Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Ich wußte es: es geht wieder los! Warum aus Frauen Terroristinnen werden!

Andreas, Sunday, 05.09.2004, 13:54 (vor 7824 Tagen)

Hallo, alle zusammen!

Als ich das erste Mal davon erfuhr, daß unter den russischen Geiselnehmern auch Frauen sind, da war mir klar, daß es nicht lange dauern würde, bis die Medien wieder Verständnis äußern würden für deren Bluttaten. Es sind ja schließlich Frauen! Jetzt ist es soweit! Die FAZ macht den Anfang.

Zum tschetschenischen Terrorismus
Warum sie morden
Von Mainat Abdulajewa

04. September 2004

GROSNYJ, 3. September. Die Schule in Beslan ist gestürmt, zur Zeit der Niederschrift dieses Artikels sind bereits fünf tote Kinder gefunden worden. Der tschetschenische Terrorismus hat einen neuen grausamen Höhepunkt erreicht. Gleich zu Beginn der Geiselnahme hatten sich in der Schule zwei Frauen unter den Terroristen, die von den russischen Medien als "schwarze Witwen" bezeichnet werden, sich selbst aber "Schahid" nennen, selbst in die Luft gesprengt; mit ihnen starb eine noch unbekannte Zahl von Opfern. Woher kommen diese Terroristinnen? Ein Rückblick gibt Antwort.

Eine junge Frau drängte sich am 10. Juni 2000 durch die Menge und faßte den russischen General Rassul Gadschijew beim Arm. "Kennen Sie mich noch?" fragte sie. Im nächsten Moment gab es eine gewaltige Detonation. Der General und acht seiner Leibwächter waren auf der Stelle tot. Dazu ein Dutzend Verletzte mit Splitterwunden. Auch die Frau selbst kam ums Leben.

Eine neue Form von Krieg

Ajsa Gasujewa, zweiundzwanzig Jahre alt, aus Urus-Martan in Tschetschenien, war die erste tschetschenische Selbstmordattentäterin. Was die schöne grünäugige Frau mit dem Sprengstoffgürtel um den Leib vor die Militärkommandantur von Urus-Martan geführt hatte, war der Verlust von sechzehn ihrer nächsten Verwandten, getötet von russischen Militärs in knapp einem Jahr seit Beginn des Krieges - darunter ihr Mann, zwei Brüder, eine Schwester, mehrere Cousins und Neffen. Ajsas Mann, der den Rebellen angehörte, war verwundet und gefangengenommen worden; noch am selben Tag stattete General Gadschijew, der Militärkommandant von Urus-Martan, ihm im Bezirkskrankenhaus einen Besuch ab. Er hatte keine Fragen an den Patienten, trat vor ihn hin und bohrte ihm das Bajonett in die Brust.

Danach war es Ajsa zweimal geglückt, bei ihm vorzusprechen und um Herausgabe der Leichname ihres Mannes beziehungsweise des Bruders zu bitten, doch Gadschijew ließ sich nicht erweichen. Beim letzten Besuch versprach er ihr unter Zeugen, sie bei lebendigem Leibe einzugraben, sollte sie es wagen, ihm noch einmal unter die Augen zu treten. Danach hatte die Frau ihr Zuhause verlassen, war zwei Wochen lang nicht gesehen worden. Bis sie am Morgen des 10. Juni 2000 vor dem Tor der Kommandantur auftauchte.

So begann in Tschetschenien eine neue Form von Krieg - der Krieg der Selbstmordattentäter. Menschen, die zu sterben bereit sind, wenn sie andere mit in den Tod reißen und so persönliche Rache nehmen können.

Die öffentliche Meinung in Rußland hat über die Attentäterinnen klare Vorstellungen

In den fünf Jahren seit Ausbruch des zweiten Tschetschenien-Krieges haben Dutzende Menschen, unter ihnen Frauen, diesen Akt der Verzweiflung begangen. Sie setzten sich ans Steuer sprengstoffbeladener Autos und drangen damit auf das Gelände irgendeines der zahlreichen Militärstützpunkte vor, sie zündeten ihre Sprengstoffgürtel in Sportstadien und auf Bahnhöfen, in Bussen und an Haltestellen. Sie besetzten im Oktober 2002 das Musical-Theater "Nord-Ost", nahmen Zuschauer als Geiseln, und sehr wahrscheinlich waren es tschetschenische Frauen, die in der vergangenen Woche auch die beiden russischen Flugzeuge zum Absturz gebracht haben.

Die öffentliche Meinung in Rußland hat über die Attentäterinnen klare Vorstellungen, und sie wird von den staatlichen Medien darin bestärkt: Schahid, das seien Zombies, die von Ideologen des Islamismus um den Verstand gebracht worden sind. Aber man muß die persönlichen Schicksale dieser Frauen kennen, um zu verstehen, wie sie, die früher ein vollkommen normales Leben führten, Mütter von Kindern, Ehefrauen, sich zu einem solch verheerenden Schritt entschließen können.

Dieses von Ausweglosigkeit und purer Verzweiflung gezeichnete Phänomen ist eine unmittelbare Folge der Vorgehensweisen des russischen Militärs, das Ortsansässige auf den bloßen Verdacht hin, den Mudschahedin anzugehören, ohne Ermittlung, ohne gerichtliches Urteil verschleppt, wenn nicht gleich erschießt. Manchmal auch einfach so, ohne jeden Verdacht.

Die Rache für ungezählte Tote

Fünf Jahre nach Kriegsbeginn erhält Rußland die schreckliche Quittung für sein Handeln. Die massenhaften Verbrechen, verübt im Namen des Kampfes gegen den Weltterrorismus auf dem Boden der winzigen Republik Tschetschenien, sind in Rußlands Städte zurückgekehrt - in Form von wohldurchdachten militärischen Operationen und Terrorakten einzelner. In Tschetschenien selbst, von dem der Kreml seit Jahren verkündet, daß der Frieden wiederhergestellt sei, ist der Widerstand keineswegs erlahmt, er wird im Gegenteil immer massierter und organisierter. Rußlands Machthaber können nun nicht mehr so tun, als bemerkten sie das nicht, und weiterhin Wahlen inszenieren, wie die vom August, wo in Abwesenheit jeglicher internationaler Beobachter gewählt wurde. Die tschetschenische Bevölkerung ignorierte diese Abstimmung weitgehend. Was das Staatliche Wahlkomitee nicht davon abhielt zu verkünden, mehr als achtzig Prozent der Tschetschenen hätten die Wahllokale aufgesucht.

Seit vielen Jahren wetteifern die russischen Fernsehkanäle darin, den Wiederaufbau der tschetschenischen Volkswirtschaft in den rosigsten Farben zu schildern, möglichst viele Reportagen von Ernterekorden auf Tschetscheniens Kornfeldern auszustrahlen. In Wirklichkeit sind diese Felder vermint und von Leichen übersät; der Krieg, ins sechste Jahr gehend und darin bereits dem Zweiten Weltkrieg vergleichbar, wird von beiden Seiten mit immer noch zunehmender Erbitterung geführt. Ein Ausweg ist für die nächsten Jahre kaum zu erwarten - falls Präsident Putin nicht doch noch die Einsicht gewinnt, daß seine Kaukasuspolitik Hunderttausende unschuldiger Menschen das Leben kostet. Beileibe nicht nur Tschetschenen, am Krieg beteiligte wie unbeteiligte, sondern längst auch die eigenen Landsleute, die ihn gewählt haben.

"Mit Terroristen wird nicht verhandelt!" verkündet Putin nach jedem neuen Vorstoß tschetschenischer Rebellen. Und so geht der Krieg weiter, und die Zahl der Opfer nimmt zu.

Daß in Tschetschenien zahllose unschuldige Menschen sterben, ist für Rußland nicht das Hauptproblem - daran hat man sich gewöhnt, scheint es auch für unvermeidlich zu halten. Nun aber wächst sich dieser Krieg langsam, aber sicher auf das ganze russische Territorium aus. Die jüngsten Ereignisse in ihrer traurigen Aufeinanderfolge lassen keinen Zweifel mehr zu, daß sie im Zusammenhang mit dem Krieg in Tschetschenien stehen, den zu beenden Rußland sich nicht in der Lage sieht. Die Crux ist, daß sich kein Krieg über einen derart langen Zeitraum unter der Decke halten, auf einen Status quo begrenzen läßt. Solange nicht eine der beiden Seiten unterliegt, breitet er sich zwangsläufig aus, erfaßt ein immer größeres Gebiet, immer mehr Menschen. Die Militäroperation, die den Terrorismus in Tschetschenien ausmerzen sollte, hat dazu geführt, daß ganz Rußland zum Kriegsschauplatz geworden ist.

Als Mowsar Barajews Kommando das Moskauer Musical-Theater besetzte, waren achtzehn Frauen dabei, die sämtlich ihre Angehörigen im Krieg verloren hatten. Eine von ihnen, die alle Welt während der Geiselnahme im Fernsehen sah, war die zweiundzwanzigjährige Asset aus einem Vorort von Grosnyj. Vor Ausbruch des Krieges hatte sie an der hiesigen Filiale einer Moskauer Privathochschule studiert und wollte Buchhalterin werden. Im Februar 2000 waren russische Soldaten in das von den Rebellen aufgegebene Grosnyj eingezogen und hatten Assets siebzehnjährigen Bruder getötet. Es gab keine Anschuldigungen - man zerrte ihn aus dem Keller, wo er sich mit anderen Zivilisten versteckt gehalten hatte, und erschoß ihn vor den Augen Assets. Anderthalb Jahre später fuhren eines Nachts bewaffnete Unbekannte in Panzerwagen vor Assets Haus und nahmen ihren Mann mit, einen achtundzwanzigjährigen Chirurgen im städtischen Krankenhaus, der seither verschollen ist.

Die anderen Geiselnehmerinnen im Musical-Theater hatten vergleichbare Schicksale. Alle hatten sie ihre Männer, Brüder, Kinder verloren oder Folter und Gewalt durch russische Soldaten am eigenen Leib erfahren.

Alle Russen gelten als schuldig

Wörtlich bedeutet Schahid: "der für den Glauben Gefallene". Der Islam untersagt den Suizid, doch gibt es eine Reihe Faktoren, die diesen in Friedenszeiten unverrückbaren Grundsatz außer Kraft setzen können. Krieg ist einer davon. Der Tod eines Schahid ist kein herkömmlicher Fall von Selbstmord, wo ein Mensch eine Rechnung mit sich selbst begleicht. Hier leistet der Rachegedanke den entscheidenden Antrieb, der Wunsch, die Gerechtigkeit wiederherzustellen, und sei es um den Preis, daß Unschuldige ihr Leben lassen müssen. Denn jene, um derentwillen diese Frauen Rache üben, traf auch keine Schuld. Und darum, so meinen sie, habe sich jeder, der teilnahmslos und schweigend die Verbrechen geduldet hat, wie sie über Jahre in Tschetschenien verübt wurden, mitschuldig gemacht und verdiene die Rache.

Jedesmal nach einem Terrorakt unter Beteiligung einer Selbstmordattentäterin mahnen die russischen Medien zu besonderer Wachsamkeit. Manche von ihnen geben spezielle Ratschläge, wie man sich im Falle eines Sprengstoffanschlags am besten schützt und woran man einen weiblichen Schahid erkennt. Als äußere Merkmale werden schwarze Kleidung und die für Muslime typischen Kopfbedeckungen genannt. In Wirklichkeit läßt sich eine Frau, die einen Sprengstoffgürtel trägt, kaum erkennen. Sie hebt sich nicht ab in der Menge, und natürlich geht sie nicht im Parandscha, nicht verschleiert. Eine, die sich psychisch für den Tod gerüstet hat, schert sich nicht mehr um islamgerechte Kleidung, Kopftuch und dergleichen. All ihr Bestreben wird im Gegenteil darauf gerichtet sein, sich nicht vom Durchschnittsbürger zu unterscheiden, um keine unnötige Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Auch die Behauptung, man könne einen Schahid an seiner Nervosität erkennen, ist wirklichkeitsfremd: Haben sich diese Menschen doch längst von allem Weltlichen gelöst und sehen ihren Tod als Akt der Läuterung und Aufopferung. Zu sterben ist für sie ein heiliger Akt, weshalb sie ihn zumeist kühlen Blutes vollziehen.

Damals, als die Welt die Tragödie im Moskauer Musical-Theater mitansehen mußte, unterhielt sich die dreiundzwanzigjährige Philologie-Studentin Tamila aus Grosnyj mit ihrer Mutter: "Hätte ich gewußt, daß Barajews Kommando diesen Überfall plant, ich wäre mit dabei." Als die schockierte Mutter einzuwenden versuchte, es handele sich bei den Geiselnehmern doch immer um Kriegsgeschädigte, Menschen, die ihre Nächsten verloren hatten, sagte ihr die Tochter: "Soll ich etwa warten, bis sie jemanden aus unserer Familie töten, um Rache üben zu dürfen?"

Tamila mußte nicht lange warten: Im März 2003 entführten die Militärs ihren Bruder, sein Schicksal ist unbekannt. Vier Wochen später verschwand auch sie. Keiner weiß, wo sie steckt. Möglicherweise wurde auch Tamila verschleppt. Doch kann es ebensogut sein, daß sie unter jenen ist, die nun die Schule im ossetischen Städtchen Beslan überfielen.

http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~EEDDB33F9D5A042458DB2643610ACD164~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Re: Ich wußte es: es geht wieder los! Warum aus Frauen Terroristinnen werden!

pit b., Sunday, 05.09.2004, 15:09 (vor 7824 Tagen) @ Andreas

Als Antwort auf: Ich wußte es: es geht wieder los! Warum aus Frauen Terroristinnen werden! von Andreas am 05. September 2004 10:54:50:

Hallo, alle zusammen!
[quote]Als ich das erste Mal davon erfuhr, daß unter den russischen Geiselnehmern auch Frauen sind, da war mir klar, daß es nicht lange dauern würde, bis die Medien wieder Verständnis äußern würden für deren Bluttaten. Es sind ja schließlich Frauen! Jetzt ist es soweit! Die FAZ macht den Anfang.
[/quote]

Genau das solltest du als Leserbrief an die FAZ schreiben.

Re: Ich wußte es: es geht wieder los! Warum aus Frauen Terroristinnen werden!

Rüdiger, Sunday, 05.09.2004, 19:28 (vor 7824 Tagen) @ pit b.

Als Antwort auf: Re: Ich wußte es: es geht wieder los! Warum aus Frauen Terroristinnen werden! von pit b. am 05. September 2004 12:09:30:

Hallo, alle zusammen!

Als ich das erste Mal davon erfuhr, daß unter den russischen Geiselnehmern auch Frauen sind, da war mir klar, daß es nicht lange dauern würde, bis die Medien wieder Verständnis äußern würden für deren Bluttaten. Es sind ja schließlich Frauen! Jetzt ist es soweit! Die FAZ macht den Anfang.[/i]

Genau das solltest du als Leserbrief an die FAZ schreiben.

Also ich habe Verständnis dafür, daß ein Mensch, gleich ob Mann oder Frau, dem man seine ganze Verwandtschaft ermordet, nur noch aus Wut besteht und nur noch an Rache denkt - ginge mir wahrscheinlich genauso. Ihr habt mein Leben ruiniert, dann ruinier ich eures, würde ich wahrscheinlich denken ....

Gruß, Rüdiger

Re: Ich wußte es: es geht wieder los! Warum aus Frauen Terroristinnen werden!

Manfred, Monday, 06.09.2004, 01:27 (vor 7823 Tagen) @ Rüdiger

Als Antwort auf: Re: Ich wußte es: es geht wieder los! Warum aus Frauen Terroristinnen werden! von Rüdiger am 05. September 2004 16:28:46:

Hallo, alle zusammen!

Als ich das erste Mal davon erfuhr, daß unter den russischen Geiselnehmern auch Frauen sind, da war mir klar, daß es nicht lange dauern würde, bis die Medien wieder Verständnis äußern würden für deren Bluttaten. Es sind ja schließlich Frauen! Jetzt ist es soweit! Die FAZ macht den Anfang.[/i]

Genau das solltest du als Leserbrief an die FAZ schreiben.

Also ich habe Verständnis dafür, daß ein Mensch, gleich ob Mann oder Frau, dem man seine ganze Verwandtschaft ermordet, nur noch aus Wut besteht und nur noch an Rache denkt - ginge mir wahrscheinlich genauso. Ihr habt mein Leben ruiniert, dann ruinier ich eures, würde ich wahrscheinlich denken ....
Gruß, Rüdiger

Sicher. Aber die Wahrscheinlichkeit, daß die FAZ Dir mit vergleichbarem Eifer ein rehabilitierendes und für Nachahmungstäter prophylaktisches Psychogramm schnitzt, ist geringer einzuschätzen.

Wieviel solcher Artikel hätten schon über die Palästinenser geschrieben werden müssen, wolle man hier gleiche Maßstäbe anlegen?

Gruß,
Manfred

Re: Ich wußte es: es geht wieder los! Warum aus Frauen Terroristinnen werden!

Eugen Prinz, Monday, 06.09.2004, 02:16 (vor 7823 Tagen) @ Manfred

Als Antwort auf: Re: Ich wußte es: es geht wieder los! Warum aus Frauen Terroristinnen werden! von Manfred am 05. September 2004 22:27:07:

Wieviel solcher Artikel hätten schon über die Palästinenser geschrieben werden müssen, wolle man hier gleiche Maßstäbe anlegen?
Gruß,
Manfred

ein wohltuendes Statement, Manfred. Der gleiche Gedanke ging mir durch den Kopf. Für unser "Kerngeschäft" ist aus diesen schrecklichen Konflikten nichts zu gewinnen.

Eugen

Re: Tschetschenien

Andreas (der andere), Sunday, 05.09.2004, 20:40 (vor 7824 Tagen) @ Andreas

Als Antwort auf: Ich wußte es: es geht wieder los! Warum aus Frauen Terroristinnen werden! von Andreas am 05. September 2004 10:54:50:

So sehr es zu verurteilen ist, daß die Sache gemäß der üblichen Geschlechterclichés aufbereitet werden muß, um den Augen der Medienöffentlichkeit präsentiert werden zu können - in diesem Fall empfinde ich alles, was die Menschen auch nur ansatzweise über die Zustände in Tschetschenien aufklärt, als dringend notwendigen Schritt. So schrecklich diese Vorkommnisse der letzten Tage waren, so wenig wird es zu einer Änderung der Ursachen dieser beitragen, die Tschetschenen einfach als "Terroristen" abzutun. Der Terror, der sich der öffentlichen Wahrnehmung entzieht, beginnt schon wesentlich früher (im letzten Auslandsjournal gab es einige gute Beiträge dazu), und solange sich in dieser Beziehung nichts ändert, werden auch solche Attentate nicht abreißen. Also laßt sie diese Artikel schreiben, wenn sie dazu dienen, die Welt auf den Völkermord in Tschetschenien aufmerksam zu machen.

Re: Tschetschenien

Nick, Sunday, 05.09.2004, 22:40 (vor 7823 Tagen) @ Andreas (der andere)

Als Antwort auf: Re: Tschetschenien von Andreas (der andere) am 05. September 2004 17:40:46:

Zustimmung, Andreas!

"Wie immer" hängt dieser scheinbare Dissenz wieder mal an mangelnder Unterscheidung: der Völkermord in Tschetschenien und die Behandlung der jüngsten Ereignisse in den hiesigen Medien sind schlicht und einfach zwei völlig unterschiedliche Fragen, die direkt überhaupt nichts miteinander zu tun haben - außer daß sie eben nunmal beide anläßlich der Ereignisse in Beslan aktualisiert werden.

Aussagen zum zweiten Fragenkomplex implizieren also überhaupt nichts hinsichtlich des ersten. Dieser prinzipielle logische Fehler wird (besonders von "Gutmenschen") dauernd begangen und führt jedesmal neu zu denselben unnötigen (resp. "beabsichtigten"?) Mißverständnissen - und den meist mit großer Emphase und Moralinübersäuerung geführten Scheindebatten.

Ich sehe es wie du: jeder Artikel, der die Welt auf den Völkermord in Tschetschenien aufmerksam macht, ist zu begrüßen. Denn jener ist das bei weitem grausigere Problem!

Wenn das sauber unterschieden wird, dann kann man allerdings auch über die zweite Frage natürlich diskutieren.

Gruß vom
Nick

Re: Tschetschenien

Maesi, Monday, 06.09.2004, 22:04 (vor 7822 Tagen) @ Nick

Als Antwort auf: Re: Tschetschenien von Nick am 05. September 2004 19:40:34:

Hallo Nick

"Wie immer" hängt dieser scheinbare Dissenz wieder mal an mangelnder Unterscheidung: der Völkermord in Tschetschenien und die Behandlung der jüngsten Ereignisse in den hiesigen Medien sind schlicht und einfach zwei völlig unterschiedliche Fragen, die direkt überhaupt nichts miteinander zu tun haben - außer daß sie eben nunmal beide anläßlich der Ereignisse in Beslan aktualisiert werden.

Zustimmung. Der Genozid in Tschetschenien sollte nicht deshalb thematisiert werden, weil Terroristen ihn durch einen grausamen Terroranschlag in 'Erinnerung rufen, sondern weil er (in diesem Fall durch russische Truppen) veruebt wird. Dass Putins Politik der 'harten Hand' keinen Erfolg haben wird, war absehbar - insbesondere mit den zweimal stuemperhaft gefaeschlten Wahlen. Schon Jelzin war zuvor bei der gewaltsamen 'Befriedung' Tschetscheniens gescheitert, hatte aber immerhin die Groesse, den Krieg zu beenden. Andererseits 'genoss' Tschetschenien zwischen den Kriegen de facto Unabhaengigkeit; Ueberfaelle und subversive Aktionen auf das benachbarte Gebiet der russischen Republik waren auch in dieser Zeit an der Tagesordnung. Die Tschetschenen muessen sich vorwerfen lassen, dass sie die Zeit des Friedens schlecht genuetzt haben und selber duldeten, dass die eigenen Scharfmacher den Konflikt mit Russland immer wieder anheizten. Dieser Krieg ist somit auch die Quittung fuer ihre staendigen Provokationen in Friedenszeiten - auch wenn Putins Reaktion darauf voellig unverhaeltnismaessig ist.

Aussagen zum zweiten Fragenkomplex implizieren also überhaupt nichts hinsichtlich des ersten. Dieser prinzipielle logische Fehler wird (besonders von "Gutmenschen") dauernd begangen und führt jedesmal neu zu denselben unnötigen (resp. "beabsichtigten"?) Mißverständnissen - und den meist mit großer Emphase und Moralinübersäuerung geführten Scheindebatten.

Gut argumentiert.

Ich sehe es wie du: jeder Artikel, der die Welt auf den Völkermord in Tschetschenien aufmerksam macht, ist zu begrüßen. Denn jener ist das bei weitem grausigere Problem!

Voellige Zustimmung. Hier erweist sich insbesondere Schroeder als Duckmaeuser, der am ruecksichtslosen Vorgehen seines Spezis Putin schon seit Jahren kaum Kritik uebt. Seine Bemerkung nach der Klausur, dass aufgrund des grausamen Terroranschlags jetzt nicht der richtige Zeitpunkt fuer Kritik sei, mag aus Pietaetsgruenden stimmen; angesichts seines jahrelangen notorischen Schweigens zum gnadenlosen Krieg gegen die tschetschenische Zivilbevoelkerung, kann man sie allerdings nicht fuer bare Muenze nehmen.

Wenn das sauber unterschieden wird, dann kann man allerdings auch über die zweite Frage natürlich diskutieren.

Wiederum Zustimmung.

Gruss

Maesi

Re: Ich wußte es: es geht wieder los! Warum aus Frauen Terroristinnen werden!

Joseph S, Tuesday, 07.09.2004, 01:38 (vor 7822 Tagen) @ Andreas

Als Antwort auf: Ich wußte es: es geht wieder los! Warum aus Frauen Terroristinnen werden! von Andreas am 05. September 2004 10:54:50:

Hallo Andreas,

vielleicht fehlen diesen Frauen wirklich die Männer, die sie in den Kampf schicken können.
Deshalb sind sie dann gezwungen, für ihre Rachewünsche sich selbst die Finger schmutzig
zu machen.

Gruß
Joseph

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