Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Wallström fordert mehr Frauen für Brüssel

Frank , Sunday, 22.08.2004, 22:56 (vor 7837 Tagen)

Aus der Tagespresse:

Brüssel (afp). Die designierte EU-Kommissarin für Öffentlichkeitsarbeit, Margot Wallström, hat sich über die geringe Zahl von Frauen in der EU-Kommission beklagt. "Wenn Sie mich fragen, ist das immer noch nicht weiblich genug", sagte Wallström gestern nach einem informellen Treffen der künftigen Kommission in Brüssel. Der designierte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat acht der 25 Kommissionsposten mit Frauen besetzt.

Das alte Lied: Nicht die Qualifikation gibt den Ausschlag, sondern das Geschlecht. So züchtet man (noch mehr) Durchschnitt heran.

Re: Wallström fordert mehr Frauen für Brüssel

Garfield, Tuesday, 24.08.2004, 12:42 (vor 7836 Tagen) @ Frank

Als Antwort auf: Wallström fordert mehr Frauen für Brüssel von Frank am 22. August 2004 19:56:06:

Hallo Frank!

Ich kann dieses ewige Gejammer schon nicht mehr hören. Sobald festgestellt wird, daß es irgendwo mal wenige Frauen gibt, sind prompt die bösen Männer daran schuld.

Meine Frau hat mal erlebt, wie das tatsächlich abläuft. Da ging es nur um eine Betriebsratswahl. Im Betriebsrat gab es vor der Wahl nur eine einzige Frau - die Vorsitzende. Weil sowieso ein oder zwei Leute nicht mehr zur Wahl antreten wollten, suchten sie nun für die Wahl neue Kandidaten. Wegen Frauenquote sollte auch mindestens eine Frau dabei sein.

Meine Frau war zwar bereit, dafür zu kandidieren, weil sie aber noch nicht lange im Unternehmen war, meinte sie, daß doch lieber eine der dienstälteren Kolleginnen zur Wahl antreten könnte.

Die Betriebsratsvorsitzende redete auch mit den Kolleginnen, aber die sträubten sich allesamt mit Händen und Füßen dagegen, als Kandidatinnen für die Betriebsratswahl aufgestellt zu werden. Da müsse man sich ja womöglich noch mit dem Chef anlegen und würde da vielleicht noch Ärger bekommen... Und überhaupt wäre das ja vielleicht auch mit mehr Arbeit und mehr Streß verbunden...

Schließlich hat meine Frau sich dann doch aufstellen lassen. Die Kollegin, die im Büro direkt neben ihr sitzt, war auch gefragt worden und hatte sich geweigert. Als nun aber meine Frau kandidierte, kamen natürlich wieder solche neiderfüllten Bemerkungen wie "dann hast du ja Kündigungsschutz".

Die Betriebsratsvorsitzende sagte meiner Frau, daß sie so oder so in den Betriebsrat kommen wird, selbst wenn sie gar keine Stimme kriegen würde. Wegen Frauenquote... Sie hat dann aber erstaunlich viele Stimmen bekommen. Wahrscheinlich weil sie immer auch zu den Kollegen aus der Produktion nett und freundlich ist und die auch immer grüßt, was viele ihrer Kolleginnen aus der Buchhaltung nicht für nötig halten. Frau gibt sich doch nicht mit einfachen Proleten ab...

Da sie nun im Betriebsrat ist, muß sie natürlich regelmäßig an Betriebsratssitzungen teilnehmen. Dann kommen von ihrer Kollegin immer Bemerkungen wie "Na, habt ihr wieder ein schönes Kaffeekränzchen gemacht?" Sie war auch schon zweimal auf Schulung für den Betriebsrat, und dazu sagte ihre liebe Kollegin dann immer sowas wie "Und, wie war der Urlaub?"

Man spürt ihr den Neid deutlich an. Nur weil meine Frau nun im Betriebsrat ist und sie nicht. Dabei hätte sie selbst ja auch kandidieren können - sie wollte nur partout nicht. Aber was sie nun nicht macht, das soll auch keine andere machen.

Und genauso läuft das auch mit politischen Funktionen. Nicht nur daß Frauen häufig kein Interesse an politischem Engagement haben - sie sind obendrein oft auch noch neidisch auf Frauen, die hohe Posten in der Politik haben. Bei Umfragen stellt sich dann auch regelmäßig heraus, daß weibliche Wähler männliche Kandidaten bevorzugen.

So stehen sich die Frauen also tatsächlich selbst im Weg.

Freundliche Grüße
von Garfield

Re: Wallström fordert mehr Frauen für Brüssel

Odin, Tuesday, 24.08.2004, 17:29 (vor 7836 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: Re: Wallström fordert mehr Frauen für Brüssel von Garfield am 24. August 2004 09:42:30:

Hallo Garfield,
lies mal "Das dämliche Geschlecht". Ist zwar von ner Feministin geschrieben und daher einige seltsame Statistiken drin, aber die Frau hat Haare auf den Zähnen. Vielleicht zitiere ich in ein paar Tagen mal ein paar Absätze

Re: Wallström fordert mehr Frauen für Brüssel

Maesi, Tuesday, 24.08.2004, 23:18 (vor 7835 Tagen) @ Frank

Als Antwort auf: Wallström fordert mehr Frauen für Brüssel von Frank am 22. August 2004 19:56:06:

Hallo Frank

Brüssel (afp). Die designierte EU-Kommissarin für Öffentlichkeitsarbeit, Margot Wallström, hat sich über die geringe Zahl von Frauen in der EU-Kommission beklagt.

Das scheinen weibliche Politiker besonders gut zu koennen: sich beklagen.

"Wenn Sie mich fragen, ist das immer noch nicht weiblich genug", sagte Wallström gestern nach einem informellen Treffen der künftigen Kommission in Brüssel.

Frau Wallstroem ist die EU-Kommission 'noch nicht weiblich genug'. Welch sinnige Feststellung! Ich frage mich, welchen Wert 'Weiblichkeit' in der Politik hat, wie sich dieser manifestiert und ob Maennlichkeit einen vergleichbaren Wert besitzt. In mir keimt allerdings der Verdacht auf, dass Frau Wallstroem selbst nur wenige handfeste Leistungen vorweisen kann und deshalb auf billige Allgemeinplaetze ausweichen muss. Sie steht mit solchen windigen Phrasen uebrigens laengst nicht allein; bei weiblichen Politikern gehoeren derartige Aeusserungen inzwischen zur Standardargumentation.

Umgekehrt ist mir noch kein maennlicher Politiker untergekommen, der gesagt haette 'das Bildungswesen ist noch nicht maennlich genug' oder 'die Gleichstellungsaemter sind noch nicht maennlich genug'. Hingegen kann man empirisch nachweisen, dass im Bildungswesen Jungen derzeit eindeutig schlechter abschneiden, und Gleichstellungsaemter sich keinen Deut um Maennerbenachteiligungen/-diskriminierungen kuemmern.

Ob mit jeweils 50% Frauen und Maennern in einzelnen Gremien, Kommissionen, Parlamenten, Managements etc. automatisch eine Gleichberechtigung einsetzt, konnte bislang nie ausreichend belegt werden; es ist vielmehr ein Dogma aus der feministischen Kueche, das nicht weiter hinterfragt werden darf. Und, da feministische Vertreter den Geschlechterdiskurs derzeit beherrschen, auch kaum je hinterfragt wird.

Dass eine geschlechtliche Durchmischung von gewissem Wert sein kann (aber nicht in jedem Fall sein muss), will ich noch nicht einmal anzweifeln. Aber weshalb reichen nicht schon 10%, 20% oder meinetwegen 30% Frauen (bzw. Maenner) aus? Woher kommt der kindlich-naive Glaube an den Vorteil einer geschlechterparitaetischen Besetzung? Und weshalb muss das ueberall so sein - egal, ob in einer EU-Kommission, Topmanagerposten in der Wirtschaft oder im Offizierskorps der Armee? Und wenn wir schon bei der Quotierung der 'Rosinen' sind, weshalb gibt es dann nicht auch eine Quotierung der 'Zitronen'? Weshalb wird bei gefaehrlicher, gesundheitsschaedlicher Arbeit nicht genauso auf eine Geschlechterquote geachtet - oder gar bei Kampfeinsaetzen der Armee?

Der designierte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat acht der 25 Kommissionsposten mit Frauen besetzt.

Mit 8 Frauen im 25-koepfigen Gremium besetzen Frauen knapp einen Drittel der Posten. Die EU-Kommission entspricht damit in der Geschlechterverteilung wohl mehr oder weniger dem EU-Parlament - denn dort wird es auch keinen wesentlich groesseren Anteil an Frauen geben.

Eigentlich ist es gar nicht so kompliziert: wenn Frauen besser in politischen Gremien vertreten sein wollen, sollten sie sich staerker in der Politik engagieren; der Grundstein dazu ist, in eine Partei einzutreten und dort aktiv mitzumachen. Aber schon hier hapert es ganz gewaltig. Die Unterrepraesentanz von Frauen in politischen Aemtern wiederspiegelt deren statistisch gesehen tiefere Bereitschaft, sich in der Oeffentlichkeit zu engagieren. Dies mag kulturell bedingt sein, ist aber nichtsdestotrotz Fakt.

Das alte Lied: Nicht die Qualifikation gibt den Ausschlag, sondern das Geschlecht. So züchtet man (noch mehr) Durchschnitt heran.

Naja, ueber die Qualifikationen von Politikern mache ich mir schon lange keine Illusionen mehr...

Gruss

Maesi

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