Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Verhütungsmittel (nicht) auf Krankenschein

Ekki, Monday, 30.08.2004, 12:27 (vor 7830 Tagen)

Hallo allerseits!

In beiden Kammern des polnischen Parlaments fand in der vergangenen Woche eine hitzige Debatte darüber statt, ob die Kosten für Verhütungsmittel von den Krankenkassen erstattet werden sollen.

Hintergrund war die Debatte über die Gesundheitsreform, die in Polen genauso hohe Wellen schlägt wie in Deutschland.

Folgende interessante Kombination kam zustande:

Aus den Reihen der regierenden Linkspartei wurden in der zweiten Kammer des Parlaments, dem Senat, folgende Vorschläge für Änderungen an dem von der ersten Kammer, dem Sejm, verabschiedeten Gesetz gemacht:

a) Die Geistlichen sollten ihr Privileg verlieren, die Sozialversicherungsbeiträge nicht aus der eigenen Tasche bezahlen zu müssen, sondern sie von ihrem Arbeitgeber, sprich dem jeweiligen Bistum, bezahlt zu bekommen.

b) Die Verhütungsmittel sollten künftig von den Krankenkassen finanziert werden.

Natürlich war beides gegen die Kirche gerichtet und traf auf eine entsprechende Reaktion.

Der Primas Glemp meinte wörtlich: „Die Kirche nimmt mit gebührender Demut zur Kenntnins, das einige Politiker sich anheischig machen, eine 2000 Jahre alte Institution belehren zu wollen.“

Und ein anderer als „liberal“ geltende Geistlicher meinte, es sei ja schon öfter vorgekommen, dass der Senat den Sejm korrigiert habe (eine Anspielung auf die Zeit, als die zweite Kammer des polnischen Parlaments von katholisch-konservativen Abgeordneten beherrscht wurde, an der Spitze Alicja Grzeskowiak, die im Zweifelsfalle katholischer war als der Papst), und diesmal könne es ja umgekehrt kommen.

Auf das Sozialversicherungsprivileg gehe ich hier – da off topic – nicht näher ein, sondern möchte nur erwähnen, dass die Kirche den Initiatoren dieser Änderungen vorhielt, sie wollten die Kirche zweifach schädigen, indem sie mit den Mitteln, die sie durch die Streichung des Sozialversicherungsprivilegs gewinnen, die aus Sicht der Kirche moralisch verdammenswerte Finanzierung von Verhütungsmitteln durch die Krankenkassen förderten.

Viel interessanter war aber etwas anderes:

Die Linksregierung stellte sich gegen die Initiative ihrer eigenen Abgeordneten, da sie es sich mit der Kirche nicht verderben wollte.

Als das Gesetz in der entscheidenden dritten Lesung wieder in der ersten Kammer, dem Sejm, beraten wurde, donnerte eine katholisch-konservative Abgeordnete von der Rednertribüne herab, die Initiatoren der o.g. Änderungen müßten sich fragen lassen, ob sie das Vergnügen beim Sexualakt tatsächlich höher stellen wollten als das menschliche Leben.

Reaktion im Plenum: Brüllendes Gelächter nach den Worten „Vergnügen des Sexualaktes“.

Muß ich noch erwähnen, dass die Regierung und die Kirche sich durchsetzten und beide vorgeschlagenen Änderungen verworfen wurden?

Da konnte man mal wieder exemplarisch die Feigheit der Kirchengegner sehen:

Die einzig richtige Antwort auf die Einlassung der zitierten katholisch-konservativen Abgeordneten wäre gewesen:

„Jawoll, Madame, wir stellen das Vergnügen des Seuxalaktes höher als das menschliche Leben, der menschliche Organismus braucht in einem Leben viele Male Geschlechtsverkehr, aber mit jedem solchen Akt – oder doch mit den meisten – Kinder zu zeugen, wäre Wahnsinn. Siehe die Zustände in der dritten Welt.“

Statt dessen – buchstäblich ein Schwanz-Einziehen.

Solange sich an dieser erbärmlichen Feigheit nichts ändert, hat die Kirche nichts zu fürchten. Und das von der Doppelmoral erzeugte menschliche Elend, unter dem auch kirchenferne Menschen zu leiden haben, weil die ganze Gesellschaft davon vergiftet wird, wird weiter wuchern.

Gruß

Ekki

Nachtrag

Ekki, Monday, 30.08.2004, 13:09 (vor 7830 Tagen) @ Ekki

Als Antwort auf: Verhütungsmittel (nicht) auf Krankenschein von Ekki am 30. August 2004 09:27:01:

P.S.: Soweit ich weiß, hat die Kirche auch in Deutschland die "Pille auf Krankenschein" bisher verhindert - oder bin ich da nicht auf dem Laufenden?

Re: Nachtrag

Jolanda, Monday, 30.08.2004, 14:26 (vor 7830 Tagen) @ Ekki

Als Antwort auf: Nachtrag von Ekki am 30. August 2004 10:09:10:

P.S.: Soweit ich weiß, hat die Kirche auch in Deutschland die "Pille auf Krankenschein" bisher verhindert - oder bin ich da nicht auf dem Laufenden?

Lieber Ekki

Ich musste schmunzeln. Ich habe keine Ahnung inwieweit sich die Krankenkassen und der Staat hier hinein reden lassen. Ich weiss einfach nur, dass es hier in der Schweiz nichts mit dem Papst oder der Kirche zu tun hat, dass die Pille nicht bezahlt wird.

Denn bei uns werden bei einer Schwangerschaft auch nur zwei Ultraschalle bezahlt, was sehr, sehr wenig ist, da gerade hier auch Probleme während einer Schwangerschaft ersichtlich werden.

Hätte die Kirche so viel Einfluss darauf, was nun bezahlt wird und was nicht, müsste sie hier intervenieren, denn es geht um den Schutz eines bereits gezeugten ungeborenen Kindes.

Ist echt süss...sei mir nicht böse Ekki...aber dass man glauben kann, dass die Kirche hier so viel Einfluss hat, dass sie bestimmen kann, was nun auf Krankenschein läuft und was nicht. Gerade wo man weiss, was die Pharmaindustrie für eine grenzenlose Mafia ist, die ihre eigenen Gesetze hat und der Staat macht, was er will, egal wie die Kirche denkt.

Wäre komisch, wenn wir eine Fristenlösung zulassen, obwohl die Kirche diese verurteilt und dann aber auf sie hören und die Pille deswegen nicht auf Krankenschein laufen lassen.

Wir haben kein Geld Ekki. Es wird nur bezahlt, was unbedingt sein muss und man wird uns in den nächsten Jahren immer weniger bezahlen. Aber das wird unabhängig von der Kirche passieren, glaube mir ;-)

Herzlicher Gruss
Jolanda

Re: Nachtrag

Ekki, Monday, 30.08.2004, 15:02 (vor 7830 Tagen) @ Jolanda

Als Antwort auf: Re: Nachtrag von Jolanda am 30. August 2004 11:26:59:

Liebe Jola!

In der Schweiz mag dies ja so sein (dazu unten mehr). In Polen jedenfalls wird von keiner Seite ein Hehl daraus gemacht, daß es die Kirche ist, die hier die Gesetze und überhaupt die gesellschaftliche Realität bestimmt.

Viele Ärzte weigern sich, Schwangere bezüglich einer Abtreibung zu beraten oder gar Abtreibungen vorzunehmen.

Neulich wurde ein Fall publik, wo eine Frau, die sich eine Spirale hatte einsetzen lassen, schwanger wurde und daraufhin von ihrer Frauenärztin von oben herab an den Kopf geknallt bekam:

"Natürlich habe ich Ihnen das Mordwerkzeug bei der letzten Untersuchung entfernt."

Zurück zur Schweiz:

So richtig es ist, daß überall das Geld knapp wird - es ist eben immer angebracht, zu fragen, wofür wieviel Geld da ist und warum. Das ist nie eine rein fiskalische Frage - hinter einer Bezuschussung oder eben deren Verweigerung stehen sehr oft politische oder sonstige Interessen, ohne daß dies in jedem Einzelfall expressis verbis zugegeben würde.

Und daß die Kirche Großmeisterin darin ist, ihre Einfluß durch die Hintertür auszuüben, das muß man ihr lassen - und davon sollte man lernen.

Also - zum Schmunzeln eigentlich wenig Anlaß. Dennoch gönne ich's Dir - Lachen ist gesund.

Sex ohne moralische Hemmungen und ohne Angst vor einer unerwünschten Schwangerschaft übrigens auch.

Herzliche Grüße

Ekki

Re: Nachtrag

Jolanda, Monday, 30.08.2004, 17:15 (vor 7830 Tagen) @ Ekki

Als Antwort auf: Re: Nachtrag von Ekki am 30. August 2004 12:02:31:

Lieber Ekki

Ich glaube dir sofort, dass in Polen die Kirche mehr Einfluss hat auf den Staat und ich denke vor allem auf die Menschen, als das bei uns in der Schweiz und es auch in Deutschland der Fall sein dürfte.

Ich finde jedoch auch, dass es ein Unterschied ist, ob ein Land noch sehr viele Menschen hat, die ihren Glauben voller Ueberzeugung leben oder ob es ein Land betrifft, wo kaum noch einer sich an Richtlinien hält, die die Kirche vertritt.

Du wirst in einem Land, wo die Leute sehr gläubig sind, auch auf mehr Widerstand stossen, wenn du Abtreibung legalisieren willst, als in einem Land, wo die Menschen keinen Glauben haben.

Ich finde es jedoch nicht gut, wenn man Frauen eine Abtreibung verweigert, weil diese dann früher oder später bei einem "Quaksalber" landen. Eine Frau, die ihr Kind nicht will, die wird einen Weg finden abzutreiben.

Zudem muss jede Frau selber dafür gerade stehen, wenn sie so etwas tut. Ich bin hier dagegen, jemanden zu zwingen ein Kind auszutragen.

Ich wollte dich nicht auslachen, verstehe mich nicht falsch. Ich kann natürlich die Situation in Polen nicht wirklich beurteilen, hier hast du Recht, ich war schon mehr in Deutschland und in der Schweiz in meinen Gedanken und hier hat die Kirche nicht mehr grossen Einfluss auf solche Entscheide.

Und ja, lachen ist gesund, Liebe machen auch...schmunzelt...ob ein kleiner bedeutungsloser "Fick" das auch ist, ich weiss es nicht. Er entspannt sicher, ob er mir in meiner Seele auch gut tut, das bezweifle ich.

Nur du hast ja vielleicht auch nicht diesen Anspruch. Also wird dir das auf jedenfall wohl immer gut tun. Was ich bei mir nicht behaupten könnte. Ich finde wirklich guter Sex, der vom schnellen "Fick" abweicht, der ergibt sich nicht nach ein paar Stunden.

Dazu braucht es unheimlich viel Vertrauen oder verrätst du jeder Frau gleich nach fünf Minuten, was du besonders magst und kannst du dich so weit auf eine Frau einlassen, dass du auch aussergewöhnliche Spiele mit ihr spielst, auch wenn sie dir fremd ist.

Wenn du das kannst, dann ist das eine andere Geschichte, ich kann es nicht.

Von daher ist für mich freies herumbumsen noch lange keine Garantie für ein erfülltes, aufregendes Sexualleben.

Dies aber nur so nebenbei.

Und wie gesagt, ich wollte dich nicht auslachen, ich fand es wirklich irgendwie süss, wie viel Einfluss man der Kirche noch zutraut, wobei ich ganz klar nicht an Polen dachte, sorry.

Herzlicher Gruss
Jolanda

Re: Verhütungsmittel (nicht) auf Krankenschein

Andreas, Monday, 30.08.2004, 14:11 (vor 7830 Tagen) @ Ekki

Als Antwort auf: Verhütungsmittel (nicht) auf Krankenschein von Ekki am 30. August 2004 09:27:01:

Hallo Ekki,

Solange sich an dieser erbärmlichen Feigheit nichts ändert, hat die Kirche nichts zu fürchten. Und das von der Doppelmoral erzeugte menschliche Elend, unter dem auch kirchenferne Menschen zu leiden haben, weil die ganze Gesellschaft davon vergiftet wird, wird weiter wuchern.

obwohl Polen hier auch ein Extrembeispiel ist. Ich kann mich noch daran erinnern, daß ich vor einiger Zeit eine Textsammlung zum "Jubiläum" von Karl Poppers Buch "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde" gelesen habe. "Popper's Open Society after 50 years" hieß diese Texsammlung (Ian Jarvie und Sandra Pralong). In einem Aufsatz ging es dabei vor allem um die starke Stellung der katholischen Kirche in Polen, ihren Einfluß auf Staat, Medien und Politik sowie die damit verbundenen schädlichen Auswirkungen auf die Entwicklung der Gesellschaft. Wenn ich mich richtig erinnere, wurde in diesem Text die Schlußfolgerung gezogen, daß die polnische Gesellschaft aufgrund der starken Einflußnahme der katholischen Kirche noch weit von einer offenen Gesellschaft entfernt sei.
Du lebst doch in Polen? Mich würde mal interessieren, wie denn eigentlich das Verhältnis der normalen Bevölkerung zur katholischen Kirche ist? Ist der katholische Glaube in der polnischen Bevölkerung eher eine Art pragmatischer, volkstümlicher Glaube - der sich an den Notwendigkeiten des Alltags orientiert oder anders gefragt: wie stark ist der Einfluß der fundamentalistischen Kirchenmänner auf das Alltagsleben der Polen?

Gruß
Andreas

Re: Verhütungsmittel (nicht) auf Krankenschein

Ekki, Monday, 30.08.2004, 14:53 (vor 7830 Tagen) @ Andreas

Als Antwort auf: Re: Verhütungsmittel (nicht) auf Krankenschein von Andreas am 30. August 2004 11:11:56:

Hallo Andreas!

Es ist zwiespältig.

Der Einfluß der Kirche ist stark, aber gerade in Sachen Sexualität und "Ehebruch" läuft hier Vieles im Stillen. Das bedeutet aber wiederum nicht, daß man nicht aufpassen müßte: Jederzeit kann eine "illegitime" Beziehung durch Klatsch und Tratsch gefährdet werden. Und natürlich gibt es auch Menschen, die sich von der Kirche richtig gängeln lassen und sich keine Freiheiten erlauben.

Zu denken gibt mir allerdings, daß in ausgeprägt protestantischen Weltgegenden - ich komme selbst aus einer solchen und habe viele andere bereist - in der Regel nicht einmal die o.g. "Dinge im Stillen" laufen, die den Katholizismus in Polen wenigstens teilweise erträglich machen. Die sprichwörtliche protestantische Verbissenheit zeitigt meiner Erfahrung nach noch viel schlimmere Folgen als selbst der polnische Katholizismus.

Tja, und jetzt warten wir auf das gesunde Dritte - ein im Wortsinne "un-verschämtes" Ausleben der Sexualität.

Gruß

Ekki

P.S.: Es ist übrigens bezeichnend, daß man, so oft man sich über den Einfluß der Kirche unterhält, fast immer auf das Thema Sexualität beschränkt bleibt. In allen anderen Bereichen wüßte ich in der Tat zumindest auf Anhieb nicht zu sagen, wo sich der Einfluß der Kirche noch deutlich bemerkbar machte. Selbst das Fasten wird auch in Polen nur von wenigen konsequent eingehalten.

Re: Verhütungsmittel (nicht) auf Krankenschein

Jolanda, Monday, 30.08.2004, 17:35 (vor 7830 Tagen) @ Ekki

Als Antwort auf: Re: Verhütungsmittel (nicht) auf Krankenschein von Ekki am 30. August 2004 11:53:43:

Hallo Ekki

Ganz ehrlich nun. Du überschätzt den Einfluss der Kirche, was die Treue angeht schon ein bisschen.

Ich habe lange Jugendliche unterrichtet. Ich habe Computerkurse gegeben. Die jungen Leute von 14 bis 16 Jahren, die haben sehr viel Wert gelegt auf Treue, aber keiner von ihnen hat das getan, weil es so in der Bibel seht.

Sie haben es getan, weil sie fanden, dass eine Liebe auf Vertrauen basieren sollte, dass guter Sex auch auf Vertrauen basieren sollte. Dass es am anfang nie so schön ist, wie nach einiger Zeit, wenn man sich kennt.

Man ist sich innerhalb der Beziehung auch treu, versucht es zumindest. Man wechselt die Beziehungen in jungen Jahren einfach, wenn es nicht mehr klappt.

Und machen wir uns doch nichts vor. Nehmen wir Italien. Da war es vor vielen Jahren schon normal, dass ein Ehemann hin und wieder zu einer Prostituierten ging, das taten vor allem die Männer, die aus gut katholischem Haus kamen. Denkst du nun, die werden nun alle verdammt und kommen in die Hölle, mit Sicherheit nicht.

Keiner wird bestraft, weil er untreu ist. Die katholische Kirche hält hier gewisse Werte hoch, dazu gehört eben auch die Treue, das hat schon seine Gründe, das hat sehr gute Gründe. Es ist aber auch klar, dass die wenigsten das leben können. Wir sind eben nur Menschen, schwach und schon sehr triebgesteuert.

Freude am Sex ist auch nichts Schlechtes. Schöner Sex ist was wundervolles und es wäre schlimm, wenn man ihn nicht hätte, weil man Angst hat vor Strafe. Aber auch wenn du für absoluten freien Sex bist, heisst das noch lange nicht, dass die Kirche deshalb ihre Werte dafür opfern muss.

Deine Werte sind deine Werte und es wird sicher noch andere geben, die denken so wie du, das sei euch unbenommen. Nur sind eure Ideale genauso wenig dazu geeignet, das Verhältnis zwischen Mann und Frau zu verbessern, auch wenn du das denkst.

Ich will mich nicht auf reinen Sex reduzieren und dann meinen, damit könnte ich jeden glücklich machen und alle Probleme wären damit gelöst, das ist ein Trugschluss.

Ich würde das ja sogar gerne mal erleben, was aus uns Menschen werden würde, wenn wir so leben würden, wie du es für richtig hälst. Ich bin aber total davon überzeugt, dass sich nichts wirklich grundlegend ändern würde, wir würden uns deshalb nicht besser verstehen.

Wir müssten keine Verantwortung mehr tragen füreinander ja...das ist bestimmt einfacher, aber wir würden uns nicht wiklich glücklicher machen, davon wird mich niemand überzeugen können.

Zudem muss ich dich jetzt mal ganz direkt fragen. Warum ereiferst du dich immer so über die Kirche und darüber, dass sie für Treue plädiert. Dir sagt die Kirche doch nichts, es kann dir doch total am Arsch vorbei gehen, was die sagen. Heute kann doch jeder frei herumbumsen wenn er möchte, er wird dafür genug Akzeptanz erhalten. Wo liegt das Problem. Genügt es nicht, wenn du persönlich dir diese Freiheiten nehmen kannst, brauchst du dazu, das ok der Kirche, wohl weniger oder?!

Ich schreibe ja auch nicht, hört bloss nicht auf Ekki, dem seine Idealvorstellungen von freier Liebe sind total daneben. Warum sollte ich. Du denkst so und lebst das so, ist doch dein Recht, ist deine ganz persönliche Freiheit.

Du brauchst doch keine Absolution für dein Verhalten. Also warum ärgerst du dich immer so darüber, dass die Kirche an ihren Werten fest hält, ich kann das nicht so ganz verstehen.

Einen lieben Gruss
schickt dir
Jolanda

Re: Verhütungsmittel (nicht) auf Krankenschein

Odin, Monday, 30.08.2004, 14:56 (vor 7830 Tagen) @ Ekki

Als Antwort auf: Verhütungsmittel (nicht) auf Krankenschein von Ekki am 30. August 2004 09:27:01:

Vielleicht liegts daran, daß Schwangerschaft nicht als verhütenswerte Krankheit gesehen wird - und zwar allgemein und nicht nur von der Kirche.
Es ist ohnehin ein Skandal, daß Abtreibungen von der Krankenkasse finanziert werden!

Re: Verhütungsmittel (nicht) auf Krankenschein

Ekki, Monday, 30.08.2004, 15:07 (vor 7830 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Re: Verhütungsmittel (nicht) auf Krankenschein von Odin am 30. August 2004 11:56:38:

Vielleicht liegts daran, daß Schwangerschaft nicht als verhütenswerte Krankheit gesehen wird - und zwar allgemein und nicht nur von der Kirche.
Es ist ohnehin ein Skandal, daß Abtreibungen von der Krankenkasse finanziert werden!

Hallo Odin!

Diesen semantischen Streit kennen wir ja zu Genüge.

In einem Spielfilm aus der Nachkriegszeit sagte einmal der Arzt zu einem Ehemann:

"Ihre Frau hat die einzige gute Krankheit, die es gibt - sie ist schwanger."

So kann man's auch ausdrücken.

Indes: Es ist sowieso klar, daß dieser Streit um Worte nur von denjenigen geführt wird, nach deren Meinung ohnehin keine künstliche Verhütung stattfinden sollte.

Womit die weltanschauliche Zielrichtung klar und der semantische Streit als Mittel zum Zweck entlarvt wäre.

Von mir aus könnte man ja die Krankenkassen in "Kranken- und Schwangerschaftskassen" oder so ähnlich umbenennen. Namen sind Schall und Rauch. Hauptsache, diese Periode im Leben einer Frau wird finanziell abgesichert.

In der Frage der Abtreibungen besteht zwischen uns halt ein Grunddissenz.

Gruß

Ekki

Re: Verhütungsmittel (nicht) auf Krankenschein

hquer, Monday, 30.08.2004, 20:03 (vor 7830 Tagen) @ Ekki

Als Antwort auf: Re: Verhütungsmittel (nicht) auf Krankenschein von Ekki am 30. August 2004 12:07:32:

Sorry Ekki, aber hier kann ich nicht folgen. Solange Krankenkassen gesetzlicherweise als Zwangskassen im Umlageprinzip installiert sind, sich weder risikoäquivalente Prämienberechnungen ergeben noch sonst irgendeine Bezug zur Versicherungsmathematik haben und im Gegenteil einen großen Teil der eingezahlten Prämien im aufgeblähten Apparaten verfrühstücken, habe ich nur ein Interesse: absolut minimale Einzahlung durch absolute Beschränkung auf NOTWENDIG gesundheitliche Leistungen. "Notwendig" bezieht sich hier auf für das Leben und die Gesundheit notwendig.

Wenn Du Deine Aussagen auf die freie Wirtschaft beziehst, bin ich d'accord.
Natürlich bleibt es einem privaten Versicherer unbenommen, eine private Schwangerschafts-Frauenproblem- oder was weiß ich für-Versicherung aufzulegen und die dafür notwendigen Prämien zu verlangen.
Klar ist auch, daß ich da keine Police kaufen würde, denn mich als Mann betrifft das nicht.
Auch der gesetzlichen Kasse wäre dieser Weg prinzipiell offen, sie darf aber keine Zwangsgelder für sowas verwenden.

Wenn eine Frau nicht schwanger werden will, hat sie mehrere Möglichkeiten:

1.: kein Sex = kostenlos, dafür unbequem und schwierig auf Dauer
2.: Sex, aber nicht vaginal = kostenlos, bequemer aber nicht wirklich toll auf Dauer
3.: Präser = billig, telweise bequemer als 2. aber auch nicht das Wahre
4.: chem. Kontrazeptiva = teurer bis teuer - aber dafür sehr bequem
5... diverse andere Techniken, die auch bewertet werden könnten

Warum sollte ich für den Wunsch nach Bequemlichket von irgendjemand mit meinen Geldern aufkommen, wenn ich nicht durch Risikoteilung auch für mich etwas daraus gewinne (Versicherungsprinzip)?

Also warum soll meine KV für Schwangerschaftabbrüche oder für Kontrazeptiva mit meinem Geld zahlen? Warum dann nicht auch für Wellness-Urlaube oder Club-Ferien oder für ein schönes großes Auto für mich und andere?

Nö - Verhütung geht mich bei anderen nix an und meine Verhütung geht die anderen nix an. Die dürfen weder wollen, daß ich verhüte, noch daß ich nicht verhüte. Das mach' ich privat - je nach meinem Gusto und nach meiner Kasse. Ein Auto kauf' ich mir auch nach einer Sicht auf meine Kassenlage und ich erwarte, daß das auch die anderen tun und mich mit ihrem Konsumverhalten nicht belästigen oder gar die Unverschämtheit besitzen, mein Geld für ihren Spaß zu wollen

meint hquer

Re: Verhütungsmittel (nicht) auf Krankenschein

Ekki, Tuesday, 31.08.2004, 11:30 (vor 7829 Tagen) @ hquer

Als Antwort auf: Re: Verhütungsmittel (nicht) auf Krankenschein von hquer am 30. August 2004 17:03:26:

Hallo, hquer!

Also warum soll meine KV für Schwangerschaftabbrüche oder für Kontrazeptiva mit meinem Geld zahlen? Warum dann nicht auch für Wellness-Urlaube oder Club-Ferien oder für ein schönes großes Auto für mich und andere?

Weil außer dem Tod nichts anderes auf der Welt so weitreichende und unumkehrbare Folgen hat wie die Zeugung eines Kindes, und weil eine Frau, bei der andere Mittel versagt habe, meiner Meinung nach auch diese Möglichkeit offenstehen sollte.

Dies, wie gesagt, von der Warte eines Wertesystems aus argumentiert, innerhalb dessen die Zeugung eines Menschen nicht der höchste Lebenszweck ist und durchaus ein unerwünschtes Ereignis darstellen kann, dessen Ergebnis (ein Kind) man dann eben nicht annehmen muß.

Daß man aufgrund anderer Wertesysteme zu anderen Ergebnissen kommen muß, ist mir klar.

Und eben deshalb ist die Entscheidung, Verhütungsmittel - die ja die Zahl der Abtreibungen gerade minimieren sollen! - nicht von der Krankenkasse bezahlen zu lassen, mitnichten eine rein fiskalische, sondern eine weltanschauliche Entscheidung. Dies wird übrigens von den Verfechtern dieser Linie bei jeder Gelegenheit unterstrichen, ist also keine Unterstellung von mir.

Gruß

Ekki

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