Maskulistische Sprachkritik ;-)
Aus Bastian Sicks aktuell bei Kiepenheuer und Witsch erschienenem Buch "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod. Ein Wegweiser durch den Irrgarten der deutschen Sprache":
--- Der Krieg fordert viele Opfer, und in der Regel bekommt er sie auch. Meistens handelt es sich dabei um "unschuldige Frauen und Kinder". Männer scheinen per se schuldig, von "unschuldigen Männern" liest man jedenfalls erschreckend selten. --- (S. 136, 137)
--- Längst hat jeder Politiker die "Innen" in diesem Lande verinnerlicht. Viel zu groß ist die Angst, als antiemanzipatorisch und reaktionär gebrandmarkt zu werden, denn das ist gleichbedeutend mit unwählbar. So spricht jeder heute ganz selbstverständlich von den Wählerinnen und Wählern, den Europäerinnen und Europäern, den Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern. Daran haben wir uns inzwischen alle gewöhnt. Man kann bei allzu tiefer Verneigung vor dem weiblichen Geschlecht aber auch schon mal auf die Nase fallen: Immer wieder kommt es vor, dass eilfertig von der "ersten weiblichen Präsidentin" eines Landes oder "der ersten weiblichen Pilotin" einer Fluggesellschaft berichtet wird. (...) Hat der Bundestag sich schon jemals mit Steuerhinterzieherinnen und Steuerhinterziehern auseinander gesetzt? Interessiert es wirklich niemanden, wie viele Schwarzfahrerinnen und Schwarzfahrer jedes Jahr erwischt werden? Wo bleiben, wenn die Rede von Sozialschmarotzern und Leistungserschleichern ist, die Sozialschmarotzerinnen und Leistungserschleicherinnen? Sie zu unterschlagen bedeutet positive Diskriminierung. Und wollte man der Diskriminierung nicht gerade entgegentreten? --- (S. 170-172)
Das Buch basiert auf SPIEGEL-Online-Artikeln; letzerer war hier im Forum meiner Erinnerung nach auch schon mal verlinkt worden: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,293425,00.html.
Arne
von Arne Hoffmann am 06. September 2004 09:33:37: