Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Frau Schmidt würde sich NIE scheiden lassen...

Jeremin, Thursday, 19.08.2004, 19:53 (vor 7841 Tagen)

Hat jemand Lust, Frau Schmidt´s Standpunkt zu Scheidung und Ehe kennenzulernen? Entweder wird die Frau komplett verarscht oder die lebt auf einem anderen Planeten. Siebzig Prozent der Frauen, die zu Hause sitzen, würden lieber arbeiten?

Ich lebe nun weiß Gott nicht in einer Region, in der es vor Arbeitsplätzen nur so wimmelt, aber Lidl sucht immer noch Teilzeitkräfte. Klar, ist kein Wonnejob, aber doch besser für gelangweilte Ehefrauen geeignet als für Langzeitarbeitslose, oder?

Das Plakat hängt seit Wochen in den Märkten.

Die Welt

Re: Frau Schmidt würde sich NIE scheiden lassen...

Tran, Thursday, 19.08.2004, 20:32 (vor 7840 Tagen) @ Jeremin

Als Antwort auf: Frau Schmidt würde sich NIE scheiden lassen... von Jeremin am 19. August 2004 16:53:24:

Hallo Jeremin!

Hat jemand Lust, Frau Schmidt´s Standpunkt zu Scheidung und Ehe kennenzulernen? Entweder wird die Frau komplett verarscht oder die lebt auf einem anderen Planeten. Siebzig Prozent der Frauen, die zu Hause sitzen, würden lieber arbeiten?

70% halte ich auch für überzogen. Allerdings muss man das ganze auch etwas eingrenzen. Sie sprach nicht von 70% der Frauen, sondern von 70% der Mütter. Schonmal einiges weniger.

Tran

Re: Frau Schmidt würde sich NIE scheiden lassen...

Eugen Prinz, Thursday, 19.08.2004, 21:04 (vor 7840 Tagen) @ Tran

Als Antwort auf: Re: Frau Schmidt würde sich NIE scheiden lassen... von Tran am 19. August 2004 17:32:50:

70% halte ich auch für überzogen. Allerdings muss man das ganze auch etwas eingrenzen. Sie sprach nicht von 70% der Frauen, sondern von 70% der Mütter. Schonmal einiges weniger.
Tran

... und dann muss man vielleicht noch berücksichtigen, dass solche Aussagen überwiegend nur für den Moment und die Bedingungen gelten, wo sie ausgesprochen werden. Schon beim nächsten Mann kann alles ganz anders sein.

Was die Schmidt aber auch alles weiß ts...ts...

Eugen

Re: Frau Schmidt würde sich NIE scheiden lassen...

Ekki, Thursday, 19.08.2004, 21:30 (vor 7840 Tagen) @ Jeremin

Als Antwort auf: Frau Schmidt würde sich NIE scheiden lassen... von Jeremin am 19. August 2004 16:53:24:

Hat jemand Lust, Frau Schmidt´s Standpunkt zu Scheidung und Ehe kennenzulernen?

Habe Lust und gebe im Folgenden detailliert meinen Senf dazu.

"Es gibt in einer Ehe Zeiten großer Nähe, aber auch Zeiten größter Distanz", beschreibt Schmidt ihre persönlichen Erfahrungen. Die Menschen würden heute immer höhere Ansprüche an eine Ehe stelle. Wenn die erste Verliebtheit nachlässt, fehlt ihnen die Geduld, die Liebe wachsen zu lassen. So gehen immer mehr Ehen in die Brüche. "Für die Betroffenen ist eine Scheidung eine emotionale und oft auch eine materielle Katastrophe", sagt Schmidt. Das gelte insbesondere für die Kinder, "weil viele Erwachsene es nicht schaffen, sich auf anständige Weise zu trennen".

Wie wär's denn mal mit Folgendem (von mir schon häufig in mehreren Foren thematisiert): Wenn's kein Monogamiegebot mehr gibt, dann ist auch das Zusammenleben mit ein und derselben Person über viele Jahre auf einmal wieder erträglich, weil man die Abwechslung, die auf ausnahmslos jedem Gebiet des Lebens notwendig ist, kriegt.

Die Politik kann das Scheitern einer Ehe nicht verhindern. Und der Gesetzgeber hat auch nicht die Aufgabe, Menschen, die auseinander gehen wollen, gegen ihren Willen zusammenzuhalten, verteidigt Schmidt das deutsche Scheidungsrecht, das Mitte der siebziger Jahre - "Gott sei Dank", wie sie sagt - vom Schuldprinzip auf das Zerrüttungsprinzip umgestellt wurde.

Und die Tatsache, daß just nach dieser Gott-sei-Dank-Umstellung die Scheidungen sprunghaft anstiegen? Künstlerpech - was?

"Ich möchte, dass Männer und Frauen freiwillig und gern in einer Beziehung zusammenleben, und zwar gleichberechtigt", sagt die Ministerin. Die Politik könne allenfalls die dafür notwendigen Rahmenbedingungen schaffen.

"Gleichberechtigung ist eine schöne Sache - schade, daß es sie nur für Frauen gibt."

"Die Gleichberechtigung konnte man einführen, an der Gleichverpflichtung müßte man scheitern". (Ester Vilar)

Eben! Und solange das so ist, sollte man sich eine Eheschließung gründlichst überlegen.

Dazu gehöre, dass junge Menschen vor allem in der Familie besser auf eine Partnerschaft vorbereitet werden. Aber auch die Schulen müssten einen Beitrag leisten. Das Thema Ehe und Partnerschaft müsste im Unterricht ernster genommen werden, und zwar an allen Schularten, fordert Schmidt.

Wäre mal interessant, im Detail zu hören, welche Unterrichtsinhalte Frau Schmidt vermittelt sehen möchte.

Außerdem müsse die Politik dafür sorgen, dass junge Menschen ihre Lebensvorstellung auch erfüllen können. Dazu gehöre die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. "70 Prozent der Mütter, die zu Hause sind, wären lieber erwerbstätig", weiß Schmidt. Notwendig seien bessere Betreuungsmöglichkeiten für Kinder aber auch mehr Anreize für Väter, sich an Elternzeit, Familien- und Hausarbeit zu beteiligen.

Da kann ich durchaus zustimmen - um so mehr, als sich dann herausstellen würde, wieviele Frauen das Angebot begeistert annehmen würden.

Aber was soll's - wir steuern eh' auf einen Zustand zu (falls wir nicht schon mitten drin sind), den wir früher für ein Ostblock-Spezifikum hielten: Beide Partner müssen aus wirtschaftlichen Gründen erwerbstätig sein. Ehrlich gesagt, so schlecht hat's den Menschen im Ostblock nicht getan. Ich schreibe die Tatsache, daß dort die Frauen viel weniger versponnen sind als im Westen, unter anderem diesem Umstand zu.

Was natürlich nicht heißen soll, daß ich mir den Ostblock zurückwünschen würde - Gott bewahre! Aber es haben eben im Leben sehr viele Dinge zwei Seiten.

Männer und Frauen hätten sehr unterschiedliche Vorstellungen von der Ehe. Vor allem die Frauen haben immer höhere Ansprüche an ihre Männer, wünschen sich mehr Unterstützung im Haushalt.

Na, das ist ja mal ein Erlebnis, daß eine linke Politikerin die gestiegene Anspruchshaltung der Frauen als Grund für die Krise der Institution Familie ausmacht!

Aber nebenbei gefragt, Frau Schmidt:

Dürfen Männer eigentlich auch Ansprüche an Frauen haben?!

Als Mütter fühlen sie sich oft von den Vätern allein gelassen.

Und die Väter - erfahren die die Unterstüztung, die sie bräuchten?

Die jungen Väter fühlen sich in gleichem Maße unverstanden ...

Es geht doch nichts über feine semantische Unterschiede. Frauen "haben höhere Ansprüche", Männer "fühlen sich unverstanden". Immerhin - so, wie Frau Schmidt imstande war, zuzugeben, daß die gestiegene Anspruchshaltung der Frauen ein Problem ist, so ist sie auch bereit, zu sehen, daß die Männer unter Leidensdruck stehen. Das ist durchaus nicht Standard bei linken Politikerinnen! Mit ganz viel gutem Willen könnte man die besagten semantischen Unterschiede sogar als Ausweis der Männerfreundlichkeit auslegen: Wer "Ansprüche stellt", wirkt fordernd, wer sich dagegen "unverstanden fühlt", erregt Mitgefühl.

... und "klotzen im Beruf ran", weil sie plötzlich allein verantwortlich für den materiellen Unterhalt sind.

Noch so ein Lichtblick im linken Gehirn! Da wird doch tatsächlich die Leistung der Männer für die Familie sowie die Schwere der Verantwortung, die sie tragen, anerkannt.

Studien belegen, dass die Zufriedenheit mit der Ehe nach der Geburt des ersten Kindes dramatisch abnimmt.

Wann endlich traut sich einmal jemand, in der Öffentlichkeit zu sagen:

"Männer wollen auch nach der Geburt ihres ersten Kindes an ihrer Frau eine leidenschaftliche Sexpartnerin haben und haben deshalb ein grundsätzliches und massives Problem damit, wenn die Frau zur Mutter-Glucke mutiert und von da an zwischen den Beinen tot ist - es sei denn, sie will weitere Kinder"?

"Beziehungen werden heute als eine Art Konsum angesehen, der größtmöglichen emotionalen Gewinn bringen soll", beschreibt Schmidt das Problem.

Ja und - ist das nicht ein legitimer Anspruch? Ich sehe es so herum: Wenn zwei Menschen sich auf ein so waghalsiges Experiment wie die Ehe einlassen, dann kann das eigentlich nur dann gutgehen, wenn jeder der Partner seine Emotionen sowohl innerhalb als auch außerhalb der Ehe ausleben kann.

Wenn mir bei irgendetwas das Messer in der Hose aufgeht, dann ist es jenes Bild der Ehe, derzufolge die Partner "in-selbstloser-Aufopferung-ihre-eigenen-Wünsche-zurückstellen-ihr-Kreuz-auf-sich-nehmen-höhere-Werte-leben-nicht-den-Vergnügungen-hinterherjagen-blablabla-sollen" *würg-kotz*

Frühere Generationen hätten nicht so hohe Ansprüche gehabt.

Nana, Frau Schmidt, das Fremdgehen hat uns etliche der größten Romane der Weltliteratur beschert ("Anna Karenina", "Effi Briest"). Und warum zählen diese Werke zur Weltliteratur? Weil dort auf höchstem künstlerischen Niveau die Rede vom realen Menschen war.

Viele Menschen hätten sich eine Ehe gar nicht leisten können. Mitte des 18. Jahrhunderts war in Berlin zum Beispiel nur die Hälfte der Bevölkerung verheiratet, viele Menschen lebten schon damals in unvollständigen Familien.

Das hat mich allerdings umgehauen. So was hab' ich ja noch nie gelesen! Single-Gesellschaft aus materieller Not? Das lädt zu weitreichendsten Spekulationen ein, und zwar sowohl darüber, ob (a) vielleicht auch schon früher nicht nur materielle Not der Grund für die geringe Zahl der Eheschließungen war, als auch, ob (b) vielleicht auch heute wieder materielle Not der Grund dafür ist, daß viele Menschen nicht heiraten.

Anders ausgedrückt:

Bevor die Hohepriester der Familienwerte wieder ihr übliches Gezeter anstimmen, daß "die-Menschen-in-dieser-unserer-bösen-Zeit-bindungsunwillig-und-hedonistisch-sind", sollte man mal davon ausgehen, daß die Versingelung mannigfaltige Ursachen hat, und diesen auf den Grund gehen.

"Mein Großvater war drei Mal verheiratet, wurde aber nie geschieden", berichtet Schmidt. Seine beiden ersten Frauen waren im Kindbett gestorben. Seine dritte Frau, Schmidts Großmutter, war zwei Mal verheiratet, ihr erster Mann war im Krieg gefallen. "Lange Ehen waren früher wegen der geringen Lebenserwartung kaum möglich", sagt Schmidt. "Heute könnten sie der Normalfall sein."

Kennt jemand noch die Anfang der 90er Jahre erschienene, leider (im Gegensatz zur Buchtrilogie von Ester Vilar) seit langem nicht mehr neu aufgelegte Buchtrilogie von Joachim Bürger "Mann, bist du gut" / "Mann, leb' dich aus" / "Mann hat es eben"? Darin stellt der Autor die meiner Meinung nach sehr einleuchtende These auf, daß die heutigen Ehen nicht zum Wenigsten deshalb so wenig haltbar sind, weil es noch nie einer Generation zugemutet worden sei, so lange mit einem Partner zusammenzuleben: Blendende Lebenserwartung, keine Kriege, keine Seuchen.

Mir jedenfalls will es nicht einleuchten, wieso es so ein gesegneter Zustand sein soll, nach der Heirat (a) die Aussicht auf ein viele Jahrzehnte währendes Zusammenleben zu haben, (b) durch jede Menge geschriebener und ungeschriebener Gesetze am außerehelichen Vergnügen gehindert zu werden und (c) sich einer Theorie und Praxis der Scheidungsgesetzgebung gegenüberzusehen, die es einem wenig geraten erscheinen läßt, die Ehe-Karrieren eines Gerhard Schröder oder Joschka Fischer (die zumindest teilweise noch von der Gesetzgebung vor der Reform des Scheidungsrechts profitierten!) nachzuahmen.

Nicht, daß ich Scheidung und häufige Wiederheirat für etwas Erstrebenswertes hielte. In jedem Fall aber sollte man die Scheidung weder übermäßig erschweren noch auf eine Weise ausgestalten, die für die eine oder andere Seite extrem nachteilhaft ist. Und ein rigide durchgesetztes Monogamie-Gebot ist in jedem Falle abschreckend.

Daß Frau Schmidt die möglichst lange Dauer einer Ehe als erstrebenswert ansieht, ist aus ihrer Interessenlage als Frau heraus verständlich.

Nichtsdestoweniger bin ich der Meinung, daß bei einer Umsetzung des von mir skizzierten Ehemodells - kein Monogamie-Gebot, leichte und gerechte Scheidung - genau besehen beide Geschlechter profitieren würden.

Insgesamt gesehen und trotz aller kritischen Anmerkungen:

Frau Schmidt hat meiner Meinung nach ein bemerkenswertes Maß an Einsichtsfähigkeit in die Situation der Männer bewiesen, und ihr Text taugt durchaus als Grundlage für einen fundierten gesellschaftlichen Diskurs zu der angesprochenen Problematik. Wünschenswert wäre, daß ein solcher Diskurs in den Medien in Gang kommt.

Gruß

Ekki


Re: Frau Schmidt würde sich NIE scheiden lassen...

Tran, Thursday, 19.08.2004, 22:15 (vor 7840 Tagen) @ Ekki

Als Antwort auf: Re: Frau Schmidt würde sich NIE scheiden lassen... von Ekki am 19. August 2004 18:30:00:

Guten Abend Ekki!

Daß Frau Schmidt die möglichst lange Dauer einer Ehe als erstrebenswert ansieht, ist aus ihrer Interessenlage als Frau heraus verständlich.

Deine Meinung in allen Ehren, aber da bin ich anderer Ansicht. Während Du die Ehe als eine Art Gefängnis siehst, seh ich sie eher als was erstrebenswertes, wunderbares. Der Haken dabei: Es wird immer schwerer den richtigen Partner zu finden, weil es hierzulande immer weniger Männer und immer weniger Frauen gibt. Und damit meine ich auch wirklich Männer und Frauen, und nicht dieses Zeugs dazwischen.

Tran

Re: Frau Schmidt würde sich NIE scheiden lassen...

Ekki, Friday, 20.08.2004, 11:24 (vor 7840 Tagen) @ Tran

Als Antwort auf: Re: Frau Schmidt würde sich NIE scheiden lassen... von Tran am 19. August 2004 19:15:09:

Guten Abend Ekki!

Daß Frau Schmidt die möglichst lange Dauer einer Ehe als erstrebenswert ansieht, ist aus ihrer Interessenlage als Frau heraus verständlich.

Deine Meinung in allen Ehren, aber da bin ich anderer Ansicht. Während Du die Ehe als eine Art Gefängnis siehst, seh ich sie eher als was erstrebenswertes, wunderbares. Der Haken dabei: Es wird immer schwerer den richtigen Partner zu finden, weil es hierzulande immer weniger Männer und immer weniger Frauen gibt. Und damit meine ich auch wirklich Männer und Frauen, und nicht dieses Zeugs dazwischen.
Tran

Guten Morgen, Tran!

Da hast Du mich entweder falsch verstanden oder (wahrscheinlicher) selbst unpräzise formuliert:

Ich hatte ja gerade ausgeführt, daß meiner Meinung nach das Zusammenleben mit einem anderen Menschen über viele Jahrzenten gerdade dadurch eträglich würde, daß man es nicht mehr mit einem Monogamie-Gebot befrachtet und Scheidungen leicht und für beide Seiten gerecht macht.

Und da ich im obigen Absatz schon die Quelle für ein weiteres Mißverständnis erblicke, hier noch eine Präzisierung:

Wenn ich weiß, daß ich meine(n) Partner(in) ganz schnell quitt sein kann, wenn ich mich nicht um ihn bemühe, dann ist das ein Ansporn zu eben dieser Bemühung.

Im Grunde genommen wirkt hier der gleiche Mechanismus - nein: würde wirken! - der auch auf dem Arbeitsmarkt zu beobachten wäre, wenn man sich endlich einmal dazu durchringen könnte, sowohl Kündigungen als auch Neueinstellungen leicht zu machen:

Der Arbeitnehmer weiß, daß er schnell draußen sein kann, wenn er obstinatsch wird. Er weiß aber auch, daß er mit hoher Wahrscheinlichkeit binnen kurzem wieder eine neue Arbeit findet.

Insofern würde - entgegen den Erwartungen und Befürchtungen der Verfechter des heutigen Systems - bei dem von mir beschriebenen Familienmodell eher die Stabilität der Ehen zunehmen.

Wenn man die Grundgesetze der menschlichen Psychologie zur Kenntnis nimmt (hier: Allzu strenge Verbote schaffen mindestens ebensoviel Übeltäter wie eine totale Gesetzlosigkeit) und sein Handeln danach ausrichtet, dann erzielt man damit Erfolge; wenn man jedoch glaubt, die Funktionsweise der menschlichen Psyche durch Gesetze, die dieser Psyche zuwiderlaufen (Arbeitsrecht) oder durch "moralische" Gebote im Diesseits und Verweis auf Strafe im Jenseits (gegenwärtiges Ehemodell) außer Kraft setzen zu können, dann fällt man auf die Nase und weiß nicht warum.

Und noch eines:

Ich wünsche Dir, daß Du nach Deiner Facon selig wirst. Nur bin ich eben nicht überzeugt, daß dies ein Weg ist, der für die Mehrheit der Menschen begehbar ist.

Einen schönen Tag wünscht

Ekki

Re: Frau Schmidt würde sich NIE scheiden lassen...

Tran, Friday, 20.08.2004, 19:07 (vor 7840 Tagen) @ Ekki

Als Antwort auf: Re: Frau Schmidt würde sich NIE scheiden lassen... von Ekki am 20. August 2004 08:24:46:

Hallo Ekki!

Ich halte Monogamie schon für wichtig in einer Beziehung. Aber im Grunde hast Du wohl mit Deiner Meinung genauso recht (oder unrecht) wie ich mit meiner. Schliesslich sind Beziehungen als solche glücklicherweise nicht genormt, jedes Zusammenleben ist anders. Also denke ich das jeder von uns beiden auf seine Weise recht hat.
Übrigens würde ich Monogamie nicht unbedingt einem Glauben zuordnen, eher dem eigenen Moralverständnis.

Tran

Re: Frau Schmidt würde sich NIE scheiden lassen...

Simon, Saturday, 21.08.2004, 21:58 (vor 7838 Tagen) @ Ekki

Als Antwort auf: Re: Frau Schmidt würde sich NIE scheiden lassen... von Ekki am 19. August 2004 18:30:00:

Hallo Ekki!
Im großen und ganzen Zustimmung.

„Wenn's kein Monogamiegebot mehr gibt, dann ist auch das Zusammenleben mit ein und derselben Person über viele Jahre auf einmal wieder erträglich, weil man die Abwechslung, die auf ausnahmslos jedem Gebiet des Lebens notwendig ist, kriegt.“

Grundsätzlich meine Meinung. Die Verbissenheit, mit der am Monogamiegebot in festen Beziehungen festgehalten wird, erstaunt mich immer wieder. Dabei ist die sogenannte serielle Polygamie gesellschaftlich längst akzeptiert. Man darf mit so vielen Leuten ins Bett gehen, wie man nur will – vorausgesetzt, man beendet die vorangegangene Beziehung/Affäre vorher ordnungsgemäß. Man darf nicht BEIDES haben, bzw. trifft einen dann der Neid der Mitmenschen: eine stabile langdauernde Beziehung UND sexuelle Abwechslung. Da soll man sich gefälligst entscheiden müssen. Während hingegen kaum jemand versucht, den Monogamen ihr Sexualleben auszureden. Polygame sind gegenüber Monogamen jedenfalls sehr viel toleranter als diese gegenüber jenen - obwohl jene diesen doch gar nichts wegnehmen, sollte man meinen.
Was das Monogamiegebot in Beziehungen betrifft, so ist das inzwischen eine Forderung, die Frauen an Männer stellen, für sich selbst jedoch längst nicht mehr gelten lassen – wenn man etwa der Zeitschrift Psychologie Heute, Heft 6/2003, glauben darf, die unter dem Schwerpunkt „Befreite Lust: Die sexuelle Rebellion der Frauen“ (gegen wen müssen die wohl rebellieren?) Artikel versammelt, die Überschriften tragen wie „Nimm zwei! Warum nur einen lieben?“, „Untreu – zum Wohle des Kindes“ oder „Begehren wecken, aber kein Begehren zeigen“, und in denen nichts anderes getan wird, als die Polygamie abzufeiern. Schön und gut, das hat ja auch im Prinzip meine Zustimmung, ich habe ja selbst unter Umständen was davon – wenn, ja, wenn sich nicht immer wieder der Eindruck aufdrängte, daß all dies, was bei Frauen „Befreiung“, „Rebellion“ und „Entdeckung ihrer Sexualität“ bedeutet, von eben diesen Frauen nach wie vor als schmutziger, dreckiger, egoistischer Betrug gewertet werden würde, so es denn nur Männer sind, die ebenfalls ihrer „befreiten Lust“ frönen wollen.
Was nicht als unwahrscheinlich erscheinen lässt, daß von einer allgemeinen Aufhebung des moralischen Monogamiegebotes nur Frauen profitieren, die sich dann nämlich die wenigen Alphatypen aussuchen und gegebenenfalls teilen können, während der sogenannte Durchschnitt völlig leer ausgeht. Mithin träte eine Verschärfung der Situation ein, die wir eh schon haben.

„Und die Tatsache, daß just nach dieser Gott-sei-Dank-Umstellung die Scheidungen sprunghaft anstiegen? Künstlerpech - was?“

Ja doch, Künstlerpech, würde ich sagen. Warum soll man sich, wenn man nicht mehr zusammenleben möchte, nicht scheiden lassen, und warum sollte das künstlich erschwert werden?

"Ich möchte, dass Männer und Frauen freiwillig und gern in einer Beziehung zusammenleben, und zwar gleichberechtigt", sagt die Ministerin. Die Politik könne allenfalls die dafür notwendigen Rahmenbedingungen schaffen.

Erinnert mich an die Mutter in jenem Witz, die zu ihrem Kind sagt: „Mach gefälligst deine Hausaufgaben! Und mach sie gefälligst GERNE!“ 

„Aber was soll's - wir steuern eh' auf einen Zustand zu (falls wir nicht schon mitten drin sind), den wir früher für ein Ostblock-Spezifikum hielten: Beide Partner müssen aus wirtschaftlichen Gründen erwerbstätig sein. Ehrlich gesagt, so schlecht hat's den Menschen im Ostblock nicht getan. Ich schreibe die Tatsache, daß dort die Frauen viel weniger versponnen sind als im Westen, unter anderem diesem Umstand zu.“

Darüber könnte ich Dir schöne Geschichten erzählen, mach ich aber hier nicht.  Die Erfahrung habe ich nämlich auch gemacht, daß Frauen aus Ostdeutschland in fast jeder Hinsicht erträglicher sind als die aus dem Westen. Mit denen ist tatsächlich fast so etwas wie ein gleichberechtigtes Miteinander möglich. Da komme ich als Liberaler nicht umhin, der DDR einen gewissen Respekt zu zollen.

„Es geht doch nichts über feine semantische Unterschiede. Frauen "haben höhere Ansprüche", Männer "fühlen sich unverstanden". Immerhin - so, wie Frau Schmidt imstande war, zuzugeben, daß die gestiegene Anspruchshaltung der Frauen ein Problem ist, so ist sie auch bereit, zu sehen, daß die Männer unter Leidensdruck stehen. Das ist durchaus nicht Standard bei linken Politikerinnen! Mit ganz viel gutem Willen könnte man die besagten semantischen Unterschiede sogar als Ausweis der Männerfreundlichkeit auslegen: Wer "Ansprüche stellt", wirkt fordernd, wer sich dagegen "unverstanden fühlt", erregt Mitgefühl.“

Aber wohl wirklich nur mit ganz ganz viel gutem Willen. Gemeint ist und verstanden wird wohl eher folgendes: ‚Frauen stellen völlig zu recht Ansprüche, da die Männer ja ach so schluffig sind. Und die Männer stehen unter Leidensdruck; ach Gott, die Armen, kaum begegnen sie einer selbstbewussten Frau, werden sie weinerlich.’ DAS steckt doch dahinter.

„Wenn mir bei irgendetwas das Messer in der Hose aufgeht, dann ist es jenes Bild der Ehe, derzufolge die Partner "in-selbstloser-Aufopferung-ihre-eigenen-Wünsche-zurückstellen-ihr-Kreuz-auf-sich-nehmen-höhere-Werte-leben-nicht-den-Vergnügungen-hinterherjagen-blablabla-sollen" *würg-kotz*“

Volle Zustimmung! Das scheint auch hier im Forum eine weitverbreitete Auffassung zu sein.

„Nana, Frau Schmidt, das Fremdgehen hat uns etliche der größten Romane der Weltliteratur beschert ("Anna Karenina", "Effi Briest"). Und warum zählen diese Werke zur Weltliteratur? Weil dort auf höchstem künstlerischen Niveau die Rede vom realen Menschen war.“

Seit wann haben Feministinnen Ahnung von Kunst und Literatur?

Grüße

Simon

Re: Frau Schmidt würde sich NIE scheiden lassen...

Ekki, Tuesday, 24.08.2004, 15:44 (vor 7836 Tagen) @ Simon

Als Antwort auf: Re: Frau Schmidt würde sich NIE scheiden lassen... von Simon am 21. August 2004 18:58:36:

Hallo Simon!

Zunächst einmal vielen Dank für die ausführliche Antwort.

"Ich möchte, dass Männer und Frauen freiwillig und gern in einer Beziehung zusammenleben, und zwar gleichberechtigt", sagt die Ministerin. Die Politik könne allenfalls die dafür notwendigen Rahmenbedingungen schaffen.

Erinnert mich an die Mutter in jenem Witz, die zu ihrem Kind sagt: „Mach gefälligst deine Hausaufgaben! Und mach sie gefälligst GERNE!“ 

Bravo! Toll auf den Punkt gebracht!

„Aber was soll's - wir steuern eh' auf einen Zustand zu (falls wir nicht schon mitten drin sind), den wir früher für ein Ostblock-Spezifikum hielten: Beide Partner müssen aus wirtschaftlichen Gründen erwerbstätig sein. Ehrlich gesagt, so schlecht hat's den Menschen im Ostblock nicht getan. Ich schreibe die Tatsache, daß dort die Frauen viel weniger versponnen sind als im Westen, unter anderem diesem Umstand zu.“
Darüber könnte ich Dir schöne Geschichten erzählen, mach ich aber hier nicht.

Laß mich spekulieren: Du möchtest nicht einmal im Schutze des Foren-Nicks Dinge preisgeben, die - von den betroffenen Personen zufällig gelesen - zur Empörung führen könnten.

Versteh' ich bestens! Ich erzähl' auch keine Einzelheiten - für den Fall, daß jemand mal meine Identität lüften sollte. Ist zwar eher unwahrscheinlich, daß die entsprechenden Storys an die richtige Adresse kämen, aber besser ist besser. Der Kavalier genießt und schweigt. Nur soviel: Meine Wahlheimat Polen bietet schier unglaubliche Möglichkeiten zu "aktiver Nächstenliebe"! (taktvoll genug umschrieben?)

„Wenn mir bei irgendetwas das Messer in der Hose aufgeht, dann ist es jenes Bild der Ehe, derzufolge die Partner "in-selbstloser-Aufopferung-ihre-eigenen-Wünsche-zurückstellen-ihr-Kreuz-auf-sich-nehmen-höhere-Werte-leben-nicht-den-Vergnügungen-hinterherjagen-blablabla-sollen" *würg-kotz*“
Volle Zustimmung! Das scheint auch hier im Forum eine weitverbreitete Auffassung zu sein.

Hier hätte ich eine echte Verständnisfrage:

Was ist Deiner Meinung nach im Forum eine weitverbreitete Auffassung - das von mir abgelehnte Bild von der Ehe oder mein Idealbild? Wenn ich mal raten soll - die von mir abgelehnte Auffassung, den Eindruck hatte ich nämlich auch schon des Öfteren.

Herzlicher Gruß und viel Spaß beim Spaß(Du weißt schon *Augenzwinker*).

Ekki

Re: Frau Schmidt würde sich NIE scheiden lassen...

Simon, Friday, 27.08.2004, 18:53 (vor 7833 Tagen) @ Ekki

Als Antwort auf: Re: Frau Schmidt würde sich NIE scheiden lassen... von Ekki am 24. August 2004 12:44:47:

„Wenn mir bei irgendetwas das Messer in der Hose aufgeht, dann ist es jenes Bild der Ehe, derzufolge die Partner "in-selbstloser-Aufopferung-ihre-eigenen-Wünsche-zurückstellen-ihr-Kreuz-auf-sich-nehmen-höhere-Werte-leben-nicht-den-Vergnügungen-hinterherjagen-blablabla-sollen" *würg-kotz*“
Volle Zustimmung! Das scheint auch hier im Forum eine weitverbreitete Auffassung zu sein.

Hier hätte ich eine echte Verständnisfrage:
Was ist Deiner Meinung nach im Forum eine weitverbreitete Auffassung - das von mir abgelehnte Bild von der Ehe oder mein Idealbild? Wenn ich mal raten soll - die von mir abgelehnte Auffassung, den Eindruck hatte ich nämlich auch schon des Öfteren.

Hallo Ekki,

ja, mit der weitverbreiteten Auffassung meinte ich tatsächlich die vorgeblich "moralische", in einer Partnerschaft sollten die eigenen Interessen zurückgestellt werden. Das wird hier im Forum zwar meist - und oft gar nicht mal völlig zu unrecht - gegen die in der Tat häufig überzogenen und egozentrischen Ansprüche von Frauen gewendet, fällt aber m.E. auf uns Männer zurück. Wohlgemerkt: es ist in Ordnung, die eigenen Interessen zu verfolgen, sofern man ihnen nicht die Weihen höherer moralischer Rechtschaffenheit verleiht, wie es die Vertreterinnen des (Alltags- und Vulgär-)Feminismus meistens tun, nach dem Motto: "Männer, die fremdgehen oder mir meinen Kinderwunsch nicht erfüllen sind egoistisch und böse."

Re: Frau Schmidt würde sich NIE scheiden lassen...

Maesi, Tuesday, 24.08.2004, 23:08 (vor 7835 Tagen) @ Ekki

Als Antwort auf: Re: Frau Schmidt würde sich NIE scheiden lassen... von Ekki am 19. August 2004 18:30:00:

Hallo Ekki

Wie wär's denn mal mit Folgendem (von mir schon häufig in mehreren Foren thematisiert): Wenn's kein Monogamiegebot mehr gibt, dann ist auch das Zusammenleben mit ein und derselben Person über viele Jahre auf einmal wieder erträglich, weil man die Abwechslung, die auf ausnahmslos jedem Gebiet des Lebens notwendig ist, kriegt.

Es gibt ein Verbot der Vielehe bei uns, ein (gesetzliches) Gebot zur Monogamie gibt es aber nicht. Wenn es so waere, wuerden Menschen, die mehrere Sexualpartner gleichzeitig haben, von der Justiz verfolgt. Allenfalls gibt es eine gesellschaftliche Konvention, die die Beschraenkung auf einen Sexualpartner waehrend eines bestimmten Zeitraums gebietet.

Die Politik kann das Scheitern einer Ehe nicht verhindern. Und der Gesetzgeber hat auch nicht die Aufgabe, Menschen, die auseinander gehen wollen, gegen ihren Willen zusammenzuhalten, verteidigt Schmidt das deutsche Scheidungsrecht, das Mitte der siebziger Jahre - "Gott sei Dank", wie sie sagt - vom Schuldprinzip auf das Zerrüttungsprinzip umgestellt wurde.

Und die Tatsache, daß just nach dieser Gott-sei-Dank-Umstellung die Scheidungen sprunghaft anstiegen? Künstlerpech - was?

Nein, das Scheidungsrecht war die Reaktion auf eine geaenderte Einstellung der Gesellschaft zur Ehescheidung.

Dazu gehöre, dass junge Menschen vor allem in der Familie besser auf eine Partnerschaft vorbereitet werden. Aber auch die Schulen müssten einen Beitrag leisten. Das Thema Ehe und Partnerschaft müsste im Unterricht ernster genommen werden, und zwar an allen Schularten, fordert Schmidt.

Wäre mal interessant, im Detail zu hören, welche Unterrichtsinhalte Frau Schmidt vermittelt sehen möchte.

Da waere ich auch gespannt. IMHO glaube ich nicht, dass die Schule da eine wesentliche Verhaltensaenderung erzwingen kann. Der Mensch erwirbt sein Sozialverhalten durch Beobachten und Imitieren. Da Scheidungen/Trennungen bzw. Wechsel von Sexualpartnern heute weit verbreitet sind, werden junge Menschen entsprechend gepraegt und spaeter selber so handeln.

Außerdem müsse die Politik dafür sorgen, dass junge Menschen ihre Lebensvorstellung auch erfüllen können. Dazu gehöre die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. "70 Prozent der Mütter, die zu Hause sind, wären lieber erwerbstätig", weiß Schmidt. Notwendig seien bessere Betreuungsmöglichkeiten für Kinder aber auch mehr Anreize für Väter, sich an Elternzeit, Familien- und Hausarbeit zu beteiligen.

Da kann ich durchaus zustimmen - um so mehr, als sich dann herausstellen würde, wieviele Frauen das Angebot begeistert annehmen würden.

Einspruch! Der Staat ist nach meinem Verstaendnis nicht dazu da, den Buergern die Erfuellung ihrer Lebensvorstellungen zu erfuellen; da koennte ja jeder kommen und seine Lebenswuensche anbringen. Wenn der Staat Betreuungsplaetze fuer Kinder zur Verfuegung stellen soll, dann gefaelligst zu kostendeckenden Preisen. Wir haben schon viel zu viele Subventionen, und die Kosten fuer subventionierte Betreuungsplaetze waeren gigantisch. Das Problem ist doch, dass kaum ein Mensch einen marktwirtschaftlich angemessenen Preis fuer Kinderbetreuung zu bezahlen bereit ist; waere es so, gaebe es auch ein entsprechendes Angebot von gewinnorientierten Unternehmen.

Aber was soll's - wir steuern eh' auf einen Zustand zu (falls wir nicht schon mitten drin sind), den wir früher für ein Ostblock-Spezifikum hielten: Beide Partner müssen aus wirtschaftlichen Gründen erwerbstätig sein. Ehrlich gesagt, so schlecht hat's den Menschen im Ostblock nicht getan. Ich schreibe die Tatsache, daß dort die Frauen viel weniger versponnen sind als im Westen, unter anderem diesem Umstand zu.

Das mag sein.

Männer und Frauen hätten sehr unterschiedliche Vorstellungen von der Ehe. Vor allem die Frauen haben immer höhere Ansprüche an ihre Männer, wünschen sich mehr Unterstützung im Haushalt.

Na, das ist ja mal ein Erlebnis, daß eine linke Politikerin die gestiegene Anspruchshaltung der Frauen als Grund für die Krise der Institution Familie ausmacht!

Zustimmung. Aber bei Frau Renate Schmidt ueberrascht mich diese Haltung nicht besonders; ich taxiere sie als eine eher vernuenftige Person.

... und "klotzen im Beruf ran", weil sie plötzlich allein verantwortlich für den materiellen Unterhalt sind.

Noch so ein Lichtblick im linken Gehirn! Da wird doch tatsächlich die Leistung der Männer für die Familie sowie die Schwere der Verantwortung, die sie tragen, anerkannt.

Zustimmung. Was mir bei der Aussage von Frau Schmidt noch fehlt, ist die Tatsache, dass Vaeter nach der Scheidung zum 'Ranklotzen im Beruf' per Gerichtsbeschluss gezwungen sind, ohne dafuer irgendeine Gegenleistung einfordern zu koennen.

"Beziehungen werden heute als eine Art Konsum angesehen, der größtmöglichen emotionalen Gewinn bringen soll", beschreibt Schmidt das Problem.

Ja und - ist das nicht ein legitimer Anspruch? Ich sehe es so herum: Wenn zwei Menschen sich auf ein so waghalsiges Experiment wie die Ehe einlassen, dann kann das eigentlich nur dann gutgehen, wenn jeder der Partner seine Emotionen sowohl innerhalb als auch außerhalb der Ehe ausleben kann.

Es ist ein legitimer Anspruch. Das Problem ist aber, dass man zwischen der Beziehung der Eltern untereinander und den Beziehungen zwischen den Elternteilen und ihren Kindern unterscheiden muss - leider koennen das die wenigsten.

Wenn mir bei irgendetwas das Messer in der Hose aufgeht, dann ist es jenes Bild der Ehe, derzufolge die Partner "in-selbstloser-Aufopferung-ihre-eigenen-Wünsche-zurückstellen-ihr-Kreuz-auf-sich-nehmen-höhere-Werte-leben-nicht-den-Vergnügungen-hinterherjagen-blablabla-sollen" *würg-kotz*

*bg* An das Gelaber von Aufopferung glaube ich schon lange nicht mehr. Die Partnerschaft war zu allen Zeiten eine Symbiose; wenn es eine 'Aufopferung' gab, dann wurde sie wechselseitig erbracht...

Frühere Generationen hätten nicht so hohe Ansprüche gehabt.

Nana, Frau Schmidt, das Fremdgehen hat uns etliche der größten Romane der Weltliteratur beschert ("Anna Karenina", "Effi Briest"). Und warum zählen diese Werke zur Weltliteratur? Weil dort auf höchstem künstlerischen Niveau die Rede vom realen Menschen war.

Die Ehe hatte frueher groesstenteils wirtschaftliche Gruende, auch wenn das heute nur noch den wenigsten bewusst ist. 'Fremdgehen' gab es schon immer, und zwar bei beiden Geschlechtern.

Viele Menschen hätten sich eine Ehe gar nicht leisten können. Mitte des 18. Jahrhunderts war in Berlin zum Beispiel nur die Hälfte der Bevölkerung verheiratet, viele Menschen lebten schon damals in unvollständigen Familien.

Das hat mich allerdings umgehauen. So was hab' ich ja noch nie gelesen! Single-Gesellschaft aus materieller Not? Das lädt zu weitreichendsten Spekulationen ein, und zwar sowohl darüber, ob (a) vielleicht auch schon früher nicht nur materielle Not der Grund für die geringe Zahl der Eheschließungen war, als auch, ob (b) vielleicht auch heute wieder materielle Not der Grund dafür ist, daß viele Menschen nicht heiraten.

Das ist durchaus nicht ueberraschend. Einerseits garantierte eine Ehe die optimale Nutzung der Ressourcen, andererseits mussten minimale Ressourcen erstmal vorhanden sein, damit die Familie ueberhaupt ueberleben konnte. Von Maennern wurde erwartet, dass sie die Familie wirtschaftlich versorgen koennen, nur dann 'durften' sie heiraten; allerdings waren alle Familienmitglieder verpflichtet, den Mann bei seinen versorgerischen Pflichten zu unterstuetzen. Mit anderen Worten: nicht jeder Mann konnte sich den 'Luxus' einer Ehe leisten; wenn er sich jedoch eine Ehe leisten konnte, konnte er sich in den wenigsten Faellen nachher eine Scheidung leisten.

Frauen lebten entweder zusammen mit einem Ehemann, mit dem sie eine neue Familie gruendeten, oder sie lebten als billige Arbeitskraft bei ihren Eltern, bei einem Bruder, Schwager oder sonstigen Verwandten in dessen Familie, oder sie lebten als nichtverwandte Arbeitskraft (z.B. als Magd oder Dienstbote) in einer fremden Familie. Es gab zwar Frauen, die, normalerweise als Witwe, selbst einen Betrieb (Bauernhof, Handwerksbetrieb) fuehrten, sie waren jedoch eher selten. Ausserdem verdingten sich manche Frauen natuerlich als Huren, die bei Marketendern mitreisten oder in Bordellen ihre Dienste anboten. Fuer die Durchschnittsfrau aus dem Volk gab es nicht besonders viele Alternativen - und die Ehe war zweifellos noch eine der attraktivsten.

Maenner hatten uebrigens auch nicht viel mehr Moeglichkeiten. Sofern sie nicht einen vaeterlichen Betrieb uebernehmen konnten, konnten sie allenfalls noch in die Welt hinausziehen (z.B. als Soeldner oder Gluecksritter) und sich dadurch eine eigene Existenz aufzubauen versuchen; allerdings war das ausserordentlich hart und die Mehrzahl kam dabei ums Leben. In der Schweiz hatte beispielsweise das Soeldnerwesen eine recht grosse Bedeutung, damit wurden die 'ueberzaehligen' Maenner elegant im Ausland 'entsorgt' - es war also eine Art Ventil gegen den Bevoelkerungsdruck. Die wenigsten ueberlebten lange genug und machten ihr Glueck; beispielsweise als Offizier in fremden Diensten. Was fuer Frauen galt, galt ebenso fuer Maenner: fuer den Durchschnittsmann aus dem Volk gab es nicht besonders viele Alternativen - und die Ehe war zweifellos noch eine der attraktivsten.

Kennt jemand noch die Anfang der 90er Jahre erschienene, leider (im Gegensatz zur Buchtrilogie von Ester Vilar) seit langem nicht mehr neu aufgelegte Buchtrilogie von Joachim Bürger "Mann, bist du gut" / "Mann, leb' dich aus" / "Mann hat es eben"? Darin stellt der Autor die meiner Meinung nach sehr einleuchtende These auf, daß die heutigen Ehen nicht zum Wenigsten deshalb so wenig haltbar sind, weil es noch nie einer Generation zugemutet worden sei, so lange mit einem Partner zusammenzuleben: Blendende Lebenserwartung, keine Kriege, keine Seuchen.

Interessante These. Dem kann man entgegenhalten, dass die sprunghafte Steigerung der Lebenserwartung im 19. und 20. Jhd. hauptsaechlich der drastischen Senkung der Kindersterblichkeit durch die massiv verbesserten hygienischen Verhaeltnisse zu verdanken ist; dass Menschen 70 oder 80 Jahre alt wurden, war im 18. Jhd zwar nicht die Regel aber auch keineswegs ungewoehnlich, was dann aber auch bedeutete, dass jemand, der heiratete, mit einer entsprechend langen Ehezeit rechnen musste. Dazu kommt, dass die Scheidungszahlen nach Einfuehrung des neuen Scheidungsrechts 1977 sprunghaft anstiegen - ein klarer Hinweis dafuer, dass die vorherigen massiven gesetzlichen Hindernisse, die einer Scheidung entgegenstanden, ehestabilisierend wirkten und weit wichtiger waren, als die von Buerger genannten Gruende. Ich bleibe deshalb bei meiner These, dass die Haltbarkeit der Ehen frueher einerseits auf die schlechten wirtschaftlichen Verhaeltnisse zurueckzufuehren sind, die eine Scheidung meist schlichtweg verunmoeglichten, und andererseits ein massiver gesellschaftlicher Druck existierte, der Scheidungen poenalisierte. Es mag noch weitere Gruende geben, die beiden sind IMHO jedoch eindeutig die wichtigsten.

Mir jedenfalls will es nicht einleuchten, wieso es so ein gesegneter Zustand sein soll, nach der Heirat (a) die Aussicht auf ein viele Jahrzehnte währendes Zusammenleben zu haben, (b) durch jede Menge geschriebener und ungeschriebener Gesetze am außerehelichen Vergnügen gehindert zu werden und (c) sich einer Theorie und Praxis der Scheidungsgesetzgebung gegenüberzusehen, die es einem wenig geraten erscheinen läßt, die Ehe-Karrieren eines Gerhard Schröder oder Joschka Fischer (die zumindest teilweise noch von der Gesetzgebung vor der Reform des Scheidungsrechts profitierten!) nachzuahmen.

Trotzdem erachten auch heute noch die jungen Leute eine lebenslange Partnerschaft als Ideal (wie Umfragen belegen); auch wenn es in der Praxis je laenger je mehr nur noch als theoretisches Ideal erscheint.

Nichtsdestoweniger bin ich der Meinung, daß bei einer Umsetzung des von mir skizzierten Ehemodells - kein Monogamie-Gebot, leichte und gerechte Scheidung - genau besehen beide Geschlechter profitieren würden.

Was abgeschafft werden koennte, ist die Scheidung als Akt der Justiz (Richterspruch). Fuer mich ist Scheidung aus staatlicher Sicht lediglich eine verwaltungstechnische Angelegenheit, so wie es die Eheschliessung ja auch ist (Zivilstandsamt). Ansonsten stehen schon heute einer Scheidung de jure kaum grosse Hindernisse im Weg. Der Teufel steckt jedoch im Detail: die gueterrechtlichen und unterhaltsrechtlichen Auseinandersetzungen. Es geht also um die Kohle, und da verstehen die meisten Menschen keinerlei Spass. Selbst wenn es ueberhaupt keine Ehe mehr gaebe, die guter- und unterhaltsrechtlichen Auseinandersetzungen aus Partnerschaften wuerden bleiben.

Frau Schmidt hat meiner Meinung nach ein bemerkenswertes Maß an Einsichtsfähigkeit in die Situation der Männer bewiesen, und ihr Text taugt durchaus als Grundlage für einen fundierten gesellschaftlichen Diskurs zu der angesprochenen Problematik. Wünschenswert wäre, daß ein solcher Diskurs in den Medien in Gang kommt.

Zustimmung

Gruss

Maesi

Re: Frau Schmidt würde sich NIE scheiden lassen...

Ekki, Wednesday, 25.08.2004, 19:39 (vor 7835 Tagen) @ Maesi

Als Antwort auf: Re: Frau Schmidt würde sich NIE scheiden lassen... von Maesi am 24. August 2004 20:08:37:

Hallo Maesi,

Außerdem müsse die Politik dafür sorgen, dass junge Menschen ihre Lebensvorstellung auch erfüllen können. Dazu gehöre die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. "70 Prozent der Mütter, die zu Hause sind, wären lieber erwerbstätig", weiß Schmidt. Notwendig seien bessere Betreuungsmöglichkeiten für Kinder aber auch mehr Anreize für Väter, sich an Elternzeit, Familien- und Hausarbeit zu beteiligen.

Da kann ich durchaus zustimmen - um so mehr, als sich dann herausstellen würde, wieviele Frauen das Angebot begeistert annehmen würden.

Einspruch! Der Staat ist nach meinem Verstaendnis nicht dazu da, den Buergern die Erfuellung ihrer Lebensvorstellungen zu erfuellen; da koennte ja jeder kommen und seine Lebenswuensche anbringen. Wenn der Staat Betreuungsplaetze fuer Kinder zur Verfuegung stellen soll, dann gefaelligst zu kostendeckenden Preisen. Wir haben schon viel zu viele Subventionen, und die Kosten fuer subventionierte Betreuungsplaetze waeren gigantisch. Das Problem ist doch, dass kaum ein Mensch einen marktwirtschaftlich angemessenen Preis fuer Kinderbetreuung zu bezahlen bereit ist; waere es so, gaebe es auch ein entsprechendes Angebot von gewinnorientierten Unternehmen.

Die Diskussion darüber, wie weit der Einfluß des Staates zu gehen hat, ist ein Faß ohne Boden. Ich selbst positioniere mich hier eindeutig:

Ich will den Einfluß des Staates an dieser Stelle haben, weil ich das - von mir als stickig erlebte - christliche Familienbild zurückdrängen will.

Kennt jemand noch die Anfang der 90er Jahre erschienene, leider (im Gegensatz zur Buchtrilogie von Ester Vilar) seit langem nicht mehr neu aufgelegte Buchtrilogie von Joachim Bürger "Mann, bist du gut" / "Mann, leb' dich aus" / "Mann hat es eben"? Darin stellt der Autor die meiner Meinung nach sehr einleuchtende These auf, daß die heutigen Ehen nicht zum Wenigsten deshalb so wenig haltbar sind, weil es noch nie einer Generation zugemutet worden sei, so lange mit einem Partner zusammenzuleben: Blendende Lebenserwartung, keine Kriege, keine Seuchen.

Interessante These. Dem kann man entgegenhalten, dass die sprunghafte Steigerung der Lebenserwartung im 19. und 20. Jhd. hauptsaechlich der drastischen Senkung der Kindersterblichkeit durch die massiv verbesserten hygienischen Verhaeltnisse zu verdanken ist; dass Menschen 70 oder 80 Jahre alt wurden, war im 18. Jhd zwar nicht die Regel aber auch keineswegs ungewoehnlich, was dann aber auch bedeutete, dass jemand, der heiratete, mit einer entsprechend langen Ehezeit rechnen musste. Dazu kommt, dass die Scheidungszahlen nach Einfuehrung des neuen Scheidungsrechts 1977 sprunghaft anstiegen - ein klarer Hinweis dafuer, dass die vorherigen massiven gesetzlichen Hindernisse, die einer Scheidung entgegenstanden, ehestabilisierend wirkten und weit wichtiger waren, als die von Buerger genannten Gruende. Ich bleibe deshalb bei meiner These, dass die Haltbarkeit der Ehen frueher einerseits auf die schlechten wirtschaftlichen Verhaeltnisse zurueckzufuehren sind, die eine Scheidung meist schlichtweg verunmoeglichten, und andererseits ein massiver gesellschaftlicher Druck existierte, der Scheidungen poenalisierte. Es mag noch weitere Gruende geben, die beiden sind IMHO jedoch eindeutig die wichtigsten.

Ich sehe keinen grundsätzlichen Widerspruch zwischen Deinen Ausführungen und denjenigen von Bürger, ja, noch nicht einmal eine andere Gewichtung.

Mir jedenfalls will es nicht einleuchten, wieso es so ein gesegneter Zustand sein soll, nach der Heirat (a) die Aussicht auf ein viele Jahrzehnte währendes Zusammenleben zu haben, (b) durch jede Menge geschriebener und ungeschriebener Gesetze am außerehelichen Vergnügen gehindert zu werden und (c) sich einer Theorie und Praxis der Scheidungsgesetzgebung gegenüberzusehen, die es einem wenig geraten erscheinen läßt, die Ehe-Karrieren eines Gerhard Schröder oder Joschka Fischer (die zumindest teilweise noch von der Gesetzgebung vor der Reform des Scheidungsrechts profitierten!) nachzuahmen.

Trotzdem erachten auch heute noch die jungen Leute eine lebenslange Partnerschaft als Ideal (wie Umfragen belegen); auch wenn es in der Praxis je laenger je mehr nur noch als theoretisches Ideal erscheint.

Die Tatsache, daß die Mehrheit der Menschen einer bestimmten Illusion anhängt, ist noch lange kein Grund, dies für wünschenswert zu halten - zumal jeder weiß, wieviel Doppelbödigkeit gerade diese Illusion zeitigt.

Nichtsdestoweniger bin ich der Meinung, daß bei einer Umsetzung des von mir skizzierten Ehemodells - kein Monogamie-Gebot, leichte und gerechte Scheidung - genau besehen beide Geschlechter profitieren würden.

Was abgeschafft werden koennte, ist die Scheidung als Akt der Justiz (Richterspruch). Fuer mich ist Scheidung aus staatlicher Sicht lediglich eine verwaltungstechnische Angelegenheit, so wie es die Eheschliessung ja auch ist (Zivilstandsamt). Ansonsten stehen schon heute einer Scheidung de jure kaum grosse Hindernisse im Weg. Der Teufel steckt jedoch im Detail: die gueterrechtlichen und unterhaltsrechtlichen Auseinandersetzungen. Es geht also um die Kohle, und da verstehen die meisten Menschen keinerlei Spass. Selbst wenn es ueberhaupt keine Ehe mehr gaebe, die guter- und unterhaltsrechtlichen Auseinandersetzungen aus Partnerschaften wuerden bleiben.

Was das betrifft, so berufe ich mich aus- und nachdrücklich auf die untergegangene DDR. Zwar bin ich selbst "gelernter Wessi", aber alles, was man darüber von "gelernten Ossis" gehört hat - und das war sowohl privat als auch öffentlich eine ganze Menge! - zeigt übereinstimmend, daß Theorie und Praxis der Familienrechts- und Scheidungsgesetzgebung in der DDR nur von denjenigen verworfen werden, die sich explizit auf ein christliches Menschenbild berufen, und dazu gehöre ich nun mal nicht.

Andererseits muß man natürlich fairerweise dazusagen, daß die Vorbedingung für das DDR-Recht eine "Wirtschaft" war, in der nur die Günstlinge des Regimes zu Wohlstand kommen konnten. Bei allen anderen gab es schlicht keine Grundlage für unterhaltsrechtliche Auseinandersetzungen.

Dennoch: Auch in einer Marktwirtschaft wäre es möglich, den Frauen ihre diesbezüglichen Privilegien zu entziehen. Wenn es politisch schwer durchsetzbar sein sollte, ist das ein Grund mehr, darum zu kämpfen. Fortschritt ist noch nie vom Himmel gefallen.

Vielen Dank für die fundierte Antwort!

Gruß

Ekki

Re: Frau Schmidt würde sich NIE scheiden lassen...

Maesi, Monday, 30.08.2004, 20:52 (vor 7829 Tagen) @ Ekki

Als Antwort auf: Re: Frau Schmidt würde sich NIE scheiden lassen... von Ekki am 25. August 2004 16:39:39:

Hallo Ekki

Außerdem müsse die Politik dafür sorgen, dass junge Menschen ihre Lebensvorstellung auch erfüllen können. Dazu gehöre die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.[...]

Da kann ich durchaus zustimmen - um so mehr, als sich dann herausstellen würde, wieviele Frauen das Angebot begeistert annehmen würden.

Einspruch! Der Staat ist nach meinem Verstaendnis nicht dazu da, den Buergern die Erfuellung ihrer Lebensvorstellungen zu erfuellen; da koennte ja jeder kommen und seine Lebenswuensche anbringen. Wenn der Staat Betreuungsplaetze fuer Kinder zur Verfuegung stellen soll, dann gefaelligst zu kostendeckenden Preisen.[...]

Die Diskussion darüber, wie weit der Einfluß des Staates zu gehen hat, ist ein Faß ohne Boden. Ich selbst positioniere mich hier eindeutig:
Ich will den Einfluß des Staates an dieser Stelle haben, weil ich das - von mir als stickig erlebte - christliche Familienbild zurückdrängen will.

Ich weiss nicht genau, was Du an dieser Stelle als 'Christliches Familienbild' meinst. Die Praxis, dass Frauen den Hauptteil der Kinderbetreuung uebernehmen?

Mir jedenfalls will es nicht einleuchten, wieso es so ein gesegneter Zustand sein soll, nach der Heirat (a) die Aussicht auf ein viele Jahrzehnte währendes Zusammenleben zu haben, (b) durch jede Menge geschriebener und ungeschriebener Gesetze am außerehelichen Vergnügen gehindert zu werden und (c) sich einer Theorie und Praxis der Scheidungsgesetzgebung gegenüberzusehen, die es einem wenig geraten erscheinen läßt, die Ehe-Karrieren eines Gerhard Schröder oder Joschka Fischer (die zumindest teilweise noch von der Gesetzgebung vor der Reform des Scheidungsrechts profitierten!) nachzuahmen.

Trotzdem erachten auch heute noch die jungen Leute eine lebenslange Partnerschaft als Ideal (wie Umfragen belegen); auch wenn es in der Praxis je laenger je mehr nur noch als theoretisches Ideal erscheint.

Die Tatsache, daß die Mehrheit der Menschen einer bestimmten Illusion anhängt, ist noch lange kein Grund, dies für wünschenswert zu halten - zumal jeder weiß, wieviel Doppelbödigkeit gerade diese Illusion zeitigt.

Tatsache ist aber auch, dass jene Menschen, die dem Ideal der lebenslangen Partnerschaft anhaengen, andere nicht damit missionieren; es ist deren Privatsache. Dir und anderen bleibt es unbenommen einem anderen Ideal anzuhaengen wie z.B. der Promiskuitaet. Eine wesentliche gesetzliche Einschraenkung besteht darin, dass ein Mensch nicht mit mehreren Frauen bzw. Maennern gleichzeitig verheiratet sein darf; daneben darfst Du jedoch aus gesetzlicher Sicht soviele Liebhaberinnen und Liebhaber haben, wie Du willst. Wo ist also das Problem?

Gruss

Maesi

Re: Frau Schmidt würde sich NIE scheiden lassen...

Ekki, Tuesday, 31.08.2004, 21:11 (vor 7828 Tagen) @ Maesi

Als Antwort auf: Re: Frau Schmidt würde sich NIE scheiden lassen... von Maesi am 30. August 2004 17:52:38:

Hallo Maesi!

Hallo Ekki

Außerdem müsse die Politik dafür sorgen, dass junge Menschen ihre Lebensvorstellung auch erfüllen können. Dazu gehöre die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.[...]

Da kann ich durchaus zustimmen - um so mehr, als sich dann herausstellen würde, wieviele Frauen das Angebot begeistert annehmen würden.

Einspruch! Der Staat ist nach meinem Verstaendnis nicht dazu da, den Buergern die Erfuellung ihrer Lebensvorstellungen zu erfuellen; da koennte ja jeder kommen und seine Lebenswuensche anbringen. Wenn der Staat Betreuungsplaetze fuer Kinder zur Verfuegung stellen soll, dann gefaelligst zu kostendeckenden Preisen.[...]

Die Diskussion darüber, wie weit der Einfluß des Staates zu gehen hat, ist ein Faß ohne Boden. Ich selbst positioniere mich hier eindeutig:
Ich will den Einfluß des Staates an dieser Stelle haben, weil ich das - von mir als stickig erlebte - christliche Familienbild zurückdrängen will.

Ich weiss nicht genau, was Du an dieser Stelle als 'Christliches Familienbild' meinst. Die Praxis, dass Frauen den Hauptteil der Kinderbetreuung uebernehmen?

Ich gebe zu, daß ich hier etwas inpräzise gewesen bzw. der öffentlichen Meinungsmache aufgesessen bin.

Es ist sicher richtig, daß ein Lebensmodell, bei dem die Frauen den Hauptteil der Kinderbetreuung übernehmen, nicht an ein bestimmtes religiöses oder sonstiges weltanschauliches Bekenntnis gebunden ist. Insofern habe ich unpräzise formuliert.

Tatsache ist aber auch, daß im öffentlichen Diskurs die überwältigende Mehrheit derjenigen, die diesen Lebensentwurf propagieren, (a) selbst nur zu gerne betonen, daß dies Teil ihres christlichen Weltbildes sei, und (b) denjenigen, die anders denken, vorwerfen, sie hätten ein sozialistisches Menschenbild, das in der DDR weitgehend verwirklicht worden sei und nichts Gutes gebracht habe.

Und hier schließt sich auf eigentümliche Weise der Kreis:

Die Antwort auf die Frage, ob die Frauen den Hauptteil der Kindererziehung übernehmen sollen, oder ob die Kinder in Kindergärten und Schulen ganztagsbetreut werden sollen, ist selbst wieder ein Menschenbild (oder zumindest ein Teil davon).

Ich verkenne nicht, daß es von der von mir skizzierten Zweiteilung - hier die Vertreter des christlichen Menschenbildes, die es für am besten halten, wenn die Frauen den Hauptteil der Kindererziehung übernehmen, dort die Vertreter eines nichtchristlichen Weltbildes, die für Ganztagserziehung plädieren - Ausnahmen gibt.

Und ich habe ebenfalls zur Kenntnis genommen, daß nach den Erzählungen von Ossis auch die Realität der Kindererziehung in der DDR nicht von allen und nicht in jeder Hinsicht als Ideal empfunden wurde.

Grosso modo aber stimmt die besagte Zweiteilung und wird übrigens gerade von den Befürwortern einer Übernahme der Hauptverantwortung für die Kindererziehung durch die Mutter unermüdlich betont: Wo immer sich in der CDU/CSU Personen finden, die von der Ganztagsbetreuung, welche inzwischen auch in der Union etliche Anhänger hat, wenig bis gar nichts halten, wird man geradezu mit Kübeln von "Heile-Welt-im-trauen-Heim-mit-der-züchtigen-Hausfrau-den-braven-Kindern-und-dem-Vertrauen-auf-Gott-den-Herrn" überschüttet. Nirgends fehlt bei diesen Vertretern der Hinweis auf das christliche Menschenbild, das es zu schützen gelte.

Um einem möglichen Mißverständnis vorzubeugen:

Meine Bezugnahme auf die DDR bedeutet nicht, daß ich jeden Aspekt des damaligen Erziehungssystems gutheißen würde. Die negativen Aspekte waren so vielfältig, daß sie die positiven wahrscheinlich negativ überkompensiert haben.

Gerade deshalb aber möchte ich die Idee einer Ganztagsbetreuung unter den Bedingungen eines demokratischen Staates weitergeführt bzw. wiederaufgenommen wissen.

Meine Motive hierfür:

1.) Ich halte es für gut und richtig, wenn Eheleute auch nach der Zeugung von Kindern ihre eigenen Interessen und Fähigkeiten im Leben außerhalb der Familie entfalten und entwickeln.

2.) Ich halte es für gut und richtig, wenn Kindern möglichst früh der frische Wind des Umgangs mit Gleichaltrigen und anderen Erwachsenen (als den Eltern und Verwandten) um die Nase weht. Das stärkt sie psychisch und physisch und macht sie lebenstüchtig.

3.) Ich halte überhaupt nichts davon, wenn Frauen durch ein Lebensmodell, bei dem sie größtenteils zu Hause bleiben, u.a. auch von anderen Männern ferngehalten werden. Ich flirte gerne mit Frauen, ob verheiratet oder nicht (wie weit "flirten" geht, ist von Fall zu Fall unterschiedlich) und möchte dies nicht missen.

Tatsache ist aber auch, dass jene Menschen, die dem Ideal der lebenslangen Partnerschaft anhaengen, andere nicht damit missionieren; es ist deren Privatsache. Dir und anderen bleibt es unbenommen einem anderen Ideal anzuhaengen wie z.B. der Promiskuitaet. Eine wesentliche gesetzliche Einschraenkung besteht darin, dass ein Mensch nicht mit mehreren Frauen bzw. Maennern gleichzeitig verheiratet sein darf; daneben darfst Du jedoch aus gesetzlicher Sicht soviele Liebhaberinnen und Liebhaber haben, wie Du willst. Wo ist also das Problem?
Gruss
Maesi

Na, das war jetzt aber etwas arg treuherzig - um es mal humorig auszudrücken. Die Erziehung zur Monogamie bereits im Rahmen des Religionsunterrichtes wird von niemandem bestritten, am allerwenigsten von den Religionspädagogen selber. In meinen Augen ist das sehr wohl Missionierung, und zwar in einem Alter, in dem die Angehörigen der Zielgruppe dieser Missionierung - Kinder und Jugendliche nämlich - am empfänglichsten für Prägungen sind.

In der Tat ist es so, daß ich so viele Liebhaber(innen) haben kann, wie ich will.

Und es ist ebenfalls richtigt, daß es jedem/r unbenommen bleibt, sich über die ihm in der Kindheit und Jungend vermittelten Richtlinien hinwegzusetzen.

Denn es würde ja auch umgekehrt ein Schuh draus:

In einer Welt, in der bewußt zur Freizügigkeit erzogen würde, würden sich mit Sicherheit auch Menschen finden, denen das nicht passsen würde und die dem ihr monogames Ideal entgegensetzen würden.

Aber eben da liegt der Unterschied, und damit auch das Problem, nach dem Du gefragt hattest:

Man braucht meines Erachtens kein Prophet zu sein, um zu dem Schluß zu kommen, daß es in einer Welt, in der nicht bewußt zur Monogamie erzogen würde, in der Tat auch recht wenig Monogamie gäbe - ist doch der Geschlechtstrieb eine Urgewalt.

Und dann hätten Menschen wie ich weniger Frustrationserlebnisse und mehr Befriedigung.

Tja, und so altruistisch bin ich nun mal nicht, daß ich mir nicht die Situation wünschen würde, in der es mir am besten geht.

Nebenbei gesagt:

So altruistisch sind auch die Verfechter der Monogamie nicht.

Nur haben sie mit ihrer Weltanschauung eben das Monopol auf die Erziehung der nachwachsenden Generationen und können es sich deshalb leisten, mir gönnerhaft zu erklären, ich könne mir schließlich so viele Liebhaber(innen) nehmen wie ich wolle. Sie wissen: In einer Gesellschaft, in der die nachwachsenden Generationen in ihrem Sinne erzogen werden, haben Andersdenkende wenig Chancen auf ein Leben nach ihren (der Andersdenkenden) Vorstellungen.

Als ich noch zur Uni ging (80er Jahre), beklagte einmal eine - bezeichnenderweise aus Polen stammende - Kommilitonin, Mädchen würden sich heute vielfach damit konfroniert sehen, daß sie ihren Freund nicht halten könnten, wenn sie zum Sex vor der Ehe nicht bereit seien.

Zwar war diese Tendenz nach meiner Beobachtung damals schon wieder rapide auf dem Rückzug, aber die oben zitierte Aussage zeigt doch, daß Anderes möglich ist.

Und bitte sehr:

Die betroffenen Mädchen konnten ja bei ihrer Weigerung bleiben und sich nach einem anderen umsehen, der ihre Ansichten teilte.

Mir wird ja auch kein Haar gekrümmt - ich kann halt nur meine Emotionen nicht so ausleben, wie ich möchte.

Und eben da liegt das Problem.

Gruß

Ekki

Re: Frau Schmidt würde sich NIE scheiden lassen... - Selbstkorrektur!

Ekki, Tuesday, 31.08.2004, 21:22 (vor 7828 Tagen) @ Ekki

Als Antwort auf: Re: Frau Schmidt würde sich NIE scheiden lassen... von Ekki am 31. August 2004 18:11:45:

Hallo Maesi und alle!

Anstatt

In der Tat ist es so, daß ich so viele Liebhaber(innen) haben kann, wie ich will.

muß es heißen:

In der Tat ist es so, daß ich theoretisch so viele Liebhaber(innen) haben kann, wie ich will.

Gruß

Ekki

Re: Frau Schmidt würde sich NIE scheiden lassen...

Maesi, Friday, 03.09.2004, 01:42 (vor 7826 Tagen) @ Ekki

Als Antwort auf: Re: Frau Schmidt würde sich NIE scheiden lassen... von Ekki am 31. August 2004 18:11:45:

Hallo Ekki

Tatsache ist aber auch, daß im öffentlichen Diskurs die überwältigende Mehrheit derjenigen, die diesen Lebensentwurf propagieren, (a) selbst nur zu gerne betonen, daß dies Teil ihres christlichen Weltbildes sei, und (b) denjenigen, die anders denken, vorwerfen, sie hätten ein sozialistisches Menschenbild, das in der DDR weitgehend verwirklicht worden sei und nichts Gutes gebracht habe.

Tatsache ist aber auch, dass jene, die ihr christliches Weltbild in aller Oeffentlichkeit betonen, eine kleine Minderheit darstellen; sich oeffentlich bekennende Christen (wie beispielsweise Nick) sind selten. Du siehst die ueberwaeltigende Mehrheit innerhalb einer kleinen Minderheit der Gesellschaft als Trendsetter, und genau das zweifle ich an.

Du warst bislang auch nicht in der Lage, den Deiner Meinung nach grossen Einfluss der Religion auf das oeffentliche Leben hierzulande nachzuweisen. Vielmehr ist gerade das Gegenteil festzustellen: wenn beispielsweise der Katholizismus in Gebieten mit starker katholischer Mehrheit eine derart grosse gesellschaftliche Rolle spielte, dann gaebe es dort kaum Abtreibungen, kaum Scheidungen dafuer aber viele Kinder, weil Verhuetungsmittel ja ebenfalls verpoent sind. Alle diese prognostizierten Wirkungen sind aber (zumindest in den Industrielaendern) nicht festzustellen; weshalb also ausgerechnet der auch heute noch ausgepraegte Hang zur Monogamie auf den Einfluss der christlichen Religion zurueckzufuehren sein soll, will mir nicht so recht in den Kopf.

Die Antwort auf die Frage, ob die Frauen den Hauptteil der Kindererziehung übernehmen sollen, oder ob die Kinder in Kindergärten und Schulen ganztagsbetreut werden sollen, ist selbst wieder ein Menschenbild (oder zumindest ein Teil davon).
Ich verkenne nicht, daß es von der von mir skizzierten Zweiteilung - hier die Vertreter des christlichen Menschenbildes, die es für am besten halten, wenn die Frauen den Hauptteil der Kindererziehung übernehmen, dort die Vertreter eines nichtchristlichen Weltbildes, die für Ganztagserziehung plädieren - Ausnahmen gibt.[snip]

Die Frage ist natuerlich, welchen Zweck Kindergaerten und Schulen erfuellen sollen. Zumindest bei Schulen ist es klar: sie dienen in erster Linie zur Vermittlung von Wissen - eine Aufgabe nota bene, die die Schule bei Jungen offenbar nicht mehr so gut erfuellt. Im uebrigen habe ich mich nie gegen Ganztagsbetreuung gestellt; ich fordere vielmehr, dass jene, die Ganztagsbetreuung einfordern, dafuer auch einen marktwirtschaftlich angemessenen Preis bezahlen - das hat ueberhaupt nichts mit Christentum zu tun sondern mit simpler Marktwirtschaft. Bitte lies mein Posting in dieser Hinsicht nochmals durch.

Gerade deshalb aber möchte ich die Idee einer Ganztagsbetreuung unter den Bedingungen eines demokratischen Staates weitergeführt bzw. wiederaufgenommen wissen.

Dagegen ist ueberhaupt nichts einzuwenden. Du musst aber auch zur Kenntnis nehmen, dass auf der politischen Agenda die Ganztagsbetreuung mindere Prioritaet besitzt. Das war nicht bloss unter der christlich-liberalen Regierung Kohl so sondern auch unter der jetzigen sozialdemokratisch-gruenen Regierung. Wesentlichen Anteil an der allgemeinen Unlust, eine flaechendeckende staatliche Ganztagsbetreuung zu installieren, sind die dadurch anfallenden horrenden Kosten, die niemand uebernehmen will - dieselben Gruende also, die auch eine marktwirtschaftliche Loesung verhindern.

Meine Motive hierfür:
1.) Ich halte es für gut und richtig, wenn Eheleute auch nach der Zeugung von Kindern ihre eigenen Interessen und Fähigkeiten im Leben außerhalb der Familie entfalten und entwickeln.

Ist IMHO deren Privatsache.

2.) Ich halte es für gut und richtig, wenn Kindern möglichst früh der frische Wind des Umgangs mit Gleichaltrigen und anderen Erwachsenen (als den Eltern und Verwandten) um die Nase weht. Das stärkt sie psychisch und physisch und macht sie lebenstüchtig.

Zustimmung. Allerdings kann die heute weithin feststellbare Ueberbehuetung von Kindern durch ihre Muetter nicht dem Christentum angelastet werden. In frueheren Zeiten, als das Christentum noch dominanter war, hatten Muetter infolge groesserer Kinderzahl und wesentlich schwererer Hausarbeit schlichtweg keine Zeit, fuer ihre Kinder andauernd die Glucke zu spielen. Das Phaenomen 'Ueberbehuetung' ist vergleichsweise jung und eher voellig unreligioes eine Wohlstandserscheinung unserer Zeit.

3.) Ich halte überhaupt nichts davon, wenn Frauen durch ein Lebensmodell, bei dem sie größtenteils zu Hause bleiben, u.a. auch von anderen Männern ferngehalten werden. Ich flirte gerne mit Frauen, ob verheiratet oder nicht (wie weit "flirten" geht, ist von Fall zu Fall unterschiedlich) und möchte dies nicht missen.

Ob Frauen wegen Kinderbetreuung zuhause bleiben, ist ebenfalls deren Privatsache. Dir bleibt es unbenommen, mit Frauen (auch verheirateten) zu flirten. Wo ist also das Problem?

Tatsache ist aber auch, dass jene Menschen, die dem Ideal der lebenslangen Partnerschaft anhaengen, andere nicht damit missionieren; es ist deren Privatsache. Dir und anderen bleibt es unbenommen einem anderen Ideal anzuhaengen wie z.B. der Promiskuitaet. Eine wesentliche gesetzliche Einschraenkung besteht darin, dass ein Mensch nicht mit mehreren Frauen bzw. Maennern gleichzeitig verheiratet sein darf; daneben darfst Du jedoch aus gesetzlicher Sicht soviele Liebhaberinnen und Liebhaber haben, wie Du willst. Wo ist also das Problem?

Na, das war jetzt aber etwas arg treuherzig - um es mal humorig auszudrücken. Die Erziehung zur Monogamie bereits im Rahmen des Religionsunterrichtes wird von niemandem bestritten, am allerwenigsten von den Religionspädagogen selber.

Tja, hier hast Du wieder dasselbe Problem, wie von mir oben schon beschrieben. Weshalb soll der Religionsunterricht ausgerechnet im Rahmen der Monogamie so erfolgreich sein und bei Verhuetungsmitteln, Abtreibungen, 'Wilder Ehe', Verpflichtung zu regelmaessigen Kirchenbesuchen u.v.m. versagen? IMHO schilderst Du hier ein 'christliches Schreckgespenst' das ausser Dir nur noch wenige zu erschrecken vermag.

In meinen Augen ist das sehr wohl Missionierung, und zwar in einem Alter, in dem die Angehörigen der Zielgruppe dieser Missionierung - Kinder und Jugendliche nämlich - am empfänglichsten für Prägungen sind.

Du hast die Bezugsgruppe geaendert. Ausgangspunkt war meine Behauptung, dass die Mehrzahl der Jugendlichen lebenslanges Zusammenleben als Ideal sehen, in der Praxis sich jedoch ueberhaupt nicht daran halten; auf genau diese Jugendlichen bezog sich auch meine Antwort, dass sie andere nicht mit ihren Idealen zu missionieren versuchen.

In der Tat ist es so, daß ich so viele Liebhaber(innen) haben kann, wie ich will.
Und es ist ebenfalls richtigt, daß es jedem/r unbenommen bleibt, sich über die ihm in der Kindheit und Jungend vermittelten Richtlinien hinwegzusetzen.

Wo ist also das Problem?

Denn es würde ja auch umgekehrt ein Schuh draus:
In einer Welt, in der bewußt zur Freizügigkeit erzogen würde, würden sich mit Sicherheit auch Menschen finden, denen das nicht passsen würde und die dem ihr monogames Ideal entgegensetzen würden.

Zweifellos

Aber eben da liegt der Unterschied, und damit auch das Problem, nach dem Du gefragt hattest:
Man braucht meines Erachtens kein Prophet zu sein, um zu dem Schluß zu kommen, daß es in einer Welt, in der nicht bewußt zur Monogamie erzogen würde, in der Tat auch recht wenig Monogamie gäbe - ist doch der Geschlechtstrieb eine Urgewalt.

Die Einehe ist nicht einfach im luftleeren Raum entstanden, ebensowenig ist sie das Werk irgendwelcher 'christlicher Dunkelmaenner'. Eher umgekehrt ist es: die christliche Religion wurde durch die weitverbreitete Monogamie gepraegt - Monogamie ist ja keineswegs auf die christlichen Gebiete beschraenkt. Selbst in islamischen Gebieten ist die Einehe die Norm, obwohl Maennern gemaess Koran mehrere Ehefrauen erlaubt sind. Die Gruende zu erlaeutern, weshalb Monogamie so weit verbreitet ist, wuerde den Rahmen dieses Threads wohl bei weitem sprengen; Eifersucht spielt eine starke Rolle aber auch wirtschaftliche Gegebenheiten sind IMHO sehr wichtig...

Und dann hätten Menschen wie ich weniger Frustrationserlebnisse und mehr Befriedigung.

Offensichtlich hat die weitverbreitete Monogamie auf Dein Leben einen erheblichen Einfluss - wenn auch im negativen Sinne.

So altruistisch sind auch die Verfechter der Monogamie nicht.
Nur haben sie mit ihrer Weltanschauung eben das Monopol auf die Erziehung der nachwachsenden Generationen und können es sich deshalb leisten, mir gönnerhaft zu erklären, ich könne mir schließlich so viele Liebhaber(innen) nehmen wie ich wolle.

Quatsch. Wenn jemand ueberhaupt eine Art Monopol auf Erziehung hat, dann sind es die Eltern - und Elternschaft ist nun wirklich nicht an eine Weltanschauung gebunden. Eltern ueben ihren erzieherischen Einfluss aber nicht so sehr ueber direkte Anweisungen sondern v.a. durch ihre Vorbildfunktion aus; Kinder ahmen komplexes Sozialverhalten ihrer Bezugspersonen nach und geben sie selbst wiederum an nachfolgende Generationen weiter. Das ist einer der Gruende weshalb sich die Monogamie so hartnaeckig ueber Jahrhunderte gehalten hat.

Durch die in Deutschland 1977 eingefuehrten neuen Scheidungsgesetze wurden Scheidungen erheblich erleichtert, was auch zu stark ansteigenden Scheidungszahlen gefuehrt hat. Genau aus diesem Grund ist das Ideal der Monogamie heute nur noch eine leere Huelle: das Ideal wird zwar von Jugendlichen in der Theorie angestrebt, in der Praxis jedoch anders gehandelt, weil die Jugendlichen durch die weitverbreitete Scheidungspraxis dahingehend gepraegt wurden, die Ehe als etwas sehr Instabiles und Provisorisches zu akzeptieren. Andererseits wurde 1977 das neue Scheidungsrecht eingefuehrt, weil das alte auf dem Schuldprinzip gruendende Recht offenbar als nicht mehr gesellschaftsgerecht angesehen wurde; ein typisches Beispiel dafuer, wie Gesellschaft und Gesetzgebung sich wechselseitig beeinflussen.

[...]Die betroffenen Mädchen konnten ja bei ihrer Weigerung bleiben und sich nach einem anderen umsehen, der ihre Ansichten teilte.

Das ist die uebliche Vorgehensweise - nicht bloss in Bezug auf Ansichten zur Monogamie/Polygamie.

Mir wird ja auch kein Haar gekrümmt - ich kann halt nur meine Emotionen nicht so ausleben, wie ich möchte.
Und eben da liegt das Problem.

Naja, Du musst halt suchen, bis Du jemanden findest, der Deine Ansichten teilt. Sollten Menschen mit solchen Ansichten wie den Deinen selten sein, dann hast Du eben Pech gehabt...

Gruss

Maesi

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