RoteMännerInfo Nr. 70
RoteMänner!
Befugte und Unbefugte!
Draußenbleiber und Minensucher!
Das Ende der Apartheid naht leise: Auch Männer haben inzwischen Zutritt im Kölner Frauenbuchladen Rhiannon. Das war lange Zeit nicht so. Vor 27 Jahren in der Moltkestraße gegründet, vor zwei Jahren in doppelt so große Räume in die Venloer Straße umgezogen, war Rhiannon einer der ersten Frauenbuchläden in Deutschland. Eintritt für Männer verboten stand an der Tür. Jetzt steht der Laden vor dem finanziellen Aus, weil inzwischen jede blöde Kiezbuchhandlung ihre Frauenregale hat. http://www.taz.de/pt/2004/06/09/a0046.nf/text Vorsicht: Das Gute an dieser Nachricht ist das Schlechte daran!
Neues Entsetzen in Palästina: Frauen für den Frieden touren durch den Nahen Osten: Eine Etappe war Jerusalem, Standort heiliger Stätten von Juden, Christen und Muslimen. Rund 500 Frauen aus aller Welt versammelten sich vor der Felsenmoschee. Dort sangen sie Friedenslieder. Anschließend zogen sie durch die Heilige Stadt der Juden. meldete die Agentur rtr am 27. Mai. Von weiteren Zwischenfällen ist gottlob nichts bekannt.
Am 22. Mai fand in Berlin der Avon-Frauenlauf statt. Der genaue Streckenverlauf ist uns leider nicht bekannt, wir vermuten indes: dreimal durchs KDW und von dort zu den Galeries Lafayette. Unsere Bemühungen um eine gute Platzierung wurden durch die Organisatorinnen perfiderweise unter Hinweis auf unser Gemächt, Verzeihung: Geschlecht, unter krasser Missachtung des Grundgesetzartikels 3 vor vorneherein zunichte gemacht. Will heißen, wir durften nicht mitspielen. Wir überlegen derzeit, wie wir zurück schlagen. Aber Sponsoren, die in ähnlicher Weise so wie Avon für Frauen ökonomisch ausschließlich für Männer da wären, fielen uns kaum ein. Und zu einem eventuellen Wilkinson-Protector-Lauf konnten wir uns nicht durchringen. Wir bitten unsere Leser dringend um Rat und Vorschläge! Nach ersten Überlegungen sollte der Name unseres Ertüchtigungsprogramms irgendwie nach MACHT und SCHÄNDUNG klingen. Vielleicht Hustler-Parcours? Besonders feinsinnig, kommt soeben der Vorschlag eines Pitralon-Laufs über den Äther. Was immerhin ein Beitrag zur Bekämpfung der Mückenplage wäre, die unsere beschauliche Hauptstadt wie stets im Sommer heimsucht.
Über eine Skurrilität unseres dekadenten Alltags berichtete am 25. Mai die Deutsche Presseagentur: Ein pensionierter Soldat muss nicht nur für seine geschiedene Ehefrau aufkommen, sondern nach deren Tod auch für den Witwer, entschied das Verwaltungsgericht Göttingen. Beim Versorgungsausgleich werde ein Teil der Ruhestandsbezüge zu Recht einbehalten und als Hinterbliebenenrente an den Witwer ausgezahlt. Wir verzichten auf eine Kommentierung.
Der türkischstämmige SPD-Kandidat für das Europaparlament und inzwischen MdEP Vural Öger begegnete der Feststellung, man habe die Türken 1683 vor Wien gestoppt und werde dies auch weiterhin tun - im plauderhaften Ton: Was der gute Süleyman nicht geschafft hat, das schaffen unsere geburtenfreudigen Türkinnen in der Bundesrepublik. Da hat Öger aber nicht mit der unbedingt konsequenten politischen Korrektheit in der ironiefreien Zone Deutschland gerechnet. Man nahm übel! Wollte da etwa wer unsere lieblichen deutschen Frauen als gebährfeindlich beleidigen? Die taz fragte listig zurück: Hätte der denn Unrecht? http://www.taz.de/pt/2004/05/26/a0217.nf/text
Ein wenig ungebührlich mockierte sich in der Zeit vom 3. Juni Peter Kümmel über eine Riege der reifen Kommissarinnen und Ermittlerinnen, die im deutschen Fernsehen rund um die Obervogelspinne des deutschen Talkwesens Sabine Christiansen ihre kriminalistischen Netze spannen. Die Frau, als Handelnde von den Männern aus der Tragödie einst vertrieben, ist als Durchschauerin der Männer längst zurückgekehrt. Wer also gedacht hat, mit Erik Ode und Triefauge Derrick seien die TV-kriminalistischen Oberdummbeutel ausgestorben oder von unglaublich dicken Männern abgelöst worden, der hat nicht mit dem feministisch angehauchten Mimikri gerechnet, dessen Bedeutung die Marktforschung ganz bestimmt in langen Studien ermittelt hat. Die Männer sind ihnen vertraut als erledigte Fälle. Einst hatten sie mit ihnen zu tun, weil sie den einen oder anderen geliebt oder erzogen hatten (oder beides, natürlich vergeblich). Aber das ist vorbei. Wir haben es also gewissermaßen mit den Frauen der postviktimisierten Generation zu tun, jener von den testosteron-besoffenen Zeitgenossen schwer enttäuschten Über-Mütter, deren Erziehung ins Leere gelaufen ist. Bella, Rosa, Lea haben sie eigentlich Kinder? Egal. Im tiefsten Inneren sind sie kinderlos, grame Verkörperungen der deutschen Weltskepsis, Zukunftsangst und Unfruchtbarkeit. Mit solchen Männern und in dieser Welt würden sie lieber keine Kinder haben. Wenn heute noch Kinder im deutschen Fernsehkrimi auftauchen, dann vor allem als lebensuntüchtige Geiseln oder als ätzende Kleinkriminelle, und Elternschaft erscheint als die äußerste Form der Schuld. Erst am Ende, nachdem er dergestalt sensibel die Bedürfnislage moderner Seniorinnen beschrieben hat, wird Kümmel unsachlich: Man blende ihre von Melancholie erfassten, vom Männerdurchschauen müd gewordenen Gesichter übereinander, und man hat das Gesicht der künftigen Kanzlerin. Ist es wirklich so schlimm? http://www.zeit.de/2004/24/Spitze_24
In unserer jüngsten Ausgabe bekrittelten wir ausgiebig die Versuche, die an Folterungen beteiligte amerikanische Soldatin Lynndie England in ein Opfer umzudefinieren. Dabei hatte sich Heide Oestreich mal wieder besonders hervor getan. Das wiederum führte zum vehementen Widerspruch einer WIRKLICH emanzipierten Frau und taz-Leserin: Die Bilder vergewaltigter Männer machen nur umso deutlicher, dass Frauen nicht die ersten und nicht die einzigen Opfer des Krieges sind. Und dass Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und Gewalt gegenüber Unterlegenen vielleicht doch keine ausschließlich männliche Domäne ist. Ich werde das Gefühl nicht los, dass Sie die Verantwortung einer Täterin für ihre Taten versuchen zu negieren, indem Sie sie wieder zum Opfer männlicher Strukturen machen. Ich empfinde es als persönliche Beleidigung, wenn Sie diese Soldatin für feministische Argumentationen instrumentalisieren. Denn damit sprechen Sie mir meine Verantwortung als Frau ab, und somit auch meine Gleichberechtigung. http://www.taz.de/pt/2004/05/19/a0262.nf/text
Die Berliner Morgenpost berichtete am 25. Mai ausführlich über häusliche Gewalt gegen Männer anhand eines Fallbeispiels: 1998 ermittelte eine Berliner Polizeidirektion, dass Männer 13,6 Prozent der Opfer häuslicher Gewalt stellen. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen. Aber um sie aufzuhellen, müssten Männer zwei Schritte unternehmen, sagt Kriminalhauptkommissarin Martina Linke: Erstens sich und anderen eingestehen, wenn sie Opfer von Gewalt geworden sind und sich zweitens zu einer Interessengruppe zusammenschließen. Erst wer - wie Frauengruppen vor mehr als 30 Jahren - seine Forderungen öffentlich formuliert, kann etwas ändern. Christian G. ist noch nicht so weit: Ich habe genug Häme eingesteckt. Statt zur Polizei zu gehen, hätte ich beim ersten Mal besser zurückgeschlagen. Dann hätte ich meine Ruhe statt ein Trauma. http://morgenpost.berlin1.de/archiv2004/040229/berlin/story662692.html
Man sollte es besser so sehen, dass ohne jede Frage G. heute der Schläger wäre, auch wenn er bloß zurückgeschlagen hätte und aller selbst eingesteckten Prügel zum Trotz.
Selten genug erfahren wir Positives von unserer Justiz. Hier und da gibt es sie: Richter mit Rückgrat und Ehrgefühl. Als unglaublich perfide brandmarkte der Strafrichter am Amtsgericht Tauberbischofsheim die Art und Weise, wie eine 24-jährige Hausfrau und Mutter seiner Überzeugung nach das Umgangsrecht ihres von ihr getrennt lebenden Mannes mit der gemeinsamen vierjährigen Tochter zu torpedieren versucht hatte. Nachdem die Frau einen in dieser Sache gegen sie ergangenen Strafbefehl wegen falscher Verdächtigung über 90 Tagessätze zu je 10 Euro nicht hatte akzeptieren wollen und auch nach rund siebenstündiger Verhandlung und belastender Beweislage immer noch kein Jota von diesen Verdächtigungen abrückte, beließ es der Richter nicht mehr bei der im Strafbefehl verhängten Geldstrafe, sondern verurteilte sie zu einer Bewährungsstrafe von fünf Monaten. berichteten die Fränkischen Nachrichten am 24. Mai. Wir empfehlen den kompletten Beitrag unter http://www.fnweb.de/archiv/2004/m05/24/ta/tauberbischofsheim/20040524_F170916033_14404.html
Das OLG Köln dagegen ist unter betroffenen Männern als veritabler Schweinestall hinlänglich bekannt. Gerade erst verweigerte es einem Vater, der Hinweise hatte, dass sein Sohn nicht von ihm abstammte, den Vaterschaftstest. Die Hinweise reichten demnach nicht aus. Über die Folgen der Ungewissheit für das Familienleben machten sich die Halbgötter in Schwarz keine weiteren Gedanken. Müssen sie auch nicht, denn die Nachteile liegen ja bloß bei Vater und Kind. http://www.taz.de/pt/2004/06/10.nf/ressort.q,TAZ.re,a2
Mit einem neuen Angebot nur für Frauen will die Billigfluggesellschaft Valueair aus Singapur neue Kunden gewinnen. Am Freitag startet das Unternehmen zwischen Singapur und Hongkong erstmals einen Flug ausschließlich für weibliche Fluggäste. Das Ticket für 300 Singapur-Dollar (145 Euro) enthält ein Geschenkpaket mit Kosmetikartikeln und Wäsche. Während des Fluges können sich die Kundinnen zudem eine Handmassage und Schminktipps geben lassen. Darüber hinaus erhöht die Gesellschaft die Obergrenze für mitgebrachtes Gepäck von 20 auf 25 Kilogramm. berichtete die Süddeutsche am 19. Mai. Was sollen wir dazu sagen? Wir kannten bislang den Pollenflug. Jetzt gibt es auch den Frauenflug, mit 25 Kilo Gepäck. Ob das reicht?
Dass Frauen in Diskotheken umsonst Zutritt haben, während Männer Eintritt zahlten, kennen die Älteren unter uns seit den 70er Jahren. Das Ziel ist natürlich klar: Die spendablen Jungs gehen dahin, wo die Schnittendichte am höchsten ist. Für die Wirte lohnt es sich also vermutlich, die Frauen zu locken. Im amerikanischen New Jersey allerdings wurde es jetzt einem Etablissement verboten, an bestimmten Tagen den Damen die Getränke preiswerter anzubieten, weil es gegen das Gleichbehandlungsgebot verstoße, berichtete Newsweek. Raffinierter und gerechter! machte dies im letztjährigen Weihnachtshandel das Berliner Kaufhaus Wertheim: An Wochentagen, die mit D anfangen, bekamen die Damen 25 Prozent Nachlass auf die gekauften Klamotten, an solchen, die mit M anfangen, die Männer. Das Ergebnis: Keiner blickte mehr durch, der Verkauf brach ein. Dumm gelaufen.
In Amerika gibt es bekanntlich viele schöne Reglementierungen, nur den Handel dürfen sie nicht beeinträchtigen! New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg plant ein weitgehendes Bellverbot für Hunde. Nachts sollen sie maximal fünf Minuten lang bellen dürfen, tagsüber höchstens zehn Minuten. http://www.taz.de/pt/2004/06/09/a0121.nf/text Leider wurden wir nicht darüber informiert, ob den Hunden jetzt von der Stadt Armbanduhren gestellt werden, damit sie Zeitüberschreitungen vermeiden können. Im Übrigen: Bellverbot? Nicht mit uns!
Mitten im Mai traf es die RotenMänner hart. Zwei zuverlässige Schriftführer unserer Hobby-redaktion machten sich spontan und unangekündigt zu einem längeren Tripp ins derzeit eher kalte Chile auf; eingeplante Beiträge blieben entweder aus oder sie erwiesen sich als unzulänglich, auch unsere Stichwortgeber in den Medien waren eindeutig formschwach, und unser Chef vom Dienst plant plötzlich einen Umzug. Die Zahl unserer Beiträge hält sich darob derzeit in Grenzen. Dafür sind sie ziemlich lang. Genießt sie trotzdem, der Sommer verheißt Trockenheit!
1. Schwerpunktmäßig werden wir uns mal nicht mit den Anderen, sondern ausführlich mit der Männerbewegung selbst beschäftigen. Anlass ist allerdings ein taz-Interview mit Elisabeth Badinter und manch merkwürdige Reaktion einzelner Männerrechtler darauf. Ähnliches ist uns aus Kreisen der Väterbewegung vertraut.
2. Es erinnert an Frankensteins Horrorkabinett, was vor ein paar Jahrzehnten mit dem kanadischen Säugling Bruce Reimer gemacht wurde: Man schnitt ihm Penis und Hoden ab, und versuchte ihn als Frau zu sozialisieren, um die Gender-Theorie zu begründen. Im Mai hat er sich, 38jährig, das Leben genommen.
3. Wer erzieht die Erzieherinnen? fragte der Männerrat anläßlich der Forderung aus dem Deutschen Frauenrat, Männer zur Gewaltfreiheit zu erziehen. Natürlich müsste man auch mal fragen: Wer erzieht die Frauen dazu? Und was legitimiert ausgerechnet die Dummschwadroneusen vom Frauenrat zu solcher Hybris?
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DEM STAAT DIE KINDER ZUR AUFZUCHT ÜBERLASSEN?
EMANZIPATION UND REAKTION IN FEMINISMUS UND MASKULISMUS
Auch in den Kreisen Roter oder andersfarbiger Männer herrscht alles andere als Einvernehmen darüber, wie die Gleichberechtigung der Geschlechter aussehen sollte. Wenn man wenigstens zweifelsfrei davon ausgehen könnte, dass es eine Befreiung beider Geschlechter aus tradierten Umklammerungen sein sollte, wäre schon viel gewonnen! Am 25. Mai wiesen wir im Online-Forum der Netzgruppe Männerrecht auf ein Interview der taz mit Elisabeth Badinter hin. Das Interview, das wir natürlich auch hier gerne empfehlen, findet sich unter http://www.taz.de/pt/2004/05/22/a0252.nf/text, die Debatte darüber könnt ihr hier nachlesen: http://www.carookee.com/forum/MANNdatAktion bzw. http://www.carookee.com/forum/MANNdatAktion/Interview_mit_Elisabeth_Badinter.1915831.0.01103.html
Die Forderung von Frau Badinter, der Staat müsse die Frauen von der Last der Familie befreien, führt männerseitig nicht zum ersten Mal zu sich ausbreitender Empörung. Dazu hat vielleicht die etwas unsensible Diktion beigetragen. Die Last der Familie: So empfindet eine liebende Frau und Mutter nicht! Findet offenbar selbst mancher emanzipationswillige Mann. Obwohl gerade das in der Debatte vehement bestritten wurde, sind es schon etwas altbackene Rollenzuweisungen an die Geschlechter, die manchem Männerrechtler den Blick versperren. Die alte Rollenverteilung der Mann an der Arbeitsfront, die Frau mit Schürze und Rührstab in der Küche, Kinder um ihre Fußfesseln geklammert und Mehlspuren auf der Wange vom Zubereiten eines Strudels ist offenbar ein Szenario, das immer noch Faszination ausübt. Anders ist eine Begriffsstutzigkeit nicht zu erklären, die wortreich formuliert offenbar gar nichts mehr versteht, wie in diesem Fall: Frauen von der Last der Familie befreien? Und dann: die Last dem Mann unterstellen und Frauen arbeiten für die Familie? Die Kinder dem Staat zur Aufzucht übergeben? Oder ganz auf Kinder verzichten?
Dem Staat zur Aufzucht offenbar das Horrorszenario Mancher, die sich für die tradierten Werte auch heute noch gerne erwärmen. Dahinter stehen familienpolitische Vorstellungen mit einem faden Beigeschmack von Musikantenstadl. Mit solchen Argumenten könnte man selbst heute noch gegen die allgemeine Schulpflicht wettern!
Die andere Seite ist, dass viele Männer heute mit gutem Recht fordern, nicht länger allein für die ökonomische Existenz der Familie verantwortlich zu sein auch vor der Scheidung nicht! An diesem Punkt treffen sie sich mit denjenigen Streiterinnen für Gleichberechtigung, die es wie auch Elisabeth Badinter ablehnen, ihr Leben ausschließlich als Kinder erziehende Koch- und Putzbataillone zu verbringen. (Ganz nebenbei: das mag zeitfüllend gewesen sein, als kaum eine Familie es unter dem halben Dutzend Kinder getan hat und die Wäsche noch gekocht und von Hand geschleudert wurde. Bei durchschnittlich 1,3 Kindern pro Frau und Wasch-, Spül- und Küchenmaschine im Haushalt ist dieses ökonomische Selbstlegitimierungsmodell eher lächerlich!) Dagegen können Männer eigentlich nichts einwenden. Oder doch?
Tatsache ist, dass einer der zentralen Kritikpunkte von Väter- und Männerrechtlern ein Unterhaltsrecht ist, das offenbar davon ausgeht, dass Frauen unmündige Küchenschlampen sind, die für eine ordentliche Erwerbsarbeit nicht taugen. Jedenfalls nicht, nachdem sie per Ehe und Gebährvorgang aus dem Fron erlöst wurden. Zu Recht sehen insbesondere viele geschiedene Männer es nicht ein, dass sie neben ihren Kindern auch für eine Frau noch Jahrzehnte nach dem Zusammenleben aufkommen sollen, nur weil diese sich als offenbar allein zur Versorgung der Kinder geeigneter Elternteil an Haus und Herd gebunden fühlt. Und es gibt sie ja zuhauf: Feministinnen, deren Verständnis von Emanzipation in genau diese Richtung läuft. Der Verein alleinerziehender Mütter (VAMV) ist voll davon! Tatsächlich ist das aber das Gegenteil dessen, wofür der Feminismus einst antrat.
Keine Frage: Myriaden von Frauen haben sich aus genau diesem Grund die Kinder nach der Trennung juristisch gesichert: Um sich nämlich selbst die Erwerbstätigkeit zu ersparen! Wer würde nicht lieber mit seinen Kindern spielen, ihnen vorlesen, neue Aufläufe kreieren und Waffeln backen? Dabei ist auch eine ganze Menge Betreuungs- und Betüdelungs-Nippes, um eigene Freizeitgestaltung als Arbeitszeit abrechnen zu können. Die einschlägigen Statistiken über die angeblichen Arbeitszeiten der Hausfrauen sprechen Bände!
Badinters Forderung läuft letztlich auf nichts anderes hinaus, als dass der Staat für ausreichende und qualitativ ordentliche Betreuungsmöglichkeiten für den Nachwuchs zu sorgen hat: In Krippen, Kindergärten, Horten und Ganztagsschulen. In der Diskussion ist das mindestens seit Anfang der 90er Jahre. Und in der französischen Heimat von Frau Badinter längst kein Problem mehr. Drei, vier und mehr Kinder lassen sich mit der Berufstätigkeit beider Eltern dort fast überall ohne großes Gerede vereinbaren. Weil der Staat die Frauen von der Last der Familie befreit hat! Und weil diese Frauen fortan die Verantwortung für sich selbst auch praktisch übernehmen konnten. Welche Freiheit dies für deren Männer bringt, liegt eigentlich auf der Hand. Frauen, die tagsüber arbeiten gehen, sind nicht nur zufriedener!
An Frankreich mit einer Kinderquote von heute wieder über Zwei pro Frau könnte man sich in vieler Hinsicht ein Beispiel nehmen: Elternteilen, die den Umgang mit den Kindern verweigern, wird dort bei fortgesetzter Hartnäckigkeit das Sorgerecht entzogen. In Deutschland dagegen quatschen politische Sonntagsprediger und Recht sprechende Krähenvögel salbungsvoll vom Kindeswohl und ordnen es umstandslos dem Gebährprivileg zu. Als sei das nicht schon für sich ein Hohn, dürfen rechtlose Scheidungsväter selbst umgangsverweigernden Exgattinnen noch den Lebensunterhalt finanzieren.
Diese Form der die Verpflichtungen privatisierenden Sozialstaatlichkeit hat noch einen ganz anderen, buchstäblich inhumanen, Nebenaspekt: Weil die soziale Zuwendung ja GESETZLICH geregelt ist, insofern also UnterhaltsPFLICHTEN bestehen, besteht auch kein Grund mehr zu irgendwelchen Formen des Anstands von Dankbarkeit und Kooperation. Man lebt bereitwillig sogar auf Kosten derer, die man zutiefst verachtet und mit Häme überzieht. Und merkt gar nicht, wie verächtlich man sich damit selbst macht: Parasitismus als Lebensform! Es gibt ihn keineswegs nur im paternalistischen Sozialstaat, denn der steht längst im Begriff, die von ihm selbst über Jahrzehnte erzeugten inflationären Ansprüche flugs wieder zu privatisieren, weil er der Staat! sie jetzt nicht mehr bezahlen kann.
Wenn Elisabeth Badinter also fordert, der Staat solle die Frauen von der Last der Familien befreien, dann ist das vielleicht ungeschickt formuliert. Nicht auszuschließen auch, dass man in Frankreich auf politisch korrektes Aufbegehren nicht in derselben Weise Rücksicht nehmen muss wie bei uns. Wenn man aber mit einer solchen Formulierung etwas unaufgeregter umgeht, dann werden auch Männer verstehen, dass die von Badinter für Frauen geforderte Entlastung ihnen in der logischen Folge selbst sehr unmittelbar und positiv zugute käme. Ohne dass sie darauf warten müssten, dass deutsche Gerichte mal etwas begreifen und Väter als vollwertige Elternteile und Frauen als vollwertige Arbeitskräfte angesehen werden.
Einen ausgezeichneten Leserbrief fanden wir zu diesem Thema in der Süddeutschen Zeitung vom 26. Mai: Auch bei mir im Bekanntenkreis beobachte ich immer wieder, wie selbstverständlich und bereitwillig sich schon werdende Mütter aus dem Erwerbsleben verabschieden und wie die jungen Eltern in die tradierten Rollenmuster fallen. Das sind alles Leute, die noch vor wenigen Jahren ganz laut an der Universität von Gleichberechtigung, Karriere und den neuen Vätern schwadroniert haben. Und heute? Die Mutter gluckt auf dem Kind, der Vater will plötzlich die große Verantwortung übernehmen und stürzt sich in die Arbeit. Die Mütter klagen, die Männer hülfen ihnen bei den Kindern nicht; dann tun sie es, machen es aber irgendwie falsch und werden von den Frauen angeraunzt. Und die Väter merken: Es ist eine Last, dieFamilie ernähren zu müssen: Sie stehen alleine da, dürfen nicht arbeitslos werden und müssen deshalb immer gut und besser sein. Also mehr arbeiten und mehr Engagement zeigen, weniger zu Hause sein. Zu diesem Zeitpunkt wissen sie ja sowieso schon nicht mehr, was da läuft. Und die Mütter bleiben hart: In die Krippe wollen sie ihre Kindernicht geben, weil sie angeblich noch zu klein sind, und außerdem: Sechs bis acht Stunden ohne Mutti und das auch noch an fünf Tagen die Woche - das geht ja gar nicht. Damit geben die Frauen jede Gleichberechtigung auf. Waren sie kinderlos noch in der Lage, ebenso viel wie ihr Partner zu verdienen, begeben sie sich nun bereitwillig in die Abhängigkeit des Ehemannes: verzichten auf eigenes Geld, die eigene Altersvorsorge und verschenken auch noch ihre Qualifikation. Denn spätestens nach dem zweiten Kind und nach einigen Jahren Pause ist die beste Ausbildung kaum noch etwas wert. Die Hemmschwelle, wieder zu arbeiten, ist groß, und der Wunsch nach einem netten Teilzeitjob in heutiger Zeit leider irreal. So geht mit jedem Monat Babypause ein Stück Gleichberechtigung verloren.
Findet Frau Louwien aus Hamburg. Völlig zu Recht! Nur dass die sich ökonomisch entmündigenden Mütter nicht in erster Linie SICH SELBST zur Last werden. Es geht doch keineswegs ihre eigene Gleichberechtigung den Bach runter! Ein Gesindel, das die eigene Lebensuntüchtigkeit mal generalstabsmäßig plant, mal billigend in Kauf nimmt, muss nämlich (abgesehen davon dass es sich dabei keineswegs nur um Mütter handelt, die einen Betreuungskomplex vorgeben!) auch nach der Babypause seinerseits durchgefüttert werden! Von wem wohl? Außer Frage steht damit, dass viele Protagonistinnen der Babypause die Gleichberechtigung beim Arbeiten und Geldverdienen wohl kaum sehr ernsthaft wollen. Gleichzeitig berufen sie sich aber gerne auf ihren Status als weibliches Opfer (man verzeihe den Pleonasmus!) und suchen die Nähe des opfermystischen Feminismus, der sie als immer neue Belege für die Gemeinheit des Patriarchats ohne weitere Bedenken unter seine Fittiche nimmt. Hauptsache, das gemeinsame Feinbild stimmt! Da sieht frau gerne darüber hinweg, dass das einstige Anliegen der Emanzipation von den neuen Schützlingen durchs Klo gespült wird.
Wie schnell eine Demonstrativemanze ihre eigenen Prinzipien über Bord wirft, bewies erst jüngst Barbara Dribbisch in einer taz-Kolumne: "Er zahlte immer Kindesunterhalt, heiratete aber nie. Seine zweite Freundin lebte mit der Tochter lange von Sozialhilfe. Die dritte Freundin, G., ließ sich lange vom Arbeitsamt unterstützen. Und die vierte liegt jetzt hier im Bikini auf dem Tisch. 'Du hast dir deine serielle Polygamie auch ganz schön vom Staat bezahlen lassen', sage ich, 'andere lassen die Mütter ihrer Kinder nicht auf Sozialhilfe hängen.'" Bis dato gehörte Frau Dribbusch noch zu denen, die entschieden und massiv von Babypausen abraten, weil sie der sichere Weg einer Frau in die ökonomische Abhängigkeit sind. Ist es also doch besser, wenn der Mann die finanzielle Verantwortung übernimmt, weil Frauen - recht eigentlich! - nicht in der Lage sind, ihr Leben allein zu meistern? http://www.taz.de/pt/2004/06/10/a0129.nf/text
Eine Feministin vom Schlag Elisabeth Badinters, die ihre Prinzipien nicht an jeder Ecke über Bord wirft, ihr Engagement nicht auf Feindbilder gründet und der die vulgärfeministische Opfertheologie genauso auf den Sack geht wie uns, ist uns letztlich auch lieber als ein selbstgerechter Maskulismus, wo dieser auffällige, wenn auch spiegelverkehrte, Ähnlichkeiten mit vulgärfeministischer Kasuistik zu übernehmen droht. Soviel intellektuelle Ehrlichkeit muss sein. Zumal bei einer Frau, die die Frage, ob der heutige Feminismus reaktionär sei, einigermaßen unverblümt (auf eine gewisse Art) mit Ja beantwortet. Das sind wir RotenMänner schon unserem Namen schuldig. Und unserem programmatischen Manifest, das wir gerne nochmal in Erinnerung rufen. (www.rotemaenner.de)
Also nichts für ungut, Freunde! Es wären Diskussionen in einem jakobinischen Justemilieu, wo niemand auf die Idee kommen müsste, Kritik zu befürchten. Wo es weniger darum geht, etwas Vernünftiges zu sagen oder zu schreiben als darum, sich gegenseitig in seiner Empörung zu übertreffen. Ähnlich hat die totalitaristische Wende des Feminismus wohl einmal in den AStA-Frauencafés und Lesbenreferaten ihren Ursprung genommen. Es ging nur noch darum, sich gegenseitig in verbalradikalem Eiferertum und im Hass auf den Gegner zu übertreffen. Vor einer solchen Entwicklung kann man nicht früh genug warnen! Zumal vereinzelte maskulistische Online-Foren leider längst dort angekommen und daran zugrunde gegangen sind. Von diesem Vorwurf muss man das oben erwähnte MANNdat-Forum ausdrücklich ausnehmen. Aber es geht nicht nur darum, wie man miteinander umgeht, sondern ob das, was dort palavert wird, auch über den eigenen Kreis hinaus vorzeigbar bleibt! Alles Andere ebnet den Weg in ein organisatorisch und sachlich nur noch auf sich selbst bezogenes Abseits. Maskulismus als selbstreferentielles System: Nein danke!
Ein letztes Problem taucht bei den eingangs erwähnten Debatten am Rande auf: Das spätfeudalistische Familienidyll ist in unserer heutigen, nach Mobilität und Effizienz schreienden Verwertungsgesellschaft obsolet. Das kann man bedauern, sollte man vielleicht sogar. Und jeder, der sich selbst gegen die sozialökonomischen Verwertungskriterien wehrt, hat unseren Respekt solange er nicht allein um dieses Zwecks willen auf Kosten Anderer lebt. Bei der Suche nach neuen gesellschaftlichen Lösungen können die Erfordernisse der Zeit und ihre Zwänge aber nicht außenvor bleiben. Politische Forderungen werden nicht fürs Wolkenkuckucksheim geschrieben und auch nicht für die Beifallstürme bei der Strategiedebatte im Jugendgästehaus. Auch das hat eine Elisabeth Badinter verstanden im Gegensatz zu nicht wenigen von uns! (Wer immer wir sind! )
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EIN HAUCH VON MENGELE:
WIE DER US-SEXUALWISSENSCHAFTLER JOHN MONEY DEN GENDER-BEGRIFF BEGRÜNDETE UND DABEI MENSCHEN ZERSTÖRTE
Mit der Frage, ob Männer und Frauen von Natur aus unterschiedliche Begabungen haben, setzt sich die Wissenschaft (oder das, was sich dafür hält) seit Jahrhunderten auseinander. Herrliche Blüten hat dieses Streben zutage gefördert. Die Neue Zürcher Zeitung rekapitulierte dies am 7. Juni in einem teils launigen, aber auch durchaus informativen Beitrag: http://www.nzz.ch/2004/06/07/fe/page-article9IPS0.html Nimmt man dergleichen nicht gar zu bierernst, so sind schließlich ideengeschichtliche Relikte wie dieses Zitat von Flaubert heute einfach spaßig: Ich bestreite, dass die Frauen etwas von Gefühlen verstehen. Sie nehmen sie stets nur persönlich und relativ wahr. Sie sind die härtesten und grausamsten aller Lebewesen. Und wo solche Auffassungen mit individuellen Erfahrungen korrespondieren (die nicht Wenige gemacht haben!), bezieht man natürlich auch ein wenig Genugtuung daraus, dass man ganz offenbar nicht der Einzige ist, den es böse getroffen hat. Vor die Wahl zwischen der bürgerlichen Ehe und einem Unterwasserkampf mit Riesenalligatoren gestellt, hat nicht nur Johnny Weissmüller den Echsen eine Chance gegeben
Was dagegen auch bis in die jüngste Neuzeit möglich ist, wenn man solche Formen von Forschung und Wissenschaft allzu ernst nimmt, das belegt auf eine geradezu mörderische Weise der Fall des Kanadiers David Reimer (als Bruce Reimer geboren), dessen Fall wegen seines Selbstmords vor einigen Wochen wieder durch die Medien ging. Die Süddeutsche berichtete am 18. Mai ausführlich über den Jungen, der ein Mädchen sein musste, einen berühmten Fall der Sexualwissenschaft und das Opfer einer Irrlehre. Und das war weißgott eine veritable Verniedlichung der Monstrositäten, die diesem Kind angetan wurden.
David Reimer, als Knabe geboren, wurde nach einer missglückten Operation als Mädchen aufgezogen. Er und sein eineiiger Zwillingsbruder Brian sollten Jahre dem renommierten amerikanischen Sexualwissenschaftler John Money als Beweis dafür dienen, dass geschlechtsspezifisches Verhalten keine Frage der Natur sei, sondern eine Frage der Erziehung, der Prägung. Das einst hochgelobte Experiment endete als Fiasko für die Wissenschaft. Von Anfang an aber war es eine Tragödie für David Reimer. (
)
Wegen einer Vorhautverengung war ein kleiner Eingriff notwendig geworden. Bei der Beschneidung kam jedoch ein defektes Elektrogerät zum Einsatz - zu viel Strom verbrannte den Penis des Babys. Das verkohlte Geschlechtsteil fiel stückchenweise buchstäblich ab.
Davids Eltern hörten von dem amerikanischen Sexualforscher John Money von der Johns Hopkins Universität in Baltimore, und wandten sich ein Jahr nach der desaströsen Operation an ihn. Money galt als Koryphäe seines Fachs. Er vertrat die These, das geschlechtsspezifische Verhalten sei allein ein Produkt der Sozialisierung und nicht genetisch festgelegt. Demzufolge könne ein Kleinkind bis zum Alter von 18 Monaten zu jeder sexuellen Identität erzogen werden. Die These wurde in den siebziger und achtziger Jahren begeistert aufgenommen, von Wissenschaftlern - und vor allem in der noch jungen Frauenbewegung: Es galt zu untermauern, dass traditionelle Frauenrollen nicht biologisch bestimmt sind. In Bruce und seinem identischen Zwillingsbruder Brian als Vergleichsobjekt sah Money die ideale Chance, seine These zu beweisen. Der Psychologe überzeugte die blutjungen Eltern, den Jungen als Mädchen mit dem Namen Brenda aufzuziehen.
Den Rest kann man sich fast selbst zusammen reimen. Money verbot den Eltern, ihrer Tochterzu sagen, dass sie als Junge geboren wurde. Aber Brenda rebellierte früh gegen ihre weibliche Identität. Sie benahm sich wie ein Junge, verteidigte ihren Bruder gegen andere, pinkelte im Stehen, wollte keine Puppen, sondern die Spielzeugautos des Bruders. Brenda wurde eine unglückliche Außenseiterin, die Mitschüler verspotteten sie, sie blieb sitzen.
Als Tod durch die Theorie (Death by Theory) hat Wendy McElroy das Schicksal von Bruce alias David in einem Beitrag anlässlich seines Selbstmords bezeichnet. Ihren leicht gekürzten Beitrag, den ihr im Original unter http://www.foxnews.com/story/0,2933,120914,00.html nachlesen könnt, präsentieren wir euch in der, wie üblich, holprigen Übersetzung von Joachim Bell (nach Diktat verreist):
Der kleine Junge, der Bruce Reimer hieß, hatte nie eine Chance. Als Erwachsener zog er am 4. Mai den Freitod einem unerträglichen Leben vor. Hintergrund seines Todes ist eine Theorie, die die Kinder in ganz Nordamerika auch heute noch betrifft: Dass ihre sexuelle Identiät aus der Erziehung resultiere und nicht aus der Natur, und dass diese deswegen durch eine passende soziale Konditionierung komplett verändert werden könne.
Obwohl die Eltern wenig Geld hatten, brachten sie ihren Sohn nach der daneben gegangenen Beschneidung (bei der er sein Geschlechtsteil verlor) zu einer Reihe von Ärzten, bis sie schließlich bei dem medizinischen Psychologen Dr. John Money landeten. Der war gerade dabei, Beweise für eine Theorie zusammenzutragen, die ihm Ruhm und ein Vermögen eintragen sollte.
Bruce wurden die Hoden entfernt und er wurde einer zwölfjährigen Behandlung unterzogen, damit aus Bruce Brenda wurde. Moneys Forschung wurde als Beweis dafür angeführt, dass die sexuelle Identität nichts anderes als ein erlerntes Verhalten sei. Er erklärte, das Benehmen des Kindes sei so eindeutig das eines fröhlichen kleinen Mädchens und stehe in völligem Gegensatz zum jungenhaften Verhalten seines Zwillingsbruders.
Jedes Buch über Gender verwies fortan auf Moneys Experiment und die Tantiemen flossen in seine Tasche. ( ) Feministinnen erklärten die Menschen als von Geburt an psychosexuell neutral und schickten sich an, alles zu verändern, von den Kinderbüchern bis hin zu den Lehrplänen der Schulen, um die Gender-Identität zu verändern, die den Kindern angeblich beigebracht werde. Moneys Untersuchungen unterstützten ihre Behauptung, dass eine patriarchalische Konditionierung und nicht etwa die Natur umfassend verantwortlich sei für die Rolle der Frauen in der Gesellschaft.
Hinter den Kulissen berichtete die Mutter des Kindes, dass Brenda sich die Mädchenkleider runterriss, sich weigerte mit Puppen zu spielen, und darauf bestand, im Stehen zu pinkeln. Davon unbeeindruckt, erklärte Money das Experiment 1972 in seinem Buch Man and Woman, Boy and Girl zu einem Erfolg.
Tatsächlich drängte Money die Reimers, das Geschlechterexperiment an der pubertierenden Brenda zu komplettieren, indem man ihr chirurgisch eine Vagina verpasste. Als sie mit Selbstmord drohte für den Fall, dass sie zu weiteren Behandlungen durch Money gezwungen würde, enthüllten die Reimers die Wahrheit. Brenda nahm den Namen David an und lebte als Mann weiter.
Über seine Kindheit sagte David später: Es war wie eine Gehirnwäsche. Ich würde wirklich alles dafür geben, wenn ich zur Hypnose gehen könnte, um meine komplette Vergangenheit auszulöschen. Weil sie reine Folter ist. Was sie deinem Körper antun ist manchmal nicht annähernd so schlimm wie das, was sie in deinem Geist mit dieser psychologischen Kriegsführung in deinem Kopf anrichten.
Jahrelang schwieg David, während Moneys Version seiner Untersuchungen von Feministinnen gefeiert wurde und auch weiter die Geschlechterpolitik bestimmte. 1997 veröffentlichten der Biologe Milton Diamond und der Psychologe Keith Sigmundson einen Bericht, der das Experiment als einen Fehlschlag und einen Betrug enthüllte und deutlich machte, dass der Fall das Gegenteil dessen belegte, was Money behauptete: Dass in Wahrheit Männlichkeit im Mutterleib entsteht und Geschlechtlichkeit nicht durch medizinische und soziale Eingriffe veränderbar war. Moneys Anwort: Dieser Bericht sei Teil einer antifeministischen Kampagne.
John Colapinto vom Rolling-Stone-Magazin veröffentlichte 2000 ein Buch über den Fall, das den Bericht von Diamond und Sigmundson öffentlich bekannt machte und zu einer Sensation wurde. Kurz darauf veröffentlichte das John-Hopkins-Kinderzentrum zwei wissenschaftliche Studien, die zeigten, dass allein vorgeburtliche Hormone die männliche Geschlechtsidentität bei normalen Säuglingen mit XY-Chromosomen bestimmten selbst wenn sie ohne Penis geboren werden.
Für David Reimer kamen diese Einsichten zu spät. Obwohl er vier chirurgische Versuche ertrug, um seine Männlichkeit und sein Geschlechtsteil wiederherzustellen, war er nicht imstande, über das Vergangene hinwegzukommen. Nach etlichen Rückschlägen in seinem Privatleben beging er mit 38 Jahren Selbstmord. Es war der letzte aus einer Reihe von Selbsttötungsversuchen, die zurückgehen bis in seine Jugend.
Obwohl Moneys Wissenschaft weithin diskreditiert ist, ist der Irrglaube, dass unsere Sexualität gesellschaftlich hergestellt werde, nach wie vor weit verbreitet. Ein sinnvoller erster Schritt zur Wiedergutmachung des Schadens, den dieser Irrglaube angerichtet hat, wäre die Abschaffung eines virtuellen Wortgebrauchs: Wenn wir über sexuelle Identität reden, sollten wir wieder vom Geschlecht statt von Gender sprechen! <
John Money, heute 83 und emeritierter Professor, hat sich im übrigen immer geweigert, Journalisten einen Kommentar zu seinem Experiment zu geben.
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"MÄNNER ZUR GEWALTFREIHEIT ERZIEHEN"
So betitelt der Deutsche Frauenrat einen Aufsatz der Vorsitzenden des Deutschen Frauenrates Inge von Bönninghausen zum Thema "Die 48. Sitzung der UN-Frauenrechtskonferenz" in der Zeitschrift "Frauenrat" 2/2004. Manne vom Berliner Männerrat ließ das geradezu philosophisch werden. Gut war seine Antwort trotzdem:
Nun fragt man sich als bewegter Mann, wer soll denn "Männer zur Gewaltfreiheit" erziehen? Sollen dies andere Männer machen oder sollen die Männer gar von Frauen erzogen werden? Das muss ja bei gewalttätigen Männern schon einmal missglückt sein, nämlich bei der Erziehung des Jungen durch die eigene Mutter. Sollen diese missratenen Muttersöhne nun noch einmal durch Frauen erzogen werden? Möglicherweise soll die Erziehung aber durch weibliche Mitglieder des Deutschen Frauenrates vorgenommen werden. Oder soll dies der deutsche Außenminister Joschka Fischer erledigen, Ex-Sponti aus Frankfurt/Main, der bekanntlich in seinen früheren Zeiten einen Polizisten verprügelt hat und nun geläutert als friedfertiger Mann und Gastredner zu der vom Deutschen Frauenrat veranstalteten Internationalen Konferenz "Geschlecht und Demokratie" vom 11.-13.9.04 im Auswärtigen Amt in Berlin auftritt?
Wie auch immer. Erziehung von Männern, ob nun durch Frauen oder aber auch durch den Außenminister höchstpersönlich, ist bekanntlich ein schwieriges Geschäft, dies hat schon Karl Marx gewusst, als er in der dritten seiner berühmten Feuerbachthesen schrieb:
"3. Die materialistische Lehre, daß die Menschen Produkte der Umstände und der Erziehung, veränderte Menschen also Produkte anderer Umstände und geänderter Erziehung sind, vergißt, daß die Umstände eben von den Menschen verändert werden und daß der Erzieher selbst erzogen werden muß. Sie kommt daher mit Notwendigkeit dahin, die Gesellschaft in zwei Teile zu sondern, von denen der eine über der Gesellschaft erhaben ist. (
)
Das Zusammenfallen des Änderns der Umstände und der menschlichen Tätigkeit kann nur als umwälzende Praxis gefaßt und rationell verstanden werden."
Nähere Informationen zur Konferenz unter www.frauenrat.de. <
Was das soll, mag man sich auch angesichts der Tatsache fragen, dass eine demonstrativ emanzipierte Frau wie die taz-Autorin Barbara Dribbusch sich gerade, am 10. Juni, als Gewalttäterin geoutet hat. Sie sei auf ihren zeitweiligen Lover in rasender Wut mit einem Leichtbügeleisen losgegangen. Ein Leichbügeleisen. Kein ganz schweres! Und bitte, das liegt 20 Jahre zurück, also Schwamm drüber. Wir würden schon gerne wissen, ob der Deutsche Frauenrat Frau Dribbusch in dieser Zeit erfolgreich zur Gewaltlosigkeit erzogen hat. Und wie er es bewerten würde, wenn besagter Lover es gewesen wäre, der die taz-Circe mit einem Bügeleisen das dann garantiert kein Leichtbügeleisen gewesen wäre! traktiert hätte.
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Ganz entzückend war zum guten Schluss ein Beitrag bei Spiegel-online über den Einzug des politisch korrekten feministischen Neusprechs in die Unterwelt: Du meinst also, dass wir die Wei... äh, die Frauen in Zukunft immer mit nennen?, fragt Ohrfeigen-Toni verunsichert. Ganz genau! Ab sofort heißt es Leibwächterinnen und Leibwächter, Kurierinnen und Kuriere, Dealerinnen und Dealer. Hältst du das wirklich für eine gute Idee, Boss? Na klar! Meine Ideen sind immer gut! Und jetzt rufst du die Negerinnen und Neger von der neuen Schnellreinigung an und sagst, wenn sie nicht bis morgen zahlen, dann schicken wir ihnen unsere Schlägerinnen und Schläger auf den Hals! Lest den ganzen Beitrag unter http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,293425,00.html
Wie schon gesagt, wir arbeiten aktuell mit schmaler Besetzung unter den harten Bedingungen des mitteleuropäischen Hochsommers. Habt also bitte Verständnis, wenn die RotenMännerInfos derzeit nicht in der gewohnten Taktung erscheinen. Den harten RMI-Junkies empfehlen wir, wie stets um diese Jahreszeit, das ziellose Stöbern in unserem unordentlichen Online-Archiv. Die Geschichte des RoteMännerInfos ist voller wunderbarer Devotionalien und wertvoller Reliquien.
Und damit mal wieder geschafft hat es
Euer RedManAlex
(14.06.2004)