Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 1 - 20.06.2001 - 20.05.2006

67114 Postings in 8047 Threads

[Homepage] - [Archiv 1] - [Archiv 2] - [Forum]

aktueller Hörfunktip - gerade in HR2

Eugen Prinz, Tuesday, 31.08.2004, 01:23 (vor 7829 Tagen)

gerade in HR2 - Walter Hollstein - Männerforscher im Gespräch

Re: habe wieder abgeschaltet - wenig ergiebig (n/t)

Eugen Prinz, Tuesday, 31.08.2004, 01:35 (vor 7829 Tagen) @ Eugen Prinz

Als Antwort auf: aktueller Hörfunktip - gerade in HR2 von Eugen Prinz am 30. August 2004 22:23:07:

Re: Nachtrag zu Hollstein

Eugen Prinz, Tuesday, 31.08.2004, 02:08 (vor 7829 Tagen) @ Eugen Prinz

Als Antwort auf: Re: habe wieder abgeschaltet - wenig ergiebig (n/t) von Eugen Prinz am 30. August 2004 22:35:02:

...habe dann doch noch mal eingeschaltet, aber es wurde nicht interessanter. Er hat eher nicht unser Thema (Gleichberechtigung).

Männerforschung? Gibt es da was für uns abzubeißen? Ich bezweifle das, wenn ich Sätze von ihm höre wie: "Mit sich ins Reine zu kommen, da haben die Frauen aufgrund der Frauenbewegung einen Vorsprung."

Frauen genießen (u.a. aufgrund der Fauenbewegung) heute mannigfache Bevorzugung - aber dafür, dass sie mit sich besser ins Reine gekommen wären, sehe ich eigentlich keine Anzeichen.

Insgesamt enttäuschend. Die Interviewerin stellte geschraubte Fragen und Hollstein hat das Gespräch nicht anders steuern können oder wollen.

Eugen

Re: Nachtrag zu Hollstein

Andreas, Tuesday, 31.08.2004, 04:11 (vor 7829 Tagen) @ Eugen Prinz

Als Antwort auf: Re: Nachtrag zu Hollstein von Eugen Prinz am 30. August 2004 23:08:35:

Hallo Eugen,

...habe dann doch noch mal eingeschaltet, aber es wurde nicht interessanter. Er hat eher nicht unser Thema (Gleichberechtigung).
Männerforschung? Gibt es da was für uns abzubeißen? Ich bezweifle das, wenn ich Sätze von ihm höre wie: "Mit sich ins Reine zu kommen, da haben die Frauen aufgrund der Frauenbewegung einen Vorsprung."

jaja, das ist das altbekannte Lied. Die Männchenforschung wird mir auch immer unsympathischer, da sich dahinter nichts anderes als der typische Frauenverherrlichungswahn in neuem Gewand verbirgt. Der Mann krümmt sich hier wieder, verharrt in der Demutshaltung und meditiert gewissenhaft über die angebliche allgegenwärtige Superiorität des weiblichen Geschlechts.

Es ist immer dasselbe. Entweder die Männerrechtsbewegung wird in die ultrakonservative alle-Frauen-zurück-an-den-Herd-Ecke gestellt oder sie wird von der Männchenforschung usurpiert, die dem Mann lediglich permanente Selbstgeißelung ob des Verlustes seiner eigenen Identität abverlangt, "damit er endlich wieder mit sich selbst ins Reine kommen kann", um dann der Frau in aller "Ritterlichkeit" dienen zu können. Es ist wirklich erbärmlich!

besten Gruß
Andreas

Re: Nachtrag zu Hollstein

Eugen Prinz, Tuesday, 31.08.2004, 14:29 (vor 7829 Tagen) @ Andreas

Als Antwort auf: Re: Nachtrag zu Hollstein von Andreas am 31. August 2004 01:11:38:

Hallo,

die Männerforschung scheint uns wirklich nicht weiterzubringen. Wir wollen ja keine Zustandsbeschreibung. Wir wollen eine Veränderung. Wenn ich mich in der sog. Frauenforschung umsehe - das ist eine Flut von Veränderungen-einklagenden Schriften. Dagegen scheint mir alles was von Hollstein, Amendt und ein paar anderen gemacht wird, nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Man muss auch bedenken: Das sind Beamte! Da ist kaum zu hoffen, dass sie ihre Reputation in die Waagschale werfen, ihre Arbeitgeberin vehement wegen Verletzung des Gleichberechtigungsgrundsatzes anzuklagen.

Das Wort Gleichberechtigung kam im Interview, soweit ich es verfolgt habe, nicht vor. Aber das ist das einzige worauf es ankommt. Was will ich mit der Forschung. Der Mann von heute ist auch das Ergebnis der Bedingungen von heute. Es ist für Frauen von heute keine Kunst selbstbewusst mit geschwellter Brust herumzulaufen, wenn das Selbstbewusstsein durch ein Korsett von Gesetzen und Propaganda gestützt wird.

Wenn einer ein besserer Mann werden will - bitte schön. Das kann sicher nicht schaden. Aber unser Ziel (bei manndat) ist es, die gesetzlichen Benachteiligungen für Männer abzuschaffen. Vielleicht werden die Männer dadurch ja auch besser ;-)

Gruß von Eugen

Re: Nachtrag zu Hollstein

Arne Hoffmann, Tuesday, 31.08.2004, 17:49 (vor 7829 Tagen) @ Eugen Prinz

Als Antwort auf: Re: Nachtrag zu Hollstein von Eugen Prinz am 31. August 2004 11:29:13:

Hallo,

Das Wort Gleichberechtigung kam im Interview, soweit ich es verfolgt habe, nicht vor. Aber das ist das einzige worauf es ankommt. Was will ich mit der Forschung.

Für mich wäre es durchaus eines von vielen Zielen der Gleichberechtigung, dass Männerforschung genauso intensiv wie Frauenforschung betrieben wird. Eine einseitige akademische Ausrichtung stellt ja oft einen rechtfertigenden Überbau für einseitige gesellschaftliche Zustände dar. Um mal von meinem eigenen Ausbildungszweig zu sprechen: Wir haben eine "feministische Filmwissenschaft" (Laura Mulvey und Co.), aber bestenfalls in Ansätzen eine "maskulistische". Dabei wäre es schon interessant zu schauen, ob z. B. das klassische Heldenbild im Hollywood-Kino mit dafür sorgt, dass sich vor allem junge Männer immer noch bereitwillig in Kriegen verheizen lassen. Das ist ein Thema, das ich ungern allein Alice Schwarzer überlassen möchte.

Aber unser Ziel (bei manndat) ist es, die gesetzlichen Benachteiligungen für Männer abzuschaffen. Vielleicht werden die Männer dadurch ja auch besser ;-)

Klar. Ist ja oft, so dass Menschen "besser" werden, sobald die gesellschaftlichen Bedingungen für sie erträglicher sind.

Herzlicher Gruß

Arne

Re: Nachtrag zu Hollstein

Eugen Prinz, Tuesday, 31.08.2004, 18:54 (vor 7829 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: Re: Nachtrag zu Hollstein von Arne Hoffmann am 31. August 2004 14:49:48:

Hallo Arne,

Für mich wäre es durchaus eines von vielen Zielen der Gleichberechtigung, dass Männerforschung genauso intensiv wie Frauenforschung betrieben wird.

Selbstverständlich! Es ist allenfalls eine Frage der Reihenfolge oder der Prioritäten. Wenn die Forschung im luftleeren Raum betrieben wird, oder nur so ein bisschen "Neue Männlichkeit" für die Männer dabei abfällt, oder wenn sie gar den Frauen zuarbeitet, ihnen einen Neuen Mann zu backen, dann kann sie mir...

Aber wenn der Gleichberechtigungsgedanke ernst genommen wird, und erst recht das schwülstige gender-mainstreaming, dann versteht es sich eigentlich von selbst, dass auch die männliche Realität erforscht werden muss, mit an erster Stelle das von dir angesprochenen Männerbild in den Medien.

Schönen Gruß von Eugen

Re: Nachtrag zu Hollstein

Maesi, Friday, 03.09.2004, 01:29 (vor 7826 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: Re: Nachtrag zu Hollstein von Arne Hoffmann am 31. August 2004 14:49:48:

Hallo Arne

Das Wort Gleichberechtigung kam im Interview, soweit ich es verfolgt habe, nicht vor. Aber das ist das einzige worauf es ankommt. Was will ich mit der Forschung.

Für mich wäre es durchaus eines von vielen Zielen der Gleichberechtigung, dass Männerforschung genauso intensiv wie Frauenforschung betrieben wird. Eine einseitige akademische Ausrichtung stellt ja oft einen rechtfertigenden Überbau für einseitige gesellschaftliche Zustände dar.

Offen gestanden halte ich die Konstruktion einer 'Frauenforschung' fuer einen wissenschaftlichen Suendenfall; in vielen (wenn nicht in allen) Bereichen lassen sich die Geschlechter schlichtweg nicht sinnvoll voneinander trennen, weil die Wechselwirkungen zwischen ihnen viel zu umfangreich sind. Frauen- bzw. Maennerforschung ist nichts anderes als der Versuch die Wissenschaft in einen ideologisch-begruendeten Kontext zu zwaengen. Wissenschaftlich haltbar waere eigentlich eine Geschlechterforschung, die sich selbstverstaendlich um die Erforschung beider Geschlechter gleichermassen kuemmert. Inzwischen ist aber die Frauenforschung schon so weit fortgeschritten und hat sich derart gut an den Hochschulen etabliert, dass wir wohl um eine Maennerforschung als Kompensation nicht mehr herumkommen - leider.

Gruss

Maesi

Re: Nachtrag zu Hollstein

Odin, Tuesday, 31.08.2004, 13:22 (vor 7829 Tagen) @ Eugen Prinz

Als Antwort auf: Re: Nachtrag zu Hollstein von Eugen Prinz am 30. August 2004 23:08:35:

...habe dann doch noch mal eingeschaltet, aber es wurde nicht interessanter. Er hat eher nicht unser Thema (Gleichberechtigung).
Männerforschung? Gibt es da was für uns abzubeißen? Ich bezweifle das, wenn ich Sätze von ihm höre wie: "Mit sich ins Reine zu kommen, da haben die Frauen aufgrund der Frauenbewegung einen Vorsprung."
Frauen genießen (u.a. aufgrund der Fauenbewegung) heute mannigfache Bevorzugung - aber dafür, dass sie mit sich besser ins Reine gekommen wären, sehe ich eigentlich keine Anzeichen.
Insgesamt enttäuschend. Die Interviewerin stellte geschraubte Fragen und Hollstein hat das Gespräch nicht anders steuern können oder wollen.
Eugen

Naja, Hollstein ist DER Männerforscher in Deutschland, alles andere spielt in der zweiten Liga. Allerdings ist er nicht das, was man einen Teilnehmer der Männerbewegung nennen könnte. Ich habe mal einen ausgezeichneten Artikel von ihm in einem Heft der Männerabteilung im österreichischen Familienministeriums gelesen. Er hat schon interessante Ansätze.
Daß Frauen durch die Frauenbewegung einen großen Vorsprung haben, ist doch klar. Wir Männer hinken da gewaltig hinterher.

powered by my little forum