit der Wirksamkeit sog. "subliminal messages", die in den USA vor einigen Jahrzehnten (50/60er Jahre) ziemlich in Mode waren, auseinandergesetzt haben. Nachgewiesen werden konnte da aber nichts.

...hmm. Das wundert mich, daß da nichts nachgewiesen werden konnte. Nimm´ mal den Werbespot für "actimel" (so´n Gesundheitsdrink im Mini-Fläschchen):
Der drink soll die Immunabwehr stärken. Ein Mann steht unter einer eiskalten Dusche und schreit. (Kalt duschen härtet ab. Also Mann - hart, Schmerz - In Kauf nehmen...) Derweilen steht seine Frau mit einem Fläschchen "actimel" in der Küche (später wird sie es ihm als "die weiblich clevere Alternative" überreichen)und dreht mit einem resignativ-mitleidigen Lächeln ihren Kopf.
Gut, das ist "subliminal message" in Zeitlupe (deswegen habe ich dieses Beispiel gewählt) und ziemlich offensichtlich. Die Nebenmessage ist: Frau zeitgemäss und schlau, Mann unzeitgemäß und dumm. Der Gipfel ist, daß sie ihm das Fläschchen später mit einem durchaus liebevollen Blick überreicht, ungefähr so, wie Mama ihrem Dreikäsehoch etwas gibt, das er dringend braucht. Aber neben der Hauptmessage, daß "actimel" eben die Alternative zum Kaltduschen ist, wird halt diese Nebenmessage an die Zielgruppe Einkäuferin gesendet. Und die wiederum besteht einzig in diesem resignativ-mitleidigen Lächeln. Also einerseits die "ausführliche" Werbung für das Produkt und andererseits diese subtile Nebenmessage. Solche Nebenmessages, die eigentlich mit dem beworbenen Produkt nichts zu tun haben, sind doch analog sehr gut in Spielfilmen und Krimis denkbar. Und sie wirken doch? Ich meine, warum sonst würden sie eingebaut? Und solche Nebenmessages sind dann als "subliminal messages" eben viel kürzer.
Im Krimi taucht bspw. eine neue Figur auf. Wir kennen diese Figur noch nicht und sind gerade dabei, uns ein Bild von ihr zu machen. Wenn nun der Regisseur will, daß wir uns ein ganz bestimmtes Bild von dieser Figur machen sollen, dann läßt er sich doch dabei sicher von der Figur helfen, die wir schon kennen und mit der wir uns identifizieren können - mit der Kommissarin z.B., die uns schon eine zeitlang durch´s Geschehen führt.
Damit wir uns genau das Bild von dieser neuen Figur machen, das der Regisseur geplant hat, könnte er doch auf eine "subliminal message" zurückgreifen, ohne daß wir das merken. Das heißt, daß wir uns ein Bild machen, ohne hinterher überhaupt erklären zu können, wie wir dazu gekommen sind, oder?
Hältst du es für ausgeschlossen, daß sich ein Fernsehvolk durch ein Dauerbombardement von "subliminal messages", die alle mehr oder weniger in dieselbe Kerbe hauen, kollektiv gesellschaftspolitisch lenken läßt?

Nun ist Werbung aber keine exakte Wissenschaft, und schaden kann der Einsatz solcher Mittel normalerweise nicht.

...na ja....schaden. Ich weiß nicht. Jedenfalls habe ich ein Problem mit dem Gedanken, daß ich zwar über "subliminal messages" gesteuert werden könnte, das Resultat meines daraus folgenden Handelns aber als Ergebnis meines freien Willens begreife. Das fände ich schon sehr bedenklich.

Ich muß gestehen, daß ich diesen Effekt selbst schon eingesetzt habe, allerdings handelte es sich dabei nicht um TV-Werbespots sondern um Werbebanner fürs Web. Es ging dabei aber nicht so sehr um die Beeinflussung (jedenfalls nicht mittels dieses speziellen Effektes), sondern primär darum, die Aufmerksamkeit des Benutzers auf das Banner zu lenken, und das geht am besten mit einem starken Kontrastwechsel = Schnitt. Und bei der Gelegenheit kann man in das dazwischengeschnittene Bild natürlich noch ein fettes "JETZT KAUFEN!" einbauen, auch wenn man dieses nicht bewußt lesen kann - wie gesagt, schaden kann's nicht. Da diese ganze Story mit den "Subliminal messages" schon zu einem urbanen Mythos geworden ist, kann ich mir auch vorstellen, daß viele Kreative bei den Agenturen diese einfach ab und zu mal als "Insidergag" einbauen...

...als wirkungslosen Insidergag? Das ist nicht dein Ernst.

Die stetige Geschwindgkeitsteigerung in Bezug auf Schnitt in Filmen und TV ist letztlich eine ganz natürlich Weiterentwicklung. Das hängt einerseits damit zusammen, daß immer mehr Informationen beim Betrachter als schon vorhanden vorausgesetzt werden können, weil sie aus anderen Filmen oder aus dem "populären" Allgemeinwissen bekannt sind und deswegen nicht mehr alles lang und breit ausgewalzt werden muß. Andererseits hat man erst nach und nach begriffen, daß das Auge/Gehirn Informationen sehr viel schneller wahrnehmen kann, als man früher dachte. Das ganze ist vergleichbar mit der Geschwindigkeitssteigerung bei der Verkehrsmitteln. Warnten vor den ersten Eisenbahnen noch "Wissenschaftler", die sagenhafte Geschwindigkeit von (ca.?) 30 km/h könnte zur Erblindung führen, so wissen wir heute, daß wir auch bei über 250 km/h auf der Autobahn immer noch problemlos sehen können. :-)

...sicher. Wenn man aber mit der Zeit immer schneller und immer weiter auseinanderstehende Informationen verbreiten konnte, da die Lücken dazwischen bereits gefüllt waren, dann eröffnet das doch auch eine Menge neuer Manipulationsmöglichkeiten? Assoziationen lassen sich doch kreieren?

Freundlicher Gruß - Max

Re: Subliminal Messages: Ein urbaner Mythos?

Andreas, Saturday, 18.09.2004, 12:12 (vor 7811 Tagen) @ Max

Als Antwort auf: Re: Subliminal Messages: Ein urbaner Mythos? von Max am 18. September 2004 08:26:11:

Hi Max,

...hmm. Das wundert mich, daß da nichts nachgewiesen werden konnte. Nimm´ mal den Werbespot für "actimel" (so´n Gesundheitsdrink im Mini-Fläschchen):
Der drink soll die Immunabwehr stärken. Ein Mann steht unter einer eiskalten Dusche und schreit. (Kalt duschen härtet ab. Also Mann - hart, Schmerz - In Kauf nehmen...) Derweilen steht seine Frau mit einem Fläschchen "actimel" in der Küche (später wird sie es ihm als "die weiblich clevere Alternative" überreichen)und dreht mit einem resignativ-mitleidigen Lächeln ihren Kopf.
Gut, das ist "subliminal message" in Zeitlupe (deswegen habe ich dieses Beispiel gewählt) und ziemlich offensichtlich. Die Nebenmessage ist: Frau zeitgemäss und schlau, Mann unzeitgemäß und dumm.

Den Werbespot habe ich auch schon gesehen. Die Message, die hier transportiert wurde, habe ich allerdings ganz anders interpretiert. Die Frau erschien mir hier eher zeitgemäß dumm zu sein, da sie an den Schwachsinn glaubte, dieses Produkt könne tatsächlich etwas zu ihrer Gesundheit beitragen. Noch etwas anderes ist mir aufgefallen: Frauen sind als Zielgruppe für suggestive Werbung besonders gut geeignet, da sie offensichtlich jeden Scheiß glauben, den man ihnen als "neue Wahrheit" vorsetzt. Man denke hier nur mal an die Mengen von Anti-Aging-Artikeln, die jährlich über den Warentisch wandern. Dieses Zeug wird von Frauen regelrecht tonnenweise komsumiert, obwohl mittlerweile jedem denkenden Menschen klar sein sollte, daß es sich hierbei nur um eine Verarschung handelt. Wie sieht denn hier die typische Werbung aus? Da wird die Wirksamkeit dieser Produkte groß und breit als "wissenschaftlich erwiesen" dargestellt. Und dann erscheint am unteren Rand des Bildschirms für den Bruchteil einer Sekunde ein kleiner Vermerk, der erahnen läßt, was die Hersteller unter "wissenschaftlich erwiesen" wirklich verstehen: "Selbsteinschätzung von 50 Frauen". Damit ist bestenfalls wissenschaftlich erwiesen, daß die Verbraucherin wohl verarscht werden soll. Und...es klappt! Viele Frauen geben zum Teil Hunderte von Euro aus, um diesen Unfug zu kaufen. So what? Welche Schlußfolgerung ziehen wir daraus? Vielen Frauen kann man offensichtlich alles verkaufen, wenn man es ihnen nur geschmackvoll genug präsentiert.

dann doch lieber jung und gesund die kalte Dusche nehmend -
Andreas

Re: Subliminal Messages: Ein urbaner Mythos?

Eugen Prinz, Saturday, 18.09.2004, 13:38 (vor 7811 Tagen) @ Andreas

Als Antwort auf: Re: Subliminal Messages: Ein urbaner Mythos? von Andreas am 18. September 2004 09:12:51:

dann doch lieber jung und gesund die kalte Dusche nehmend -
Andreas

...da muss ich an diese Empfehlung aus der der Werbung denken:

"Wussten Sie, dass bei den Krim-Tartaren masturbieren als probates Mittel gegen kaltes duschen gilt?"

;-))

Re: Subliminal Messages: Ein urbaner Mythos?

Andreas, Saturday, 18.09.2004, 14:43 (vor 7811 Tagen) @ Eugen Prinz

Als Antwort auf: Re: Subliminal Messages: Ein urbaner Mythos? von Eugen Prinz am 18. September 2004 10:38:05:

>dann doch lieber jung und gesund die kalte Dusche nehmend -

Andreas [/i]

...da muss ich an diese Empfehlung aus der der Werbung denken:
"Wussten Sie, dass bei den Krim-Tartaren masturbieren als probates Mittel gegen kaltes duschen gilt?"
;-))

ja, es soll Völker geben, die noch zu leben wissen! :-)

Re: Subliminal Messages: Ein urbaner Mythos?

Odin, Saturday, 18.09.2004, 22:44 (vor 7811 Tagen) @ Max

Als Antwort auf: Re: Subliminal Messages: Ein urbaner Mythos? von Max am 18. September 2004 08:26:11:

...hmm. Das wundert mich, daß da nichts nachgewiesen werden konnte. Nimm´ mal den Werbespot für "actimel" (so´n Gesundheitsdrink im Mini-Fläschchen):
Der drink soll die Immunabwehr stärken. Ein Mann steht unter einer eiskalten Dusche und schreit. (Kalt duschen härtet ab. Also Mann - hart, Schmerz - In Kauf nehmen...) Derweilen steht seine Frau mit einem Fläschchen "actimel" in der Küche (später wird sie es ihm als "die weiblich clevere Alternative" überreichen)und dreht mit einem resignativ-mitleidigen Lächeln ihren Kopf.

Hab mir heute schon überlegt, ob ich was zu dem Werbefilm ins Forum schreibe :-)
Jedenfalls wundert es nicht, daß immer mehr Frauen tablettensüchtig werden, wenn man solche Spots im Fernsehen sieht: Mann tut was zur Abhärtung, Frau nimmt Medikamente - wie einfach die Welt für Frauen doch ist: Nichts tun und alles erreichen! Das ist die Botschaft

Re: Subliminal Messages: Ein urbaner Mythos?

susu, Saturday, 18.09.2004, 22:46 (vor 7811 Tagen) @ Max

Als Antwort auf: Re: Subliminal Messages: Ein urbaner Mythos? von Max am 18. September 2004 08:26:11:

...hmm. Das wundert mich, daß da nichts nachgewiesen werden konnte. Nimm´ mal den Werbespot für "actimel"...
Gut, das ist "subliminal message" in Zeitlupe (deswegen habe ich dieses Beispiel gewählt) und ziemlich offensichtlich. Die Nebenmessage ist: Frau zeitgemäss und schlau, Mann unzeitgemäß und dumm.

Das ist keine subliminal message, sondern ein Subtext. Prinzip einer Subliminal message ist, daß sie direkt auf das Unterbewustsein wirkt. ("Sub"= "unter"; "limes"="Grenze", d.h. unter der Grenze der bewusten Wahrnehmung - der Begriff entstammt AFAIK der Wahrnehmungspsyhologie) Ein Subtext ist in fast jedem Text zu finden (Text hier in der weit gefassten Definition). Dieser Begriff kommt aus der Semiotik und um die geht es ja hier.

susu

Re: Subliminal Messages: Ein urbaner Mythos?

Paul, Sunday, 19.09.2004, 15:56 (vor 7810 Tagen) @ Max

Als Antwort auf: Re: Subliminal Messages: Ein urbaner Mythos? von Max am 18. September 2004 08:26:11:

Hi Max,

wie susu schon geschrieben hat - das, was Du in der "actimel"-Werbung entdeckt hast ist Subtext und keine "Subliminal message". Definierendes Kennzeichen ist, daß diese die Wahrnehmunggrenze unterläuft und direkt auf Unterbewusstsein wirkt - in der Theorie. Alles, was ich - auch wenn ich mich dazu konzentrieren muß - bewusst wahrnehmen kann, ist also keine "Subliminal message".

Werbung ist voll von Details, die man zwischen den Zeilen herauslesen kann. Das können Gesichtsausdrücke sein, bestimmte Kameraeinstellungen, Farbkombinationen... Aber in der Regel wird all dies nicht benutzt um _zusätzliche_ Messages unters Volk zu bringen, sondern um die Hauptaussage zu unterstützen und mitzutragen. Denn das Ziel der Werbung ist ja immer noch, Produkte an den Mann zu bringen. So könnte man den resiginiert-mitleidigen Gesichtsausdruck der Frau in der actimel-Werbung auch so deuten: "Abhärtung mit der kalten Dusche war gestern, Actimel ist zeitgemäß und von heute". Daß jetzt gerade die Frau den "modernen" Part verkörpert, kann man durchaus als Tribut an den Zeitgeist ansehen (und an die Tatsache, daß die Hauptzielgruppe - Frauen - sich eben am besten mit einer solchen identifizieren kann), aber desegen ist der Subtext nicht "Frauen sind von heute, Männer von gestern"! Stattdessen wurde der Subtext lediglich in eine Form gebracht, die den Konsumenten dort "abholt, wo er steht" - und der Durchschnittskonsument, egal ob Mann oder Frau, ist halt nunmal feministisch indoktriniert. Es ist schwer genug, effektive Werbung herzustellen, die "nur" Produkte verkauft, da halst man sich nicht noch zusätzliche Arbeit auf, indem man für irgendwelche Ideologien missioniert. Werbung ist dazu da, um Geld zu machen - und das hat mit Idealismus gar nichts zu tun. Was aber eben auch heisst, daß die Werbung sich nicht scheut, auf schon _vorhandenen_ Vorurteilen und Verblendungen der Konsumenten aufzubauen, wenn es der eigenen Sache nützt.

Gruss,
Paul

Re: Subliminal Messages: Ein urbaner Mythos?

Max, Sunday, 19.09.2004, 17:12 (vor 7810 Tagen) @ Paul

Als Antwort auf: Re: Subliminal Messages: Ein urbaner Mythos? von Paul am 19. September 2004 12:56:17:

Aha, so ist das also. Danke! War recht lehrreich. - Gruss Max

Re: Henne oder Ei - das Geschlechterbild in den Medien

Ekki, Monday, 20.09.2004, 11:56 (vor 7809 Tagen) @ Max

Als Antwort auf: Re: Henne oder Ei - das Geschlechterbild in den Medien von Max am 17. September 2004 22:15:44:

Hi Max!

Hi Ekki,

Das mit den Krimnis stimmt absolut, so wie du das schreibst. Aber mich interessiert eigentlich die andere Frage mehr. Lenkt uns das Fernsehen über unser Unterbewußtsein, bzw. - wird das versucht?
Was meinst du? - Max

Ich habe keinen Zweifel, daß auch in einer demokratischen Gesellchaft Lenkungsprozesse des Unterbewußtseins gezielt ins Werk gesetzt werden. Gerade was die Werbung betrifft, die Du ja ebenfalls angesprochen hast, dürfte das wohl selbst von den Werbemachern kaum bestritten werden. Aber auch in den Spielfilmen kommen jede Menge subtiler und weniger subtiler Botschaften rüber.

Darüber, welche Botschaften das sind und wie sie vermittelt werden, sind schon wissenschaftliche Arbeiten und Expertisen zu Hauf geschrieben worden.

Wichtig ist:

Der "mündige Bürger" sollte sich darüber im Klaren sein, daß auch und gerade ein demokratisches System nicht auf dieses Lenkungsinstrument verzichtet, und er sollte diese Mechanismen durchschauen lernen.

Ich muß jetzt erstmal hier in der Arbeit ranklotzen, dann werde ich mir die erfreuliche zahlreichen Reaktionen auf mein Posting mal ansehen und auch mit Dir einen Dialog über diese Frage führen.

Einen schönen Wochenanfang wünscht

Ekki

powered by my little forum