Lehrstück Emmalein
Ich wiederhole mich, wenn ich sage, Emmalein ging es nicht ums diskutieren, sondern darum, eine echte Diskussion zu verhindern. Sie hat also ein falsches Spiel gespielt, und es ist gut für das Forum, daß sie jetzt die rote Karte gezeigt bekommen hat. Der "Fall Emmalein" könnte aber noch eine Betrachtung wert sein - als Lehrstück. (Allerdings nicht mehr heute um halb zwölf...)
Wir haben erlebt - wenn alle Emmalein so erlebt haben wie ich - wie so etwas funktioniert, und wie weit jemand wie Emmalein damit kommen kann. Anstatt jetzt das Kapitel zu schließen, wäre es nur konsequent, einmal zu analysieren, wie sie das gemacht hat.
Vermutlich gibt es zwei Sorten Menschen: Die einen überprüfen laufend ihre eigene Argumentation und wollen sie in einer Diskussion austesten, weil sie nach Gewißheit streben. Den anderen ist dergleichen wurscht, solange sie in Gesprächen oben auf sind und ihnen niemand ins Gesicht sagen kann, daß sie im Unrecht sind. Notfalls durch ein "Was interessiert mich mein dummes Geschwätz von gestern." Wem der eigene Standpunkt nur Mittel zu diesem Zweck ist, dem fällt das auch leicht.
Es wäre jetzt ein Sexismus, wenn man diesen Tendenzen Geschlechter zuordnen wollte. Man täte verdammt vielen Frauen Unrecht, wenn man sie als unentdeckte Emmaleins darstellte. Aber mein Eindruck ist, daß Männer von der zweiten Sorte Mensch schneller auffallen als Frauen, während sich Frauen bei sowas geschickter anstellen. Insofern wäre es interessant, sich Emmaleins Postings noch einmal anzusehen. Wie hat sie das gemacht, daß man doch immer wieder geantwortet hat?
(Allerdings nicht mehr heute um viertel vor zwölf...)
