Re: Alte Männer für alte Männer - Frau Laakmann zum Vatikanschreiben
Als Antwort auf: Re: Alte Männer für alte Männer - Frau Laakmann zum Vatikanschreiben von Tran am 13. August 2004 15:56:03:
Hallo Tran!
Sowas wie Feministinnen hat es schon immer gegeben. Aber in früheren Zeiten haben die kaum Gehör gefunden. Das hatte im Wesentlichen zwei Gründe:
Erstens gab es die modernen Medien noch nicht, wodurch es schwieriger war als heute, Ideologien unter's Volk zu bringen. Und zweitens hatten die allermeisten Menschen schon genug damit zu tun, ihren Lebensunterhalt zu erarbeiten. Da blieb auch den meisten Frauen keine Zeit, um sich in irgendeiner Frauenbewegung zu engagieren.
Daß sich das im 19. Jahrhundert änderte, hatte dann wiederum auch zwei hauptsächliche Ursachen:
Zum einen war mittlerweile in vielen Ländern das allgemeine Wahlrecht eingeführt worden. Allerdings war dieses Wahlrecht zunächst meist noch sehr eingeschränkt. Frauen durften oft gar nicht wählen, und für Männer galt häufig ein Klassenwahlrecht. Die Wahlberechtigten wurden nach ihrem Einkommen in Klassen unterteilt. Die Wähler mit den höchsten Einkommen hatten die meisten Mitbestimmungsmöglichkeiten, diejenigen mit den niedrigsten Einkommen dagegen die geringsten. Das erreichte man z.B., indem die einfache Bevölkerung nur die Abgeordneten eines Unterhauses wählen durfte, während die Reichen die Abgeordneten eines Oberhauses wählten, das dann natürlich weitgehendere Befugnisse hatte als das Unterhaus, oder auch durch andere Maßnahmen. In Preußen fanden Wahlen grundsätzlich an Werktagen statt, und wenn ein Fabrikbesitzer befürchtete, daß seine Arbeiter die aus seiner Sicht falschen Abgeordneten wählen könnten, bestand er eben darauf, daß sie am Wahltag von früh morgens bis spät abends durcharbeiteten. Wer sich weigerte und zur Wahl ging, brauchte am nächsten Tag gar nicht mehr zur Arbeit erscheinen.
So hatten also auch die allermeisten Männer zunächst kein volles Wahlrecht. In Deutschland haben sie das volle Wahlrecht genau wie die Frauen erst 1918 bekommen.
Da Frauen aber gar nicht wählen durften, war vorher tatsächlich eine gewisse Benachteiligung der Frauen gegeben.
Das allein hätte aber noch keine Frauenbewegung geschaffen. Viel wichtiger war der zweite Grund: Durch die Industrialisierung und auch durch zunehmende Entwicklung der Verwaltung wuchs die Mittelschicht im 19. Jahrhundert schnell an. So gab es nun immer mehr Hausfrauen. In früheren Zeiten hat es Hausfrauen kaum gegeben. Allenfalls die Frauen der oberen Zehntausend blieben zu Hause, aber selbstverständlich erledigten die dort keine unangenehmen Arbeiten. Es war zwar durchaus üblich, daß sich auch reiche Adelsfrauen mit Handarbeiten und durchaus auch mit Kochen beschäftigten, aber das waren für sie Hobbies. Alle lästigen Arbeiten wurden selbstverständlich an Dienstpersonal weiter delegiert.
Im 19. Jahrhundert konnten sich nun auch immer mehr Frauen aus der Mittelschicht durch die steigenden Einkommen ihrer Männer so ein Leben leisten. Da kam bei einigen dieser "neureichen" Damen bald Langweile auf.
Dazu kamen noch die Frauen, die zwar eigenes Geld verdienten, aber dafür nicht mehr so hart und so lange arbeiten mußten, z.B. in Büros usw. Die hatten dann auch mehr Zeit und auch mehr finanzielle Mittel, um sich in irgendwelchen Organisationen zu engagieren als eine arme Wäscherin, Näherin oder Arbeiterin.
Diese Frauen nahmen die Probleme mit dem Wahlrecht als Anlaß für öffentliche Proteste. Manche Frauenrechtlerinnen - wie Emmeline Pankhurst - gingen dabei recht rabiat zur Sache und organisierten auch Bomben-Attentate.
Als Anlaß nahm man auch die schlechte Lebenssituation vieler Frauen der damaligen Zeit, wobei gern übersehen wurde, daß es ihren Männern üblicherweise auch nicht besser ging.
Nach der englischen Frauenbewegung nannte man die Feministinnen auch in Deutschland Suffragetten. Hier lief das alles etwas gemäßigter ab. Die Frauenbewegung lief zum Teil im Fahrwasser der sozialdemokratischen Bewegung mit, aber es gab auch in Deutschland bürgerliche Frauenorganisationen, die dann später willig in die nationalsozialistischen Frauenorganisationen aufgingen.
Die Themen der Nachkriegszeit - z.B. gleiche berufliche Chancen - waren im 19. Jahrhundert für viele Feministinnen noch gar keine. Ganz im Gegenteil: Daß immer mehr Frauen als Hausfrauen lebten, wurde damals auch von vielen Feministinnen als Befreiung der Frau von der lästigen Erwerbsarbeit bejubelt.
Überhaupt ist es in der Geschichte der Frauenbewegung schon häufig vorgekommen, daß nach Erfüllung einer Forderung schnell das Gegenteil gefordert wurde.
Freundliche Grüße
von Garfield
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altschneider,
13.08.2004, 11:55
- Re: Alte Männer für alte Männer - Frau Laakmann zum Vatikanschreiben - Ekki, 13.08.2004, 12:08
- Re: Alte Männer für alte Männer - Frau Laakmann zum Vatikanschreiben -
Garfield,
13.08.2004, 13:19
- Re: Alte Männer für alte Männer - Frau Laakmann zum Vatikanschreiben -
Stille Mitleserin,
13.08.2004, 15:59
- Re: Alte Männer für alte Männer - Frau Laakmann zum Vatikanschreiben -
Garfield,
13.08.2004, 17:09
- Re: Alte Männer für alte Männer - Frau Laakmann zum Vatikanschreiben -
Tran,
13.08.2004, 18:56
- Re: Alte Männer für alte Männer - Frau Laakmann zum Vatikanschreiben - Garfield, 13.08.2004, 19:58
- Re: Alte Männer für alte Männer - Frau Laakmann zum Vatikanschreiben -
Tran,
13.08.2004, 18:56
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Odin,
13.08.2004, 17:33
- Re: Alte Männer für alte Männer - Frau Laakmann zum Vatikanschreiben - Stille Mitleserin, 13.08.2004, 23:08
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Garfield,
13.08.2004, 17:09
- Re: Alte Männer für alte Männer - Frau Laakmann zum Vatikanschreiben -
Maesi,
18.08.2004, 22:45
- Re: Alte Männer ... -
Eugen Prinz,
18.08.2004, 22:57
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Maesi,
18.08.2004, 23:24
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Jolanda,
18.08.2004, 23:41
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- Re: Alte Männer ... - Andreas, 19.08.2004, 01:12
- Re: Alte Männer ... -
Jolanda,
18.08.2004, 23:41
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Maesi,
18.08.2004, 23:24
- Re: Alte Männer für alte Männer - Frau Laakmann zum Vatikanschreiben - Odin, 19.08.2004, 02:47
- @Maesi - Norbert, 19.08.2004, 10:50
- Re: Alte Männer ... -
Eugen Prinz,
18.08.2004, 22:57
- Re: Alte Männer für alte Männer - Frau Laakmann zum Vatikanschreiben -
Stille Mitleserin,
13.08.2004, 15:59