Vaterschaftstests
Vorrang für Mutter und Kind
Regierung will heimliche Vaterschaftstests verbieten
Von Andreas Hoffmann
Berlin - Die Bundesregierung will heimliche Vaterschaftstests per Gen-Analyse verbieten. Das kündigte Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) gegenüber der Süddeutschen Zeitung an. Wie sie sagte, ist das Verbot in dem geplanten Gentestgesetz vorgesehen, über das in der Koalition derzeit beraten wird. Zypries begründete dies damit, dass Mutter und Kind die Hoheit über ihre Daten behalten müssten. ¸¸Wer heimlich Gene bestimmen lässt, greift in das informationelle Selbstbestimmungsrecht der Beteiligten ein", sagte sie. Dabei gehe es um intime Informationen, die ¸¸nicht ohne Einwilligung der Betroffenen genutzt werden dürfen".
Hintergrund ist eine Zunahme von Erbgutanalysen. Datenschützer sprechen bereits von einer ¸¸Kommerzialisierung von Gentests". So bieten Firmen Verfahren an, bei denen ein Haar oder eine Speichelprobe des Kindes genügt, um die Abstammung festzustellen - Kosten etwa 300 bis 500 Euro. Zypries befürchtet, dass durch die Werbung in den Familien oft ein Druck aufgebaut werde, die Vaterschaft heimlich zu testen, etwa von unbeteiligten Dritten. ¸¸Auf diese Weise kann rechtswidrig in sozial funktionierende Familien eingegriffen werden", sagte sie. Dies sei unnötig, weil ein an der Vaterschaft zweifelnder Mann schon heute ein Gerichtsverfahren anstreben könne. Zudem gebe es eine rechtliche Grauzone. ¸¸Mit unserem Gesetzentwurf wollen wir die Rechtslage eindeutig klarstellen", sagte sie und spielte auf ein Urteil des Landgerichts München an. Die Richter hatten entschieden, dass unverheiratete Väter die Abstammung eines Kindes überprüfen können, ohne die Mutter zu fragen. Kritiker befürchten aber, dass ein Verbot wenig nützt. Die Genlabors würden ins Ausland verlagert und von dort aus Tests anbieten. Unklar ist wie viele Sprösslinge so genannte Kuckuckskinder sind, bei denen der ¸¸Papa" nicht der leibliche Vater ist. Einige Studien beziffern den Anteil auf zehn Prozent, die Untersuchungen sind aber umstritten.
Noch ist an Zypries Vorhaben einiges unklar, etwa wie Verstöße geahndet werden sollen. ¸¸Möglich sind Geldbußen oder Geldstrafen, da haben wir uns noch nicht entschieden", sagte sie. Offen ist auch, wann das Gesetz in Kraft treten wird. Die Koalition berät seit drei Jahren darüber, wobei sie nicht nur heimliche Vaterschaftstests verbieten, sondern auch Vorgaben für Arbeitgeber, Versicherungen und Forscher machen will, wie diese mit Gentests umgehen dürfen. Auf ein Datum wollte sich Zypries nicht festlegen, das Gesetz soll bis Herbst 2006 verabschiedet sein. Ursprünglich sollte im Frühjahr 2004 ein Entwurf vorliegen, federführend ist aber nicht Zypries" Haus, sondern Sozialministerin Ulla Schmidt.
In dem Gentestgesetz soll es auch eine verpflichtende Beratung für Menschen geben, die ihre Gene auf Erbkrankheiten untersuchen lassen. ¸¸Wir wollen verhindern, dass die Menschen mit der Diagnose und der Aussagekraft dieser Analyse allein gelassen werden", sagte Zypries. Häufig könnten die Bürger die Ergebnisse nicht richtig einordnen.
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Meine Frage wäre, ob man da etwas dagegen tun könnte, anstatt sich weiter wie das Lamm zur Schlachtbank führen zu lassen