Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Auch Männer wollen andere Pornos

Ekki, Friday, 27.08.2004, 20:34 (vor 7832 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: Auch Männer wollen andere Pornos von Arne Hoffmann am 27. August 2004 15:10:54:

Hallo Arne!

Sehr interessante Beobachtungen, in denen ich mich voll und ganz wiedererkenne.

1. Männer würden gerne mehr Handlung und mehr romantische Liebe in Porno-Filmen sehen.

Ich würd' es mal anders ausdrücken: Die besten Liebesszenen sind diejenigen, die in Filmen gedreht werden, deren Handlung nicht oder nicht hauptsächlich Sex als solcher ist.
Kennt jemand den Film "Der Liebhaber" mit Jane March nach dem Roman von Margerite Duras?
Erinnert sich jemand an die Kopulationsszene in "Der Name der Rose"?
Oder an die Sexszenen in der "Blechtrommel"?

Alles Beispiele, die bei mir persönlich auch nach dem x-ten Mal Sehen noch stärkste Erregung auslösen.

2. Sie mögen Nahaufnahmen von Genitalien nicht besonders.

Da habe ich eine interessante Beobachtung gemacht:

Sowohl Männer als auch Frauen haben sich in Gesprächen zu diesem Thema übereinstimmend dahingehend geäußert - und auch ich empfinde so - daß weibliche Genitalien und überhaupt nackte weibliche Körper generell als etwas Ästhetisches empfunden werden, soweit sie nicht hoffnungslos disporportioniert sind; männliche Genitalien und nackte männliche Körper allgemein wurden dagegen bestensfalls als neutral, oft sogar als peinlich oder abstoßend wahrgenommen, und dies selbst bei perfekter Figur.

Kannst Du Dir einen Reim darauf machen, warum das so ist?

3. Sie finden sowohl Gewalt gegen Frauen wie auch ihre Unterwerfung nicht sexy, sondern ihre Lust lässt bei derartigen Szenen eher nach – wenn sie denn je überhaupt solche Szenen gesehen haben.

Auch dem schließe ich mich an.

4. Obwohl sie mögen, wenn Frauen mit anderen Frauen Sex haben, glauben sie nicht, dass diese Frauen tatsächlich Lesbierinnen sind.

Ich auch nicht. Hoffentlich ist's nicht Wunschdenken. Denn in der Praxis ist es schon ganz schön frustrierend, wenn sich eine Frau, auf die man scharf ist, als Lesbierin outet.

5. Sie haben nicht aktiv nach wilderer, perverserer oder gewaltverherrlichender Pornografie gesucht, sondern sind entweder dabei geblieben, was sie gerne mochten oder aber sie suchten schon nach wilderen Dingen, kamen aber dann auf die Inhalte zurück, die sie in der Pornografie interessieren. Manche haben das Interesse an Pornografie ganz verloren.

Ja, das kann der Effekt von unästhetischer Pornographie sein. Und ehrlich gesagt: Was in den Pornokinos läuft - und seien es auch Soft-Pornos - ist durchweg unästhetisch und abstoßend. Ich bin sowieso der Meinung, daß die Pornos ganz wesentlich dazu beigetragen haben, die sexuelle Revolution im Keim zu ersticken. Zur Frage ansprechender Sexszenen s. Pkt. 1.

6. Sie mögen die Art, in der Männer in Pornos gezeigt werden, nicht sonderlich.

Nee, echt nicht. Gut dargestellte Verführungskünste eines Mannes sind eine Sache; eine andere Sache ist es, wenn (selbst erlebt) ein Pornofilm damit beginnt, daß ein Mann an einem Strand zwei Frauen sieht, er geht zu ihnen hin, keiner der Beteiligten sagt ein Wort, aber alle kichern kurz blöde, der Mann zieht die Badehose aus und ab geht's. So etwas schärft nicht die Sinne für wirkliche Verführungskünste, die in unserer Gesellschaft meiner Beobachtung nach deprimierend rar geworden sind, sondern stumpft diese Sinne ab oder läßt sie erst gar nicht entstehen.

7. Sie sind dagegen, Pornografie an Kinder weiterzugeben, obwohl viele von ihnen bereits vor dem zwölften Lebensjahr mit Pornografie in Kontakt kamen.

Auch Zustimmung. Obwohl ich von "Moral", "Züchtigkeit" usw. weniger als gar nichts halte, kann ich mich erinnern, daß ich vor der Pubertät kein Intereresse an Sex hatte. Ich halte dies auch rückblickend für eine notwendige Lebensphase, die einem viele Dimensionen eröffnet. Das zwanghafte Hineintragen-Wollen von Sexualität in die vorpubertäre Phase ist m.E. genauso schädlich wie die Reglementierung der Sexualität im Erwachsenenalter durch die "Moral".

Gruß

Ekki


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