Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Nachdenkliches im WDR

Jeremin, Thursday, 20.05.2004, 12:39 (vor 7932 Tagen)

Da wir nun alle mal dabei sind, die Berichterstattung in den Medien zu feiern, hier noch was.

Gestern lief im WDR wieder die erstklassige Reportagereihe "Menschen hautnah". Diesmal ging es um ein lesbisches Paar, deren einer Teil sich langsam zum Mann wandelte. Es ging weniger um die Geschlechtsumwandlung, als weit mehr um das Geschlechtsverständnis schlechthin. Trotz Brustamputation und Hormongaben, trotz täglicher Rasur blieb Ines anfangs innerlich gespalten, nahm aber die männliche Rolle mehr und mehr an. Sie fühlte sich dennoch mehr als ein zwischengeschlechtliches Wesen mit wesentlich mehr Möglichkeiten der Erfahrung als "Eingeschlechtler".

Dazu mag jeder stehen, wie er mag. Ich persönlich habe Ines ihr Glücklichsein nicht so abgenommen, aber ein Nebensatz ließ mich besonders aufhorchen.

Zitat: "Ich möchte eigentlich kein Mann sein in einer Welt, in der Männer so behandelt werden."

Ich möchte hinzufügen: "...und es sich gefallen lassen."

Das Thema wurde nicht weiter verfolgt, auch weil sich die Macher der Reportage vorbildlich an die alte Journalistenregel halten, dass der Berichterstatter immer hinter seinem Thema zurücktritt. Zu Wort kamen fast ausschließlich die Protagonisten.

In diesem Zusammenhang möchte ich noch auf ein weiteres Thema hinweisen, das meines Erachten nach eine Gefahr für dieses Forum bedeutet.

Hier wird vehement und zu Recht gegen Feministinnen und "Frauenrechtlerinnen"(wo kann man diesen Beruf eigentlich lernen?)
zu Felde gezogen. Das Forum ist auch ein Platz, um seelischen Kram abzuladen, why not.

Aber ich habe das sichere Gefühl, wir vergessen hier eine Klasse von Frauen, die es meiner Erfahrung nach gar nicht so selten gibt und die eigentlich unsere natürlichen Verbündeten sein könnten. Ich meine Frauen, die die Rolle der Versorgten entschieden ablehnen, die prima mit Männern klarkommen, ohne sich unterworfen oder übervorteilt zu fühlen, die selbstbewußt ihre Ziele vertreten, ohne die der Männer in Grund und Boden zu verteufeln. Frauen der Tat meinethalben. (Die, die ich kenne, sind ohne Ausnahme in Vollzeit berufstätig.)

Sie stellen sicher noch nicht die Mehrheit der Frauen, aber wir sollten uns hüten, alles, was fünf Tage am Stück bluten kann, ohne zu sterben, in einen Topf zu werfen. Und Feuer drunter zu machen. Das könnte überkochen.

Statt dessen sollten wir den Frauen klarmachen, was konkret wir von IHNEN wollen. Und was gefälligst überhaupt nicht. Uns gegen Übergriffe zu wehren und gegenseitig wachzurütteln, ist nur der erste Schritt. Die gegenwärtige Medienkampagne zeigt ja nur Zustände auf, bietet aber keine Lösungen an. Und ist so eigentlich auch kein Grund zum Jubeln, oder?

Re: Nachdenkliches im WDR

Eugen Prinz, Thursday, 20.05.2004, 13:52 (vor 7932 Tagen) @ Jeremin

Als Antwort auf: Nachdenkliches im WDR von Jeremin am 20. Mai 2004 09:39:20:

Aber ich habe das sichere Gefühl, wir vergessen hier eine Klasse von Frauen, die es meiner Erfahrung nach gar nicht so selten gibt und die eigentlich unsere natürlichen Verbündeten sein könnten.

Ich wäre dafür, bin aber skeptisch, ob wir sie für unsere "unappetitlichen Themen" gewinnen können. Es ist ja schon hart genug, männliche Mitstreiter zu gewinnen.

Ich meine Frauen, die die Rolle der Versorgten entschieden ablehnen, die prima mit Männern klarkommen, ohne sich unterworfen oder übervorteilt zu fühlen, die selbstbewußt ihre Ziele vertreten, ohne die der Männer in Grund und Boden zu verteufeln. Frauen der Tat meinethalben.

Genauso ein Mann bin ich auch (um es mal rumzudrehen) und ich frage mich manchmal, was ich hier eigentlich zu suchen habe ;-)

Sie stellen sicher noch nicht die Mehrheit der Frauen, aber wir sollten uns hüten, alles, was fünf Tage am Stück bluten kann, ohne zu sterben, in einen Topf zu werfen.

Ist das nicht eher eine private Übung, die ich natürlich befürworte, die aber jeder selbst leisten muss?

Statt dessen sollten wir den Frauen klarmachen, was konkret wir von IHNEN wollen. Und was gefälligst überhaupt nicht.

...und auch das wäre m.E. eher privat zu leisten, sofern wir nicht aufbrechen wollen, um die aufgegebenen Plätze in den Medien wieder zu erobern, die schon lange von feministischer Deutungshoheit monopolisiert werden.

Denn damit muss es ja anfangen. Auch diese Forum ist so ein Platz. Wenn wir nicht aufpassen, dann haben wir hier jeden Tag zehn Seiten vulgärfeministisches Gegiggel, und unsere vernünftigen, durchdachten, maßvollen, fairen Beiträge verschwinden im Archiv...

Einen schönen Tag
wünscht dir
Eugen

Re: Nachdenkliches im WDR

Jeremin, Thursday, 20.05.2004, 17:56 (vor 7932 Tagen) @ Eugen Prinz

Als Antwort auf: Re: Nachdenkliches im WDR von Eugen Prinz am 20. Mai 2004 10:52:37:

Auf Gegiggel muss man ja nicht antworten. Und schon verschwindet es in der Bedeutungslosigkeit. Für selbstverliebte Giggeleien gibt es mittlerweile Weblogs und Girlzines und so weiter.

Grüße
Jeremin

Re: Nachdenkliches ... the focus of interest

Eugen Prinz, Thursday, 20.05.2004, 19:03 (vor 7932 Tagen) @ Jeremin

Als Antwort auf: Re: Nachdenkliches im WDR von Jeremin am 20. Mai 2004 14:56:20:

Auf Gegiggel muss man ja nicht antworten. Und schon verschwindet es in der Bedeutungslosigkeit. Für selbstverliebte Giggeleien gibt es mittlerweile Weblogs und Girlzines und so weiter...

...und dieses Forum hier offenbar. Es wird ja munter weiter geantwortet.

Nur mal zur Illustration, wo bei Emmalein der "focus of interest" liegt, aus einem einzigen Beitrag von ihr:

Ich halte es für eine dikatorische Vorgehensweise...
Ich halte es für falsch und faschistoid...
Ich glaube nicht, dass alle Maskulisten Faschisten sind...
Ich glaube, dass manche sich die Konsequenzen ihres Denkens und Redens nicht wirklich klarmachen.
Ich bin bereit zur Diskussion bis zu gewissen Punkten...

Wie großzügig von ihr...

Re: Nachdenkliches ... the focus of interest

Paul, Thursday, 20.05.2004, 19:15 (vor 7932 Tagen) @ Eugen Prinz

Als Antwort auf: Re: Nachdenkliches ... the focus of interest von Eugen Prinz am 20. Mai 2004 16:03:05:

Wenn ich deine Logik richtig verstehe: Da der gemeine Nutzer dieses Forums nicht in der Lage ist, auf Emmaleins Beiträge NICHT zu antworten, muß man ihm diese Entscheidung abnehmen und sie sperren, damit sich das Problem nicht mehr stellt. Interessant. Aber ehrlich gesagt entscheide ich gerne - und die meisten anderen wohl auch - selbst, auf was ich antworte und auf was nicht.

Die blosse Tatsache, daß Emmalein mitunter Beiträge schreibt, bei denen auch mir sprichwörtlich "der Hut hochgeht", rechtfertigt ja schon keine Sperrung. Aber die fehlende Einsicht der anderen Forumsteilnehmer, man solle doch besser nicht auf ihre Beitrage antworten, als Argument für eine Sperrung heranzuziehen - das ist nun wirklich das absurdeste und arroganteste, was ich in dieser Diskussion bisher gelesen habe. Vielleicht solltest du aufpassen, daß du Emmalein in Bezug auf diese Aspekte nicht mit wehenden Fahnen auf der linken Spur überholst.

Gruß,
Paul

>Auf Gegiggel muss man ja nicht antworten. Und schon verschwindet es in der Bedeutungslosigkeit. Für selbstverliebte Giggeleien gibt es mittlerweile Weblogs und Girlzines und so weiter...
...und dieses Forum hier offenbar. Es wird ja munter weiter geantwortet.
Nur mal zur Illustration, wo bei Emmalein der "focus of interest" liegt, aus einem einzigen Beitrag von ihr:
Ich halte es für eine dikatorische Vorgehensweise...
Ich halte es für falsch und faschistoid...
Ich glaube nicht, dass alle Maskulisten Faschisten sind...
Ich glaube, dass manche sich die Konsequenzen ihres Denkens und Redens nicht wirklich klarmachen.
Ich bin bereit zur Diskussion bis zu gewissen Punkten...

Wie großzügig von ihr...

Re: Nachdenkliches ... the focus of interest

Eugen Prinz, Thursday, 20.05.2004, 20:40 (vor 7932 Tagen) @ Paul

Als Antwort auf: Re: Nachdenkliches ... the focus of interest von Paul am 20. Mai 2004 16:15:55:

Wenn ich deine Logik richtig verstehe: Da der gemeine Nutzer dieses Forums nicht in der Lage ist, auf Emmaleins Beiträge NICHT zu antworten, muß man ihm diese Entscheidung abnehmen und sie sperren, damit sich das Problem nicht mehr stellt. Interessant. Aber ehrlich gesagt entscheide ich gerne - und die meisten anderen wohl auch - selbst, auf was ich antworte und auf was nicht.
Die blosse Tatsache, daß Emmalein mitunter Beiträge schreibt, bei denen auch mir sprichwörtlich "der Hut hochgeht", rechtfertigt ja schon keine Sperrung. Aber die fehlende Einsicht der anderen Forumsteilnehmer, man solle doch besser nicht auf ihre Beitrage antworten, als Argument für eine Sperrung heranzuziehen - das ist nun wirklich das absurdeste und arroganteste, was ich in dieser Diskussion bisher gelesen habe. Vielleicht solltest du aufpassen, daß du Emmalein in Bezug auf diese Aspekte nicht mit wehenden Fahnen auf der linken Spur überholst.
Gruß,
Paul

ja, danke für die Blümchen. Aber du verstehst meine Logik nicht richtig.

Die Diskussion läuft auf die Frage raus, ob die Männer hier im Forum ihre Benachteiligungen und Diskriminierungen lieber mit Feministinnen diskutieren wollen, oder ob sie etwas daran ändern wollen.

Das wird sich ja herausstellen, und jeder kann sich dann danach richten. Es bedarf also keiner bösen Worte.

Re: Nachdenkliches ... the focus of interest

Rüdiger, Sunday, 23.05.2004, 14:51 (vor 7929 Tagen) @ Eugen Prinz

Als Antwort auf: Re: Nachdenkliches ... the focus of interest von Eugen Prinz am 20. Mai 2004 17:40:03:

ja, danke für die Blümchen. Aber du verstehst meine Logik nicht richtig.
Die Diskussion läuft auf die Frage raus, ob die Männer hier im Forum ihre Benachteiligungen und Diskriminierungen lieber mit Feministinnen diskutieren wollen, oder ob sie etwas daran ändern wollen.

Genauso ist es. Also ich zumindest will das Forum hier "frei von Spam" haben und konzentriert und ohne "Streuverluste" darüber reden, wie man die Mißstände abstellen kann; auf irgendwelche argumentativ eh nicht erreichbaren Sturköpfe einzureden und zeitvergeudend sich den Mund fusslig zu reden, ob diese Mißstände überhaupt bestehen, das will ich nicht. Als die Astronomen erst einmal die Richtigkeit des heliozentrischen Weltbilds eingesehen hatten, haben sie ja auch nicht all ihre Zeit damit vergeudet, bis sie auch den letzten Bauern und Klerikalen davon überzeugt hatten, daß die Erde nicht im Mittelpunkt steht, sondern sie haben diese Leute möglichst ignoriert und in aufgeschlossenen Fachkreisen ihre Erkenntnisse weiter vorangetrieben, ungehindert durch fruchtlose, weil unproduktive Streitereien mit irgendwelchen Ignoranten. Auf die muß man halt nur (gezwungenermaßen) eingehen, wenn sie leider, leider in einer Machtposition sind und den Fortgang blockieren wie ein dicker Stein den Fluß. Wenn ein Emmalein in politisch führender Position wäre, müßten wir uns notgedrungen damit auseinandersetzen (und/oder gleichzeitig Wege zu ihrer Abwahl oder Umgehung suchen), ist sie aber nur eine unnötig nervende Privatperson, kann sie ohne große Imageschäden einfach rausfliegen.

Herzliche Grüße

Rüdiger

Re: Nachdenkliches ... the focus of interest

Eugen Prinz, Sunday, 23.05.2004, 16:28 (vor 7929 Tagen) @ Rüdiger

Als Antwort auf: Re: Nachdenkliches ... the focus of interest von Rüdiger am 23. Mai 2004 11:51:02:

...danke, tut gut auch mal richtig verstanden zu werden ;-)

Eugen

Re: Nachdenkliches ... the focus of interest

michail, Thursday, 20.05.2004, 20:40 (vor 7932 Tagen) @ Paul

Als Antwort auf: Re: Nachdenkliches ... the focus of interest von Paul am 20. Mai 2004 16:15:55:

Hi Paul,

Eugen votierte innerhalb einer gestarteten Umfrage. Diese Umfrage hatte glaube zum Ziel nicht die Arroganten von den Moralisten zu trennen, sondern eine Entscheidung darüber zu treffen, ob die inhaltliche Unversehrtheit des Forums den meisten wichtiger ist, als moralistische Formalien wie: „Um Himmels Willen, niemanden aussperren!“

Denjenigen, der konsequent eine Sperrung verteidigt, moralistisch anzugehen, ist eine leichte Übung. So leicht wie jeden als Ideologen abzutun, der sich traut, kulturgeschichtliche Aspekte in die Geschlechterdebatte einzubringen (das sollen nur die GenderforscherInnen dürfen).

In beiden Fällen würde die Stagnation des Prozesses herbeigeführt werden, denn weder ohne Gedanken noch ohne Entscheidungen kämen wir viel weiter. Haben nun die meisten für Emmalein entschieden? OK!

Michail

Re: Nachdenkliches im WDR

MeckMax, Thursday, 20.05.2004, 15:59 (vor 7932 Tagen) @ Jeremin

Als Antwort auf: Nachdenkliches im WDR von Jeremin am 20. Mai 2004 09:39:20:

Aber ich habe das sichere Gefühl, wir vergessen hier eine Klasse von Frauen, die es meiner Erfahrung nach gar nicht so selten gibt und die eigentlich unsere natürlichen Verbündeten sein könnten. Ich meine Frauen, die die Rolle der Versorgten entschieden ablehnen, die prima mit Männern klarkommen, ohne sich unterworfen oder übervorteilt zu fühlen, die selbstbewußt ihre Ziele vertreten, ohne die der Männer in Grund und Boden zu verteufeln. Frauen der Tat meinethalben. (Die, die ich kenne, sind ohne Ausnahme in Vollzeit berufstätig.)

Sie stellen sicher noch nicht die Mehrheit der Frauen, aber wir sollten uns hüten, alles, was fünf Tage am Stück bluten kann, ohne zu sterben, in einen Topf zu werfen. Und Feuer drunter zu machen. Das könnte überkochen.
Statt dessen sollten wir den Frauen klarmachen, was konkret wir von IHNEN wollen. Und was gefälligst überhaupt nicht. Uns gegen Übergriffe zu wehren und gegenseitig wachzurütteln, ist nur der erste Schritt. Die gegenwärtige Medienkampagne zeigt ja nur Zustände auf, bietet aber keine Lösungen an. Und ist so eigentlich auch kein Grund zum Jubeln, oder?<<<

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Hallo Jeremin

Damit hast du fraglos recht.
Denn wenn ich den immer wieder kehrenden Vorwurf von Hani... lese, das die sogenannten Maskulisten insgesammt misogyn seien, dann ist das nur noch lächerlich.

Ich hab dazu mal mal ein wenig gegoogelt und dies gefunden:
"misogyn" bezeichnet, also als "frauenhassend". "Misogyn" kann auch einfach nur bedeuten "mochte nicht heiraten"

Denn es kann kaum darum gehen, gegen die holde Weiblichkeit ins Feld zu ziehen.
Statt dessen aber muss dem Identitätswahn, welcher durch die feministische Ideologie heraufbeschworen wurde, entschieden entgegen getreten werden.
Denn dieser entlarft sich immer mehr seiner eigenen Lügen.
Was normalerweise zusammen gehen muss, um zu bestehen, wird durch diesen Geist empfindlich gestört und auseinander gebracht.
Der unverholenen Egomanie, welche mitlerweile leider auch Einzug ins Gesetz gehalten hat,
wird u.a. eben auch durch das Schwinden des Nachwuchses Rechnung getragen.
Allerdings ist diese Egomanie weitestgehend unfähig, den Zusammenhang zu rekonstruieren und gegenzusteuern.
Was also bleibt übrig?
Genau das, was du geschrieben hast. Nämlich nur den Geist dahinter zu demaskieren und ihn nicht personell zu festigen.
Irre gibt es zu hauf. Dennoch sind auch diese unbelehrbaren Betonköpfe nur eine zeitliche Erscheinung.
Denn sie werden resignieren, wenn der zu zahlende Tribut sie unaufhaltsam eingeholt hat.
Die Vorläufer sind ja bereits im gange und mehren sich.
Die Presse ist aufmerksam geworden. Das Fernsehen wird kritischer.
Auch Politiker bleiben nicht länger verschont, wie die Beispiele Schröder, Westerwelle und Blair zeigen.
Der eine wird maulschelliert, den anderen fliegen Farbbeutel entgegen.
Wir dürfen gespannt sein, was sich sonst noch ereignen wird....

Gruß back
MeckMax

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