Wer heiratet wen?
Ehen werden nicht mehr im Himmel, sondern auf dem Campus geschlossen
Birgit und Volker haben sich während ihres Biologiestudium in Erlangen kennen gelernt. Luca und Laura liefen sich in einer römischen Studentenkneipe über den Weg. " In den letzten 50 Jahren ist in den meisten modernen Gesellschaften das Bildungssystem zu einem immer wichtigeren Partnermarkt geworden", faßt Hans-Peter Blossfeld ein zentrales Ergebnis seiner international vergleichenden Studie "Wer heiratet wen?" zusammen...
Dabei zeigte sich, dass Schulen und Universitäten ein idealter Tummelplatz für Beziehungswillige sind. Denn im Zuge der Bildungsexpansion, so Blossfeld, verweilen junge Leute zunehmend länger in der Ausbildung. Auch hat die Frauenquote an den Unis ein hohes Niveau erreicht.
Diese Entwicklung gilt für vile Kulturen: "In allen von uns untersuchten Industrienationen, auch in den traditionellen Gesellschaften wie Italien oder Spanien, ist die Neigung gestiegen, jemanden mit dem gleichen Bildungsgrad zu ehelichen", konstatiert Blossfeld.
Das hat weitreichende gesellschaftliche Konsequenzen: Weil Hochqualifizierte nun Hochqualifizierte heiraten, statt ihren sozialen Status und ihr hohes Einkommen mit jemandem zu teilen, der weniger Geld und gesellschaftliches Ansehen hat, "verstärkt sich quasi hinter dem Rücken der Individuen und völlig ungeplant die soziale Ungleichheit", so Blossfeld. Durch einen Heirat auf gleichem Bildungsniveau schließen sich soziale Kreise: Die Folgen dieser geschlossenen Gesellschaften werden vor allem die nachfolgenden Generationen spüren, die unter den verschärten sozialen und ökonomischen Bedingungen aufwachsen müssen.
Und weil gebildete junge Frauen Männer mit höherem oder mindestens gleichem Schulabschluß bevorzugen, wird der Pool idealer Ehemänner immer kleiner. Wenn dieser Pool bereits erschöpft ist, bleiben die meisten Frauen lieber ledig, als einem Gärtner oder Tankwart das Jawort zu geben. Vielleicht ein weiser Entschluss: Blossfelds Studien haben ergeben, dass Ehen zwischen einer Akasemikerin und einem weniger qualifizierten Partner die höchsten Scheidungsraten aufweisen.
aus Psychologie heute Juni 04