Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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"Neurechte" gegen "national, sozialistische"

Texaco, Thursday, 05.08.2004, 15:11 (vor 7855 Tagen)

Das Thema mal wieder: eifrei. Bringt eine Satire über ein vermeintlich gemeinsames Programm von Attac und NPD. Was haltet ihr davon?

http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/on/18032/1.html

Re: "Neurechte" gegen "national, sozialistische"

Arne Hoffmann, Thursday, 05.08.2004, 17:40 (vor 7855 Tagen) @ Texaco

Als Antwort auf: "Neurechte" gegen "national, sozialistische" von Texaco am 05. August 2004 12:11:38:

Siehe hierzu auch die Stellungnahme von eifrei: Hier klicken

Nur fürs Protokoll verwahre ich als Linksliberaler mich natürlich gegen die Etikettierung von eifrei als "neurechts"; offenbar soll das eine Art Gegenattacke darstellen ("selber Nazi"). Aber wir haben ja Meinungsfreiheit, die Leute können also von mir aus fabulieren, was sie wollen.

Da ich durchaus auch gewisse Sympathien für Attac hege, habe ich Herrn Lichtschlag schon mitgeteilt, dass ich seine Zuspitzung für etwas überzogen halte; nichtsdestoweniger kann ich seine Argumentation nicht völlig beiseite wischen. Wie er auf oben verlinkter Website ausführt, wird die Weltanschauung von Attac ja auch von verschiedenen "Linken" problematisiert.

Das wird aber eigentlich alles ein bisschen sehr off-topic.

Herzliche Grüße

Arne

Re: "Neurechte" gegen "national, sozialistische"

Texaco, Thursday, 05.08.2004, 18:41 (vor 7855 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: Re: "Neurechte" gegen "national, sozialistische" von Arne Hoffmann am 05. August 2004 14:40:10:

Etikettierung ist genau das Wort. In diesem ganzen Artikel steht absolut nichts drin außer "der ist rechts", "der ist links", die "xy-linken" - ohne dass diese Labels auch nur einmal erklärt würden. Es klingt wie der Diskussionsstil der 70/80er-Linken: "Das was der Joschka da zum Klima gesagt hat, ist faschistisch, weil den Wetterbericht gab es ja auch bei den Nazis."

Ich habe Lichtschlags Satire nicht gelesen, aber ich kann mir keine Umstände vorstellen, unter denen man diesen Gattungsbegriff in Anführungszeichen setzen könnte. Es sei denn, man unterscheidet statt zwischen richtig und falsch zwischen gutem und schlechtem Denken, und billigt nur dem guten so etwas tolles wie eine Satire zu.

Ich hege sehr wenige Sympathien für Attac, und keine für einen vulgären Neoliberalismus. Aber wenn solche Debatten in die Nähe von Mainstreammedien kommen, dann höre ich eben mal um.

Das wird aber eigentlich alles ein bisschen sehr off-topic.

Ist aber nicht das einzige off-topic-Thema hier.

Danke für die Antwort!

Re: "Neurechte" gegen "national, sozialistische"

Arne Hoffmann, Thursday, 05.08.2004, 20:13 (vor 7855 Tagen) @ Texaco

Als Antwort auf: Re: "Neurechte" gegen "national, sozialistische" von Texaco am 05. August 2004 15:41:52:

Ich habe Lichtschlags Satire nicht gelesen, aber ich kann mir keine Umstände vorstellen, unter denen man diesen Gattungsbegriff in Anführungszeichen setzen könnte.

Ich glaube, die Logik ist: Satire = obrigkeitskritisch = automatisch links,
selbst wenn Regierung und Medien selbst schon links sind. Für viele scheint eine "rechte Satire" ein Paradoxon zu sein.

Das wird aber eigentlich alles ein bisschen sehr off-topic.

Ist aber nicht das einzige off-topic-Thema hier.

Allerdings; ich habe auch nicht den Eindruck, dass dadurch im Moment andere wichtige Themen verdrängt würden. Mit der Etikettierungsfrage sind wir ja auch fast schon wieder on-topic: Bei Männerrechtlern hat man ja auch versucht, ihnen quasi automatisch Etiketten wie "rechts", "frauenfeindlich" usw. aufzudrücken. Und natürlich versucht man es auch bei uns mit der Strategie der "guilt by association": Huch, bei euch vertritt in einem Posting jemand die und die Ansicht, also seid ihr alle bäh. Ähnlich Telepolis: Bei eifrei haben auch schon Rechte geschrieben, also ist das gesamte Magazin neurechts. Lichtschlag und Schah (der Autor der Satire) haben den Spieß jetzt umgedreht.

Arne

Re: "Neurechte" gegen "national, sozialistische"

Max, Friday, 06.08.2004, 00:20 (vor 7854 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: Re: "Neurechte" gegen "national, sozialistische" von Arne Hoffmann am 05. August 2004 17:13:47:

Hallo Arne,

Ich glaube, die Logik ist: Satire = obrigkeitskritisch = automatisch links, selbst wenn Regierung und Medien selbst schon links sind. Für viele scheint eine "rechte Satire" ein Paradoxon zu sein.

...tja, warum sind sie nur alle so still, diese "linken Satiriker"?
Ist es vielleicht so, daß sie sich ein bißchen schämen, jetzt, wo langsam die Einsicht salonfähig wird, daß Nationalismus und Sozialismus zwei Seiten ein- und derselben Medaille sind?
Und ist nicht der Vorwurf des Nationalismus das Letzte, was sich z.B.die Herren Hildebrandt, Schneyder, Jonas und Polt ans Revers heften lassen wollen würden? Sehen die das jetzt vielleicht, daß sie sich vom Regen in die Traufe gewitzelt haben? Es wäre wirklich interessant, wie Harald Schmidt diese Fragen beantworten würde.
Mich würde außerdem interessieren, wie die Herren Gottschalk (Berufsjugendlicher mit einstmaliger Aufmüpfigkeitsattitüde), Klaus Meine (Scorpions - ...äh...wofür stand Rockmusik mal?) und Karl Dall (Insterburg) ihr völliges Stillschweigen angesichts der ideologisch verfestigten Zustände rechtfertigen würden? Oder sind sie gar blind geworden? Muß man nicht sehen können, wenn man mit dem Kanzler Tischkicker spielt? Welche message sollte denn mit dem Bild transportiert werden, das Schröder, Gottschalk, Meine und Dall beim Kickern zeigte? Daß sie alle ihren Idealen treu geblieben sind und daß das "Ziel" schon erreicht ist? Es ist allerhöchste Zeit für "rechte Satire", vorausgesetzt, daß man als Definition für "rechts" diejenige von "korrekt und links" übernimmt.

Allerdings; ich habe auch nicht den Eindruck, dass dadurch im Moment andere wichtige Themen verdrängt würden. Mit der Etikettierungsfrage sind wir ja auch fast schon wieder on-topic: Bei Männerrechtlern hat man ja auch versucht, ihnen quasi automatisch Etiketten wie "rechts", "frauenfeindlich" usw. aufzudrücken. Und natürlich versucht man es auch bei uns mit der Strategie der "guilt by association": Huch, bei euch vertritt in einem Posting jemand die und die Ansicht, also seid ihr alle bäh. Ähnlich Telepolis: Bei eifrei haben auch schon Rechte geschrieben, also ist das gesamte Magazin neurechts. Lichtschlag und Schah (der Autor der Satire) haben den Spieß jetzt umgedreht.

...gut, daß sie ihn rumgedreht haben! Es ist wahnwitzig, heute überhaupt noch in diesen Kategorien zu denken. Ich bin beileibe kein Roter und vertrete trotzdem die Ansicht, daß die PDS als einzige Partei ein vernünftiges Programm zur Drogenpolitik hat. Auch bin ich kein FDP-Anhänger und befinde mich in der Palästinafrage dennoch voll auf der Linie Möllemanns (womit ich für manche schon ein Antisemit bin). Christsozialer oder Christdemokrat bin ich auch nicht, Grün schon dreimal nicht und dennoch hat jede dieser Parteien in bestimmten Fragen Antworten, denen ich zustimmen kann. Letztendlich sind sie aber allesamt die Pest, und bestimmt nicht zuletzt deswegen, weil sie ausnahmslos alle, die einen mehr, die anderen weniger, einem völlig indiskutablen Geschlechterbild nachhängen. Mag ich jetzt den Papst und die katholischen Bischöfe, nur weil die als Einzige in dieser Frage mal was Diskutables zu Papier gebracht haben? - Nein.
Die Etikettierung von Personen als "rechts" oder als "links" ist heutzutage einfach dämlich, und zwar deswegen, weil die Aufgaben, um die es geht, nicht besser von Angehörigen der einen oder der anderen Gruppierung gelöst werden können, sondern nur von Vernünftigen. "Rechts" und "links" sind heute keine "Gütesiegel" mehr für irgendwas. Fakten kennen und pragmatisch handeln! Das muß passieren. Von jeglicher Etikettierung muß man sich endlich frei machen. Das ist einfach zu blöde.
Es macht möglicherweise gerade den Erfolg der feministischen "Ideologie" aus, daß sie nicht in diesen Kategorien funktioniert. Dem Sozialismus durchaus nahestehend, haben feministische Strömungen u.U. keine Probleme damit, sich mit amerikanischen Klerikalfaschos zusammenzusetzen. Sozialisten und Klerikalfaschos selbst kämen nie zueinander.

Ich bin für einen (vom Staat) emanzipierten Bürger, für weniger Überwachung der "Gesetzesbuchstabentreue" (allerdings für die Ahndung von Verstössen gegen den Sinn eines Gesetzes, so es denn einen hat), für weniger Gesetze und so wenig Staat und Bürokratie wie möglich. Ich bin gegen Subventionen und Ladenschlußzeiten, gegen die Einmischung des Staates ins Private (und zwar strikt) und gegen die Meisterprüfung (Gebietsprotektionismus bei gleichzeitigem Geschwalle von "Qualitätssicherung"). Ich betrachte mich selbst als einen anarchischen Konservativen (ein Paradoxon, ich weiß), als einen Menschen also, der ein weitgefasstes Gesetz in sich trägt und deshalb von außen keines mehr braucht. Ich bin aus mir selbst heraus sozial, aus Einsicht heraus also und ich wehre mich nach Leibeskräften dagegen, genau denselben Regeln und Gesetzen unterworfen zu sein, wie diejenigen, die völlig ohne Moral leben und deswegen im Detail und von außen zur Gemeinschaftsfähigkeit gezwungen werden. Es ist die Beliebigkeit, die heutzutage oft mit "Freiheit" oder "Wahlfreiheit" gleichgesetzt wird und die geradewegs in eine totalitäre Unfreiheit führt. Gemeinschaft kann nicht beliebig funktionieren.

Freundlicher Gruß - Max

Re: "Neurechte" gegen "national, sozialistische"

Nikos, Friday, 06.08.2004, 00:44 (vor 7854 Tagen) @ Max

Als Antwort auf: Re: "Neurechte" gegen "national, sozialistische" von Max am 05. August 2004 21:20:33:

Hallo Max.

Ein genialer Beitrag. Doch bitte noch die Wahl der Zeit berücksichtigen. Nach der Motto "kommt Zeit, kommt Rat".

Grüße
Nikos

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