Wer nicht von der Ehefrau abgezockt wird, ...
... findet anderswo seinen Meister.
Folgender Betrag lief gestern in "Frontal 21" im ZDF:
10.08.2004
http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/0/0,1872,2176960,00.html
Frontal21
Vorsicht Falle!
Betrug beim Heizölkauf
Spezialisten des nordrhein-westfälischen Landeseichamtes schätzen, dass durch Betrugsfälle beim Heizölkauf jedes Jahr Beträge in dreistelliger Millionenhöhe zusammenkommen. Die Beamten haben inzwischen mehrere hundert Möglichkeiten entdeckt, Tankwagen zu manipulieren.
Michael Lang
Reinhard Kowalski hat Heizöl bestellt. Im Keller misst er nach und erlebt ein Zahlenwunder: "Im Endeffekt wurden laut Rechnung 3019 Liter geliefert. Es passten bis zur Füllgrenze, die gar nicht erreicht worden ist, aber nur 2800 Liter rein. Es sind also rund 250 Liter mehr abgerechnet worden."
73 Euro also für Luft. Herr Kowalski ist ein Opfer von vielen. Die Ermittler des nordrhein-westfälischen Landeseichamtes kennen die immer ausgefeilteren Machenschaften der Betrüger. Diese haben sich buchstäblich hunderte Tricks einfallen lassen, um Tankwagen zu manipulieren und die Kunden kräftig abzukassieren.
Der Kunde ist ahnungslos
Einer der Beamten, Arnold Beumker, berichtet: "Wir reden hier von Beträgen in Höhe von 10.000 bis 14.000 Euro pro Monat und Tankwagen, so dass insgesamt, bezieht man das auf die Bundesrepublik, Beträge in dreistelliger Millionenhöhe zusammenkommen. Von zehn Kundenbeschwerden, die bei der Behörde eingehen, sind neun berechtigt und können entsprechend behandelt werden. Aber in der Regel muss man davon ausgehen, dass der Kunde gar nicht merkt, dass er betrogen wird."
Was Verbraucher beim Heizölkauf wissen sollten:
- Seien Sie bei der Anlieferung immer anwesend, schauen Sie dem Tankwagenfahrer auf die Finger, auch wenn's unangenehm ist.
- Achten Sie darauf, dass der Zählerstand zu Beginn wirklich auf Null steht.
- Das Sichtglas des so genannten Gasmessverhüters muss während es Tankens immer mit Heizöl gefüllt sein.
- Notieren Sie sich am Ende der Lieferung alle Zählerstände, damit nicht mehr Heizöl abgerechnet wird, als Sie bestellt haben.
- Falls Sie den Verdacht haben, betrogen worden zu sein, melden Sie sich beim Eichamt Ihres Bundeslandes.
Wir sind bei einer Razzia der nordrhein-westfälischen und rheinland-pfälzischen Landeseichämter an der Landesgrenze bei Blankenheim: Aktion Grenzlandöl. Die Beamten suchen gezielt nach Manipulationen an den Tankwagen und werden schnell fündig. Einen Wagen schleppen sie auf das Gelände des Kölner Eichamtes und legen ihn still. Der Gasmessverhüter, ein Kontrollgerät, wurde so bearbeitet, dass die Betrüger Luft tanken können.
Professionelle Ölbetrüger
Detlef Hoffmann vom Landeseichamt NRW erzählt: "Die Funktion des Gerätes können wir an diesem Tankwagen außer Kraft setzen, indem wir den Schlauch, der nicht ordnungsgemäß gepanzert ist, abquetschen und damit die Funktion beeinträchtigen. Die andere Variante wäre: Mit dem Holzkeil, den wir im Führerhaus gefunden haben, das Ventil zu verschließen - mit dem gleichen Effekt. Mit einer solchen Manipulation kann ich dem Kunden beliebig viel Luft verkaufen."
Die Ölbetrüger gehen professionell vor. Nicht selten finden die Kontrolleure ein raffiniert umgebautes Leitungssystem. Hoffmann erklärt das: "Es geht um das reguläre Rohr, wodurch das Heizöl von der Messanlage zum Trommelschlauch strömt. Und wenn man da einen Abzweig einbaut, dann kann man Reibach machen. Deshalb haben wir hier eine Reibachleitung."
Vorkehrungen zum Reibach machen finden die Eichbeamten in jedem zehnten kontrollierten Tankwagen. Manche Fahrer wurden schon mehrfach erwischt. Die Strafen schrecken nicht ab.
Detlef Hoffmann vom Landeseichamt NRW über die Möglichkeiten der Behörde: "Wir können als Eichbehörde Ordnungswidrigkeiten mit Bußgeldern von bis zu 10.000 Euro ahnden. Wenn man überlegt, dass man das mit einem manipulierten Tankwagen in einem Monat wieder 'reinfährt, ist so ein Bußgeld natürlich nicht abschreckend." Die Betrüger fühlen sich sicher. Heizölspediteure müssen nur dann eine Gefängnisstrafe fürchten, wenn sie in Flagranti erwischt werden.
Manipulation an der Pumpe
Frontal21 will einen Betrüger überführen. 5000 Liter Heizöl sind für einen bestimmten Ölkeller bestellt worden. Der Eichbeamte kontrolliert noch einmal den Tankinhalt. Frontal21 dreht mit verdeckter Kamera im Nachbarhaus. Der Tankwagen ist pünktlich. Während das Öl fließt, macht sich der Fahrer an der Pumpenanlage zu schaffen.
Detlef Hoffmann erläutert: "Jetzt verlegt er den Schlauch." Wir fragen: welchen Sinn der Schlauch hat. "Da gibt es verschiedene Varianten: Man kann durch den Schlauch Druckluft oder Heizöl pumpen", antwortet Hoffmann. Die Anzeige zeigt am Ende sogar einen Liter mehr als bestellt an. Dennoch wurde der Kunde betrogen. Hoffmann erklärt: "Wir haben also einen Meter, sieben Zentimeter und zwei Millimeter an Flüssigkeitshöhe, das heißt, es fehlen gut 3,5 Zentimeter, was 280 Litern entspricht."
Dreiste Spediteure
Monatelang beobachten die Beamten den Tankwagen und sammeln Beweise. Dann lotsen sie den noch ahnungslosen Spediteur auf den Hof des Eichamtes. Die Kontrolleure wissen, wonach sie suchen müssen. Hoffmann zu den Vorgängen am Tankwagen: "Obwohl wir keinerlei Abgabeschlauch angeschlossen haben, kann das Produkt trotzdem durch den Zähler gepumpt werden, wenn ich die 'Reibachleitung' öffne. Ich habe jetzt - nach einem kurzen Druck auf die Pumpe - neun Liter auf dem Zähler stehen, ohne das irgendetwas den Tankwagen verlassen hat."
Der Spediteur setzt sich ins Fahrerhaus ab. Dort stellen wir ihn. Er sagt: "Der da drüben ist der Fachmann, fragen sie den Fachmann. Das Ding kennt er in und auswendig." Frontal21 fragt nach: "Aber es ist ja Ihre Anlage. Sind noch keine Kundenbeschwerden gekommen?" "Doch", räumt der Spediteur ein, "aber ich habe den Eichbeamten schon gesagt: In einem Jahr haben sich vier Kunden beschwert, in einem Jahr fahr ich 4000 Kunden. Meinen sie die anderen Kunden sind alle blöd?" "Vielleicht haben die anderen es nicht gemerkt", sagt unser Reporter. Der Fahrer: "Wird wahrscheinlich so sein."
Der Tankfahrer wird überführt
Im Testlauf zeigt sich, wie viel Öl der Spediteur bei jeder Lieferung für sich abzweigen konnte. Hoffmann erläutert das so: "Wir haben mit dieser zusätzlichen falsch angeschlossenen Leitung festgestellt, dass man 15 Prozent des Öls im Kreis pumpen kann. Somit nimmt der Fahrer dieses Öl wieder mit nach Hause und liefert es nicht beim Kunden ab."
Frontal 21 zeigt dem Fahrer die verdeckt gedrehten Aufnahmen. Wir fragen ihn: "Was haben Sie denn da gemacht, und wieso haben wir 280 Liter zu wenig bekommen?" Der Fahrer antwortet: "Keine Ahnung. Was wollen sie denn hören?" Wir präzisieren: "Haben sie etwas an der Anlage verändert?" "An der Anlage nicht", reagiert er. An den Schläuchen? Der Fahrer dazu: "Da drüben schraubt einer, gucken sie doch, was er macht."
Freiwillige Kontrollen
Beim Gesamtverband des deutschen Brennstoff- und Mineralölhandels will man die Betrügereien mit einem neuen Gütezeichen an den Tankwagen bekämpfen. Dieter Bischoff vom Gesamtverband erklärt: "Wir haben jetzt 100 Händler, die dabei sind. Wir machen das aber auch erst seit einem Jahr. Es gibt rund 4000 Händler in Deutschland. Wir sind noch am Anfang der Bewegung. Wir werden das aber konsequent durchziehen. Ich gehe davon aus, dass die entscheidenden Händler mitmachen. Die, die wirklich ehrlich sind - die werden das sicher machen." Wir fragen nach: "Wie viele werden das sein?" Bischoff antwortet: "Da möchte ich mich nicht festlegen."
Im Eichamt dagegen ist man sich sicher: Freiwillige Kontrollen bringen nichts. Arnold Beumker meint: "Wenn jemand seinen Tankwagen nicht kontrollieren lassen will, dann will er das eben nicht. Dann verweigert er das." Ein Tankwagenfahrer wurde überführt und gestellt. Viele andere haben wieder einmal ihren Reibach gemacht.