Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Amerikaner "wirft" Baby aus Auto

Magnus, Wednesday, 15.09.2004, 00:20 (vor 7814 Tagen)

Der Spiegel schreibt: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,318055,00.html

Washington - Eine Polizeikamera hielt die unfassbare Tat fest: Während seiner Flucht vor den Polizeibeamten bremst der 23-jährige Dana Bettin plötzlich unvermittelt ab und wirft das Baby seiner Freundin aus dem Autofenster.

Aha. Im Fernsehen sah das ganze bloß etwas anders aus. Er bremste ab - auf vielleicht 10 km/h - öffnete die Tür ganz, setzte das Baby auf die Straße und läßt los. Der Kindersitz rutscht noch einen Meter weiter, dreht sich dabei und kippt ungeschickter weise um - und zwar langsam. Also: nix aus dem Fenster rausgeschmissen, sondern auf die Straße gelegt, wohlwissend, dass die Polizei dahinter anhält.

Der Säugling, der noch in seinem Kindersitz angeschnallt ist, wird sofort von einem Polizisten in Sicherheit gebracht. Das Kind übersteht den Vorfall unverletzt.

Die Unverletztheit war nicht anders zu erwarten, so wie der Fahrer das gemacht hat.

Nach dem Wurf tritt Bettin wieder aufs Gas und versucht zu flüchten. Kurz darauf stirbt er jedoch, als er einen Polizeiwagen rammt.

Nach dem Wurf? Das war kein Wurf - ein Wurf sieht anders aus. Für mich sah es so aus: er hat gemerkt, wie gefährlich die Fahrt ist und setzte das Baby aus, damit es in einem möglichen Unfall nicht verletzt wird und er mit mehr risiko fahren kann. Ob er nun das Polizeiauto "gerammt" hat oder ob er von der Polizei abgedrängt wurde soll ja nun nebensächlich sein.

Wie hätte man den Text schreiben können? Ich machs mal mit einer Fahrerin:

"Während ihrer Flucht vor den Polizeibeamten bremst die 23-jährige Diana Bettin ab und setzt das Baby vorsichtig auf die Straße. Der Säugling, der noch in seinem Kindersitz angeschnallt ist, wird von einem Polizisten, der im Auto direkt hinter der Flüchtigen fuhr, unversehrt von der Strasse aufgenommen. Nachdem Bettin das Baby aus dem Wagen legte, trat sie wieder aufs Gas und versuchte zu flüchten. Kurz darauf stirbt sie jedoch, als ein Polizeiwagen sie zum Stoppen bringen wollte."

So entspricht das eher den gesehen Tatsachen - und so hätte man es vermutlich geschrieben, wenn eine Frau die Fahrerin gewesen wäre.

Als ich jedoch den Spiegelartikel gelesen hatte, war ich anfangs empört über den Fahrer - als ich aber das Polizeivideo gesehen haben und nix von einem Wurf aus dem "Autofenster" zu sehen war, sondern eher ein vorsichtiges ablegen, da war ich empört über den Spiegel. Wie kann man nur diesen Vorfall - der sicherlich einer ist - so böswillig interpretieren. Jeder kann sehen, dass das nicht den Tatsachen entsprach, aber selbst die Moderatorin im Fernsehen sprich von einem "Wurf". Es war aber definitiv kein Wurf.

Magnus

Re: Amerikaner "wirft" Baby aus Auto

Paul, Wednesday, 15.09.2004, 00:44 (vor 7814 Tagen) @ Magnus

Als Antwort auf: Amerikaner "wirft" Baby aus Auto von Magnus am 14. September 2004 21:20:09:

Hab' das ganze auch gesehen - und es stimmt, als "Wurf" kann man das beim besten Willen nicht bezeichnen. Allerdings klingt "Wurf" deutlich spektakulärer und man muß diese Nachricht ja auch an den Mann (oder die Frau?) bringen.

Das erinnert mich an die Ausgabe eines Boulevardmagazins vor etlichen Jahren, in dem ein Film gezeigt wurde, in dem ein französischer Journalist zeigen wollte, wie der Airbag vor Verletzungen schützen kann, indem er sich selbst an das Steuer eine größeren Limousine setze und damit seitlich einen Fiat Panda rammte.

Der Off-Kommentar war in etwa: "Und wie man in der Zeitlupe ganz deutlich sieht, fängt der Airbag den Fahrer beim Aufprall auf und verhindert so schwerwiegende Verletzungen..."

Was man auf der Aufnahme tatsächlich sah, war folgendes: Der Fahrer stemmte sich mit aller Kraft gegen das Lenkrad (Reflexhandlung) und konnte sich sogar soweit abstützen, daß er mit dem Airbag kaum in Kontakt kam! Das war möglich, weil die Limousine schätzungsweise 2-3 mal so schwer war, wie der gerammte Fiat Panda, und die Verzögerungswerte in der Fahrgastzelle der Limousine entsprechend gering waren. Der Airbag hatte bezüglich des Unfallausgangs (Fahrer unverletzt) also keine Rolle gespielt.

Das ist nur ein weiteres Beispiel dafür, für die "intelligent" manche Fernsehredaktionen ihre Zuschauer halten.

Gruß,
Paul

Re: Amerikaner "wirft" Baby aus Auto

Odin, Wednesday, 15.09.2004, 03:17 (vor 7814 Tagen) @ Magnus

Als Antwort auf: Amerikaner "wirft" Baby aus Auto von Magnus am 14. September 2004 21:20:09:

Der Spiegel schreibt: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,318055,00.html
Washington - Eine Polizeikamera hielt die unfassbare Tat fest: Während seiner Flucht vor den Polizeibeamten bremst der 23-jährige Dana Bettin plötzlich unvermittelt ab und wirft das Baby seiner Freundin aus dem Autofenster.
Aha. Im Fernsehen sah das ganze bloß etwas anders aus. Er bremste ab - auf vielleicht 10 km/h - öffnete die Tür ganz, setzte das Baby auf die Straße und läßt los. Der Kindersitz rutscht noch einen Meter weiter, dreht sich dabei und kippt ungeschickter weise um - und zwar langsam. Also: nix aus dem Fenster rausgeschmissen, sondern auf die Straße gelegt, wohlwissend, dass die Polizei dahinter anhält.

Das war nicht das Einzige heute Abend. Auf RTL Explosiv kam ein Bericht über die "unaufgeklärtheit" unserer Jugend - vor allem welch große Sprüche die Jungs reißen und nicht darüber Bescheid wissen und wie toll die Mädchen über Sex Bescheid wissen.
Der ganze Bericht war eine einzige Hatz auf unsere Jungs und wie toll im Gegensatz die Mädchen sind. Blöd war nur, daß das Bild mit dem Ton nicht überein stimmte. Die Mädels waren saublöd. Die Jungs gaben teilweise richtige Antworten, nur wurde von Interviewer nochmal nachgefragt und verunsichert. Das Ganze war so dreist, daß ich eine Mail zurückschreiben wollte, aber RTL ist da nicht ganz up to date - keine Mailadresse und im Internet kein Hinweis zu finden.

PS: Den obigen BEricht habe ich genauso verfolgt: Der Mann bremste gewaltig ab und legte das Kind auf die Straße. Allerdings muß ich Deine Umdeutung mit der Frau noch ergänzen:

"Die offensichtlich verwirrte Frau wurde sofort in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. In etwa 3 Jahren wird das Gericht entscheiden, ob ihr das Sorgerecht über das Kind tatsächlich entzogen werden kann."

Die perversen Medien tun wirklich ALLES für die Quote.´(oT)

Sven, Wednesday, 15.09.2004, 15:06 (vor 7814 Tagen) @ Magnus

Als Antwort auf: Amerikaner "wirft" Baby aus Auto von Magnus am 14. September 2004 21:20:09:

Der Spiegel schreibt: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,318055,00.html
Washington - Eine Polizeikamera hielt die unfassbare Tat fest: Während seiner Flucht vor den Polizeibeamten bremst der 23-jährige Dana Bettin plötzlich unvermittelt ab und wirft das Baby seiner Freundin aus dem Autofenster.
Aha. Im Fernsehen sah das ganze bloß etwas anders aus. Er bremste ab - auf vielleicht 10 km/h - öffnete die Tür ganz, setzte das Baby auf die Straße und läßt los. Der Kindersitz rutscht noch einen Meter weiter, dreht sich dabei und kippt ungeschickter weise um - und zwar langsam. Also: nix aus dem Fenster rausgeschmissen, sondern auf die Straße gelegt, wohlwissend, dass die Polizei dahinter anhält.
Der Säugling, der noch in seinem Kindersitz angeschnallt ist, wird sofort von einem Polizisten in Sicherheit gebracht. Das Kind übersteht den Vorfall unverletzt.
Die Unverletztheit war nicht anders zu erwarten, so wie der Fahrer das gemacht hat.
Nach dem Wurf tritt Bettin wieder aufs Gas und versucht zu flüchten. Kurz darauf stirbt er jedoch, als er einen Polizeiwagen rammt.
Nach dem Wurf? Das war kein Wurf - ein Wurf sieht anders aus. Für mich sah es so aus: er hat gemerkt, wie gefährlich die Fahrt ist und setzte das Baby aus, damit es in einem möglichen Unfall nicht verletzt wird und er mit mehr risiko fahren kann. Ob er nun das Polizeiauto "gerammt" hat oder ob er von der Polizei abgedrängt wurde soll ja nun nebensächlich sein.
Wie hätte man den Text schreiben können? Ich machs mal mit einer Fahrerin:
"Während ihrer Flucht vor den Polizeibeamten bremst die 23-jährige Diana Bettin ab und setzt das Baby vorsichtig auf die Straße. Der Säugling, der noch in seinem Kindersitz angeschnallt ist, wird von einem Polizisten, der im Auto direkt hinter der Flüchtigen fuhr, unversehrt von der Strasse aufgenommen. Nachdem Bettin das Baby aus dem Wagen legte, trat sie wieder aufs Gas und versuchte zu flüchten. Kurz darauf stirbt sie jedoch, als ein Polizeiwagen sie zum Stoppen bringen wollte."
So entspricht das eher den gesehen Tatsachen - und so hätte man es vermutlich geschrieben, wenn eine Frau die Fahrerin gewesen wäre.
Als ich jedoch den Spiegelartikel gelesen hatte, war ich anfangs empört über den Fahrer - als ich aber das Polizeivideo gesehen haben und nix von einem Wurf aus dem "Autofenster" zu sehen war, sondern eher ein vorsichtiges ablegen, da war ich empört über den Spiegel. Wie kann man nur diesen Vorfall - der sicherlich einer ist - so böswillig interpretieren. Jeder kann sehen, dass das nicht den Tatsachen entsprach, aber selbst die Moderatorin im Fernsehen sprich von einem "Wurf". Es war aber definitiv kein Wurf.
Magnus

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