B.M. : "Männer sind besser als ihr Ruf"
Artikel aus der heutigen Berliner Morgenpost:
(In der Printausgabe ist noch eine Grafik mit Haus-/Job-arbeit - versuche sie später noch nachzureichen )
Männer sind besser als ihr Ruf
Eine Studie belegt das neue Rollenverständnis innerhalb der Familie - Doch Kindererziehung ist nach wie vor Frauensache
Von Claudia Ehrenstein
Berlin - Männer haben nur ihre Karriere und das nächste Fußballspiel im Kopf. Die noch verbleibende Freizeit verbringen sie in der Kneipe. Solche Klischees bestimmen die Vorstellung der Frauen von den Männern - und halten sich hartnäckig. Dabei sind Männer viel besser als ihr Ruf. "Sie arbeiten doppelt so viel wie Frauen und helfen trotzdem im Haushalt", sagt der Politologe Peter Döge vom Institut für anwendungsorientierte Innovations- und Zukunftsforschung in Berlin. "Ein Männerleben ist vielfältiger und facettenreicher, als allgemein angenommen."
Döge hat gemeinsam mit seinem Düsseldorfer Kollegen Rainer Volz die "Zeitverwendung" von Männern in der Altersgruppe zwischen 25 und 45 Jahren analysiert. Als Basis diente die jüngste Zeitbudgetstudie des Statistischen Bundesamtes. "94 Prozent aller Männer leisten Hausarbeit", sagt Döge. Im Durchschnitt vier Stunden am Tag räumen sie die Wohnung auf, decken den Tisch, spülen Geschirr, gehen Einkaufen oder arbeiten im Garten. Überschätzt werde der Anteil der Männer, die sich zu Hause als Heimwerker betätigen. Er liegt nur bei 17 Prozent.
Interessantes Ergebnis der Studie sei, dass es in Familien offensichtlich immer noch eine geschlechtsspezifische Arbeitsteilung gibt. "Kindererziehung ist Frauensache", sagt Döge. Zwar kümmert aus der Gruppe der Arbeiter und Angestellten rund ein Fünftel Männer im Durchschnitt 70 Minuten am Tag um ihre Kinder. Bei den Selbstständigen liegt dieser Anteil aber bei kaum mehr als einem Prozent. In Familien mit einem Kind leisten fast alle Männer pro Tag rund 250 Minuten Hausarbeit. Bei drei und mehr Kindern engagieren sie sich täglich sogar 300 Minuten im Haushalt - bei gleich bleibendem Zeitaufwand für die Kinderbetreuung.
Die spannende Frage sei nun, ob sich die Männer tatsächlich vor der Kindererziehung drücken oder ob die Frauen die Männer einfach nicht lassen, erklärt Döge. Es gebe offensichtlich Bereiche, wo Frauen glauben, es besser als die Männer zu machen. So gilt auch die Textilpflege als Frauendomäne. "Nur neun Prozent aller Männer waschen oder bügeln ihre Kleidung", sagt Döge. Liegt das Einkommen von Männern mehr als 200 Prozent über dem Durchschnitt und gelten sie somit als reich, verbringen sie täglich zwei Minuten mit Bügeln. Ebenso lange dauert ihr täglicher Einsatz für die Kinderbetreuung.
Ist der Mann in einer Familie der Alleinverdiener, ist seine tägliche Arbeitszeit in Beruf und Haushalt zusammengenommen um eine Stunde und zehn Minuten länger als die seiner Frau. Döge schließt daraus, dass die klassische Rollenverteilung vom Vater als Geldverdiener und der Mutter als Hausfrau die Männer benachteiligt. Er warnt vor dieser "Retraditionalisiserungsfalle" und ruft die Männer auf, diese "klassische Biografie"zu überdenken. Denn. "Die Männer zahlen dabei letztlich drauf."
Als Konsequenz aus diesen Zahlen fordert Döge ein Umdenken in der Familienpolitik. So müsste zum Beispiel die Elternzeit für Männer attraktiver gemacht werden. Döge verweist auf das schwedische Modell. Dort müssen von zwölf Monaten Elternzeit die Väter zwei Monate übernehmen - sonst bekommen die Familien in diesen beiden Monaten kein Geld. Von der Elternzeit der Väter würden auch die Betriebe profitieren, meint Döge. "Die Männer kommen mit neuen sozialen Kompetenzen und einer weiter entwickelten Persönlichkeit aus der Elternzeit an ihren Arbeitsplatz zurück. Die "Vereinbarkeitsproblematik" von Beruf und Kindern sei dabei keine reine Frauensache, sondern betreffe auch die Männer, meint Döge. Die Entscheidung zwischen Beruf und Kinder dürfe nicht länger ein entweder/oder sein, sondern müsse zu einem sowohl als auch werden, fordert Döge. Er beobachte eine gewisse Öffnung der Betriebe dieser Problematik gegenüber. Doch insgesamt habe sich die Wirtschaft bislang zu unflexibel gezeigt.
"Die Quittung ist eine niedrige Geburtenrate in Deutschland", klagt Döge. Er wisse jedoch, dass eine geschlechtergerechte Arbeitsaufteilung gerade in der Familie schwierig sei. Männer verdienten in der Regel mehr als die Frauen. Daher bleiben nach der Geburt des ersten Kindes eher die Frauen zu Hause als die Männer.
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Teilzeitleser,
10.08.2004, 18:53
- Re: B.M. : "Männer sind besser als ihr Ruf" - Guildo, 10.08.2004, 19:45