Studie über Scheidungsväter - Wie seriös ist sie?
Gastredner, Sunday, 13.06.2004, 19:46 (vor 7908 Tagen)
Des längeren liegt eine Studie über zahlungspflichtige Scheidungsväter von Dr. Gerhard Amendt vor.
Neben der Erforschung der Situation von Scheidungsvätern hat die Studie auch einen Schwerpunkt auf Gewalt von Frauen an Männern.
Dazu wurden mehr als 3000 Männer befragt.
Ein Großteil der Fragen wurde per Internet eingeholt. Neben der Frage, wer die Studie finanziert hat (ein Mäzan), ist dies einer der Kritikpunkte an der Studie. Wegen der Internetbefragung wird sie als unwissenschaftlich abgewertet. Die Frage nun, ist die Kritik zutreffend?
Re: Studie über Scheidungsväter - Wie seriös ist sie?
Bruno, Monday, 14.06.2004, 14:56 (vor 7907 Tagen) @ Gastredner
Als Antwort auf: Studie über Scheidungsväter - Wie seriös ist sie? von Gastredner am 13. Juni 2004 16:46:26:
Kritik an der Kritik:
Warum gilt eine Befragung als unwissenschaftlicher, wenn man die Fragebögen per E-Mail anstatt als Brief zugesendet bekommt?
Wo steht, dass das Projekt durch einen Mäzen finanziert wurde? Und wer ist dieser Mäzen? Und wenn dies stimmt, wo soll das Geld sonst herkommen? In der Wissenschaft ist es üblich, dass Forschungen verschiedenst finanziert werden und kann ohne Hinweise auf gezielte Manipulationen nicht als wirklicher Kritikpunkt gelten. Warum finanziert das Familienministerium, das für Scheidungsväter eigentlich zuständig ist, keine solche Studie? Warum müssen das andere tun? Antwort: Weil Männerforschung bei weitem nicht die Unterstützung von staatlicher Seite bekommt wie Frauenforschung. Übrigens ein klarer Verstoß gegen Gender Mainstreaming.
Fazit: Die Kritikpunkte sind nicht ausreichend fundiert und basieren auf Vorurteilen (E-Mail-Zusendungen sind immer unwissenschaftlich; Fremdfinanzierung gibt immer falsche Resultate). Aber eine Kritik braucht ja nicht fundiert zu sein. Man muss nur wissen, ob man eine Kritik ernst nehmen muss.
IMHO
Bruno
Gleichberechtigung ist etwas Tolles. Schade, dass sie nur für Frauen gilt.
Re: Studie über Scheidungsväter - Wie seriös ist sie?
Hetzi, Tuesday, 15.06.2004, 04:36 (vor 7907 Tagen) @ Bruno
Als Antwort auf: Re: Studie über Scheidungsväter - Wie seriös ist sie? von Bruno am 14. Juni 2004 11:56:47:
Wo steht, dass das Projekt durch einen Mäzen finanziert wurde?
Im Vorwort des Zwischenberichtes unter http://www.vaeterstudie.de/texte/zwischenbericht.htm
steht das so beschrieben.
Und wer ist dieser Mäzen? Und wenn dies stimmt, wo soll das Geld sonst herkommen? In der Wissenschaft ist es üblich, dass Forschungen verschiedenst finanziert werden und kann ohne Hinweise auf gezielte Manipulationen nicht als wirklicher Kritikpunkt gelten.
In einer Kritik einer Studie muss auch betrachtet werden, von welchem Kreis diese finanziert worden ist. Aber die Betrachtung der Finanzierung sollte nur ein kleiner Teil sein, sonlange keine unlauter Einflussnahme nachgewiesen ist.
Warum finanziert das Familienministerium, das für Scheidungsväter eigentlich zuständig ist, keine solche Studie? Warum müssen das andere tun? Antwort: Weil Männerforschung bei weitem nicht die Unterstützung von staatlicher Seite bekommt wie Frauenforschung. Übrigens ein klarer Verstoß gegen Gender Mainstreaming.
Fazit: Die Kritikpunkte sind nicht ausreichend fundiert und basieren auf Vorurteilen (E-Mail-Zusendungen sind immer unwissenschaftlich; Fremdfinanzierung gibt immer falsche Resultate). Aber eine Kritik braucht ja nicht fundiert zu sein. Man muss nur wissen, ob man eine Kritik ernst nehmen muss.
Ich weiss nicht, wie die Studie durchgefuehrt wurde. Wenn sie sich aber beispielsweise ausschliesslich auf einer Internetbefragung stuetzt (insbesndere wenn die Befragten uebers Internet gesucht werden), so kann damit keine repaesentative Aussage ueber all Scheidungsvaeter in sauberer statistische Form gemacht werden, da damit einige Bevoelkerungsschichten ueberrepraesentiert sind und andere praktisch ausgeschlossen sind.
Weiss jemand etwas genaueres wie die Studie wirklich erstellt wurde?
Hetzi
Re: Studie über Scheidungsväter - Wie seriös ist sie?
Odin, Tuesday, 15.06.2004, 18:31 (vor 7906 Tagen) @ Hetzi
Als Antwort auf: Re: Studie über Scheidungsväter - Wie seriös ist sie? von Hetzi am 15. Juni 2004 01:36:44:
Weiss jemand etwas genaueres wie die Studie wirklich erstellt wurde?
Es waren größtenteils persönliche Befragungen, in wenigen Fällen genügte auch das Ausfüllen eines Fragebogens - je nach Fall.
Re: Studie über Scheidungsväter - Wie seriös ist sie?
Altschneider, Thursday, 17.06.2004, 01:12 (vor 7905 Tagen) @ Hetzi
Als Antwort auf: Re: Studie über Scheidungsväter - Wie seriös ist sie? von Hetzi am 15. Juni 2004 01:36:44:
Ich weiss nicht, wie die Studie durchgefuehrt wurde. Wenn sie sich aber beispielsweise ausschliesslich auf einer Internetbefragung stuetzt (insbesndere wenn die Befragten uebers Internet gesucht werden), so kann damit keine repaesentative Aussage ueber all Scheidungsvaeter in sauberer statistische Form gemacht werden, da damit einige Bevoelkerungsschichten ueberrepraesentiert sind und andere praktisch ausgeschlossen sind.
Weiss jemand etwas genaueres wie die Studie wirklich erstellt wurde?
Tatsächlich wurden die Teilnehmer überwiegend über das Internet gesucht, allerdings wurden auch wichtige Multiplikatoren wie der VafK angeschrieben mit der Bitte, Betroffenen die Befragung kundzutun und es bestand die Möglichkeit, sich den Fragebogen auch per Post zusenden zu lassen. Sicher ist die Gruppe der Scheidungs-Väter, die sich noch einen Internet-Anschluss leisten können, überrepräsentiert, aber da die finanziellen Verhältnisse nicht im Zentrum der Studie standen, ist sie bei über 3500 Teilnehmern aus allen möglichen Gesellschaftschichten meiner Meinung nach repräsentativ. Man wird den Datenband (Ende des Jahres) abwarten müssen.
Der Mäzen hat übrigens nur das Thema vorgegeben und das Geld vorher zur Verfügung gestellt - auf die Einflussnahme bei der Auswertung wollte sich nämlich Amendt nicht einlassen, sagte er. Tatsächlich hätte das IGG wohl ohne diese Spende nicht in diese Richtung geforscht - weil nämlich für derart Themen kein Geld zur Verfügung steht. Der Einfluss staatlicher Stellen oder der DFGs auf die Interpretation der Ergebenisse dürfte übrigens ungleich höher sein als der eines privaten Mäzens.
Altschneider
Re: Studie über Scheidungsväter - Wie seriös ist sie?
Hetzi, Thursday, 17.06.2004, 19:16 (vor 7904 Tagen) @ Altschneider
Als Antwort auf: Re: Studie über Scheidungsväter - Wie seriös ist sie? von Altschneider am 16. Juni 2004 22:12:39:
Weiss jemand etwas genaueres wie die Studie wirklich erstellt wurde?
Tatsächlich wurden die Teilnehmer überwiegend über das Internet gesucht, allerdings wurden auch wichtige Multiplikatoren wie der VafK angeschrieben mit der Bitte, Betroffenen die Befragung kundzutun und es bestand die Möglichkeit, sich den Fragebogen auch per Post zusenden zu lassen. Sicher ist die Gruppe der Scheidungs-Väter, die sich noch einen Internet-Anschluss leisten können, überrepräsentiert, aber da die finanziellen Verhältnisse nicht im Zentrum der Studie standen, ist sie bei über 3500 Teilnehmern aus allen möglichen Gesellschaftschichten meiner Meinung nach repräsentativ. Man wird den Datenband (Ende des Jahres) abwarten müssen.
Die Gefahr, dass dabei eine nicht repräsentative Umfrage herauskommt ist allerdings sehr gross. Wenn bei einer Scheidungs-Väterbefragung überwiegend Väter aus Maskulistischen- oder Männerrechtskreisen mitmachen, so hat diese Befragen ein Problem mit der Repräsentativität für alle Väter. Ebenso, wie beipielseweise eine Befragung über die Essgewohnheiten in einem Fastfood-Restorante nicht wirklich für alle Aussagekräftig sein wird. Oder auch das Beispiel der Befragung zur Gewalt in der Familie in einem Frauenhaus wird auch nicht verallgemeinerbar für alle sein.
Das Problem ist da weniger die Verteilung über die Gesellschaftsschichten, sondern dass eine derartige Umfrage nur eine Personengruppe anspricht, von der man erwarten kann, in eine bestimmte Richtung zu tendieren.
Wie das nun bei der Befragung der Scheidungsväter sein wird, wird sich zeigen. Es liegt aber der Verdacht nahe, dass durch die Befragungsmethode einige Gruppen unter den Scheidungsväter untervertreten sein werden. Beispielsweise diejenigen die als Zahlvater, ohne Kontakt zum Kind, zufrieden sind. Übervertreten dürften vermutlich alle mit der Scheidungsregelung unzufriedenen Väter sein, da diese leichter über einen Fragebogen erreichbar sind. (Hab aber keine Ahnung wie gross diese Gruppen sind)
Re: Studie über Scheidungsväter - Wie seriös ist sie?
Norbert, Thursday, 17.06.2004, 20:25 (vor 7904 Tagen) @ Hetzi
Als Antwort auf: Re: Studie über Scheidungsväter - Wie seriös ist sie? von Hetzi am 17. Juni 2004 16:16:54:
Hi
Wie das nun bei der Befragung der Scheidungsväter sein wird, wird sich zeigen. Es liegt aber der Verdacht nahe, dass durch die Befragungsmethode einige Gruppen unter den Scheidungsväter untervertreten sein werden. Beispielsweise diejenigen die als Zahlvater, ohne Kontakt zum Kind, zufrieden sind. Übervertreten dürften vermutlich alle mit der Scheidungsregelung unzufriedenen Väter sein, da diese leichter über einen Fragebogen erreichbar sind. (Hab aber keine Ahnung wie gross diese Gruppen sind)
Dieses ist ein Problem jeglicher Befragung.
Die Unzufriedenen sind vermutlich immer überrepräsentiert.
Somit entsteht auch keine Aussage über die Qualität bzgl. der Repräsentiertheit.
Die Befragungen selbst, und die Auswertung dieser erscheinen aber seriös.
Und dieses war doch die Ausgangsfrage?
Gruß
Norbert
Re: Studie über Scheidungsväter - Wie seriös ist sie?
Peter, Monday, 14.06.2004, 16:52 (vor 7907 Tagen) @ Gastredner
Als Antwort auf: Studie über Scheidungsväter - Wie seriös ist sie? von Gastredner am 13. Juni 2004 16:46:26:
Ein Großteil der Fragen wurde per Internet eingeholt. Neben der Frage, wer die Studie finanziert hat (ein Mäzan), ist dies einer der Kritikpunkte an der Studie. Wegen der Internetbefragung wird sie als unwissenschaftlich abgewertet. Die Frage nun, ist die Kritik zutreffend?
Zur Finanzierung: Ich sehe nicht, warum in einem solchen politisch geladenen Feld eine staatliche Forschungsförderung besser sein sollte als eine private. JEDE Forschung in diesem Bereich wird sich mit dem Vorwurf auseinandersetzen muessen, Gefälligkeitsforschung zu sein; ihr fehlt der Bonus der Objektivität wie z.B. in den Naturwissenschaften. Die Forscher muessen dies bei der Vorbereitung, Durchfuehrung und Veröffentlichen der Studie beruecksichtigen. Das allein macht ihre Daten aber doch nicht wertlos.
Zur Internetbefragung: Wer hat die Studie abgewertet? Wenn er dies allein wegen der Benutzung des Internets täte, disqualifizierte er sich selber. Dagegen sollte man Fragen der Vergleichbarkeit von Telefon- und Internetinterviews durchaus in die Analyse der Daten einbeziehen.
Gruß,
Peter