Alte Männer für alte Männer - Frau Laakmann zum Vatikanschreiben
altschneider, Friday, 13.08.2004, 11:55 (vor 7847 Tagen)
Die WAZ berichtet:
"Ein Brief von alten Männern an alte Männer"
Flaesheim. "Dieses Papier bringt keinen Fortschritt, es ist ein Schlag gegen den Feminismus", sagt die Flaesheimerin Annegret Laakmann, eine der Initiatorinnen der KirchenVolksbewegung und der Initiative "Kirche von unten".
Bei der Flaesheimerin gehen in diesen Tagen viele Reaktionen zum "Schreiben an die Bischöfe der katholischen Kirche über die Zusammenarbeit von Mann und Frau in der Kirche und in der Welt" ein. Sie wird um Kommentare gebeten, schreibt einen Aufsatz für die "Blätter für deutsche und internationale Politik". Ein Mann bat sie gar um einen Bericht, über die positiven Tendenzen für die Frauen zu schreiben. Die sieht die Flaesheimerin nicht. "Es ist schon eine Wut da", fasst sie den Tenor der Reaktionen zusammen.
Das Papier, das "eine gerechte Wertschätzung der Arbeit der Frau in der Familie fordert", ist für Laakmann "eine Unverschämtheit, weil es den Feminismus als Ursache allen Übels sieht." Den Frauen werde ihre Streben nach Macht als aggressives Verhalten vorgeworfen. "Dabei wissen die Männer doch genau, dass ohne Macht nichts läuft." Das Papier diene allein der Polarisierung zwischen den Geschlechtern, "dabei wäre ein mea culpa gegenüber den Frauen an der Zeit gewesen. Denn es gab nicht nur Kreuzzüge, sondern auch Frauenverfolgungen."
Die Frauen würden wegen ihrer christlichen Kardinaltugenden "über den grünen Klee gelobt". Trotzdem findet sich in dem Papier keine Begründung dafür, warum die Frauen von der Priesterweihe und dem Diakonatsamt ausgeschlossen blieben. "Nicht verwunderlich bei den Autoren", sagt Laakmann, die Mitglied der Initiative für Gleichberechtigung von Frauen in der Kirche, Maria von Magdala e.V. ist. Die Verfasser des Schreibens hätten nicht mehr zu bieten, als ihren "zölibatären Tunnelblick" auf die Veränderungen der Welt. "Sie haben nicht mehr dazu beigetragen, als das Neue, das Emanzipatioorische abzuwehren und ihre überkommenen Werte für unveränderlich und gottgewollt zu erklären. Frauen werden es in dieser Kirche immer schwer haben." Fast wie ein Trost klingt ihr Nachsatz: "Das ist ein Brief von alten Männern an alte Männer." ist.
http://www.waz.de/waz/waz.haltern.volltext.php?kennung=on1wazLOKStaHaltern38210&zul...
Re: Alte Männer für alte Männer - Frau Laakmann zum Vatikanschreiben
Ekki, Friday, 13.08.2004, 12:08 (vor 7847 Tagen) @ altschneider
Als Antwort auf: Alte Männer für alte Männer - Frau Laakmann zum Vatikanschreiben von altschneider am 13. August 2004 08:55:25:
Die Frauen würden wegen ihrer christlichen Kardinaltugenden "über den grünen Klee gelobt". Trotzdem findet sich in dem Papier keine Begründung dafür, warum die Frauen von der Priesterweihe und dem Diakonatsamt ausgeschlossen blieben.
In den Verein wollen die rein?
Nicht die Frauen rein, sondern die Männer raus!
Gruß
Ekki
Re: Alte Männer für alte Männer - Frau Laakmann zum Vatikanschreiben
Garfield, Friday, 13.08.2004, 13:19 (vor 7847 Tagen) @ altschneider
Als Antwort auf: Alte Männer für alte Männer - Frau Laakmann zum Vatikanschreiben von altschneider am 13. August 2004 08:55:25:
Hallo zusammen!
Bezeichnend finde ich ja wieder folgenden Satz:
"Denn es gab nicht nur Kreuzzüge, sondern auch Frauenverfolgungen."
Da würde mich ja mal interessieren, wie die werte Frau Laakmann das historisch begründen will.
Mit Sicherheit bezieht sich das auf Hexen-Prozesse. Übersehen wird dabei wieder einmal, daß durch diese Prozesse auch Männer betroffen waren (in manchen Gegenden landeten sogar mehr "Hexer" als "Hexen" auf den Scheiterhaufen) und daß beispielsweise von Ketzer-Prozessen nahezu ausschließlich Männer betroffen waren. Aber das interessiert ja nicht - es waren ja nur Männer...
Es kann also keine Rede davon sein, daß es jemals organisierte Frauen-Verfolgungen gegeben hat. Dagegen hat es sehr wohl auch schon in früheren Zeiten gezielte Massenmorde an der männlichen Bevölkerung gegeben, vor allem in Kriegen. Aber auch das interessiert nicht, weil es ja nur Männer und Jungen waren.
Diese Hexenprozesse mit Kreuzzügen gleichzusetzen, ist schon ziemlich dreist. Kreuzzüge wurden üblicherweise durch einen päpstlichen Aufruf ausgelöst. Es hat aber niemals einen Aufruf des Papstes oder sonst irgendeines geistlichen oder weltlichen Machthabers zur Vernichtung von Frauen gegeben. Historiker, die sich genauer mit Hexenprozessen befaßt haben, haben sogar festgestellt, daß dabei häufig Frauen die Denunzianten waren, die diese Prozesse durch erfundene Behauptungen auslösten. Dies wurde auch meist nicht von oben gesteuert. Teilweise haben Richter und Geistliche sogar versucht, dem Unsinn Einhalt zu gebieten.
Es gab zwar einige Herrscher, die aus religiösem Fanatismus heraus Hexenprozesse und Verfolgungen von religiösen Minderheiten gefördert oder sogar ausgelöst haben. Aber erstens richtete sich auch das nicht gezielt ausschließlich gegen Frauen und zweitens waren nicht wenige dieser Herrscher weiblich. Die englische Königin Maria I. beispielsweise bekam den Beinamen "Bloody Mary", weil sie die Rekatholisierung Englands mit allen Mitteln durchzog. Während ihrer Regierungszeit soll der Geruch von brennenden Protestanten manchmal bis weit auf's Meer hinausgeweht worden sein.
Freundliche Grüße
von Garfield
Re: Alte Männer für alte Männer - Frau Laakmann zum Vatikanschreiben
Stille Mitleserin, Friday, 13.08.2004, 15:59 (vor 7847 Tagen) @ Garfield
Als Antwort auf: Re: Alte Männer für alte Männer - Frau Laakmann zum Vatikanschreiben von Garfield am 13. August 2004 10:19:25:
Hallo zusammen!
Bezeichnend finde ich ja wieder folgenden Satz:
"Denn es gab nicht nur Kreuzzüge, sondern auch Frauenverfolgungen."
Da würde mich ja mal interessieren, wie die werte Frau Laakmann das historisch begründen will.
Mit Sicherheit bezieht sich das auf Hexen-Prozesse. Übersehen wird dabei wieder einmal, daß durch diese Prozesse auch Männer betroffen waren (in manchen Gegenden landeten sogar mehr "Hexer" als "Hexen" auf den Scheiterhaufen) und daß beispielsweise von Ketzer-Prozessen nahezu ausschließlich Männer betroffen waren. Aber das interessiert ja nicht - es waren ja nur Männer...
Es kann also keine Rede davon sein, daß es jemals organisierte Frauen-Verfolgungen gegeben hat. Dagegen hat es sehr wohl auch schon in früheren Zeiten gezielte Massenmorde an der männlichen Bevölkerung gegeben, vor allem in Kriegen. Aber auch das interessiert nicht, weil es ja nur Männer und Jungen waren.
Diese Hexenprozesse mit Kreuzzügen gleichzusetzen, ist schon ziemlich dreist. Kreuzzüge wurden üblicherweise durch einen päpstlichen Aufruf ausgelöst. Es hat aber niemals einen Aufruf des Papstes oder sonst irgendeines geistlichen oder weltlichen Machthabers zur Vernichtung von Frauen gegeben. Historiker, die sich genauer mit Hexenprozessen befaßt haben, haben sogar festgestellt, daß dabei häufig Frauen die Denunzianten waren, die diese Prozesse durch erfundene Behauptungen auslösten. Dies wurde auch meist nicht von oben gesteuert. Teilweise haben Richter und Geistliche sogar versucht, dem Unsinn Einhalt zu gebieten.
Es gab zwar einige Herrscher, die aus religiösem Fanatismus heraus Hexenprozesse und Verfolgungen von religiösen Minderheiten gefördert oder sogar ausgelöst haben. Aber erstens richtete sich auch das nicht gezielt ausschließlich gegen Frauen und zweitens waren nicht wenige dieser Herrscher weiblich. Die englische Königin Maria I. beispielsweise bekam den Beinamen "Bloody Mary", weil sie die Rekatholisierung Englands mit allen Mitteln durchzog. Während ihrer Regierungszeit soll der Geruch von brennenden Protestanten manchmal bis weit auf's Meer hinausgeweht worden sein.
Freundliche Grüße
von Garfield
Hallo Garfield und hallo zusammen,
ich habe zu diesem Thema zwei interessante Linksauf Lager:
Der erste Link:
http://12345312.tripod.com/index.html
Diese Seite heißt "Sepp-Depp" Prämiere für Falschangaben zur Geschichte.
Der Name spricht eigentlich schon für sich. Dort findet man auch noch andere außerordentlich interessante Themen.
und der zweite Link:
http://www.zpr.uni-koeln.de~nix/hexen/
Eine Seite von Dr. Dietmar Nix von der Uni Köln über die Hexenverfolgung. Die fundierteste und kompletteste Seite zu diesem Thema, die ich im Internet bisher gefunden habe.
Liebe Grüße an alle hier im Forum
Eure Stille Mitleserin
Re: Alte Männer für alte Männer - Frau Laakmann zum Vatikanschreiben
Garfield, Friday, 13.08.2004, 17:09 (vor 7847 Tagen) @ Stille Mitleserin
Als Antwort auf: Re: Alte Männer für alte Männer - Frau Laakmann zum Vatikanschreiben von Stille Mitleserin am 13. August 2004 12:59:28:
Hallo du stille Mitleserin!
Die Seiten hinter den Links sind sehr interessant. Danke! Martin van Creveld hat in seinem Buch "Das bevorzugte Geschlecht" ja auch einiges dazu geschrieben, da es in dem Buch aber nicht nur um dieses Thema ging, konnte er das da natürlich nicht so intensiv abhandeln.
Interessant finde ich auch, daß das Märchen von der Frauenverfolgung erst im 19. Jahrhundert so richtig aufkam - also genau zu der Zeit, in der sich die Frauenbewegung etablierte und es nach und nach modern wurde, überall Benachteiligungen für Frauen zu sehen.
Freundliche Grüße
von Garfield
Re: Alte Männer für alte Männer - Frau Laakmann zum Vatikanschreiben
Tran, Friday, 13.08.2004, 18:56 (vor 7847 Tagen) @ Garfield
Als Antwort auf: Re: Alte Männer für alte Männer - Frau Laakmann zum Vatikanschreiben von Garfield am 13. August 2004 14:09:29:
Hallo Garfield!
Interessant finde ich auch, daß das Märchen von der Frauenverfolgung erst im 19. Jahrhundert so richtig aufkam - also genau zu der Zeit, in der sich die Frauenbewegung etablierte und es nach und nach modern wurde, überall Benachteiligungen für Frauen zu sehen.
Im 19.Jahrhundert ging das schon los mit der Emanzipation? Bist Du Dir da sicher?
Ich meine das jetzt als reine Frage, ich weiss es ja selbst nicht, kommt mir nur etwas sehr früh vor.
Tran
Re: Alte Männer für alte Männer - Frau Laakmann zum Vatikanschreiben
Garfield, Friday, 13.08.2004, 19:58 (vor 7847 Tagen) @ Tran
Als Antwort auf: Re: Alte Männer für alte Männer - Frau Laakmann zum Vatikanschreiben von Tran am 13. August 2004 15:56:03:
Hallo Tran!
Sowas wie Feministinnen hat es schon immer gegeben. Aber in früheren Zeiten haben die kaum Gehör gefunden. Das hatte im Wesentlichen zwei Gründe:
Erstens gab es die modernen Medien noch nicht, wodurch es schwieriger war als heute, Ideologien unter's Volk zu bringen. Und zweitens hatten die allermeisten Menschen schon genug damit zu tun, ihren Lebensunterhalt zu erarbeiten. Da blieb auch den meisten Frauen keine Zeit, um sich in irgendeiner Frauenbewegung zu engagieren.
Daß sich das im 19. Jahrhundert änderte, hatte dann wiederum auch zwei hauptsächliche Ursachen:
Zum einen war mittlerweile in vielen Ländern das allgemeine Wahlrecht eingeführt worden. Allerdings war dieses Wahlrecht zunächst meist noch sehr eingeschränkt. Frauen durften oft gar nicht wählen, und für Männer galt häufig ein Klassenwahlrecht. Die Wahlberechtigten wurden nach ihrem Einkommen in Klassen unterteilt. Die Wähler mit den höchsten Einkommen hatten die meisten Mitbestimmungsmöglichkeiten, diejenigen mit den niedrigsten Einkommen dagegen die geringsten. Das erreichte man z.B., indem die einfache Bevölkerung nur die Abgeordneten eines Unterhauses wählen durfte, während die Reichen die Abgeordneten eines Oberhauses wählten, das dann natürlich weitgehendere Befugnisse hatte als das Unterhaus, oder auch durch andere Maßnahmen. In Preußen fanden Wahlen grundsätzlich an Werktagen statt, und wenn ein Fabrikbesitzer befürchtete, daß seine Arbeiter die aus seiner Sicht falschen Abgeordneten wählen könnten, bestand er eben darauf, daß sie am Wahltag von früh morgens bis spät abends durcharbeiteten. Wer sich weigerte und zur Wahl ging, brauchte am nächsten Tag gar nicht mehr zur Arbeit erscheinen.
So hatten also auch die allermeisten Männer zunächst kein volles Wahlrecht. In Deutschland haben sie das volle Wahlrecht genau wie die Frauen erst 1918 bekommen.
Da Frauen aber gar nicht wählen durften, war vorher tatsächlich eine gewisse Benachteiligung der Frauen gegeben.
Das allein hätte aber noch keine Frauenbewegung geschaffen. Viel wichtiger war der zweite Grund: Durch die Industrialisierung und auch durch zunehmende Entwicklung der Verwaltung wuchs die Mittelschicht im 19. Jahrhundert schnell an. So gab es nun immer mehr Hausfrauen. In früheren Zeiten hat es Hausfrauen kaum gegeben. Allenfalls die Frauen der oberen Zehntausend blieben zu Hause, aber selbstverständlich erledigten die dort keine unangenehmen Arbeiten. Es war zwar durchaus üblich, daß sich auch reiche Adelsfrauen mit Handarbeiten und durchaus auch mit Kochen beschäftigten, aber das waren für sie Hobbies. Alle lästigen Arbeiten wurden selbstverständlich an Dienstpersonal weiter delegiert.
Im 19. Jahrhundert konnten sich nun auch immer mehr Frauen aus der Mittelschicht durch die steigenden Einkommen ihrer Männer so ein Leben leisten. Da kam bei einigen dieser "neureichen" Damen bald Langweile auf.
Dazu kamen noch die Frauen, die zwar eigenes Geld verdienten, aber dafür nicht mehr so hart und so lange arbeiten mußten, z.B. in Büros usw. Die hatten dann auch mehr Zeit und auch mehr finanzielle Mittel, um sich in irgendwelchen Organisationen zu engagieren als eine arme Wäscherin, Näherin oder Arbeiterin.
Diese Frauen nahmen die Probleme mit dem Wahlrecht als Anlaß für öffentliche Proteste. Manche Frauenrechtlerinnen - wie Emmeline Pankhurst - gingen dabei recht rabiat zur Sache und organisierten auch Bomben-Attentate.
Als Anlaß nahm man auch die schlechte Lebenssituation vieler Frauen der damaligen Zeit, wobei gern übersehen wurde, daß es ihren Männern üblicherweise auch nicht besser ging.
Nach der englischen Frauenbewegung nannte man die Feministinnen auch in Deutschland Suffragetten. Hier lief das alles etwas gemäßigter ab. Die Frauenbewegung lief zum Teil im Fahrwasser der sozialdemokratischen Bewegung mit, aber es gab auch in Deutschland bürgerliche Frauenorganisationen, die dann später willig in die nationalsozialistischen Frauenorganisationen aufgingen.
Die Themen der Nachkriegszeit - z.B. gleiche berufliche Chancen - waren im 19. Jahrhundert für viele Feministinnen noch gar keine. Ganz im Gegenteil: Daß immer mehr Frauen als Hausfrauen lebten, wurde damals auch von vielen Feministinnen als Befreiung der Frau von der lästigen Erwerbsarbeit bejubelt.
Überhaupt ist es in der Geschichte der Frauenbewegung schon häufig vorgekommen, daß nach Erfüllung einer Forderung schnell das Gegenteil gefordert wurde.
Freundliche Grüße
von Garfield
Re: Alte Männer für alte Männer - Frau Laakmann zum Vatikanschreiben
Odin, Friday, 13.08.2004, 17:33 (vor 7847 Tagen) @ Stille Mitleserin
Als Antwort auf: Re: Alte Männer für alte Männer - Frau Laakmann zum Vatikanschreiben von Stille Mitleserin am 13. August 2004 12:59:28:
und der zweite Link:
http://www.zpr.uni-koeln.de~nix/hexen/
Eine Seite von Dr. Dietmar Nix von der Uni Köln über die Hexenverfolgung. Die fundierteste und kompletteste Seite zu diesem Thema, die ich im Internet bisher gefunden habe.
Liebe Grüße an alle hier im Forum
Eure Stille Mitleserin
Der korrekte Link ist http://www.zpr.uni-koeln.de/~nix/hexen/
Re: Alte Männer für alte Männer - Frau Laakmann zum Vatikanschreiben
Stille Mitleserin, Friday, 13.08.2004, 23:08 (vor 7846 Tagen) @ Odin
Als Antwort auf: Re: Alte Männer für alte Männer - Frau Laakmann zum Vatikanschreiben von Odin am 13. August 2004 14:33:55:
und der zweite Link:
http://www.zpr.uni-koeln.de~nix/hexen/
Eine Seite von Dr. Dietmar Nix von der Uni Köln über die Hexenverfolgung. Die fundierteste und kompletteste Seite zu diesem Thema, die ich im Internet bisher gefunden habe.
Liebe Grüße an alle hier im Forum
Eure Stille Mitleserin
Der korrekte Link ist http://www.zpr.uni-koeln.de/~nix/hexen/
Danke! War Tipfehler meinerseits.
Grüße
Re: Alte Männer für alte Männer - Frau Laakmann zum Vatikanschreiben
Maesi, Wednesday, 18.08.2004, 22:45 (vor 7841 Tagen) @ Garfield
Als Antwort auf: Re: Alte Männer für alte Männer - Frau Laakmann zum Vatikanschreiben von Garfield am 13. August 2004 10:19:25:
Hallo Garfield
Bezeichnend finde ich ja wieder folgenden Satz:
"Denn es gab nicht nur Kreuzzüge, sondern auch Frauenverfolgungen."
Da würde mich ja mal interessieren, wie die werte Frau Laakmann das historisch begründen will.
Ueberhaupt nicht. Ob Frau Laakmann sich selbst als Feministin bezeichnet, weiss ich nicht; jedenfalls plappert sie ohne zu ueberlegen feministische Thesen nach. Inzwischen bin ich der Meinung, dass Geschichtsunkenntnis eine wichtige (wenn nicht sogar notwendige) Voraussetzung ist, um Feministin zu werden.
Mit Sicherheit bezieht sich das auf Hexen-Prozesse. Übersehen wird dabei wieder einmal, daß durch diese Prozesse auch Männer betroffen waren (in manchen Gegenden landeten sogar mehr "Hexer" als "Hexen" auf den Scheiterhaufen) und daß beispielsweise von Ketzer-Prozessen nahezu ausschließlich Männer betroffen waren. Aber das interessiert ja nicht - es waren ja nur Männer...
Fairerweise muss man eingestehen, dass von den Historikern die Hexenprozesse lange Zeit nicht untersucht wurden; gerade deshalb konnten sich in diesem Bereich Geschichtsdilettanten etablieren. Inzwischen hat sich das aber geaendert. Die Hexenprozesse sind zweifellos kein Ruhmesblatt fuer die europaeische Kultur, sie sind jedoch Teil unserer Geschichte genauso wie die Erfindung der Menschenrechte, der modernen demokratischen Staatsidee, der Entwicklung von wissenschaftlichen Methoden usw.
Es kann also keine Rede davon sein, daß es jemals organisierte Frauen-Verfolgungen gegeben hat. Dagegen hat es sehr wohl auch schon in früheren Zeiten gezielte Massenmorde an der männlichen Bevölkerung gegeben, vor allem in Kriegen. Aber auch das interessiert nicht, weil es ja nur Männer und Jungen waren.
Zustimmung. Gezielte Massenmorde an Maennern konnten wir ja noch in der juengsten Vergangenheit beobachten (z.B. Massaker von Katyn, Massaker von Srebrenica). Nicht dass die UNO oder NGOs jemals in nennenswertem Mass darauf hingewiesen haetten, dass solche Morde direkt oder indirekt mit der Tatsache zu tun hatten, dass es sich um Maenner handelte. Stattdessen wird uns andauernd eingehaemmert, die Frauen seien die Hauptopfer aller Kriege (was allerdings nachweislich faschl ist).
Es geht mir uebrigens durchaus nicht darum, hier einen Maenneropferkult zu errichten aehnlich dem, den Feministen fuer Frauen schon laengst zelebrieren. Aber wenn es vor 400 oder 500 Jahren einen Aberglauben gab, dass Hexen mittels Zauber anderen Menschen Schaden zufuegen koennten, und sie deshalb zu vernichten seien, dann existiert heute ein Aberglaube, Frauen seien quer durch alle Kulturen unterdrueckt, benachteiligt und die Hauptopfer von Gewalt, waehrend die Maenner genauso pauschal die Unterdruecker,die Privilegierten und Gewalttaeter seien. Mit diesem modernen Aberglauben wird aber die Sicht auf die Opfer all der verschiedenartigen Konflikte getruebt, notwendige effektive Massnahmen werden verhindert zugunsten von ideologisch motiviertem Aktivismus; die Opfer werden e> ingeteilt in eine hilfsberechtigte Kategorie (Frauen und Kinder) und eine zu vernachlaessigende Kategorie (Maenner und zunehmend auch Jungen).
Wir alle stehen in dieser Beziehung heute an einem Scheideweg: wollen wir die sexistische Opferdifferenzierung weiterhin dulden oder gar noch ausbauen, oder aber wollen wir zu den eigentlichen Idealen der Menschenrechte zurueckkehren, die fuer ausnahmslos alle Menschen unabhaengig von Hautfarbe, Religion, Nationalitaet, Geschlecht usw. gleichermassen gelten. So wie wir (meist vorurteilsbehaftet) die Menschen von vor 400 Jahren beurteilen, werden auch wir einst beurteilt werden. Und ich hoffe, dass die feministischen Frauenverehrer und Maennerverurteiler dereinst genauso unnachsichtig (wenn auch hoffentlich mit mehr Fairness) verurteilt werden, wie sie das in ihrer Selbstgefaelligkeit mit unseren Vorfahren und den heutigen Maennern tun.
Diese Hexenprozesse mit Kreuzzügen gleichzusetzen, ist schon ziemlich dreist. Kreuzzüge wurden üblicherweise durch einen päpstlichen Aufruf ausgelöst. Es hat aber niemals einen Aufruf des Papstes oder sonst irgendeines geistlichen oder weltlichen Machthabers zur Vernichtung von Frauen gegeben.
Frau Laakmann hat zwei geschichtliche Ereignisse aufgegriffen, in denen u.a. auch die Katholische Kirche involviert war. Der Grund ist offensichtlich: es sollen (in diesem Fall speziell fuer den Katholizismus) hochemotional besetzte Themen in die Debatte eingebracht werden, um die Diskussion von den im paepstlichen Schreiben aufgeworfenen Punkte weg zu einem fuer den Feminismus wesentlich genehmeren Thema hinverlagern zu koennen; typische Ablenkungstaktik. Dass die Hexenverfolgungen nicht mit Frauenverfolgungen gleichzusetzen sind, interessiert Frau Laakmann ohnehin nicht. Sie lehnt sich lieber an unwissenschaftliche Thesen von feministischen Ideologinnen an als an die wissenschaftliche Forschung. Und die Kreuzzuege haben schon gleich gar nichts mit dem Feminismus oder dem Zusammenleben von Mann und Frau zu tun.
Historiker, die sich genauer mit Hexenprozessen befaßt haben, haben sogar festgestellt, daß dabei häufig Frauen die Denunzianten waren, die diese Prozesse durch erfundene Behauptungen auslösten. Dies wurde auch meist nicht von oben gesteuert. Teilweise haben Richter und Geistliche sogar versucht, dem Unsinn Einhalt zu gebieten.
Es ist sogar so, dass die Mehrzahl der Hexenprozesse auf das Konto der weltlichen Gerichte ging. Und entgegen so mancher Darstellung, fanden diese Ausschreitungen natuerlich auch in protestantischen Gebieten statt.
Es gab zwar einige Herrscher, die aus religiösem Fanatismus heraus Hexenprozesse und Verfolgungen von religiösen Minderheiten gefördert oder sogar ausgelöst haben. Aber erstens richtete sich auch das nicht gezielt ausschließlich gegen Frauen und zweitens waren nicht wenige dieser Herrscher weiblich. Die englische Königin Maria I. beispielsweise bekam den Beinamen "Bloody Mary", weil sie die Rekatholisierung Englands mit allen Mitteln durchzog. Während ihrer Regierungszeit soll der Geruch von brennenden Protestanten manchmal bis weit auf's Meer hinausgeweht worden sein.
Nicht zu vergessen Katharina von Medici, die die 'Bartholomaeusnacht' initiierte...
Gruss
Maesi
Re: Alte Männer ...
Eugen Prinz, Wednesday, 18.08.2004, 22:57 (vor 7841 Tagen) @ Maesi
Als Antwort auf: Re: Alte Männer für alte Männer - Frau Laakmann zum Vatikanschreiben von Maesi am 18. August 2004 19:45:52:
Hallo Maesi,
wie freue ich mich, nach langer Zeit mal wieder von dir zu lesen.
Herzlichen Gruß,
Eugen
Re: Alte Männer ...
Maesi, Wednesday, 18.08.2004, 23:24 (vor 7841 Tagen) @ Eugen Prinz
Als Antwort auf: Re: Alte Männer ... von Eugen Prinz am 18. August 2004 19:57:29:
Hallo Prinz Eugen
wie freue ich mich, nach langer Zeit mal wieder von dir zu lesen.
Herzlichen Gruß,
Dankeschoen. War die letzten acht Monate schreibfaul, ich weiss. Aber jetzt mische ich wieder mit...
Gruss
Maesi
Re: Alte Männer ...
Jolanda, Wednesday, 18.08.2004, 23:41 (vor 7841 Tagen) @ Maesi
Als Antwort auf: Re: Alte Männer ... von Maesi am 18. August 2004 20:24:50:
Dankeschoen. War die letzten acht Monate schreibfaul, ich weiss. Aber jetzt mische ich wieder mit...
---Na dann herzlich Willkommen. Ist wirklich schön, dich wieder mal zu lesen.
Es grüsst dich
Jolanda
Re: Alte Männer ...
Maesi, Thursday, 19.08.2004, 00:18 (vor 7841 Tagen) @ Jolanda
Als Antwort auf: Re: Alte Männer ... von Jolanda am 18. August 2004 20:41:13:
Hallo Jolanda
Dankeschoen. War die letzten acht Monate schreibfaul, ich weiss. Aber jetzt mische ich wieder mit...
---Na dann herzlich Willkommen. Ist wirklich schön, dich wieder mal zu lesen.
Danke auch an Dich. Mitgelesen habe ich regelmaessig, war also immer auf dem laufenden.
Gruss
Maesi
Re: Alte Männer ...
Andreas, Thursday, 19.08.2004, 01:12 (vor 7841 Tagen) @ Maesi
Als Antwort auf: Re: Alte Männer ... von Maesi am 18. August 2004 20:24:50:
Hallo Maesi,
gerade vor ein paar Tagen wollte ich schon mal ganz unverbindlich in die Runde fragen, ob jemand weiß, was mit Maesi los ist! 
Schön, wieder mal etwas von Dir zu lesen!
Gruß
Andreas
Re: Alte Männer für alte Männer - Frau Laakmann zum Vatikanschreiben
Odin, Thursday, 19.08.2004, 02:47 (vor 7841 Tagen) @ Maesi
Als Antwort auf: Re: Alte Männer für alte Männer - Frau Laakmann zum Vatikanschreiben von Maesi am 18. August 2004 19:45:52:
Wahnsinn! Gibts Dich auch noch?
@Maesi
Norbert, Thursday, 19.08.2004, 10:50 (vor 7841 Tagen) @ Maesi
Als Antwort auf: Re: Alte Männer für alte Männer - Frau Laakmann zum Vatikanschreiben von Maesi am 18. August 2004 19:45:52:
Hi Maesi
Freut mich, dich wieder hier zu entdecken, hatte dich schon vermißt.
Gruß
Norbert
)))