Italien und die Müllabfuhr
Sven74, Monday, 19.07.2004, 01:28 (vor 7872 Tagen)
Heute habe ich einen sehr interessanten Beitag im Weltspiegel in der ARD gesehen. In Rom ist es vollkommen normal, wen Frauen bei der Müllabfuhr und bei der Straßenreinigung arbeiten. Wenn ich mir da unsere Frauen ansehe...
Und die Mädels sehen dazu auch noch recht gut aus und haben noch nicht einmal Angst, ihre Fingernägel könnten abbrechen oder die Frisur könne unter der Arbeit leiden.
Also ihr Emanzen in Deutschland, ab zur Müllabfuhr und zeigt was ihr könnt!
Ach so, ihr wollt dann gleich zur Leiterin der Müllabfuhr befördert werden? Ne, so schnell geht dies auch nicht. Oder etwa doch (Quote)?
Sven74
Re: Italien und die Müllabfuhr
Max, Monday, 19.07.2004, 14:11 (vor 7872 Tagen) @ Sven74
Als Antwort auf: Italien und die Müllabfuhr von Sven74 am 18. Juli 2004 22:28:46:
Hallo Sven74,
In Rom ist es vollkommen normal, wen Frauen bei der Müllabfuhr und bei der Straßenreinigung arbeiten. Wenn ich mir da unsere Frauen ansehe...
Und die Mädels sehen dazu auch noch recht gut aus und haben noch nicht einmal Angst, ihre Fingernägel könnten abbrechen oder die Frisur könne unter der Arbeit leiden.
...bin häufiger in Rom und kann Obiges nur bestätigen. Auch kann ich Hintergrundinformation beisteuern:
In Rom stand man, wie überall in der Westlichen Welt, vor dem Kardinalübel der patriarchalen Unterdrückung: Mein Mann bringt den Müll nicht runter.
Vermittels hübscher MüllabführerInnen gedachte man deshalb, den Männern Beine zu machen. Und es hat zunächst funktioniert! Zwar kam es zu kleineren chauvinistischen Ausrutschern der Männer ("Na, du billiges Müllflittchen...hast du schon mal einen so großen Sack gesehen?")- aber im Großen und Ganzen ging es eine Weile lang.
Heute bringen wieder die Frauen den Müll runter, denn man hatte einen wesentlichen, weiblichen Charakterzug nicht bedacht: Die alles vergiftende Eifersucht.
Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie eine wutentbrannte Frau (ziemlich hässlich, ziemlich dick und ziemlich vulgär) ihrem Mann, der mit dem seligen Grinsen lustgesteuerter Erwartung im Gesicht, mässig sabbernd und einen Müllsack in der Hand, dabei gewesen ist, vom Hauseingang auf das Trottoir zu treten, selbigen aus der Hand schlug und ihn mit einem Stöckchen zurück in die Wohnung trieb, nur, um dem kurz danach eintreffenden Traum einer MüllabführerIn den Müllsack selbst zu überreichen. Wenn Blicke töten könnten....die Müllgrazie wäre mausetot gewesen, auf der Stelle.
Aber die Römer sind ja nicht dumm. Sie haben sich gedacht: "Na, wenn also schon die Frauen wegen ihrer Eifersucht den Müll selber runterbringen, dann können sie ja wenigstens ein bißchen belohnt werden..." - und dann beschloß man eine Erhöhung des Mülletats, um die California Dream Boys für die Abführung des hauptstädtischen Mülls zu engagieren. Teuer zwar, aber man war an einer friedlichen Lösung des Kardinalübels schwer interessiert.
Tja, was soll ich sagen? Es gibt mehr schwule Römer, als man bis dahin angenommen hatte...
Jedenfalls ist es jetzt so, daß die Frauen den Müll wieder selbst runterbringen. Abtransportiert wird er, wie eh und je, von ganz normalen Müllwerkern. Und was das Kardinalübel der patriarchalen Unterdrückung anbelangt: In Rom zieht man es vor, nicht mehr darüber zu reden.
Gruß - Max
Re: Italien und die Müllabfuhr
Odin, Monday, 19.07.2004, 18:31 (vor 7872 Tagen) @ Max
Als Antwort auf: Re: Italien und die Müllabfuhr von Max am 19. Juli 2004 11:11:26:
In Rom stand man, wie überall in der Westlichen Welt, vor dem Kardinalübel der patriarchalen Unterdrückung: Mein Mann bringt den Müll nicht runter.
Vermittels hübscher MüllabführerInnen gedachte man deshalb, den Männern Beine zu machen. Und es hat zunächst funktioniert! Zwar kam es zu kleineren chauvinistischen Ausrutschern der Männer ("Na, du billiges Müllflittchen...hast du schon mal einen so großen Sack gesehen?")- aber im Großen und Ganzen ging es eine Weile lang.
Heute bringen wieder die Frauen den Müll runter, denn man hatte einen wesentlichen, weiblichen Charakterzug nicht bedacht: Die alles vergiftende Eifersucht.
Jedenfalls ist es jetzt so, daß die Frauen den Müll wieder selbst runterbringen. Abtransportiert wird er, wie eh und je, von ganz normalen Müllwerkern. Und was das Kardinalübel der patriarchalen Unterdrückung anbelangt: In Rom zieht man es vor, nicht mehr darüber zu reden.
Erinnert mich irgendwie an die maghrebinische Emanzipation, wie sie Gregor von Rezzori in seinen maghrebinischen Geschichten beschreibt:
Wenn ein Mann und eine Frau auf Reisen gingen, dann ritt der Mann auf dem Esel, die Frau ging 10 Meter hinterher und trug das ganze Gepäck.
Dann kam die oben genannte maghrebinische Emanzipation: Zwar ritt der Mann noch immer auf dem Esel und die Frau trägt auch noch immer das ganze Gepäck - aber sie geht jetzt 10 Meter VOR dem Mann.
Jetzt gibt es aber böse Zungen, die behaupten, dies habe gar nichts mit Emanzipation zu tun, sondern läge eigentlich an den vielen Minen, die seit dem 1. Weltkrieg überall herumliegen....
Re: Italien und die Müllabfuhr
Karin, Monday, 19.07.2004, 20:17 (vor 7872 Tagen) @ Odin
Als Antwort auf: Re: Italien und die Müllabfuhr von Odin am 19. Juli 2004 15:31:27:
Erinnert mich irgendwie an die maghrebinische Emanzipation, wie sie
Gregor von Rezzori in seinen maghrebinischen Geschichten beschreibt:
Wenn ein Mann und eine Frau auf Reisen gingen, dann ritt der Mann auf dem
Esel, die Frau ging 10 Meter hinterher und trug das ganze Gepäck.
klaro...
und als die Frau gefragt wurde, warum sie sich das gefallen lässt, antwortet sie "wer will denn schon nachts einen müden Mann"

Karin
Re: Italien und die Müllabfuhr
Ekki, Monday, 19.07.2004, 20:02 (vor 7872 Tagen) @ Sven74
Als Antwort auf: Italien und die Müllabfuhr von Sven74 am 18. Juli 2004 22:28:46:
Heute habe ich einen sehr interessanten Beitag im Weltspiegel in der ARD gesehen. In Rom ist es vollkommen normal, wen Frauen bei der Müllabfuhr und bei der Straßenreinigung arbeiten. Wenn ich mir da unsere Frauen ansehe...
Und die Mädels sehen dazu auch noch recht gut aus und haben noch nicht einmal Angst, ihre Fingernägel könnten abbrechen oder die Frisur könne unter der Arbeit leiden.
Also ihr Emanzen in Deutschland, ab zur Müllabfuhr und zeigt was ihr könnt!
Ach so, ihr wollt dann gleich zur Leiterin der Müllabfuhr befördert werden? Ne, so schnell geht dies auch nicht. Oder etwa doch (Quote)?
Sven74
Ob Müllabfuhr oder eine sonstige Arbeit, überall auf der Welt habe ich bestätigt gefunden:
Menschen, die hart und aufopferungsvoll arbeiten, sind psychisch gesund und verbreiten eine angenehme Atmosphäre um sich.
Schmarotzer dagegen sind in jeder Hinsicht scheiße.
Und noch eins:
Der Bericht, den ich auch gesehen habe, hörte an einer entscheidenden Stelle auf:
Es wurde zwar erwähnt, daß beide Müllwerkerinnen - Verzeihung: "ökologische Facharbeiterin bei der städtischen Umweltagentur", wie es in Italien heißt - mit Kollegen verheiratet seien, aber es wurde nicht dahintergehakt, wie sich in deren Familien die Verteilung der Geschlechterrollen gestaltet. Ich hatte ja bei Max & Moni mal ein längeres Posting hineingestellt, indem ich mich über die Geschlechterrollen in Polen ausließ, darin aber auch ein Zitat aus einem Buch über Italien brachte, in dem genau dargelegt wurde, daß und wie die italienischen Männer gezielt zu Muttersöhnchen erzogen werden.
Wär zu schön gewesen, zu sehen, ob ein handfester Müllwerker seiner Thusnelda weniger durchgehen läßt als ein feingliedriger Intellektueller.
Gruß
Ekki